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Jörg Fauser: Alles wird gut

 
 
     
 
 
 
   

Jörg Fauser: Porträts & Werk

 
   

DAHLMEYER, André (2004): Für Sprache und Zweifel.
Immer das sein, was den Leuten nicht paßt: Zum 15. Todestag von Jörg Fauser,
in: junge Welt v. 17.07.

HARTMANN, Andreas (2004): Trivial ist besser.
Mitten im Leben eines Mannes: "Lese-Stoff", Jörg Fausers versammelte Essays zur Literatur,
in: TAZ v. 10.01.

WAIBEL, Ambros (2004): Demokratischer Pop.
Zum 60. Geburtstag Jörg Fausers,
in: Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, H.6, Juni

Ambros WAIBEL schreibt u.a. über die Kluft zur Neuen Linken:

"Schon zu den Früh- und Hochzeiten der APO hatte Fauser nicht recht Anschluss gefunden an die Macher, Schnellen und Schönen rund um SDS, K1 und Spontis, er blieb unter ihnen »die unterbelichtete triste Vorstadtmoräne«. Zwar lebte er jeweils ein halbes Jahr in Berliner Kommunen (1968/69) und in einem besetzten Haus im Frankfurter Westend (1971/72), seine künstlerische Persönlichkeit war da jedoch schon (...) geprägt. Die deutschen Expressionisten, Gottfried Benn und dann vor allem Jack Kerouac hatten dem frühreifen (...) Heranwachsenden schon Ende der fünfziger Jahre das Lebensziel gewiesen".

WAIBEL sieht FAUSER nicht als Vorläufer der Popliteraten:

"Fausers Verständnis von populärer Kultur (lässt) sich nur bedingt als bahnbrechender Vorläufer dessen rekrutieren, was heute unter dem Label Pop-Literatur vermarktet wird. Seine Bücher sollten demokratisch als Lebensmittel im Supermarkt neben der Fleischtheke stehen und nicht als Accessoires der Abgrenzung im PRADA-Shop. »Wenn Literatur nicht bei denen bleibt, die unten sind, kann sie gleich als Party-Service anheuern« - an diesem wohl meistzitierten Satz Fausers aus dem Fallada-Essay hat jeder zu kauen, der in seine Nachfolge zu treten beansprucht."

STUCKRAD-BARRE, Benjamin von (2004): Durst war ja auch nur ein Synonym für Leben.
Er ist wieder da. "Rohstoff". Der Roman des Lebens war lange Jahre vergriffen. Einer der besten deutschen Romane überhaupt. Von Jörg Fauser vor zwanzig Jahren geschrieben. Dem Dichter der Wirklichkeit. Des Drogenrauschs. Schreibrauschs. Lebensrauschs. Der vor siebzehn Jahren auf die Autobahn lief und starb. Warum gab es dieses Buch so lange nicht? Unfaßbar. Egal. Jetzt gibt es "Rohstoff" wieder. Endlich,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 27.06.

Die FAS veröffentlicht das Nachwort von Benjamin von STUCKRAD-BARRE zur Neuausgabe des Romans Rohstoff.

WEISSNER, Carl (2004): Clint Eastwood ist Hamlet.
Erinnerungen an Jörg Fauser,
in: Rolling Stone, Juli

Carl WEISSNER porträtiert seinen Freund FAUSER im Umfeld der 70er Jahre:

"Die braven Seelchen ringsum machten auf »Neue Innerlichkeit«. Fauser war das Kontrastprogramm. (...). Seine Sachen lagen genau auf der Linie von Gottfried Benn und Rickie Lee Jones (wenn sie damals schon so alt gewesen wären wie heute).

WINKLER, Willi (2004): Busen, Bier und Pomes.
Der Schriftsteller Jörg Fauser wäre heute 60 Jahre alt und vergessen - wenn er noch lebte. Stattdessen avanciert er nun zum Helden des jungen Feuilletons,
in: Süddeutsche Zeitung v. 10.07.

Willi WINKLER klassifiziert Jörg FAUSERs Schriften abwertend als Junggesellenliteratur:

"Männer ohne Frauen, aber voll der Sehnsucht nach ihnen und dem, logisch, besseren Leben."

