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Das Single-Dasein im Film:

 
   

Hans Weingartner

 
   

Die fetten Jahre sind vorbei (Österreich/Deutschland, 2004)

Generation Attac und die Bobokratie

 
   
     
 

Filminhalt

"Dass die Güter dieser Welt ungerecht verteilt sind, ist allen klar; wie das zu ändern sei hingegen nicht so ganz. Die Freunde Jan und Peter haben ihren eigenen Weg gefunden: Nachts brechen sie in Villen ein, nicht um zu stehlen, sondern um das Mobiliar auf den Kopf zu stellen. Ihre hinterlassenen Botschaften lauten: »Die fetten Jahre sind vorbei« oder »Sie haben zu viel Geld«, unterzeichnet mit »Die Erziehungsberechtigten«.

Julia, die eigentlich mit Peter liiert ist, und Jan verlieben sich ineinander. Im Überschwang der Gefühle steigen sie zu zweit in eine Villa ein und werden dabei vom Besitzer überrascht. Dafür haben die selbst ernannten Erziehungsberechtigten keinen Plan – und werden unversehens zu Entführern."

Pressestimmen

"»Die fetten Jahre sind vorbei« erzählt von Freundschaft, Liebe und Rebellion und davon, wie sich diese Dinge oft gegenseitig im Weg stehen."
(Michael Althen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 24.12.2004)

"Porträt der Achtundsechziger, das es in sich hat. (...). Der Hardenberg-Generation, suggeriert der Film, ging es schon immer nur um Macht und Machismo: Wer damals Marxist war, wollte das große Wort führen, Coolness-Kapital in Sex umwandeln und die Intrigen üben, die später für die Karriere in Politik und Industrie nützlich sein würden. Genau darüber aber kann es mit den Jungen keine Verständigung geben".
(Tobias Kniebe in der Süddeutschen Zeitung vom 24.11.2004)

"Hans Weingartner entwickelt in «Die fetten Jahre sind vorbei» keine Feldtheorie der Jugendbewegung. Schon eher räumt er mit dem Missverständnis auf, früher sei alles besser und überschaubarer gewesen."
(Claudia Schwartz in der Neuen Zürcher Zeitung vom 03.12.2004)

 
     
 
       
   

Hans Weingartner: Porträts und Gespräche

GUNSKE, Volker (2004): Einen treffen, hundert erziehen.
Einen besseren Titel kann ein Film hierzulande im Moment nicht haben: Die fetten Jahre sind vorbei. Fragt sich nur, für wen sie vorbei sind. Regisseur Hans Weingartner, ein Österreicher in Berlin, gibt in seinem unterhaltsamen Politfilm und politischen Unterhaltungsfilm einige Antworten. Auf dem Filmfestival in Cannes wurden Weingartner und sein wunderbares Schauspieler-Ensemble auch dafür gefeiert,
in:
tip Berlin Nr.24 v. 18.11. 

KÖRTE, Peter (2004): Denn sie wissen nicht, was sie tun sollen.
In Hans Weingartners Film "Die fetten Jahre sind vorbei" ist der politische Widerstand gegen das System komisch und die Komik politisch,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.11.

GANSERA, Rainer & Fritz GÖTTLER (2004): Die Liebe in Zeiten der Matrix.
Hans Weingartner im Interview,
in: Süddeutsche Zeitung v. 23.11.

KAMMERER, Dietmar (2004): "Die private Revolte ist nie privat".
Der Regisseur Hans Weingartner hofft auf eine junge Generation, die wieder Lust hat zu kämpfen. Mit seinem neuen Film "Die fetten Jahre sind vorbei" will er selbst einen Anfang machen. Ein Gespräch über das Gefühl von Wut, poetischen Widerstand und einen vereinnahmenden Kapitalismus,
in: TAZ v. 25.11.

 
   

Stipe Erceg: Porträts und Gespräche

KOCH-HAAG, Donata (2004): Kroatisch, Englisch, Schwäbisch.
Mit seinem breiten Lächeln kann er alles machen. Stipe Erceg ist die Entdeckung in "Die fetten Jahre sind vorbei" von Hans Weingartner. Der junge Schauspieler beherrscht die Kunst der schönen Lüge,
in:
tip Berlin Nr.24 v. 18.11.

 
   

Filmkritiken

ALTHEN, Michael (2004): Denkzettels Traum.
Hans Weingartners Film "Die fetten Jahre sind vorbei",
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.11.

