[ Autoren der 68er-Generation ] [ News ] [ Homepage ]

 
       
   

Helmut Lethen:  Verhaltenslehren der Kälte

 
       
     
       
     
       
   

Helmut Lethen in seiner eigenen Schreibe

 
   

LETHEN, Helmut (1979): Geschichten vom unbekannten Verlust,
in:
Merkur, H.10, Oktober, S.1024-1034

Sammelrezension zu Goldkind von Eva DEMSKI, Sonntags Kino von Jürgen THEOBALDY, Brandeis von Urs JAEGGI und Der schöne Vogel Phönix von Jochen SCHIMMANG.

LETHEN, Helmut (1995): Der Weg in den Gletscher.
Laßt Weltraumkälte zwischen euch fahren: Glück und Distanz - Von der Schwierigkeit eines Konzepts, das der Philosoph Helmuth Plessner in den zwanziger Jahren ersann. Kann der Film Naturkostüme für uns bereitstellen?
in: TAZ v. 29.06.

LETHEN, Helmut (2005): Die Evidenz des Schmerzes,
in: Merkur Nr. 674, Juni

ZEITSCHRIFT FÜR IDEENGESCHICHTE-Thema: Die Insel West-Berlin

LETHEN, Helmut (2008): Gelegentlich auf Wasser sehn.
Benns Inseln,
in:
Zeitschrift für Ideengeschichte, Winter

 
       
   

Helmut Lethen: Porträts und Gespräche

 
   
  • SCHLAK, Stephan (2004): Entfremdungsschwimmen.
    Bewegungsmelder (5): Ein linker Fisch im Kältestrom - zum Frühstück bei dem Verhaltenslehrer Helmut Lethen,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 11.11.

    JANDL, Paul (2010): "Wir müssen uns warm tanzen".
    Kälte ist mehr als ein physikalischer Zustand: Der Kulturwissenschaftler Helmut Lethen über die Kühlaggregate des Kapitalismus und die Hitzezonen der Gesellschaft,
    in: Welt v. 04.12.

 
       
   

Suche nach dem Handorakel (2012).
Ein Bericht
Göttingen: Wallstein Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Die Reflexionen eines Angehörigen der 68er Generation über die Wegscheiden seiner politischen Biografie.

»Handorakel« nannte der spanische Jesuit Balthasar Gracián 300 Regeln der Weltklugheit, die er 1647 zusammenstellte. Helmut Lethen zeigte in seinen Verhaltenslehren der Kälte (1994), dass das spanische Brevier durch alle politischen, philosophischen und künstlerischen Fraktionen der Weimarer Republik kursierte. In seinem Essay »Suche nach dem Handorakel« berichtet er jetzt davon, wohin der Wunsch nach einem radikalen Handbrevier, das Orientierung bietet und politische Handlungsräume öffnet, einen Angehörigen der 68er Generation treiben konnte. Die Erinnerungen, die sich auf den Zeitraum von 1964 bis 1980 konzentrieren, stehen dabei unter der paradoxen Parole: »Die historische Konstellation hat mehr aus uns herausgeholt, als drin war.«"

 
     
 
       
   

Rezensionen

Neu:
MAUBACH, Franka (2012): Vom Nutzen der Kälte.
Lebenslauf: In seiner autobiographischen Skizze "Suche nach dem Handorakel" zieht Helmut Lethen eine Linie von der Weimarer Republik zu den 68ern,
in:
Freitag Online v. 20.11.

 
       
   

Der Sound der Väter (2006).
Gottfried Benn und seine Zeit
Berlin: Rowohlt

 
   
     
 

Klappentext

"»Ich bin kein Menschenfeind. Aber wenn Sie mich besuchen wollen, bitte kommen Sie pünktlich und bleiben Sie nicht zu lange.« Zeit seines Lebens hat Gottfried Benn sich als unnahbar dargestellt. Seine »Morgue«-Gedichte machten ihn zum Shooting-Star des Expressionismus. Während des Ersten Weltkriegs entwickelte er in der verachteten Etappe einen schulbildenden Stil. Später bekannte sich der Modernist, der politisches Engagement in der Literatur als unkünstlerisch ablehnte, für kurze Zeit zum Staate Hitlers. Nach 1947 schließlich wurde er zum Übervater der Nachkriegsliteratur.

Der große Einsame, der, den Zeitläuften entrückt, allein der Dichtung lebt - das ist Benn bis heute für seine Verehrer wie für seine Kritiker geblieben. »Der Sound der Väter« rückt dieses einseitige Bild zurecht."

