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Singles in Griechenland

 
       
   

Literatur und gesellschaftlicher Wandel

 
       
   

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Die Geburtenentwicklung in Griechenland

 
       
   
Tabelle: Die Geburtenentwicklung in Griechenland 1960 - 2013
 

Jahr

1960 1970 1980 1990 1995 2000 2005 2010 2013
Geburtenrate (TFR) 2,23 2,40 2,23 1,40 - 1,26 1,32 1,47 1,29
Quelle: Eurostat Online Jahrbücher
 
       
   

Griechische Singles und gesellschaftlicher Wandel in den Medien

 
       
   

MARTENS, Michael (2008): Nepotismus als Lebensprinzip.
Der griechischen Gesellschaft fehlt der Realitätssinn, sagt der Soziologe Michael Kelpanides. Die derzeitigen Unruhen im eigenen Land sieht er nicht als Aufstand einer benachteiligten Generation. Ein Gespräch,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 12.12.

DÜCKERS, Tanja (2008): Aufstand der Angepassten.
Krawall in Griechenland: Tanja Dückers über eine Jugend, die zwischen Straßenschlachten und brennenden Autos die Realität entdeckt,
in:
Tagesspiegel v. 18.12.

SERALIDOU, Rodothea (2013): Luxusgut Kind.
Erheblicher Geburtenrückgang in Griechenland,
in:
DeutschlandRadio v. 21.10.

ROSER, Thomas (2016): Arme Mütter, verkaufte Kinder.
Geburten: In Griechenland floriert der Adoptionshandel mit Roma-Babys aus Bulgarien,
in:
Stuttgarter Zeitung v. 08.01.

EICHENHOFER, Eberhard (2016): Rentenpolitik und makroökonomische Steuerung in Europa,
in: Deutsche Rentenversicherung
, Heft 1, April , S.41-48

Der Rechtswissenschaftler Eberhard EICHENHOFER bringt uns die neoliberale Sicht auf die EU-Reformbestrebungen und deren gesetzlichen Niederschlag nahe:

"Da in den Aufmerksamkeitskreis der europäischen Haushaltsaufsicht auch die implizite Staatsschuld tritt - also jene Form staatlicher Leistungszusagen, die aktuell noch nicht wirksam sind, aber in den auf staatlicher Gesetzgebung angelegten Leistungsversprechen für die Zukunft angelegt sind und dann wirkmächtig werden -, führt die Alterung der Bevölkerung auch zum Anstieg der impliziten Staatsschuld und gelangt so auch in den Fokus der Haushaltsaufsicht."

Die EU präferiert für die Mitgliedesstaaten ein kapitalgedecktes Altersvorsorgesystem, dessen Einführung durch Duldung einer höheren Staatsverschuldung für solche Rentensysteme gefördert wird:

"Nach der VO (EU) 1175/2011 (...) sind die Mitgliedsstaaten verpflichtet, die gesamtstaatliche Schuldenquote in Beziehung zum Wachstum der Staatseinnahmen anzugeben und in diesem Zusammenhang "»Informationen über implizite Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit der Bevölkerungsalterung« (Art. 7 lit. b) VO (EU) 1175/2011) zu unterbreiten. Spezielle Regeln (...) sind für die Haushaltsüberwachung für Rentenreformen vorgesehen, »durch die ein Mehrsäulensystem mit einer gesetzlich vollständig kapitalgedeckten Säule eingeführt wird. Mitgliedsstaaten, die solche Reformen durchführen, dürfen vom Anpassungspfad in Richtung auf ihre mittelfristiges Haushaltsziel oder von dem Ziel selbst ... abweichen.«"

Rentenreformen werden hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt der "Verbesserung der langfristigen Tragfähigkeit des Altersvorsorgesystems insgesamt" beurteilt. In einer solchen Sicht gelten also kapitalgedeckte Altersvorsorgesysteme per se als nachhaltig, denn sie belasten nicht die öffentlichen Haushalte - höchstens wie in Deutschland für die Subventionierung der Finanzbranche - so die neoliberale Doktrin der Nachhaltigkeit.

