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Reimer Gronemeyer: Kampf der Generationen

 
       
     
       
   
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    Reimer Gronemeyer in seiner eigenen Schreibe

     
       
    UNIVERSITAS-Schwerpunkt: Jung gegen alt?

    GRONEMEYER, Reimer (2003): Was geschieht mit der Rente?
    Die Alten müssen zugunsten der Jungen Einbußen hinnehmen und können dies auch,
    in: Universitas, Schwerpunkt Jung gegen Alt? Nr.11, November, S.1155-1159

    Neu:
    GRONEMEYER, Reimer (2008): Der Tod als Event,
    in: Das Parlament Nr.44-45 v. 27.10.

    "Immer mehr Menschen leben und sterben als Singles. Sie haben keine Nachkommen und sie haben keine Vorfahren. Das hat es so noch nicht gegeben, ist aber wohl der adäquate Ausdruck für eine radikal individualisierte Lebenswelt. Und da der "homo modernissimus" nicht eingebunden ist in die Geschichte seiner Vorfahren und die seiner Nachkommen, wird fast zwangsläufig das Lebensende zum Ort einer Dienstleistung", berichtet Reimer GRONEMEYER.

     
           
       

    Reimer Gronemeyer im Gespräch

     
       
    • MAUELSHAGEN, Claudia (2005): "Krise der Vergreisung".
      Penetranter Jugendkult und eine überalterte Gesellschaft führen zu einem Krieg zwischen den Generationen, behauptet Reimer Gronemeyer,
      in: Psychologie Heute, Nr.1, Januar

     
           
       

    Kampf der Generationen (2004)
    München: Deutsche Verlagsanstalt

     
       
         
     

    Klappentext

    "Der Konflikt ist da: Die Alten gegen die Jungen, die Jungen gegen die Alten. Reimer Gronemeyer, anerkannter Fachmann für Generationenfragen, sagt klar und deutlich, was uns erwartet und wie wir es bewältigen können.

    Das ganze System funktioniert nicht mehr, wenn nicht bald etwas passiert: Die Renten werden sinken, die Gesundheit wird unbezahlbar, die Gesellschaft droht am Generationenkonflikt zu zerreißen. Was tun? Alle Bereiche unseres Lebens, so Reimer Gronemeyer, der schon 1989 in einem Buch vor den Gefahren der Überalterung warnte, werden von der demographischen Revolution betroffen sein. Alte werden politisch mächtiger, aber sozial immer mehr verachtet. Sie wollen die Früchte ihrer Lebensarbeit ernten, doch die sind schon vorher aufgezehrt. In Wohlstand und Sicherheit haben alle stets nur gelernt: »Ich auch! Noch mehr!« Lange haben das auch alle bekommen. Jetzt sorgen sich viele um die Zukunft, denn so geht es nicht weiter. Reimer Gronemeyer nennt Ursachen, Symptome und Lösungsmöglichkeiten. Er entwirft das Bild eines »neuen Alters«, das sich aus den Zwängen des Floridaurlaubs oder des Marathons mit 75 befreit und neue Kompetenzen des Verzichts und der Selbsthilfe fördert. Nur so können wir den Krieg der Generationen noch verhindern."

     
         
     
           
       

    Rezensionen

    BIERRACH, Barbara (2004): Beethoven statt Rente,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 20.03.

    Warum die SZ das Buch Kampf der Generationen als Wirtschaftsbuch behandelt, das will nicht so recht einleuchten. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass Barbara BIERRACH ebendort Bücher rezensiert. Das Buch gehört eher zur Kategorie "Predigten" und dürfte deshalb zukünftig in keinem Pfarrhaus fehlenBIERRACH findet die Probleme der alternden Gesellschaft treffend beschrieben, ohne dass klar würde warum. Lösungen findet sie dagegen keine, denn der Soziologe Reimer GRONEMEYER ist der deutschen Krankheit, dem Kulturpessimismus, verfallen. BIERRACH sieht die Geldferne des Autors als Symptom des Pensionsanspruchs deutscher Beamten. (BIERRACH vergisst zu erwähnen, dass auch gerne Barrikadenkämpfe von pensionsberechtigen Beamten zwar angezettelt, aber nicht zu Ende gedacht werden).

