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Heribert Prantl: Kein schöner Land

 
       
     
       
   
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    Heribert Prantl in seiner eigenen Schreibe

     
       

    PRANTL, Heribert (2001): Deutsche Bevölkerung schrumpft dramatisch.
    Experten für radikale Erhöhung des Kindergeldes. Ex-Verfassungsrichter Kirchhof fordert Steigerung auf 1000 Mark. Studie plädiert für "energische Geburtenförderung",
    in: Süddeutsche Zeitung v. 17.04.

    PRANTL, Heribert (2002): Gefragt: Kleine Revolutionen von oben.
    Das war 2002: Das Wahljahr, das Chaos und seine politische Gestaltung,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 31.12.

    Heribert PRANTL sieht im Bereich Gesundheit und Renten Reformen anstehen, die im Bereich Arbeitsmarkt bereits angepackt worden sind.

    PRANTL, Heribert (2003): Warum die SPD verliert,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 04.03.

    Man reibt sich die Augen! Ein Leitartikel im Interesse des "kleinen Mannes" im neoliberalen Reformerblatt? Hatte doch Franz WALTER gerade in der Welt klargemacht:

    "Wenn in der deutschen Publizistik, fast von links bis rechts, die »Reform« der Gesellschaft angemahnt wird, dann wird dieser Begriff nahezu flächendeckend in einem bürgerlich-liberalen Sinne übersetzt. Bei den professionellen Kommunikationseliten hat ein genuin sozialdemokratischer Reform- und Staatsbegriff derzeit keine – jedenfalls keine positive – Resonanz mehr".

    "Die Wähler haben die Sprüche über Flexibilisierung satt", donnert Heribert PRANTL von der Leitartikler-Kanzel! Wer jetzt meint, die SZ hätte eine Kehrtwende gemacht, der lässt sich blenden. Im Zeitalter des politischen Neoliberalismus ist eine begriffspolitische Wende angesagt. Tobias DÜRR hat dies - orientiert an den dänischen Sozialdemokraten - auf die Formel gebracht: "Mut machen und nicht Angst, mitnehmen und nicht zurücklassen, einschließen und nicht ausgrenzen". Der Slogan "Sicherheit im Wandel" soll reaktiviert werden, denn:

    "Kündigungsschutz zu lockern ist notwendig - aber es ist sinnvoll und machbar nur in dem Maße, wie zugleich (etwa nach klugem dänischem Vorbild) hohe, die Existenz sichernde finanziellen Ersatzleistungen sowie intensive Vermittlungs- und zielgerichtete Fortbildungsangebote systematisch dafür sorgen, dass Betroffene mit weichen Übergängen und zügiger Rückkehr ins Erwerbsleben rechnen können.
                (...).
    Nicht von ungefähr verwenden die dänischen Sozialdemokraten den Satz »Keine Rechte ohne Pflichten« grundsätzlich nur zusammen mit dem Satz »Keine Pflichten ohne Rechte«".

    Natürlich ist das soziale Mäntelchen, das DÜRR hier ausbreitet schlecht gemachte Augenwischerei. Entscheidend ist etwas anderes:

    "nur wenn sie unterscheidbar sind, können sie erfolgreich sein. Nur wenn sie dem hegemonialen Mediendiskurs, der überall - durchschaubar interessengeleitet - nach »Abbau« und »De-Regulierung« schreit, ihren eigenen positiven Diskurs von intelligentem »Aufbau« und kluger »Re-Regulierung« entgegensetzen, werden sie auch die Sozialdemokratie erhalten".

    Damit hat DÜRR das Programm des politischen Neoliberalismus formuliert. Wenn selbst bei single-generation.de Neoliberale als Besitzstandswahrer bezeichnet werden (dass dies so ist, das wird von DÜRR mit seinem Artikel bestätigt), dann ist die Strategie des ökonomischen Neoliberalismus verbrannt! Die Ziele haben sich damit jedoch keineswegs geändert.

    PRANTL, Heribert (2003): Der Treppenwitz der SPD,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 15.03.

    Was für Norbert BLÜM ein Ärgernis ist, das wäre für PRANTL ein Fortschritt: Die Entkopplung von Sozialstaat und Arbeit.

    PRANTL, Heribert (2003): Sturmwarnung.
    Leitartikel,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 19.04.

