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Das Single-Dasein im Film:

 
   

Stefan Krohmer

 
   

Sie haben Knut
(Deutschland/Österreich, 2003)

Erwachsenwerden Anfang der 80er Jahre

 
   
     
 

Inhalt

"Ingo und Nadja haben sich an einem verschneiten Winterwochenende 1983 in den Bergen Tirols in die einsame Almhütte von Nadjas Eltern zurückgezogen. Sie wollen ihre Beziehung diskutieren, retten, was zu retten ist. Aber bevor Ingo so richtig seine Seele öffnen kann, fällt eine lärmende Volleyballgruppe unangekündigt in die Hütte ein. Es sind Freunde von Nadjas politisch aktivem Bruder Knut – ganz unpolitisch auf Skiferien. Nur Knut selbst fehlt.

Irgendwann kommt die Nachricht: »Sie haben Knut!« Knut ist verhaftet worden. Die Stimmung schwankt zwischen Skigymnastik, Après Ski-Seligkeit und politischen Befreiungsstrategien. Und auch zwischen Nadja und Ingo gerät einiges in Bewegung...

Eine Geschichte über Liebe und andere vergessene Ideale der frühen 80er Jahre, der Zeit der selbst gestrickten Pullover, politischen Parolen und offenen Beziehungen."

Pressestimmen

"Stefan Krohmer schlägt aus dem Aneinandergeraten der vielen verschiedenen Temperamente seiner Figuren nicht nur humorige Funken, sondern liefert auch tief gehende Psychogramme etwa des gefühlslauen Intellektuellen, des aufreißenden Skilehrers und des komplexbeladenen Besserwissers. Und alle stehen dabei vor einem neuen Lebensabschnitt, was auf den Pisten der schneebedeckten Berge immer deutlicher wird. Ein eigentlich immerfroher Hotzenplotz-Mann muss erkennen, dass er im Grunde überhaupt keine Lust auf das bevorstehende Grundschullehrer-Refendariat hat. Eine träumerische Nullbock-Frau merkt, dass sie in ihrer langjährigen Beziehung nicht wirklich glücklich ist. Selbst Knut stellt fest, dass er die Leute, von denen er Engagement und Umdenken fordert, nur nervt. Krohmers Spielfilm überzeugt durch Genauigkeit und Subtilität, wenn man sich auch gelegentlich fragt, warum er nicht in einer Zeit spielt, in der die »Tristesse Royale« deutscher Jungautoren über ihre teuren Markenklamotten sinniert, während sich die Globalisierungsgegner in Genua Schlachten mit der Polizei liefern."
(Stefan Kaufer in der Freitag vom 07.02.2003)

"Auf engstem Raum, in einer Skihütte in Tirol, implodieren die Lebensentwürfe einer Gruppe von Friedensbewegten des Jahres 1983. Ähnlich wie schon Ang Lee in Der Eissturm oder Lukas Moodysson in Zusammen! für die Dekade zuvor nutzen die beiden immer wieder die Perspektive der Kinder, um die Ideale der Erwachsenen auf ihre Realitätstauglichkeit hin zu überprüfen."
(Christiane Müller Lobeck in der TAZ vom 22.10.2003)

 
     
 
       
   

Stefan Krohmer im  Gespräch

BUSS, Christian (2003): "Aus dem Konflikt heraus arbeiten".
Selten hat sich Götz George in einem Film derart stimmig breit gemacht wie in "Familienkreise", den die ARD am Mittwoch zeigt. Ein Gespräch mit Regisseur Stefan Krohmer über die Dreharbeiten, übellaunige Erzähler und die Unbehaustheit von Bonn,
in: TAZ v. 18.08.

KAMALZADEH, Dominik (2003): Als noch Gruppenzwang herrschte.
Ausflug in die Plenumkultur der frühen 80er-Jahre. Regisseur Stefan Krohmer im Gespräch über seinen witzig-schlauen Skihüttenfilm "Sie haben Knut" und das Ende einer Ära,
in: Der Standard v. 25.11.

 
   

Filmkritiken

KAUFER, Stefan (2003): Bernau und Dachau, Knut und Wir.
Perspektive deutsches Kino. Man ist gewohnt, nicht nett behandelt zu werden - ein kleiner Gang durch die einheimische Talentpflege,
in: Freitag Nr. 7 v. 07.02.

MÜLLER LOBECK, Christiane (2003): Vorsichtiges Lavieren.
Mit großer Detailgenauigkeit, vor allem in den Dialogen, zeichnet Stefan Krohmer mit "Sie haben Knut" ein Porträt der Politszene der 80er-Jahre. Heute hat der Film im 3001 Premiere
in: TAZ Hamburg v. 22.10.

BUSS, Christian (2003): Abgründe bekennender Lehrersöhne.
Bitte nicht als Nachzügler des Achtziger-Revivals missverstehen: In dem Kinofilm "Sie haben Knut" zeichnen Regisseur Stefan Krohmer und Autor Daniel Nocke ein Generationsporträt als Studie eines Übergangs - die Ideale der Siebziger hallen nach, der Hedonismus der Neunziger kündigt sich an,
in: TAZ v. 29.10.

"Die Tragikomödie »Sie haben Knut« (...) versorgt das Publikum nicht mit ewigen Werten oder schönen Erinnerungen. Es geht um den Widerstreit zwischen Politaktivisten und Vertretern der erwachenden Spaßfraktion. Regisseur Stefan Krohmer und Drehbuchautor Daniel Nocke haben in ihrer Ensemblearbeit zur Aufschlüsselung der psychosozialen Gemengelage ein Dutzend junger Erwachsener samt Nachwuchs auf einer Skihütte zusammengesperrt. Die Stimmung schwankt zwischen Kuschelhölle und Debattiergulag",

schreibt BUSS über den Film, der keinen Zweifel daran lasse, dass es sich immer noch lohne für einen radikalen Individualismus zu kämpfen.

RODEK, Hanns-Georg (2003): Als sich plötzlich nicht mehr alles ausdiskutieren ließ: "Sie haben Knut",
in: Welt v. 30.10.

TAGESSPIEGEL (2003): Die Ich-WG.
Politik-, Liebes- und Gruppenstress: Stefan Krohmers "Sie haben Knut" ist eine Sitten-Satire der Achtzigerjahre,
in: Tagesspiegel v. 30.10.

GLOMBITZA, Birgit (2003): Kämpfen, klampfen, klönen.
Endlich ein guter Nostalgie-Film: In seinem Regiedebüt "Sie haben Knut" rechnet Stefan Krohmer mit den achtziger Jahren ab,
in: Die ZEIT Nr.45 v. 30.10.

Um den damaligen Kampf zwischen Politaktivisten und Spaßfraktion zu verstehen, empfiehlt sich das Buch Infrarot. Wider die Utopie des totalen Lebens. Zur Auseinandersetzung mit Fundamentalopposition und "neuem Realismus". Das von Matthias HORX, Cora STEPHAN und Albrecht SELLNER herausgegebene Buch, beschreibt die Politikaktivisten und die "narzisstisch gestörte Generation" aus der Sicht von Spontis, die den Fundis bei den Grünen 1983 den Kampf ansagten und heute den neoliberalen Mainstream der ehemaligen Neuen Linken repräsentiert, der inzwischen zur Neuen Mitte konvertiert ist und nun als Bobokratie die nachfolgenden Generationen bekämpft.

SEIDEL, Hans-Dieter (2003): Konfusion in Präzision.
Kleine deutsche Kinosensation: "Sie haben Knut",
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.11.

 
   

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Update: 04. Juli 2015