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Matthias Metje: Wählerschaft und Sozialstruktur im Generationswechsel

 
       
     
       
   

Matthias Metje in seiner eigenen Schreibe

 
   

fehlt noch

 
       
   

Wählerschaft und Sozialstruktur im Generationswechsel (1994)
Eine Generationsanalyse des Wahlverhaltens bei Bundestagswahlen
Deutscher Universitätsverlag

 
   
     
 

Klappentext

"Die Struktur der Wählerschaft ist aufgrund des Generationswechsels einem ständigen Wandel unterworfen. In jeder Generation bildet sich eine spezifische Sozialstruktur heraus, die im Zeitablauf konstant bleibt und die in besonderem Maße die Parteipräferenz beeinflußt. Die vorliegende Studie weist mit einer Längsschnittanalyse von Bundestagswahlen Generationseffekte auf die Stimmenanteile der Parteien empirisch nach."

Inhaltsverzeichnis

1 Fragestellung

2 Die geschichtliche Entwicklung des Generationskonzepts

2.1 Die Entstehung des Generationskonzepts im 19. Jahrhundert
2.2 Das "Problem der Generationen" Anfang des 20. Jahrhunderts
2.3 Die Wiederentdeckung des Generationsproblems in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg
2.4 Das Modell der politischen Generationen

2.4.1 Die politische Prägephase im Jugendalter
2.4.2 Die Dauerhaftigkeit politischer Prägung
2.4.3 Die Gleichartigkeit politischer Prägung im Generationszusammenhang

3 Die Erklärung von Wahlverhalten unter dem Aspekt des Generationswechsels

3.1 Das Wahlverhalten politischer Generationen
3.2 Die Stabilität von Parteipräferenzen und Wahlverhalten
3.3 Die Stabilität von sozialen Strukturen im Generationszusammenhang
3.4 Der Einfluß des Generationswechsels auf Wahlentscheidungen im Modell

4 Die Generationen in Deutschland: Eine kurze Skizzierung

4.1 Die Abgrenzung der Generationszusammenhänge
4.2 Die Sozialisationsgeschichte der Generationen

4.2.1 Jahrgang 1890-1899: Die Generation des Ersten Weltkrieges
4.2.2 Jahrgang 1900-1914: Die Weimarer Generation
4.2.3 Jahrgang 1915-1925: Die Generation des Zweiten Weltkrieges
4.2.4 Jahrgang 1926-1930: Die Flakhelfergeneration
4.2.5 Jahrgang 1931-1941: Die Aufbaugeneration
4.2.6 Jahrgang 1942-1948: Die Wohlstandsgeneration
4.2.7 Jahrgang 1949-1957: Die Bildungsgeneration
4.2.8 Jahrgang 1958-1966: Die Ökologiegeneration
4.2.9 Jahrgang 1967 und danach: Die Jugendlichen der Gegenwart

4.3 Zusammenfassung und Hypothesen

5 Das Datenmaterial
6 Der Nachweis von Generationseffekten im Wahlverhalten

6.1 Die methodischen Probleme
6.2 Die Kohortenanalyse
6.3 Die Generationseffekte bei den Bundestagswahlen 1961 bis 1990 - eine empirische Analyse

7 Das Wahlverhalten der Generationen bei Bundestagswahlen

7.1 Die Entwicklung der Berufsstruktur im Zeitverlauf

7.1.1 Die Neue Mittelschicht
7.1.2 Die Arbeiterschaft
7.1.3 Die Selbständigen
7.1.4 Zusammenfassung

7.2 Das Wahlverhalten der Berufsgruppen nach Generationen

7.2.1 Die Neue Mittelschicht
7.2.2 Die Arbeiterschaft
7.2.3 Die Selbständigen
7.2.4 Zusammenfassung

7.3 Die Parteibindung der Generationen
7.4 Die Entwicklung von Konfession und Kirchenbindung im Zeitverlauf

7.4.1 Die Konfession
7.4.2 Die Kirchenbindung

7.5 Das Wahlverhalten der konfessionellen Gruppen nach Generationen

7.5.1 Der Zusammenhang von Konfession und Kirchenbindung
7.5.2 Das Wahlverhalten nach kirchlich-konfessioneller Bindung

7.6 Die Konfliktstruktur der Wählerschaft

8 Die deutsche Wählerschaft zum Zeitpunkt der Bundestagswahl 1990

8.1 Die Bundestagswahl 1990

8.1.1 Das Wahlergebnis
8.1.2 Die Sozialstruktur
8.1.3 Die politischen Themen und die Kandidatenkonstellation
8.1.4 Die strukturelle Verankerung des Wahlverhaltens in den neuen Ländern

