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Cordt Schnibben: Operation Rot-Grün

 
       
     
       
   
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    Cordt Schnibben in seiner eigenen Schreibe

     
       
    Cordt SCHNIBBEN beschreibt die Vor-68er-Ära als "wilhelminische Sofakissendiktatur" und bezweifelt, dass die Bürgernation weiterhilft:

    "Noch immer wird der Wert der Nation am Export gemessen, und daran werden alle Versuche, den Deutschen Stolz als Ersatz für Wohlstand einzureden, scheitern."

    Rot-Grün wirft SCHNIBBEN vor, dass sie auf Etatismus statt auf die Zivilgesellschaft gesetzt hat:

    "Die rot-grüne Regierung hat es versäumt, diesen solidarischen Anspruch ihres Milieus in Politik zu verwandeln, mehr auf den Bürger zu setzen statt auf den Staat."

    Neu:
    SCHNIBBEN, Cordt (2006): Das bürgerliche Dilemma.
    Die Große Koalition ist mehr als ein Zufallsprodukt, sie spiegelt eine gesellschaftliche Entwicklung wider, die zur Implosion der politischen Lager geführt hat. Die kulturelle Kluft, die seit den sechziger Jahren linke Deutsche von rechten Deutschen trennte, schwindet - was besonders den Konservativen Sorgen macht,
    in: Spiegel Nr.1 v. 02.01.

    Cordt SCHNIPPEN zieht Parallelen zwischen 40 Jahre Beat Club und neuem Bürgertum:

    "am 25. September 1965 geschah etwas, was das Leben in der Bundesrepublik zu verändern begann. (...).
    Radio Bremen sendete von nun an einmal im Monat den »Beat-Club», eine Musiksendung, die nicht nur die Botschaften von Jimi Hendrix und Frank Zappa, den Stones, Who, Doors, Status Quo und Steppenwolf bis in die deutschen Wohnzimmer des letzten Provinzdorfes brachte, sondern auch die Mode, die Sprache und die Regeln einer bis dahin undeutschen Kultur.
    (...).
    Die Heftigkeit, mit der über eine - aus heutiger Sicht - rührend harmlose Fernsehsendung gestritten wurde, beschreibt den Beginn eines Kulturkampfs, der das deutsche Bürgertum auseinanderzutreiben begann: auf der einen Seite die konservativen Altbürger (...); auf der anderen Seite die Bürgerkinder, die eigentlich nicht mehr wollten als ein freieres, toleranteres, weltoffeneres Leben."

    SCHNIPPEN beschreibt diese kulturelle Entwicklung entlang von Denkmodellen, die zum einen der Neokonservative David BROOKS  ("Bobos" - bourgeois bohème) und andererseits Joseph HEATH & Andrew POTTER ("Konsumrebellen") geprägt haben. Beide Denkmodelle kumulieren in der "neuen Mitte", die SCHNIPPEN auf den Punkt bringt:

    "die »neue Mitte« hatte kein Programm, keine Vision, keine Forderungen, es war ein Verteidigungsbündnis zur Abwehr des sozialen Abstiegs."

    Ihr längst überfälliges Coming-Out als Neubürgerliche verlegt SCHNIPPEN in den 2002er Wahlkampf:

    "Teile der rot-grünen Boheme entdeckten ihre neue Bürgerlichkeit, die eigentlich ihre alte war, und die jüngeren von ihnen schmückten ihre Neuentdeckung verzückt mit der Pose des Rebellen."

    Das gesamtbürgerliche Lager ist noch kulturell gespalten:

    "Das bürgerliche Lager zerfällt in Reformbürger und Altbürger, und die trennt mindestens so viel wie Kommunisten von Sozialdemokraten".

    Daraus resultiert das gesamtbürgerliche Dilemma:

    "Das bürgerliche Lager fordert von seinen Anhängern und Wählern, schizophren zu sein. Vertraue dem Markt, aber rechne mit seiner Willkür; plane weitsichtig, aber riskiere alles; konsumiere aus vollen Händen, aber sorge fürs Alter; suche das Neue, aber schätze die Tradition; denke global, aber liebe deine Heimat; misstraue dem Staat, aber gehorche ihm.
    Der Neoliberale will, dass sich der Staat so wenig wie möglich in die Wirtschaft einmischt, der Neokonservative will, dass der Staat die Moral, die Familie, den Gemeinsinn schützt."