    "Wer den Sozialstaat jetzt notschlachten lässt, um das Futter zu sparen, der beendet den inneren Frieden. Wer ihn aber einfach in dem maladen Zustand belässt, in dem er sich jetzt befindet, der gefährdet den inneren Frieden auch.
    (...).
    Es geht um nicht weniger als um die Zukunft der sozialen Demokratie in Zeiten gewaltiger Staatsverschuldung; und da trifft es sich nicht schlecht, dass derzeit die Sozialdemokraten an der Regierung sind",

    meint PRANTL, den die Angst vor Unruhen vor dem Sozialabbau warnen lässt:

    "Der Sozialstaat war eine Art persönlicher Schutzengel für jeden Einzelnen. Ihn heute verächtlich zu machen, ist nicht Ausdruck von cooler Selbstverantwortung, sondern von Überheblichkeit und Dummheit. Er kümmerte sich in dem Maße, in dem der Wohlstand im Lande wuchs, nicht nur um das blanke Überleben von Bürgern, sondern um ihre Lebensqualität. »Teilhabe« nannte man das in den siebziger Jahren. Ohne den Sozialstaat hätte es nicht nur einmal gekracht in dieser Republik; der Sozialstaat hat soziale Gegensätze entschärft. Ohne Sozialstaat könnte man heute nicht auf immer noch ziemlich hohem Niveau darüber klagen, dass es diesem Land schon einmal besser ging. Ohne den Sozialstaat hätte es wohl keine deutsche Einheit gegeben. Ohne die Einheit, die von den Sicherungssystemen finanziert wurde, wäre der Sozialstaat aber auch nicht so in Schwierigkeiten geraten. Bei der Reform des Sozialstaats geht es darum, seine Erfolgsgeschichte fortzusetzen. Er braucht neue Kraft, er braucht eine Therapie, eine Generalüberholung – Stärkung, nicht Abwicklung."

    PRANTL, Heribert (2004): Eheverträge - sittenwidrig?
    Spätere Zahlung doch nicht ausgeschlossen,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 11.02.

    "Wenn dieses Urteil heute bestätigt wird, geht im Familienrecht die Epoche endgültig zu Ende, in der die Macht des (wirtschaftlich) Stärkeren das Recht diktierte. Dann ist die ehevertragliche Diskriminierung von Hausarbeit und Kindererziehung vorbei. Der wirtschaftlich stärkere Ehepartner erhält so Nachhilfe darin, was eheliche Solidarität bedeutet", belehrt uns Heribert PRANTL.

    PRANTL, Heribert (2004): Robin Hood, 2004.
    Vom Sherwood Forest zum Sozialstaat und zurück: Gibt es ein Recht auf soziale Gerechtigkeit?

    in: Süddeutsche Zeitung v. 27.03.

    "Die Flucht des Staates aus der sozialen Verantwortung wird neuerdings als ökonomische Offensive deklariert. Begonnen hat damit die FDP im Jahre 1996, als bei der Präsentation des marktradikalen »Karlsruher Entwurfs für eine liberale Bürgergesellschaft« die Wörter  »Gemeinwohl« und »Sozialstaat« zu Pfui-Wörtern erklärt"

    wurden, erläutert PRANTL. Leider ist der PRANTL-Sound völlig uncool. Damit bedient man heutzutage nur noch ein paar Alte, deren Wärmebuden die SPD-Ortsvereine oder Gewerkschaftsversammlungen sind. Schade also ums Papier!  

    PRANTL, Heribert (2005): Furor und Gesetz.
    Udo Di Fabios Erneuerung des Bürgertums aus altem Geist,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 16.07.

    Heribert PRANTL zum Buch Die Kultur der Freiheit von Udo Di FABIO:

    "»Kultur der Freiheit« (...) konstruiert den Überbau für einen libertären Konservatismus und damit die Rechtfertigung für Sozialabbau (...).
    Di Fabio schmückt sich mit den Stichworten der Modernität, wenn er den Markt und den Wettbewerb preist und mischt das mit einem Plädoyer für eine erneuerte Religiosisierung der Gesellschaft (...).
    Di Fabio will die Menschen davon überzeugen, dass »ein gutes Leben« eigentlich nur »in einer mit Kindern gesegneten Familie gelebt werden« kann; es ist sein eigenes Leben, sein Familienleben als Vater von vier Kindern, das er zum Maßstab für alle macht. Gegen seine Zufriedenheit mit dem eigenen Leben ist gar nichts zu sagen, dagegen, wie er andere Lebensformen diskreditiert, sehr wohl.
    "

    SZ-Thema des Tages: Urteil zu Vaterschaftstests

    PRANTL, Heribert (2007): Heimlich geht gar nichts in Europa.
    In fast allen Ländern der EU sind private Abstammungsgutachten unzulässig, in etlichen Ländern stehen sie sogar unter Strafe,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 14.02.

