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Inge Kloepfer: Auf immer kinderlos, die deutsche Extratour

 
       
   
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    Inge Kloepfer in ihrer eigenen Schreibe

     
       

    KLOEPFER, Inge (2001): Wir Eltern zahlen doppelt.
    FAS-Thema: Die Familien finanzieren die Ausbildung der Kinder und zahlen die Renten der Singles,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 30.12.

    Die FAS wärmt noch einmal die Kontroverse "Familien versus Singles" auf, die in Deutschland im Vorfeld von Pflegeurteil und Rentenreform geführt wurde.

    Carsten GERMIS darf noch einmal die Argumente eines noch kinderlosen Yuppies vortragen, der nicht für das Kindergeld von Eltern im Niedriglohnsektor aufkommen will, sondern der Staat soll in die Betreuungsangebote investieren, damit seine noch nicht geborenen Kinder vom Sozialstaat profitieren.

    Inge KLOEPFER vertritt dagegen die Yuppie-MOM, die sich über die Abschaffung des Dienstmädchen-Privilegs mokiert:

    "Zwar können wir die Betreuungskosten für die Kinder (...) absetzen, aber eben nicht die Kosten für die Putzfrau, die uns entlastet."

    KLOEPFER, Inge (2002): Wer schützt die Jungen vor den Alten?
    Die Rentner bleiben ungeschoren. Die Jungen zahlen immer mehr. Bald kippt das System. Es sei denn: Frühverrentung wird abgeschafft, und alle arbeiten bis 68,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.11.

    Für neoliberale Bestandsschützer von Meinhard MIEGEL bis Axel BÖRSCH-SUPRAN (Mannheimer Forschungsinstitut Ökonomie und Demographischer Wandel) ist die Sache klar: Flakhelfer-Generation und 68er sollen ungeschoren davonkommen, die Zeche sollen die nachfolgenden Generationen und die Modernisierungsverlierer zahlen. Diese Botschaft wird gekonnt versteckt hinter einem Pseudogenerationenkampf. Wer die Frühverrentung abschaffen will, gleichzeitig aber das System der Altersversorgung prinzipiell unangetastet lässt, bzw. per privater Altersversorgung ein Zurück zur althergebrachten Klassengesellschaft beschleunigen möchte, dem geht es nicht um soziale Generationengerechtigkeit, sondern um ganz spezielle Generationeninteressen und um die verstärkte Polarisierung zwischen Modernisierungsgewinnern und -verlierern.

    KLOEPFER, Inge (2006): Kinder - Armutsrisiko in Deutschland.
    Zwei Einkommen sind nötig, um Kinder großzuziehen. Alleinerziehende haben kaum eine Chance,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 01.01.

    Inge KLOEPFER versucht Kinder generell als Verlierer und Kinderlose generell als Gewinner in unserer Gesellschaft hinzustellen. Dies ist zwar politisch korrekt, aber entspricht nicht den Tatsachen. Tanja MÜHLING weist dagegen in ihrer empirischen Untersuchung nach, dass neben den Alleinerziehenden besonders ältere Alleinlebende von Armut betroffen sind.  

    KLOEPFER, Inge (2006): Deutschland 2020.
    Demographischer Wandel: Gewinner und Verlierer,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.02.

    KLOEPFER stellt eine Analyse der Bertelsmann Stiftung vor.

    KLOEPFER, Inge (2006): Auf immer kinderlos, die deutsche Extratour.
    Irgend etwas ist schief gelaufen: Die Nachbarn in Europa haben wieder Kinder. Die Deutschen nicht,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.02.

    Wenn es eine deutsche Extratour gibt, dann ist es das bevölkerungsstatistische Desaster. Inzwischen müssen die deutschen Bevölkerungsstatistiker immer öfter einen Offenbarungseid leisten.  Wenn nun KLOEPFER behauptet, dass die lebenslange Kinderlosigkeit zugenommen hat, dann bleibt sie jegliche Belege schuldig. Alarmierende Ergebnisse meldet KLOEPFER, aber ohne auch nur einen einzigen seriösen Beweis dafür zu liefern. Sie verweist stattdessen auf Untersuchungen, über die bereits das britische Magazin Economist am 9. Februar berichtete. Dies wird jedoch nicht einmal erwähnt. Die genannten Daten sind völlig überaltert, wenn man bedenkt, was in den letzten Jahren alles passiert ist. Die Daten von Hans-Peter KOHLER (Die Studie ist als PDF-Datei über den Economist-Artikel abrufbar) beziehen sich auf die Jahrtausendwende bzw. auf das Jahr 2002. Es handelt sich zudem nicht um Daten, die seriöse Aussagen über die Geburtenentwicklung der jüngeren Kohorten zulassen. Was also soll dieser Artikel, der keine neuen empirischen Belege liefert? Offenbar soll Stimmung gegen Kinderlose gemacht werden. Man ist sich deshalb auch nicht zu schade, veraltetes Material so zu präsentieren, als ob es sich dabei um aktuelles handele.

