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Das Single-Dasein im Fernsehen:

 
   

Tatort

 
   

Folge 357: Liebe, Sex, Tod

Erstsendung: 06.04.1997 (ARD/BR)
Zuschauer 9,66 Millionen/29,3 % Marktanteil (Quelle: Media Control)

 
   
     
 

Zitate zu "Liebe, Sex, Tod"

"Eine Hitzewelle lastet auf München. Einsamkeit, unerfüllte Hoffnungen und Sehnsüchte beeinträchtigen in diesen Tagen die strapazierten Beziehungen der ohnehin streßgeplagten Bewohner, die in der Mehrzahl Singles sind."
(Pressestelle ARD)

"Das traute Familienidyll bleibt für die meisten, beziehungsunfähig, wie sie sind, Utopie. Im Single-Milieu fernab der Medienklischees gedeihen vor allem die Neurosen.
Der jüngste »Tatort« aus München, mit den meisten Einpersonen-Haushalten der Republik die Hauptstadt der Single-Bewegung, trug den schönen Titel »Liebe, Sex, Tod« - da sollte für jeden etwas dabeisein. Regisseur Peter Fratzscher zeichnete das Bild einer deformierten Gesellschaft abgestumpfter Single-Existenzen (...). Bei ihren Ermittlungen tauchten die beiden Kommissare (...) tief hinein in die von Schizophrenie und Perversionen geprägte Szene alleinstehender Liebes- und Lustwandelnder, trafen sich mit Rose am Revers zu meist abrupt endenden blind dates, besuchten dubiose Flirtschulen und kuriose Sex-Partys. Trotz der ironischen Präsentation bizarrer Details (...) ließ der Film jedoch keinen Zweifel daran, daß es ihm nicht um die Bloßstellung sozialer Randgruppen bestellt war. Beziehungsgeschädigt waren auch die Kommissare (...)
Suchte man nach einem Bild, in dem sich der Single-Alltag am trefflichsten komprimieren ließe, so wäre dies wohl weder das aufregende blind date noch die exzentrische Party: Es wäre der Fernseher."
(Jörg Thomann in der FAZ v. 08.04.1997)

 
     
 
       
   

TV-Kritiken

DECKER, Kerstin (1997): Laß Dich überraschen...,
in:
Tagesspiegel v. 08.04.

GEHRS, Oliver (1997): Auftrag: Realität toppen,
in:
TAZ v. 08.04.

THOMANN, Jörg (1997): Die B-Seite der Singles.
Für jeden etwas dabei,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.04.

 
   

Die Folge im WWW

Das Erste: Tatort-Archiv
 
   

Die Tatort-Reihe und das Single-Dasein in der Debatte

BRAUCK, Markus (2004): Die zweite Haut.
Seit 15 Jahren spielt Ulrike Folkerts die "Tatort"-Kommsissarin Lena Odenthal,
in: Frankfurter Rundschau v. 17.07.

Markus BRAUCK schreibt darüber wie Ulrike FOLKERTS sich bisher erfolgreich dagegen gewehrt hat, dass ihre Rolle kaputtgeschrieben wird: "Es gibt (...) einen Punkt in ihrem Leben, da ist sie unermüdlich, kämpferisch und vermutlich auch sehr anstrengend. Immer dann, wenn es um Lena Odenthal geht. Wenn Drehbuchautoren die Figur ummodeln wollen. Aus der »coolen Katze« (Folkerts) eine schwache Frau machen, die von starken Männern rausgehauen werden muss. Wenn irgendwer sagt, zuviel Gesellschaftskritik im Krimi wollten die Leute am Sonntagabend nicht sehen. Da wird die Folkerts zur Odenthal. Kämpft. Nervt. Ist störrisch. »Ich lasse nicht zu, dass die Rolle kaputt gemacht wird»«, sagt sie. Auch wenn selbstironische, etwas clowneske Ermittler seit dem Erfolg des Tatorts aus Münster zurzeit sehr angesagt sind. »Odenthal-Tatorte sind mehr als Unterhaltung«, davon ist sie überzeugt. »Das kann man den Zuschauern auch zumuten.«"

SICHTERMANN, Barbara (2004): Kein bisschen amtsmüde.
Lena Odenthal ermittelt seit 15 Jahren - und am Sonntag wieder im "Tatort: Gefährliches Schweigen",
in: Tagesspiegel v. 18.07.

