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Gerhard Matzig: Die Neocons und die All-Age-Gesellschaft

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1963 in Deggendorf geboren
    • Studium der Jurisprudenz, der Politikwissenschaften und der Architektur
    • 1997 Buch "Paris"
    • 2011 Buch "Einfach nur dagegen"
 
       
   
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    Gerhard Matzig in seiner eigenen Schreibe

     
       

    MATZIG, Gerhard (2001): Die Carrera-Bahn.
    Teil 29 der Serie "Das war die BRD",
    in: Süddeutsche Zeitung v. 18.07

    Georg Diez - Das war die BRD

    MATZIG, Gerhard (2001): Die Obszönen einer Ehe.
    Die Deutschen sterben aus - und schuld daran sind all die dummen Familien-Klischees der Werbewirtschaft,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 18.08.

    Die Single-Lüge - Wie eine große Koalition aus Politik, Wissenschaft und Medien Singles ein falsches Bild ihrer Lage vermittelt haben

    MATZIG, Gerhard (2003): Ein Fall von Auszehrung.
    Die Pendlerpauschale und die Pathologie der Städte,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 25.09.

    MATZIG beschreibt die Pendlergesellschaft am Beispiel von Haidhausen als Folge falscher steuerlicher Anreize:

    "Zur Zeit pendeln in Deutschland mehr als 25 Millionen täglich.
    Ein Blick auf einen exemplarischen Fall: (...) Haidhausen, das war einmal ein wahres Suburbia – ein Ort, weit draußen vor der Tür zur zivilen Stadtgesellschaft. Wer es sich leisten konnte, wohnte in der Stadt, nicht an deren Rändern.
    Heute markiert Haidhausen nicht mehr den geografischen oder gesellschaftlichen Rand der Münchner Stadtwelt, sondern eines ihrer gewichtigen Zentren. Doch wer es sich leisten kann, wohnt nicht mehr im Zentrum, sondern an den Rändern der Stadt. Also irgendwo in jenen Münchner Vororthöllen, die sich vor Zuzug kaum retten können, während ein vitales Zentrum wie Haidhausen allmählich verödet. Familien befinden sich hier nurmehr im transitorischen Zwischenraum der Hypothekendarlehen-Entwicklung."

    Als Konsequenz beschreibt MATZIG eine sozialräumliche Segmentierung mit schrumpfenden und polarisierten Städte sowie ausufernde Vorstädte:

    "Ohne eine Trendwende leben womöglich in den deutschen Stadtkernen in einer gar nicht so fernen Zukunft nur noch Superreiche, Singles – oder Superarme. Die Finanz- und Gesellschafts-Normalität wird in den Städten nicht mehr anzutreffen sein. (...).
    Auf Dauer führt dies zur Auszehrung der Städte und zugleich zur Pathologie der Vorstädte, deren Krankheitsbild bestimmt wird von kultureller Trägheit, unkontrollierbaren Wucherungen und ökologischem Wahnsinn.
    "

    Dienstleistungsmetropole Frankfurt - Die Family Gentrifier als neue Gruppe auf dem Wohnungsmarkt

    MATZIG, Gerhard (2004): Vom Ende der Zukunft.
    Heimatfilme, Schuluniformen, Benimm-Fibeln: Die Ästhetik der heranziehenden Gerontokratie ist der Nostalgie gewidmet – und der Angst,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 28.02.

    MATZIG sieht in Deutschland ein neues Biedermeier anbrechen:

    "Die Welt – und darin ganz besonders Deutschland, wo die Biedermeier-Legende von der »guten alten Zeit« (W. H. Riehl) erfunden und sogleich patentiert wurde, Deutschland scheint sich in einen gigantischen, absurden Autorückspiegel zu verwandeln. Deutschland kann man sich immer besser vorstellen als eine Novalis-hafte Blumentapete, als geistige Draperie einer vorgeblich heilen, heiteren Vergangenheit."