Am Beispiel von Griechenland wird uns von EICHENHOFER das neoliberale Rentenmanagement demonstriert, das 2010 mit folgenden Zielsetzungen antrat:

"Das Ziel einer Pensionsreform sei (...) die längere Lebensarbeitszeit, Zurückdrängung von Vorruhestand, Gesundheits- und Bildungsprogramme für ältere Beschäftigte, Förderung privater Alterssicherung, Konzentration der Rentenpolitik auf Armutsprävention und Gleichstellung von Mann und Frau",

zitiert EICHENHOFER seinen eigenen früheren Beitrag Soziales Europa aus dem Jahr 2014. Weil die Fremdbestimmung Widerstand erzeugte, soll die neoliberale Sicht neuerdings den Mitgliedsstaaten als Selbstbestimmung zugeschrieben werden. Hauptziel ist die Überwindung der "Abhängigkeit von Zuschüssen aus dem Staatshaushalt" und damit die baldige "Selbstfinanzierung" der Alterssicherung:

"Für die Alterssicherung bedeute dies die Vereinheitlichung des Leistungsrechts, einen einzigen Träger für alle Zweige der sozialen Sicherung zu schaffen, Frühverrentungen zu unterbinden und die Beitragsbezogenheit der Rente zu stärken."

Die griechische Rentenkrise wird uns von EICHENHOFER als Krise mit langem Vorlauf präsentiert:

"Mit Beginn der 1980er-Jahre begann Griechenland als Demokratie und EU-Mitglied das eigene Rentensystem stark auszubauen."

EICHENHOFER bezieht sich zu den "Pathologien des griechischen Alterssicherungssystems" auf die Ausführungen von SPRAOS & TINIOS, die 1997 den Kollaps des griechischen Alterssicherungssystems bis 2010 prophezeiten. Dass 2010 ein erstes Hilfspaket für Griechenland notwendig wurde, soll hier offenbar die Glaubwürdigkeit deren neoliberaler Erzählung stärken. Bei EICHENHOFER sucht man vergeblich irgendwelche Fakten zur griechischen Rentenversicherung, sondern lediglich Bewertungen wie die folgende:

"Eine unselige Allianz aus voreingenommenen Journalisten, verbohrten Professoren und ruchlosen Gewerkschaftsführern"

hätten die notwendigen Reformdebatten verhindert. Dass Griechenlands Probleme in erster Linie der schlechten Einnahmesituation aufgrund der Steuerflucht der Reichen und den Auswirkungen der weltweiten Finanzmarktkrise zu verdanken war - darüber herrscht Stillschweigen.

EICHENHOFER ist ein Anwalt, der die staatliche Alterssicherung vor allem auf ein Fürsorgesystem der Grundsicherung reduzieren will:

"Rentenbeitrag und -höhe (...) bestimmen (...) nicht nur die Einnahmen und Ausgaben der Rentenversicherung, sondern zugleich die Kostenbelastungen für Beschäftigte und Unternehmen und die Kaufkraft der Renterinnen und Rentner. Wirtschafts- und Sozialpolitik unterscheiden sich (...) in den Blickwinkeln, diese Gegenstände zu betrachten. Der wirtschaftliche Blick betrachtet sie unter Effizienzgesichtspunkten; der sozialpolitische Blick muss vor allem die Existenzsicherung gewährleisten, weil darin der Auftrag sozialer Sicherheit entscheidend liegt."

Zur EU gäbe es keine Alternativen, erzählt uns EICHENHOFER zum Schluss, um die Disziplinierung der Mitgliedsstaaten in Sachen Alterssicherung zu rechtfertigen. Mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU ("Brexit") könnte eine solche autokratische Sicht obsolet geworden sein.