     
           
       

    Die Entfernung vom Wolfsrudel (1989)
    Düsseldorf: Claasen

     
       
         
     

    Inhaltsverzeichnis

    Vorwort

    Der Wandel des Lebens in der Zeit

    Die Vergangenheit: Leben mit Bäumen
    Die Zukunft: am Ende der Sinnsuche
    Die Gegenwart: an der Schwelle zum Generationenkrieg

    Alte und Junge

    Kinder: Objekte der Gefühle
    Alte: unersättliche Esser
    Das verleugnete Alter
    Moderne Totenberge
    Jung und alt unter dem Versorgungsdiktat

    Die Macht der Greise

    Das Wolfsrudel
    Der Urkonflikt
    Wie Könige sterben
    Elternmord, Kindesmord
    Mit dem Seehundknochen erwürgt
    Kannibalismus und Intensivstation
    Die Angst vor den Toten
    Törichte Hunde und schwarzschwänzige Hirsche
    Der Sieg der jungen Imperatoren

    Die Familie stirbt

    Die Zeit der Eltern
    Die Zeit der Kinder

    Diktatur der Jungen

    Im Jahr 2030
    Gierige Greise
    Sand im Getriebe
    Der Altenplan
    Vom Ende des Lebenszyklus
    Der Wettlauf der Sozialkonzerne
    Wenn Alte den Verstand verlieren
    Alte auf der Schulbank
    Im Schleppnetz der Altenhelfer
    Sterbetherapie

    Nachwort

    Zitate:

    Cicero und die Verteidigung der Gerontokratie

    "Cicero (...) wendet sich gegen die Dekadenz und will durch die Wiederherstellung des Respekts vor dem Alter den Niedergang aufhalten. Ciceros Schrift »Über das Alter« - »De senectute« - liest sich wie ein melancholischer Abgesang auf die Gerontokratie: Das Alter sei nicht unproduktiv. Autorität und Reife des Alters würden die Regierung in Weisheit leiten. »Die Staaten wurden stets von jungen Leuten ruiniert, gerettet und wiederaufgebaut aber von den Alten.«"
    (S.90)

    Kinderlosigkeit

    "Zweiundzwanzig Prozent aller Ehepaare haben gegenwärtig keine Kinder. 1950 war jeder fünfte Haushalt ein Einpersonenhaushalt, 1982 ist es jeder dritte. In Städten mit über hunderttausend Einwohnern ist jeder zweite Haushalt ein Einpersonenhaushalt.
    Aber die Alleinstehenden (...) hat es schon immer gegeben. Erst als im zwanzigsten Jahrhundert die Familie in eine Krise geriet, hat man ihr einen Alleinvertretungsanspruch angedichtet. Je hysterischer er vorgebracht wird, desto deutlicher signalisiert er ihren Untergang.
    Die Generation der Eltern, die im Schatten des Wilhelmismus groß geworden ist, ist wohl die letzte, die Kindererziehung und Arbeit als Lebenssinn begriffen hat." (S.108)

    Vision: Deutschland im Jahr 2030

    a) Polarisierung zwischen Jungen und Alten

    "Die Welt der Jungen sind die Städte. Sie werden beherrscht von der Single-Szene, einer Elite zwischen achtzehn und fünfundvierzig, die exzessiv arbeitet und exzessiv konsumiert. Banken, High-Tech-Firmen, extravagante Boutiquen, Freizeitanlagen, die von der Sauna bis zum Kino alles umfassen, und Luxusappartements bestimmen das Bild.
    Eine alte ländliche und eine jugendliche urbane Lebenswelt stehen sich gegenüber. (...).
    In den ländlichen Regionen, wo die Alten wohnen, gibt es keine gefilterte Luft. Die Nahrungsmittel stammen aus der heimischen Produktion. Sie sind hochgradig vergiftet. Das teure Auslandsgemüse und -obst ist unerschwinglich für die Senioren. (...). Bei den über Sechzigjährigen werden keine Operationen mehr vorgenommen. Für Prothesen und Medikamente steht jedem Senior jährlich eine feste Summe zur Verfügung. Von den bescheidenen Renten kann kaum jemand privat eine Operation, ein Medikament oder ein Hörgerät bezahlen." (S.115f.)

    b) Die neue Klassengesellschaft

    "Die Jugend ist gespalten. Neben einer Elite gibt es Jugendliche und junge Erwachsene, die am Rande der schönen neuen Welt leben. (...) Ihre Arbeitskraft wird nicht gebraucht, sie werden stillgestellt durch ununterbrochene Ausbildung und Unterhaltung. Wenn soziale Unruhen zu befürchten sind, dann rühren sie von der Spaltung der Jugend her. Der Luxus und die ökologischen Privilegien der Elite provozieren zur Rebellion. Marodierende Jugendliche werden therapeutisch ruhiggestellt oder zwangsweise in Ausbildungszentren auf dem Land untergebracht." (S.121)

    c) Späte Elternschaft

    "Es bietet sich (...) für ehemalige Angehörige der Elite, die mit fünfundvierzig aus dem Berufsleben ausscheiden: Kinder. In der aktiven Phase sind Kinder kein Thema für diese Gruppe. Für sie liegt es nahe, Kinder, wenn überhaupt, erst später zu bekommen, und zwar mehrere gleichzeitig. Die Medizin hat alle Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt, die Fünfundvierzigjährigen übernehmen in Labors gezeugte Kinder für etwa sechs Jahre. Danach werden sie in Sozialisationsinstanzen geschult und erzogen." (S.122)