    Die Rückwärtsgewandtheit ist für MATZIG ein Angst-Reflex, der den Blick auf die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft verstellt:

    "Der Sehnsuchts-Traditionalismus ist dabei nichts anderes als ein ästhetischer Angst-Reflex. Angst vor dem Fortschritt, Angst vor neuen Kommunikations- und Kulturtechniken, Angst vor offenen Grenzen, Angst vor ökonomischen Verschiebungen. Mit einem Wort: Angst vor der Zukunft. Und zugleich ist die neobiedermeierliche Restauration ein Symptom der Alters-Depression.
    Dabei müssten wir eher Angst vor einer im Wortsinn »alten«, folglich zukunftslosen Welt haben: also vor der heranziehenden Gerontokratie, deren ästhetische Sehnsuchts-Parodien schon jetzt bildhaft werden – als Rückspiegelbild des Todes statt des Lebens.
    "

    MATZIG, Gerhard (2004): Ohne Kindheit, ohne Alter.
    Das dauererwachsene Leben zwischen Lego und Rheumadecka,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 26.10.

    MATZIG erklärt uns, dass die All-Age-Produkte der Warengesellschaft eine All-Age-Gesellschaft hervorbringt.

    MATZIG, Gerhard (2005): Rollenspiele der All-Age-Gesellschaft.
    Frauen und Männer: Neueste Ermittlungen im Krisengebiet. Ehe, Kinder, Bausparvertrag: Die jungen "Neocons" sind die Antwort auf 50-jährige, die nicht erwachsen werden wollen,
    in: Süddeutsche Zeitung  v. 28.02.

    "Die erschreckenden Studien wissen von immer mehr 25-jährigen Akademikerinnen, die ihren Platz am heimischen Herd und bei Aufzucht und Hege der lieben Kleinen sehen; die glauben, ihre ökonomische Unabhängigkeit auch deshalb ohne weiteres aufgeben zu können, weil ihre Generation in joblosen Zeiten wie diesen gar keine Freiheit mehr erwerben könne. Passend dazu wird von immer mehr 27-jährigen Männern erzählt, die sich in härtere Karrieren fügen, weil ihnen die Frauen zuhause »den Rücken frei halten«",

    behauptet MATZIG. Vielleicht lässt sich hier noch der bescheidene Anfang eines neuen Topos von der Rückkehr des "Heimchen am Herd" zurück verfolgen. Die bürgerliche Neocon-Familie ist zuerst mit einem eher unverbindlich gehaltenen Manifest aus dem Jahr 1999 ins Feuilleton gelangt (single-generation.de merkte dazu an: Heiraten wird zu einem Akt der Rebellion und zum Statussymbol der Neuen Mitte). Erst vom Spiegel nur proklamiert, dann von Joachim BESSING in Form eines Hilferufs eingefordert, und vor kurzem von Tissy BRUNS u. a. mit Verweis auf single-generation.de als Faktum beschrieben, wird die Neocon-Familie nun von MATZIG unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Studien quasi als selbst erfüllende Prophezeiung festgeschrieben. Wir werden wohl nicht lange auf die nächste Runde in diesem Kampf der Lebensstile warten müssen. Als Gründe für das Aufkommen der jungen Neocons nennt MATZIG zum einen die ökonomische Situation und zum anderen das Generationenspiel, in dem der Jugend nichts anderes als Distinktionsmöglichkeit übrig bleibt als das Spießertum des Neocons:

    "Wenn die Alten jung sind, mögen sich die Jungen zu Recht sagen, dann müssen wir eben alt sein. Gegen die behauptete Jugendlichkeit und künstliche Unkonventionalität helfen als einzig verbliebene Distinktionsmöglichkeit nur die behauptete Konventionalität und die künstliche Alterung."

    Claudius SEIDLs Buch schöne junge welt, das gerade erschienen ist, gilt MATZIG als Beweis für das Vorhandensein von orientierungslosen 30- bis 50-Jährigen in einer entgrenzten All-Age-Gesellschaft. Mit dem von MATZIG erwähnten Bauspar-Spot und der Wandlung des Kampfbegriffs "Spießer" beschäftigt sich BRÖCKERS auf Telepolis.

