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Das Single-Dasein im Film:

 
   

Peter Segal

 
   

Die Wutprobe (USA, 2003)

Die Überwindung von Angst durch Verhaltenstherapie

 
   
     
 

Pressestimmen

"Weil er während eines Flugs in eine Schlägerei verwickelt wurde und (...) für den Initiator der Klopperei gehalten wurde, verurteilt ihn eine rigide Richterin zur Teilnahme am Anti-Wut-Training. Damit er elementare zivilisatorische Regeln erlernt, verknackt sie ihn zu einer Therapie bei eben jenem Mann, der im Flugzeug neben ihm saß und den Buznik als den eigentlich Schuldigen an dem Tumult ausgemacht hat. Alles Jammern hilft dem überangepassten Nerd nicht – er landet in der Gruppensitzung. Und was dort passiert, lässt sich leicht absehen. Rydell setzt auf konfrontative Verhaltenstherapie: Seinen jungen, sozialphobischen Patienten bringt er in absurde Situationen (...). Aggressionen, so lehrt der Therapeut, sind nichts Schlechtes, sie müssen aber ihren richtigen Platz finden.
Zunächst muss der eigentliche Gegner besiegt werden, derjenige, der Buznick sein Kindheitstrauma zugefügt hat: Ein Straßenschlägerkid hatte ihm beim ersten Kuss mit der Angebeteten die Hose heruntergezogen. Heute lebt der Schläger von damals gewaltfrei in einem buddhistischen Kloster und kriegt die Fresse poliert.
Auf diese und ähnliche Touren erlernt Buznik neue Verhaltensweisen und ist schließlich sogar imstande, seiner Freundin einen Heiratsantrag zu machen. (...). »Die Wutprobe« folgt einem zur Zeit populären Muster bei der filmischen Darstellung von psychischen Störungen, die zum Motiv eines Entwicklungsromans werden."
(Jürgen Kiontke in der Jungle World vom 07.05.2003)

"»Die Wutprobe« ist (...) kein umstürzlerisches Werk, sondern soll Dave ganz archaisch zu einem richtigen Mann machen - und folgt damit dem American Way Of Life. Nur die Starken überleben. Wer Konfrontationen scheut und sich gängeln lässt, verschuldet seine irrelevante Existenz selbst. Als Beweis für die Coolness einer solchen Haltung dient ein Cameo-Auftritt vom Wüterich John McEnroe."
(Oliver Hüttmann im Spiegel Online vom 09.05.2003)

"Zu Beginn sieht man den kleinen Dave Buznik in seinem Viertel Unterhose und Lebensmut verlieren. Als er seinen ersten Kuss bekommen soll, reißt ihm ein Unhold das Beinkleid bis zu den Knien herunter - und überlässt sein anscheinend etwas klein geratenes Geschlecht dem Gespött der Straße. Zwanzig Jahre später bringt es Buznik immer noch nicht über sich, seine Freundin in aller Öffentlichkeit zu küssen. Von Gott an wichtigster Stelle im Stich gelassen, wird an diesem Hiob in Westentaschenformat nun eine Plage erprobt, die ihm die Duldsamkeit endgültig austreiben wird."
(Michael Kohler in der Frankfurter Rundschau vom 13.05.2003)

 
     
 
       
   

Filmkritiken

KIONTKE, Jürgen (2003): Her mit der großen Ich-Reform!
"Die Wutprobe" erzählt von der Zurichtung des Ichs für den Arbeitsmarkt,
in: Jungle World Nr.20 v. 07.05.

BUSCHE, Andreas (2003): 36 Kammern,
in: TAZ v. 08.05.

MÜHLING, Jens (2003): Der Erniedrigte und der Beleidigte.
Lachen, bis der Arzt kommt: Jack Nicholson und Adam Sandler bestehen Peter Segals "Wutprobe",
in: Tagesspiegel v. 08.05.

MÜLLER, Peter E. (2003): Wehe, wenn sie losgelassen werden.
Nicholson und Sandler geben ihr Alberernstes in "Die Wutprobe",
in: Welt v. 08.05.