 
     
 
       
   

Rezensionen

RUTSCHKY, Michael (2006): Die Mütter liebten Benn.
Helmut Lethens Studie "Der Sound der Väter" über Gottfried Benn und seine Zeit umkreist prägnante lebensgeschichtliche Episoden und Werke des Arztdichters,
in: Literaturbeilage der Frankfurter Rundschau v. 15.03.

"Es passt, dass Helmut Lethen jetzt ein Buch über Gottfried Benn veröffentlicht. Klar, zum 50. Todestag und zum 120. Geburtstag, die feierlich zu begehen der Ahnenkult fordert; unter dem undurchsichtigen Titel Der Sound der Väter, der im Buch selber keine Erläuterung findet. Wenn ich mich richtig erinnere, lieferte Benn in den Fünfzigern, auf dem Höhepunkt des Ruhms, den Sound der Mütter (...). Die Männer lasen, wenn überhaupt Gedichte, Ringelnatz oder Erich Kästner", meint Michael RUTSCHKY.

GEYER, Christian (2006): Der halbierte Dichter.
Helmut Lethen seziert Gottfried Benn und seine Zeit,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.05.

MANGOLD, Ijoma (2006): Ein müder Nihilist.
"Der Sound der Väter": Helmut Lethens großartige Studie über Gottfried Benn und seine Zeit,
in: Süddeutsche Zeitung v. 20.05.

"Zwischen drei alten Männern wandern die Blicke hin und her. Alle drei verband in der Zwischenkriegszeit eine polemische Gegnerschaft zum Liberalismus. Sie waren, jeder auf seine Weise, Parteigänger einer konservativen Moderne und jedenfalls nicht als Gegner des Nationalsozialismus ausgewiesen. Nun ist der Krieg zu Ende und alle drei wissen genau, dass die neue Zeit sie nicht ohne weiteres aufnehmen wird. (...). Aber alle drei huldigen einem Pathos der Unsentimentalität, einem soldatischen Stolz, dem nichts geradezu körperlich widerlicher ist als moralische Zerknirschung und demonstrative Büßergesten. Nur nicht aus Opportunitätsgründen im Strom der neuen Schamkultur mitschwimmen, verlangt dieser Ehrenkodex. Andererseits ist klar: Wenn man sich gar nicht rührt und bewegt und keinerlei Zeichen aussendet, dann wird man in der neuen Zeit Paria bleiben. Who blinks first? Wer rüht sich als erster, wer wird schwach und knickt ein? Lauernd sind die Blicke, mit denen Gottfried Benn, Ernst Jünger und Carl Schmitt sich gegenseitig beobachten.
Eindringlich beschreibt Helmut Lethen diese Szene im elften, dem vorletzten Kapitel seiner glänzenden Abhandlung »Der Sound der Väter. Gottfried Benn und seine Zeit«. Und tatsächlich ist in dieser Episode, vermutlich zum letzten Mal, etwas zu greifen, was den intellektuellen Habitus seit der Jahrhundertwende bis zum Ende der Zwischenkriegszeit entscheidend geprägt hat", meint
Ijoma MANGOLD.  

SCHLAK, Stephan (2006): Ein aufgetauter Kälte-Panzer.
50 Jahre nach seinem Tod feiert Gottfried Benn ein "Comeback": Helmut Lethen, Joachim Dyck, Gunnar Decker und andere schreiben sein Leben neu. Heute scheint der Dichter im Poesiealbum der Bundesrepublik angekommen,
in: Literaturen, Juli/August

BAUREITHEL, Ulrike (2006): Gefangen in seiner Haut.
Wie konnte er, der notorische Einzelgänger, Skeptiker und Verweigerer der Tat, annehmen, dass ausgerechnet die Nazis die "blutende Wunde" Deutschland heilen würden? Diese Frage stellen sich zum 50. Todestag von Gottfried Benn drei neue Biografien über den Arzt und Dichter,
in: TAZ v. 05.07.

