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Das Single-Dasein im Film

 
       
       
   

Richard Fleischer

 
   

Soylent Green (USA 1973)

Jahr 2022 ... die überleben wollen

 
   
     
 

Filminhalt

"Richard Fleischers »Soylent Green« von 1973 entwickelt eine kannibalistische Vision: Weil im Jahr 2022 (so weit ist das auch nicht mehr entfernt) die natürlichen Ressourcen ausgegangen sind, praktiziert der Staat im großen Stil Euthanasie an alten Menschen – und die kehren als grüne Häppchen in den Nahrungskreislauf zurück. Ähnlich wie in der berühmten Satire von Jonathan Swift, der vorschlug, die hungernde Unterschicht möge doch ihren zahlreichen Nachwuchs verspeisen."
(Rüdiger Schaper im Tagesspiegel v. 11.01.2003)

"Im Jahr 2022 hat die Stadt New York 40 Millionen Einwohner; 20 Millionen davon sind arbeitslos. Wenn Detective Robert Thorn in die schäbige Mietswohnung zurückkehrt, die er mit dem ehemaligen Lehrer Sol Roth teilt, muss er sich seinen Weg mühsam durch die vielen Obdachlosen bahnen, die dicht an dicht auf der Treppe kampieren. Der kürzlich verstorbene Regisseur Richard Fleischer hat in seinem Science-Fiction-Film »Soylent Green« von 1973 die Dystopie einer korrumpierten und totalitären Gesellschaft entworfen, die sich durch jahrzehntelange Misswirtschaft an den Rand der Apokalypse gebracht hat. Die größten Probleme sind hier Überbevölkerung und Klimakatastrophe. Weil die Rohstoffe überall restlos ausgebeutet sind, gibt es nicht genug Nahrung für die unzähligen Menschen, schon gar keine natürliche Nahrung. Die Lebensmittelausgabestellen sind hochgesichert. Nur eine kleine reiche Oberschicht kann zu Wucherpreisen Kleinstmengen an Äpfeln, Eiern, Tomaten, Sellerie oder Fleisch kaufen. Detective Thorn hingegen ist mit Soylents aufgewachsen, bunt gefärbten Ersatznahrungsmitteln.

Die Ermittlungen im Mordfall an einem Industriellen und der Freitod des alten Sol führen Thorn jedoch in eine geheime Fabrik, in der die neueste »Wunderkost« hergestellt wird: Der Propaganda zufolge besteht Soylent Green aus Plankton; tatsächlich sind die Weltmeere leer, es gibt kein Plankton mehr. Als Thorn unerlaubterweise Sols Leiche folgt, die in die Fabrik gebracht wird, muss er entdecken, dass Soylent Green aus Menschenfleisch hergestellt wird."
(Anke Westphal in der Berliner Zeitung vom 28.03.2006)

 
     
 
       
   

Der Film in der Debatte

SEESSLEN, Georg (2000): Das 21. Jahrhundert fand im Kino schon statt.
Der Sprung in die Zeit mit den drei Nullen ist geschafft - doch was erwartet uns? In Filmen war es längst zu sehen. Ein Blick zurück in die Zukunft,
in: Tagesspiegel v. 03.01.

"Das Jahr 2022 wird auch nicht besser", meint Georg SEESSLEN, "obwohl wir mal wieder versuchen, den ungastlichen Planeten zu verlassen. Auf der erdabgewandten Seite des Mondes wird ein verschollenes Raumschiff mit außerirdischen Parasiten gefunden in »The Dark Side of the Moon« (1990, Regie: D.J. Webster). Selbst die künftige Rote Armee Fraktion kommt zu Ehren. Jetzt sind die Aufständischen von der »Red Army Hammerhead« die Guten - kein Wunder: Toshiro Mifune spielt ihren Anführer. Dagegen sind die gewöhnlichen Menschen so kriminell geworden, dass ganze Gefängnisplaneten eingerichtet werden müssen, während sich unter Raumschiff-Besatzungen ungute Cyborgs herumtreiben in Ricardo Jacques Gales »Alien Intruder« (1992). Übrigens bleibt uns bald vor lauter Überbevölkerung und Umweltzerstörung nichts anderes übrig, als uns gegenseitig aufzufressen, wie es schon 1973 Richard Fleischers Film »Soylent Green« über das Jahr 2022 zeigt, wenn auch in Tablettenform. Und es ist das Jahr, in dem wir vergeblich versuchen, in einem Zeitloch zu verschwinden (Runner,1993, Regie: Michael Mazo). Wohin sollte es auch gehen?"

SCHAPER, Rüdiger (2003): Was heißt hier Liebe?
Die Entdeckung der Zärtlichkeit: René Polleschs „Soylent Green“ im Prater der Berliner Volksbühne,
in: Tagesspiegel v. 11.01.

WESTPHAL, Anke (2006): Wenn Opa in die Dose geht.
Demografische Lösungen im Science-Fiction-Film
in:  Berliner Zeitung v. 28.03.

WESTPHAL befasst sich in erster Linie mit dem SF-Film Soylent Green. Erstaunlich nur, dass mit keinem Wort darauf eingegangen wird, dass es im Film um ein Überbevölkerungsphänomen geht. Dass dies keine Rolle spielt, zeigt das ganze Dilemma der gegenwärtigen Debatte.

 
       
   

Das Buch zum Film in der Debatte

KLEIN, Georg (2007): In den Gehäusen unserer Zukunft.
Die Zukunft von gestern (8): Wenn die Verelendung kommt - Harry Harrisons Roman "Make Room! Make Room!",
in: Neue Zürcher Zeitung v. 18.05.

 
       
   

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Update: 04. Mai 2017