NICODEMUS, Katja (2003): Eine Axt für Amerika.
"Die Wutprobe". Jack Nicholson spielt einen Aggressionstherapeuten,
in: Die ZEIT Nr.20 v. 08.05.

VAHABZADEH, Susan (2003): Wut gemeint.
Jack Nicholson entwickelt heilende Kräfte in der Komödie "Anger Management",
in: Süddeutsche Zeitung v. 08.05.

Die Filmkritikerin findet den Film gelungen, denn es war

"an der Zeit, dass das Kino eine Hymne abliefert an den Behandlungsbedarf und die Segnungen der modernen Seelenklempnerei. Genau das ist Peter Segals »Die Wutprobe«, im Original mit dem schönen, dem entsprechenden Fachlatein entliehenen Titel »Anger Management« versehen. Wut ist gut".

In dem Film geht es um einen Single (im Sinne der Familienstandsdefinition), der überängstlich und schüchtern ist. Solche Eigenschaften sind in Zeiten des Individualisierungszwangs schädlich für das Ausschöpfen der eigenen Potenziale. Single-generation.de hat diesem Zukunftsthema Nr.1 eine dreiteilige Serie gewidmet.

Der Film zeigt anhand einer Komödie die Effektivität verhaltenstherapeutischer Techniken, mit denen die eigenen Ängste bewältigt werden können. Der Protagonist ist ein typischer Jedermann, der komödienhaft überzeichnet wird:

"Dave (Adam Sandler), ein in New York aufgewachsener Neurotiker, wird beispielsweise nie wütend. Geistig gesund ist er aber deswegen noch lange nicht: Er ist nicht in der Lage, seiner Freundin Linda (Marisa Tomei) am Flughafen einen Abschiedskuss zu geben, weil ihn ein Kindheitstrauma plagt – runtergezogene Hose während des ersten Kussversuchs bei einem Straßenfest. Ob sie ihn heiraten will, kann er Linda auch nicht fragen, weil sein Selbstwertgefühl sich im nicht messbaren Bereich befindet. Sein Boss darf ihn rumschubsen".

Im Teil 2 der single-generation.de-Serie Singles und ihre Ängste wird am Beispiel des allein lebenden Angestellten Abschaffel das Phänomen der Angst in vielen Facetten dargestellt. Im nächsten Teil wird dann die Angst des Partnersuchenden im Mittelpunkt stehen, während im letzten Teil die Bewältigungsmöglichkeiten vorgestellt werden.

Die Filmkritikerin der SZ hat auch gleich die negative Kritik in der ZEIT vorweggenommen, die der Linie der New York Times folgt und die "Rechtfertigung cholerischer Überreaktionen" bemäkelt:

"Unter der sorgsamen Anleitung seines Therapeuten trainiert der schüchterne Dave, Frauen aufzureißen, Buddhisten zu beleidigen und herumzubrüllen. Er bietet seinem schikanösen Chef die Stirn, schlägt den blasierten Rivalen nieder und lernt, »die Aggression, die sich immer nach innen richtete, endlich nach außen zu kehren«."

Gleichzeitig wird in der ZEIT jedoch die Agenda 2010 begrüßt. Dort wird die "Eigenverantwortung" des Einzelnen eingefordert. Eigenverantwortung ist jedoch nur eine wohlklingende Umschreibung für das psychologische Erfordernis aggressiven Verhaltens. Ein mangelndes Selbstwertgefühl kann sich in dieser zunehmend sozialdarwinistischen, neoliberalisierten Gesellschaft bald niemand mehr leisten, der nicht zu den Modernsierungsgewinnern gehört.

HÜTTMANN, Oliver (2003): Wer schlägt, wird selig,
in: Spiegel Online v. 09.05.

KOHLER, Michael (2003): Hiob im Westentaschenformat.
Von einem Schlamassel in den nächsten: Adam Sandler und Jack Nicholson in Peter Segals Emanzipationsdrama "Die Wutprobe"
in: Frankfurter Rundschau v. 13.05.

 
   

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Update: 12. Juli 2015