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Frank Nawroth: Social Freezing

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 2013 Buch "Ein Kind - warum nicht auch für uns?" (zusammen mit Elke Eyckmanns und Markus Merzenich)
      2015 Buch "Social Freezing"

      2006-2011 Leitender Arzt der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin an der PAN Klinik am Neumarkt in Köln
 
       
   

Social Freezing (2015).
Kryokonservierung unbefruchteter Eizellen aus nicht-medizinischen Indikationen

Springer Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Frank Nawroth thematisiert das Social Freezing und die zugehörige Beratung, die nicht nur Chancen, sondern auch denkbare Komplikationen und Grenzen der Methode aufzeigen muss. Zum Beispiel haben die gesellschaftspolitisch nicht optimal gelöste Problematik des möglichen Karriere-Nachteils einer berufstätigen Mutter oder die häufig bestehende Schwierigkeit, den geeigneten Partner zu finden, bei gleichzeitig verbesserten Kryokonservierungsmethoden dazu geführt, dass Frauen ohne medizinische Indikation über das Einfrieren ihrer Eizellen nachdenken. Die Technologie selbst ist seit Längerem Routine vor fertilitätsbeeinträchtigenden Therapien onkologischer Erkrankungen (Operation, Strahlen- und/oder Chemotherapie) im reproduktiven Alter"

 
     
 
       
   

Beiträge von single-generation.de zum Thema

Kinder machen

Die Reproduktionsmedizin und die Fruchtbarkeitskrise - Eine Bibliografie der Debatte um Geburtenrückgang und ungewollte Kinderlosigkeit

 
   

Social Freezing in der Debatte

FUCHS, Ursel (2001): Fortpflanzung wird Chefsache.
Max-Planck-Präsident Mark hat gesprochen - und die "Enteignung der Mütter" schreitet voran,
in: Welt v. 26.06.

Ursel FUCHS entwirft eine Vision wie die Fortpflanzungsplanung einer Frau im Jahr 2025 aussehen könnte:

"Mit 21 lässt sie Eizellen einfrieren. Nach Ausbildung und Karriere taut sie sie auf und lässt sie künstlich befruchten. Die Embryonen werden kloniert, also Kopien gemacht. Eine davon im Acht-Zell-Stadium untersuchen Wissenschaftler in der Präimplantationsdiagnostik (PID) mikroskopisch. Hat der Embryo einen Gendefekt, werden die übrigen Embryonen repariert mittels Keimbahn-»Therapie«, Elternwünsche werden berücksichtigt, Gendaten gespeichert. Einige Embryonen werden tiefkühlkonserviert, auf Vorrat, andere der Frau eingepflanzt. Sie werden durch Pränataldiagnostik überwacht. Falls doch was schief geht: Abtreibung. Die Geburtsrate beträgt 13.9 Prozent. Sollte ein Kind später krank werden oder sterben - identischer Ersatz kann jederzeit aufgetaut und eingepflanzt werden."

BERNDT, Christina (2005): Baby-Bausatz fürs Leben.
Für manche ist es eine der großartigsten Erfindungen seit der Anti-Baby-Pille: Immer mehr Frauen lassen ihre Eizellen einfrieren - für den Fall, dass sie in späteren Jahren noch schwanger werden wollen. Doch Eizellen sind bei weitem nicht so leicht zu gewinnen wie männliches Sperma,
in: Süddeutsche Zeitung v. 28.04.

TECHNOLOGY REVIEW-Titelgeschichte:
Mama mit 60?
Die neuen Wege aus der Kinderlosigkeit

HERDEN, Birgit (2005): Kinder aus dem Kühlschrank.
Die Befreiung der Fortpflanzung von biologischen Zwängen könnte die traditionelle Lebensplanung und ganze Gesellschaftsstrukturen auf den Kopf stellen,
in: Technology Review, August

"Fruchtbarkeitsmanagement" (ein Begriff aus der Rinderzüchtung) nennt Birgit HERDEN das Eizellen einfrieren. Warum ist das notwendig?

"1,6 Millionen Paare sind in Deutschland ungewollte kinderlos, eine häufige Ursache ist das fortgeschrittene Alter. Schuld daran ist unter anderem die Erfindung moderner Verhütungsmittel wie die Pille. Seit Sex ohne Fortpflanzung möglich ist, können wir erstmals auf den richtigen Zeitpunkt für Kinder warten und das aufwendige Unternehmen dabei immer wieder aufschieben - bis es zu spät ist.
Die Biologie ist unerbittlich. Frauen müssen schwanger werden, bevor sie 40 sind",

erklärt HERDEN. Mit dem Einfrieren von Eizellen wird nun die Ruhestandsfamilie nicht nur denk- sondern auch praktizierbar. Eleonore PORCU gelingt um die Jahrtausendwende mit ihrer Forschergruppe gemäß HERDEN der entscheidende Durchbruch beim Einfrieren von unbefruchteten Eizellen. Seitdem wird das Verfahren weiter verfeinert. Als Extrembeispiel für eine späte Mutterschaft wird die rumänische Literaturprofessorin und Kinderbuchautorin Adriana ILIESCU vorgestellt, die mit 66 Jahren ein Kind auf die Welt brachte. In Deutschland hätte sich die Alleinstehende ILIESCU ihren Kinderwunsch nicht erfüllen können. Gemäß HERDEN sehen manche in der Reproduktionsmedizin sogar ein Mittel gegen den Geburtenrückgang:

"(Ist) eine Kindheit mit betagten Eltern nicht doch der Nicht-Existenz vorzuziehen?
Die späte Mutterschaft könnte vielleicht dem dramatischen Rückgang der Geburtenraten gegensteuern und dadurch gesellschaftliche Anerkennung gewinnen."

Zum Schluss wird einerseits die Gefahr genannt, dass das Einfrieren von Eizellen die Bemühungen um eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie torpedierten könnte. Andererseits ermöglicht es eine größere Selbstbestimmung für alleinstehende Frauen, die ein Kind auch ohne Partner zur Welt bringen wollen.

NEW YORK MAGAZINE-Titelgeschichte:
Freeze Your Biological Clock

WILDMAN, Sarah (2005): Stop Time.
It’s the ultimate New York careerist dream: Work (and play) now, conceive later. Has science finally made it possible? The promises and pitfalls of putting your eggs on ice,
in: New York Magazine v. 17.10.

