[ Singles in Frankreich ] [ News ] [ Homepage ]

 
       
   

Daniel Lindenberg: Die neuen Reaktionäre

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • Mitarbeiter der Zeitschrift Esprit
    • 2002 Buch "Le Rappel à l'ordre"
    • Politikwissenschaftler an der Universität Paris VIII
 
       
     
       
   

Daniel Lindenberg in seiner eigenen Schreibe

 
       
   
  • fehlt noch
 
       
   

Daniel Lindenberg im Gespräch

 
       
   
  • fehlt noch
 
       
       
   

Le Rappel à l'ordre (2002).
Enquête sur les nouveaux réactionnaires
Paris: Seuil

 
   
     
 

Klappentext

"Du procès de 1968 à celui de l'islam en passant par la condamnation d'une école qui brade la culture et d'une " pensée unique " qui bafoue les références nationales, les nouveaux réactionnaires ont plusieurs visages et semblent échapper aux clivages politiques traditionnels. Lointains héritiers des années 30 et de débats que l'on croyait éteints, ils oeuvrent cependant de concert à l'élaboration d'une nouvelle synthèse idéologique de combat à la fois contre la gauche égalitaire et contre la droite libérale. Fondé sur une enquête menée aussi bien dans la presse, les revues intellectuelles, les essais que la littérature romanesque, cet essai tente d'en dresser le portrait et d'en identifier les traits dominants."

 
     
 
       
   

Das Buch in der Debatte

JOFFRIN, Laurant (2002):  Sommes-nous tous devenus réacs?
Insécurité, famille, école, mœurs...,
in: Nouvel Observateur Nr.1985 v. 21.11.

LANCELIN, Aude & Fabrice PLISKIN (2002): Les pavés anti-68.
Est-ce la fin de l’hégémonie intellectuelle de la gauche?
in: Nouvel Observateur Nr.1985 v. 21.11.

WETZEL, Johannes (2002): Die Entmythologisierung des Mai 1968.
Frankreichs Linksintellektuelle geraten in Erklärungsnot,
in: Berliner Zeitung v. 23.11.

Johannes WETZEL berichtet über die aktuelle Titelgeschichte des französischen Nachrichtenmagazins Nouvel Observateur, in dem es um das Buch «le Rappel à l’ordre» ("Ordnungsruf") von Daniel LINDENBERG geht. Der französische Historiker zählt darin Schriftsteller wie Michel HOUELLEBECQ, Maurice DANTEC oder Renaud CAMUS und Intellektuelle wie Régis DEBRAY, Pierre-André TAGUIEFF oder Marcel GAUCHET zu den "néoréactionnaires" (Neuen Reaktionären), von denen viele früher einmal links standen. Das Anliegen des Buchs fasst WETZEL folgendermaßen zusammen:

Lindenberg beschreibt eine Offensive gegen die »Massenkultur, die Menschenrechte, gegen den Mai 1968, gegen den Feminismus, den Antirassismus und den Islam«, die, mit Carl Schmitt im Marschgepäck, letztlich in einer Kritik der Demokratie gipfele. Denn »in Wahrheit haben die französischen Intellektuellen die Demokratie nie gemocht«. Lindenbergs Denunziation ist pauschal, aber gut dokumentiert. Besonders fündig wird er bei Michel Houellebecq. Auch deutsche Kritiker bewunderten Houellebecqs Romane voller »Tabubrüche« in Form von ressentimentgetränkten Ausfällen gegen Massentourismus und Islam (in »Plattform«) Freizügigkeit und Liberalität (in »Elementarteilchen«)."

