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Gisela Staupe: Die Pille

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1954 geboren
      Studium der Geschichte und Kunst
      geschichte
    • 1996 Mitherausgeberin "Die Pille"
 
       
   

Gisela Staupe in ihrer eigenen Schreibe

 
   

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Gisela Staupe im Gespräch

 
   

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Die Pille (1996).
Von der Lust und von der Liebe
(herausgegeben zusammen mit Lisa Vieth)
Berlin: Rowohlt Verlag (vergriffen)

 
   
     
 

Klappentext

"35 Jahre Polle - Die Erfolgsgeschichte des Verhütungsmittels, das zum Symbol der sexuellen Befreiung wurde

Als das Berliner Pharmaunternehmen Schering sie 1961 auf den Markt brachte, war vom Untergang der Moral die Rede, vom Verfall der abendländischen Sitten, und düstere Bilder allgemeiner Promiskuität wurden heraufbeschworen. Die Pille, damals noch »Antibabypille«, stellte in der prüden deutschen Nachkriegsgesellschaft, in der der sexuelle Umgang Unverheirateter noch als »Unzucht« galt, eine Revolution dar. Sie nahm den Frauen die Angst vor ungewollter Schwangerschaft, und sie veränderte entscheidend das Verhältnis der Geschlechter zueinander. Sie provozierte zum ersten Mal öffentliche Debatten über Sexualität und führte zu neuen Formen des Zusammenlebens. Die neue Lust, propagiert von Aufklärungspäpsten wie Oswalt Kolle - »Dein Mann, das unbekannte Wesen« -, wurde unverzichtbarer Motor der Befreiung von den Fesseln der »autoritären Gesellschaft«."

Zitat:

Die Pille in den USA und in der BRD Anfang der 1960er Jahre

"Die erste Pille für die Bundesrepublik, das Präparat »Anovlar« von Schering, kam am 1. Juni 1961 in den Handel; die erste Pille überhaupt in den USA im Jahr 1960, nachdem Dr. Gregory Pincus, Hormonbiologe, und Dr. John Rock, Gynäkologe, fünf Jahre lang erfolgreich die Wirkungen der Pille an knapp 700 puertoricanischen Frauen ausprobiert hatten; gut gewählt, diese Versuchsobjekte: Amerika fürchtete die ungehinderte unendliche Masseneinwanderung aus seinem jungen Bundesstaat Puerto Rico. Die Pille erschien als möglicher Damm. Ihre Zulassung wurde befördert von den Diskussionen über Geburtenkontrollen vor allem in jenen Ländern, die Amerika unentwegt mit farbigen und/oder lateinischen Körpern zu überschwemmen drohen, besonders Mexiko, die Karibik und der südamerikanische Kontinent.
In Deutschland dominiert in Zeitungen und Zeitschriften der frühen Sechziger deutlich der Versuch, die Diskussion um die Pille streng »seriös« zu halten, in der Kontrolle von Amts- und Würdenträgern universitärer oder kirchlicher Art. Alleiniger Diskussionsrahmen ist die legalisierte Ehesexualität. Ärzte, Kirchenleute, Soziologen, Politiker treten vor als sorgende Experten gesellschaftlich wünschenswerter Familienplanung: Die Pille wird befürwortet für Frauen, die mehr Kinder haben, als sie ernähren können, für Frauen, die zu krank und zu schwach für weitere Geburten, für Frauen, die körperlich oder sozial unfähig sind, die Kinder zu erhalten. »Soziale Indikation« heißt das später.
Dazu kommt regelmäßig der Hinweis auf die illegalen Abtreibungen; die Schätzungen schwanken zwischen 750000 und 1,5 Millionen pro Jahr. Mit der Pille gibt es Hoffnung auf die Eindämmung der Engelmacherei. Auf dieser Linie äußern auch katholische Publizisten Zustimmung. Das kategorische »Nein« des Papstes zur Pille ist noch nicht ergangen, die biochemische Verhütung noch nicht als »Die Todsünde im Ehebett« definiert.
Von jungen unverheirateten Frauen, die die Pille aus sexuellen Gründen nehmen könnten, zur Erhöhung der Lust und zur Verminderung der Angst beim Liebesakt, wird entweder gar nicht gesprochen, oder sie werden als Gefahr beschworen".
(Klaus Theweleit, 1996, S.27f.)