BRISCOE, Daren (2006): Put Those Eggs on Ice.
Fertility Treatments: Most Couples without children wait too long to have them. But Technology may have an answer,
in: Newsweek v. 04.09.

KAST, Bas (2007): Mutterschaft auf Eis gelegt.
Frauen bekommen immer später Kinder - eine Herausforderung für Mediziner,
in: Tagesspiegel v. 06.12.

SCHLAG, Beatrice (2008): Das Ei aus dem Eis.
Wissenschaftler reden von einer "Revolution": Schon jetzt könnten junge Frauen ihre nicht befruchteten Eier einfrieren lassen,
in: Emma, Nr.4, Juli/August

CADENBACH, Christoph (2013): Bis später, Baby.
Die biologische Uhr lässt sich jetzt anhalten. Diese Frau hat ihre Eizellen einfrieren lassen - wenn sie will, kann sie also auch mit 40, 50, 60 noch Mutter werden. Der letzte Schritt zur Vollendung der Emanzipation?
in: SZ-Magazin Nr.10 v. 08.03.

"Vor etwa sechs Jahren erschienen die ersten Meldungen, dass das Einfrieren unbefruchteter Eizellen nun möglich sei. Eine Revolution wie die Pille, prophezeiten einige Wissenschaftler. Das Verfahren dafür nennt sich Vitrifikation, eine Art Schockgefrieren in flüssigem Stickstoff. Allerdings wurde es in Deutschland zunächst nur Krebspatientinnen angeboten, die kurz vor einer Chemotherapie standen, bei der die Eierstöcke und Eizellen geschädigt werden könnten. Zu diesem Zeitpunkt wussten die Mediziner noch zu wenig über die Erfolgsaussichten und Risiken dieses Verfahrens, um es auch Frauen anzubieten, die keine medizinisch notwendigen Gründe hatten, sondern nur sogenannte soziale: ihre Karrieren zum Beispiel.
Seit etwa einem Jahr hat sich das nun geändert und die ersten deutschen Kinderwunschzentren informieren ihre Patientinnen auch über dieses sogenannte Social Freezing. »Wir stehen gerade am Anfang«, sagen Ärzte wie Sören von Otte oder Frank Nawroth, die als führende Experten gelten. Bei Nawroth haben sich bisher 14 Frauen zum Social Freezing entschieden, bei von Otte 25. Deutschlandweit gibt es vielleicht vier, fünf andere Zentren, die so viele Fälle betreut haben. Beide Ärzte sind auch im Netzwerk FertiProtekt organisiert, einem Zusammenschluss von Reproduktionsmedizinern, die sich speziell mit dem Erhalt der Fruchtbarkeit beschäftigen. Social Freezing war 2012 eines der Hauptthemen auf ihrem Jahrestreffen. Und das Interesse unter Medizinern dürfte noch größer werden, seit im Oktober die weltweit angesehene American Society for Reproductive Medicine das Einfrieren unbefruchteter Eizellen vom Experimentier- in eine Art Routinestatus erhoben hat. In den USA ist die Entwicklung ohnehin schon weiter: Prominente wie Kim Kardashian haben über ihre tiefgefrorenen Eizellen im Fernsehen geredet, Internetseiten wie extendfertility.com oder eggsurance.com bewerben das Ganze als ultimatives Freiheitsversprechen: »Fertility. Freedom. Finally.«
Es geht hier also nicht mehr nur um die Frage, was das Social Freezing für die Frauen bedeutet, für die Geschlechterrollen, für die Emanzipation, sondern auch darum, wie man daraus ein Geschäft macht",

beschreibt Christoph CADENBACH den Fortschritt auf dem reproduktionstechnologischen Gebiet des Einfrierens unbefruchteter Eizellen.

ZEIT-Dossier: Fortpflanzung? Später!
Ein neues medizinisches Verfahren stellt die biologische Uhr der Frau ab. Bis ins hohe Alter kann sie jetzt schwanger werden. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Kind?

SPIEWAK, Martin (2013): Die biologische Uhr anhalten.
Kinderwunsch: Etwa 3000 Euro kostet es Frauen, ihre eigenen Eizellen einfrieren zu lassen. Plus jährliche Gebühr für die Lagerung: Eine Versicherung, die vom Zeitdruck in der Lebensmitte befreit,
in: Die ZEIT
Nr. 29 v. 11.07.

FOCUS-Titelgeschichte: Projekt Kind.
Mit High-Tech-Medizin zum Baby - aber kann man Glück planen?

GOTTSCHLING, Claudia (2013): Kinderwunsch auf Eis.
Spätes Mutterglück? Kein Problem, sagen Mediziner. Frauen sollten nur rechtzeitig daran denken, ihre Eizellen einfrieren zu lassen. Doch den meisten kommt die Idee sehr spät,
in:
Focus Nr.41 v. 07.10.

BERNHARD, Albrecht (2013): Spätes Glück.
Es ist ein Segen für viele Frauen - mit neuen medizinischen Methoden können sie ihre Fruchtbarkeit konservieren. Etwa warten, bis der Richtige kommt. Aber: Was bedeutet das für die Gesellschaft?
in:
Stern Nr.48 v. 20.11.

BUSINESS WEEK-Titelgeschichte:
Freeze Your Eggs, Free Your Career.
A new fertility procedure gives women more choices in the quest to have it all
 

ROSENBLUM, Emma (2014): Later, Baby.
Will Freezing Your Eggs Free Your Career?
in:
Business Week v. 17.04.

LINDNER, Roland (2014): Für immer gebärfähig.
In Amerika überlisten Frauen die biologische Uhr. Sie lassen ihre Eizellen einfrieren und vertagen das Kinderkriegen. Der Trend wird zum großen Geschäft Auch in Deutschland,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 29.06.

ABÉ, Nicola (2014): Gefrorene Zeit.
Essay: Warum das Konservieren von Eizellen Frauen Freiheit verschafft,
in:
Spiegel Nr.29 v. 14.07.

BERNDT, Christina (2014): Glück auf Eis,
Kinder oder nicht? Um diese Entscheidung aufzuschieben, lassen immer mehr Frauen Eiszellen einfrieren. Kann das Folgen haben wie einst die Anti-Baby-Pille?
in:
Süddeutsche Zeitung v. 19.07.

FREITAG, Line (2014): Investiert lieber in familienfreundliche Arbeitsmodelle!
20.000 Dollar Prämie für Frauen, damit die ihren Kinderwunsch nach hinten verschieben? Der völlig falsche Ansatz,
in:
Wirtschaftswoche Online v. 15.10.