Jörg FAUSER wird als "männliche Christiane F." charakterisiert. In diesem Zusammenhang darf natürlich ein Seitenhieb auf Benjamin Stuckrad-Barre nicht fehlen.

Als bessere Alternativen zu Jörg FAUSER preist WINKLER die Abschaffel-Trilogie von Wilhelm GENAZINO und Mars von Fritz ZORN an. Ersteren weil er seine Abschaffel-Episode erfolgreich überlebte und letzteren, weil er dem Zorn adäquater zum Ausdruck verhalf:

"Zorn ist keine literarische Kategorie, aber manchmal unentbehrlich. Ein Zürcher Lehrer gab sich sogar diesen Namen, »Fritz Zorn«, als er über sein verpfuschtes Leben schrieb, das ihn von der Goldküste direkt in den Krebstod führte, und es ist eins der wenigen bleibenden deutschen Bücher."

RÖSINGER, Christiane (2004): Coole Jungs.
Männer lieben Whisky, leichte Mädchen und Faustkämpfe (wahlweise Großwildjagd). Warum lieben Männer den Autor Jörg Fauser?
in: Tagesspiegel v. 11.07.

SCHÄFER, Frank (2004): Alles Rohstoff.
Ein vielseitiger Stilist und Melancholiker, der keinen Unterschied zwischen dem Schreiben und dem Leben kannte, weil "das Leben, sofern es würdig ist, zum Schreiben führt, und das Schreiben, sofern es wahrhaftig ist, zum Leben": Diese Woche wäre Jörg Fauser 60 Jahre alt geworden. Eine Würdigung,
in: TAZ v. 13.07.

HENNING, Peter (2004): Der Zerrissene.
Am 16. Juli wäre der deutsche Rebell Jörg Fauser 60 Jahre alt geworden. Eine Biografie sichtet Leben und Werk des Frühverstorbenen,
in: Die ZEIT Nr.30 v. 15.07.

Peter Henning über die Fauser-Biografie Rebell im Cola-Hinterland von Matthias Penzel & Ambros Waibel.

SUNDERMEIER, Jörg (2004): Trotzki, Goethe und das Glück.
Das waren die wilden 70er: Eine Erinnerung an Jörg Fauser, der heute 60 Jahre alt geworden wäre,
in: Berliner Zeitung v. 16.07.

"»Allerdings ist das Leben ein Dreck, aber es ist auch eine Lust, im trüben Bauch der Stadt zu liegen und ihre Fäulnis zu kosten und ihren Eiter zu saufen und ihr Fieber zu beschreiben und hinter ihren Mülltonnen zu kauern vor Tagesanbruch und dann hinauszutreten auf den Platz und zu sagen: Grüß Gott, war eure Verlorenheit auch so sanft wie meine?« Was wie Asphaltliteratur klingt, ist eine. Doch Jörg Fauser, der hier vom »Bauch der Stadt« schwärmt, war alles andere als ein vom Expressionismus infizierter Spätpubertierender, der seinen mangelnden Erfahrungshorizont durch sprachliche Eskapaden zu kaschieren sucht",

wirft Jörg SUNDERMEIER ein und prangert die Vereinnahmung von Jörg FAUSER durch Popliteraten an:

"»Rohstoff« ist soeben neu aufgelegt worden. Das Nachwort stammt von Benjamin von Stuckrad-Barre, der sich mithilfe von Superlativen als heißblütiger Fauser-Fan zu erkennen gibt. »Wenn Literatur nicht bei denen bleibt, die unten sind, kann sie gleich als Partyservice anheuern«, hatte Fauser geschrieben. Stuckrad-Barre ist keiner, der »bei denen bleibt, die unten sind«, er ist vielmehr geradezu der Prototyp jenes billig-feinen Literaten, gegen dessen Schreiben sich Fauser stets verwahrt hatte.
             Fauser, der heute 60 Jahre alt geworden wäre, kann sich gegen solche Freunde nicht mehr wehren. Seine Romane dagegen, die besseren unter seinen Gedichten und die Aufsätze allemal - sie zeigen noch heute, dass er solche Freunde nicht nötig hat."