    PRANTL, Heribert (2007): Der Vater und sein Kind,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 14.02.

    PRANTL, Heribert (2007): Das Kind lebt nicht vom Rang allein.
    Warum das neue Unterhaltsrecht lügt,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 24.03.

    PRANTL, Heribert (2007): Zehn Gebote für eine alternde Gesellschaft.
    Die neue SZ-Serie sucht nach Antworten darauf, wie der letzte Lebensabschnitt würdevoll gestaltet werden kann,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 13.10.

    PRANTL, Heribert (2009): Ein Gesetz wie Weihnachten.
    Es gibt eine neue Rechtsinstanz: Das "Große Familiengericht". Vormundschaftsgerichte werden abgeschafft,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 29.08.

    PRANTL, Heribert (2009): Ein Fünftel mehr Richter.
    Wie das neue Recht in der Praxis funktionieren kann. Gespräch mit Gerd Brudermüller,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 29.08.

    PRANTL, Heribert (2009): Family First.
    Jede Familie verdient Schutz und Förderung. Familiensplitting sollte deshalb das Ehegattensplitting ablösen,
    in: sueddeutsche.de v. 16.09.

    Weil 30 % der Ehen kinderlos bleiben, plädiert PRANTL für ein Familiensplitting. Bereits im Jahr 1954 bezifferte der Spiegel die Anzahl der kinderlosen Ehen auf 20 % (siehe Grafik Spiegel Nr.38, S.11). Ledige werden mit 30 % und die kinderarme 1-Kind-Ehe mit 20 % angegeben. Lediglich 13 % lebten mit 2 Kindern zusammen und die 3-Kind-Familie lebten nur 5 % der Deutschen. Nach heutigem Maßstab hätte der Spiegel damals das Aussterben der Deutschen auf den Titel bringen müssen. Die 1950er Jahre gelten heutzutage aber als das goldene Zeitalter der Ehe! Offenbar leben wir heute in einer hysterischeren Gesellschaft als damals.

    SZ-Thema des Tages: Durchbruch für die Homo-Ehe

    PRANTL, Heribert (2009): Ehe, wem Ehe gebührt.
    Das Karlsruher Urteil markiert das Ende der Diskriminierung und könnte auch Anlass sein, Familien gerechter zu besteuern,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 23.10.

    PRANTL, Heribert (2011): Vom Wert der alten und der neuen Ehe.
    Unterhalt nach der Scheidung: Das Bundesverfassungsgericht erklärt die neuere Rechtsprechung der Familiengerichte für verfassungswidrig,
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 12.02.

    PRANTL, Heribert (2011): Gleichstellung der Homo-Ehe.
    Schafft das Ehegattensplitting ab,
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 12.02.

    Heribert PRANTL plädiert für Familiensplitting und hohe Freibeträge - beides Instrumente, die Besserverdienende gegenüber Geringverdienern besser stellen. Seine Argumentation ist deshalb pure Heuchelei:

    "Der Stellenwert der Ehe nimmt ab, der von Familie nimmt zu; die Sorge der Gesellschaft gilt den Kindern, nicht mehr der Ehe. Die Konzentration auf das Kindeswohl muss in einer Zeit niedriger Geburtenraten nicht wundern.
    Zu konstatieren ist eine stillschweigende Verfassungsänderung wie folgt: »Der Staat achtet und schützt alle Lebensformen. Lebensgemeinschaften mit Kindern und Hilfsbedürftigen stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung.« Es war dies 1993 der Vorschlag des Theologen und Bundestagsabgeordneten Wolfgang Ullmann zur Neuformulierung des Ehe- und Familienartikels 6 Grundgesetz; Ullmann saß für das Bündnis 90 in der Verfassungskommission, in der nach der deutschen Einheit das Grundgesetz überarbeitet werden sollte. Sein Antrag wurde abgelehnt. Aber Gesellschaft und Rechtsprechung haben ihn angenommen; der Gesetzgeber wird folgen.
    Lebensgemeinschaften mit Kindern oder Alten brauchen besondere staatliche Zuwendung - ob mit Familiensplitting oder hohen Freibeträgen. Die Förderung muss jedenfalls so gestaltet werden, dass nicht vor allem Gut- und Großverdiener etwas davon haben."