    KLOEPFER, Inge (2006): Deutsche Frauen kommen selten nach ganz oben.
    Immer mehr Frauen sind berufstätig. Aber in den Chefetagen sind sie kaum zu finden. Ein Grund: Lange Elternzeiten schaden der Karriere. Amerika zeigt, daß es auch anders geht,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.03.

    KLOEPFER, Inge (2006): Erst Familie, dann Beruf.
    Fünf Frauen, die das Comeback geschafft haben,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.05.

    "Die Unmöglichen: Mütter, die Karriere machen" heißt ein Buch mit 11 Mütterporträts, das kürzlich erschienen ist. KLOEPFER liefert nun quasi eine Kurzform mit weiteren 5 Karrieremüttern. Als Vorreiterin dieser neuen Frühgebärinitiative kann Susanne GASCHKE betrachtet werden, die mit ihrem Buch Die Emanzipationsfalle dieses Thema auf die Agenda gesetzt hat. Die entscheidende Frage ist jedoch, ob Frühgebären eine Strategie für alle Akademikerinnen sein kann. Single-generation.de hat in einer Kritik des Buches von GASCHKE auf die Heterogenität der Akademikerinnen hingewiesen. Es zeigt sich, dass zwischen Geburtselite und Aufsteigerinnen einerseits und verschiedenen Studiengängen andererseits differenziert werden muss. Frühgebären ist nicht unbedingt für alle der richtige Weg, sondern das Spätgebären eröffnet unter den neuen Bedingungen einer Gesellschaft der Langlebigen auch neue Gestaltungsspielräume für Frauen. Ein Artikel von Christine BRINCK hat im März in der ZEIT eine lebhafte Debatte um den richtigen Zeitpunkt ausgelöst.

    GERMIS, Carsten & Inge KLOEPFER (2009): Wo kommen die Kinder her.
    Das Elterngeld sollte einen Babyboom bei qualifizierten Frauen auslösen. Das klappt nicht. Kinder kriegt vor allem die Unterschicht,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 12.04.

    Kinder bekommen die Falschen ist das Lamento konservativer Eliten seit Beginn des Geburtenrückgangs Anfang des 20. Jahrhunderts. In dieser Tradition stehen auch Carsten GERMIS & Inge KLOEPFER als Anwälte des Bildungsbürgertums.

    Obwohl mit der Einführung des Elterngeldes die Leistungen für Geringverdiener gekürzt wurden, bleibt dieser Aspekt in den Ausführungen vollkommen unberücksichtigt. Aus den vorgestellten Zahlen geht nicht hervor wie sich die Geburtenzahl in Abhängigkeit des Einkommens im Vergleich vor und nach Einführung des Elterngeldes entwickelt hat. Die beklagte Entwicklung wird also nicht belegt, sondern in der Art eines Dogmas verkündet.

    Eine Grafik, die mit Die Unterschicht wächst betitelt ist, zeigt zudem, dass vor allem die Reichen mit 200 % und mehr Einkommen des Medians von 5,3 auf 9,2 % zugenommen haben. Wer Genaueres wissen möchte, der greift sowieso auf die Originalquelle zurück: Die Bundestag-Drucksache 16/10770 vom 30. Oktober 2008, die im Internet als PDF-Datei verfügbar ist.

    KLOEPFER, Inge (2009): Firmen in der Demographie-Falle.
    Weil den Unternehmen der Nachwuchs ausgeht, müssen die Alten mehr leisten. Darauf sind sie nicht vorbereitet,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.06.

    KLOEPFER, Inge (2009): Milliarden für Migranten.
    Deutschland lässt sich Integration viel kosten. Eine ganze Industrie lebt vom Eingliedern. Erfolge sind schwer zu greifen,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
    v. 09.08.