    Im Gegensatz zur neobourgeoisen FEDDERSEN-taz, findet SCHNIPPEN für Udo Di FABIO deutliche Worte:

    "Zum »Reformer des Jahres« haben die Initiative »Neue Soziale Marktwirtschaft« und die »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« in den letzten drei Jahren nacheinander den Steuerreformer Paul Kirchhof, den Bierdeckelökonomen Friedrich Merz und zuletzt den Verfassungsrichter Udo Di Fabio gekürt. Die Wahl dieser Männer sagt einiges über die Reformphantasie des bürgerlichen Lagers, besonders der glückliche Familienvater Di Fabio, der strenge Bürger mit dem Zweitagebart, beseelt von dem Gedanken, dass im Kinderkriegen der Sinn der bürgerlichen Freiheit liege, ist so etwas wie der Peter Hahne der Rechtsintellektuellen. Sein Buch »Die Kultur der Freiheit« ist ein Plädoyer für die Rückkehr der Heuchelei; den Deutschen empfiehlt er den Kanon der Werte, an dem schon in den fünfziger Jahren die bürgerlichen Familien scheiterten. Als im besten Fall volksromantisch ist sein Glaube zu bezeichnen, man könne ein Volk zu Werten und Sinn bekehren, mittels Debatten, Werbekampagnen oder Fernsehserien. Die Überschätzung der Propaganda, der er erliegt, ist die Umkehrung seiner Behauptung, die Deutschen seien von Hitler mit allen Mitteln moderner Propaganda verführt worden."

     
           
       

    Cordt Schnibben im Gespräch

     
       

    fehlt noch

     
           
       

    I can't get no (2007).
    Ein paar 68er treffen sich wieder und rechnen ab
    (zusammen mit
    Irmela Hannover)

    Köln: Kiepenheuer & Witsch

     
       
         
     

    Klappentext

    "Wir sind an allem schuld! – Vierzig Jahre danach: Was 68 war und was daraus wurde

    I can’t get no« erzählt von einem Wochenende, das als heiteres Fest begann und zu einem wütenden Schlagabtausch wurde. 15 Leute, die Ende der 60er gemeinsam zur Schule gingen und den Aufstand probten, sehen sich nach 40 Jahren wieder und reden über ihr Leben. Sind sie, die 68er, wirklich an allem schuld: Kindermangel, Verfall der Werte, Hedonismus – also an all dem, was seinerzeit begann?

    Damals blockierten sie in Bremen Straßenbahnen, kifften zusammen, warfen Scheiben ein, bemalten ihre Gymnasien mit Parolen, gingen zu Dutschke in die »Lila Eule«, tanzten im »Beat-Club«. Heute sind sie Staatsanwälte, Werber, Ärzte, Journalisten, Manager, Politiker, Hochschullehrer. Einige sehen sich noch als Linke, andere sind unpolitisch, andere eher konservativ. In einer Villa in Worpswede haben die 15 ein Wochenende lang darüber geredet und gestritten, was sie damals vom Leben erwartet und bis heute daraus gemacht haben. Und darüber, was sie von neuer Bürgerlichkeit, neuem Patriotismus, neuer Religiosität und all den anderen Schlagworten halten, die für den aktuellen Versuch einer geistig-moralischen Wende stehen. »I can’t get no« macht die Faszination des Aufbruchs von damals deutlich, die Jahre, in denen sich Pop und Politik, Sex und Drogen so mischten, dass jeder das Gefühl hatte: »time is on my side«. Die 15 erzählen von ihren Hoffnungen und Enttäuschungen, aber auch von einem Lernprozess, der sie heute klüger auf die 60er blicken lässt. An diesem Trip durch vier Jahrzehnte Bundesrepublik beteiligen sich u.a. die Bundestagsabgeordnete Krista Sager, der Rechtsanwalt Bernhard Docke, die Journalistin Tissy Bruns, der Hochschullehrer Christoph Köhler, der Sozialmanager Joachim Barloschky, die Generalstaatsanwältin Angela Uhlig van Buhren, der Stadtteilbürgermeister Robert Bücking, der Werbeunternehmer Jork de la Fontaine."