    PRANTL, Heribert (2011): Deutschland, ein Fliegenpilz.
    Die Bundesrepublik braucht Einwanderung, sonst droht ein gewaltiger Verlust an Vitalität,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 27.10.

    Nur Zyniker wie Heribert PRANTL sehen allen Ernstes die Pyramidenform der Bevölkerung als Zeichen einer vitalen Gesellschaft. Das Gegenteil ist der Fall: hohe Kinder-, Jugend- und Erwachsenensterblichkeit ist die Grundlage der Pyramide. Oder wie es Werner BRACHAT-SCHWARZ im Statistischen Monatsheft Baden-Württemberg vom September 2011 schreibt:

    "Die aktuelle Form, oftmals als »kranke« Pyramide bezeichnet, hat sich nicht nur wegen der anhaltend zu geringen Geburtenrate ergeben, sondern auch weil die Lebenserwartung stark angestiegen ist. Das heißt aber, dass die angeblich »kranken« Alterspyramiden weder krank noch gesund sind. Dagegen spiegeln »gesunde« Alterspyramiden eher eine kranke Bevölkerung wider, in der Menschen frühzeitig sterben" (S.16)

    SZ-Thema: Die Kunst zu altern - Warum es nicht schlimm sein muss, immer länger zu leben

    PRANTL, Heribert (2012): Zeitenwende.
    Ein Zugewinn an Jahren und an Erfahrung - gutes Altern verändert die Gesellschaft. Der Mensch wird nicht mehr nur am Lineal der Ökonomie gemessen,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 20.10.

    PRANTL, Heribert (2012): Der Oma-Export.
    Ausweisung der Alten,
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 02.11.

    "Wenn ein Greisen-Export allen Ernstes erwogen und als Geschäftsmodell propagiert wird, hat das auch sein Gutes: Es geht daraufhin, hoffentlich, ein Ruck der Beschämung durchs Land. Die Zwangs-Entsorgung der Alten wäre ein Akt der Verrohung der Gesellschaft",

    meint Heribert PRANTL zum "gerontologischen Kolonialismus", den er in Pflegeverträgen mit Heimen im Ausland sieht.      

    PRANTL, Heribert (2013): Vaterglück mit Geburtsfehler.
    Bislang konnten Mütter nichtehelicher Kinder ihr kategorisches Veto einlegen, wenn Väter das gemeinsame Sorgerecht anstrebten. Nach neuem Recht müssen sie innerhalb kurzer Fristen triftige Gründe vorlegen. Daher können Gerichte nicht immer das Kindeswohl würdigen,
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 31.01.

    PRANTL, Heribert (2013): Familie ist kein Stilleben.
    Vom Oikos zur Kleinfamilie zur Homo-Ehe,
    in: Blätter für deutsche und internationale Politik,
    Dezember

    Heribert PRANTL geht von einem engen, hierarchisierten  Familienbegriff aus, der einer bevölkerungspolitischen Motivlage entspringt ("Zeiten  niedriger Geburtenraten"):

    "Als Familie schützens- und unterstützenswert ist jeder Ort, der Kindern Selbstsicherheit, Geborgenheit und Kontinuität verspricht. Das mag und soll in vielen Fällen immer noch die Vater-Mutter-Kinder-Familie sein. Aber das Recht soll und darf sie nicht zum exklusiven, einzig richtigen Ort idealisieren."

    Im Gegensatz dazu geht z.B. der Soziologe Karl Otto HONDRICH von einem weiten Familienbegriff aus. Im Bereich der Homo-Ehe beschreibt PRANTL das Recht als Wegweiser:

    "Das Recht kann aber mehr, als nur Altes zu verteidigen und Neues widerstrebend anzuerkennen. Es kann auch versuchen, den sich abzeichnenden Entwicklungen ahnend vorauszueilen und der gesellschaftlichen Akzeptanz dafür vorsichtig den Weg zu bereiten – so wie bei den Rechten für Schwule und Lesben. Dann ist das Recht eine Art Wegweiser oder gar ein Pfadfinder in den Fährnissen des Lebens."