    "SZ-Serie "Frauen und Männer: Neueste Ermittlungen im Krisengebiet"

    MATZIG, Gerhard (2005): Punkt, Ende. Haus.
    Auf dem Job-Gipfel: Weg mit der Eigenheimzulage,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 17.03.

    MATZIG, Gerhard (2005): Eltern gegen Kinderlose.
    Der große Graben (6).Der Krieg der Köpfe: Norm und Normalität
    Familienmenschen und Singles, Kinderlose und Kinderhabende: Auch abseits der Fragen zu Kleinkindbetreuung und Rentensicherung gehört der Streit um das Thema Kinder zu den jämmerlichsten Fehlleistungen der Gesellschaft,

    in: Süddeutsche Zeitung v. 02.09.

    Gerhard MATZIG liefert einen Frontbericht der besonderen Art. Es hätte gute Ansätze gegeben. Endlich hätte das sozialpopulistische Konstrukt "Single-Gesellschaft" grundlegend hinterfragt werden können. Aber so mutig ist MATZIG nicht!

    "Das negativ besetzte, übrigens völlig unscharfe Wort »Singlegesellschaft« ist genau wie der negativ besetzte Begriff »Rabenmutter« eine deutsche Schöpfung",

    erklärt uns MATZIG.  Dies ist falsch! Lange bevor Ulrich BECK den Begriff "Single-Gesellschaft" in die deutsche Debatte einführte, erschien in der US-amerikanischen Newsweek ein Bericht über die Single-Gesellschaft ("singles-oriented society", 16.07.1973). Richtig ist dagegen, dass nirgendwo ein derart verbissener, geradezu eschatologischer Kampf von Elternlobbyisten gegen Kinderlose geführt wird. Für die Schweiz hat der Soziologe François HÖPFLINGER schon vor Jahren festgestellt, dass dieser Kulturgraben zwischen der deutsch- und französisch-/italienischsprachigen Schweiz - also entlang der Sprachgrenzen - verläuft. Es wäre also völlig falsch, anzunehmen, dass die jetzige Situation neuartig - gerne auch von den 68ern verursacht - sei. Die Wurzeln dieses Kulturkampfes müssen wahrscheinlich in der Weimarer Republik, oder noch früher gesucht werden. MATZIG rollt nochmals die Medien-Story um Paul KIRCHHOFs Kinderglück auf. Auch die Stern-Titelgeschichte über das Land ohne Kinder fehlt nicht (NIEJAHRs ZEIT-Porträt über Doris SCHRÖDER-KÖPF war wohl zu aktuell) fehlt nicht. Selbst der Sommerloch-Weltwoche-Artikel Kinderwahnsinn über selbstgefällige Eltern (übrigens keine deutsche, sondern ein britische Erfindung. Dort läuft diese "smuged parents"-Debatte schon länger). Das ist höchstens für die schlecht informierte SZ-Leserschaft interessant, für single-generation.de-Leser ist das alles schon bekannt. Dass MATZIG ein bisschen über den Bestseller von Frank SCHIRRMACHER nörgelt (Pseudo-Abgrenzung!), Susanne MAYERs Kinderland-Buch heraushebt, dies führt dann direkt zu der Mainstream-Meinung von MATZIG:

    "Schon in wenigen Jahren werden wir also ein gigantisches Seniorenstift bewohnen, in dem Kinder aufgrund ihrer Exotik entweder beschützt oder bedroht sein werden."

    Dagegen kein Wort darüber, dass Eltern in den mittleren Lebensjahren die absolute Mehrheit (enger Familienhaushaltsbegriff), sogar die Zwei-Drittel-Mehrheit (weiter haushaltsübergreifender Familienbegriff) stellen. Kein Wort darüber, dass Familie die statistische Norm ist, d.h. Normalität und Normativität auf Seiten der Eltern ist. Die Single-Gesellschaft ist ein Produkt der herrschenden Single-Lüge.
              