FIRLUS-EMMRICH, Thorsten (2014): Einfrieren gehört zum guten Service.
Apple und Facebook zahlen Mitarbeiterinnen auf Wunsch demnächst 20.000 Dollar, wenn sie ihre Eizellen einfrieren lassen. Die Konzerne haben ihre Rolle richtig erkannt,
in:
Wirtschaftswoche Online v. 15.10.

BERLINER ZEITUNG-Thema: Jetzt nicht!

REST, Jonas (2014): Das Projekt iZelle.
Facebook und Apple zahlen Einfrieren von Eizellen,
in:
Berliner Zeitung v. 16.10.

BRÜNING, Anne (2014): Belastend, teuer und nur selten sinnvoll.
Das Einfrieren von Eizellen ist in Sonderfällen sinnvoll. Für das Kind ist es aber ein riskantes Verfahren,
in:
Berliner Zeitung v. 16.10.

BORCHARDT, Alexandra (2014): Im Tal der auf Eis gelegten Gefühle.
SZ-Tagesthema: Apple und Facebook wollen sich in die Lebensplanung ihrer Mitarbeiterinnen einmischen. Die Folgen sind riskant,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 16.10.

BERNDT, Christina (2014): Forever young.
SZ-Tagesthema: Wer früh Eizellen einfriert, kann später leichter schwanger werden,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 16.10.

WILHELM, Hannah (2014): In den schwierigsten Jahren.
SZ-Tagesthema: Apple und Facebook bieten Mitarbeiterinnen finanzielle Unterstützung an, wenn sie ihre Eizellen einfrieren lassen möchten. Warum nicht - es ist es nur eine zusätzliche Option bei einer schwierigen Entscheidung,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 16.10

BOSSONG, Nora (2014): Unter dem Gefrierpunkt.
Eizellen einfrieren für die Karriere, wie Apple und Facebook es planen? Unsere moderne Arbeitsgesellschaft hat den Respekt vor dem biologischen Eigensinn des Individuums,
in:
ZEIT Online v. 17.10.

LÖFFLER, Juliane (2014): Sozial ist das nicht.
Social Egg Freezing: Mit dem Angebot, Mitarbeiterinnen das Einfrieren ihrer Eizellen zu bezahlen, versprechen Apple und Facebook mehr Gleichberechtigung. Das Gegenteil ist der Fall,
in:
Freitag Online v. 17.10.

BAUER, Katja (2014): Ökonomisch optimiert leben.
Frauen: Mit dem Einfrieren von Eizellen folgen Firmen ihren Interessen, nicht denen von Frauen,
in:
Stuttgarter Zeitung v. 17.10.

"Das Angebot der Konzerne tut das Gegenteil dessen, was es vorgibt: es nimmt Frauen Freiheit. Auf beruflich ambitionierte Frauen wird enormer Druck entstehen, diese hypermoderne Form der Ausbeutung als Option wahrzunehmen. Einfrieren als Nachweis von Karrierebereitschaft und Flexibilität",

meint Katja BAUER. Dabei sieht sie das Problem lediglich als eines von Spitzenpositionen:

"In Rede steht nicht die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, das kriegen viele Paare mittlerweile irgendwie hin. Nein, es geht um Karriere."

STÖHR, Nora (2014): Eiskalte Frauenförderung.
Kinderwunsch: Apple und Facebook bezahlen das Einfrieren von Eizellen,
in:
Stuttgarter Zeitung v. 17.10.

"Den Kinderwunsch zu Gunsten der Karriere hintenanzustellen, passt (...) genau zur Philosophie von Facebook-Managerin Sheryl Sandberg, die sich als Vertreterin einer neuen Frauenbewegung geriert. In ihrem Buch »Lean In« kritisiert sie die Tendenz von Frauen, sich zu früh zu viele Gedanken über die Familienplanung zu machen und damit ihre Karriere auszubremsen", meint Nora STÖHR.

FROST, Simon/KARBERG, Sascha/MONATH, Hans/KELLER, Claudia (2014): Apple, Facebook und der neue Weg für Karriere-Frauen.
Frage des Tages: Das Angebot von Apple und Facebook, Eizellen einfrieren zu lassen, empört Politik und Kirche. Was bezwecken die Unternehmen damit?,
in:
Tagesspiegel v. 17.10.

Die Autoren haben den prominenten Reproduktionsmediziner Heribert KENTENICH u.a. nach den Risiken des Verfahrens für die so gezeugten Kinder befragt:

"Das erste Kind, das »durch die Kälte ging«, wurde 1984 geboren. Die Prozedur schadet den Kindern nicht, sagt Kentenich. „Und obwohl wir das bisher nicht verstehen: Offenbar sind sie sogar etwas gesünder.“ Denn im Vergleich zu künstlich befruchteten Kindern, deren Eizellen nicht eingefroren wurden, hätten die Kinder ein höheres Geburtsgewicht und es gebe etwas weniger Frühgeburten."

Im Gegensatz zum SZ-Artikel von Alexandra BORCHARDT wird von den Autoren nicht das weitläufigere Diversity-Problem der High-Tech-Konzerne thematisiert, sondern nur das Vereinbarkeitsproblem als Geschlechterfrage.

Die Reaktionen aus Politik und Kirche werden als fast einhellig beschrieben, lediglich die Göttinger Medizinethikerin Claudia WIESEMANN wird mit einer Gegenposition aufgeführt.

POHL, Ines (2014): Ein Akt der Selbstbestimmung.
taz-Tagesthema: Kommentar zum "Social Freezing"-Angebot aus dem Silicon Valley,
in:
TAZ v. 17.10.

HÖDL, Saskia (2014): "Man kann keine Chancen ausrechnen".
taz-Tagesthema: Medizin: Der Reproduktionsmediziner Reinhard Hannen über seine Erfahrungen, die Möglichkeiten und Risiken der Entnahme von Eizellen,
in:
TAZ v. 17.10.

OESTREICH, Heide (2014): "Völlig irre und abwegig".
taz-Tagesthema: Deutschland: Breite und einmütige Ablehnung,
in:
TAZ v. 17.10.

MENKENS, Sabine (20014) Sollten Frauen ihre Eizellen einfrieren lassen?
Contra: Wir müssen uns der Ökonomisierung des Lebens widersetzen. Und Raum lassen für Wunder,
in:
Welt v. 18.10.

