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Das Single-Dasein im Film:

 
   

Oskar Roehler

 
   

Elementarteilchen (Deutschland, 2005)

 
   
     
 

Filminhalt

"Michael (Christian ULMEN) und Bruno (Moritz BLEIBTREU) sind Halbbrüder, wie sie verschiedener kaum sein könnten. Ihre Mutter Jane (Nina HOSS) führte einst ein unbekümmertes Jet-Set-Leben – ihre Söhne wuchsen derweil getrennt voneinander bei den Großmüttern auf. Während der introvertierte Molekularbiologe Michael sich lieber um seine Genforschungen als um Frauen kümmert, drücken sich Brunos »Kontakte« zum weiblichen Geschlecht mehr im Kopf oder im Bordell aus.

Schließlich aber begegnen beide der Liebe ihres Lebens: Michael trifft seine ehemalige Schulfreundin Annabelle (Franka POTENTE) wieder, mit der ihn seit Kindesbeinen eine scheue Zuneigung verbindet. Bruno dagegen lernt in einem esoterischen Urlaubscamp Christiane (Martina  GEDECK) kennen, mit der er endlich auch seine sexuellen Obsessionen ausleben kann. Doch das Glück scheint von kurzer Dauer – beide Frauen erkranken schwer. Bruno und Michael stehen vor einer ultimativen Entscheidung: altgewohnte Einsamkeit oder neuartige Zweisamkeit."

Stimmen zum Film

"Dort wo Houellebecq – etwa in naturwissenschaftlichen Exkursen oder der Satire auf die Selbsterfahrungsindustrie – mal dröge, mal munter ins Schwafeln kommt, hat Roehler diszipliniert gestrichen; wo wiederum sexuelle Schlüsselreize die Romanhandlung illustrieren, inszeniert er sie exakt, ohne sie visuell auszubeuten; und für die notwendigen Rückblenden des auf verschiedenen Zeitebenen hin und her springenden Geschehens findet er immer wieder hinreißende, fast auf Traumbilder reduzierte Szenen. Zweite Sensation: Der souveräne Umgang mit dem schwierigen Material bereitet den Boden für zwei der schönsten, melancholischsten, gebrochensten Skizzen der Liebe, die man seit langem im Kino hat sehen können.
Ja, es sind zwei. Und es sind nur Skizzen, aber was für welche. (...). Die beiden Brüder sind (...)  nicht Narziss und Goldmund, Kopf- und Lustmensch, als die sie schon bei der Rezeption des Houellebecq-Romans immer wieder charakterisiert wurden, sondern Seelenkrüppel aus einem Fleisch: (...). Es ist eine grässlich klaglose Einsamkeit, die das Leben der erwachsen gewordenen Männer regiert – und nun sind es zwei Frauen, die sie auf ihre Weise auflösen, indem sie ihre eigene Einsamkeit danebenstellen. Im Eingeständnis eigener Schwäche erst bricht sich die monomanisch- monologische Struktur des Geschehens. Die Liebe macht, dass die Menschen miteinander zu sprechen wagen – dass sie dann auch Liebe machen, ist fast Nebensache."
(Jan Schulz-Ojala im Tagesspiegel vom 12.02.2006)

 
     
 
       
   

Porträts und Gespräche

ROEHLER, Oskar
 
   

Filmkritiken

KRAUSE, Tilman (2006): Houellebecq, deutsch?
Oskar Röhler hat "Elementarteilchen" verfilmt - und will sich mit der kalten Wut seiner französischen Vorlage nicht zufrieden geben,
in: Welt v. 11.02.

SCHULZ-OJALA, Jan (2006): So etwas wie Seele 9.
In „Elementarteilchen“ geht es um Einsamkeit, Älterwerden, Liebe – und dann erst um Sex
in: Tagesspiegel v. 12.02.

ALTHEN, Michael (2006): Die sexuelle Revolution frißt ihre Kinder.
Sie wollen nur spielen: Oskar Roehlers "Elementarteilchen" und Michel Gondrys "The Science of Sleep" im Wettbewerb,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.02.

KOTHENSCHULTE, Daniel (2006): Beim Sehtest.
Die Berlinale feiert das deutsche Starkino wie in alten Tagen - und verzückt mit Filmen von Michel Gondry und Terrence Malick,
in: Frankfurter Rundschau v. 13.02.

VAHABZADEH, Susan (2006): Willkommen im Club.
Oskar Roehler hat für Bernd Eichinger die "Elementarteilchen" verfilmt und bringt Leben in den Wettbewerb,
in: Süddeutsche Zeitung v. 13.02.

ZANDER, Peter (2006): Der alte Affe Kitsch.
Erster deutscher Wettbewerbsfilm: Oskar Roehlers enttäuschende "Elementarteilchen",
in: Welt v. 13.02.