Die Aufregung um das Buch stellt WETZEL in den Zusammenhang einer Neuausrichtung der politischen Linken nach dem Desaster der letzten Wahlen und dem Tod des Soziologen  Pierre BOURDIEU:

"Lindenbergs Text (wurde) von Pierre Rosanvallon veröffentlicht (...), seines Zeichens Soziologie-Professor am legendären Collège de France, an dem auch Pierre Bourdieu lehrte: Der sozialdemokratisch gesonnene Rosanvallon, so wird vermutet, will die seit Bourdieus Tod vakante Stelle der maßgebenden intellektuellen Autorität der Linken übernehmen. Rosanvallon wünscht die »intellektuelle Neugründung einer reformistischen Linken«, weil ihm die üblichen »politischen Posen« - »Widerstand leisten gegen den Zeitgeist, gegen die Globalisierung«, wie Bourdieu es vertrat - an der Realität vorbeizugehen scheinen."

ASAL, Sonja (2002): Lechte und rinke Leaktionäle.
Alles Verräter: Wer darf sich in Frankreich noch zur Linken zählen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 23.11.

Sonja ASAL berichtet ebenfalls von LINDENBERGs Buch, beschreibt aber auch die vorangegangene Debatte, die mit einem Beitrag von Maurice MASCHINO in der Oktober-Ausgabe von Le Monde diplomatique ihren aktuellen Anfang genommen hat. Dagegen betrachtet der konservative Figaro das Problem der "Neuen Reaktionären" über einen längeren historischen Zeitraum:

"Die Verschmelzung zwischen der rechten und der linken Mitte habe die Grenzen so durchlässig gemacht, dass der Erziehungsminister Luc Ferry von einem Premier Raffarin zu einem Premier Fabius würde wechseln können, ohne dass er seine Weste zu wenden bräuchte."

ZITZMANN, Marc (2002): Feinde des »Menschenrechtlertums«.
Wirbel um Frankreichs "Neue Reaktionäre",
in: Neue Zürcher Zeitung v. 27.11.

Marc ZITZMANN kritisiert das neue Label, weil es zu unterschiedlichen Persönlichkeiten einen einheitlichen Denkstil zuschreibt: 

"Zu heterogen ist die Liste der von Lindenberg als «nouveaux réactionnaires» abgestempelten Zeitgenossen; sie reicht von Marcel Gauchet über Luc Ferry, Alain Finkielkraut und Alain Renaut bis zu den - als Hauptzielscheiben fungierenden - Schriftstellern Maurice Dantec und Michel Houellebecq. Zu beliebig ist die Reihe ihrer angeblichen Inspiratoren, von Joseph de Maistre über Baudelaire, Flaubert und Pius IX. bis zu Charles Maurras, Léon Bloy, Céline und Drieu La Rochelle; zu wenig stringent die Beweisführung des Opuskulums, als dass es als eine gültige Antwort auf eine Frage gelten könnte, die einer eingehenderen Untersuchung wohl wert wäre.
Denn das Thema liegt in Frankreich in der Luft. «Le Monde diplomatique» hatte bereits in seiner Oktoberausgabe einen langen Artikel gebracht, der mit längst bekannten Argumenten gegen «Medienintellektuelle» wie
Bruckner, Ferry, Finkielkraut, Glucksmann, Lévy und Sollers zu Felde zog und sie unter dem Schlagwort «les nouveaux réactionnaires» vereinte.

WALTHER, Rudolf (2002): Links bleiben.
Reaktionäre in Frankreich,
in: Frankfurter Rundschau v. 28.11.

Rudolf WALTHER beschreibt u.a. die Vorgeschichte der jetzigen Fraktionierung innerhalb der französischen Linken und deren neuen Frontverlauf durch die Lindenberg-Debatte: 

