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Das Single-Dasein im Fernsehen:

 
   

Ally McBeal

Die Bostoner Karrierefrau und das postfeministische Leiden an der Welt

 
   
     
 

Pressestimmen zu "Ally McBeal"

"Es gehört zu den grossartigen Momenten dieser Serie, die Ansprüche nicht zugunsten eines idealen Wie-es-sein-soll aufzulösen, sondern in all ihrer Wiedersprüchlichkeit auf den Tisch zu legen "
(Mercedes Bunz in Telepolis vom 14.06.1999)

"Sie ist eine Fernsehheldin der neuen Art. Eine moderne Pippi Langstrumpf für Frauen, die sich weigern, erwachsen zu werden."
(Anke Engelke im KulturSpiegel vom 29.05.2000)

"Sie ist (...) der weibliche Westernheld unserer Zeit. Genau wie der, vom umflorten Blick des Weibes begleitet, einst nach vollbrachter Tat in den Sonnenuntergang ritt, schleicht Ally melancholisch (und zugleich tapfer lächelnd) zum Schluss durch die Straßen von Downtown-Boston ins männer- und kinderlose Heim."
(Josef Joffe in der ZEIT vom 07.09.2000)

"Eine Serie, die spielerisch umgeht mit den Phänomenen unserer Yuppie-Tage: Verlorenheit und Multioptionismus, Sehnsucht nach absoluter Innigkeit und Ehrlichkeit, die Sehnsucht nach ein paar Grundlinien im Leben und das Wissen darum, dass diese mit einer Lüge zu bezahlen sind. "
(Uwe Jean Heuser im Tages-Anzeiger vom 03.11.2000)

"Das Ally-McBeal-Syndrom, das mittlerweile eine halbe Generation ergriffen hat, bedeutet: Erfolgreich im Job sein, aber doch unzufrieden. Für die Frau von heute ist es nicht schwer, Karriere zu machen - aber trotz Karriere Kinder zu haben, das ist ein Problem, wenn man nicht gerade Madonna heißt. Das Seltsame dabei ist, dass niemand fragt, warum sich eigentlich Allys beschlipste Kollegen keine vergleichbaren Sorgen machen. Als wäre es allein das Problem der Frauen, dass beides existiert: Das Büro und die Windel."
(Elke Buhr in der Frankfurter Rundschau vom 08.03.2001)

"Eine TV-Serie, die die junge, zeitgenössische Angestelltenkultur am schönsten und genauesten zu treffen scheint, ist »Ally McBeal«. Ihr Erfolg liegt genau darin, dass sie unausgesetzt darauf hinweist, dass die emotionale Integration der abgespaltenen Lebens- und Vorstellungsteile moderner kognitiv dissonanter Praktiker sich für die Betroffenen keineswegs erübrigt. Abwesende integrative Instanzen werden ständig als Problem empfunden. Sehr häufig kommt es in »Ally McBeal« daher zu Fällen von Regression in frühere kindliche Vorstellungen von Ganz- und Geschlossenheit. Die Akteure und Akteurinnen haben alle möglichen Marotten und Ticks, sie sind abergläubisch, exzentrisch und wunderlich, wenn es darum geht, sich als integrales Subjekt zu rekonstruieren. Es gibt aber eine seltsame Instanz in »Ally McBeal«, die die postmodernen Subjekte immer wieder heilt und mit sich selbst versöhnt - die afro-amerikanische Kultur. (...) Gospelchöre treten sowohl real wie in den vielen Halluzinationen der Hauptfigur stets auf, um ein Machtwort der Wahrheit und des gesunden Menschenverstandes zu sprechen. Kurz: die historische Rolle der afro-amerikanischen Musik und der afro-amerikanischen Kirche, Menschen zu heilen, die zunächst durch Sklaverei, später durch eine rassistisch organisierte Gesellschaft psychische Schäden genommen hatten, wird in der Serie explizit auf die Seelsorge um typische Vertreter postmoderner Angestellten-Subjektivität übertragen."
(Diedrich Diederichsen in der Jungle World vom 19.12.2001)

"Die Titelheldin Ally McBeal dagegen neigt im Zustand akuten Liebeskummers - also eigentlich permanent - zu musikalischen Halluzinationen. Dann verwandelt Al Green die Geschworenen im Gerichtssaal in einen Gospelchor, oder Barry Manilow steht in der Wohnung und singt »Its a Miracle«."
(Malte Oberschelp in der TAZ vom 05.02.2002)

 
     
 
       
     
       
   

Porträts und Gespräche

Neu:
KEGEL, Sandra (2004): Wir waren alle Ally.
Zum 40. Geburtstag der amerikanischen Schauspielerin Calista Flockhart,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.11.

