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Iris Enchelmaier: Abschied vom Kinderwunsch

 
       
   
  • Kurzbiographie

 
       
   

Iris Enchelmaier in ihrer eigenen Schreibe

 
   

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Iris Enchelmaier im Gespräch

 
   

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Abschied vom Kinderwunsch (2004).
Ein Ratgeber für Frauen, die ungewollt kinderlos geblieben sind
Stuttgart: Kreuz Verlag (vergriffen)

 
   
     
 

Klappentext

"Wenn das Wunschkind trotz aller medizinisch vorhandenen Möglichkeiten und unternommenen Versuchen ausbleibt, bedeutet das für viele, sich endgültig von diesem Traum zu verabschieden und neue Zukunftspläne entwickeln zu müssen. Immer mehr Paare geraten in diese Situation, die oft die Partnerschaft auf eine harte Probe stellt. Viele Frauen beschreiben diese Phase im Nachhinein als ihre schlimmste Lebenskrise. Iris Enchelmaier zeigt anhand zahlreicher Erfahrungsberichte von Frauen und Männern, wie unterschiedlich diese den unerfüllten Kinderwunsch verarbeiten, aber auch, wie neue Perspektiven gefunden werden können. Ein einfühlsam geschriebenes Buch, das zeigt, dass es durchaus möglich ist, über diesen Verlust hinwegzukommen und ein zufriedenes, erfülltes Leben zu führen. Mit großem Adressteil zum Finden von Selbsthilfegruppen und Therapiezentren."

Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis

Vorwort
Wenn das Wunschkind ausbleibt

Abschied vom nie geborenen Kind

Es gibt ein Leben danach

Gleiches Schicksal - ungleicher Umgang

Unterschiedliche Lebenswelten
Vater wird man, Mutter ist man
Frauen trauern anders - Männer auch
Unterschiedlichkeit als Chance

Die Kinderlosigkeit gemeinsam verarbeiten: "Wir haben gelernt, besser damit umzugehen"
Umgang mit Schuldgefühlen
Das soziale Umfeld - Annäherung an ein gegenseitiges Verstehen
Kinderlose erzeugen Sprachlosigkeit
Familienphase - Teil eines "normalen Lebens"
Entmystifizierung der Mutterrolle

Das habe ich mir ganz anders vorgestellt
Wenn aus zweien drei werden
Vater Staat und seine Mütter

Mut zur individuellen Weiblichkeit
Sexualität - Lust statt Frust

Motiven für den Kinderwunsch auf anderem Wege begegnen

Vom Wunsch, etwas in die Welt zu bringen

Das Tanten-Privileg
Soziales Engagement
Sich selbst in die Welt bringen

Etwas bleibt - auch ohne Kinder: "...dass sich die Welt nur ein ganz kleines bisschen verändert dadurch, dass ich hier bin."
Angst vor der Einsamkeit im Alter

Von Wahlfamilie bis Mehrgenerationenhaus
Pluspunkt für die Alten von morgen

Ohne Kinder alt werden: "Alleine bin ich nicht"

Einem fremden Kind ein Zuhause geben

Zitate:

Ungewollte Kinderlosigkeit im Zeitalter der Reproduktionsmedizin

"Immer mehr ungewollt Kinderlose vertrauen auf ärztliche Hilfe. 1998 suchten in Deutschland rund 30 000 Paare eine Fertilitätspraxis auf, drei Jahre später waren es bereits über 46 000. Aber auch 23 Jahre nach dem ersten deutschen Retortenbaby sind künstliche Befruchtungen kein Kinderspiel - schon gar nicht für Frauen. (...).
Schätzungsweise bleibt jedes sechste Paar in den westeuropäischen Ländern ungewollt kinderlos, mit steigender Tendenz. Die Anzahl und Qualität der Spermien hat in den letzten Jahrzehnten nachweislich abgenommen. Die Zahl derer, die die Gründung einer Familie auf einen immer späteren Zeitpunkt verschieben, steigt. Fatal, denn die Fruchtbarkeit ist bereits ab dem 30. Lebensjahr rückläufig, nach dem 40. nimmt sie rapide ab. Zwar kann belegt werden, dass die Erfolgschancen bei einer medizinischen Kinderwunschbehandlung zwischen 15 und 25 Prozent pro Behandlungsversuch liegen, eine Garantie auf ein Kind gibt es aber auch im 21. Jahrhundert nicht. Letztendlich gelangt nur jedes zweite Paar mit Kinderwunsch auf diese Weise zum ersehnten Erfolg."
(2004, S.12f.)

Die Verschiebung des Erstgebäralter in höhere Lebensalter

"Zwar hat sich die Lebensplanung junger Frauen stark verändert, aber die Gründung einer eigenen Familie ist für die Mehrzahl selbstverständlich - nur zu einem späteren Zeitpunkt. In den alten Bundesländern waren verheiratete Frauen im Jahr 1980 bei der Geburt ihres ersten Kindes durchschnittlich 25,2 Jahre alt, im Jahr 2000 ca. 29 Jahre. Auch in Ostdeutschland hat sich das Alter der Erstgebärenden im gleichen Zeitraum von durchschnittlich 22,7 Jahren auf 28 Jahre erhöht."
(2004, S.59)

Schuldgefühle der ungewollt Kinderlosen

"Kinderlose Frauen klagen sich an, weil sie:
• in früheren Jahren einen Schwangerschaftsabbruch hatten,
• die Familiengründung zu lange hinausgeschoben haben,
• zu lange beim falschen Mann geblieben sind,
• sich gegen reproduktionsmedizinische Versuche entschieden haben,
• nicht mehr die Kraft hatten, weitere künstliche Befruchtungen auf sich zu nehmen,
• die Diagnose »unfruchtbar« tragen."
(2004, S.79)

"Am schwersten fällt das Sich-selbst-Verzeihen bei einem zurückliegenden Schwangerschaftsabbruch. Menschen mit einem religiösen Hintergrund können ihre Unfruchtbarkeit sogar als »Strafe Gottes« deuten."
(2004, S.80)

Unfruchtbarkeit bei Mann und Frau

"Lange kursierte die Meinung, dass fast ausschließlich das weibliche Geschlecht dafür verantwortlich ist, wenn sich das Wunschkind nicht einstellt. Das Sperma eines Mannes wurde oft erst dann untersucht, wenn seine Partnerin sämtliche diagnostischen Möglichkeiten ergebnislos hinter sich gebracht hatte. Inzwischen weiß man, dass die Ursachen auf beiden Seiten zu suchen sind. Etwa bei der Hälfte der Paare, die ein Fertilitätszentrum aufsuchen, stellen die Ärzte beim Mann eine eingeschränkte Zeugungsfähigkeit fest."
(2004, S.81)

Kinderlose Partnerschaften als abweichender Lebensstil

"Auch heute noch ist eine Ehe oder Lebensgemeinschaft, die ohne Nachwuchs bleibt, keineswegs eine mögliche Lebensform unter vielen anderen, die selbstverständlich hingenommen wir. Sei weicht ab von einer gesellschaftlichen Norm. Kinderlose Frauen und Männer haben häufig das Gefühl, nicht dazuzugehören und aus bestimmten Lebensbereichen ausgeschlossen zu sein. Und nicht selten wird ihnen unterstellt, der Karriere zuliebe oder aus egoistischen Gründen auf Kinder verzichtet zu haben. Genährt wird diese Mutmaßung, wenn sich Paare als Ausgleich für den Verlust, den sie hinnehmen müssen, einen aufwändigeren Lebensstil zugelegt haben, einem teuren Hobby nachgehen oder mehrmals im Jahr Urlaub machen. Mit nicht überhörbarem Unterton werden sie als DINKS betitelt, was für »Double Income no Kids« (doppeltes Einkommen, keine Kinder) steht. Hinter dieser Äußerung steckt nicht selten Neid gestresster Eltern. Denn Kinderlose führen vor Augen, zu welchen Kompromissen Eltern gezwungen sind und mit welchen Einschränkungen sie sich arrangieren müssen. Diese Eltern wiederum werden von kinderlosen Frauen und Männern um ihr Familienglück beneidet."
(2004, S.85)