    KLOEPFER, Inge (2010): Alt braucht Jung.
    Deutschland wird älter. Bad Sassendorf hat das Problem aktiv angepackt - und bewusst alte Menschen angesiedelt. Das hat die Einwohnerzahl stabilisiert und die Immobilienvermögen. Jetzt subventioniert Bad Sassendorf den Zuzug junger Familien - um nicht zu überaltern,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.05.

    KLOEPFER, Inge (2010): Polit-Yuppie.
    Im Porträt - Kristina Schröder: Die Familienministerin ist das Spiegelbild ihrer Generation: Smart, ehrgeizig und ein bisschen blass. Jetzt ist sie auch für eine Frauenquote,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 20.06.

    KLOEPFER, Inge (2010): Alter Feminismus gegen Neuen Feminismus.
    Frauen haben heute alle Karrierechancen, sagt Kristina Schröder, 33 Jahre. Das lassen die Männer nicht zu, sagt Alice Schwarzer, 67 Jahre. In Deutschland streiten Frauen aus zwei Generationen über den Feminismus,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.11.

    FAS-Wirtschaft Special: Jahrgang 1964.
    1,36 Millionen Babys wurden 1964 in Deutschland geboren, - so viele wie in keinem anderen Jahr. Es sind Kinder des Wirtschaftswunders. Dann kamen der Pillenknick und die Wirtschaftskrise. Und die Lust auf Kinder war dahin

    KLOEPFER, Inge (2014): Ich bin ein echter Babyboomer.
    Nie wurden in Deutschland mehr Kinder geboren als 1964. FAS-Autorin Inge Kloepfer ist eine davon. Sie erzählt vom Leben als Kind des Wirtschaftswunders, als Studentin einer Massenuniversität und als Mutter mit Karrierewunsch. Und warum früher ständig Willy Brandt im Fernsehen kam,
    in:
    Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.01.

    "In sechs aufeinanderfolgenden Jahren 1961 bis 1966 wurden jährlich jeweils mehr als 1,3 Millionen Menschen geboren",

    erzählt uns Inge KLOEPFER, die damals in Essen zur Schule ging, d. h. in der BRD (so hießen die alten Bundesländer damals noch)  und da kamen gerade mal 1 Million und nicht 1,3 Millionen Kinder zur Welt. Oder lebte KLOEPFER damals in einem Paralleluniversum, in dem es keine DDR und keinen Mauerbau gab? Außer bei den Geburtenzahlen, bei denen die DDR eingemeindet wird, kommt diese ansonsten fast nicht vor.

    Wenn man schon seine persönliche Geschichte erzählt, dann sollte man keine gesamtdeutsche Statistik präsentieren und damit Lebensverhältnisse vortäuschen, die es in Wirklichkeit nie gab. Es wäre also ehrlicher gewesen eine ost- und eine westdeutsche Geschichte des Jahrgangs 1964 zu erzählen.

    KLOEPFER, Inge (2014): Nichts wie nach Berlin.
    Die Zweitwohnung in Berlin ist das neue Statussymbol der Mittelschicht. Das lässt die Preise steigen. Die Berlin Politik kontert rabiat,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 13.04.

    Neu:
    KLOEPFER, Inge (2014): Glanz und Elend.
    Eichstätt in Oberbayern boomt, Gelsenkirchen im Ruhrgebiet schrumpft. Kann es sein, dass das mit zwei sehr unterschiedlichen Einstellungen zum Leben zu tun hat?
    in:
    Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 01.06.

    Der Artikel von Inge KLOEPFER zeigt, wie unseriöse Berichterstattung über wachsende und schrumpfende Kommunen in Deutschland aussieht. KLOEPFER vergleicht nicht die Stadt Eichstätt im Landkreis Bayern mit der Großstadt Gelsenkirchen, sondern den Landkreis Eichstätt mit der Großstadt Gelsenkirchen anhand der Arbeitslosenquote:

    Landkreis Eichstätt: "Die Arbeitslosenquote liegt hier bei 1,4 Prozent Prozent. Hinter Eichstätt verbirgt sich nicht bloß das barocke Juwel. Es ist ein blühender Landreis mit 125 000 Einwohnern. (...).
    Steht Eichstätt am einen Ende der Arbeitsmarktstatistik, befindet sich Gelsenkirchen am anderen. Die Arbeitslosigkeit beträgt hier 15,5 Prozent.
    Eigentlich sind beide Zahlen schwer vergleichbar (...). Aber man kann jeweils die gleiche Frage stellen: Woher kommt der dauerhafte Erfolg, woher die so nachhaltige Misere? Und man kann in jedem der Fälle von einer Pfadabhängigkeit sprechen, von Entwicklungsprozessen, die sich im Laufe der Zeit nahezu verselbständigen."