8.2 Die Konfliktstrukturen im Wahljahr 1990
8.3 Die künftigen Koalitionsmöglichkeiten

8.3.1 SPD und die GRÜNEN
8.3.2 SPD und FDP
8.3.3 SPD, FDP und die GRÜNEN

8.4 Die Entwicklungsperspektiven des Parteiensystems

8.4.1 Krise des Parteiensystems?
8.4.2 Realignment oder Dealignment?

Zitate:

Die Flakhelfergeneration (1926-1930)

"Die Charakterisierung der Jahrgänge 1926 bis 1930 als »Flakhelfergeneration« erfolgt in Anlehnung an eine Studie von Heinz Bude. Diese Zuordnung leitet sich zum einen aus der Verfügung zum »Kriegsgehilfeeinsatz der Jugend bei der Luftwaffe« vom Januar 1943 ab. Betroffen waren hiervon in den Jahren 1943 und 1944 die Jahrgänge 1926 bis 1929. Der Kriegseinsatz bezog sich zunächst auf Schüler mittlerer und höherer Schulen, später auch auf berufstätige Jugendliche. Zum anderen basiert die Zuordnung auf den »Volkssturm«-Einheiten, in denen auch der Jahrgang 1930 erfaßt war, und die ein ähnliches Schicksal wie die Flakhelfer durchmachten. Einschränkend ist anzumerken, daß sich die Charakterisierung der Flakhelfergeneration überwiegend an den männlichen Geburtsjahrgängen orientiert.
Bude analysiert die Flakhelferjahrgänge bereits als Kerngruppe der von Schelsky beschriebenen »skeptischen Generation«. Damit werden die Flakhelfer den eigentlichen Nachkriegsjahrgängen zugerechnet. Dieser Sichtweise ist nicht uneingeschränkt zu folgen. Sehr viele der 1926 bis 1930 Geborenen gerieten noch in Kriegsgefangenschaft. Die Jahrgänge 1926 bis 1930 sind vielmehr als eine spezifische Zwischengeneration zu begreifen, deren prägende Erfahrungen in einer besonderen Weise zwischen Kriegs- und Nachkriegserlebnissen eingebettet sind. (...).
Die politischen Einstellungen der Flakhelfergeneration unterscheiden sich (...) kaum von denen der nachfolgenden Aufbaugeneration (...). Die Flakhelfergeneration und die Jahrgänge 1931 bis 1941 der Aufbaugeneration sind als eng verwandte Generationszusammenhänge anzusehen.
Zu den Flakhelferjahrgängen gehören u.a. Otto Graf Lambsdorff (1926), Hans-Jochen Vogel (1926), Hans-Dietrich Genscher (1927), Ernst Albrecht (1930), Kurt Biedenkopf (1930), Heiner Geißler (1930), Helmut Kohl (1930)."
(1994, S.59f.)

Die Aufbaugeneration (1931-1941)