 
   

TV-Kritiken

PEITZ, Christiane (2001): Ally oder Carrie.
Wer ist die wahre Single-Heldin?
in: Tagesspiegel v. 20.09.

 
   

Die Serie in der Debatte

Deutschsprachiger Raum

BUNZ, Mercedes (1999): Ally McBeal: Fernsehen für eine bessere Welt.
Nachdem Serien etwas von der Realität gelernt haben wird es für die Realität Zeit, etwas von den Serien zu lernen,
in: Telepolis
v. 14.06.

Infos zu: Mercedes Bunz - Autorin der Generation Golf

COSACK, Bettina (1999): Am Rande des Nervenzusammenbruchs.
Zuschauerliebe auf den zweiten Blick: Die postfeministische Fernsehserie "Ally McBeal",
in: Berliner Zeitung
v. 20.07.

HEYBROCK, Mathias (2000): Richte lieber ungewöhnlich.
Ally ist Anwältin, Single und eine Schönheit. Nur Kollege Billy findet sie nicht die Schönste,
in: Tages-Anzeiger v. 25.01.

KREITLING, Holger (2000): Ally McBeal entlässt uns wieder in die Normalität.
in: Welt v. 15.02.

HEUSER, Uwe Jean (2000): Sehnsucht und Lüge.
Es gibt ein wahres Leben im falschen. Zumindest in der TV-Comedy "Ally McBeal",
in: Tages-Anzeiger v. 11.03.

ENGELKE, Anke (2000): "Neurosen machen schön".
Klug, erfolgreich, ständig in der Krise: Die amerikanische Sitcom "Ally McBeal" erzählt von den Irrungen und Wirrungen einer modernen Frau. Comedy-Star Anke Engelke über eine Schwester im Geiste,
in: KulturSpiegel
Nr.6 v. 29.05.

GLASER, Andrea (2000): Nachricht an Ally McBeal.
Wer sie mag in Berlin und wer sie nicht kennt,
in: Welt
v. 11.08.

NIGGEMEIER, Stefan (2000): Ally McFeel.
Warum wahre Gefühle in absurde Geschichten verpackt werden müssen - zum Beginn der neuen Staffel von "Ally McBeal",
in: Süddeutsche Zeitung v. 05.09.

JOFFE, Josef (2000): Woody Allen als Glamourgirl.
"Eine klatschnasse Affäre" eröffnet die dritte Staffel der Erfolgsserie Ally McBeal,
in: Die ZEIT Nr.37 v. 07.09.

HUBER, Markus (2000): Alle für Ally, Ally für alle.
Die Serie um die durchgeknallte Bostoner Anwältin erobert die deutsche Intelligenz. Warum erst jetzt?,
in: Tagesspiegel
v. 12.09.

BUHR, Elke (2001): Die Brüste gehören zum Service.
Über Push-up-BHs, das Ally-McBeal-Syndrom und den Stand der Emanzipation,
in: Frankfurter Rundschau v. 08.03.

Infos zu: Elke Buhr - Autorin der Generation Golf

FRINGS, Matthias (2000): Fernsehmuseum: Ally McBeal,
in:
Tagesspiegel v. 10.11.

KEGEL, Sandra (2001): Die Frau von dreißig Jahren.
Ally McBeal, der Sex und die Stadt: Mutmaßungen über eine neue Condition féminine, die die Frauenfrage nicht obsolet macht, aber anders stellt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.09.

Ein umfangreicher Essay von Sandra KEGEL über die dreißigjährige ledige Frau in den Medien. KEGEL kann Sex and the City nichts abgewinnen. Sie sehnt sich nach AUSTENs Emma zurück, die sie als Vorgängerin von Frauenfiguren wie Bridget Jones und Ally McBeal sieht. KEGEL sieht zwischen diesen Frauen nur einen einzigen Unterschied: Emma ist zehn Jahre jünger. Der Grund:

"Die Fragen, die heute eine Dreißigjährige beschäftigen, stellten sich vor zwei Jahrhunderten einfach früher."

HENTSCHEL, Stefanie (2001): Frauen allein zu Haus.
Keinen Mann fürs Leben, aber jede Menge Sex: Großstadt-Singles sind die neuen Lieblinge der Popkultur. Wieso eigentlich?
in: Brigitte Nr.25 v. 28.11.