HÖHLER, Gerd (2016): Weihnachtsgeld für arme Rentner.
Griechenlands Regierung verteilt Steuerüberschuss. Anzeichen für Neuwahlen mehren sich,
in: Frankfurter
Rundschau v. 10.12.

"Rund 1,6 Millionen Pensionäre mit weniger als 850 Euro Rente im Monat, bekommen zu Weihnachten eine einmalige Sonderzahlung von 300 bis 830 Euro",

erklärt uns Gerd HÖHLER ein Ankündigung des Regierungschefs von Griechenland.

PILLER, Tobias & Werner MUSSLER (2016): Weihnachtsgeld für griechische Rentner.
Tsipras verteilt Mehreinnahmen aus dem Staatshaushalt,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 10.12.

"Tsipras (...) hat (...) für 1,6 Millionen Rentner eine einmalige Rentenzulage angekündigt. Je nach Rentenanspruch sollen die Rentner mit Monatsbezügen bis zu 800 Euro eine weitere Zahlung von bis zu 800 Euro erhalten", erklären uns PILLER & MUSSLER.

FRAUNBERGER, Richard (2017): Der Traum vom Süden.
Ein Haus am Mittelmeer - es ist der Traum vieler. Doch wie ist es wirklich, dort zu bauen und zu leben? Noch dazu in Griechenland, mitten in der Krise. Einblicke in ein Land, das nach acht Krisenjahren und drei Hilfsprogrammen nicht von der Stelle kommt,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.08.

Leider lernen wir nichts über die Probleme in Griechenland, sondern bekommen von Richard FRAUNBERGER, der zuletzt 2008 das nicht mehr neu aufglegte Reportagenbuch Jedes Dorf ein Königreich: Griechische Kontraste veröffentlichte, die deutsche Sichtweise eines Freiburgers geschildert, der im Urlaubsort Kymi auf der griechischen Modeinsel Euböa ein Haus baute. 2007 ist er mit seiner Frau nach Griechenland gezogen. 2012 hat er seinen Hausbau gemäß FRAUNBERGER beschlossen. Nach 5 Jahren ist das Haus fertig geworden.

2015 erschien der Artikel Alles beim Alten in der Zeitschrift IP-Themenheft Hellas Wahnsinn. Damals hießen die Häuslesbauer anders, aber die Geschichte ist ähnlich und spielte sich auf der gleichen griechischen Insel ab, nur dass der Hausbau "Kurz vor dem Ausbruch der Krise" begann und nur 3 Jahre dauerte. Damals hieß es:

"Trotz aller Widrigkeiten sind Rena und Ilias zufrieden mit ihrem dörflichen Leben. Lärm, Stau, Streiks – nichts davon gibt es auf dem Land. Doch die Idylle trügt. Seit dem Euro gleicht die Insel einem Naherholungsgebiet Athens. Bis 2010 wurde überall auf Euböa gebaut. Küste und Berge sind zersiedelt. Neben Aliveri, auf einem kahlen Hang mit Meeresblick, entstand in nur acht Jahren ein Neubaugebiet mit über 500 Häusern; die meisten davon fürs Wochenende."

Dagegen heißt es nun in der FAZ:

"Euböa, eine Insel wie aus der Zeit gefallen, fern des Massentourismus, mit viel Ziegen, Schafen und blechernen Ställen, erlebte einen Bauboom. Nun ist die Bauwirtschaft abgestürzt, der Staat steht seit acht Jahren am Abgrund, und der Traum vom Wochenendhaus ist zerplatzt. Insolvente Unternehmen, Rekordarbeitslosigkeit, gesunkenes Einkommen, gestiegene Steuern, höhere Sozialabgaben und eine saftige Immobiliensteuer - viele Griechen können ihre Kredite nicht mehr bezahlen. Andere haben sich mit einem zweiten Wochenendhaus schlichtweg übernommen. Reiner Lindauer ist umgeben von Rohbauten, Grundstücken und Häusern, die zum Verkauf stehen. Und niemand kauft."