    Darüber kann auch MATZIGs "Touran"-Werbungsbeispiel nicht hinwegtäuschen. Das hysterische Reden über die kinderlose Gesellschaft ist Ausdruck des neuen Familienfundamentalismus. Der Soziologe Karl Otto HONDRICH spricht hier von der "demografischen  Gefahrenbeschwörungsgemeinschaft". Ach ja, MATZIG ist hinsichtlich der Akademikerinnen-Kinderlosigkeit reichlich desinformiert, denn er braucht auch noch einen politisch korrekten Skandal:

    "42 Prozent der deutschen Frauen mit Hochschulausbildung haben keine Kinder. In Schweden sind es acht Prozent. Das ist der eigentliche Skandal."

    Der eigentliche Skandal ist, dass dies in einer angeblichen Qualitätszeitung steht.

    MATZIG, Gerhard (2006): Wo bleibt die Renaissance der Stadt?
    Der Exodus der Familien dauert an, denn in den Zentren gibt es nach wie vor zu wenige kinderfreundliche und bezahlbare Wohnungen,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 15.09.

    MATZIG, Gerhard (2006): Das Individuum schlägt zurück.
    Selbstverwirklichung im Städtebau: Die "Townhouses" in Berlin-Mitte beantworten die Frage nach der Zukunft der Stadt so radikal wie selbstverliebt,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 23.09.

    Das Thema Family-Gentrifizierung, das single-generation.de bereits im März 2002 als neuen Trend beschrieben hat, ist nun auch im Feuilleton angekommen. Gerhard MATZIG schreibt über die Berliner Stadthäuser, die Ausdruck einer Renaissance der Stadt sind:

    "Weil (...) Suburbia »das Personal ausgeht« (Hartmut Häußermann), vor allem die Frauen nämlich, die ihre Zeit nicht länger als Taxidienstleister der Kinder vergeuden wollen, weil der Pendelterror der Feinstaubfreunde unbezahlbar wird, weil eine überalterte Gesellschaft aus den verwaisten Vorstadtghettos wieder zurück in die Zentren drängt - und weil sogar immer mehr Familien in die Stadt der kurzen, flexiblen, leichter zu organisierenden Wege ziehen wollen: deshalb steht der Stadt als Wohn- und Arbeitsort tatsächlich eine auch geistig gemeinte Renaissance bevor."

    MATZIG, Gerhard (2006): Eine schwarze Messe zu Ehren Volozifers.
    Was bleibt vom Geschwindigkeitsrausch der modernen Ästhetik, wenn uns die Kraftstoffe ausgehen?
    in: Süddeutsche Zeitung v. 11.12.

    Die neubürgerlichen Eliten sind es leid, dass die Massen ihnen die Straßen verstopfen. Im Wegfall der Pendlerpauschale, der Einführung einer Citymaut und einer Verteuerung von Kraftstoffen sieht Gerhard MATZIG im heutigen SZ-Thema die schwarz-grüne Lösung des Ärgernisses:

    "Es wird wieder Bewegliche und Unbewegliche geben. Wenige reiche Mobile und viele arme Immobile. Der Grenzübertritt wird - wie zu Zeiten der Stadttore und Zollstationen - eine Frage des Preises sein. Es wird Reisebeschränkungen geben, als lebte man hinter den Mauern einer gigantischen DDR."

    MATZIG, Gerhard (2007): Stolze Eltern.
    SZ-Serie Projekt Familie (Teil 5): Klingelschilder als Mission,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 27.03.

    MATZIG, Gerhard (2007): Ich mache was mit Medien.
    Eine neue Gesellschaftsklasse, die "digitale Bohème", will das Erbe von Kunst, Kultur und Intellekt antreten - aber die "Kreativen" verwechseln Geist und Ökonomie,
    in: Süddeutsche
    Zeitung v. 27.08.

    "Es ist (...) folgerichtig, dass der soeben zu Ende gegangene Hauptstadtkongress zur Zukunft der »digitalen Bohème« mit dem ironischen Titel: »9 to 5 - Wir nennen es Arbeit« versehen war. Denn nichts ist so arbeitsintensiv wie das Branding einer neuen Klasse. Nichts ist so schwer herzustellen wie der Eindruck des Leichten", lästert MATZIG.

    MATZIG, Gerhard (2008): Kinder zuerst! Mütter zuerst!
    Krippen-Krieg: Eine Abrechnung und eine Friedensinitiative,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 22.02.

