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Götz Aly: Sozialpolitik während der Zeit des Nationalsozialismus

 
       
     
       
     
       
   

Götz Aly in seiner eigenen Schreibe

 
   
Götz ALY kritisiert die Vorruhestandsregelungen, mit denen Ex-DDR-Bürger als Altlast entsorgt werden sollen.

ALY, Götz (2004): Ich bin das Volk.
Alle reden von Hitler, wir reden von Hitler-Deutschland,
in: Süddeutsche Zeitung v. 01.09. (online bei
Perlentaucher)

ALY propagiert den Umbau des Sozialstaates als Abschied von Hitler-Deutschland:

"Hitler regierte nach dem Prinzip »Ich bin das Volk« und er zeichnet damit die politisch-mentalen Konturen des späteren Sozialstaats Bundesrepublik vor. Die Regierung Schröder/Fischer steht vor der historischen Aufgabe des langen Abschieds von der Volksgemeinschaft."

ALY, Götz (2005): Wie die Nazis ihr Volk kauften.
Warum standen so viele Deutsche treu zu Hitler? Weil sie von seinen mörderischen Raubzügen profitierten. Diese These des Historikers Götz Aly hat eine heftige Debatte entfacht. Hier antwortet Aly seinen Kritikern,
in: Die ZEIT Nr.15 v. 06.04.

ALY, Götz (2005): Explodierender Haß.
Die deutschen Achtundsechziger waren ihren Eltern schrecklich ähnlich - vor allem im Antisemitismus. Das zeigt Wolfgang Kraushaar in einer Aufsehen erregenden Studie,
in: Welt v. 16.07.

Götz ALY rechnet mit sich und seiner Generation ab: "Wolfgang Kraushaar zitiert Hunderte (...) Dokumente aus dem Kreis der Achtundsechziger-Bewegung in das Gedächtnis zurück. Darin besteht die aufklärerische Leistung seines Buches. Wer - wie der Rezensent - damals an der Freien Universität Berlin dazugehörte, muß sich nicht wenige selbstkritische Fragen stellen. Auch wer selbst keine Bomben bastelte, las die Untergrundzeitung »Agit 883« doch sehr gern. Aber wenigstens ich habe - bis zur Lektüre dieses Buches - alle Details verdrängt, selbst die Tatsache, daß es überhaupt einen Bombenanschlag auf das Jüdische Gemeindehaus gegeben hat, der in der linksradikalen Publizistik ein zumindest hämisches, wenn nicht offen positives Echo gefunden hatte. Der spiritus rector der Aktion, Dieter Konzelmann, galt uns lange Zeit als ein zwar etwas übergeschnappter, aber in seiner Authentizität doch akzeptabler, in seiner entschlossenen Antibürgerlichkeit sogar bewundernswerter Kampfgenosse. Wir kannten und respektierten Leute, die ihm halfen, sich zu verstecken. Seine Texte las ich damals bestimmt, habe aber vergessen - so gnädig arbeitet das menschliche Gedächtnis -, wie er zum »Kampf gegen die heilige Kuh Israel« aufrief, wie er die erste Nachkriegsgeneration immer wieder dazu aufforderte, zugunsten propalästinenscher Solidarität endlich den »Judenknax« zu überwinden.
      
  (...).
Wer heute bei den allfälligen 60. Geburtstagen der einstigen Protestfreunde zu Gast ist, erlebt nicht selten, wie die eigene Vergangenheit als heroische Kampfesphase verklärt wird gegenüber einer Jugend von heute, die angeblich nichts mehr will. Die Feiernden erzählen sich dort gern die Märchen von einer sozial engagierten, stets den Schwachen, der weltweiten Gerechtigkeit und dem allgemeinen Fortschritt zugewandten Revolte, die das Klima der Bundesrepublik doch insgesamt so positiv beeinflußt habe. Mit solchen Lügen ist nun Schluß.
Die deutschen Achtundsechziger waren ihren Eltern auf elende Weise ähnlich."

ALY, Götz (2009): Gegen den Muff von 40 Jahren,
in: Perlentaucher v. 23.03.