"Die nach 1930 Geborenen waren an Kriegshandlungen nicht mehr selbst beteiligt. Die prägenden Erfahrungen während der Nachkriegszeit sind aber nur vor dem Hintergrund der besonderen Kindheitserlebnisse dieser Generation zu verstehen. Sie erfuhren die große Existenzgefährdung und die schlimme Not während der Kriegs- und der ersten Nachkriegsjahre hautnah. Die wirtschaftliche Not verhinderte eine ausgedehnte Phase der Kindheit und führte (...) zu einer frühen Konfrontation mit dem Erwachsensein. Nicht selten verrichteten Kinder Erwachsenen-Arbeiten. Diese Generation erlebte viele Kindheitsjahre ohne Vater, der zumeist erst nach längerer Zeit aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurde.
Die wirtschaftliche Festigung der Bundesrepublik und die rasche Steigerung des materiellen Lebensstandards gehört ebenfalls zu den entscheidenden Jugenderlebnissen dieser Generation. Das »Wirtschaftswunder« begann sich langsam abzuzeichnen. (...). Höhere Bildungsabschlüsse wurden, wenn überhaupt, erst zu seinem späteren Zeitpunkt nachgeholt (...). Auch wenn Teile dieser Generation in den sechziger Jahren von der starken Aufwärtsmobilität in Mittelschichtberufe noch spürbar profitieren konnten, blieb doch ihre berufliche Grundstruktur insgesamt (...) erhalten. Die Aufbaugeneration war daher von den ökonomischen Umständen her eine benachteiligte Generation mit Tendenzen einer späteren Begünstigung eines Teiles der Generation. (...).
Die Grundhaltung der Aufbaugeneration nach dem Zweiten Weltkrieg läßt sich (...) anhand einer Untersuchung der westdeutschen Jugendlichen des Nachkriegsjahrzehnts von 1945 bis 1955 von Helmut Schelsky vergegenwärtigen. (...) Martin Greiffenhagen hat die Familie als die verläßlichste Institution im Chaos der Nachkriegszeit beschrieben und daraus die enge Bindung der »skeptischen Generation« an die Vorstellungswelt der älteren Generation abgeleitet. (...).
Diese unpolitische Zwischenlage der Jahrgänge von 1930 bis 1940 ist (...) auch mit dem Etikett der »stillen Generation« versehen worden.
Deutsche Politiker dieser Generation sind u.a. Johannes Rau (1931), Otto Schily (1932), Max Streibl (1932), Bernhard Vogel (1932), Walter Wallmann (1932), Norbert Blüm (1935), Klaus Kinkel (1936), Anke Fuchs (1937), Hans-Ulrich Klose (1937), Rudolf Seiters (1937), Lothar Späth (1937), Rita Süßmuth (1937), Björn Engholm (1939), Theo Waigel (1939), Hermann-Otto Solms (1940), Eberhard Diepgen (1941)."
(1994, S.61ff.)

Die Wohlstandsgeneration (1942-1948)

"Die Jahrgänge 1942 bis 1948 wurden in der Zeit größter Not geboren und zählen daher zu den geburtenschwachen Jahrgängen. Sie wuchsen dann aber in einen expandierenden Wohlstand hinein. Für diese Jahrgänge gab es weder Ausbildungsprobleme noch berufliche Einmündungsschwierigkeiten. Die Entwicklung in Richtung Dienstleistungsgesellschaft führte zu einem reichhaltigen Angebot an Karrierechancen. Von Beginn der beruflichen Etablierung an spielten Angestellten- und Beamtenpositionen eine hervorgehobene Rolle. Unter der enormen Ausweitung des allgemeinen Wohlstands wurde ein wachsender Konsum zur Selbstverständlichkeit. (...).
In einer Untersuchung der Jahrgänge 1940 bis 1950 charakterisierte Viggo Graf Blücher die Wertvorstellungen dieser Generation als offen, weltneugierig, vorurteilsfrei, demokratisch und ohne ideologische Fixierung. Er sprach von einer »unbefangenen Generation«. Im Gegensatz zu der privatistischen Grundhaltung der Aufbaugeneration förderten die ökonomischen Umstände in den sechziger Jahren bei der heranwachsenden Wohlstandsgeneration eine eher individuell-optimistische Grundhaltung (...).
Der offene Ausbruch einer politischen Konfrontation zwischen den älteren Generationen mit ihren überwiegend obrigkeitsstaatlichen Vorstellungen und der heranwachsenden »unbefangenen« Generation war daher eigentlich nur eine Frage der Zeit. Der Generationskonflikt (äußerte)(...) sich in den Studentenprotesten (...). An den politischen Protesten Mitte bis Ende der sechziger Jahre beteiligte sich jedoch nicht die gesamte Wohlstandsgeneration, sondern nur eine besonders radikale und in erster Linie bürgerliche Generationseinheit. Die Bezeichnung der Jahrgänge zwischen 1940 und 1950 als »APO-Generation«, »Protestgeneration« oder als »Generation der Studentenbewegung« stellt daher einen Teil dieser Generation zu sehr in den Vordergrund.
(...). Der Wohlstandsgeneration gehören u.a. an: Irmgard Schwaetzer (1942), Wolfgang Schäuble (1942), Herta Däubler-Gmelin (1943), Oskar Lafontaine (1943), Gerhard Schröder (1944), Ingrid Matthäus-Maier (1945), Jürgen W. Möllemann (1945), Rudolf Scharping (1947), Joschka Fischer (1948)."
(1994, S.63)