SCHWARZ, Martin (2006): Kino ohne Kompromisse.
Moritz Bleibtreu gibt alles für den deutschen Film, auch in Elementarteilchen,
in: zitty Nr.4 v. 16.02.

GÖTTLER, Fritz (2006): Eine Frage der Gewohnheit.
Wie verfilmt man einen Roman von Michel Houellebecq? Oskar Roehler hat es mit "Elementarteilchen" versucht - und einen Treffer gelandet. Ganz großes Kino,
in: Süddeutsche Zeitung v. 22.02.

LUEKEN, Verena (2006): Das Drama der männlichen Sexualität,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.02.

KOCH-HAAG, Donata (2006): Verteidigung der Liebe.
Oskar Roehler korrigiert mit seiner Roman-Adaption Elementarteilchen den philosophischen Pessimismus der Vorlage,
in: tip Nr.5 v. 23.02.

KREKELER, Elmar (2006): Verwirrte Männer.
Weichgespült: Oskar Roehler verfilmt und verformt Michel Houellebecqs Bestseller "Elementarteilchen",
in: Welt v. 23.02.

MÜLLER, Katrin Bettina (2006): Große Verschwendung.
Ein bisschen Komödie, ein bisschen Kitsch und viele Hiebe auf die emanzipatorischen Projekte der Vergangenheit: Oskar Roehler hat aus Michel Houellebecqs Roman "Elementarteilchen" ein pathetisch verlängertes Pubertätsdrama gemacht,
in: TAZ v. 23.02.

 
   

Berichte zum Film

EHLERT, Matthias (2006): Ein Amokläufer wird friedlich.
Wettbewerb I: Auf "Elementarteilchen" von Oskar Roehler richten sich die größten Erwartungen,
in: Welt am Sonntag v. 05.02.

EHLERT berichtet, dass Oskar ROEHLER  bei seiner Verfilmung des Romans Elementarteilchen von Michel HOUELLEBECQ einen anderen Schwerpunkt gewählt hat:

"Statt tiefpessimistischer Zeitdiagnose hat Roehler seine Verfilmung von »Elementarteilchen« als melancholischen Liebesfilm angelegt. Im Zentrum steht nicht mehr die Abrechnung mit den hedonistisch-libertären Achtundsechzigern, sondern die Frage: Wie weit sind wir bereit für unsere Liebe zu gehen? »Wir leben in Beziehungen, die nie durch äußere Katastrophen oder wirkliche Härtefälle herausgefordert werden. Aber was passiert, wenn auf einmal der Partner im Rollstuhl sitzt? Übernehmen wir dann die Verantwortung für ein ganzes Leben?«"

DIENING, Deike (2006): Die Houellebecq-Akte.
Buch, Theaterstück, jetzt der Film - die Deutschen mögen die trostlosen "Elementarteilchen". Wieso bloß?
in: Tagesspiegel v. 10.02.

"Wenn Houellebecq einen Witz macht, tut es immer etwas weh.
           Warum amüsieren sich die Deutschen dabei so gut? Vielleicht liegt es daran, dass Harald Schmidt sie schon seit einigen Jahren regelmäßig an der Stelle massiert, wo das etwas bittere, politisch unkorrekte Lachen der Erkenntnis sitzt. Dieselben Leute, die Harald Schmidt mögen, mögen auch Houellebecq. Die anderen sehen bloß ein quarzendes Männchen, das sich vor der Welt ekelt. So sehr ekelt, dass es dabei selbst abstoßend wurde", meint DIENING.
 
   

Der Film in der Debatte

DAS MAGAZIN-Titelgeschichte: Nackter Wahnsinn
"Sex sells" gilt nicht mehr - selbst Beate Kruse nimmt Abschied

LEHMANN, Andreas (2006): Der nackte Wahnsinn.
Bevor MAGAZIN-Sexgöttin Beate Kruse auf den nächsten Seiten ihren einstweiligen Ruhestand verkündet, ein paar klärende Worte zum Thema Lust in Zeiten der Übersexualisierung,
in: Das Magazin
, Juni

LEHMANN erklärt, warum "Sex sells" nicht mehr zugkräftig ist und ausgerechnet eine Michel HOUELLEBECQ-Verfilmung gilt ihm als Beleg:

"Die sexuelle Aufladung unseres Alltags ist an einem Punkt angekommen, an dem man getrost sagen darf: Nervt! Stört! Nicht schon wieder! Weg damit! Selbst Michel Houellebecqs »Elementarteilchen«, dieses irre Porträt einer sexsüchtigen, einsamen Gesellschaft, das in Deutschland mit riesigem Budget, Getöse und allem, was Rang und Namen hat (Bleibtreu, Potente, Hoss, Gedeck, Ulmen, Harfouch), verfilmt wurde, interessierte gerade mal 850 000 Zuschauer - was weit, weit unter den Erwartungen lag."

 
   

Das Buch zum Film

Michel Houellebecq - Elementarteilchen
 
   

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Update: 24. April 2015