Neu:
ALY, Götz (2009): Wir alle haben uns geirrt.
Karl-Heinz Kurras, der Benno Ohnesorg erschoss, war ein Stasi-Mann. Was bedeutet das für den Gründungsmythos der 68er - und was für die "Springer-Presse"?
in:
Die ZEIT Nr.23 v. 28.05.

 
       
   

Götz Aly: Porträts und Gespräche

 
   

LAT (2003): Ein Mann mit Geschichte.
Der Historiker Götz Aly ist ein Enkel des ersten Berliner Türken,
in: Tagesspiegel v. 23.11.

ALEXANDER, Robin (2005): Warum sind die Deutschen den Nationalsozialisten gern gefolgt, Herr Aly?
"Der Holocaust geschah zum Vorteil aller Deutschen",
in: TAZ v. 15.01.

Die taz startet einen neuen Angriff auf die Festung Sozialstaat. U. a. wird das ungeliebte Ehegattensplitting, das Hätschelkind der alten Mitte und der Arbeitnehmergesellschaft diskreditiert. Der Historiker Götz ALY liefert die moralische Munition für den linksneoliberalen Sozialstaatsabbau:

"taz: Herr Aly, hat Adolf Hitler den deutschen Sozialstaat erfunden?
      
  Götz Aly: Nein, doch er hat den Sozialstaat mit Schwung weiterentwickelt. Unsere Steuerklassen I bis IV etwa stammen aus der Reichsfinanzreform von 1934, auch das Ehegattensplitting oder die Kilometerpauschale, die Edmund Stoiber heute so mannhaft verteidigt. Sie wurde getreu dem "nationalsozialistischen Grundsatz" eingeführt, dass auch der deutsche Arbeiter die Möglichkeit haben sollte, im Grünen zu leben. Unsere Rentner sind erst seit 1941 Mitglieder der gesetzlichen Krankenkasse, vorher hatten sie sich an Wohltätigkeitsorganisationen zu wenden; einen Arztbesuch konnten sich die meisten bis dahin nicht leisten. Die Beispiele, wie die Sozialverfassung der Bundesrepublik en detail im Nationalsozialismus vorgeprägt wurde, lassen sich fast endlos aneinander reihen."

FUHR, Eckhard (2005): Hitlers Volksstaat war eine Gefälligkeitsdiktatur.
Verbrechen und Sozialstaat: Der Berliner Historiker Götz Aly zeigt, warum die Deutschen ihrem Führer bis zum bitteren Ende folgten,
in: Welt v. 10.03.

SCHAPER, Rüdiger (2005): Wie kauft man ein Volk?
Rente und Rasse: Gespräch mit dem Historiker Götz Aly über Hitlers "Wohlfühldiktatur" und den deutschen Sozialstaat,
in: Tagesspiegel v. 31.03.

GÜNTNER, Joachim (2005): Der Blick auf problematische Kontinuitäten.
Akribie und Originalität - der Zeithistoriker Götz Aly,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 06.05.

 
       
   

Götz Aly in der Debatte

 
   

WELZER, Harald (2004): Die Zukunft von einst.
Zwischen Hartz und Hitler: Wie sich die Demokratie wandelt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 13.09.

Harald WELZER führt das Ideengebäude von Götz ALY noch einmal aus, wonach Hitlerdeutschland und die Bonner Republik durch die Kontinuität des Sozialstaatsprinzips miteinander gekoppelt gewesen sind. Mit dem Umbau des Sozialstaats wird die Entkopplung betrieben. Dies hatte bereits Heinz BUDE als Aufgabe der Generation Berlin beschrieben. Aus der Sicht der Berliner Republik liest sich das dann so:

"Die Demokratisierung der Bundesrepublik und ihre stabile Einbindung in das westliche Wertesystem war von Beginn an verknüpft mit dem Sozialstaatsprinzip, und sie war moralisch grundiert durch das mörderische Scheitern des Modells »Tausendjähriges Reich«. Diese Grundierung beginnt sich im neuen Bild vom »Dritten Reich« aufzulösen. Zugleich wird das idiotische Versprechen von den blühenden Landschaften, an das die damals noch naiven Ostdeutschen in ihrem paternalistischen Staatsverständnis wohl tatsächlich geglaubt hatten, als Lüge empfunden".

GREFFRATH, Mathias (2004): Unter Utopieverdacht.
Das Schlagloch,
in: TAZ v. 15.09.