 
       
   

Verhaltenslehren der Kälte (1994).
Lebensversuche zwischen den Kriegen
Frankfurt a/M: Suhrkamp

 
   
     
 

Das Buch in der Debatte

"Als kalte Persona oder Radar-Typ (In Anlehnung an die Typologie des amerikanischen Soziologen Riesman) defilieren die »Kälte-Maschinen« über das neusachliche Parkett und kommen (wortwörtlich) erst ins Stolpern, als die Anforderungen an die heroische Männlichkeit ihre Gesichts- und übrige Muskulatur so überanstrengt, daß sie in der Figur der Kreatur den notwendigen Ausgleich suchen und als solche schließlich (zum Leidwesen ihrer Erfinder) das faschistische Massenornat bilden.
Lethen findet eine Erklärung bei Helmuth Plessner, dessen Anthropologie den durch »Gemeinschaft« verseuchten modernen Nomaden in den »Gletscher der Gesellschaft« weist und damit den vordergründigen lebensideologischen Dualismus gegen die »Wärmeinseln des Ursprungs« (der Provinz, der sozialdemokratischen Arbeiterkultur ... und last not least: der Frauen!) zugunsten eines Lebens in der Distanz entscheidet.
(...).
Die These, daß sich die »Trennungsspezialisten« vorwiegend im »linken Lager sammeln« und man im rechten Lager dem »Verschmelzungswunsch« fröhnt, ist umso erstaunlicher, weil sie von Lethens Kernstück über Ernst Jünger und Carl Schmitt selbst widerlegt wird.
(...).
Davon abgesehen, ist Lethens Streifzug durch die »Maskeraden des virilen Narzißmus« (...) ungewöhnlich originell und anregend."
(Ulrike Baureithel in der TAZ vom 23.11.1994)

"Benimmbücher haben Konjunktur. (...). Im amerikanischen Eurokanal  »Super Channel« empfiehlt nunmehr die Dame des Managermagazins Executive Lifestyles den "german friends" auf die "kurzen weißen Socken" zu verzichten, Cora Stephan liefert dazugehörige Zeitdiagnosen und Helmut Lethen einen historischen Unterbau."
(Christoph Möllers in der TAZ vom 18.03.1997)

"Der deutsche Literaturwissenschaftler Helmut Lethen hat die Versuche neuer Lebensformen zwischen den beiden Weltkriegen folgerichtig als »Verhaltenslehren der Kälte« bezeichnet. Seine Analyse konzentrierte sich auf die Umbrüche, die das prämoderne Deutschland schockhaft erreichten. Im Mittelpunkt stehen die neusachlichen Intellektuellen der Weimarer Republik. Lethen sieht in der sozialen Desintegration die schlagartig zu Bewußtsein gelangte Grundlage für einen distanzierten und funktionalen Umgang der Menschen miteinander. In der Literatur sieht er drei neue Kunstfiguren auftauchen: die kalte Persona, den Radartyp und die Kreatur."
(aus: Ulf Poschardt "Cool", 2000, S.31f.)

"1994 erschien ein kleiner orangener Suhrkamp-Band, der schnell als Geheimtipp kursierte. Mit den »Verhaltenslehren der Kälte« revolutionierte Helmut Lethen unser Bild von der Zwischenkriegszeit. (...).
Heute lesen wir Lethens »Verhaltenslehren« auch als das intellektuelle Dokument eines linken Läuterungsprozesses - auch wenn Lethen selbst Begriffe wie »Läuterung« oder gar »Aufarbeitung« als viel zu protestantisch ablehnen würde."
(Stehpan Schlak in der Süddeutschen Zeitung vom 11.11.2004)

 
     
 
       
   

Rezensionen

BAUREITHEL, Ulrike (1994): Der Mann als Kälte-Maschine.
Streifzug durch den männlichen Narzißmus: "Verhaltenslehren der Kälte", eine Studie des Germanisten Helmut Lethen über die Lebensversuche in der Zwischenkriegszeit,
in: TAZ v. 23.11.

 
   

Das Buch in der Debatte

MÖLLERS, Christoph (1997): Höflichkeit.
Manieren, Chic und Moral leicht gemacht,
in: TAZ v. 18.03.

POSCHARDT, Ulf (2000): Cool, Hamburg: Rogner & Bernard

SCHLAK, Stephan (2003): Grönland wird größer
Hier die soziale Kälte, dort der Sozialstaat als Wärmestube: Der Literaturprofessor Helmut Lethen hielt in der Stadtbibliothek einen Vortrag über die "Zeit der Kälte",
in: TAZ Berlin v. 03.04.