KNIEBE, Tobias (2004): Generation Nix.
Hans Weingartner ergründet die Jugend in seinem Film "Die fetten Jahre sind vorbei",
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.11.

RODEK, Hanns-Georg (2004): Die Außenseiterbande.
Pop, Poesie und Politisierung: "Die fetten Jahre sind vorbei", kommt morgen ins Kino,
in: Welt v. 24.11.

BORCHOLTE, Andreas (2004): Anarchie und Alltag,
in: Spiegel Online v. 25.11.

KOHLER, Michael (2004): Vorrecht der Jugend.
Geschichte und Klassenkampf wiederholen sich als Burleske: Hans Weingartners "Die fetten Jahre sind vorbei",
in: Frankfurter Rundschau v. 25.11.

KUHLBRODT, Dietrich (2004): Für alle Fälle Magerquark.
Die 3 von der Wohngemeinschaft und der böse Mercedesfahrer: Hans Weingartners globalisierungskritische Digitalvideofabel "Die fetten Jahre sind vorbei" probt den poetischen Widerstand - in Berliner Villen genauso wie auf der österreichischen Alm,
in: TAZ v. 25.11.

NICODEMUS, Katja (2004): Denn sie wissen, was sie tun.
Hans Weingartners Film "Die fetten Jahre sind vorbei" sucht mit seinen Helden nach der Revolution von morgen,
in: Die ZEIT Nr.49 v. 25.11.

SCHULZ-OJALA, Jan (2004): Denn sie wissen, was sie tun.
Sauna aus, Alarm an: Hans Weingartners Film über unser Lebensgefühl, "Die fetten Jahre sind vorbei", kommt ins Kino,
in: Tagesspiegel v. 25.11.

BÜHLER, Philipp (2004): Das richtige Leben.
Die fetten Jahre sind vorbei,
in: fluter.de v. 25.11.

KETSCHAGMADSE, Nino (2004): Maßnahme: Erziehung.
Der Kinofilm "Die fetten Jahre sind vorbei",
in: junge Welt v. 26.11.

ZEH, Juli (2004): Sixties würzig, Sixties light.
Die fetten Jahre sind vorbei I: Die Cabinet-Generation wird  politisch, aber deshalb noch lange nicht erwachsen,
in: Freitag Nr.49 v. 26.11.

KRIPPENDORF, Ekkehart (2004): Wohlstandsgefängnis.
Die fetten Jahre sind vorbei II: Die Alt-68er, die erwachsen werden mussten in dieser Gesellschaft,
in: Freitag Nr.49 v. 26.11.

SCHWARTZ, Claudia (2004): Die grosse Generationsverstörung im deutschen Film.
Hans Weingartner zeigt: "Die fetten Jahre sind vorbei",
in: Neue Zürcher Zeitung v. 27.11.

 
   

Der Film in der Debatte

SICHTERMANN, Barbara (2004): Es ist doch Dutschkes Ding.
Stimmt ja: Die Revolution fand nicht statt. Aber ist es nicht Dutschkes Geist, der in unseren politischen Optionen und individuellen Freiheiten lebt?
in: TAZ v. 24.12.

Barbara SICHTERMANN findet Rudi DUTSCHKE in Hans Weingartners Film: "Wo Rudi Dutschke heute ist? Er ist zum Beispiel in dem vor ein paar Wochen in die Kinos gekommenen Film »Die fetten Jahre sind vorbei«. Dessen Helden, Jan und Peter, leben in einer Wohngemeinschaft. Zwar ist es nur eine Mini-WG, aber als Jule hinzukommt, sind es ihrer schon drei, die zusammenhausen.
      
  Man denkt nicht mehr daran, dass diese Wohnform, ganz wie der Achtstundentag, erkämpft werden musste, so selbstverständlich erscheint sie einem heute. Auch dass ein unverheiratetes Paar problemlos in ein Hotel einchecken kann, dass Ehen ohne Trauschein akzeptiert werden, Kinder lediger Eltern keine Nachteile haben und schwule Paare den Bund fürs Leben schließen können - alle diese liberalen Freiheiten und Ausweise gewachsener Toleranz sind nicht vom Himmel gefallen, sondern die Resultate von heftigen sozialen Auseinandersetzungen, deren Ursprung durch eine Jahreszahl benannt werden kann: 1968."