    Gerhard MATZIG sieht im Buch Mütterkriege von Christine BRINCK eine Friedensinitiative und im Buch Dein Kind will dich von Christa MÜLLER eine Abrechnung.

    MATZIG, Gerhard (2008): Reiche Stadt, armes Land.
    Der "Neue Urbanismus" dient der Exklusionsgesellschaft,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 17.06.

    Gerhard MATZIG beklagt, dass der "neue Urbanismus" in Städten wie München, Berlin, Stuttgart und Dresden nur noch von den einkommensstarken Eliten bezahlt werden kann.

    MATZIG, Gerhard (2009): Am Start.
    Vier Jahre lang Grundschule im staatlich apokalyptischen Bildungssystem, vier Jahre Zittern und Bangen und Hoffen: eine Bilanz,
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 16.05.

    MATZIG, Gerhard (2010): Wer reinkommt, ist drin.
    "Urbanität" ist etwas, das fast jeder will in Deutschland - aber kaum jemand hält sie aus. Deshalb wird gegen die Zumutungen der Städte wie nie zuvor protestiert,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 11.12.

    MATZIG, Gerhard (2011): Schluss mit dem Gemaule!
    Seit einem Jahr beherrscht der
    "Wutbürger" die öffentliche Debatte. Viele feiern ihn als vorbildlichen Demokraten – dabei ist er einfach nur ein jämmerlicher Egoist,
    in: SZ-Magazin Nr.40 v. 07.10.

    MATZIG, Gerhard (2011): Der große Stillstand.
    In Deutschland regiert seit kurzem ein neuer politischer Typus: der Wutbürger. In Stuttgart 21 hat er einen Gegenstand gefunden, der allen seinen Vorurteilen entspricht. Aber die Faszination fürs Protest-Event ist längst nicht mehr auf eine Stadt beschränkt,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 08.10.

    SZ-Wochenende-Spezial: Grenzen des Wachstums - 7 Milliarden

    MATZIG, Gerhard (2011): Sorry, kann ich mal durch?
    Megacitys - Alles wird größer: die Stadt, die Dichte und leider auch der Stress. Vom Leben mit "Gedrängefaktor",
    in: Süddeutsche Zeitung v. 29.10.

    MATZIG, Gerhard (2012): 2,33.
    Wahnsinn "Übertritt": Wer schafft es auf das Gymnasium? Viertklässler werden derzeit irre, Eltern hysterisch und Lehrer laut,
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 31.03.

    Ist Optionsvielfalt unser Problem oder doch eher Optionsverengung? Liest man Gerhard MATZIGs Artikel, dann lautet die Antwort ganz klar: Wir leben im Zeitalter der Optionsverengung. Für Akademikereltern heißt das: das eigene Kind muss aufs Gymnasium. Und je weniger aus anderen Schichten, desto besser. Egal ob wie in Bayern nur der Notendurchschnitt zählt oder in anderen Bundesländern gar das Elternrecht die Situation gar verschärft: Nicht-Akademikerkinder haben schlechte Karten:

    "Es gibt Studien, die (...) zum Schluss kommen, dass die sozhiale Ungerechtigkeit steigt, wenn man beim Übertritt den Eltern die Macht gibt: (...) aber davon profitieren vor allem abstiegsverängstigte Bildungsbürger."

    Zwei grundverschiedene Elterntypen will MATZIG ausgemacht haben:

    "jene Eltern, die ihr Kind, das sie als Projekt betrachten, überbehüten, die akribisch die Schulkarriere planen und statt Vater oder Mutter nur der Coach zum Übertritt sind; und jene, die gar nicht wissen, wo genau die Schule ist, die ihr Kind besucht."

    Dies ist sicherlich übertrieben und selber Teil der hysterischen Bildungsdebatte, in der Akademiker unter sich sind.

    "Wir sind es, die Angst haben - vor dem Abstieg, vor dem Versagen, vor dem Leben. Unsere Kinder büßen dafür."

    Das ist nur zum Teil wahr: weniger die Akademikerkinder büßen dies als jene, denen qua Herkunft à la SARRAZIN jegliche Zukunftschance von vornherein verwehrt wird.

