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Dieter Rulff: Die Neue Mitte und die Verachtung der Verteilungspolitik

 
       
     
       
   
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    Dieter Rulff in seiner eigenen Schreibe

     
       

    RULFF, Dieter (2002): Generation Möllemann?
    Mit seinem Generalangriff auf Gutmenschen und 68er will der stellvertretende FDP-Vorsitzende keineswegs Ewiggestrige umwerben - sondern künftige Generationen
    in: TAZ v. 01.06.

    Dieter RULFF analysiert die FDP als Sammelbecken für die Anti-68er aus der Generation Berlin und der Generation Golf:

    "Die Generation Berlin (...) eint die Ablehnung eines gesellschaftlichen Begründungszwangs, der den Einzelnen vornehmlich unter dem Blickwinkel der Gemeinwohldienlichkeit betrachtete. Mit diesem Gutmenschentum der 68er verbinden sie die lebensgeschichtliche Erfahrung, immer auf der Seite der Unterlegenen zu stehen. 'Die Ablehnung gegen die Vorgängergeneration mit ihrer Moralhoheit war für uns früh eine entscheidende Lebensmaxime' schrieb Florian Illies über die 'Generation Golf'.
    Wie keine andere Partei hat die FDP dies in ihr Profil verarbeitet."

    Eine Einführung in die aktuelle Generationendebatte

    RULFF, Dieter (2002): Generation Alpha.
    Rot-Grün und der ausbleibende Aufstand der Jungen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 01.10.

    Dieter RULFF rechnet mit der Generation Berlin, aber vor allem mit der Generation Golf ab:

    "Die FDP war jahrelang das politische Abziehbild einer wirtschaftlichen Entwicklung, die ihren vornehmlich jugendlichen Protagonisten ein exzessives Leben versprach. Es war ein Glücksversprechen, das sich ausschließlich privat einlösen konnte. Soziale Beziehungen verflüchtigten sich in die Warenwerte einer gemeinsam geteilten Konsumwelt. »Die Freiheit nehm ich mir«, lautete die Devise der Generation Golf, »weil ich es mir Wert bin«. Entsprechend groß ist die Desorientierung, wenn die Krise die Relativität des eigenen Wertes offen- und die Grenzen der Freiheit festlegt. Die Generation Golf findet auf diese Krise keine Antwort, weil sie in ihrem Lebensplan nicht vorgesehen war. Dessen Fixpunkte waren ästhetisch, doch die Krise verlangt nach Sicherheit und Normen. Und so verliert sich in Bedeutungslosigkeit, was an erfahrener Gemeinsamkeit den Begriff einer Generation erst sinnvoll machen würde. Der unternehmerische Einzelne findet sich als Einzelner wieder, der nicht mehr viel unternehmen kann."

    RULFF, Dieter (2002): Stadt-Partei.
    Der Wert des C: Die Union geht auf Erkundungstour,
    in: Frankfurter Rundschau v. 24.10.

    Mit dem 22. September 2001 sieht Dieter RULFF ein Comeback der Stadt-Land-Dichotomie wie sie von Wilhelm Heinrich RIEHL über Oswald SPENGLER bis ins Heute herüberreicht. Zudem ist RULFFs Artikel ein schönes Beispiel für die Selbstreferentialität der Medienmacherkaste. Dem Wähler möchte RULFF auf die Spur kommen und er tut es, indem er die Zeitungen der Konkurrenz liest und deren Selbst- und sonstigen Bekenntnisse in seine "Analyse des Wählerverhaltens" einfließen lässt.

    So hat z.B. Harald MARTENSTEIN ("Wir wohnen (...) in  Charlottenburg. Verheiratet, beide berufstätig, ein Kind") im Tagesspiegel vom 06.09.2002 den Leser wissen lassen:

    "Wenn es (...) nach den ökonomischen Interessen ginge, müssten in unserer Gegend CDU und FDP die absolute Mehrheit haben. Warum wählt man, was man wählt? Es ist eine irrationale Mischung. Tradition, Herkunft, Familiengeschichte, eigene Geschichte, Image, Selbstbild, Selbstfindung … alles mögliche. Aber nicht vernünftig. Sachargumente werden wohl überschätzt".