 
     
 
       
   

Die Beiträge des Sammelbandes

ROTH, Martin & Klaus VOGEL - Vorwort
STAUPE, Gisela & Lisa VIETH - Einführung

I. Teil

THEWELEIT, Klaus - What did we do to our song, girl...(boy). Zu Pillen, zur Pille und zu einigen Schicksalen des Sexuellen in Deutschland von 1960 bis heute
SICHTERMANN, Barbara - Die Frauenbewegung und die Pille
DUDEN, Barbara - Von "der" Pille und unserem "Zustand"
PFÜRTNER, Stephan H. - Kirche und Kontrazeption

II. Teil

MÜLLER-LANDGRAF, Ingrid - Von der Verhütung mit Granat- und Gallapfel zur hormonalen Kontrazeption
KÖSTERING, Susanne - "Etwas Besseres als das Kondom". Ludwig Haberlandt und die Idee der Pille
SIEG, Sabine - "Anovlar" - die erste europäische Pille. Zur Geschichte des Medikaments
SCHWARZ, Gislinde - Von der Antibaby- zur Wunschkindpille und zurück. Kontrazeptiva in der DDR

III. Teil

BÖHME, Irene - Frei von dieser Angst. Über die Pille in der DDR
GOETTLE, Gabriele - Sie waren weiß, grün oder rosa... Frauen erinnern sich
STAUPE, Gisela & Lisa VIETH - "Man gibt mir zu sehr recht. Wir liegen nicht mehr gut." Ein Gespräch mit Oswalt Kolle
HELFFERICH, Cornelia - Mehr als nur eine Pille. Zur subjektiven Bedeutung der Pille für Mädchen und junge Frauen

 
   

Die Pille in der Debatte

OESTREICH, Heide (2001) Andere Umstände. Mehr nicht.
Die Pille erlöste die Frauen von der Angst vor ungewollter Schwangerschaft. Immerhin. Doch zur Garantin für lustvollen Sex wurde sie nicht,
in: TAZ v. 31.05.

GAUS, Bettina (2001) Ängste sind nie altmodisch.
Unsere Mütter warnte man vor der Schande, uns vor der "Verfügbarkeit". Wir warnen unsere Töchter heute vor Aids,
in: TAZ v. 31.05.

KOCH, Hannes (2001) Dezent an die Weltspitze.
Am Anfang traute sich Schering nicht, die Pille in Deutschland zu verkaufen. Man probierte sie erst mal in Australien aus,
in: TAZ v. 31.05.

BLUMENTHAL, Anna (2001) Von Pillen und Prinzessinnen.
Wie man als Mädchen die sexuelle Befreiung für sich zu nutzen versuchte - und dabei einiges über Sex und Lügen lernen konnte,
in: TAZ v. 31.05.

KUNZ, André (2001) Vorurteile überleben lange.
34 Jahre kämpften japanische Frauen gegen immer neue Vorurteile für die Bewilligung der Antibabypille. Seit zwei Jahren ist sie auf dem Markt und wird kaum genutzt,
in: TAZ v. 31.05.

BERNDT, Christina (2001): Revolution in Tablettenform.
Vor 40 Jahren kam in Deutschland die Anti-Baby-Pille auf den Markt,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 01.06.

JÄHNER, Harald (2001): Das Glück schien machbar.
Heute vor vierzig Jahren wurde die Anti-Baby-Pille erstmals in der Bundesrepublik verkauft,
in: Berliner Zeitung v. 01.06.

"In Westdeutschland fiel trotz steigender sexueller Aktivität die Geburtenrate zwischen 1964 und 1978 um 46 Prozent. Nach dem statistischen Pillenknick, zeitlich identisch mit der so genannten sexuellen Revolution, stieg die Geburtenrate wieder kontinuierlich an."

Harald JÄHNER meint offensichtlich nicht die GeburtenRATE, sondern die GeburtenZAHLEN. Die GeburtenRATE hatte ihr Minimum Mitte der 1980er Jahre erreicht.

EHRENSTEIN, Claudia (2001): Frauen werden immer später zu Müttern.
40 Jahre Antibabypille - Auch die Gene bestimmen Zeitpunkt des Kinderwunsches,
in: Welt v. 01.06.