    PRANTL, Heribert (2014): Ein Urteil in die falsche Richtung.
    SZ-Tagesthema: Unterhalt der Kinder für ihre Eltern. Ein Kommentar,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 13.02.

    PRANTL, Heribert (2014): Wir sind Familie.
    Das Idealbild der Vater-Mutter-Kind-Einheit ist längst passé. Kinder wachsen heute in allen möglichen Konstellationen auf - Hauptsache es geht ihnen gut. Wann reagiert die deutsche Politik endlich auf die neue Realität,
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 01.03.

    Der Jurist Heribert PRANTL lobt seinen Berufsstand:

    "Das Familienministerium sitzt offiziell in Berlin, Glinkastraße 24. Aber inoffiziell sitzt es woanders, in Karlsruhe nämlich. Dort, vom Bundesverfassungsgericht, wurden und werden seit Jahren die Entscheidungen zur Familien- und Gesellschaftspolitik getroffen, die sich die Politik nicht zu treffen traut - grundlegende, zukunftsweisende Entscheidungen."

    Das darf man getrost als Humbug bezeichnen. Im April 2001 traf das Bundesverfassungsgericht ein Fehlurteil zur Pflegeversicherung. Sie verließ sich dabei auf einen Bevölkerungswissenschaftler namens Herwig BIRG und eine aufgeheizte Stimmung im Lande, die den Anteil der Kinderlosen in Deutschland auf 50 % zugehen sah. Erst ab 2008 wurde die Empirie nachgeliefert und es stellte sich heraus, dass es 2012 in Deutschland kaum mehr als 20 % Kinderlose gibt. Nichtsdestotrotz: Das Urteil hat weiterhin Bestand, obwohl nichts davon eingetroffen ist, was angeblich die Republik zu erschüttern droht. Aber so ist es nun einmal, wenn bereits die Entscheidung, wer vor Gericht angehört wird, das Urteil vorherbestimmt.

    "In fünf Jahrzehnten haben Ehe und Familie mehr Änderungen erlebt als zuvor in fünfhundert Jahren",

    posaunt PRANTL. Keine Ahnung an welchem Stammtisch er das aufgeschnappt hat. Offenbar misst er Ehe und Familie nicht an der Realität in Deutschland, sondern am bürgerlichen Familienideal, das vor allem im Kopf von Bildungsbürgern à la PRANTL herumspukt. Mit der empirischen Realität hatte das - außer für ein paar Jahre, die man hochtrabend als das goldenes Zeitalter der Ehe bezeichnet - nichts das Geringste zu tun. Schon immer gab es eine große Familienvielfalt in Deutschland, nur wurde das politisch korrekt unter den Tisch gekehrt und rechtlich war das Maß der Dinge das bürgerliche Familienideal. Aber was bitte hat das mit der Realität zu tun?

    PRANTL geht es lediglich um die Gleichstellung der homosexuellen Paare, die er von der Regierungskoalition nicht ausreichend in den Mittelpunkt gerückt sieht. Das garniert er zudem mit markigen Worten wie die "Ökonomie muss als Taktgeber entthront werden" oder das "gesunde Gemeinwohl" fordert dies.

    Revolutionen gehen anders: zum Beispiel zu fordern, dass kinderlose Paare als Familien anerkannt werden, weil sie füreinander einstehen (so z.B. der Soziologe Karl Otto HONDRICH). Aber Gleichstellung ist PRANTLs Sache nicht.

