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Das Single-Dasein im Film:

 
   

Alfonso Cuarón

 
   

Children of Men (Großbritannien/USA, 2006)

Das letzte Baby der Menschheit

 
   
     
 

Filminhalt

"2027, seit 18 Jahren ist kein einziges Baby mehr zur Welt gekommen. Ein unbekanntes Phänomen hat alle Frauen unfruchtbar gemacht, und die Menschheit altert unaufhaltsam ihrem Untergang entgegen. Wie die anderen reichen Nationen ist England längst zum Auffangbecken geworden, und trotz der Knute des Kriegsrechts beherrschen Chaos, Gewalt und Nationalismus den Alltag.

Inmitten dieses Abgrunds ist es an einer Handvoll Menschen, der Menschheit ihre letzte Chance zu geben. Der desillusionierte Regierungsagent und ehemalige Aktivist Theo (Clive Owen) und seine Exfrau Julia (Julianne Moore) werden zur Eskorte einer wie durch ein Wunder schwangeren Frau und geleiten sie auf ihrem gefährlichen Weg zu einem Zufluchtsort auf hoher See."

 
     
 
       
   

Porträts und Gespräche

ZYLKA, Jenni (2006): "Die Zukunft sieht aus wie der Irak".
Alfonso Cuarón ist ein Mann für alle Genres: Er hat mit "Y tu mamá también" das mexikanische Kino weltmarktfähig gemacht und danach den besten Harry-Potter-Film der Serie inszeniert. Jetzt erzählt der 45-Jähige im Science-Fiction-Film "Children of Men" vom Ende der Menschheit. Ein Gespräch über Frauenactionkino, Gewaltexzesse und seinen ganz besonderen Future-Style,
in: tip Nr.23 v. 02.11. 

 
   

Filmkritiken

HÖBEL, Wolfgang (2006): Ein Baby erlöst die Welt,
in: Spiegel Online v. 03.09.

Für HÖBEL erscheint Venedig bereits heute so kinderlos, wie der Film es erst für 2027 vorsieht. Da wundert sich auch niemand mehr, wenn HÖBEL den Namen Frank SCHIRRMACHER im Zusammenhang mit dem Film nennt.

Im Buch Die Single-Lüge wird dem Demografiethriller ein eigenes Kapitel gewidmet. Eines ist für Apokalyptiker gewiss: ob die Welt nun durch eine Bevölkerungsexplosion oder durch eine Bevölkerungsimplosion bedroht ist - die Endzeitthriller erschöpfen sich in der simplen HOBBES'schen Vorstellung vom Krieg aller gegen alle. Das Buch Die Single-Lüge bietet dagegen einen anderen Blick auf den demografischen Wandel.       

SCHULZ-OJALA, Jan (2006): Die große Illusion,
in: Tagesspiegel v. 05.09.

"Trivialprodukt, das »Brave New World« und »1984« ins gefühlte Übermorgen zu transponieren sucht", meint SCHULZ-OJALA.

ZYLKA, Jenni (2006): Abschied von der Menschheit.
Alfonso Cuaróns außergewöhnlicher Science-Fiction-Thriller Children of Men erzählt von einer verlorenen Zukunft,
in: tip Nr.23 v. 02.11.

"Nicht Science-Fiction-Konflikte zwischen Mensch und Maschine sind das Thema (..), sondern der innere Kampf der Menschheit, der einsetzt, wenn ein Sinn des Lebens - das zukünftige Leben selber - endgültig verloren gegangen scheint," meint Jenni ZYLKA.

REDEN, Sven von (2006): Alle Krisen dieser Erde.
Von Umweltschutz bis Terrorkampf: Alfonso Cuarón hat mit "Children of Men" die relevanten Probleme unserer Zeit zum Ernstfall verdichtet - leider ohne Erfolg,
in: Welt am Sonntag v. 05.11.

"Es wirkt, als versuchte das Drehbuch alle aktuell virulenten Probleme in die Zukunft fortzuschreiben und in einem Krisenszenario zu verdichten.
Doch die Zusammenhänge bleiben vage oder sind nicht nachvollziehbar. Würde die Welt im Krieg versinken, wenn es keine jungen Leute mehr gäbe?
Konfliktforscher argumentieren umgekehrt: Erst der Überschuss junger Männer begünstigt Kriege. (...).
So wenig überzeugend »Children of Men« als unerfreuliche Zukunftsvision oder als Kommentar zur gegenwärtigen Lage der Weltgesellschaft ist, so brillant ist seine filmische Umsetzung", meint REDEN.

SCHNELLE, Josef (2006): Eine Welt ohne Kinder,
in: DeutschlandRadio v. 05.11.

BORCHOLTE, Andreas (2006): Der Schmerz der ganzen Welt,
in: Spiegel Online v. 08.11.