In einem Reisebericht von FRAUNBERGER aus dem Jahr 2009 wird Euböa dagegen als das ganz andere Griechenland geschildert:

"Keine drei Autostunden sind es nach Athen. Trotz der Nähe zur Hauptstadt ist sie ein Mauerblümchen unter den griechischen Inseln. Dabei hat sie alle Zutaten: kristallklares Meer, blauen Himmel, geweißelte Kapellen auf macchiabewachsenen Gipfeln, schroffe Berge und sichelförmige Strände, an denen man leben kann wie ein Hippie. Die Griechen nennen sie Evia. Sie ist die zweitgrößte Insel nach Kreta. Aber sie ist keine Insel. Sie ist die geografische und kulturelle Verlängerung Attikas.
Zwei Brücken und einige Fähren verbinden sie mit dem Festland. An sonnigen Wochenenden kommen die Athener. Sonst herrscht Ruhe. Verglichen mit Rhodos, das dreimal kleiner ist und über achtmal so viel Betten verfügt, ist Evia ein Zwerg unter den Inseln. Was auch daran liegt, dass die Schöpfer der europäischen Zivilisation sich für den Bau großer Tempel und Theater andere Regionen aussuchten.
Euböa ist ein ganzes Griechenland. (...).
Bis vor gut zehn Jahren lag sie noch im Schlummer. Auf Eseln zockelnde Großväter trieben Schafherden auf den Straßen vor sich her. An vielen Buchten war nicht einmal eine Taverne zu finden. Jetzt haben EU-Gelder, Investoren und allen voran der unstillbare Drang der Griechen nach Ferienhäusern die Insel aus dem Schlaf gerissen. Ein zweites Mykonos aber, ein touristischer Rummelplatz, wird sie nie werden. Euböa hat den Charme des Hinterwäldlerischen. Das schützt sie vor Golfplätzen und Wellnesspalästen."

Eine hinterwäldlerische Insel wird uns von FRAUNBERGER also als Inbegriff griechischer Rückständigkeit geschildert. Euböa muss nun herhalten als das Griechenland, das "nicht von der Stelle kommt".

Fazit: Darf man sich darüber wundern, wenn neoliberale Berichterstattung nicht mehr ernst genommen werden kann? Das ist so, als ob jemand Mecklenburg-Vorpommern, die Uckermark oder das Fichtelgebirge zu deutschen Vorzeigeregionen stilisieren würde! Was würden wir Deutschen denken, wenn US-Amerikanern ganz Deutschland als ein Land wie die Uckermark oder das Fichtelgebirge beschrieben würde?

PILLER, Tobias  (2017): Der tägliche Überlegenskampf in Griechenland.
Die Steuern steigen, die Renten schrumpfen, und mancher muss eine ganze Großfamilie über Wasser halten: Mehrere Griechen berichten, wie sie ihren Alltag meistern,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 27.11.

"Die Generation der Großeltern hält in Ländern wie Italien mit meist großzügigen Renten die Großfamilie über Wasser. Doch in Griechenland ist das anders. Dort gab es gut zehn Kürzungsrunden für die Renten. Das alte, übertriebene Rentenniveau konnte nicht aufrechterhalten werden, als das Volkseinkommen in kurzer Zeit um 25 Prozent schrumpfte",

erklärt uns Tobias PILLER in der Zeitung für Besserverdienende. Nicht die Kürzung der Renten gilt Neoliberalen als Problem, sondern die Kürzung der Renten von Besserverdienenden. Lieber sähen es Neoliberale, wenn die Mindestrente weniger üppig ausfallen würde und stattdessen Besserverdienende bevorzugt werden würden, denn die Mittelschicht werde zerstört, zitiert PILLER gut situierte AthenerInnen. Zuletzt wird Deutschland als gelobtes Land für griechische Mittelschichtangehörige gepriesen.  

 
       
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt am: 13. Februar 2016
Update am: 29. April 2018