Mathias GREFFRATH beschäftigt sich mit dem "rhetorischen Amoklauf" von Götz ALY und dem "Aufruf zu neuer Illusionslosigkeit" von Jürgen KAUBE.  Dass die Datumsangaben der zitierten Artikel vertauscht wurden, gehört dabei zur normalen Schlamperei im journalistischen Alltag.

 
       
   

Hitlers Volksstaat (2005).
Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus
Frankfurt a/M: Fischer Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Götz Aly betrachtet aus einem Blickwinkel, der sie als Gefälligkeitsdiktatur zeigt. Hitler, die Gauleiter, Minister und Staatssekretäre agierten als klassische Stimmungspolitiker. Sie fragten sich täglich, wie sie die Zufriedenheit der deutschen Mehrheitsbevölkerung sichern konnten. Auf der Basis von Geben und Nehmen erkauften sie sich deren Zustimmung oder wenigstens Gleichgültigkeit durch eine Fülle von Steuerprivilegien, mit Millionen Tonnen geraubter Lebensmittel und mit der Umverteilung des »arisierten« Eigentums von verfolgten und ermordeten Juden aus ganz Europa. Den Deutschen ging es im Zweiten Weltkrieg besser als je zuvor, sie sahen im nationalen Sozialismus die Lebensform der Zukunft – begründet auf Raub, Rassenkrieg und Mord."

 
     
 
       
   

Rezensionen

MOMMSEN, Hans (2005): Die sozialpolitisch bestochenen Volksgenossen.
Wie konnte es geschehen? Heute erscheint Götz Alys Buch über "Hitlers Volksstaat" - eine neue Deutung des Dritten Reiches,
in: Süddeutsche Zeitung v. 10.03.

ULLRICH, Volker (2005): Hitlers zufriedene Räuber.
Ein Buch, das einen neuen Blick auf die Nazizeit wirft: Götz Aly deutet den Holocaust als größten Massenraubmord der Geschichte,
in: Die ZEIT Nr.11 v. 10.03.

ESCH, Christian (2005): Bewaffnete Butterfahrer.
Der Nationalsozialismus als Gefälligkeitsdiktatur: Götz Aly deutet "Hitlers Volksstaat",
in: Berliner Zeitung v. 11.03.

TOOZE, J. Adam (20059: Einfach verkalkuliert.
Der Historiker Götz Aly wagt eine große These: Hitler erkaufte sich die Zustimmung zu seiner "Wohlfühldiktatur" vor allem, indem er die eroberten Länder und die Juden ausbeutete. Dazu erschließt Aly neue Quellen und erforscht akribisch den deutschen Ausbeutungskrieg. Nur: Ihm unterläuft ein grober, folgenschwerer Rechenfehler,
in: TAZ v. 12.03.

REUTH, Ralf Georg (2005): Das korrumpierte Volk.
Der Historiker Götz Aly liefert ein neues Motiv für das Schweigen der Deutschen zum Holocaust,
in: Welt am Sonntag v. 13.03.

RICHTER, Peter (2005): Wem schenkte Hitler das rosa Kaninchen?
Götz Aly schildert in einem spektakulären Buch, wie der deutsche Normalverbraucher von Eroberungskrieg und Holocaust profitierte,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 13.03.

HERBST, Ludolf (2005): Jeder Deutsche hat profitiert.
Götz Aly erklärt "Hitlers Volksstaat" zu einer effizienten Zustimmungsdiktatur,
in: Tagesspiegel v. 16.03.

VOLKMANN, Hans-Erich (2005): Erkaufte Volksgemeinschaft.
Auch die Finanz- und Steuerpolitik stabilisierte das "Dritte Reich",
in: Literaturbeilage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung v. 16.03.

WERBER, Niels (2005): Kaufen statt Rauben.
Götz Aly erschließt in seinem Buch über "Hitlers Volksstaat" die Wirkmächtigkeit der Finanz- und Wirtschaftspolitik im Dritten Reich,
in: Frankfurter Rundschau v. 22.03.