     
         
     
           
       

    Vorabdruck

    SPIEGEL -Titelgeschichte: Es war nicht alles schlecht.
    Gnade für die 68er

    SCHNIBBEN, Cordt u.a. (2007): "Bürgerlich bis in die Knochen".
    Kindermangel, Familienkrise, Werteverfall - und Schuld haben die 68er? Ein Wochenende lang stritten 16 Rebellen darüber, was aus ihnen geworden ist und warum die Gesellschaft sich so ganz anders entwickelt hat, als sie sich das vorgestellt haben,
    in: Spiegel Nr.44 v. 29.10.

    Spiegel-Ressortleiter Cordt SCHNIPPEN macht Werbung in eigener Sache. Die Titelgeschichte ist ein Vorabdruck des Buchs I can't get no. 16 Angehörige der Single-Generation, die 68 zufällig in Bremen lebten, erzählen ihre Veteranengeschichten und darüber was sie wollten und was sie wurden. Vor 30 Jahren fragte das Peter MOSLER seine Generationsgenossen, nun also sind die Mitläufer der Single-Generation dran.

    "Wir, die wir als so große Solidaritätswesen angetreten sind, sind - paradoxerweise - die Vorreiter der individualisierten Gesellschaft geworden. Aber da sind wir schuldlos schuldig",

    heißt es da von Tissy BRUNS. Es ist offenbar gerade diese Schizophrenie, aus der sich die Kirche von Ulrich BECK speist. Warum die Popularität der Individualisierungsthese gerade bei ex-linken Neubügerlichen ungebrochen ist, darauf gibt dieses Gespräch Antworten. Es finden sich dort alle Gemeinplätze, die hier bereits als Merkmale der Pioniere der Single-Generation angesprochen wurden: der Kulturschock der "sexuellen Revolution" oder die Überhöhung des Familienmenschen zum Widerstandskämpfer. 16 Bürgerkinder haben ihre Bürgerlichkeit nun auch rhetorisch wiederentdeckt, gerade auch dann, wenn sie sich gegen das Altbürgerliche abgegrenzt haben:

    "Barbara: Ich habe zum Beispiel zehn Jahre in einer Frauen-WG gewohnt, und wir haben darauf geachtet, dass wir, als wir Frauen mit unseren männlichen Partnern zusammengezogen sind, nach wie vor in einer Hausgemeinschaft leben und Teile unserer alten Idee weiter verwirklichen. Und in der Planung fürs Alter sind wir dabei, Alten-WG-Modelle zu diskutieren.
               Matthias: Ach Quatsch, das sit Frau von der Leyens Mehrgenerationenhaus, das hat mit 68 nichts zu tun.
              
    Irmela: Die hat sich bei uns bedient. Das tut sie unaufhörlich. Ich glaube, ich habe in dieser Runde am meisten die Forderung der Frauenbewegung ernst genommen und auch gelebt, nämlich, dass man keinen Mann braucht, auch nicht zum Kinderaufziehen. Und das habe ich ja zumindest mit meinem ersten Kind eine Weile auch durchgezogen, und bei meinem zweiten habe ich dann zum Vater gesagt: »Also, kannst gerne mitmachen, aber geht auch ohne«. Hatte Glück, der sagte: »Aber selbstverständlich mache ich da mit!« Und so entdeckte ich - praktisch gegen meinen Weill - die Segnungen einer funktionierenden, bürgerlichen Familie.
    (...).

              
    Cordt: Wir haben uns doch damals eine Gehirnwäsche verordnet. Wir stellten an uns die Forderung, wir müssen uns entbügerlichen. Unser Leben ist aber so verlaufen, dass wir das eine Zeitlang versucht haben, und dann gab es eine Wende, und es begann ein Prozess der Verbürgerlichung."
                Wenn die 68er also inzwischen bürgerlicher sind als diejenigen, die schon immer Bürger waren, dann hat sich 68 sozusagen von selbst erledigt. Aber leider ist das alles nur ein Spiegel-Gefecht...

     
       

    Rezensionen

    POSENER, Alan (2007): 1968: Ein Weltereignis.
    Zum 40-jährigen Jubiläum haben Veteranenerinnerungen Konjunktur. Wer aber diese internationale Kulturrevolution aus der Provinzperspektive betrachtet, versteht sie nicht,
    in: Welt am Sonntag v. 09.12.