MÜLLHERR, Silke (20014) Sollten Frauen ihre Eizellen einfrieren lassen?
Pro: Arbeitgeber können ruhig den Spielraum für Frauen erweitern, die noch auf flexible Jobmodelle warten,
in:
Welt v. 18.10.

HENNING, Ulrike (2014): Social Freezing - Was ist das?
Trügerisch: Mit dem Einfrieren von Eizellen wird weiter an der optimierten Schwangerschaft geschraubt,
in:
Neues Deutschland v. 18.10.

SPAHL, Thilo (2014): Soziale Kälte?
Wenn Apple und Facebook Mitarbeiterinnen das Einfrieren von Eizellen bezahlen, ist das nicht Ausdruck von Allmachtsfantasien. Es zeigt vielmehr, unter welchem Druck die Unternehmen stehen,
in:
The European Online v. 18.10.

KEMPF, Sarah (2014): Wenn die biologische Uhr lauter tickt.
Um nicht kinderlos zu bleiben, lassen Frauen mit spätem Kinderwunsch ihre Eizellen einfrieren. Die Nachfrage nach "Social Freezing" steigt,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.10.

MARTENSTEIN, Harald (2014): Apple und Facebook machen Frauen zu Leibeigenen.
Die Mitarbeiterinnen von Apple und Facebook sollen auf Firmenkosten ihre Eizellen einfrieren können. Angeblich geht es um die Vereinbarkeit von Familie und Karriere. Doch das ist eine Lüge. Ein Kommentar,
in:
Tagesspiegel v. 19.10.

BERNARD, Andreas (2014): Seid fruchtbar, aber später!
Ist "Social Freezing", das Einfrieren der Eizellen, der nächste Schritt in die kontrollierte Gesellschaft?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.10.

BUDRAS, Corinna (2014): Einladung zum Eizelleneinfrieren.
Facebook und Apple unterstützen ihre Mitarbeiterinnen dabei, ihren Kinderwunsch auf später zu verschieben. Was hat das mit uns zu tun?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.10.

Corinna BUDRAS hat im Wirtschaftsteil - im Gegensatz zu Florentine FRITZEN im Politikteil der FAS - sowohl Verständnis für die US-Unternehmenskultur als auch für Social Freezing. Zum einen hebt sie hervor, dass Unternehmen in den USA im Gesundheitswesen sozusagen eine Rolle einnehmen, die hierzulande der Staat innehat. Zum anderen greift ihrer Meinung nach das Argument der Frauenfeindlichkeit zu kurz.

BUDRAS berichtet über die Göttinger Konferenz Postponed Motherhood and the Ethics of Family, die von Stephanie BERNSTEIN und Claudia WIESEMANN ausgerichtet wurde. Nicht die Karriere, sondern das Problem des passenden Partners steht beim Social Freezing im Vordergrund. Damit das Verfahren aber sinnvoll ist, dürfen Frauen mit der Entnahme der Eizellen nicht zu lange warten:

"Frauen, die sich mit 30 dafür entscheiden, sich alles offenzuhalten, haben nur noch eine Chance von rund 25 Prozent, tatsächlich im höheren Alter schwanger zu werden",

erläutert BUDRAS. Bei den Zahlenspielereien von BUDRAS stellt sich jedoch die Frage, ob LeserInnen damit überhaupt etwas anfangen können. Was bedeutet eine Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent? Im Vergleich mit welchen Wahrscheinlichkeiten, z.B. einer Schwangerschaft mit 20 oder einer künstlichen Befruchtung mit 40? Und ist der Gesundheitszustand einer Frau nicht viel entscheidender als das Alter? Und gibt es nicht Frauen, die früher in die Wechseljahre kommen, während es bei anderen später passiert? Wenn also große interindividuellen Unterschiede von Frau zu Frau bestehen, welche Bedeutung kommt dann dem ständig verwendeten Optionsbegriff zu? Für welche Frauen ist Social Freezing dann überhaupt eine Option? Wird dann vielleicht für eine Option plädiert, die gar keine ist? Aber solche Fragen kommen in dieser Debatte erst gar nicht auf, sondern sie werden auf die Frage der späten Mutterschaft verkürzt, wobei die Karrierefrau den Maßstab abgibt:

"Aus medizinischer Sicht sei es weniger Problematisch als üblicherweise vermutet, wenn Frauen die Kinder später austrügen. Langzeitstudien zeigen, dass zumindest bei der Gruppe der gut ausgebildeten 40- bis 45-Jähirgen die Risiken einer Schwangerschaft im Vergleich zu denen einer Zwanzigjährigen nur leicht erhöht seien. Bei allem Jubel über jüngere Mütter werde stets vergessen, dass sich unsichere Lebenslagen nicht gerade positiv auf ein Kind auswirken",

zitiert die Journalistin das Plädoyer der Ethik-Professor Claudia WIESEMANN für eine späte Mutterschaft.

FRITZEN, Florentine (2014): Silikon.
Apple und Facebook finanzieren ihren Mitarbeiterinnen einen Traum: sie von den Fesseln ihrer Biologie zu lösen. Oder wenigstens die biologische Uhr für eine Weile anzuhalten. So können die Frauen Karriere machen. Oder werden sie nur geschmiert? Wie Zahnrüdchen in einem viel größeren Uhrwerk,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.10.

HOLLERSEN, Wiebke (2014): Eine schrecklich tiefgefrorene Familie.
Apple und Facebook wollen Mitarbeiterinnen das Einfrieren ihrer Eizellen finanzieren. Bisher wird diese Methode, die Fruchtbarkeit zu verlängern, sehr selten angewendet,
in:
Welt am Sonntag v. 19.10.