Unverständnis und Abwehrreaktionen bei Eltern gegenüber ungewollt Kinderlosen

"Für diejenigen, die mühelos Eltern geworden sind, ist der Verlust nicht nachvollziehbar. (...). Außerdem verkörpern Kinderlose, die keinen Hehl aus ihrem Schicksal machen, dass nicht alles im Leben planbar ist und glatt verläuft. Sie werden von Menschen, die sich vor den Schattenseiten des Lebens verschließen als Bedrohung ihrer heilen Welt wahrgenommen. (...).
Frauen, die Mütter sind, versuchen zu trösten, indem sie auf Erziehungsprobleme hinweisen und die Vorzüge eines kinderfreien Lebens preisen: »Du weißt ja gar nicht, wie gut es dir geht. Du hast so viel Zeit nur für dich und musst dich nicht mit den Dingen rumärgern, die mir das Leben schwer machen.« Solche Aussagen sind kränkend. Eine Frau, die gerne Kinder gehabt hätte, wäre jederzeit bereit gewesen, die zusätzlichen Alltagssorgen auf sich zu nehmen."
(2004, S.86f.)

Die "Kultur der Kinderlosigkeit" als Folge des Kinderkriegens im Bekanntenkreis

"Im Alter zwischen 20 und 40 Jahren (...) beginnt für die Mehrzahl der Menschen die Familienphase. (...) Die Rollen verändern sich und mit ihnen die Lebensgestaltung. Der gesamte Alltag muss auf die ungewohnten Bedingungen ausgerichtet werden. Das Bedürfnis ist groß, sich mit anderen Eltern auszutauschen, über die Freuden und Unsicherheiten, die großen und kleinen Sorgen. Aus dieser zentralen Lebensphase sind kinderlose Frauen mehr oder weniger ausgegrenzt. Als Gesprächspartnerin in Sachen Erziehung, Kinderkrankheiten oder Wahl der Schule werden sie selten zu Rate gezogen. Schlimmstenfalls erfahren sie sogar Zurückweisung: »Das kannst du nicht verstehen« oder »Du hat nicht diese Sorgen«. Besonders bitter ist es, wenn sich alles nur noch um die lieben Kleinen dreht und Mutterschaft idealisiert wird.
Oftmals treten kinderlose Frauen nach solchen Erfahrungen den Rückzug an. Die Angst vor der nächsten Schwangerschaft im Freundeskreis ist ihre ständige Begleiterin. Es tut weh, immer wieder zu erleben, dass andere das bekommen, was einem selbst verwehrt bleibt. Gleichzeitig wollen sie aber mit ihrem Kummer keinesfalls die Freude der werdenden oder frisch gebackenen Mutter trüben. Kommt es nicht zu einem offenen Gespräch über die unterschiedlichen Bedürfnisse, wird die Beziehung leiden, denn die innere Anspannung verhindert einen spontanen Austausch, und die junge Mutter wird sich überlegen, was sie über ihr Familienglück mitteilt und was nicht.
Mit der zeit wird sich der Bekanntenkreis von kinderlosen Paaren allmählich verändern, was eine ganz natürliche und heilsame Entwicklung ist. Sie werden feststellen, dass Sie sich von Menschen, die Ihr Schicksal teilen, besser verstanden fühlen und dass die Lebensstile besser zueinander passen."
(2004, S.88)