RÜDENAUER, Ulrich (2004): Von der Nadel zur Feder.
Poet und Lumpensammler: Der zornige Schriftsteller Jörg Fauser wäre heute 60 Jahre alt geworden,
in: Tagesspiegel v. 16.07.

Im Gegensatz zu SUNDERMEIER hat RÜDENAUER keine Berührungsschwierigkeiten mit der Popliteratur und betrachtet STUCKRAD-BARREs Epigonentum eher neugierig:

"Dass nun ein Kind der bunten Medienwelt wie Benjamin von Stuckrad-Barre im Herbst mit den aus der Hüfte geschossenen Texten Fausers auf Lesereise geht, hat vermutlich mit einer Sehnsucht nach Echtheit zu tun, die Fauser verkörperte. Ein Update von »Rohstoff« für die Nullerjahre steht ja noch aus, und StuckradBarre hat seinen Drogenausstiegsroman bereits angekündigt. Man darf gespannt sein, ob sich da zwei Schriftsteller, die beide auf je eigene Weise gegen »die Seiche der Zeit« anschreiben, gefunden haben. Und Fauser vielleicht ein kleines Revival erleben darf."

WEISS, Rainer (2007): Auf den Schattenlinien.
Ein Aussenseiter des literaririschen Betriebs oder Das kurze Leben des Schriftstellers,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 30.06.

Rainer WEISS erinnert an Jörg FAUSER, dessen  20. Todestag bevorsteht. Der Alexander-Verlag gibt seit 2004 eine FAUSER-Edition heraus, die im Herbst mit journalistischen Arbeiten ("Der Strand der Städte") und der Erstveröffentlichung des Romanfragmentes ("Die Tournee") abgeschlossen wird. Zwischen 16. und 22. Juli erinnern 3 Veranstaltungen, u.a. mit Ambros WAIBEL und Klaus THEWELEIT, an den früh verstorbenen Schriftsteller.

Vor kurzem schrieb ein Journalist über den Gegensatz von investigativem Journalismus und Pop. Jörg FAUSER zeigt, dass dieser Gegensatz keineswegs kennzeichnend für die Popliteratur sein muss. Mit seinem unterschätzten Berlin-Roman Das Schlangenmaul hat FAUSER gezeigt, wie der engagierte deutsche Männerroman jenseits von Frauenverstehern wie Frank GOOSEN ("Liegen lernen") bzw. Daniel BIELENSTEIN ("Die Frau fürs Leben") oder dem pseudo-relevanten Realismus eines Matthias POLITYCKI ("Herr der Hörner") aussehen könnte.

WAIBEL, Ambros (2007): Exemplarisches Leben.
Zum 20. Todestag Jörg Fausers,
in: literaturkritik.de, Juli

Ambros WAIBEL porträtiert Jörg FAUSER als "Autor zwischen Männersolidarität und Milieu, Stehausschank und Bratkartoffelmief", der zur Zeit eine Renaissance erlebt:

"Fauser war offen für alle neuen literarischen Entwicklungen, insbesondere die der überlegenen US-amerikanischen Kultur und blieb dabei kindlich-stur der Poesie treu, »auf der Suche nach der verborgenen Wahrheit.»
             Und das ist vielleicht (...) der schöne Grund, weswegen die Gemeinde seiner Fans nachwächst, bis hin zu einem schon unheimlichen Level: »Warum lieben eigentlich alle (völlig zurecht) Jörg Fauser?«, fragte etwa »jetzt.de« im Juni diesen Jahres. Im Juli 2004, anlässlich Fausers 60. Geburtstags, konnte Willi Winkler noch auf den Erwachsenenseiten der SZ titeln: »Busen, Bier und Pommes: Der Schriftsteller Jörg Fauser wäre heute vergessen - wenn er noch lebte«. Dass Fauser einmal mehr Leser finden würde als den »einen oder anderen hebephrenen Jüngling«, hielt Winkler damals für ausgeschlossen; und obwohl er sich ausgiebig bei der von Matthias Penzel und dem Rezensenten verfassten Biografie bediente (selbstverständlich ohne sie zu erwähnen), gelang es ihm zu schreiben, »komisch, es gibt keine Markenartikel, keine Logos, keine Statussymbole in Fausers Texten«; dies, nachdem sich die Rezensentin der »FAZ« 1981 die Mühe gemacht hatte, aufzuzählen, wer im »Schneemann« HB, Lord Extra, Rothhändle oder Reval raucht (wobei sie Rothman's King Size und Gauloises wegließ) und rührend festhielt: »Viele Markennnamen sind mir hier zum ersten Mal begegnet«. Winkler hatte sich bei seiner lächerlichen Analyse offensichtlich auf Moritz Baßlers Untersuchung »Der deutsche Pop-Roman: Die neuen Archivisten« verlassen, in der von einer »Stuckrad-Barre-Technik« der Beschreibung mittels Markennamen die Rede ist, welche die deutsche Literatur vor 1990 nicht genutzt habe. Fauser kommt in Baßlers Abhandlung nicht vor. Von Ausnahmen - stellvertretend: Helmut Bednarczyk und Lutz Hagestedt - abgesehen, sind die wichtigen Arbeiten zu Fauser vor 2004 allesamt im Ausland erschienen.
             Dabei besteht heute, da Jörg Fauser durch das Engagement einzelner in den Kanon der deutschen Literatur Eingang gefunden hat, überhaupt erst die Möglichkeit, seine Person und sein Werk kritisch zu betrachten."

GMÜNDER, Stefan (2007): "Einer der ganz Großen".
Alexander Wewerka gibt das Gesamtwerk Jörg Fausers neu heraus. Der Berliner Verleger im STANDARD-Interviewer über Fauser, dessen unbestechlichen Blick und angelsächsische Qualität,
in:
Der Standard v. 07.07.

SCHACHINGER, Christian (2007): Roher Stoff.
Am 17. Juli 1987 starb der Autor Jörg Fauser 43-jährig bei einem Verkehrsunfall: Erinnerung an einen besessenen Chronisten und Verdichter der deutschen Gegenwirklichkeit ,
in:
Der Standard v. 07.07.

LAU, Johannes (2007): Vom Arsch der Welt.
Niemals verbiegen: Jörg Fauser war einer der eigenwilligsten Journalisten der alten BRD,
in:
Der Standard v. 07.07.

PENZEL, Matthias (2007): Are there German writers whose work you think should be better known in Germany?
20 Jahre tot: Jörg Fauser,
in: goon-magazine.de v. 14.07.

Leseempfehlung von FAUSER-Biograf Matthias PENZEL:
KÖHLMEIER, Michael & Rainer WEISS (2007): Erinnerungen an Jörg Fauser,
in:
Frankfurter Rundschau v. 16.07.

Der Schriftsteller KÖHLMEIER und der Lektor WEISS über Jörg FAUSER und den Bachmann-Wettbewerb 1984 in Klagenfurt:

"Köhlmeier: Er hat gelitten wie ein Hund, weil sein Text so zerfetzt worden war. Die Jury hatte auf seinen Text mit einem Hass reagiert, der beispiellos war. Das hatte nichts mehr mit Literatur und der Kritik daran zu tun gehabt, das hat jeder im Saal gemerkt, das war gegen die Person gerichtet.
             Weiss: Man hat ihm ja auch übel genommen, dass er nicht in den angesagten Literaturzeitschriften veröffentlicht hat, sondern im Playboy oder in Lui, wo's gute Honorare gab.
             Köhlmeier: Oder in englischen Anarchistengazetten."

PENZEL: "Der Text beleuchtet wenig bis nie beleuchtete Aspekte des Desasters von Klagenfurt".

MATHES, Werner (2007): Dichter der Dämmerung.
Vor 20 Jahren starb der Schriftsteller Jörg Fauser. Nachts, zu Fuß auf einer Autobahn. Er hatte gerade seinen 43. Geburtstag begossen. stern-Reporter Werner Mathes erinnert an seinen einstigen Kollegen und Trinkkumpanen,
in:
stern.de v. 16.07.