    Bei RULFF liest sich das  dann so:

    "Und so hat auch, wer bürgerlich lebt, links gewählt, wenngleich seine Steuererklärung ihm eigentlich etwas anderes nahe gelegt hätte."

    RULFF, Dieter (2002): In der elendigen Ironiefalle.
    Im historischen Moment der Vereinigung wollten die "89er" weniger einen politischen Traum verwirklichen als vielmehr ihr privates Glück. Nun versucht Susanne Leinemann, diese Generation abseits aller Klischees zu beschreiben und zu verteidigen,
    in: TAZ v. 26.11

    RULFF geht zuerst auf die Erfindung der 89er durch das Neue-Mitte-Feuilleton ein, die ihren zeitgeistigen Nachhall im Buch Die 89er von Claus LEGGEWIE gefunden hat. Die "89er" waren ein Zahlenspiel, das bereits seinen Antagonismus in sich trug: 1968. RULFF charakterisiert diesen Abgrenzungsversuch folgendermaßen:

    "Nationalistisch statt internationalistisch, partikular statt universal, freiheitlich statt egalitär, rechts statt links".

    Dieser Feuilleton-Geburt der "89er" stellt er nun Susanne LEINEMANNs Buch Mauer weg. Aufgewacht als authentisches Dokument gegenüber. Seine Behauptung:

    "Es hat sie gegeben. Doch sie war anders, als es sich die Denker von damals erdachten. Die wirklichen 89er wurden nicht wahrgenommen, weil sie beharrlich schwiegen".

    Den Anspruch des Buchs beurteilt er zuerst überschwänglich:

    "»Aufgewacht. Mauer weg« ist der Appell, den immer währenden Tanz auf der Mauer zu beenden, bevor er zu Nostalgie gerinnt - und stattdessen die Verhältnisse ein wenig zum Tanzen zu bringen."

    Später wird eher der defensive Charakter dieses Re-Modeling der "89er" deutlich:

    "Mit der bedrohlichen Möglichkeit konfrontiert, in den Zeitläufen vergessen zu werden, gräbt Leinemann nach einer Identität, die sich über mehr definiert, als In-Klamotten und Szeneclubs."

    Zum Abschluss präsentiert RULFF noch den Hoffnungsträger jener, die eine Repolitisierung des Lebens herbeisehnen:

    "Aus ihrer Ironiefalle konnte sich diese Generation bislang nicht befreien. Dass danach jedoch ein virulentes Bedürfnis besteht, dafür spricht das Interesse, das dem jungen amerikanischen Autor Jedediah Purdy derzeit zuteil wird. Er hat ein heftiges Plädoyer verfasst, »Das Elend der Ironie« zu überwinden - durch Rückbesinnung auf grundlegende Werte des guten Lebens und vor allem durch die Restaurierung der Öffentlichkeit als Ort des Disputs über die allgemeinen Belange. Beides bedeutet allerdings, eine Haltung einzunehmen und sich auch den Sachaspekten der Gesellschaft zu widmen."

    RULFF, Dieter (2002): Renaissance der Gerechtigkeit.
    Mehr als nur das Chaos des "muddling through". Die Probleme des Regierungshandelns und die Wiederkehr der sozialen Frage,
    in: Frankfurter Rundschau v. 28.11.

    RULFF hat die Krise bereits hinter sich gelassen:

    "Die nivellierende Mittelstandsgesellschaft gehört der Vergangenheit an"

    ebenso wie die "überholte Anrechteordnung der bundesrepublikanischen Vollerwerbsgesellschaft":

    "Nun (...) geht es nicht mehr um einen anderen Modus der Verteilung, sondern um Integration und Durchlässigkeit, Zugang und Grundsicherheit."

    Wie kam RULFF bis dahin? "Das setzt eine Autonomie der Exekutive voraus"! BARING oder WALTER, das ist dann die Frage...

    RULFF, Dieter (2003): Die Religioiden.
    Jürgen Busche schreibt eine Biographie der 68er,
    in: Frankfurter Rundschau v. 28.03.

    Rezension des Buchs Die 68er von Jürgen BUSCHE.