"Seit 1995 geht ein Riss durch die traditionell linke Gruppe französischer Intellektueller. Damals wollte die konservative Regierung unter Alain Juppé den Staatshaushalt und die Sozialversicherungssysteme auf Kosten der kleinen staatlichen Angestellten und Beamten in einem Aufwasch sanieren. Gegen den Sozialabbau formierte sich eine soziale Bewegung, mit der sich Teile der Intellektuellen solidarisierten. Insbesondere Pierre Bourdieu engagierte sich auf allen Kanälen, in vielen Zeitungen und mit der äußerst erfolgreichen Buchreihe Raisons d'agir. Der Streit um dieses Engagement führte zum Bruch zwischen jenen, die die Reform- und Sparpläne der Regierung begrüßten, und jenen, die darin einen Anschlag des Neoliberalismus auf die Demokratie sahen. Fortan gab es links von der Mitte zwei Intellektuellenfamilien: die radikaldemokratische und die sozialliberale.
Das Buch des Historikers Daniel Lindenberg (...) spaltet nun die sozialliberalen Intellektuellen, denn als »neue Reaktionäre« werden darin nicht etwa Journalisten und Professoren aus dem konservativen Lager angesprochen, sondern ein Teil der bisherigen Familienmitglieder. Lindenberg unterscheidet wie sein Mentor Pierre Rosanvallon - Professor am Collège de France und Herausgeber einer Buchreihe nach Bourdieus Vorbild unter dem Titel République des idées - zwischen »authentischen Liberalen« und »neuen Reaktionären«".

HAHN, Dorothea (2002): Das Phantom einer heroischen Politik.
Unter Pariser Intellektuellen machen die "neuen Reaktionäre" von sich reden, Autoren und Theoretiker wie Alain Finkielkraut und Bernard-Henri Lévy. Sie arbeiten sich ab am Feindbild 1968 - und ernten dafür nun auch Kritik,
in: TAZ v. 05.12.

WALTHER, Rudolf (2002): Pflastersteine.
Ein neues Pariser Manifest,
in: Frankfurter Rundschau v. 11.12.

UTHMANN, Jörg (2002): Die neuen Reaktionäre.
Zurück zur Ordnung: Richtungskämpfe zerfleischen die französische Linke,
in: Welt v. 12.12.

FLÜGGE, Manfred (2002): Die Papiertiger fauchen wieder.
Linke im Phantomschmerz. In Frankreich provoziert Daniel Lindenberg mit einem Essay über die "neuen Reaktionäre",
in: Freitag Nr.51 v. 13.12.

HOUELLEBECQ, Michel (2003): L'homme de gauche est mal parti,
in: Le Figaro v. 06.01.

HANIMANN, Joseph (2003): Rekrut Houellebecq,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.01.

HANIMANN berichtet über den Artikel von HOUELLEBECQ im französischen Le Figaro.
Der Autor widmet sich Michel HOUELLEBECQs Stellungnahme im Le Figaro, bei der es um die "moralische Lufthoheit" geht:

"Houellebecq (...) bleibt (...) ein Meister der Luftblase, ein exzellenter Provokateur, der unter den polemischen Girlanden seines Textes eine klare Botschaft formuliert. Sie lautet: Die politischen Grabenkämpfe, die sich das intellektuelle Frankreich diesen Herbst liefert, sind pseudo-politisch und werden längst auf dem Terrain der Moral ausgefochten."

Neu:
MATZNER, Egon (2003): Exodus ans rechte Ufer.
Vom Fehlen einer konstruktiven Utopie oder: der Niedergang der Sozialdemokratie,
in: Frankfurter Rundschau v. 22.02.

Eine grundsätzliche Kritik am sozialdemokratischen Neoliberalismus der Neuen Mitte mit einem kurzen Abstecher nach Frankreich:

"Viele Intellektuelle befinden sich in einem klinischen Angstzustand. Darauf weist die große Erregung hin, die Daniel Lindenberg in Frankreich mit seinem Ordnungsruf an die Transformierten hervorrief. Gleiches gilt für den Artikel "Die neuen Reaktionäre" (LE MONDE diplomatique, Oktober 2002), der den Weg kritisch beleuchtet, auf dem ehemals Linke es mittlerweile zu beliebten Medien-Philosophen und Talkshow-Stars brachten".

 
       
   

weiterführende Links

 
       
     
       
   
 
   

Bitte beachten Sie:
single-generation.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

 
   
 
     
   
 
   
© 2002-2017
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 10. Dezember 2002
Stand: 22. April 2017