MATHES, von 1977 - 1985 Redakteur des Berliner Stadtmagazins tip, schildert u.a. seine erste Begegnung mit FAUSER:

"1979 begegnete ich ihm zum ersten Mal. Ich war damals 25 und Chefredakteur des Berliner Stadtmagazins »tip«, er gerade 35. Wir hatten ihm damals einen Flug von München nach Berlin spendiert, weil wir seinen Roman »Der Schneemann« vorab drucken wollten. Ich hatte fast alles von ihm gelesen, was bis dato veröffentlicht war. Aus seinem Essay-Band »Der Strand der Städte« klebte damals ein Satz über meinem Schreibtisch: »Leben ist nichts, wenn es nicht Rebellion ist.«
             Jörg Fauser: Mitten aus dem Leben Aber am Flughafen Tegel kam einer an, der nicht aussah wie ein Rebell. Fauser schwitzte, war verlegen. Trug einen Anzug mit grauenhafter Strickkrawatte, und überm Arm hing ein heller Trenchcoat. So hatte er es schon immer gehalten: Mach nie das, was andere von dir erwarten."

JETZT (2007): Er erfand das Genre Krimi neu.
Vor zwanzig Jahren starb Jörg Fauser,
in:
jetzt.sueddeutsche.de v. 16.07.

"»Der Schneemann« (1981) (...) gilt inzwischen als Meilenstein in der deutschsprachigen Kriminalliteratur. Fünf Jahre später - nach dem autobiographischen Drogenroman »Rohstoff« und dem Vermissten-Thriller »Das Schlangenmaul« - entstand Fausers letzter Krimi, den er in altvorderlicher Manier publizierte: als sechsteiligen Fortsetzungsroman in der Zeitschrift Wiener.
             »Kant«: Ein Hard-Boiled-Meisterwerk über die banale Verlogenheit der Welt und die sagenhaften Selbstaustricksungsfähigkeiten des Menschen, mit einem Fauserschen Helden im Strudel des Geschehens, der seinen Bauchnabel längst der Nachwelt der Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt vermacht hat.
             (...).
Fauser (taucht) seine Figur in ein Schlamassel nach dem anderen, schickt Kant in die ausgefranstesten Ecken Münchens, dorthin, wo die Fremdenverkehrschefin nicht einmal mit Bodyguards und Dobermännern gehen würde, und verschont ihn auch nicht mit den Knallchargen des Zeitgeistes. Erschreckenderweise wirken diese Szenen in Galerien und Vortragssälen derart heutig, als wären keine zwanzig Jahre vergangen, sondern höchstens zwei. Das Gleiche gilt für die ganze Erzählung, für Fausers Werk insgesamt", meint jezt.de.

HAIBACH, Philipp (2007): "Passte nicht zu der edlen Marke".
Vor 20 Jahren starb Jörg Fauser. Sein Freund Rainer Weiss erinnert sich an den Frankfurter Ausnahmeschriftsteller,
in: Welt v. 17.07.

Rainer WEISS erläutert, warum Jörg FAUSER zu seiner Zeit nicht zur Suhrkamp-Kultur passte:

"Welt: Sie waren damals bei Suhrkamp beschäftigt und schreiben: »Die beiden Pole, Fauser und Suhrkamp, waren zu weit voneinander entfernt.« Was stieß sie ab ?
             Weiss: Fauser wurde damals ausschließlich als Unterhaltungsautor verstanden, schlimmer noch: als schreibender Journalist. Ein grässlicher Irrtum - aber damit war eine »Marke« kreiert, die zu der edlen Marke Suhrkamp nicht passte. Fauser selbst wusste das übrigens ganz genau."

MERTENS, Moritz (2007): Ein Abgang mit Stil.
Vor zwanzig Jahren starb Jörg Fauser. Der Schriftsteller wurde überfahren, als er auf der Autobahn nach Hause laufen wollte. Ein Rückblick auf einen, der nie ankam,
in: zuender.zeit.de v. 17.07.

WAIBEL, Ambros (2008): Fausers Block.
Ein wiederaufgelegter Pulp-Roman war Inspiration für Jörg Fausers "Der Schneemann",
in: literaturkritik.de, Juni

Ambros WAIBEL erzählt, wie es gewesen sein könnte, als Jörg FAUSER - von Lawrence BLOCK inspiriert - seinen Schneemann schrieb und damit seinen schriftstellerischen Durchbruch schaffte.