Wiebke HOLLERSEN berichtet über die Sicht des Brüsseler Reproduktionsmediziner Dominic STOOP, der kürzlich einen Artikel in der Zeitschrift Lancet zum Thema veröffentlicht hat:

"200 Frauen haben seit 2009 in Brüssel einen Teil ihrer Eizellen einfrieren lassen. (...). Die Frauen waren im Durchschnitt 35 Jahre alt, durchliefen zwei bis drei Hormonbehandlungen und ließen zwanzig dabei gewonnene Eizellen lagern. »Nur ein paar Dutzend« hätten sich seitdem noch einmal in der Klinik gemeldet. Vier Frauen (...) ließen bisher Eizellen wieder auftauen und versuchten, ein Kind daraus zu bekommen. (...) Eine der Frauen ist schwanger. »Sie war 35, als sie sich Eizellen entnehmen ließ, jetzt ist sie 39. Sie hat einen Partner gefunden, die beiden haben sein Sperma verwendet. Nach ein paar Versuchen im Labor hat es geklappt.«",

berichtet HOLLERSEN über die Erfahrungen am Brüsseler Kinderwunschzentrum von STOOP. Aber welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen? Ist das Verfahren deshalb irrelevant oder heißt das nur, dass die Frauen üblicherweise bislang zu spät ihre Eizellen eingefroren haben? Die Motive der Frauen, die ihre eingefroren Eizellen nicht verwendeten, bleiben zudem im Dunkeln.

"1986 wurde zum ersten Mal eine Frau schwanger, nachdem ihre Eizellen wieder aufgetaut worden waren",

behauptet HOLLERSEN, was der Darstellung im Tagesspiegel widerspricht. In Wikipedia heißt es zum Stichwort Social Freezing, lediglich, dass der

"erste Bericht über eine erfolgreiche Schwangerschaft nach Kryokonservierung von unbefruchteten Eizellen bereits im Jahr 1986 erschien".

Verwiesen wird auf die Zeitschrift Lancet.

LAUER, Céline (2014): Der neue Eiertanz.
Wo US-Firmen die Kosten für das Einfrieren von Eizellen übernehmen, um junge Frauen bei der Familienplanung zu entlasten, wittert Céline Lauer ein perfides Spiel,
in:
Welt am Sonntag v. 19.10.

AUGSBURGER ALLGEMEINE-Thema: Erst die Karriere - dann das Kind

KNEIFEL, Claudia (2014): Kinderwunsch auf Eis gelegt.
Ein Kind, ja, aber bitte erst später. Frauen können ihre Eizellen einfrieren lassen und so ihre Familienplanung verschieben. Doch ganz einfach ist das nicht. Und umstritten
in:
Augsburger Allgemeine v. 20.10.

SCHLÜTER, Christian (2014): Eisige Planung.
Apple und Facebook sei Dank: Social Freezing als großes Befreiungsversprechen und mächtiger Karrierebooster. Was bleibt davon, wenn man genauer hinschaut?
in:
Frankfurter Rundschau v. 20.10.

SDO (2014): Junge Deutsche zeigen sich offen für Social Freezing.
Die Deutschen spüren kaum Druck des Arbeitgebers auf die Karriereplanung, zeigt eine ZEIT-Umfrage. Ein Drittel kann sich dennoch vorstellen, Eizellen einlagern zu lassen,
in:
ZEIT Online v. 22.10.

Die aktuelle Ausgabe von Aus Politik und Zeitgeschichte befasst sich passenderweise mit dem Thema Demoskopie. Am Beispiel Social Freezing zeigt sich der Unfug, der mit angeblich repräsentativen Umfragen betrieben wird. Meist wird dabei lediglich eine einzige Frage gestellt, die bei Haushaltsbefragungen dann zusätzlich abgefragt wird. Repräsentativ ist so eine Umfrage lediglich für Haushalte und Altersgruppen, aber nicht z.B. für Eltern und Kinderlose, was ja gerade in Sachen Social Freezing interessant wäre.

Was nützt es z.B. zu wissen, dass sich eine Mehrheit in bestimmten Altersgruppen für Social Freezing ausspricht? Wichtig wäre doch zu wissen, ob es sich dabei um Kinderlose handelt oder um Eltern, die bereits ihre Familienplanung abgeschlossen haben.

Wichtig wäre auch zu wissen, ob die Befragung vor oder erst nach der öffentlichen Debatte um Apple und Facebook durchgeführt wurde, denn Meinungen können stark schwanken und werden durch Debatten verzerrt. Sie geben also nur ein Momentanbild ab, das morgen schon wieder ganz anders sein kann.

Während ZEIT Online mit dieser Vorabmeldung Werbung für ihre morgige Ausgabe macht, greifen sich andere Medien ihnen genehme Umfrageergebnisse als Schlagzeile heraus. So titelt die Welt online "Mehrheit der Deutschen lehnt »Social Freezing« ab", Die Stuttgarter Zeitung online fügt noch an: "Jüngere dafür".

FUCHS, Claudia (2014): Danke, Apple! Danke, Facebook!
Ist Social Freezing nur ein weiteres Mittel, das Leben der Frau dem Kapitalismus zu unterwerfen? Nein, meint unsere Autorin Claudia Fuchs. Social Freezing ist ein grandioser Fortschritt auf dem Weg zur weiblichen Selbstbestimmung, so wichtig wie einst die Erfindung der Anti-Baby-Pille,
in:
Berliner Zeitung Online v. 22.10.

In der Berliner Zeitung darf nun auch jemand Social Freezing verteidigen, nachdem bislang lediglich die Gegner zu Wort kommen durften. Ob da die Ergebnisse der ZEIT-Umfrage nachgeholfen haben?

ZEIT-Thema: Dürfen Firmen Familien planen?
Frauen sollen ihre Eizellen einfrieren lassen, wenn es ihrer Karriere nützt. Was bislang nur Apple und Facebook fördern, könnte Schule machen. Aber viele junge Deutsche finden das wichtig

RUDZIO, Kolja (2014): Ein Kind von Apple.
US- Firmen zahlen Mitarbeiterinnen Geld, damit sie ihre Eizellen einfrieren und den Kinderwunsch aufschieben. Eine Umfrage der ZEIT zeigt: Viele junge Deutsche halten das Angebot für attraktiv,
in:
Die ZEIT Nr.44 v. 23.10.

Der Artikel von Kolja RUDZIO enthält gegenüber der Vorveröffentlichung kaum neue Fakten zur ZEIT-Umfrage. Es werden nicht einmal alle Ergebnisse mit Fragen und Antworten präsentiert. Der Leser kann sich also kein eigenes Bild vom Wert der Umfrage machen. Analyse? Fehlanzeige! Das einzige Argument für das Sozial Freezing betrifft eine Karrierefrau in leitender Position, ansonsten werden lediglich Gegenargumente geliefert. Das Fazit:

"Es geht (...) nicht bloß um die Optimierung der Karriere und es Zeitpunktes, sondern auch um die Optimierung des Vaters. So wie manche Kunden von Online-Partnervermittlungen nicht davon lassen können, immer weiter zu suchen - schließlich ist ein noch besserer Partner nur einen Mausklick entfernt."

