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Debatte um die 89er:

 
   

Der Mauerfall als generationsstiftendes Ereignis

 
   
  • GREINER, Ulrich (1994): Die Neunundachtziger.
    Der Streit über Botho Strauß und die Verrisse seines jüngsten Buches sind Ausdruck eines Machtkampfs. Eine neue Generation tritt gegen die Achtundsechziger an,
    in: Die ZEIT Nr.38 v. 16.09.
    • Inhalt:
      Ulrich GREINER verteidigt Botho STRAUß' Buch "Dämmern Wohnen Lügen" gegen die 89er:

                
      "Der neue Prosa-Band von Botho Strauß ist in der ZEIT (von Iris Radisch am 12.8.) in der FAZ (von Gustav Seibt am 20.8. ) und in der Frankfurter Rundschau (von Thomas Assheuer am 27.8.) kalt und naserümpfend abserviert worden wie ein ranziges Stück Käse.
                
      (...).
      Man kann das neue Buch von Botho Strauß gut finden oder weniger gut. Aber der Furor der Kritiker (...) übersteigt den literarischen Anlaß. Weshalb also erregt Botho Strauß solchen Zorn? Nicht nur er. Weshalb erfahren Autoren wie Enzensberger, Walser, Schneider, Biermann »Bezichtigungen und Verleumdungen statt Polemik und Auseinandersetzung«, woher kommt die »aggressive Ignoranz« (Peter Schneider im Spiegel)?
      Sie kommt nicht aus dem Streit zwischen »links« und »rechts«. Die ideologische Etikettierung verbirgt den wahren Konflikt: den Konflikt zwischen den Generationen von Autoren und Kritikern, die jetzt etwa in dem Alter sind, in dem die Achtundsechziger damals waren.

                
      (...).
      Die Dreißigjährigen machen sich mausig, und wir, die Achtundsechziger, obgleich noch rüstig, werden aufs Altenteil geschickt. Die neue Generation, die sich da mählich formiert, braucht natürlich einen Namen. Nennen wir sie der Kürze halber die Neunundachtziger. Es war ja zu erwarten, daß die epochale Wende von 1989, das Ende der alten Bundesrepublik und der Zusammenbruch des Sozialismus auch einen Generationenbruch verursachen würde.

                
      (...).
      Der Angriff der neuen Generation richtet sich naturgemäß gegen die Symbolfiguren (...). Im Mittelpunkt der Attacken stehen (...) diejenigen Achtundsechziger, die, wie es etwa die Zeitschrift Kursbuch demonstriert, im Begreifen der epochalen Wende ihre Positionen revidieren und damit ihre Deutungsvorherrschaft behaupten.

                
      (...).
      Der historische Treppenwitz des Vorwurfs besteht darin, daß die Neunundachtziger-Generation die Instrumente der alten Ideologiekritik gegen ihre ehemaligen Anwender richtet. Jetzt geraten diejenigen in den Mechanismus des Verdachts, die ihn einst bedienten. Die nunmehr größten Kritiker der Elche haben es von den Elchen gelernt. Darin kann man einen ausgleichenden Akt der Gerechtigkeit erblicken.

                
      (...).
      Das ist schon etwas, aber es langt nicht. (...). Die Achtundsechziger hatten immerhin einen Begriff von der Sache, auch wenn sich der Begriff als unvollständig erwiesen hat. Sie hatten immerhin eine Theorie, auch wenn sie falsifiziert wurde. Was haben die Neunundachtziger? Heraus damit, laßt sehen. "
  • LAU, Jörg (1994): Generationskonflikt?
    Ulrich Greiners Abgang mit Aplomb als Feuilletonchef der "Zeit",
    in: TAZ v. 21.09.
  • MISIK, Robert (1994): Der letzte Versuch,
    in: Die ZEIT v. 25.11.
  • BUSCHE, Jürgen (1995): Von einem Traum blieb Papier,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 28.01.
  • GREFFRATH, Matthias (1995): Warten auf die 99er,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 04.02.
  • GÜRTLER, Detlef (1995): Die neue Generation,
    in: Wochenpost v. 19.10.
  • FRÖHLICH, Anke (1996): EXTRA: Die 89er,
    in: Wochenpost v. 18.01.
    - Acht 89er stellen sich vor
  • LEGGEWIE, Claus (1995): Die 89er. Porträt einer Generation, Hoffmann und Campe: Hamburg
    • NUTT, Harry (1995): Das Buch zum Streit,
      in: TAZ v. 28.04.
  • MICHEL, Karl Markus & Tilman SPENGLER (HG)(1995): Der Generationenbruch, Kursbuch 121, September, Rowohlt: Berlin
  • FLAMM, Stefanie (1995): Lifestyle ist alles, was uns bleibt. In: MICHEL, Karl Markus & Tilman SPENGLER (HG)(1995): Der Generationenbruch, Kursbuch 121, September, Rowohlt: Berlin
    • Inhalt:
      Stefanie FLAMM, eine Angehörige der Generation Golf, wehrt sich gegen die Etikettierung ihrer Generation als 89er und gegen die damit verbundenen Vorwürfe der 68er:

                
      "Als Ulrich Greiner die gesammelten Kritiken zu Botho Strauß' Wohnen Dämmern Lügen durchsah, dachte er sich, so selbstgefällig, so unengagiert, das sind die Meinen nicht, das müssen die 89er sein. Damit wurden wir ex negativo geschaffen, als identitätsstiftender Kontrapunkt zu den ja bekanntlich sehr engagierten, gegen Macht, Staat und Rechts sich einsetzenden 68ern. Folglich sind wir selbstherrlich, unpolitisch und karriereorientiert: postmodern eben. Der Herbst '89 , der den 68er-Ideen den Todesstoß versetzte, soll nun unser prägendes Erlebnis gewesen sein. Aber ihr meßt uns an euren Idealen, nicht an euer linksliberalen Weicheierei, denn dann würdet ihr merken, daß unsere Praxis die eure ist."
  • ZIEGLER, Helmut (1995): Der Generationensurfer. In: MICHEL, Karl Markus & Tilman SPENGLER (HG)(1995): Der Generationenbruch, Kursbuch 121, September, Rowohlt: Berlin
    • Inhalt:
      Helmut ZIEGLER, Angehöriger der Single-Generation, setzt dem "89er"-Etikett den Generationensurfer entgegen:

                
      "Wenn sein Leben mit dem Geist der Zeit verzahnt sei, dann nur zufällig und widerwillig. (...)
                
      So hat er von dem »Generationengerede« die Nase voll und ist allenfalls bereit, sich als »Generationensurfer« zu bezeichnen, der sich neuen Phänomenen wie Wellen annähert, durch sei hindurchtaucht und ihnen dann hinterherblickt: »Es gab eine historisch geprägte Generation in der Nachkriegszeit, eine politisch motivierte Ende der sechziger Jahre und eine eher ästhetisch und nihilistisch definierte in der Punk- und Radical-Chic-Ära. Das war es aber dann auch in meinen Augen.«
                
      Alle weiteren Zuschreibungen hält er für Konzeptionen der Medien- und Marketing-Industrie (...).» (...) Die Subkultur, die heute als Basis aller Definitionen - wie etwa im Fall der Generation X - fungiert, wird eh immer schneller sein und ist nicht zu fassen. Ärgerlicher ist da ein Politologe wie Leggewie, der mit dem blauen Müllbeutel vom Untergang der DDR über den Selbstmord von Kurt Cobain bis zum Golf-Krieg ohne Achtung vor der Differenz alles einsammelt und dann sein Label 'Die 89er' draufpappt. Aber wenn man ihn daraufhin kritisiert, kommt auch nicht mehr als ein 'Genau!'. Diese Coolness macht ihn dann schon wieder sympathisch«."
  • KRALINSKI, Thomas (2000): Junge Pioniere.
    Den jungen Ostdeutschen gehört die Zukunft,
    in: Die ZEIT Nr.41 v. 05.10.
  • Susanne Leinemann - Die 89er: Eine Generation im Wartestand
 
       
   

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© 2002 - 2007 Bernd Kittlaus webmaster@single-generation.de Erstellt: 06. Juni 2000
Update: 19. November 2007
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