Die Generativität von Kinderlosen

"Frauen ohne Kinder geben zwar ihre Erbinformationen nicht weiter, aber wie sie gelebt haben, kann sehr wohl über ihren Tod hinaus Bestand haben. Es muss nichts Großes oder Materielles sein, und es ist nicht an Gene oder an einen Familiennamen gebunden. Sei können das Leben anderer bereichern und deren persönliche Entwicklung unterstützen, als gute Freundin, faire Kollegin, Vorbild, Tante.
Der Wunsch, etwas in der Welt zu hinterlassen, ist menschlich, aber nicht ausschließlich durch ein Kind realisierbar. Paare ohne Kinder müssen sich nur viel bewusster die Frage stellen, was sie in ihrem Leben hervorbringen und was sie wem vererben wollen. Diese Lebensrealität birgt auch eine große Chance, nämlich die, sich bewusst mit den eigenen Lebenszielen auseinander zu setzen - aber auch mit den Grenzen. Die Möglichkeit, die nicht gelebten Träume und Hoffnungen auf die Nachkommen zu übertragen, entfällt. Nicht verwirklichte Vorhaben können nicht mit der Ausrede: »Wir haben darauf verzichtet, denn unsere Kinder sollen es einmal besser haben als wir«, entschuldigt werden."
(2004, S.104f.)

Selbstverwirklichung und Konsum als funktionales Äquivalent zum Kinderhaben

"Sie müssen durch Ihre Kinderlosigkeit auf vieles verzichten - schaffen Sie sich dafür einen Ausgleich. (...). Sehen Sie es als Herausforderung und Chance, Ihr individuelles Leben zu kreieren. Erlauben Sie sich dabei, verschwenderisch zu sein und unkonventionelle Wege einzuschlagen. (...). Und auch das muss gesagt sein, obwohl viele Paare, die keine Eltern geworden sind, sich davor scheuen, aus Angst, den Kinderwunsch zu entweihen: Menschen ohne Kinder haben mehr Geld, über das sie frei verfügen und mit dem sie sich ihre Träume und Wünsche erfüllen können."
(2004, S.106f.)

Angst vor der Einsamkeit im Alter

"Wer wird sich um mich kümmern, wenn ich alt bin? Diese Frage beschäftigt wohl jede kinderlose Frau früher oder später. Statistisch gesehen sterben 71,4 Prozent der Männer vor ihren Frauen. Kein Sohn und keine Tochter wird dann mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn Entscheidungen zu treffen sind, schwere Einkäufe gemacht werden müssen oder ein Krankenhausaufenthalt ansteht. Und kein Enkel wird kindliche Ausgelassenheit in den Seniorenalltag bringen. Noch düsterer gestaltet sich der Blick in die Zukunft, wenn man auch die Möglichkeit, zum Pflegefall zu werden, mit einbezieht - Szenarien, die die Angst vor dem dritten Lebensabschnitt schüren.
Aber wer garantiert Müttern, dass sie von ihren Nachkommen versorgt oder wenigstens regelmäßig besucht werden, wenn sie gebrechlich sind? In allen Altersheimen gibt es zahlreiche Frauen mit Kindern. Wie viele von ihnen mögen darauf gehofft haben, in ihrer Familie alt zu werden? Und wie enttäuschend muss es sein, wenn sich herausstellt, dass die nächsten Angehörigen keinerlei Anstalten machen, die Versorgung zu übernehmen oder die äußeren Umstände eine häusliche Pflege nicht zulassen? Weil sie beruflich stark eingebunden sind, weit entfernt wohnen oder aus welchen Gründen auch immer den Kontakt abgebrochen haben. Abgesehen davon gibt es durchaus auch Frauen, die einen Lebensabend im Altenheim einer Pflege im familiären Umfeld vorziehen."
(2004, S.114)

 
     
 
       
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 15. August 2014
Update: 15. August 2014