    "1968 ist von heute so weit entfernt, wie die Weltwirtschaftskrise von 1968 entfernt war. Der Vergleich kommt nicht von ungefähr: 1968 war ein weltgeschichtliches Ereignis. Darum ist nichts verkehrter, als 1968 aus dem Blickwinkel der Provinz zu schildern. Genau das aber unternehmen Irmela Hannover und Cordt Schnibben mit »I Can't Get No«", kritisiert Alan POSENER.

     
           
       

    Operation Rot-Grün (2005).
    Geschichte eines politischen Abenteuers
    (zusammen mit Matthias Geyer und
    Dirk Kurbjuweit)

    München: Deutsche Verlagsanstalt

     
       
         
     

    Klappentext

    "Gerhard Schröder und Joschka Fischer wollten das Land humaner, sozialer, friedvoller machen. Und die Menschen, die sie gewählt haben, träumten von mehr Sozialstaat, mehr Demokratie, weniger Rüstung. Inzwischen ist den Wählern klar, daß sie sich geirrt haben, und die Gewählten müssen eingestehen, daß sie sich verirrt haben. Die Autoren schildern, wie sich die Kneipenfreunde Schröder und Fischer 1998 ins Kanzleramt taktieren und dann erleben, daß die Zwänge der Politik ihr Denken verändern und sie langsam im Sumpf der Wirklichkeit versinken."

     
         
     
           
       

    Rezensionen

    VORNBÄUMEN, Axel (2005): Alles am Zusammenkrachen.
    Ein Abgesang aus rauer Kehle: Die "Spiegel"- Reporter Kurbjuweit, Geyer und Schnibben verabschieden Rot-Grün,
    in: Tagesspiegel v. 23.05.

    Welche Zielgruppe das Buch anspricht, das lässt sich aus folgender Passage ersehen:

    "Wenn sich das Beste, was man über eine Koalition sagen kann, darauf beschränkt, dass es sie überhaupt gegeben hat, damit sich eine mit ihrem außerparlamentarischen Furor sozialisierte Generation beim Marsch durch die Institutionen die Hörner abstößt, dann sagt das entweder etwas aus über die Substanz derer, die sechs Jahre Politik gemacht haben (mager) oder über die Erwartungen derer, die es aus jener Generation nicht in die Politik, sondern in die Publizistik verschlagen hat (hoch und dementsprechend enttäuscht).
    Beides stimmt".

    SCHMIDT, Martinus (2005): Unsere Jahre mit Schröder.
    Protokoll einer enttäuschten Liebe,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 05.07.

     
           
       

    Seltsames Deutschland (1992).
    Berichte aus der Welt der Bundesbürger
    München: Knaur (vergriffen)

     
       
         
     

    Inhaltsverzeichnis

    Vorurteil

    Die Leiden der Freizeit

    Köln - Karibik - und zurück
    89 - 58 - 87
    Der Star aus der Flasche
    Oh, du schöner Ring
    Hai und Chips
    Computer sparen Sonnenöl
    Das Fest der Hofnarren
    Bad Neon
    Venezianische Schlote

    Der Ernst des Lebens

    Spiel, Satz und aus?
    Am 8. Mai ist Weltuntergang
    Die Erben des Dr. Barschel
    Der Ofen ist aus
    Jetzt hier alles sicher
    Lehrerin für die Halde
    Junge Greise, alte Zeiten
    Wollt ihr Frieden?
    100 Jahre tot und keine Ruhe
    Die Seele ist nicht käuflich
    Das jüngste Gericht
    Der eiskalte Krieg

    Die Freuden der Einheit

    Ein Staat läuft aus
    Freiheit ist hier jetzt auch
    Heut' gehn wir ins ZK
    Vom Lada zum Lambada
    Jedes Pissoir beherrscht
    Was nun, Harry Dolch?
    Die Nächte von Paries
    I want you. Sonst nichts

    Der Deutsche als Ausländer

    Im Land der Müllmänner
    Unternehmen Osterbräune
    Sibirischer Schweiß
    Peinliche Tage in Istanbul
    Der Deutsche als Türke
    Nikolaus der Türke
    Planquadrat B 8, Costa Brava