HENTSCHEL kann zwischen Bridget Jones, Ally McBeal, Cora Hübsch ("Mondscheintarif") und Carrie Bradshaw ("Sex and the City") keinen Unterschied sehen, sondern nur eine Gemeinsamkeit:

"Sie haben Männer. Nicht den einen, den sie unbedingt wollen, den zum Kinderkriegen und Über-den-Feiertag-Wegfahren. Aber jede Menge andere".

HENTSCHEL wundert sich über den Rückfall ins Single-Dasein, nachdem vor kurzem erst Heiratsfilme "in" gewesen sind und fragt sich, deshalb warum diese Single-Serien so erfolgreich sind. Ihre Analyse beginnt sie mit dem Satz:

"Denkbar wäre natürlich, dass die 13,8 Millionen Singles in Deutschland, oder zumindest deren weibliche Hälfte, in den Büchern, Serien und Filmen Trost und Bestätigung finden."

Es ist immer noch nicht bis zu HENTSCHEL durchgedrungen, dass Menschen, die einen Einpersonenhaushalt führen, nicht identisch sind mit Partnerlosen im mittleren Lebensalter! Weibliche Partnerlose zwischen 30 und 40 Jahren sind eine Minderheit . Die meisten Frauen, die einen Einpersonenhaushalt führen, sind ältere Witwen und im mittleren Lebensalter dominieren die Männer. Der Umstand, dass Berichterstatter in den Medien überproportional zu dieser Minderheit gehören, verleiht dieser zwar eine überdeutliche Stimme, nichtsdestotrotz sind diese Medien-Yuppies zahlenmässig irrelevant! Von daher ist HENTSCHELs zweite These auch ohne Umweg über den "Mythos Single" glaubwürdiger:

"Wahrscheinlicher ist, dass gerade Nicht-Singles diese Erzeugnisse brauchen."

Single-Serien dienen also der Identitätsstabilisierung von unzufriedenen Paarfrauen und Müttern:

"Wäre Single bleiben nicht auch ganz dufte gewesen? Aber dann lesen sie, wie Bridget Jones ihr Gewichts-Tagebuch führt, und freuen sich, dass sie (...) jemanden haben, der sie nicht gleich wegen der kleinen Speckrolle unterm Bauchnabel verlassen wird. Und dann ist alles gut, und alle sind glücklich."

Aber vielleicht liegt HENTSCHEL doch nicht ganz so richtig, wenn sie keinen Unterschied zwischen den genannten Serien macht. Im Gegensatz zu Bridget Jones, Ally McBeal oder Cora Frost hat Sex and the City mehr zu bieten als pure Identitätsstabilisierung für Paarfrauen und Mütter...

DIEDERICHSEN, Diedrich (2001): Adornos Taschentuch.
Möglichkeiten und Strategien des Nonkonformismus,
in: Jungle World Nr.52/01 v. 19.12.

Was Theodor W. ADORNO, Ally Mc Beal und Seinfeld miteinander zu tun haben, das erzählt Diedrich DIEDERICHSEN in seinem modernen Weihnachtsmärchen mit Überlänge...

OBERSCHELP, Malte (2002): Gospelchor der Geschworenen.
Bei Ally McBeal wird nicht nur geklagt und verteidigt, sondern auch gesungen und gerockt. Gastauftritte von bekannten Musikern sind Programm - heute steht Popstar Sting wegen Anstiftung zum Ehebruch vor Gericht (Vox, 22.05 Uhr),
in: TAZ v. 05.02.

Malte OBERSCHELP bezieht sich hier u. a. auf Diedrich DIEDERICHSENs Essay Adornos Taschentuch in der Jungle World vom 29.12.2001.

NEUDECKER, Sigrid (2002): Ally macht Schluss.
Abgesang eines ehemaligen Fans zum Ende eines Kults
in: Frankfurter Rundschau v. 19.04.

In den USA wird Ally McBeal im Mai zum letzten Mal ausgestrahlt. Bei uns hat gerade das Buch Generation Ally Konjunktur.

KEGEL, Sandra (2002): Ach, Ally.
Das Leben war ihr schwerster Fall: "Ally McBeal" tritt ab,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.04.

HUPERTZ, Heike (2002): Gretchen.
David E. Kelley, der Schöpfer von "Ally" hat zwei Neue,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 25.04.

Heike HUPERTZ berichtet über das Ally McBeal-Nachfolgeprojekt Girls Club. Nicht mehr in Boston spielt die neue Serie, sondern in San Francisco, der Stadt mit den Urban Tribes. Das Juristinnen-Milieu der End-Zwanziger bleibt erhalten. Statt einer Ally steht uns nun jedoch gar eine Wohngemeinschaft mit 3 Allys ins Haus.