"Von »Planet der Affen« bis zu »Soylent Green« und »Omega Man« ist hier alles drin, was Kino zum Thema Dystopie zu sagen hatte - mit Clive Owens lebensmüden Theo als Wiedergänger des Replikantenjägers Deckard in »Blade Runner«.
            Der erste echte Zukunftsthriller des 21. Jahrhunderts verströmt also eine gehörige Portion Retro-Charme. Vielleicht sind es ja wirklich nur noch die Visionen von gestern, die im Morgen Trost spenden. An dieser Aussicht könnte man nun wirklich verzweifeln, wenn »Children of Men« nicht gerade wegen Alfonso Cuaróns Mut zur Anti-Ironie einer der besten und wichtigsten Filme dieses Jahres geworden wäre", meint BORCHOLTE

LUEKEN, Verena (2006): Das Ende der Zukunft.
Apocalypse Then: Alfonso Cuaróns Thriller "Children of Men" über eine Welt ohne Kinder,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.11.

"»Children of Men« zeigt uns, daß das Hier und Jetzt ohne Zukunft die Hölle ist", meint Verena LUEKEN.

ESCH, Christian (2006): Der jüngste Mensch ist 18.
Alfonso Cuarón malt in "Children of Men" eine düstere Welt ohne Kinder,
in: Berliner Zeitung v. 09.11.

"Auf den Zuschauer hageln Bilder ein (...). Aber die starken Bilder und die dick aufgetragene Filmmusik können nicht über die Schwächen der Handlung hinwegtäuschen. Woher kommt die Explosion von Gewalt in einer alternden Gesellschaft ohne Jugend? Warum flieht halb Europa (mehrfach hört man ältere Flüchtlinge deutsch reden) und die Dritte Welt nach Großbritannien, wenn der Bevölkerungsdruck verschwunden ist? Der Film kombiniert Angstszenarien, die nur einzeln glaubhaft sind, und nimmt ihnen so die Wirkung.
            (...).
Keine Frage auch, dass die Kinderlosigkeit in der Welt - die unverstanden ist - klar auf die Unfruchtbarkeit der Frauen, nicht der Männer zurückgeht", bemängelt ESCH.

HANDKE, Sebastian (2006): Die Hoffnung ist schwarz.
Alfonso Cuaróns düsterer Science-Fiction-Thriller "Children of Men",
in: Tagesspiegel v. 09.11.

KOHLER, Michael (2006): Ein Kind wird kommen,
in: Frankfurter Rundschau v. 09.11.

"Von der aktuellen deutschen Diskussion um die Bevölkerungsentwicklung könnte diese Verfilmung eines Romans von P. D. James kaum weiter entfernt sein. Es ist eben etwas anderes, ob ein bürgerliches Milieu seine Grundlagen in Gefahr geraten sieht oder ob das Überleben der Menschheit als Ganzes auf dem Spiel steht. Die Frage ist nicht: Wie retten wir unsere Lebensform? Sondern: Wie reagieren Menschen auf die Hoffnungslosigkeit. Entsprechend pathetisch entwickelt sich Children of Men von einem Zukunftsthriller zu einer gespenstischen Neuauflage der Weihnachtsgeschichte", meint KOHLER.

KAMALZADEH, Dominik (2006): Das Paar ist unantastbar.
Alfonso Cuaróns Film "Children of Men" spielt im Großbritannien des Jahres 2027. Die Verwerfungen der Gegenwart werden so weit radikalisiert, dass das Bild der Zukunft hoffnungslos ausfällt. Als Ausweg bleibt einzig ein neuer Erlösermythos,
in: TAZ v. 09.11.

"Der Film »Children of Men« (...) gehört zu jener Sorte von Sciencefiction, die keine utopischen Welten entwirft, sondern sich die Zukunft als Radikalisierung zeitgenössischer Phänomene ausmalt. Das fantastische Genre war, paradoxerweise, schon immer historischer als viele andere"

charakterisiert KAMALZADEH das SF-Filmgenre. Sein Fazit macht dann wenig Mut:

"Dass selbst das Sciencefiction-Genre auf die drängenden Fragen der Gegenwart keine bessere Antwort als einen neuen Erlösermythos parat hat, das ist womöglich der beunruhigendste Aspekt dieses Films."

LEWEKE, Anke (2006): Weltenretter in Socken.
Alfonso Cuaróns Science-Fiction "Children of Men" entwickelt aus der europäischen Einwanderungspolitik eine Schreckensvision,
in: Die ZEIT Nr.46 v. 09.11.

"Die Stärke von Cuarons Film liegt in (...)(der) Beschreibung einer Demokratie im fortwährenden Ausnahmezustand. Es ist eine Gesellschaft, die, um sich selbst zu erhalten, auch den letzten zivilisatorischen Anstand aufgegeben hat. Die Schwäche ist seine Heilsgeschichte, eine krude Mischung aus Theologie, Political Correctness und aktuellen Demografiedebatten", meint LEWEKE.

SCHMITT, Peer (2006): Zustand der Zäune.
Alfonso Cuaron hat ein Händchen für schiefe Märchen: »Children of Men« zeigt das urbane Leben im London der nicht allzu fernen Zukunft,
in: junge Welt v. 09.11.

SUCHSLAND, Rüdiger (2006): Das Inland des Empire.
Dystopische Vision einer Welt ohne Kinder: "Children of Men",
in: Telepolis v. 21.11.

KNORR, Wolfram (2006): Am Ende der Zeit.
Weltuntergangsfilme haben Konjunktur. In «Children of Men» drohen weder Meteoritenhagel noch Klimakatastrophen. Der Menschheit fehlt der Nachwuchs,
in: Weltwoche Nr.47  v. 23.11.

 
   

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Update: 05. April 2015