    RULFF, Dieter (2003): Im Fahrstuhl nach unten.
    Gerechtigkeit hat nichts mit Verteilen zu tun. Wohl aber damit, den Ausschluß derer zu verhindern, die der Markt vorerst nicht braucht,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.08.

    Der Soziologe Ulrich BECK hat die Fahrstuhl-Metapher Anfang der 1980er Jahre ins Gespräch gebracht, das hat den Sozialdemokraten über 20 Jahre Orientierungslosigkeit hinweggeholfen. Der Fahrstuhl, der erst hinaufgefahren ist, der soll jetzt wieder heruntergefahren werden, so will es der Mythos der Neue-Mitte-Lifestyle-Soziologie. Ulrich RULFF trägt die Version von Jürgen KOCKAs und Olaf SCHOLZ' Gerechtigkeitsvorstellung in der Sprache der Anerkennung vor. Rechtfertigungslektüre für Besserverdienende...
    Debatte um die soziale Gerechtigkeit in der SPD

    RULFF, Dieter (2003): Rot-Grün ist tot, es lebe Rot-Grün.
    Die Koalition formuliert mit ihren Gesundheits-, Renten- und Finanzreformen eine neue Ära ihrer Geschichte. Aber bisher fehlt SPD und Grünen ein Begriff dafür,
    in: TAZ v. 13.09.

    RULFF, Dieter (2004): Der Generationenkampf ist zu Ende,
    in: DeutschlandRadio Berlin v. 24.02.

    Dieter RULFF kommt mit dem Ende des Generationenkampfes über zwei Monate zu spät! Horst OPASCHOWSKI hat das bereits rechtzeitig vor Weihnachten erledigt, während die SPD noch bis nach Heilig Dreikönig gewartet hat. Daran ändern auch Unverbesserliche wie Gustav SEIBT nichts. RULFF will nun - da die Sache gelaufen ist und die Agenda-Gesetze verabschiedet sind - den Generationenkampf als Schaukampf entlarven. Das wäre im letzten Sommer noch mutig gewesen. Jetzt wirkt das nur noch altklug. Über die private Generationensolidarität war bei single-generation.de schon damals zu lesen.

    RULFF, Dieter (2004): Unsichere Gesellschaft.
    Ohne Leitidee: Politik unter post-sozialstaaltichen Bedingungen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 16.03.

    Wenn es noch eines Beweises für den Niedergang der Kirche von Ulrich BECK benötigt hätte, Dieter RULFF liefert ihn! Die Individualisierungsthese stiftete einer ganzen Erlebnisgeneration der Neuen Linken einen Sinn, der nun angesichts der neuen Klassengesellschaft zerfällt.

    20 Jahre lange konnte Ulrich BECK in bestimmten sozialdemokratischen Kreisen die kollektive Identität stiften. Nun sind diese Kreise orientierungslos! Der Beitrag ist ein Beispiel für die neuen Suchbewegungen:

    "Als Ulrich Beck (...) seine Skizze von der Risikogesellschaft zeichnete, da zerstörte er den Gleichklang zwischen wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Fortschritt. (...). Die Grünen gaben der Gesellschaft ein neues, postmaterialistisches Gesicht und revitalisierten zugleich die Transmissionskraft der Parteien.
    Zwanzig Jahre später hat sich das Solidaritätspotenzial des Risikos erschöpft
    ",

    bedauert RULFF. Sein Problem: Noch in der Trauer ist er Sektierer eines überholten Paradigmas...

    RULFF, Dieter (2004): Stimme des neuen Bürgertums.
    "Generation Reform": Der Historiker Paul Nolte wagt eine Bestandsaufnahme der Gesellschaft und empfiehlt dem Sozialstaat eine Therapie,
    in: Financial Times Deutschland v. 08.04.

    Paul Nolte - Generation Reform

    RULFF, Dieter (2004): Die Neue Mitte färbt sich grün.
    Den Grünen fällt die tragende Rolle in der Koalition zu. Sie haben ihre konfliktträchtigen ideologische Kontroversen hinter sich und sind fürs Milieu der Leistungsträger attraktiv,
    in: TAZ v. 15.06.