YÜCEL, Deniz (2005): Antifa heißt Hartz IV.
Das Volk war korrumpiert, die Shoah ein rationaler Massenraubmord, der Nationalsozialismus ein räuberischer Sozialismus, sagt Götz Aly in seinem Buch »Hitlers Volksstaat«. deniz yücel stellt es vor,
in: Jungle World Nr.12 v. 23.03.

In der Welt vom  10.03.2005 hat Götz ALY ein Motiv für sein neues Buch beschrieben:

"Ich (...) war einige Jahre für die Meinungsseite der »Berliner Zeitung« zuständig. Eines der großen Themen war damals die Entschädigung für ehemalige Zwangsarbeiter. Weil ich es besser wußte, störte mich von Anfang an das einseitige Abschieben der Schuld auf die deutsche Industrie, auf Banken, Lebensversicherungen usw. Meine Leserschaft, die zum Teil dem alten SED-Milieu entstammte, bevorzugte jedenfalls damals die Reduktion der historischen Schuld auf »das Kapital« im Vollgefühl historischer Rechthaberei. Ich schrieb deshalb einen Leitartikel, in dem ich auseinandersetzte, daß auch die deutschen Rentenkassen von der Zwangsarbeit profitiert hatten, und warf die Frage auf, wie es wäre, wenn die deutschen Rentner fünf Jahre lang drei Prozent ihrer Rente in den Entschädigungsfond zahlten. Am nächsten Tag erlebten die Sekretärinnen und die Leserbriefredaktion den Aufstand der neudeutschen Volksgemeinschaft. Da habe ich mir gesagt: Na wartet!"

Bei der globalen Klasse darf ALY deshalb auf gewisse Sympathie hoffen. Hitlers Volksstaat wird und muss im Zusammenhang mit den gegenwärtigen Sozialstaatsreformen gelesen werden, denn Geschichte ist nicht einfach nur Geschichte, sondern immer Geschichtspolitik, d.h. Geschichtsbetrachtung im Hinblick auf gegenwärtige Politikziele. YÜCEL geht darauf ein:

"Eine mögliche Konsequenz aus dieser Analyse, die im Buch allenfalls angedeutet bleibt, hat Aly Anfang September, auf dem Höhepunkt der Proteste gegen Hartz IV, in der Süddeutschen ausgesprochen: »Die Regierung Schröder/Fischer steht vor der historischen Aufgabe des langen Abschieds von der Volksgemeinschaft.« Seitdem hütet er sich jedoch davor, diese Aussage zu wiederholen. »Ich will nicht die Idee der sozialen Gerechtigkeit diskreditieren«, sagte er der taz und ergänzte in Berlin: »Den Sozialstaat hätte man auch auf dem französischen oder schwedischen Weg verwirklichen können.«
      
  Dieser Hinweis auf die in allen kapitalistischen Zentren nach 1929 sukzessive etablierte keynesianisch-korporatistische Regulation, die nur hierzulande zeitweise mit einem völkischen Wahn einherging (...) wird gegen manchen Rezensenten Alys verfolgt werden müssen. Gegen Peter Richter etwa, der in der FAZ notierte: »Die Härten, die man nicht zumuten könne, und die Grenzen der Belastbarkeit, die allmählich erreicht seien – all diese Argumentationsbausteine jeder politischen Fernsehdiskussion verlieren deutlich an Unschuld nach der Lektüre von ›Hitlers Volksstaat‹«."

GÜNTNER, Joachim (2005): Waren die Deutschen willige Profiteure?
Götz Alys Buch über "Hitlers Volksstaat" provoziert,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 24.03.

THEIßEN, Hermann (2005): Götz Aly - Hitlers Volksstaat,
in: DeutschlandRadio v. 11.04.

AGUIGAH, René (2005): Der große Ruck.
Hitler als Stimmungspolitiker, Roosevelt als Regent im Notstand: Götz Aly und Wolfgang Schivelbusch tauchen in die Vergangenheit und schreiben an einer Geschichte der Gegenwart,
in: Literaturen Nr.5, Mai

RULFF, Dieter (2005): Die Liebe zum hässlichen Detail.
Götz Aly bringt uns das NS-Regime unangenehm nahe,
in: Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Mai