PENZEL, Matthias (2009): Eine Art Tourist im eigenen Leben.
Am heutigen 16. Juli wäre Jörg Fauser 65 Jahre alt geworden. Der Dichter unter den Romanciers, der Schriftsteller unter den Journalisten. Matthias Penzel über einen der wichtigsten Nachkriegsautoren Deutschlands,
in: Titel-Magazin v. 16.07.

KULLMANN, Katja (2014): Alles Gute, Macker!
Mythen: Am 16. Juli wäre Jörg Fauser 70 geworden. Die einen feiern ihn als Rebell, andere werfen ihm Männergepose vor. Der zarte Zweifel in seinen Texten wird gern überlesen,
in:
Freitag Nr.28 v. 10.07.

Neu:
WAIBEL, Ambros (2014): Er war der Champ.
Mythos: Gedanken zu einem Autor, der vielen als uncool galt, aber immer Stil hatte - im Leben und in seiner Literatur. Zum 70. Geburtstag von Jörg Fauser,
in:
TAZ v. 16.07.

Ambros WAIBEL, Angehöriger der Generation Golf und Mitautor einer FAUSER-Biografie, setzt sich mit dem Verdikt der Loser-Literatur (Christiane RÖSINGER) auseinander:

"Vor allem aber dachte ich bei »Literat der Loser«, dass ja ich, der mit meinem Freund Matthias Penzel eine Biografie über Jörg Fauser geschrieben und auf Anfrage immer preisende Worte für ihn gefunden hatte, dann ja einer ebendieser Loser sein musste, den Christiane Rösinger für das Westberlin der späten 1980er Jahre als »männlich, zwischen 25 und 35 Jahre alt und von düsterem, leicht verwahrlostem Äußeren« beschrieben hat: »In Fauser-Leserkreisen war es nicht en vogue in Gesellschaft lustig, charmant oder gar höflich und unterhaltsam zu sein. Fauser-Leser waren einsame Wölfe, die gern schweigend allein am Tresen vor einem Glas Whisky saßen.« Aber in den späten 1980er Jahren war ich doch ein in einem Schwabinger Off-Theater-Café abhängender Postabiturient, der die Gesellschaft lustiger Mädchen der trister Buben um Längen vorzog."

WAIBEL hebt im Gegensatz zu Katja KULLMANN das Überzeitliche der Literatur von FAUSER hervor, das immer wieder neue Lesergenerationen anspricht:

"Und dieses Publikum erneuert sich beständig, weil all die Emanationen Fausers - Harry Gelb, Blum, Harder, Kant - jenseits ihres gerade im Freitag von Katja Kullmann wunderbar aufgefächerten Mackertums sich als Kunstfiguren über ihre Epoche erheben. Heute stehen sie nicht mehr für streng riechende 80er-Jahre-Wölfe am klebrigen Tresen, sondern für Einzelne, die sich ihre eigenen Gedanken machen, die der niederschmetternden Konformität entkommen wollen, die ihr eigenes Leben leben und, wenn es sein muss, beenden wollen."

TUSCHICK, Jamal (2014): Rohstoff in der Rohfassung.
Jörg Fauser "Ich bin kein netter Mensch, sondern ein Schriftsteller",
in:
Freitag Online v. 17.07.

 
 
 

Matthias Penzel & Ambros Waibel:
Rebell im Cola-Hinterland - Jörg Fauser (2004)
Berlin: Edition Tiamat

 
     
 

Pressestimmen

"Matthias Penzel und Ambros Waibel gehen in ihrer hervorragend recherchierten, spannenden, allemal würdigen Biografie »Rebell im Cola-Hinterland» ihrem Hausheiligen denn auch nicht auf den Leim. Sie erzählen skrupulös und detailreich sein Leben, das mit einem Spaziergang auf der Autobahn am 17. Juli 1987, ausgerechnet an seinem 43. Geburtstag ein frühes und legendenträchtiges Ende nimmt, machen aber nicht den Fehler, das Werk auf die Vita zu reduzieren. Vielmehr beharren sie immer wieder mit guten Beispielen auf dem vielseitigen Stilisten, begnadeten Melancholiker, eben dem Künstler."
(Frank Schäfer in der TAZ vom 13.07.2004)