SCHMIDT, Thomas E. (2002): Die Zeit der Gummibärchen.
In den USA wird die Kultserie "Ally McBeal" eingestellt,
in: Die ZEIT Nr.18 v. 25.04.

IFFLAND, Renate (2002): Allymania und (k)ein Ende.
Die Serie "Ally McBeal" läuft in den USA in diesen Tagen aus - Kein Grund, sofort zu verzweifeln,
in: Saarbrücker Zeitung v. 16.05.

SCHOEN, Gerti & Joachim HUBER (2002): Kein Mann zum Füßekraulen.
"Ally McBeal" endet mit einer Hochzeit - aber die Braut heißt Christina Ricci,
in: Tagesspiegel v. 22.05.

LAU, Mariam (2002): Ally McBeal: Wenn Frauen nicht wissen, was sie sein wollen.
Calista Flockhart dankt als Ally McBeal ab - jetzt sitzen die Frauen mit sich und dem Geschlechterkampf wieder ganz allein vor dem Fernsehschirm,
in: Welt v. 24.05.

HANDKE, Sebastian (2002): Ich-AG sucht Mann fürs Leben.
Abgesang auf eine erfolgreiche Frau: Warum die Serie Ally McBeal sterben muss,
in: Welt am Sonntag v. 27.10.

HANFELD, Michael (2002): Es ist Pop, es ist Spaß, es ist wie beim Eishockey.
Das macht er alles mit links: Wie David E. Kelley, der Vater von "Ally McBeal" , zu Geschichten kommt, die das Leben so nicht schreibt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.10.

KELLER, Harald (2002): Wir müssen reden.
In Sachen Synchronisation ein Ausnahmefall: Die Fernsehserie "Ally McBeal" geht in die letzte Runde,
in: Frankfurter Rundschau v. 29.10.

KELLER, Harald (2002): Ein letztes Mal "Pookepsie".
Heute startet die finale Staffel von "Ally McBeal" (Vox, 22.10 Uhr). Die Kultserie liefert wieder provokanten Witz und schräge Vögel: Zum Abschied sitzt Dame Edna im Gerichtssaal,
in: TAZ v. 29.10.

Englischsprachiger Raum:

CHAMBERS, Veronica (2002): How Would Ally Do It?
A Quirky Cult Hit Muses On Success, True Love, Unisex Bathrooms And (EEK!) Dancing Babies,
in: Newsweek
, U.S. Edition v. 02.03.

BELLAFANTE, Ginia (1998): Who Put the "Me" in Feminism.
in: Time Nr.25 v. 29.06.

HUPERTZ, Heike (2002): Der Konzern der Menschenzähler.
Wer die Quote nicht ehrt: In Amerika ist ein Kampf um die Zuschauerzahlen entbrannt, der alles im Fernsehen in Frage stellt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.08.

Heike HUPERTZ ist der Meinung, dass Ally McBeal in den USA nicht abgesetzt worden wäre, wenn die neue Zählmethode eingesetzt worden wäre:

"was kann repräsentativ genannt werden? Jüngst hat es die ansonsten nicht durch besonderen Wagemut auffallende Zeitung 'USA Today' unternommen, Nielsens Zahlen in Frage zu stellen. Statt der hierzulande üblichen Angabe des Ratings in Haushalten - so entspricht ein 9,3-Rating 9,3 Prozent aller amerikanischen Fernsehhaushalte - will man jetzt bei 'USA Today' nur noch absolute Zuschauerzahlen melden. Denn die Zählung nach Haushalten bevorzugt Sendungen, die sich vornehmlich an Ältere richten, da sie zumeist in Haushalten mit weniger Personen leben."

Die Verzerrung durch Haushaltszählung ist auch hierzulande beliebt. Sozialpopulisten können damit die Anzahl der Singles in die Höhe treiben, obwohl ihr Anteil an der Bevölkerung eher bescheiden ist.

KRUSE, Yvonne E. (2002): Die Zukunft will Liebe.
Die letzte Staffel der populären US-Soap "Ally McBeal" markiert einen Wertewandel in der Gesellschaft,
in: Welt v. 24.10.