    Die Wohlfahrtsgeneration

    "Der amerikanische Sozialwissenschaftler David Thomson hat die Biographie der »Wohlfahrtsgeneration« beschrieben. Ihre Angehörigen haben nach 1945 geheiratet, und sie gehen heute in den Ruhestand." (S.125)

    Der Altersklassenkampf

    "»Woopies« (well-off-older-People)" (S.123)

    "Die Woopies von heute sind die erste und letzte Generation, die sich dem Rausch des Wohlfahrtsstaats und des ungebremsten Konsums hingeben kann. Die Alten werden künftig eher als gierige Greise, als unersättliche Parasiten erscheinen. Der Boden ist bereitet für den Altersklassenkampf. Von der Jahrtausendwende an könnte er die Welt tiefer spalten als Rassenhaß, Geschlechterkrieg oder Klassenkampf zwischen Kapital und Arbeit. (S.125)

    "Der Generationskonflikt (...) bricht als Altersklassenkampf neu auf, die Jungen fangen an, ihr Verhältnis zu den Alten neu zu betrachten. (...).
    Die kommende Generation (..) wird sich nicht auf moralische Kategorien berufen, sondern auf Berechnungen. Sie wird die Kosten-Nutzen-Analyse zum Maßstab ihres Handelns machen, und dabei haben die Alten schlechte Karten." (S.130)

    Die Alterslast

    "»Heute versorgen 100 Arbeiter 56 Rentner. Im Jahre 2030 werden es 132 Rentner sein.« So steht es in einer Zeitschriftenanzeige." (S.126)

    Die Rentenversicherung als Versicherung gegen Kinderlosigkeit

    "Die Einführung der Rentenversicherung macht Kinder überflüssig. Die hedonistische Lebensführung macht Kinder lästig, sie kosten Zeit und Geld. Immer mehr Menschen leben als Singles oder Dinkies (double income no kids). Kinder sind im ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert eine Fehlinvestition. Die Dinkis werden wohl als erste zur Kasse gebeten werden, wenn sich herausstellt, daß die Rentenversicherung am Ende ist." (S.129)

    Das Ende der Familie - Wahlverwandtschaften als Ersatzfamilie

    "So, wie in der Literatur des neunzehnten Jahrhunderts das Drama der bürgerlichen Ehe zwischen Treue und Emotion in den Mittelpunkt rückte, so beginnt sich heute in der Gegenwartsliteratur der Zerfall der Familie herauszubilden, wie etwa in Christoph Heins Roman »Drachenblut« (...).
    Eine Rückkehr zur Familie wird es nicht geben. Wie das neue aussehen wird, ist schwer vorherzusehen. Sicher ist nur, daß ruiniert ist, was früher selbstverständlich war. Warum eigentlich Kinder? Warum Versorgung der Eltern in der Familie? Zurück bleiben Vereinzelte: Single-Kinder, Single-Erwachsene, Single-Senioren. (...).
    Im besten Fall wird es möglicherweise »Wahlverwandtschaften« geben, die an die Stelle natürlicher Bindungen treten. Gegen das, was uns droht, ist es im Wolfsrudel vergleichsweise überschaubar zugegangen.
    Das christliche Abendland stützte sich auf zwei Einrichtungen: auf die Familie und auf den Nationalstaat. Beide sterben. (...). Dei Gesellschaft zerfällt in Lobbys.
    Am Ende des Jahrhunderts wird es so viele Scheidungen wie Heiraten geben, die Mehrfachehe wird die Normalform sein." (S.172f.)

     
         
     
           
       

    Das Buch in der Debatte

    BRÄUNINGER, Bettina/LANGE, Andreas/LÜSCHER, Kurt (1997): "Krieg zwischen den Generationen?" Die Darstellung von Generationenbeziehungen in ausgewählten Sachbuchtexten, Arbeitspapier Nr.26, Universität Konstanz

     
         
         
       

    Weiterführende Links

     
         
       
     
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 01. März 2004
    Update: 04. Juli 2015