    Der Alltag des Medienzaubers

    Oh, Stéphanie! Wo bis du?
    Sind wir alle Hedonisten?
    Morgen ist wieder kein Tag
    Morgen, nur nicht "heute"
    Alles wie geplant
    Seid ihr alle da?
    Herr Minister, ich danke Ihnen!
    Der Norden dreht durch
    Das Radio verstummt
    Im Klo der Verführer
    Fast food für die Augen
    Im Olymp der Wegelagerer

    Zitate:

    Trends

    "Keine Woche ohne neuen Trend. Die Machtergreifung des Trend-Journalismus in so gut wie allen Periodika macht es leicht, die Untrends zu erkennen - so gut wie alle plötzlich entdeckten Zeiterscheinungen (...) sind Fata Morganen des Abendlandes, gespeist aus journalistischer Verzweiflung. Die Echtheit eines Trends ist nur noch mit zeitlichem Abstand festzustellen, wenn er dem öffentlichen Interesse längst entkommen ist, im Nachruf sozusagen.
    Die Vereinsamung des Bundesbürgers beispielsweise ist eine echte Konstante des neuen Deutschland, unwiderlegbar abzulesen an der Orientierung der Tiefkühlbranche auf den Alleinesser, den Single."(S.15f.)

    Der Alleinesser als neue Zielgruppe

    "Zwanzig Millionen Alleinesser in der Bundesrepublik! 20 Millionen Menschen, die, ausgestossen aus der Tischgemeinschaft, vor ihrem Teller sitzen. Allein Tag für Tag (...). Einer von ihnen ist Rainer Grahn.
    Rainer Grahn entdeckte vor zwei Jahren, daß ein großer Teil der Deutschen einsam ißt. Seither zerbricht er sich den Kopf darüber, wie man den verlassenen Essern helfen kann. Nicht aus Nächstenliebe sorgt er sich, sondern aus Berufung: Rainer Grahn ist Produkt-Manager für Tiefkühlkost. Auf die menschliche Spezies der »situativen Alleinesser« stieß er, weil »Mein Leibgericht« keine Zukunft hat (...).
    Die legendären Ravioli etwa, Sonnen-Bassermanns klassischer Hühnernudeltopf, Knorrs Suppen oder Krafts Miracoli - sie alle ignorieren das Individuum, spekulieren auf die Kleinfamilie oder die Wohngemeinschaft und machen den einzelnen zum Untertan der Wegwerfgesellschaft. Weit und breit kein Fertiggericht für den Menschen, der täglich in die Situation gerät, solo essen zu müssen.

    (...).

    Wie leben sie? Allein. Acht Millionen leben allein, und zwanzig Millionen essen allein.
    (...).
    In Grahns Materialen hat »eine psychologische Zielgruppensegmentierung für Tiefkühlkost« acht Frauentypen ausgemacht, darunter die »desinteressierte Hausfrau« (niedriges Einkommen, jung, empfindet Kochen als Last) und die »qualitätsorientierte Hausfrau« (hohes Einkommen, hohes Alter, nicht preisorientiert). Für Grahn besonders interessant: Die »convenience-orientierte Hausfrau« (kein Spaß am Kochen, höheres Einkommen) und die »überzeugte Tiefühlkost-Verwnderin« (Akzeptanz von Fertiggerichten, hohes Einkommen, mittleres Alter). 22 Prozent aller Frauen sollen zu diesen beiden Gruppen gehören, »die den neuen Typus der modernen, selbstbewußten Hausfrau verkörpern, die mehr Zeit für berufliche und gesellschaftliche Interessen gewinnen will« - und darum eine besondere Schwäche für tiefgekühlte Fertiggerichte hat.
    Aber was ist mit den Männern? Nur neun Prozent leben allein, die anderen essen, was die Frau auf den Tisch stellt. Aber immerhin: 1,2 Millionen männliche Singles laufen jede Woche durch die Supermärkte, auf der Suche nach Eßbarem.
    Nun ist nicht jeder Single auch ein Tiefkühlfan, nur knapp die Hälfte hat genügend Geld und Geschmack für Vorgekochtes. Grahn kommt schließlich, summa summarum, auf eine potentielle Zielgruppe von 2,84 Millionen Käufer tiefgekühlter Ein-Personen-Gerichte. Das langt."
    (S.193; zuerst veröffentlicht im Zeit-Magazin Nr.18 vom 25. April 1986)

     
         
     
           
         
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 06. Juli 2005
    Update: 18. Mai 2015