KRUSE zitiert den Mainzer Soziologen Stefan HRADIL zum angeblichen Wertewandel:

"inzwischen sind Singles out, vorbei die Zeiten, in denen Unabhängigkeit zählte, und das Alleinleben als einzig wahre Lebensform gepriesen wurde. In denen es niemanden gab, der das Badezimmer verwüstete oder zum Kauf eines Familienwagens drängte. Ein flotter Zweisitzer war das dringend benötigte Symbol für einen unabhängigen Lebensstil. Aber alleine in einem Zweisitzer hocken macht nach Meinung der Wissenschaftler heute keinen Spaß mehr. »Singles fungierten als Leitbilder unserer Gesellschaft. Man orientierte sich an ihnen,« sagt Stefan Hradil, Soziologie-Professor von der Universität Mainz, »aber diese positive Bewertung ist gekippt.«"

Singles hatten ausgehend von den "swinging sixties" eine gewisse Zeit Leitbildfunktion. Spätestens Anfang der 80er Jahre war diese auf bestimmte Milieus beschränkt und seit Anfang der 90er Jahre sind Singles selbst in der Neuen Mitte in die Defensive geraten.  Der Soziologe Günter BURKART spricht deshalb auch vom "Mythos Single".
            Was HRADIL anspricht, das bezieht sich einerseits auf den Yuppie, dem durch den Niedergang der New Economy die wirtschaftliche Basis abhanden gekommen ist, und andererseits auf die sozialpopulistische Debatte, in der Singles als "Sozialschmarotzer" diffamiert werden. Ally McBeal stand bereits für die Ambivalenz des Single-Daseins: finanziell unabhängig, aber unglücklich über die eigene Partnerlosigkeit.
            Von einem Wertewandel kann deshalb keine Rede sein. Dass jetzt die geburtenstarken Jahrgänge der Generation Golf in die Familienphase kommen, spiegelt sich nun auch in den Medien wieder. Das ist eine demografische Folge der veränderten Gesellschaftsstruktur und kein Wertewandel im Sinne eines Einstellungswandels der Betroffenen.

 
   

Rund um den Ally McBeal-Kosmos

KELLER, Harald (2000): Allys Magersucht und andere reizvolle Bagatellen.
Gestern ging Ms. McBeal in die Wiederholung. Doch keine Panik: Wer die erste Folge schon wieder verpasst hat, kann nun all die Gedächtnislücken mit zwei Büchern überbrücken,
in: TAZ v. 23.02.

KIPPENBERGER, Susanne (2001): Ally McBeal.
Funkelnde Metropole Berlin - diese Stadt hat einfach alles! Nur sie kann uns hier noch weiter bringen,
in: Tagesspiegel v. 17.02.

KNECHT, Doris (2001): Vom Glück Barry White zu sein.
Mit seinem Viagra-Bariton lieferte Barry White den Soudtrack für ungezählte Liebesnächte. Heute ist der sesselfüllende Soulinterpret erfolgreicher denn je. Ein Gespräch mit dme Mann, der die Frauen wirklich versteht,
in: Das Magazin. Beilage des Tages-Anzeiger v. 16.06.

KELLER, Harald (2001): Uneidliche Falschaussagen.
Wieder gibt es ein neues Buch zur Vox-Kultserie "Ally McBeal". Doch während den Drehbuchautoren immerhin noch neue Absurditäten einfallen, schreiben viele Sachbuchverfasser voneinander ab.
in: TAZ
v. 29.12.

BENDA, Andrea (2002): Rechthaberische Frauen.
Ally McBeal macht Schule: Deutsche Produktionen zeigen, wie schön und schwierig das Leben vor Gericht ist,
in: Welt am Sonntag v. 03.02.

Das deutsche Fernsehen hat die kaufkräftige Zielgruppe Generation Golf entdeckt. Das Interesse gilt jetzt speziell dem weiblichen Part: der Generation Ally. Wie Andrea BENDA den AllyMcBealismus sieht:

"Ally McBeal (betrat) den fiktionalen Gerichtssaal und seitdem wissen wir es besser. Die neurotische Anwältin mit den Schmoll-Lippen und dem Rehblick vollführte das Kunststück, kurze Röcke tragen zu können, ohne ihren Intellekt gleich mit zu mindern. Fortan war klar: Jura ist sexy. Gleichzeitig verriet Ally alle Ideale der Frauenbewegung, indem sie vorführte, dass auch die toughe Karriere-Singlefrau noch den viktorianischen Drang nach Romantik und der einzig wahren Liebe in sich verspürt. Das Dilemma der modernen Frau: Karriere ja, Familie auch, und dabei noch so gut wie möglich aussehen."

Edel und Starck sowie Alicia sollen das deutsche Generation Golf-Publikum nach Ally McBeal-Art befriedigen.

 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 05. Februar 2002
Update: 15. August 2015