    KLOEPFER redet von Pfadabhängigkeit, d.h. es wird ein Muster unterstellt, dass der Niedergang von Kommunen quasi vorprogrammiert sei. Der Politikwissenschaftler Christian RADEMACHER kritisiert in seiner exzellenten Studie Deutsche Kommunen im Demographischen Wandel gerade solche geschichtskonservativen Annahmen, die einer Empirie oftmals nicht standhalten.

    "Eichstätt hat, was viele gerne hätten: eine stetig wachsende Bevölkerung, seit Jahren die niedrigste Arbeitslosigkeit",

    verklärt KOEPFER die Entwicklung des Landkreis Eichstätt. Wie aber sieht die Wirklichkeit aus? Der Landkreis besteht gemäß Wikipedia (online abgerufen am 4. Juni 2014) aus zwei Städten (Eichstätt und Beilngries), 17 Gemeinden, 11 Märkten, 4 Verwaltungseinheiten und einem kreisfreien Gebiet.

    Die Bundesagentur für Arbeit führt gemäß RADEMACHER die Arbeitslosenquote nur bis auf Kreisebene, d.h. amtliche Daten stehen für die Städte und Gemeinden des Landkreises nicht zur Verfügung. Lediglich der Wegweiser Kommune der Bertelsmann Stiftung weist für Kommunen über 5000 Einwohner eine Schätzung aus, die gemäß RADEMACHER einigermaßen stimmig ist (vgl. 2013, S.184f.). Lediglich 7 Kommunen (Eichstätt, Beilngries, Altmannstein, Gaimersheim, Kipfenberg, Kösching und Großmehring haben im Jahr 2012 mehr als 5000 Einwohner und können verglichen werden. KLOEPFERs Berichterstattung beruht also in erster Linie auf Spekulationen. Widerspricht nur eine einzige Kommune dem Bild einer stetig wachsenden Bevölkerung, das KLOEPFER zeichnet, dann fällt ihre Argumentation zusammen wie ein Kartenhaus. Hier die Daten für die Kommunen:

    Kommune Merkmal  Wikipedia Wegweiser
    EICHSTÄTT
    (Stadt)
    Bevölkerung 2012 13 146 13 684
      Bevölkerungs-entwicklung
    2005-2012
      + 6,0 %
      Jugendquotient   29,0
      Altenquotient   31,3
      Arbeitslosen- quote   2,1 %
    BEILNGRIES Bevölkerung 2012 8 781 8 796
      Bevölkerungs-entwicklung
    2005-2012
      + 1,1 %
      Jugendquotient   32,0
      Altenquotient   27,2
      Arbeitslosen- quote   1,6 %
    GAIMERSHEIM Bevölkerung 2012 11 339 11 601
      Bevölkerungs-entwicklung
    2005-2012
      + 5,9 %

     

      Jugendquotient   36,1
      Altenquotient   28,3
      Arbeitslosen- quote   1,2 %
    KÖSCHING Bevölkerung 2012 9 101 9 157
      Bevölkerungs-entwicklung
    2005-2012
      + 10,3 %
      Jugendquotient   35,7
      Altenquotient   26,5
      Arbeitslosen- quote   2,1 %
    ALTMANNSTEIN Bevölkerung 2012

    6 778

    6 754
      Bevölkerungs-entwicklung
    2005-2012
      - 2,9 %
      Jugendquotient   33,4
      Altenquotient   33,3
      Arbeitslosen- quote   1,8 %
    GROßMEHRING Bevölkerung 2012 6 655 6 6696
      Bevölkerungs-entwicklung
    2005-2012
      + 4,5 %
      Jugendquotient   31,8
      Altenquotient   24,4
      Arbeitslosen- quote   1,8 %
    KIPFENBERG Bevölkerung 2012 5 587 5 757
      Bevölkerungs-entwicklung
    2005-2012
      + 0,6
      Jugendquotient   31,9
      Altenquotient   25.0
      Arbeitslosen- quote   1,5 %

    Man sieht auf den ersten Blick, dass die Kommunen des Landkreis Eichstätt keineswegs von einer stetig wachsenden Bevölkerung geprägt sind, wenn man die Kommunen über 5.000 Einwohner betrachtet. Die Bertelsmann Stiftung ordnet 6 Kommunen dem Demografietyp 1 (Kleinere stabile ländliche Städte und Gemeinden) zu. Lediglich Gaimersheim wird dem Demografietyp 3 (Prosperierende Kommunen im Umfeld dynamischer Wirtschaftszentren) zugeordnet. Die Demografietypen der Bertelsmann Stiftung sind umstritten, weil die Datengrundlage intransparent ist. Aufgrund der mangelhaften Datenlage in Deutschland bieten sie jedoch zumindest einen ersten Anhaltspunkt für die Betrachtung kommunaler Entwicklungen.