Karrierefrauen, so das neue Stereotyp, leiden unter Optimierungswahn. Frauen finden keinen Partner? Bei dieser Antwort wird den Frauen unterstellt, dass sie ihre wahren Motive verschleiern wollen. Wer unter Optimierungswahn leidet, der hat schließlich höchstens zu hohe Ansprüche...

NIEJAHR, Elisabeth (2014): Meine Eierstöcke, mein Baby und ich.
Warum ich meine gefrorenen Eizellen aufbewahren ließ - und mich dafür schäme,
in:
Die ZEIT Nr.44 v. 23.10.

Elisabeth NIEJAHR kann Frauen verstehen, die ihre Eizellen einfrieren lassen, politisch sei dies aber falsch, so ihr Standpunkt, der in Deutschland dem journalistischen Mainstream entspricht. In der deutschen Debatte um Social Freezing herrscht für NIEJAHR  im Gegensatz zur USA Altersdiskriminierung vor und zitiert dazu den Tagesspiegel und die Berliner Zeitung.

Nicht eine Verringerung des geschlechtsspezifischen Machtungleichgewichts beim Kinderkriegen bewirkt das Social Freezing, sondern das genaue Gegenteil:

"Mit der neuen Eizellen-Technik wird die Zahl der »Kann gerade nicht«-Männer steigen, die ihre Freundinnen mit Kinderwunsch vertrösten nach dem Motto: Familie ja, aber bitte nicht jetzt. Zauderer haben nun ein weiteres Argument."

Für NIEJAHR, die sich in Artikeln mal als Alleinerziehende, dann wieder als Patchworkerin bezeichnet, gibt es in Deutschland keine Vereinbarkeitsfalle à la »Alles-ist-möglich-Lüge«, sondern lediglich eine Nostalgiefalle.

SAUERBREY, Anna (2014): Die Frau von heute: Sklavin oder Asset?
Das "Eizellen-Gate" zeigt, dass es in der Gleichstellungspolitik immer seltener um Gerechtigkeit und immer häufiger um Geld geht - und dass die demographische Entwicklung eine große Chance ist. Ein Kommentar,
in:
Tagesspiegel v. 23.10.

Gleichstellungspolitik ist keine Politik für Frauen, sondern Elitenpolitik. Nur in diesem Sinne ist der demografische Wandel - wie Anna SAUERBREY meint - eine Chance: Für ein paar wenige weibliche Spitzenkräfte.

Manager wie Horst NEUMANN betrachten angesichts der angestrebten Roboterisierung der Arbeitswelt dagegen den demografischen Wandel als willkommene Entlastung des Arbeitsmarktes.

ALBRECHT, Bernhard (Pro) & Helen BÖMELBURG (Contra) (2014): Leben nach Plan.
Das Einfrieren von Eizellen verspricht Frauen größtmögliche Freiheit bei Karriere- und Familienplanung. Facebook und Apple bezahlen ihren Mitarbeiterinnen die Prozedur. Segen oder Fluch?
in:
Stern Nr.44 v. 23.10.

Bernhard ALBRECHT sieht im Social Freezing eine "Notlösung gegen Mütterfeindlichkeit". Merkwürdigerweise wird von ALBRECHT - wie auch von vielen anderen deutschen Kommentatoren - die US-amerikanische Situation umstandslos auf deutsche Verhältnisse übertragen, ohne die Unterschiede herauszustreichen. Die kinderarme Journalistin Helen BÖMELBURG diffamiert Social Freezing als "Lifestyle-Medizin". Zeitdruck (Soziologen sprechen von "Rushhour des Lebens") wird als "Intensivierung des Lebens" verherrlicht und natürlich fehlt auch der Vorwurf des Optimierungswahns nicht, bereichert lediglich um den "Kontrollwahn".

BAUM, Antonia (2014): Gib alles!
Man müsste schon die Märkte leerfegen, um an der Logik etwas zu ändern, die Frauen dazu bringt, ihre Eizellen einzufrieren,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.10.

DIEHL, Sarah (2014): Natürliches Gebären ist auch nicht so toll.
Die Vorbehalte gegen das Social Freezing spiegeln ein romantisiertes Naturbild wider, dessen Verfechtern die wachsende Autonomie der Frau an sich suspekt ist. Social Freezing erlaubt Frauen mehr Lässigkeit bei der Lebensplanung. Warum also dieser Aufschrei? Ein Plädoyer für mehr Entspannung,
in:
Berliner Zeitung v. 28.10.

BOLL, Christina (2014): Die Kinderfrage, humankapitalistisch betrachtet.
Unternehmen sollten nicht den Frauen das "Social Freezing" anraten, sondern jungen Angestellten eine frühe Elternschaft erleichtern. Das rechnet sich nämlich mehr als das Aufschieben der Kinderfrage,
in: Welt Online v. 02.11.

Die Welt verbreitetet eine Pressemitteilung des Hamburgischen WeltWirtschaftsinstitut vom 28. Oktober 2014 als Debattenbeitrag ohne dies in irgendeiner Form kenntlich zu machen. Brauchen wir einen solchen Pseudo-Journalismus?

SPOERR, Kathrin (2014): Margot Käßmann - vielleicht sind ja SIE verrückt.
Die Theologin kritisiert "Social Freezing". Unsere Autorin antwortet ihr,
in: Welt v. 04.11.

DIEHL, Sarah (2014): Die Angst vor der kühlen Weiblichkeit.
Das Einfrieren von Eizellen kann Frauen entspannter leben lassen,
in: Jungle World Nr.45 v. 06.11.

RÜFFER, Lisa (2014): Mein liebes Kind.
Freitag-Wochenthema Social Egg Freezing: Unsere Autorin findet, Frauen sollten eher früher als später Mütter werden. Ein Brief an ihre Tochter und also an die Zukunft,
in:
Freitag Nr.45 v. 06.11.

Lisa RÜFFER fühlt sich als junge Mutter, da sie schon mit 29 schwanger gewesen sei. Ob das stimmt, müsste am Jahrgang 1981 überprüft werden und am Wohnort, denn ost- und westdeutsche Mütter sind bei der ersten Geburt unterschiedlich alt. Im Jahr 2012 waren westdeutsche Mütter beim ersten Kind im Durchschnitt 29,4 Jahre alt. Aus dieser Sicht wäre RÜFFER keineswegs eine junge Mutter, sie wäre jedoch auch keine Spätgebärende.