"Den beiden Verfassern Matthias Penzel und Ambros Waibel gelingt es glänzend, Fausers Entwicklung als Autor wie als Mensch, sein literarisches Schaffen und seine Bedeutung für die deutsche Literatur der späten achtziger Jahre zu verbinden, ohne das vorgegebene Material zu verbiegen. Zugleich erweist sich der Band als differenzierter Stimmungsbericht von den gesellschaftlichen Rändern jener Jahre, zwischen denen Fauser sich auf der Suche nach einer eigenen, unverwechselbaren literarischen Stimme ruhelos bewegte. Hier der Underground, in dem Fauser nach Gleichgesinnten suchte; dort sein Streben nach Anerkennung durch das Feuilleton und die ihm angeschlossenen Institutionen wie dem Bachmann-Wettwerb, an dem Fauser 1984 teilnahm."
(Peter Henning in der ZEIT vom 15.07.2004)

 
     
       
   

Alles wird gut (1979)
(München: Rogner & Bernard; auch als Fischer-Taschenbuch 1982 erschienen)

 
   
     
 

Klappentext

"In der Nachfolge von Bukowski und Kerouac beschreibt Jörg Fauser vierundzwanzig Stunden in einer großen Stadt, in München. Begleitet von zwei Feunden sucht die Hauptfigur Johnny Tristano, ein junger Schriftsteller, dem Mythos der Großstadt auf die Spur zu kommen. Von Dämmerung zu Dämmerung ziehen die drei hauptsächlich durch die schattenseitigen Quartiere der Megapolis. Sie machen Station in Hinterhofwohnungen unterm Dach, in zweifelhaften Vorstadtcafés und ebensolchen Morgenkneipen für Nachtbummler. Naheliegenderweise treffen sie bei ihren Streifzügen in solchen Quartieren vornehmlich auf Vertreter von Randgruppen - Dealer, Drogenabhängigen, Trinkern. In Gesprächen der Stadtwanderer und ihren Zitaten - die von der Bibel bis Nietzsche reichen, von Bakunin bis zu Trivialtexten - wird der geistige Hintergrund von drei zeitgenössischen Typen deutlich, die vordergründig für die Generation stehen, die nach 1968 verloren ging, im Grunde aber für eine immer gleiche Gruppe gesellschaftlicher Außenseiter, die sich weder zur Anpassung noch zum Untergang entschließen kann."

Zitate:

Die Angstgesellschaft

"Es ist die Berührungsangst, die Zärtlichkeitsangst, die Lebensangst, die wie ein endloser Winter durch dieses Land wandert; ihrer Kälte entkommst auch du nicht, und mit keinem Satz und keinem Glas kannst du sie besiegen". (S.7)

Die Lebensphilosophie des einsamen Wolfs

"Wenn du dich stützen mußt, stütze dich an Mauern, nicht an Menschen" (S.13)

Hans Fallada

"»Wie sagte Fallada? Der Alkohol, die Rettung der Lebensuntüchtigen. Würdest du dem zustimmen?«
»
Sowieso. Wer war dieser Fallada?«
»
Einer wie wir, ein Irrationalist, der zum Realismus gezwungen wurde und dabei draufging.«" (S.39)

Die Trümmerkindheit der 68er

"»wir sind eine Generation von Trümmerkindern, erst später hat man uns Computersilos und Zuckerfassaden auf die Trümmer gestellt, aber wir vergessen sie nicht. (...). So groß kann unsere Liebe zu dieser Welt, die man uns vorgesetzt hat, niemals sein, daß wir uns nicht alle nach den alten Trümmern sehnen.«" (S.112f.)

 
     
 
       
   

Rezensionen

KOSLER, Hans Christian (2004): Tristano, Tristesse,
in: Süddeutsche Zeitung v. 29.11.

HARTUNG, Harald (1979): Durch die Nacht,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 30.11.

 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 13. Juli 2004
Update: 20. März 2016