Dieter RULFF lobt das Buch von Götz ALY, weil es die Habgier des "deutschen "Normalverbrauchers" in den Mittelpunkt stellt und damit das Großkapital und die Bourgeoisie aus der Schusslinie nimmt. RULFF hebt hervor, dass die Kontinuitäten von Drittem Reich und Bonner Republik vor allem im Sozialstaat bestehen. Das Buch gewinnt in diesem Sinne als Legimitationsbasis für einen arbeitgeberfreundlichen Umbau des Sozialstaats an Bedeutung:

"Die Deutschen profitierten auf vielfache Weise von der Liquidierung der Juden wie der brutalen Ausbeutung der besetzten Länder. Mit diesen blutigen Ressourcen wurde ein völkisches Gleichheitsversprechen eingelöst, das den überwiegenden Teil der Bevölkerung nicht nur von den Kriegskosten weitgehend verschonte, sondern ihn mit einer ganzen Palette an Gefälligkeiten bei Laune hielt.
      
  Darunter befinden sich auch sozialpolitische Maßnahmen, die noch heute als Errungenschaften des modernen Sozialstaates gefeiert werden, das Kindergeld ebenso wie das Ehegattensplitting, die steuerfreien Zuschläge für Nacht- und Feiertagsarbeit, wie die Krankenversicherung der Rentner."

JAHR, Christoph (2005): Völkische Raubgemeinschaft.
Götz Aly über die nationalsozialistische "Gefälligkeitsdiktatur",
in: Neue Zürcher Zeitung v. 14.05.

Christoph JAHR kritisiert, dass ALY nicht entschieden genug zwischen Propaganda und Praxis des Nationalsozialismus differenziert:

"Problematisch erscheint (...), dass Aly die sozialpolitische Propaganda und die Wirklichkeit zu dicht beieinander sieht. Wie sozialpolitisch «modern» der Nationalsozialismus gewesen sei, wird in der Geschichtswissenschaft seit langem debattiert, ebenso wie die von Aly suggerierte Kontinuität zum Wirtschaftswunder-Wohlfahrtsstaat nach 1945."

 
   

Das Buch in der Debatte

KESSEN, Peter (2005): White Trash im NS.
Götz Aly, die Flicks, die Elite und die Auftragsforschung,
in: Jungle World Nr.13 v. 30.03.

Peter KESSEN kritisiert das Geschichtsverständnis von Götz ALY: "Götz Aly hat mit einer Pseudokritik der »Volksgemeinschaft« einen neuen Diskurs des Nationalen geschaffen. Sein Vulgärmaterialismus lässt den tödlichen Antisemitismus der Deutschen verschwinden, streicht die Elite der Bourgeoisie aus der Volksgemeinschaft, um mit dem beliebten Topos von der »Banalität des Bösen« eine sanft verständige und aktuelle Kritik der Unterschichtsmentalität in die Geschichte zu projizieren: »Die Menschen in Deutschland waren während des Zweiten Weltkrieges weithin passiv. Sie jagten dem kleinen Vorteil hinterher, frei nach dem Motto: Geld ist geil.«
      
  Übrig bleiben nur noch die abstraktesten Motive der Tatlosigkeit, Beschränktheit, Unmoral und Geldgier, quasi als Motive eines White Trash vieler Länder, der bei Gelegenheit ebenso gen Stalingrad gezogen wäre. In diesem Sinne hat Götz Alys »Volksstaat« den Holocaust internationalisiert und entgermanisiert."

WEHLER, Hans-Ulrich (2005): Engstirniger Materialismus.
Der Historiker Hans-Ulrich Wehler kritisiert Götz Alys Darstellung von Hitlers Volksstaat,
in: Spiegel Nr.14 v. 04.04.

KLOPOTEK, Felix (2005): Die Fakten deuten.
Eine materialistische Geschichtsschreibung braucht einen Begriff von Staat, Nation, Bevölkerung. Sonst wird sie krude oder zu einer beliebig interpretierbaren Faktensammlung,
in: Jungle World Nr.14 v. 06.04.

ARNING, Matthias (2005): Mit Hitlers Hilfe.
Sozialstaat und Nationalsozialismus,
in: Frankfurter Rundschau v. 07.04.

