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Heinz Bude: Gesellschaft der Angst

 
       
     
       
   
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    Heinz Bude in seiner eigenen Schreibe

     
       

    BUDE, Heinz (2014): Generation Null Fehler.
    Die Vierzigjährigen von heute scheuen jedes Risiko. Damit verspielen sie die Zukunft,
    in:
    Die ZEIT Nr.37 v. 04.09.

    Der Soziologe Heinz BUDE bastelt sich wieder einmal eine neue Generation:

    "Der Ansatzpunkt für ein Generationenprofil ist der demografische Befund, dass die zwischen 1970 und 1980 Geborenen die erste Generation nach den Babyboomern darstellen. Nach 1964 gehen die Geburtenraten in Deutschland (...) unaufhaltsam zurück. Das ist deshalb von Belang, weil sich diese Kinder nach dem Nachkriegsboom von Anfang umhegt und umworben fühlen konnten. Die zwischen 1945 und 1955 geborenen Eltern (...) wollten auch in der Erziehung »mehr Demokratie wagen«."

    Als 1954 Geborener gehört BUDE zu dieser wohlhabendsten Elterngeneration der Bonner Republik, die von der Bildungsexpansion und dem Ausbau des Sozialstaats profitierte und damit zu den Eltern dieser Kindergeneration. Im Grunde liest sich das Porträt als Projektion der Ängste der Generation Heinz Bude auf die Kindergeneration:

    "Virtuosen des richtigen Augeblicks, in dem sich entscheidet, was bloßer Wahn und was eine praktikable Variante ist. Dann muss man natürlich zuschlagen, sonst gehört zu den Düpierten und Aussortierten, die zu früh oder die zu spät waren."

    Wer wie BUDE im roten Jahrzehnt der 1970er Jahre herumgeirrt ist, dem erscheinen Virtuosen des richtigen Augenblicks als die Inkarnation, derjenigen, die scheinbar nur diese Lehre aus einem solchen Schicksal gezogen haben können. Entscheidungstheoretisch gibt es jedoch kein Offenhalten von Möglichkeiten, denn auch das Offenhalten von Möglichkeiten ist eine Entscheidung, die falsch oder richtig ist. Nur stellt sich das erst im Nachhinein heraus.

    Das neue Buch von Heinz BUDE könnte also genauso gut Brief an meinen Sohn/meine Tochter heißen. Und es legt eher die Ängste des Vaters als die der Kinder offen.

    BUDE, Heinz (2014): Das Unbehagen in der bürgerlichen Mitte,
    in:
    Aus Politik und Zeitgeschichte Nr.49 v. 01.12.

     
           
       

    Heinz Bude im Gespräch

     
       

    BISKY, Jens (2014): Das Gefühl, im Grunde im Nichts zu stehen.
    Heinz Bude, der subtile Chronist und Analytiker der modernen Gesellschaft, hat ein neues Buch geschrieben: "Gesellschaft der Angst". Es ist eine Gesellschaft, die keine Mitte mehr kennt. Ein Gespräch über Panik und Emotionsmacht, über Zurückweichen, Abwarten und Wegdenken,
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 29.09.

    BUß, Christian (2014): Die 40-Jährigen: "Sklaven der Work-Life-Balance".
    Sie stecken fest zwischen Selbstoptimierung und Selbstausbeutung: Soziologe Heinz Bude erklärt, wie sich die Generation der 40-Jährigen aus Angst vor Fehlern selbst lähmt,
    in:
    Spiegel Online v. 06.10.

    Neu:
    KOTTE, Hans-Herman (2014): Die bedrohlichen Anderen.
    Trotz unseres Wohlstands sind wir voller Ängste. Zum Beispiel davor, im Berufs- und Liebesleben abgehängt zu werden – oder auch im Internet zu wenig Zustimmung zu bekommen. Der Soziologe Heinz Bude liefert uns noch ein paar weitere spannende Erkenntnisse,
    in:
    fluter online v. 15.12.