    Für den Landkreis Eichstätt wird für 2012 im Wegweiser Kommune eine Arbeitslosenquote von 1,7 % angegeben, liegt also um 0,3 % höher als bei KLOEPFER angegeben. Vernachlässigt man diese Differenz, dann lässt sich zumindest zeigen, dass sich die einzelnen Kommunen über 5.000 Einwohner im Landkreis Eichstätt stark unterscheiden. Die Arbeitslosenquote differiert zwischen 1,2 % (Gaimersheim) und 2,1 % (Eichstätt), d.h. die Arbeitslosigkeit in Eichstätt ist fast doppelt so hoch wie in Gaimersheim.

    KLOEPFER suggeriert, dass die Unterschiede zwischen schrumpfenden und wachsenden Kommunen auf Mentalitätsunterschieden zwischen Stadt und Land beruhen:

    "Das Wunder von Eichstätt erklärt sich (...) durch die Kleingliedrigkeit des Landkreises mit vielen Gemeinden.
    (...).
    In Gelsenkirchen regiert indes die Anonymität einer Großstadt."

    Demnach müssten kleinere Kommunen besser da stehen als größere Kommunen. Gaimersheim hat mit 1,2 % die niedrigste Arbeitslosenquote im Landkreis Eichstätt. Sie ist nach Eichstätt aber die zweitgrößte Kommune des Landkreises. Die kleinste Kommune mit mehr als 5.000 Einwohnern hat dagegen eine Arbeitslosenquote von 1,5 %.

    Fazit: Es besteht kein linearer Zusammenhang zwischen "Mentalität" (Land vs. Stadt) und kommunaler Entwicklung.

    Das größte Bevölkerungswachstum von Kommunen mit mehr als 5.000 Einwohnern (2005 - 2012) weist im Landreis Eichstätt die Kommune Kösching mit 10,3 % auf, obwohl sie dem Demografietyp 1 ("stabil") zugeordnet wird, genauso wie Altmannstein (- 2,9 %). Die Demografietypen der Bertelsmann Stiftung wären also falsch interpretiert, wenn man sie im Sinne eines einfachen Zusammenhangs zwischen Bevölkerungsentwicklung und kommunale Entwicklung interpretiert.

    Fazit: Bevölkerungsrückgänge bzw. -anstiege sind kein geeigneter Indikator, die die weitere Entwicklung von Kommunen bestimmen ("Entwicklungspfade" gemäß KLOEPFER). Stattdessen bedarf es eines genaueren Blicks auf die demografische und ökonomische Situation von Kommunen sowie auf das kommunale Handeln. Dies legt auch die exzellente Studie Deutsche Kommunen im Demographischen Wandel von Christian RADEMACHER nahe.

     
           
       

    Inge Kloepfer im Gespräch

     
       

    HEINLEIN, Stefan (2008): "Der Absturz in die Unterschicht kann natürlich relativ schnell kommen".
    Inge Kloepfer im Gespräch,
    in:
    DeutschlandRadio v. 11.11.

     
           
       

    Aufstand der Unterschicht (2008).
    Was auf uns zukommt
    Hamburg: Hoffmann & Campe

     
       
         
     

    Klappentext

    "»Du musst unberechenbar bleiben. Dann haben alle Angst vor dir.« Deutschland hat eine neue Unterschicht – und die wird stetig größer. 20 Prozent der heutigen Kinder werden chancenlos bleiben und keine Zukunft haben. Noch ist es ruhig. Doch das muss nicht so bleiben. Inge Kloepfer zeigt, warum es sich lohnt, in die Potenziale der vermeintlichen Verlierer zu investieren. Jascha ist ein Unterschichtenkind. Er ist in der falschen Familie aufgewachsen, hat im falschen Viertel gelebt und die falschen Schulen besucht. Er wird der Allgemeinheit ein Leben lang zur Last fallen. Dieses Buch erzählt Jaschas Geschichte und analysiert sie im Hinblick auf die vielen Millionen, die sein Schicksal teilen. Es zeigt, wie ein junger Mensch zum Systemverlierer gemacht wird, und offenbart das Versagen der Gesellschaft."