Matthias ARNING stellt ALYs Buch in den Zusammenhang eines letzten Gefechtes um den Sozialstaat: "Warum bringen die Totengräber des Sozialstaats den Nationalsozialismus, dieses furchtbarste Erbe deutscher Geschichte, überhaupt gegen den Sozialstaat in Stellung? Weil sie sich ihrer Sache so sicher sind. Der Gebrauch des Nationalsozialismus als Keule dient dem finalen Stoß. Die Sache ist erledigt. Eine historische Betrachtung, die die grundgesetzliche Fixierung der rechts- wie sozialstaatlich orientierten Republik in den Blick nimmt, ist das allerdings nicht."

HANLOSER, Gerhard (2005): Versorgen und vernichten.
Die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik lässt sich als keynesianische Krisenlösung interpretieren. Doch der Ökonomismus übersieht den entscheidenden Unterschied,
in: Jungle World Nr.15 v. 13.04.

KUCZYNSKI, Thomas (2005): Kapital brutal.
Götz Aly nutzt den Nachweis, dass »ganz normale Deutsche« von Krieg, Raub und Mord profitierten, zu einer Entlastung des deutschen Kapitals. So liefert er eine neue Variation der Totalitarismustheorie,
in: Jungle World Nr.16 v. 20.04.

TOOZE, Adam (2005): Stramme junge Männer in brauen Uniformen,
Götz Alys Thesen führen in die Irre. Nicht deutsche »Hirnlosigkeit«, sondern Amerikas Aufstieg machte die »Volksgenossen« für Hitler anfällig,
in: Die ZEIT Nr.18 v. 28.04.

MOMMSEIN, Hans (2005): Profiteure des Untergangs.
Das Sozialsystem als Machtinstrument.
Erkauften sich die Nazis die Zustimmung der Deutschen durch wirtschaftliche Vorteile? Der Historiker Götz Aly provoziert Widerspruch,
in:
Rheinischer Merkur
Nr.17 v. 28.04.

WILDT, Michael (2005): Vertrautes Ressentiment.
Der moderne Sozialstaat hat mit dem »Volksgemeinschafts«-Konzept des Nationalsozialismus nichts zu tun. Eine Antwort auf Götz Aly,
in: Die ZEIT Nr.19 v. 04.05.

Michael WILDT kritisiert Götz ALYs Sicht der Kontinuität von nationalsozialistischem und bundesrepublikanischem Sozialstaat in dem Buch Hitlers Volksstaat: "Ohne Zweifel war das NS-Regime bemüht (...) mittels sozialpolitischer Maßnahmen vor allem die Integration der Arbeiter in die »Volksgemeinschaft« zu betreiben. Die Klassenstruktur der Gesellschaft verschwand deswegen nicht, aber die Verheißung eines sozialen Aufstiegs nach Leistung, unabhängig von Schichtzugehörigkeit, band einen Großteil der Bevölkerung ein. Die nationalsozialistische Zielperspektive war jedoch keineswegs eine moderne, leistungs- und aufstiegsorientierte Individualgesellschaft freier Bürger, sondern eine rassistisch formierte »Volksgemeinschaft«, die Elitebildung und Vorwärtskommen nicht nur von Leistung, sondern ebenso von biologistischen Kriterien abhängig machte. Wer abwich, zum Beispiel behinderte Kinder gebar, als »asozial«, »arbeitsscheu« oder homosexuell galt, erfuhr sehr rasch und gnadenlos die Grenzen der »Gefälligkeitsdiktatur«. Insbesondere die Ermordung von Behinderten und Kranken, die von den Nationalsozialisten als »erbbiologisch minderwertig« definiert wurden, zeigt, wie unangemessen und fehlleitend die Gleichsetzung des NS-Regimes mit dem »modernen Sozialstaat« ist.
      