     
           
       

    Heribert Prantl im Gespräch

     
       
    • fehlt noch
     
           
       

    Kein schöner Land (2005).
    Die Zerstörung der sozialen Gerechtigkeit
    München
    :
    Droemer Knaur

     
       
         
     

    Klappentext

    "Die Spitzenpolitiker der Generation, die in den 60er und 70er Jahren den sozialen Aufstieg geschafft hat, kappen die Verbindung nach unten. Die neuen Gesetze fördern die neue Armut. Die Führungsschicht in Politik und Wirtschaft kompostiert die soziale Verantwortung. Ihre Reformpolitik ist einseitig und gefährdet den Zusammenhalt der Gesellschaft. Sie schützt nicht vor sozialen Risiken, sondern produziert diese Risiken neu. Sie fördert nicht den Gemeinsinn, sondern praktiziert Gemeinheit. Sie entsorgt die Solidarität und belastet damit die Familien mit Kindern. Die Leute werden arm gemacht, kriegen aber keinen Job. Die Folgen einer Politik, die weder sozial noch christlich, sondern vor allem unanständig ist, sind abzusehen: Die Volksparteien entfremden sich dem Volk, die Wähler laufen in Massen weg. Dann schlägt die Stunde des Populisten"

    Inhaltsverzeichnis

    Vorwort

    Kapitel 1: Der Midas-Kult der Ökonomie. Vom Sinn des Sozialstaats
    Kapitel 2: Reichtum verpflichtet. Wie man den Sozialstaat bezahlen kann
    Kapitel 3: Lieber Schweine als Kinder. Wie die Reprivatisierung der Sozialpolitik ausgerechnet die Menschen besonders belastet, die solidarisch leben
    Kapitel 4: Konform, uniform, chloroform. Die neue Scholastik in Wissenschaft und Medien
    Kapitel 5: Kirche des Kapitals. Die Verdrängung des Gebots der sozialen Gerechtigkeit
    Kapitel 6: Ausschluß, Ausschuß, neue Chancen. Der Ausbruch aus der Exklusionsgesellschaft
    Kapitel 7: Die große Ermöglichung. Eine ganz kleine Geschichte der Sozialpolitik

    Zitate:

    Wandel vom Sozial- zum Kapitalstaat

    "In Deutschland zerbröselt die soziale Marktwirtschaft, die ein Resultat war des Ringens der Nachkriegsgewerkschaften mit dem Kapital. Das Kapital hat gesiegt. Um nun noch reicher zu werden, braucht es die Arbeit immer weniger. Die Arbeit, die es noch braucht, will es sich auf der ganzen Welt preiswert aussuchen, weil es überflüssig gewordene Arbeitnehmer fast überall im Überfluß gibt. Arbeitskraft ist heute nicht mehr nur lokal, sondern global austauschbar. Das Kapital mag daher die Rücksichten nicht mehr nehmen, die es bisher genommen hatte (...).
    So also ist die Lage aus der Sicht des Kapitals: Der Sozialstaat verwandelt sich in den Kapitalstaat. (17f.)

    Die Kinderlosen sind Schuld

    "Mehr denn je ist es so, daß kinderlose Menschen von den Leistungen der Familie profitieren und der Staat für keinen ausreichenden Ausgleich sorgt. Kinderlosigkeit ist epidemisch. Frauen, die zu Kriegsende geboren wurden, blieben zu 13 Prozent ohne Kinder, beim Geburtsjahrgang 1955 waren es schon 19,5 Prozent. Und bei den Frauen, die 1965 geboren wurden, wird die Anzahl derer, die endgültig kinderlos bleiben, auf 31,2 Prozent geschätzt. (...). Aber nur Familien sorgen für kostenlosen Nachschub von Beitragszahlern für die sozialen Systeme; die Kinderlosen sorgen derweil für ihren eigenen Erwerb und für ihr eigenes Fortkommen. Ein Ausgleich findet nicht statt.
    Das führt so lange nicht zu größeren Benachteiligungen, solange die Regel des  »Dreigenerationenvertrags« noch generell gilt (...). Spielt die Hälfte der Bevölkerung bei diesem Spiel nicht mehr mit, dann stehen die Familien als Verlierer da. So ist das deutsche Rentenversicherungssystem ein System zur Prämierung von Kinderlosigkeit geworden.
    Der Kinderlose bricht den Generationenvertrag durch einseitige Kündigung und profitiert später, im Alter, trotzdem von ihm." (S.68f.)

    "Kinder kriegen die Leute immer? Adenauer hat sich getäuscht, der demographische Wandel stellt die Alterspyramide auf den Kopf und führt zum Konkurs der Rentenkasse." (S.70f.)