Barbara SICHTERMANN über den Versuch die Single-Rolle zu verändern: "Ist Lena verbindlicher geworden, hat diese Kommissarin ohne Privatleben, die ihr Apartment bloß WG-mäßig mit dem Kollegen Kopper teilt, jetzt doch ein paar weiche Seiten entwickelt, womöglich auch ein bisschen freundliche Fraulichkeit?
Nun, Drehbuchschreiber haben getan, was sie konnten, um ihr Reste eines Familienlebens anzudichten. So kam in einer Folge plötzlich eine Tante vor, und als Verdächtiger kreuzte kürzlich ein Jugendfreund auf, dem Lena mal so nahe gestanden hat, dass ihre Objektivität in Frage stand. Kopper mußte das verdächtig Private übernehmen. Im Grunde prallen solche Versuche einer Angleichung der Lena Odenthal an die weibliche Normalbiographie von der Figur ab.
Diese Kommissarin lebt nicht aus einem natürlichen familiären Humus heraus, sondern aus der vollkommenen Künstlichkeit der Fernseherfindung, und man unterschätzt das Publikum, wenn man meint, es akzeptiere auf dem Bildschirm nur Gestalten mit realistischem Hintergrund und nachvollziehbarer Lebensführung. Es will die Ikone. Zu Odenthal passt keine Tante. Sie ist, sagen wir mal, die legitime Tochter des Kerls, der im schönen alten »Tatort«-Trailer so telegen durch den Regen davonrennt.
Das englische Volk nannte Elisabeth die Große seine »jungfräuliche Königin«. Damit war nicht gemeint, dass die Queen immer alleine schlief und von Sex nichts wusste, sondern dass sie sich niemals einem Mann unterordnete, dass sie frei blieb. In diesem Sinn ist auch Lena Odenthal eine jungfräuliche Kommissarin.
"

HUPERTZ, Heike (2008): Eine Niete am Herd?
Immer noch ein Sonderfall: Die Geschichte der Kommissarinnen im "Tatort",
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.05.

Seit Frank SCHIRRMACHER in seinem Buch Minimum dem Fernsehen die Macht zusprach, Frauen das Gebärenwollen eintrichtern zu können, wird der Quotenrenner Tatort im FAZ-Medienteil insbesondere daraufhin untersucht, inwiefern seine Kommissarinnen einen staatstragenden Beitrag zur virtuellen Geburtenrate der Deutschen leisten. HUPERTZ erläutert deshalb:

"Fast vierzig Jahre hat es am Ende gedauert, bis in der Folge »Erntedank e.V.« unlängst das erste Kommissarinnen-Baby das Licht des »Tatorts« erblickte. (...).
            Zählt man Simone Thomalla, die neue Kommissarin aus Leipzig, mit, haben in der Geschichte des »Tatorts« insgesamt neun Frauen in leitender Funktion ermittelt. Künftig werden an fünfzehn Schauplätzen sechs von ihnen im Einsatz sein. Die neun hatten bis vor kurzem zusammen gerade mal ein einziges Kind. Betrachtet man den demografischen Trend, ist das nicht wirklich repräsentativ, aber auch nicht allzu weit von der Wirklichkeit entfernt. Zumal die bislang einzige Mutter unter den Kommissarinnen, Inga Lürsen aus Bremen, nach wie vor als »bekennende Rabenmutter« einer Siebzehnjährigen auftritt".

Eva MARZ schrieb in ihrer Fernsehkritik (SZ v. 29.03.08) zum Tatort Erntedank e.V.:

"Das Presseheft ist diesmal besonders dick ausgefallen (...). Ohne Programmatik geht anscheinend nichts mehr im fiktionalen Fernsehspiel, jenem Massenmedium, das so gerne seine Zuschauer erziehen, belehren und ihre Fehlhaltungen korrigieren möchte. Gerne auch da, wo in Wahrheit gar kein Korrekturbedarf besteht. »Das Kind als Bereicherung, als große Erfüllung, nicht als Hauptursache für Stress und Hektik« (...) ist eine Auffassung, die die allermeisten Deutschen ohnehin problemlos teilen dürften."

MÄRZ, Ursula (2008): Abschied vom einsamen Wolf.
700 Folgen "Tatort": Warum die neuen Kommissare die Sehnsucht nach Kindern, Familie und Eheglück widerspiegeln,
in: Die ZEIT Nr.23  v. 29.05.

"Früher (...) vor der Epoche des alles überragenden bundesrepublikanischen Familiendiskurses. Vor der Single- und Kinderlosigkeitspanik", da war das Junggesellen-Leben der Tatort-Kommissare kein Problem, aber jetzt wird alles anders, meint Ursula MÄRZ, die spätestens seit dem Buch Minimum die hysterische Debatte kräftig mitanheizt. 

 
   

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Update: 18. Juni 2015