Postmaterialismus als Kennzeichen der Wohlstandsgeneration und ihrer Nachfolgegenerationen

"Ohne hier auf die Vielzahl der Einwände eingehen zu können, sollte man dennoch festhalten, daß auch in den kritischen Arbeiten zur »Postmaterialismus«-These Generationsunterschiede in den Wert- bzw. Einstellungsdimensionen festgestellt worden sind. Inglehart selbst hat in seiner jüngsten Arbeit die unterschiedlichen Wertprioritäten von Generationen in sechs europäischen Ländern eindrucksvoll bestätigen können. Die Analysen stützen sich mittlerweile auf einen Untersuchungszeitraum von 19 Jahren (1970 bis 1988). Die »Postmaterialismus«-These wird somit zunehmend erhärtet."
(1994, S.67)

Die Bildungsgeneration (1949-1957)

"Es ist durchaus angebracht, die Jahrgänge 1942 bis 1957 insgesamt als Wohlstandsgeneration zu bezeichnen. Von den Veränderungen und Krisen Anfang der siebziger Jahre sind die Jahrgänge ab 1949 allerdings viel direkter betroffen gewesen. Sie wuchsen noch unter politisch stabilen und wirtschaftlich prosperierenden Verhältnissen heran. Im Zuge der der Bildungsexpansion schlossen viele von ihnen eine akademische Ausbildung ab. Zur Zeit des Berufseintritts zeigten sich dann aber schon zahlreiche Etablierungsprobleme. (...).
Der Bildungsgeneration kam nach der Bildungsexpansion jedoch eine Ausweitung des staatlichen Beschäftigungssektors in den sechziger und siebziger Jahren zugute. (...) Hans-Peter Blossfeld und Rolf Becker konnten nachweisen, daß er Anstieg von Hochschulabsolventen bei den nach 1950 Geborenen hauptsächlich von der Ausweitung des staatlichen Sektors kompensiert worden ist und daß dieselben Jahrgänge auch insgesamt die größten Nutznießer der Expansion der Staatsbeschäftigung in den sechziger und siebziger Jahren waren. Die Bildungsgeneration ist wie die Wohlstandsgeneration eine von der ökonomischen Bedingungen zum Zeitpunkt des Berufseintritts begünstigte Generation."
(1994, S.67f.)

Die Ökologiegeneration (1958-1966)

"Mit den Jahrgängen 1958 bis 1966 tritt ein weiterer Generationsbruch auf, der als ökologische Konfliktlinie bezeichnet werden kann. Alle zuvor dargestellten wirtschaftlichen Strukturprobleme haben sich weiter verschärft und die geburtenstarke Jahrgangsgruppe um 1960 besonders hart getroffen. Für die Jahrgänge ab 1958 ist erstmals in der Bundesrepublik ein deutlicher Zusammenhang zwischen Jahrgangsstärke und relativen Bildungs- und Beschäftigungschancen festgestellt worden. Die weitere Bildungsexpansion hat dazu geführt, daß heute gute Bildungsabschlüsse immer weniger entsprechende Berufschancen garantieren können. Die traditionell enge Verbindung von höherer Bildung und staatlichem Sektor, die der vorhergehenden Generation noch bildungsadäquate Beschäftigungen sicherte, existiert nicht mehr. Die Stagnation des staatlichen Beschäftigungssektors zu Beginn der achtziger Jahre hat in Zukunft vor allem für höherqualifizierte junge Menschen negative Folgen.
Von der unerwarteten Arbeitslosigkeit ist die Ökologiegeneration insgesamt betroffen. Zu Beginn der achtziger Jahre waren 20- bis 25jährige (in etwa Jahrgang 1957 bis 1962) deutlicher von Arbeitslosigkeit betroffen als Erwachsene. Nach zwei begünstigten Generationen wächst mit der Ökologiegeneration wieder eine tendenziell benachteiligte Generation heran. Das Problem der Arbeitslosigkeit (hat)(...) einen allgemeinen Zukunftspessimismus gefördert (...).
Von den vielen Etikettierungen, die für diese junge Generation geprägt worden sind, finden bei den Jugendlichen selbst die Bezeichnungen »verunsicherte Generation« und »No-Future-Generation« die häufigste Zustimmung."
(1994, S.68f.)   

 
     
 
       
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 29. November 2014
Update: 29. November 2014