    "Kinderunwillige Paare, so sagt der Kieler Philosoph Wolfgang Kersting, seien »rentenpolitische free rider«; sie befreien sich selbst von den Kosten, neue Beitragszahler heranzuziehen, die dann, wenn sie das Rentenalter erreicht haben, an ihrer statt die Beitragszahlung fortführen könnten." (S.72)

    Wir sind auf dem Weg zur Single-Gesellschaft

    "Die neuere Gesichte der Familie ist die Geschichte ihrer steten Verkleinerung - von der Großfamilie zur Klein- und Kleinstfamilie hin zu deren Auflösung in Einzelteile, in Singles und Singles plus X." (S.72)

    "Die Gesellschaft zerfällt: Familien hier, kinderlose Lebensformen dort; mit 35 Prozent Einpersonenhaushalten ist die Bundesrepublik Spitzenreiter in der Europäischen Union." (S.73)

    Singles als Gewinner des flexiblen Kapitalismus

    "Ein Single hat kaum Schwierigkeiten mit der Flexibilität, die das neue Arbeitslosenrecht ihm abverlangt. Danach muß ein Arbeitsloser jede zumutbare Arbeit annehmen, gleich, wo sie angeboten wird - ansonsten erhält er kein Arbeitslosengeld." (S.75)

    Die wahre Ursache der gesellschaftlichen Missstände: das LEITBILD vom flexiblen Menschen

    "Was als die eigensüchtige Selbstverwirklichung insbesondere der Jungakademikerinnen gerügt wird, die sich inzwischen in großem Umfang gegen Kinder entscheiden, ist nur die rationale Konsequenz des Leitbilds vom flexiblen Menschen und der Benachteiligung von Familien." (S.76)

    Die Beschwörung des Ausnahmezustandes als Mittel der Durchsetzung der Agenda 2010

    "Es wurde ein wirtschafts- und innenpolitischer Ausnahmezustand herbeigeredet. (...). In diesem Klima wurde dann, im März 2003, die Agenda 2010 geboren, das Reformprojekt der Regierung Schröder.
    Mit der defätistischen Beschreibung der Situation des Landes, mit der Katastrophalisierung Deutschlands, wurde eine Stimmung erzeugt, in der einige Zeit lang schon beinahe egal war, was geschieht, wenn nur etwas geschieht." (S.105)

    Die Rückkehr der Klassengesellschaft

    "Unsere Gesellschaft mutiert zur Klassengesellschaft, aber sie merkt es nicht, weil der Mythos von der »nivellierten Mittelstandsgesellschaft« das kollektive Bewußtsein beherrscht (...). Der Mythos von der nivellierten Mittelstandsgesellschaft ist ein bequemer Mythos geworden, der heute auch von denen gern gehegt wird, die in den fünfziger und den siebziger Jahren nach oben geklettert sind (...). Die Tellerwäscherkarrieren eines Gerhard Schröder und eines Joschka Fischer, die aus kleinsten und kleinen Verhältnissen zum Kanzler und Vizekanzler aufsteigen konnten, bestärken die Illusion, daß das, was war, immer noch ist - sie bestärken diese Illusion bei diesen Spitzenaufsteigern selber ebenso wie bei denen, die mit ihnen aufgestiegen sind." (S.152f.)

    Schöne Neue Welt

    "Wie weit ist es eigentlich von der Entsorgung des Betreuungsrechts noch bis zur Entsorgung der Betreuten? Bei Aldous Huxley, in seiner Schönen Neuen Welt, wird beschrieben, wie altgewordene Menschen in Kliniken entsorgt werden. Sie werden »abgeschaltet« wie alte, verrostete Maschinen. Inder werden regelmäßig in diese Entsorgungskliniken geführt und dort mit Schokolade gefüttert, damit sie sich an den Vorgang des Abschaltens gewöhnen und für sich akzeptieren lernen, daß Leben technisch produziert und technisch beendet wird.
    Haben wir diesen Weg schon eingeschlagen? Entspricht der Reproduktionsmedizin und er pränatalen Diagnostik, die am Beginn des Lebens sortiert, kontrolliert und entsorgt, die Mechanisierung des Todes am Ende des Lebens, die gleichfalls sortiert, kontrolliert und entsorgt?" (S.169f.)