Im Gegensatz zu Harald JÄHNER vermeidet Claudia EHRENSTEIN den Eindruck einer Wende in der Geburtenentwicklung:

"Die Pille ermöglichte es den Frauen erstmals, Zeitpunkt der ersten Geburt und Zahl der Kinder mit großer Zuverlässigkeit selbst zu bestimmen (...). Tatsächlich zeichnete sich Mitte der sechziger Jahre ein deutlicher Geburtenrückgang ab, der mit Sicherheit auch auf die Einführung der Pille zurückzuführen ist. Zwischen 1963 und 1978 sank in Deutschland die durchschnittliche Zahl der Kinder pro Frau von 2,5 auf 1,4".

EHRENSTEIN nimmt den Gipfelpunkt des Baby-Booms, also einer historischen Ausnahmesituation, um den Eindruck der Normalität zu vermitteln. Danach wechselt sie geschickt das Thema von der Kinderzahl pro Frau auf das Durchschnittsalter der Erstgebärenden. Dadurch kann sie den Eindruck erwecken, dass es 1978 keine Wende bei der Geburtenentwicklung gab.
Danach lässt sie einen Professor zu Wort kommen, der an ihre Argumentation des "sinkenden Sinkens" anknüpft:

"Der Anteil der Frauen, die kinderlos bleiben, nimmt ständig zu, schreibt Professor Johannes Dietl von der Universität Würzburg im 'Deutschen Ärzteblatt'. Nur jede zehnte der Frauen, die zwischen 1930 und 1950 geboren wurden, hatte keine Kinder, und das oft unfreiwillig. Heute, so Dietl, werde dagegen auch freiwillig auf ein Kind verzichtet. Von den Frauen, die nach 1965 geboren wurden, dürfte jede dritte kinderlos bleiben."

So etwas nennt man Dramatisierung des Geburtenrückgangs!

FETSCHER, Caroline (2001): Sexual Healing.
Die Pille wird 40: Über die Pille und ihr Ende durch Aids,
in: Tagesspiegel v. 03.06.

SCHAYANI, Isabel (2001): Mädchen, schon mal was von der Pille gehört?
Ich bekomme ein drittes Kind - und von meinen Kollegen und Kolleginnen jede Menge Ratschläge. Ein Erfahrungsbericht,
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.06.

BLECH, Jörg & Gerald TRAUFETTER (2002): "Laborbabys werden mehr geliebt".
Der Chemiker und Schriftsteller Carl Djerassi über den Erfolg der Anti-Baby-Pille, die Trennung von Sex und Fortpflanzung und die Zukunft des Kinderkriegens,
in: Spiegel Nr.4 v. 21.01.

TIME-Titelgeschichte: The 50th Anniversary of The Pill.
S
o small. So powerful. And so misunderstood

GIBBS, Nancy (2010): The Pill at 50: Sex, Freedom and Paradox.
There's no such thing as the Car or the Shoe or the Laundry Soap. But everyone knows the Pill, whose FDA approval 50 years ago rearranged the furniture of human relations in ways that we've argued about ever since,
in: Time v. 03.05.

SZ-Thema: Die Macht der Pille

ROLL, Evelyn (2010): Das Ende der Sünde.
Wie die Pille die deutsche Gesellschaft, vor allem aber das Sexualleben im Lande veränderte,
in: Süddeutsche Zeitung v. 08.05.

KOLB, Ulrike (2010): Der Natur erfolgreich ins Handwerk gepfuscht.
Mehr als eine Befreiung: Die Pille hat unser Leben von Grund auf verändert. Das zeigt auch eine Studie zu ihrem 50. Geburtstag,
in: Frankfurter Rundschau v. 25.06.

HÜBNER, Katja (2010): Bis zur Brust und nicht weiter.
Ursula Kriese, 60, Berlin-Prenzlauer Berg,
in: Magazin der Berliner Zeitung v.
14.08.

POSENER, Alan (2010): Die unbesungene Revolution.
Auch fünfzig Jahre nach der Erfindung der Anti-Baby-Pille schweigt die Popkultur,
in: Welt v.
18.08.

 
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 15. August 2014
Update: 17. Januar 2016