    Dieter RULFF arbeitet am Mythos der Grünen. Den momentanen Vorteil der Grünen nennt RULFF ganz unverblümt:

    "Ihnen kommt zugute, dass sie ihre konfliktträchtigen ideologischen Kontroversen bereits in den zurückliegenden Jahren ausgetragen haben und dass sie nicht direkt verantwortlich in das operative Geschäft des Sozialumbaues eingebunden sind."

    RULFF schreibt SPD und Grünen zwei unterschiedliche Politiken zu:

    "Während die SPD einer altmodischen Verteilungspolitik verhaftet ist, präsentieren sich die Grünen mit einer modernen Politik der Anerkennung, wobei sich deren Fokus von den Randgruppen zur Neuen Mitte verschoben hat.
            
    Kann man der These von den unterschiedlichen Politiken vielleicht noch - mit Einschränkungen - zustimmen, so muss man die Individualisierungsthese à la BECK, wonach Exklusion eine schichtenübergreifende Bedrohung darstellt, ins Reich der Mythen verweisen."

    Selbst Lebensstilforscher wie Stefan HRADIL müssen inzwischen eingestehen, dass sich Klassenunterschiede eher vertiefen. David BROOKS hat in seinem Buch Bobos in Paradise für die USA die Lebenslügen der wohlhabenden Gutmenschen beschrieben:

    "Die Vertreter dieser Elite wurden in einem elitefeindlichen Geist erzogen. Sie leben im Überfluss - und sind Gegner des Materialismus. Sie mögen ihr Leben mit Verkaufen verbringen - und fürchten sich vor dem Ausverkauf. Sie fühlen sich noch immer wie das Anti-Establishment - und wissen doch, dass sie längst zum neuen Establishment geworden sind." (S.47).

    David BROOKS sieht als Folge dieser Lebenslüge die Gefahr, dass die neue soziale Ordnung noch rigider werden könnte als die alte Ordnung, die auf Herkunft beruhte:

    "Heute verfügt Amerika wieder über eine herrschende Klasse, die das Maß für den guten Geschmack und die richtige Meinung festlegt, auch Umgangsformen und die Hackordnung innerhalb der Gesellschaft, die all diejenigen ausschließt, die sich diesem Verhaltenskodex widersetzen. Den eigenen Kindern werden Moral und Anstand vermittelt und dem Rest der Gesellschaft wird soziale Disziplin auferlegt, um die »Lebensqualität« zu heben, wie man das heute nennt" (S.53).

    Die Debatte um die neue Werteelite und Paul NOLTEs Buch Generation Reform belegen auch für Deutschland, dass sich eine neue Sozialordnung gebildet hat, deren Konturen sich immer deutlicher herausschälen. Die "Agenda 2010" trägt bereits den unbarmherzigen Stempel dieser neuen Sozialordnung. RULFF sieht weiterhin postmaterialistische Werte auf dem Vormarsch, während neuerdings Politikwissenschaftler und Soziologen den Wandel des Wertewandels beschreiben. Demnach wären die Erfolge der Grünen eher die Rückzugsgefechte einer Politik der Anerkennung, während neuartige Verteilungspolitiken die Zukunft prägen werden.

    RULFF, Dieter (2005): Der Anti-Achtundsechziger.
    Hajo Schumacher schildert Hessens Ministerpräsidenten Roland Koch als den Kopf einer ganzen Politikergeneration,
    in: Frankfurter Rundschau  v. 02.03.

    Rezension des Buchs Roland Koch von Hajo SCHUMACHER.

    RULFF, Dieter (2005): Das Ende der Zuversicht.
    Über den allmählichen Wechsel der Vorzeichen der Politik
    in: Frankfurter Rundschau v. 19.03.

    RULFF beschreibt den Niedergang postmoderner Gesellschaftsbeschreibungen:

    "Die deutsche Gesellschaft, jahrzehntelang das Feld widerstreitender Selbstinterpretationen, hat in den letzten Jahren erkennbar an Einförmigkeit gewonnen. Wo in früheren Tagen generationelle Abgrenzungen und ideologiegeladene Arrondierungen das Terrain der Betrachtungen beherrschten, wo wahlweise einer fröhlichen Ästhetik des Konsums gefrönt oder an Bastelbiografien gezimmert wurde, herrscht nun ein längst vergessen geglaubter existenzieller Materialismus."