    Horrorszenarium: Die Welt im Jahr 2050

    "Ein Professor an der Humboldt-Universität in Berlin pflegt seinen Studenten vorzuhalten, sie würden das Problem der niedrigen Geburtenraten wahrscheinlich erst im Rollstuhl erkennen - wenn niemand da ist, um sie zu schieben. Was der demographische Wandel in Deutschland bedeutet, hat die Journalistin Elisabeth Niejahr in der Zeit vorgeführt: Man nehme einen Radiergummi, man stelle sich vor, auf der Deutschlandkarte würde ein Ort nach dem anderen ausradiert: erst Lübeck, dann Magdeburg, schließlich Erfurt und Kassel. Ungefähr zweihunderttausend Einwohner müßten diese Städte haben, denn so stark schrumpft nach Prognosen der Vereinten Nationen pro Jahr die Bevölkerung Deutschlands. Am Ende der kleinen Vorführung wäre das Jahr 2050 erreicht, die Landkarte hätte 47 blanke Stellen. Wo Städte eingezeichnet waren, wären weiße Flecken.
    Während heute noch 4,4 Personen im erwerbsfähigen Alter auf eine Person im Alter von mehr als fünfundsechzig Jahren kommen (1950 war das Verhältnis 8,9 zu 1), wird sich den Prognosen zufolge die Relation bis zum Jahr 2050 auf 1,8 zu 1 verändern und das Durchschnittsalter auf fünfundfünfzig Jahre steigen. Aus der Bevölkerungspyramide wird schon in einer Generation ein Bevölkerungspilz - eine große Mehrheit immer älterer Menschen wird quasi auf einem dünnen Stiel jüngerer Menschen ruhen." (S.175f.)

    Sozialstaatsideal

    "Ein Sozialstaat sorgt dafür, daß der Mensch reale, nicht nur formale Chancen hat. Es genügt ihm also nicht, daß der Staat Vorschulen, Schulen und Hochschulen bereitstellt mit formal gleichen Zugangschancen für Vermögende wie Nichtvermögende; der Sozialstaat sorgt auch für die materiellen Voraussetzungen, die den Nichtvermögenden in die Lage versetzen, die formale Chance tatsächlich zu nutzen." (S.201)

     
         
     
           
       

    Beiträge von single-generation.de zum Thema 

    Der subsidiäre Sozialstaat - Das Feindbild "Single-Gesellschaft" als Folge der Katholisierung der Berliner Republik

    Zivilgesellschaft und der Umbau des Sozialstaats in der "Single-Gesellschaft"

     
       

    Rezensionen 

    WINKELMANN, Ulrike (2005): Cum ira et studio.
    Mit der Würde des Juristen und der Wucht der Metaphernschleuder: Der Journalist Heribert Prantl hat eine Wutrede zur Verteidigung der Sozialsysteme aus christlich-bürgerlicher Perspektive verfasst - der Essay "Kein schöner Land",
    in:
    TAZ v. 17.03.

    Ulrike WINKELMANN kritisiert die familienpolitische Perspektive von Heribert PRANTL:

    "Eines seiner sieben Kapitel widmet Prantl dem Umstand, dass Kinder nach wie vor ein Armutsrisiko sind. Die Gesellschaft verlangt nach künftigen Rentenbeitragszahlern, setzt aber kaum Anreize, sie zu produzieren. Stimmt alles. Und doch ist Prantls Schluss falsch und überzogen: Familien sind heute eben nicht »großenteils überfordert und an den Sozialhilferand gedrückt«.
    Ein Blick in die Statistiken verrät, dass der wohlbestallte Mittelstand immer noch großenteils aus Papa-Mama-zwei-Kinder-Familien besteht.
    Ein wichtiger Teil der typischen Großstadtarmen dagegen sind Singles ohne jeden Familienanschluss, vor allem aber Alleinerziehende. Arme vielköpfige Familien sind übrigens meist nichtdeutscher Herkunft. Wer die Familie gegen Armut verteidigt, sollte also zwischen dem blonden Zweigenerationenklub im Saab-Kombi und den wirklichen Armutsopfern unterscheiden.
    "

    HORN, Karen (2005): Schutzengel, Ermöglicher, Heimat.
    Heribert Prantl singt ein fulminantes Hohelied auf den Sozialstaat,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.05.

     
       

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    webmaster@single-generation.de Erstellt: 03. Januar 2014
    Update: 27. September 2015