  Hier liegt ein grundsätzliches Missverständnis von Gleichheit und Homogenität, von politischer und sozialer Gleichheit vor. Modernisierung wird mit Moderne verwechselt, Rationalität mit Vernunft. Die bürgerliche Forderung nach Gleichheit, wie sie in den Schriften von Thomas Jefferson, John Locke oder Condorcet nachzulesen ist, meint mitnichten die Egalisierung von materiellen Verhältnissen, sondern ganz im Gegenteil die Anerkennung der naturrechtlichen Gleichheit der Menschen, deren pursuit of happiness nun nicht mehr von irgendwelchen Privilegien abhängig sein sollte. Paradox formuliert, soll die Gleichheit der Menschen dazu führen, dass sie ihre Ungleichheit entwickeln können"
  • Podiumsdiskussion "Hitlers williges Volk - Raub und nationaler Sozialismus" im Frankfurter IG Farben-Haus am 03.05.2005

FR (2005): Massenbestechung als integrative Kraft.
Die Historiker Götz Aly, Hans-Ulrich Wehler, Hans Mommsen und Micha Brumlik diskutieren über Alys Buch "Hitlers Volksstaat",
in: Frankfurter Rundschau v. 06.05.

WIDMANN, Arno (2005): Da gibt es diesen Unterton.
In Frankfurt stritten Götz Aly und Hans-Ulrich Wehler über "Hitlers Volksstaat",
in: Berliner Zeitung v. 06.05.

WITTSTOCK, Uwe (2005): Der Historiker Götz Aly im Disput mit seinen Kritikern in Frankfurt am Main,
in: Welt v. 06.05.

 
       
   

Rasse und Klasse (2003).
Nachforschungen zum deutschen Wesen
Frankfurt a/M: Fischer Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Götz Aly eröffnet in seinen brillanten Essays ungewohnte
Perspektiven auf das 20. Jahrhundert: So zum Beispiel wurde die 40jährige Menschenrechtspolitik des kaiserlichen Deutschland zum Schutz der rumänischen Juden völlig vergessen, weil sie nicht in das gängige Bild passte. So wurde der Begriff »Sozialismus« im Namen der NSDAP als reine Propagandaformel betrachtet - tatsächlich aber gehört der nationalsozialistische Umsturz von 1933 in die große egalitäre Grundtendenz des 20. Jahrhunderts: Die »Arisierung« wurde als breit angelegte Umverteilungspolitik betrieben - mit den Mitteln des Völkermords."

 
     
 
       
   

Rezensionen

GUTMAIR, Ulrich (2003): Der Sozialismus des guten Blutes.
Warum unterstützten die Deutschen Hitlers Politik so zahlreich und so lange? Wegen seiner «völkischen Gleichheitsversprechen», deren Einlösung dem kleinen Mann zugute kam. Eine Textsammlung von Götz Aly widmet sich Hitlers Volksstaat,
in: Netzeitung.de v. 11.03.

WILDT, Michael (2003): Niemand steht auf der sicheren Seite.
Provokateur und Moralist: Götz Alys gesammelte Essays,
in: Die ZEIT Nr.13 v. 20.03.

Michael WILDT über das Grundthema von ALYs Arbeiten: "Das bereitwillige Mitmachen von vielen, ob Intellektuellen, Wissenschaftlern oder Arbeitern, bildet das Grundthema von Alys Arbeiten. »Hitlers Volksstaat« erscheint als Zustimmungsdiktatur, die der großen Mehrheit der Deutschen sozialen Aufstieg, materiellen Gewinn und eine große Zukunft im Osten versprach. Mit der ihm eigenen Lust an der Zuspitzung stellt Aly den Nationalsozialismus bewusst in einen Zusammenhang der egalitären Bewegungen und Utopien im 20. Jahrhundert."

DITFURTH, Christian von (2004): Das Reich der kleinen Leute.
Götz Aly über den "Sozialismus des guten Bluts", der Millionen an die Nazis band,
in: Welt v. 03.05.

DITFURTH über ALYs Sicht des deutschen Volksstaates: "Was erklärt Hitlers Erfolg? Für den Diktator habe das Volkswohl an erster Stelle gestanden, antwortet Aly. In ironischer Anlehnung an die Diktion der SED schreibt er: »Es war die Einheit von Wirtschafts-, Sozial-, Rassen- und Kriegspolitik, die diesem Staat die Unterstützung sicherte.« Das NS-Regime sei das "Reich der kleinen Leute" gewesen - und jener Intellektuellen, die beschlossen hätten, ihren Klassendünkel aufzugeben. Die Hälfte der Kriegskosten wurden über Steuern aufgebracht, davon mussten die Unternehmer den Löwenanteil bezahlen, die Arbeiter und Angestellten wurden weitgehend verschont. »Hitlerdeutschland wurde im Krieg zum Umverteilungsstaat par excellence«, und zwar zugunsten der Armen, so erklärt sich dessen innere Stabilität."