Stolz verweist RÜFFER jedoch auf ihren hohen Bildungsstand, sodass sie sich doch als junge Mutter fühlen dürfe. Aber auch das ist falsch. Entscheidend ist der Studiengang. Als Journalistin gehört RÜFFER jener Berufsgruppe an, der mithin die höchste Kinderlosigkeit zugeschrieben wird. Und nur unter diesem Aspekt, darf sich RÜFFER (noch) als Avantgarde der Frühgebärenden sehen.

Individualisierung heißt: Das Ich als Besonderheit zu pflegen, das tut RÜFFER indem sie sich zur Nonkonformistin stilisiert:

"Man sagt den Frauen, es ist in Ordnung, wenn ihr die Entscheidung, ob ihr Mutter werden wollt oder nicht, vertagt, denn das wird euch die Karriere erleichtern. Dieser Satz wird gerade zum Konsens. Ich sehe das anders."

Nichts ist der Individualisierung mehr zuwider als zum Konsens zu werden, weswegen wir im Zeitalter der Konformisten des Anderssein leben.

Eine sozialpolitische Grundüberzeugung heißt: Weil es zu wenige Festanstellungen gibt und deshalb die Unsicherheit überhand nimmt, führt das zur Vermeidung der Mutterschaft. RÜFFER dagegen schreibt:

"Das Kind ist der Grund, warum ich mich auf keine Festanstellung einlassen will, warum ich lieber nachts arbeite und nachmittags ins Schwimmbad gehe.

Das Gegenteil zur Freude der Frühgebärenden ist das Leid der einsamen Karrierefrau, deren Kinderwunsch aufgrund des Alters unerfüllt bleiben muss. Journalistinnen , die in ihrem Freundeskreis so jemanden nicht aufweisen können, erhalten offenbar keinen Auftrag für solch eine Lebensstilreportage.

Im Grunde hat man ja nichts gegen das Social Freezing (Bekenntnis zur Wahlfreiheit!), sondern lediglich das politische Ethos verbietet es oder der frühe Verfall des weiblichen Körpers:

"Wenn Du einmal 30 bist, wirst du sehen, wie dein Körper sich verändert. Nicht nur mit deinen Eizellen geht es bergab."

Und immer geht es ums große Ganze, z.B. um die Neuerfindung des Feminismus:

"Bekomme Kinder, wenn du es für richtig hältst, nicht die anderen! Darin liegt heute die Aufgabe des Feminismus".

Was aber, wenn man es für richtig hält, Mutter erst nach den Wechseljahren werden zu wollen?

"Auf dir lastet großer Druck. Ich möchte sehr gerne einmal Oma werden. Du bist mein einziges Kind und das wird wohl auch so bleiben. Dein Papa und ich wollen kein zweites".

GUYTON, Patrick (2014): Besuch bei einem Pionier der Eizellenentnahme in Deutschland.
SWP-Tagesthema: Kinder aus dem Eisschrank: Der Münchner Reproduktionsmediziner Jörg Puchta hat mehr als 10 000 weibliche Eizellen eingefroren. "Social Freezing" betrachtet er als letzten Schritt zur vollen Emanzipation der Frau,
in: Südwest Presse v. 07.11.

SOSALLA, Ulrike (2014): Auszeit für die biologische Uhr.
SWP-Tagesthema: Jetzt also Eizellen. Mit einer gewissen Obsession debattiert unsere Wohlstandsgesellschaft immer wieder über Fortpflanzung. Wer bekommt wann Kinder, und wenn nicht, warum nicht? Soll man nachhelfen, und wenn ja, bis zu welcher Grenze?
in: Südwest Presse v. 07.11.

BECKER, Ulrich (2014): Karrieredruck statt Freiheit für die Frauen.
SWP-Tagesthema: Als Mann begibt man sich beim Thema "Social freezing" auf vermintes Gelände: Ihr habt gut reden, halten einem die meisten Frauen entgegen. Wir, so die Kritik, könnten uns den Kinderwunsch auch mit 50 oder 60 Jahren noch erfüllen,
in: Südwest Presse v. 07.11.

LENZEN-SCHULTE, Martina (2014): Der Fetisch mit den Frischzellen.
Social Freezing ist keine soziale Wohltat, sondern ein medizinisches Experiment. Wir unterschätzen die Komplikationen später Schwangerschaften und haben nicht einmal diskutiert, welche positiven Effekte eine frühe Mutterschaft mit sich bringt. Wer die Arbeitskraft der Frauen will, muss sie auch als Mütter anerkennen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.11.

KLIMKE, Barbara (2014): Warum Frauen ihre Eizellen einfrieren lassen.
Kaum eine Entscheidung im Leben ist so folgenreich wie die für ein Kind. Wer ist der richtige Partner? Was ist das richtige Alter? Die Methode des Social Freezing gewährt einen Zeitaufschub. Zwei Frauen, die sie gewählt haben, erzählen von ihren Beweggründen,
in:
Berliner Zeitung Online v. 13.11.

DJERASSI, Carl (2014): Unbefleckte Empfängnis.
Warum es der Gerechtigkeit zwischen Männern und Frauen dient, wenn sie Sex und Fortpflanzung voneinander trennen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 14.11.

Carl DJERASSI wendet sich gegen den Begriff "Social Freezing", aber nicht gegen die Methode des Eizellen-Einfrierens:

"Ich lehne die deutsche Bezeichnung »Social Freezing« ausdrücklich ab - im Gegensatz zu der Methode an sich. Warum sage ich »deutsch«? Weil diese englische Phrase, genau wie etwa das Wort »Handy«, nur im Deutschen benutzt wird. Wenn Sie versuchen, »Social Freezing« in den USA zu googeln, werden Sie nur deutsche Einträge finden. Warum benutzt niemand den deutschen Ausdruck »gesellschaftliches Einfrieren«? Ist er zu lang? Ist es »cool«, einen englischen Ausdruck zu benutzen? Oder bedeuten die Fremdwörter auch eine Verurteilung? Ich glaube, dass der Ausdruck aus dem deutschen Wortschatz gestrichen werden sollte, bevor der Duden ihn verewigt, so wie das Internet es jetzt schon tut. Die Phrase beleidigt alle Frauen".