    Neu:
    MATZIG, Gerhard (2013): Die Nesthocker.
    Die Tage werden kürzer, das Leben wird kälter. Jetzt schlägt die Stunde der Homies. Sie sehnen sich nach der perfekten Einrichtung. Über die Einsamkeit der Designhöhlenbewohner,
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 26.10.

    Der Begriff "Nesthocker" wird von Gerhard MATZIG nur im übertragenen Sinne, d.h. als Synonym für "Cocooning" verwendet:

    "Vom Trend zum Cocooning (...) profitieren Möbelhäuser, Inneneinrichter oder Ambiente-Produzenten schon lange",

    vermeldet MATZIG, der sich dank Cocooning nichts Neues einfallen lassen muss. Auch das Neo-Biedermeier wird in guter alter 68er-Manier ständig neu ausgerufen. Bereits 1991 schrieb Matthias HORX, der Pate aller deutschen Trendberichterstatter à la MATZIG, in seinem Wörterbuch der 90er Jahre:

    "In den nächsten Jahren erwartet uns auf breiter Front die Rückkehr des Gartenzwerges. 16 Millionen DDR-Bürger werden schaffen, was die Allianz aus Bayernkurier und Bild seit 1968 nicht vermochte: die Renaissance der alten, spießigen Wirtschaftswunder-Werte.
    Biedermeier also."

    Wohnen ist schon immer das große Ding, nur müssen Interpreten es immer mal wieder dem jeweiligen Zeitgeist anpassen:

    "Wohnen ist das große Ding, schon weil man sich vom großen Unterwegssein erholen will. Die Immobilie, das Unbewegliche, das ist eine mögliche Antwort auf eine Gesellschaft, die unter ständiger Mobilität leidet."

    Mobilitätszwang wurde bis zur Jobkrise der Generation Golf bzw. bis zur Agenda 2010 als Wahlfreiheit gepriesen. Erst als unsere journalistische Elite abserviert wurde (bzw. dies lautstark befürchtete) bekam Mobilität einen negativen Beigeschmack.

    "Das perfekte Heim als Raum-Biografie ist das Ziel. Das gilt besonders für die in Deutschland wachsende Schicht der »modernen Performer«",

    weiß MATZIG, weil er den Spiegel liest. Wachsende Schicht klingt immer gut. Wachsende Schichten sind vor allem kleine Schichten, die neu entdeckt werden. Die können sich nämlich schnell verdoppeln. Besonders wenn sich zum ersten der zweite Schichtbewohner hinzugesellt.

    Und auch die Apokalypse darf in kulturpessimistischen Artikeln nie fehlen, und sei es der Weltuntergang zu zweit: "Zweisamkeit in splendid isolation". Popintellektuelle wie MATZIG garnieren das gerne mit Filmtiteln, weshalb Homies der "Rosenkrieg" droht, nachdem sie ihr perfektes Heim eingerichtet haben. Dabei weiß doch jeder Trottel: Das perfekte Heim kann es niemals geben, weil ständig neue Gimmicks auf den Markt kommen, weshalb wir im nächsten Herbst wieder von MATZIG hören werden, falls er nicht abserviert wird...

     
           
       

    Gerhard Matzig im Gespräch

     
       

    POSCHARDT, Ulf (2011): Nieder mit der Trillerpfeifendemokratie.
    Bestseller-Autor Gerhard Matzig bringt die Wutbürger gegen sich auf - weil er sie irgendwo zwischen Wellness, Wahnsinn und Wohlleben verortet,
    in: Welt am Sonntag v. 16.10.

    Gerhard MATZIG sieht im Phänomen des "Wutbürgers" den Ausdruck für eine "zunehmend überalterte Gesellschaft, in der die Rechte und die Mittel der Jüngeren immer mehr in den Hintergrund treten". Damit bekommt der Begriff eine fragwürdige Bedeutung. Wut wird zum Synonym für Fortschrittsfeindlichkeit und Besitzstandwahrung. Statt um die Sache, geht es um den Versuch jegliche andere Meinung in eine bestimmte Ecke zu stellen. Sie sind alt? Dann sind Sie gegen die Interessen der Jugend und gegen Fortschritt! MATZIG stellt sich damit auf die gleiche Ebene wie diejenigen, die er bekämpft.