SL (2003): Schädel zu 25.- RM,
in: Berliner Zeitung v. 05.05.

WALTHER, Rudolf (2003): Am deutschen Wesen hat es nicht gelegen.
Götz Alys Texte in "Rasse und Klasse" sind ebenso hintergründig wie polemisch. Zudem kommt eine Frankfurter Zeitung sehr schlecht weg,
in: TAZ v. 13.05.

Rudolf WALTHER darf ausgiebig gegen den Lieblingsfeind der taz wettern: "Ein Beitrag wirft ein bezeichnendes Licht auf die Zustände in der konservativen Presse. Im Januar 2002 erhielt Aly von den FAZ-Redakteuren Thomas Schmid und Volker Zastrow den Auftrag, die revidierte Fassung der Wehrmachtsausstellung zu besprechen. Aly vergleicht die beiden Ausstellungen, zählt Fehler der ersten auf und räumt auch eigene Irrtümer ein. Allerdings verweist er auch darauf, dass die revidierte Ausstellung eindeutig den Beleg erbringt, dass das »systematische Verhungernlassen« (Aly) von sowjetischen Kriegsgefangenen und Zivilisten zur Strategie des Generalquartiermeisters des Heeres - Eduard Wagner - gehörte. (...).
Derlei wollte die FAZ, die bisssige Ressentiments gegen die Wehrmachtsausstellungen lancierte, lieber nicht drucken. Der Redakteur Zastrow teilte Aly mit, dessen Artikel sei »ein Kotau vor Reemtsma« und entspreche obendrein »nicht dem Profil der Zeitung«. Derlei ist nicht ganz neu, zeigt jedoch das intellektuelle Niveau und das tatsächliche Profil des Frankfurter Blattmachers.
"
 
       
   

"Wofür wirst du eigentlich bezahlt?" (1977).
Möglichkeiten praktischer Erzieherarbeit zwischen Ausflippen und Anpassung
Berlin: Rotbuch Verlag (vergriffen)

 
   
     
 

Klappentext

"Erziehung ist auch Anpassung an die gesellschaftlichen Zwänge, aber ohne das Träumen zu verlernen und das Hoffen vergessen zu machen. Das erfordert Erzieher, öffentliche Väter und Mütter, die bereit sind, den Konflikt mit den Jugendlichen zu suchen, und nicht - wie heute üblich - diesen Konflikt mit den Tricks von Mitbestimmung und Selbstverwaltung zu umschiffen."

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

Jugendheime, Jugendliche, Wohnviertel, Ämter - Bedingungen unserer Arbeit

Unsere Arbeit im Jugendfreizeitheim Gelse

Politisch Bildung im Jugendheim

Malerei und Theater im Jugendheim

Die Jugendarbeitslosigkeit und der Jugendrichter als grenzziehende Zurichtungsinstanzen

Schlußfolgerungen

Zitat:

Selbstbeschreibung des Autors

"Ich habe drei Jahre als Erzieher und Heimleiter im Falkenhagener Feld gearbeitet. Das Falkenhagener Feld ist eine Neubausiedlung des sozialen Wohnungsbaus. Dort leben 30 000 Menschen. Die »Gelse« ist mehr als 10 Jahre nach Baubeginn der Häuser als Jugendheim für die Kinder und Jugendlichen gebaut worden. Sie ist eine »Einrichtung« des Jugendamtes Berlin-Spandau, Amt für Jugendpflege. Dem Amt steht ein Amtsleiter vor.
      
  Ich selbst hatte für meine Arbeit keine besondere Vorbildung. Als Diplompolitologe ging es mir, von der Studentenbewegung geprägt, zunächst darum, meine theoretischen Kenntisse über die Lage der Arbeiterjugend praktisch anzuwenden. Ich habe dabei gelernt, daß die Theorien, die ich kannte, oft an der Wirklichkeit vorbeigehen. Sie sind also keine Theorien. Die Schlußfolgerungen dieses Buches sind Ergebnisse von Lernprozessen".

 
     
 
       
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 07. September 2004
Update: 15. Juni 2015