    Die Ursache sieht RULFF in der mangelhaften Innovationsfähigkeit unserer Gesellschaft. Er fordert deshalb eine Wende zum Weniger. Man kann durchaus bezweifeln, dass diese Sicht der Dinge richtig ist, denn offensichtlich gibt es zahlreiche Gruppen, die sich von einer ökonomischen bzw. Arbeitsmarktkrise Vorteile  erhoffen. Z.B. Neocons wie Stanley KURTZ...

    RULFF, Dieter (2005): Die Liebe zum hässlichen Detail.
    Götz Aly bringt uns das NS-Regime unangenehm nahe,
    in: Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Mai

    Dieter RULFF lobt das Buch Hitlers Volksstaat von Götz ALY, weil es die Habgier des "deutschen "Normalverbrauchers" in den Mittelpunkt stellt und damit das Großkapital und die Bourgeoisie aus der Schusslinie nimmt. RULFF hebt hervor, dass die Kontinuitäten von Drittem Reich und Bonner Republik vor allem im Sozialstaat bestehen. Das Buch gewinnt in diesem Sinne als Legimitationsbasis für einen arbeitgeberfreundlichen Umbau des Sozialstaats an Bedeutung:

    "Die Deutschen profitierten auf vielfache Weise von der Liquidierung der Juden wie der brutalen Ausbeutung der besetzten Länder. Mit diesen blutigen Ressourcen wurde ein völkisches Gleichheitsversprechen eingelöst, das den überwiegenden Teil der Bevölkerung nicht nur von den Kriegskosten weitgehend verschonte, sondern ihn mit einer ganzen Palette an Gefälligkeiten bei Laune hielt.
          
      Darunter befinden sich auch sozialpolitische Maßnahmen, die noch heute als Errungenschaften des modernen Sozialstaates gefeiert werden, das Kindergeld ebenso wie das Ehegattensplitting, die steuerfreien Zuschläge für Nacht- und Feiertagsarbeit, wie die Krankenversicherung der Rentner."

    RULFF, Dieter (2005): Ein Dritter Weg zurück?
    Franz Walter über die SPD,
    in: Frankfurter Rundschau v. 25.05.

    Für Dieter RULFF besticht zwar die Schwachstellen-Analyse des Politikwissenschaftlers Franz WALTER, dessen Essays über den Zustand der SPD nun in dem Buch Abschied von der Toskana als Buch zugänglich sind. RULFF fühlt sich jedoch von WALTER im Stich gelassen, wenn es um eine Anleitung zur Durchsetzung einer Politik des Weniger geht.

    RULFF, Dieter (2006): Stunde der Schicksalsgemeinschaft.
    FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher entdeckt den Wert der Familie und den Wunsch nach mehr Töchtern,
    in:  Frankfurter Rundschau v. 29.03.

    RULFF, Dieter (2006): Warum das "abgehängte Prekariat" keinen Anschluss findet.
    Das Fortschrittsgefühl der postmodernen Gesellschaft hat der Philosoph Peter Sloterdijk einmal als die Empfindung von Passanten auf einer Rolltreppe beschrieben, auf der man automatisch voran kommt. Es ist ein Fortschritt im Stillstand, der jedem seinen Aufstieg garantiert und bei dem jedes individuelle Vorwärtsdrängeln, das darüber hinaus geht, als eine Störung der gesellschaftlichen Choreografie angesehen werden muss,
    in: DeutschlandRadio v. 02.11.

    Gero Neugebauer - Politische Milieus in Deutschland

    RULFF, Dieter (2006): Die neue deutsche Teilung.
    Der Wirtschaftsaufschwung verstärkt die sozialen Unterschiede,
    in: DeutschlandRadio v. 15.12.

    Neu:
    RULFF, Dieter (2008): Die Spekulation auf den Staat.
    Die Finanzkrise zeugt vom Versagen der Wirtschaftselite, es schlägt die Stunde der Politik,
    in:
    DeutschlandRadio v. 26.11.