     
           
       

    Gesellschaft der Angst (2014)
    Hamburg: Hamburger Edition

     
       
         
     

    Klappentext

    "Angst kennzeichnet eine Zeit, in der in Europa Populisten von rechts im Anmarsch sind, in der sich unter ganz normalen Leuten Erschöpfungsdepressionen ausbreiten und in der der Kapitalismus von allen als Krisenzusammenhang erlebt wird. Angst ist der Ausdruck für einen Gesellschaftszustand mit schwankendem Boden. Die Mehrheitsklasse, die nach wie vor zur Wahl geht, die Biokost bevorzugt und deren Kinder das Gymnasium besuchen, fühlt sich in ihrem sozialen Status bedroht und im Blick auf ihre Zukunft gefährdet. Man ist von dem Empfinden beherrscht, in eine Welt geworfen zu sein, die einem nicht mehr gehört. Am Leitfaden des Erfahrungsbegriffs der Angst erfasst Heinz Bude eine Gesellschaft der verstörenden Ungewissheit, der runtergeschluckten Wut und der stillen Verbitterung. Das betrifft die Intimbeziehungen genauso wie die Arbeitswelt, das Verhältnis zu den politischen Angeboten ebenso wie die Haltung zur Finanzdienstleistung. Börsenkrisen, unübersichtliche Datenströme, Datenspeicherung, diese Begriffe machen Angst, und dennoch surfen wir weiter im WWW und steigen in die Achterbahn der Finanzmärkte, wenn sich die Möglichkeit einer Geldvermehrung bietet. Es handelt sich weniger um die Angst vor einem "großen Anderen", es ist die Angst vor den eigenen, schier unendlich wirkenden Möglichkeiten, zu denen wir uns verleiten lassen. Das Angstbild, das sich nach den Funktions- und Legitimationskrisen des Kapitalismus und des Internets ausbreitet, ist das Bild von selbstregulativen Systemen, die auf den Reaktionen und Entscheidungen der beteiligten Individuen beruhen. Welchen gesellschaftlichen Entwicklungen sehen sich die Menschen ausgeliefert, wo fühlen sie sich verlassen, bevormundet oder übergangen? Wie kann unser Ich der Angst standhalten und in welchen Ritualen und Diskursen kann es sich mit anderen über die gemeinsamen Ängste verständigen?"

     
         
     
           
       
    • Rezensionen

    BISKY, Jens (2014): Das Gefühl, im Grunde im Nichts zu stehen.
    Heinz Bude, der subtile Chronist und Analytiker der modernen Gesellschaft, hat ein neues Buch geschrieben: "Gesellschaft der Angst". Es ist eine Gesellschaft, die keine Mitte mehr kennt. Ein Gespräch über Panik und Emotionsmacht, über Zurückweichen, Abwarten und Wegdenken,
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 29.09.

    WESTHOFF, Ulrike (2014): Angst als beständiger Begleiter.
    "Gesellschaft der Angst" heißt das neue Buch des renommierten Soziologen Heinz Bude. Die ebenso anregende wie informative Bestandsaufnahme unserer Ängste bleibt allerdings eine konkrete Idee, wie wir uns von ihnen befreien könnten, schuldig,
    in:
    DeutschlandRadio v. 27.10.

    WENZEL, Uwe Justus (2014): Spiegelkabinett der Ängste.
    Heinz Bude erkundet Seelenräume der Gegenwart,
    in:
    Neue Zürcher Zeitung v. 11.11.

    THOMAS, Christian (2014): Im Hamsterrad der Wirtschaft.
    Im Hamsterrad der Hochproduktivitäts-Ökonomie: Heinz Budes so eleganter wie unbehaglicher Essay "Gesellschaft der Angst". Der Autor verbindet in seinem bemerkenswerten Buch die coole Analyse mit der Empathie,
    in:
    Frankfurter Rundschau Online v. 10.12.