    "Am Anfang Ihres Buches stand eine Abrechnung mit dem Wutbürger in der Zeitung, für die Sie dann eine Flut von Leserbriefen bekamen: fast ausschließlich negative. Was hat Sie daran motiviert?"

    MATZIG schrieb erst im März dieses Jahres über den Wutbürger. Das Buch ist also entweder ein unausgegorener Schnellschuss oder der neue Konsens-Begriff der Medienelite (ein funktionales Äquivalent zum inzwischen abgenutzten Begriff "Gutmensch") wurde im Nachhinein für die eigene Argumentation genutzt, um sie so gegen Kritik zu immunisieren. Beides sollte zu denken geben.

     
           
       

    Einfach nur dagegen (2011).
    Wie wir unseren Kindern die Zukunft verbauen
    München: Goldmann Verlag

     
       
         
     

    Klappentext

    "Stuttgart 21, Olympia 2018: nein, danke Warum sind wir gegen alles?

    Die Atomkatastrophe in Japan hat gezeigt, welch desaströse Kehrseite moderne Technologien haben können und dass wir die Zukunft unserer Kinder damit aufs Spiel setzen. Dennoch tun wir dies auf ebensolche Weise, wenn wir uns dem Wandel dauerhaft verweigern. Und Bedenken haben derzeit Konjunktur, Wutbürger wurde zum Wort des Jahres . Der Protest gegen die Münchner Olympiabewerbung und die Revolte gegen den neuen Bahnhof in Stuttgart sind nur die jüngsten Beispiele für ein Phänomen, das in Deutschland um sich greift: das Dagegen-Sein. Die Zukunftslust ist uns offenbar vergangen. Fortschritt ist mittlerweile ein Wort, das Allergien auslöst, Technik ein Feindbild. Aber warum dieser Wille zum Stillstand, warum stehen Visionen und Utopien heute in solch schlechtem Ruf? Warum glauben wir, Werte wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz nur dann in unser Handeln integrieren zu können, wenn wir gleichzeitig den Rückwärtsgang indie Vergangenheit einlegen? Gerhard Matzig porträtiert eine neobiedermeierlich gestimmte und überalterte Gesellschaft, in der Angst, Missmut und Besitzstandsdenken regieren. Er zeigt, wie der Egoismus der Wutbürger unseren Kindern die Zukunft verbaut, und entwirft Szenarien einer neuen Moderne in Politik, Wirtschaft und Technik für eine Welt, die uns einlädt, sie kreativ zu gestalten. Statt sie wütend zu bekämpfen."

     
         
     
           
       

    Rezensionen

    fehlen noch

     
           
       

    Paris (1997).
    Architektur der Gegenwart
    (zusammen mit Andrea Gleiniger und Sebastian Redecke)

    München: Prestel (vergriffen)

     
       
         
     

    Klappentext

    "Der gut ausgestattete Band von Prestel stellt die Großbauten der achtziger und neunziger Jahre vor. Eine Einleitung über die urbane Entwicklung der Stadt erläutert die historischen Voraussetzungen. (...). Bauten, die beschrieben werden, sind u.a. La Grande Arche in La Défense, der Parc de la Villette, Le Grand Louvre, American Center, Wohnhäuser in verschiedenen Bezirken. Zu jedem Bauwerk werden die Architekten vorgestellt, die Planungs- und Bauphasen erläutert und mit Skizzen veranschaulicht. Insgesamt stellt der Band 22 Bauten oder Stadtplanungen vor".

     
         
     
           
       

    Gerhard Matzig in der Debatte

    BRÖCKERS, Mathias (2005): Du Papa - wenn ich groß bin, will ich auch mal Spießer werden!"
    Anmerkungen zur Wandlung eines alten Kampfbegriffs,
    in: Telepolis  v. 04.03.

     
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 05. März 2005
    Update: 24. Mai 2015