 
       
   

Neue Sachlichkeit 1924 - 1932 (1970).
Studien zur Literatur des "Weißen Sozialismus"
Stuttgart: Metzler

 
   
     
 

Klappentext

"Von Anfang an wurde die Kunst der Neuen Sachlichkeit nicht nur als exklusive Kunstströmung, sondern auch als Massenkultur begriffen und mit der kapitalistischen »Kulturindustrie« verknüpft. Siegfried Kracauer hatte in seinen Studien zur Lage der Angestellten gerade die von der Proletarisierung bedrohten Angestelltenmassen in den Großstädten als die soziologischen Träger der Mode der Neuen Sachlichkeit ermittelt. Die »Kritische Theorie« Horkheimers und Adornos hat die Dokumente der Neuen Sachlichkeit als Belege für ihre Erklärung der »Massenkultur« herangezogen. Ihre Theorie der »Kulturindustrie« speist sich aus den Erfahrungen mit dem Kulturbetrieb der 20er Jahre. Jedoch ist ihr Erklärungsmodell für die Massenkultur von einer derart mythischen Zeitlosigkeit, daß darin die spezielle Geschichte untergeht. Lethen beschreibt deshalb einleitend in einer noch geistesgeschichtlichen Exposition den Begriff der »Sachlichkeit«, mit dem sich die Kunstströmung 1925 versah, im geschichtlichen Wandel seines Gebrauchs."

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Der Geschichtliche Wandel des Begriffs "Sachlichkeit"

Desillusion

I. Amerikanismus. Genesis und Funktion einer intellektuellen Mode
II. Technik. Neusachliche Bilder der Produktionssphäre
III. Selbstaufhebung des Liberalismus

Romane der Weltwirtschaftskrise

I. Kästners "Fabian" oder die Karikatur freischwebender Intelligenz
II. Falladas "Kleiner Mann, was nun?" und die bürgerlichen Mittelstandstheorien
III. Marieluise Fleissers "Mehlreisende Frieda Geyer". Kritik der sozialistischen Rettungstheorien
IV. Die "Augenzeugen" der Weltwirtschaftskrise

 
     
 
       
   

Literatur zum Buch

KÄSTNER, Erich - Fabian
 
   

Die Neue Sachlichkeit in der Debatte

JÄHNER, Harald (2007): Ich träume glühend von Gepäck.
Mit 18 Jahren Unternehmer: Hans Falladas "Ein Mann will nach oben" in der Berlin-Bibliothek,
in: Tagesspiegel v. 17.11.

JÄHNER stellt das Buch Ein Mann will nach oben von Hans FALLADA vor, das im wilhelminischen Deutschland und der Weimarer Republik spielt. Der Schriftsteller gilt u.a. so unterschiedlichen Romanautoren wie Wilhelm GENAZINO und Jörg FAUSER als einer der Fixsterne ihres Werkes. Der Germanist Helmut LETHEN hat FALLADAs Roman als Beispiel für die neusachliche Literatur analysiert.

Die Hauptfigur, das Waisenkind Karl Siebrecht, wäre heute wohl Mitglied der digitalen Bohème. Im Laufe seines Aufstiegs spielen Lebensabschnittsgefährtinnen eine Rolle:

"Zunächst erobert Karl nicht Berlin, sondern das Herz der vierzehnjährigen Rieke, die ganz allein den Haushalt für ihre kleine Schwester und ihren lebensuntüchtigen Vater schmeißt. Rieke ist eine Weddinger Rotzgöre, wie sie kein Dialektforscher besser erträumen könnte. Sie hat »jenügend Vastehste im Koppe«, um die komplexesten Sachverhalte kontern zu können. In Berlin muss man schimpfen können, weiß sie, und behauptet mit dem Blick der Näherin, dass vornehm von fein und fein von dünn käme: »Und dünn toogt nischt, dünn reißt imma!«
            Diese Einsicht nützt nichts in Liebesdingen; Karls nächste Frau ist Kind reicher Eltern. Sturzbetrunken fällt sie vor dem Nachtclub »Weiße Maus« in sein Taxi. Auch später macht sie nicht viel Worte. Hertha Eich trägt Bubikopf. Sie entscheidet, sie investiert, sie macht den ersten Schritt. Und sie entzieht sich stets mit einer Entschiedenheit, die kein Widerwort erlaubt. Karl Siebrecht wäre nun angekommen im modernen, mondänen Berlin, wenn nur Hertha ihn nicht immer mit seiner Kleinstädtischkeit aufziehen würde. Geschämt wird sich nur in Schrimm und Schroda, sagt sie, (ihr Ausdruck für Posemuckel) als Karl sich nichts von ihr schenken lassen will."

 
   

Weiterführende Links

 
     
   
 
     
   
 
   
© 2002-2015
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 02. Dezember 2004
Update: 13. April 2015