     
       

    Das Buch in der Debatte

    taz-Tagesthema: Familie 2014.
    Wir leben in einer Gesellschaft der Angst - und machen die Familie zum Bollwerk

    KEMPKENS, Sebastian & Stefan REINECKE (2014): Jetzt bloß keinen Fehler machen.
    Paradies: Nie war die Gesellschaft freier. Nie gab es mehr Möglichkeiten, sich selbst zu verwirklichen. Aber das macht viele Menschen nicht glücklich. Es verängstigt sie,
    in:
    TAZ v. 20.09.

    Du bist was Du liest! KEMPKENS & REINECKE haben die Thesen von Heinz BUDEs Buch Gesellschaft der Angst mit Namensschablonen und passenden Biographien illustriert. Die Geschichte beginnt mit Maria Roth, die dann mitten im Text Julia Roth genannt wird, weil Schablonen austauschbar sind und sich die Autoren im "Irrgarten der Möglichkeiten" eines Textes verirrt haben.

    "Manche Wissenschaftler und Journalisten stört, dass er sehr elastisch Diagnosen liefert, die in den Zeitgeist passen."

    Das ist fast der einzige kritische Satz zum neubürgerlichen Säulenheiligen der taz. Die andere mögliche Kritik lassen die Autoren BUDE gleich selbst verneinen:

    "Könnte es sein, dass Heinz Bude seine Nachbarschaft mit dem Rest der Republik verwechselt? Nein, sagt er."

    Nach den Beschreibungen der Autoren leben wir in einer Gesellschaft ohne äußere Zwänge ("Irrgarten der Möglichkeiten"), in der nur noch innere Zwänge existieren:

    "Aber etwas Besonderes aus sich zu machen, kann von einer Möglichkeit zu einem inneren Zwang werden".

    Es ist wohl eher die Selbststilisierung eines privilegierten Milieus. Eine elitäre Art der Selbstheiligsprechung, die Heinz BUDE und seine Jünger betreiben. Den Hintergrund der Erfolgsgesellschaft hat der Soziologe Sighard NECKEL bereits im letzten Jahrzehnt beschrieben. Erfolg ist nicht das Ergebnis von Leistung, zeigt NECKEL auf - ein Aspekt, der in dem Artikel von KEMPKENS & REINECKE ausgeblendet wird. Thesenschablonen haben eben mit der Wirklichkeit wenig zu tun. Und Irrtum ist höchstens das Problem, die falschen Bücher und Zeitungen zu lesen, die falschen Menschen zu kennen und den falschen Alltag zu haben. Unsere Elite ist - im Gegensatz zur Nicht-Elite - eine homogene Masse, hat Jürgen KAUBE deshalb in der FAZ geschrieben.

    Man könnte das Buch von BUDE und den Artikel von KEMPKENS & REINECKE aber auch als selbsterfüllende Prophezeiung lesen: In den 1980er Jahren wurde das Phantom der Single-Gesellschaft erfunden, ein Konstrukt, das einerseits der Phantasie von Nicht-Singles entsprungen ist und andererseits einem Ideal der radikalen Frauenbewegung der 1970er Jahre. 20 Jahre später wird dieses Phantom nun wieder beerdigt (nicht nur von Heinz BUDE):

    "»Dating«, sagt Bude, »ist die hysterische Form der Bewältigung der Angst, alleine zu bleiben.« Demnach sind Apps wie Tinder und sinkende Scheidungsraten zwei Seiten derselben Medaille."

    Man ist was man liest. Die Single-Gesellschaft gab es nie. Sie ist eine Lüge aus amtlicher Statistik, Projektionen von Nicht-Singles mit ihren Ängsten und Sehnsüchten und einer "Frauenbewegung", die eine Allianz mit dem Neoliberalismus eingegangen ist. Nur in diesem Sinne leben wir in einer Gesellschaft der Angst.

    Und wer wie BUDE als Sahnhäubchen auf dem Zeitgeist schwimmt, der muss muss keine Angst haben, den nächsten Zeitgeist zu verpassen. Oder mit Peter SLOTERDIJK gesprochen: er kann es sich auf den Schultern der Geistreichen alias Mr. Zeitgeist bequem machen.

     
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 04. Januar 2015
    Update: 15. Mai 2016