     
         
     
           
       

    Rezensionen

    ROMMENEY, Ernst (2008): Die Geschichte von Jascha,
    in: DeutschlandRadio v. 14.09.

    FLORIN, Christiane (2008): Links durch die Mitte.
    Der Kapitalismus verliert selbst bei braven Bürgern seine Kreditwürdigkeit. Sachbücher und Salons zeigen sich von der sozialkritischen Seite. Armut ist das Thema der Saison,
    in: Rheinischer Merkur Nr.39 v. 25.09.

    Christiane FLORIN bespricht die Bücher Die Ausgeschlossenen von Heinz BUDE, Aufstand der Unterschicht von Inge KLOEPFER und Links! von Christian RICKENS.

    SCHLOEMANN, Johann (2008): Das große Loch des Nichtstun.
    Eigenwillige Mischungen aus Einfühlung und Angstmache: Neue Bücher über die Chancenlosigkeit und den "Aufstand der Unterschicht",
    in: Literaturbeilage der Süddeutschen Zeitung v. 14.10.

    STORZ, Wolfgang (2008): Zwischen Suppenküche und Gourmet-Cuisine.
    Zeitbomben des sozialen Unfriedens: Inge Kloepfers Buch "Die Rückkehr der Klassengesellschaft" ist verdienstvoll aber auch ärgerlich,
    in: Freitag Nr.42 v. 16.10.

    GERSTENBERG, Ralph (2008): Sozialer Frieden in Gefahr,
    in:
    DeutschlandRadio v.10.11.

    MISIK, Robert (2008): Krieg in der Stadt,
    in:
    Falter v. 17.12.

     
           
       

    Auf immer kinderlos, die deutsche Extratour (2006).
    Irgend etwas ist schief gelaufen: Die Nachbarn in Europa haben wieder Kinder. Die Deutschen nicht
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.02.

     
       
         
     

    Zitat:

    Die Kultur der Kinderlosigkeit in Deutschland

    "Die Deutschen gehen einen Sonderweg. (...). Während sich Frankreich, die Niederlande und Skandinavien vom Geburtenknick erholen, bleibt Deutschland mit statistischen 1,3 bis 1,4 Kinder je Frau weit zurück. Das ist das Ergebnis alarmierender, zum Teil noch unveröffentlichter Studien. Sie zeigen das verheerende Ausmaß und die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen von 30 Jahren Kinderlosigkeit in Deutschland.
    (...).
    Im Klartext: Deutschland schrumpft, weil rein zahlenmäßig heute viel weniger Frauen als früher überhaupt noch als Mütter in Frage kommen.
    Tomás Sobotka (...) geht noch weiter: Eine »Kultur der Kinderlosigkeit« nimmt der Wissenschaftler in Deutschland wahr.
    (...).
    Selbst in Spanien und Italien deutet einiges wieder auf eine Rückkehr zur Mehr-Kinder-Familie - wenn auch noch zaghaft.
    (...).
    Warum fahren die Deutschen eine folgenschwere Extratour? Inzwischen wissen die Forscher: In Deutschland ist mehr passiert als nur ein Aufschub der Geburten. Der Timing-Effekt reicht als Erklärung nicht. Jahrzehnte lang hat die geringe Geburtenzahl auch gesellschaftliche Einstellungen verändert. Und zwar gründlich.
    »Deutschland hat eine Gesellschaft, die für Kinderlosigkeit optiert und diese Lebensentwürfe in hohem Maße akzeptiert«, sagt der Bevölkerungsforscher Sobotka. Im Klartext: Über Frauen, die keine Kinder haben, wundert sich niemand mehr. Im Gegenteil: Wer Kinder hat, hat die Beweislast.
    (...).
    »Die Kinderlosen«, sagt der Ifo-Forscher Martin Werding, »sind inzwischen zu gesellschaftlichen Vorbildern geworden, an denen sich die ökonomische Rationalität des einzelnen weiter formt.«
    (...).
    Statistisch ist die Entwicklung nicht mehr aufzuhalten. (...). Glaubt man den Soziologen und Demographen, ist es für eine Wende zu spät. (...). »Es gibt keine Anzeichen für einen Anstieg der Geburtenrate«, meint Werding.

     
         
     
           
         
       

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    Update: 17. Januar 2016