    Dieter RULFF betrachtet anhand des Falles eines Sozialhilfeempfängers und eines Milliardärs den unterschiedlichen Umgang des Staates mit armen und reichen Menschen:

    "Während der Staat bei Florida-Rolf kurzerhand die Gesetze änderte, um den Schaden zu minimieren und ihm kein Geld mehr zahlen zu müssen, sieht er sich bei Merckle genötigt, diesem Geld zu geben um den Schaden zu minimieren. Das ist der Unterschied zwischen arm und reich."

    RULFF macht sich zudem so seine Gedanken, warum die gesellschaftliche Mitte dazu schweigt.

     
           
       

    Die Aufgabe des Staates (2008)
    Vorgänge 182, Juni
    Berliner Wissenschafts-Verlag

     
       
         
     

    Aus dem Editorial

    "Die Frage nach staatlichen Aufgaben ist nicht aus sich heraus beantwortbar. Kaum eine, die nicht auch schon in privater Regie erledigt wurde. Die Grenzen sind fließend, Mischformen gängige Praxis. Doch weisen Staaten dabei signifikante Unterschiede auf.

    Was ist der spezifisch deutsche Pfad, und welche Richtung soll dieser künftig nehmen? In den neunziger Jahren wurde dem "schlanken Staat" das Wort geredet, die rot-grüne Regierung proklamierte den "aktivierenden Staat", danach machte der "vorsorgende Staat" Furore, und angesichts des aktuellen gesellschaftlichen Linkstrends ist bereits wieder stärker vom fürsorgenden Sozialstaat die Rede. All diese Varianten sind eingebettet in veränderte Bedingungen, um nicht zu sagen Begrenzungen staatlichen Handelns. Die Ökonomie entzieht sich seinem Zugriff, zugleich transnationalisiert er sich. Was ist also die Aufgabe des Staates, wenn er sich nicht aufgeben will?"

     
         
     
           
       

    Die Heftbeiträge

    GENSCHEL, Philipp/LEIBFRIED, Stephan/ZANGLE, Bernhard - Der zerfasernde Staat. Vom Wandel des Subjekts moderner Politik

    SCHUPPERT, Gunnar Folke - Der Gewährleistungsstaat. Zum Wandel der Staatlichkeit im Spiegel sich wandelnder Staatsbilder

    PRIDDAT, Birger P. - Die Hybridisierung öffentlicher Güter. Über Varianten, die Nutzung öffentlicher Güter zu optimieren

    KERSTING, Wolfgang - Soziale Gerechtigkeit und Arbeitslosigkeit. Zu den normativen Grundlagen staatlicher Interventionen auf dem Arbeitsmarkt

    VOGEL, Berthold - Die neue Gegenwärtigkeit des Wohlfahrtsstaates

    BROß, Siegfried - Daseinsvorsorge und notwendige Staatsaufgaben. Was sollen Staat, Kommunen und Private tun (dürfen)?

    SEIKEL, Daniel - Die Liberalisierungs-Agenda der EU. Zwischen Konvergenzdruck, Widerstand und nationalen Entwicklungspfaden

    RÜGEMER, Werner - Public Privat Partnership. Das Lehrstück der Londoner U-Bahn

    BRAUN, Bernard & Thomas GERLINGER - Krankheit als Kostenfaktor. Vom universalistischen zum liberalen Modell der Krankenversorgung

    RILLING, Rainer - Remix der Eigentumslandschaft. Die Privatisierungspolitik resultiert aus der Dynamik der Finanzmärkte

    SCHÖLLER-SCHWEDES, Oliver - Stiftungsstaat. Zur Governance durch Stiftungen

    PFAHL-TRAUGHBER, Armin - Die Freiheiten der Religionen und die Aufgabe des Staates. Zu den institutionellen und normativen Grundlagen einer multireligiösen Gesellschaft

    GLOGER, Martin - "A Generation to end all generations". Zur Entmythologisierung des Generationenlabels "89er"
     
       

    Weiterführende Links

     
         
       
     
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 16. Juni 2004
    Update: 19. April 2015