BUDE, Heinz (2005): Glück in der Politik.
Im Leben vieler Jugendlicher ist das Politische so wichtig wie lange nicht mehr – und spielt sich fast nur noch jenseits der Parteien ab,
in: Die ZEIT Nr.2 v. 05.01.

Der Soziologe Heinz BUDE schreibt über die Repolitisierung: "Wäre der Film nicht so abgründig harmlos und so bundesrepublikanisch bieder, hätte sein Titel zur Parole werden können: Die fetten Jahre sind vorbei. Es gibt so etwas wie eine Wiederkehr des Politischen unter den stilbildenden Gruppen in Deutschland. Nicht als Durchschnittsphänomen, aber unter denen, die den Takt vorgeben."

GLOTZ, Peter (2005): Die neuen Frühsozialisten,
in: Cicero, Februar

Peter GLOTZ warnt vor neuem Widerstand gegen den Digitalen Kapitalismus: "Die Gefahr liegt in einer existenzialistischen Politisierung der Jugend, in einer Abwendung der Unterschichten von der institutionalisierten Politik und in einer Verbündung absteigender Mittelschichten und enttäuschter Randbelegschaften mit antipolitischen, rechtspopulistischen und antisemitischen/antizionistischen Instinkten. Die Möglichkeit eines massenhaften Zulaufs zu Protestparteien, zu einer neuen »Jugendrevolte«, zu einer massenmedial produzierten Idolisierung von charismatischen Führungsfiguren nach dem Muster Che Guevaras besteht wieder. Deshalb sind die Reaktionen der politischen Eliten (Global Governance-Geplauder), der Wirtschaftsführer (totschweigen) und der Linksparteien (totstellen) falsch.
      
  Hans Weingartner hat nämlich genau die richtige Überschrift gefunden: Die fetten Jahre sind vorbei. Die Globalisierung mag weltweit die soziale Gerechtigkeit sogar steigern. (..). Den Unterschichten im alten Europa aber wird es, vermutlich anderthalb Jahrzehnte lang, schlechter gehen. Ob sich diese Unterschichten darauf beschränken werden, nur die Möbel in den Wohnungen ihrer Bosse umzustellen?"

SEIBT, Gustav (2005): Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein.
Täter-Pop und Lebenstriebe, auch anlässlich eines erfolgreichen Films: Zum Stand der Genealogie der Moral,
in: Süddeutsche Zeitung v. 12.02.

Gustav SEIBT sieht sich selbst als einer der letzten Feuilleton-Großbürger Deutschlands. Aus dieser Sittenwächter-Perspektive kritisiert er die Kleinbürgerlichkeit der Moral in Hans WEINGARTNERs Film. Am Ende steht dann das Grundsätzliche:

"Moral unterstützt, erleichtert, enthemmt in der nachchristlichen Welt die nietzscheanischen Lebenstriebe, vor allem die Freude an der Machtausübung, an Gewalt über andere Menschen, nicht zuletzt den Wunsch nach Rache. Ich bin brutal und darf es sein, denn ich bin im Recht, weil, die Welt ist ja schlecht. Und jugendliche Brutalität ist darüber hinaus ja auch noch erotisch attraktiv."

UNFRIED, Peter (2005): Wir Möchtegern-Revolutionäre.
Warum so viele immer noch über "Die fetten Jahre sind vorbei" reden. Und warum der BVB absteigen darf,
in: TAZ  v. 21.02.

Peter UNFRIED über den Film Die fetten Jahre sind vorbei und warum das Lebensgefühl der Vierzigjährigen weder etwas mit den 68ern noch mit der Jugend von heute zu tun hat:

"Erstens: Wir denken zu angestrengt und zu lange über den alten 68er nach. Zweitens: Wir laden den Film und uns emphatisch auf, indem wir ihn letztlich romantisierend aus Sicht jener sehen, die wir nicht sind: der jungen, emphatischen Ahnungs- und Besitzlosen. Wozu? Um ein restrevolutionäres Gefühl als Teil eines Lebens zu beschwören, in dem es real darum geht, wem man das Geld wegnimmt, das wir für unsere Kitas brauchen. Lets face it: Wir 40-Jährige spielen auch in diesem Film keine Rolle. Antworten und Positionen müssen wir anderswo suchen. Falls wir welche haben wollen."

 
   

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© 2002-2015
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 24. November 2004
Update: 26. Mai 2015