Man könnte "Social Freezing" auch als politischen Kampfbegriff bezeichnen, denn er wird lediglich vor dem Hintergrund der bevölkerungspolitischen Debatte um den Geburtenrückgang plausibel. Der Begriff denunziert die späte Mutterschaft, obwohl im familienpolitisch angeblich vorbildlichen Frankreich das durchschnittliche Gebäralter keineswegs niedriger ist als in Deutschland.

HENCKEL, Elisalex (2014): "Wir werden viele aufgebrachte Frauen erleben".
Krebs, Nierenversagen, Unfruchtbarkeit: Die Entnahme von Eizellen birgt Risiken für Mutter und Kind, die wir jetzt noch nicht absehen können, warnt Forscherin Diane Tober,
in:
Welt v. 17.11.

HAHNE, Silke (2014): Cryostore konserviert den Kinderwunsch.
Unter dem Stichwort "Social Freezing" hat das Angebot von Apple und Facebook, Eizellen ihrer Mitarbeiterinnen auf Firmenkosten einzufrieren, eine Debatte losgetreten. Das Unternehmen Cryostore aus Essen legt Kinderwünsche tagtäglich buchstäblich auf Eis - beziehungsweise in Stickstoff,
in:
DeutschlandRadio v. 21.11.

FEHLING, Maya (2014): Will es. Muss es. Muss ich?
Körper: Wie geht es einer Frau, deren Fruchtbarkeit stetig sinkt, während Kind und passender Vater bislang fehlen? Ein Brief an die eigenen, noch nicht eingefrorenen Eizellen,
in:
TAZ v. 06.12.

Zeitungen suchen derzeit händeringend nach 34jährigen Frauen, denn diesen kommt im Zeitalter der Demografiepolitik geradezu magische Bedeutsamkeit zu. Die Magie der Zahl 34 ergibt sich aus der Biologie, d.h. dem scheinbaren Naturzustand von Gesellschaft - vor ihrer Korrumpierung durch technologischen Fortschritt. Kurz vor der gesellschaftlich konstruierten Grenze zur potenziellen Spätgebärenden, hat insbesondere in Westdeutschland, eine normale Frau ihre biologische Uhr zu ticken hören. Die gesellschaftliche Konstruktion der tickenden Uhr wird derzeit von der Reproduktionsmedizin angetrieben. Die Verfallskurve der Eizellen einer normalen Frau wird heutzutage von jeder Zeitungskanzel gepredigt. Und kann von den Lesern entsprechend fast deckungsgleich wiedergegeben werden, so auch von Maya FEHLING, deren Doktortitel dem sogar noch Nachdruck verleihen soll:

"Ihr fault - langsam, aber sicher. Eure Fruchtbarkeit - F e r t i- l i t ä t - steigt bis 25. Danach geht es abwärts. Ab 30 rapide. Ab 40 freier Fall bis zur Rente mit durchschnittlich 52. M e n o p a u- s e."

Und weil heute geborenen Frauen von Demografen eingeredet wird, dass sie alle Methusalems werden, muss das Gegenargument schon entsprechend krass formuliert werden:

"Maria del Carmen Bousada hat mit 67 Jahren Zwillinge zur Welt gebracht. (...). Sie hoffte, so alt wie ihre Mutter, nämlich 101 Jahre alt zu werden und so vielleicht noch Enkel zu erleben. Als die Zwillinge zwei waren, starb Maria an Krebs."

Seit die Reproduktionsmedizin den Verfall der Eizellen durch Einfrieren aufzuhalten verspricht (Gegner sprechen von social freezing) herrscht in Deutschland Panik. Ganze Wälder müssen nun sterben, damit auch die letzte westdeutsche Frau über den Verfall von Eizellen aufgeklärt ist. Dazu hat die Gelehrtenrepublik angesichts der Bedrohung der tickenden Uhr durch sozial freezing frühzeitig aufgerufen. Denn, so offenbar die Befürchtung, wenn westdeutsche Frauen ihre biologischen Uhren nicht mehr hören, dann könnte der freie Fall der Geburtenrate einsetzen - zumindest bei erfolgreichen Akademikerinnen.

Und wer ist schuld an dieser Misere? Die Nerds aus dem kalifornischen Silicon Valley? Die Später-Vielleicht-Männer? Die partnerverschmähenden Frauen? Oder führt die Schuldfrage gar nicht weiter, weil es die gesellschaftlichen Institutionen sind, die keine angemessenen Antworten mehr auf die Fragen des postmodernen Lebens bieten?

JESSEN, Jens (2014): Der neue Mensch.
Befreit von allen Fesseln der Natur: Ein Jahresrückblick auf die Debatten um Social Freezing, Gendertheorie und Sterbehilfe,
in:
Die ZEIT Nr.52 v. 17.12.

Jens JESSEN will einen Epochenbruch entdeckt haben, der ausgerechnet im Jahr 2014 stattgefunden hat:

"Die Utopien von 2014 setzen nicht mehr auf politische Befreiung von Macht und Ausbeutung, sondern auf eine Befreiung von den Bindungen der Menschennatur."

JESSEN beklagt die Tatsache, dass nicht mehr die "äußere Natur", sondern die "innere Natur" als veränderbar begriffen wird. Selbstoptimierung sei das Problem. Ist es das tatsächlich? Oder ist Selbstoptimierung nicht lediglich eine mögliche Antwort auf eine marktkonforme Politik, deren Kennzeichen die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme ist? Wurde uns nicht seit der Jahrtausendwende tagein, tagaus eingehämmert, dass die Demografie unser Schicksal sei. Gehörte nicht die ZEIT zu jenen Medien, die die "äußere Natur", d.h. den demografischen Wandel zu einer unabänderlichen Tatsache stilisierte, die unsere Wirtschaft zugrunde richtet? Und ist es deshalb nicht mehr als verlogen, wenn JESSEN nun beklagt, dass die "innere Natur" angesichts zahlreicher in Umlauf befindlichen Dystopien als veränderbarer erscheint? Selbstkritik ist jedoch keine Eigenschaft unserer Eliten, viel angenehmer ist es da schon die Dummheit der Massen zu beschwören.

BAUREITHEL, Ulrike (2014): Selbstbestimmung im Gefrierschrank.
Social Freezing - wie viel Autonomie birgt die Technisierung der Reproduktion?
in:
TAZ v. 20.12.

 
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 24. November 2015
Update: 30. Mai 2016