[ Autoren der Single-Generation ] [ News ] [ Homepage ]

 
       
   

Iris Radisch: Die Schule der Frauen

 
       
   
  • Kurzbiographie

 
       
   
  • Aktuellster Beitrag
  •  
           
       

    Iris Radisch in ihrer eigenen Schreibe

     
       

    RADISCH, Iris (2004): Der Große Kommentator.
    Botho Strauß macht sich Notizen in der Uckermark über den Verfall der Zeit, über Schlehenblüten und Wärmespinnen,
    in: Die ZEIT Nr.14 v. 25.03.

    Anlässlich seines aktuellen Buches Der Untenstehende auf Zehnspitzen charakterisiert RADISCH den Schriftsteller Botho STRAUß folgendermaßen:

    "Zehn Jahre sind seit dem Anschwellenden Bocksgesang vergangen, und zwischen Strauß und seinen Kritikern ist Frieden eingekehrt. Botho Strauß ist nicht besser, aber die Welt ist schlechter geworden. Was einmal den strengen Beigeschmack des Ressentiments hatte, ist heute willkommene Revolte gegen die schier unerträgliche Ausdünnung und Virtualisierung des Lebens. Früher mochte mancher über den wetternden »Rechten in der Richte«, respektive auf dem märkischen Hügel noch spaßen. Wer jetzt noch immer kein Haus in der Uckermark hat, dem wird das Lachen bald vergehen… Mit anderen Worten: Während vor zehn Jahren niemand etwas wissen wollte von der konservativen Revolution der Verhältnisse, spricht Strauß – noch immer in der Pose des »vollkommen in aller Zeit Isolierten« – heute aus, was jeder denkt, der sein bisschen Verstand noch nicht zu Markte getragen hat.
    Die
    Minima Moralia, an der Strauß seit Jahren in vielen Fortsetzungen schreibt, ist kein Weltrettungsunternehmen – diesen Part hat für unsere Zeit Alexander Kluge übernommen, auch er ein Anhänger des Glaubens, dass Literatur die Welt nicht unterhalten, sondern verändern müsse. Das Endlosbuch des Botho Strauß ist Untergangsmusik, Klage, Leiden an der Gegenwart, Verklärung einer unbefleckten Vergangenheit, wie sie von Walther von der Vogelweide über Hölderlin bis Handke zum Sonderweg deutscher Literatur geworden ist.
    "

    RADISCH, Iris (2005): Was kommt?
    Nach dem Ende der rot-grünen Literatur,
    in: ZEIT Nr.30 v. 21.07.

    Schlechte Zeiten für Normalos, sind gute Zeiten für die Kultureliten, so muss man RADISCHs Kritik an der Kuschelliteratur der jungen Literaten deuten. Wenn postpubertäre Jungs wie Ijoma MANGOLD einen Ernst JÜNGER der Berliner Republik vermissen, dann dürfen ihnen postpubertäre Mädchen offenbar in Nichts nachstehen. Wer engagierte Literatur fordert, der darf sich nicht wundern, wenn das Engagement eine demokratiefeindliche Richtung einschlägt...

    RADISCH, Iris (2005): Mitten im Irrsinn.
    Meine Straße: Oranienstrasse 67, Berlin. West-Berlin in den sechziger Jahren. Eine Siedlung direkt an der Grenze zweier Staaten, die Mauer verlief gleich hinterm Haus. Wir Kinder fühlten uns trotzdem wohl,
    in: Die ZEIT Nr.32 v. 04.08.

    RADISCH, Iris (2005): Der geklonte Roman.
    Michel Houellebecq will sich mit seinem Opus magnum zum Untergang des Abendlandes selbst überbieten und scheitert gründlich,
    in: Die ZEIT Nr.36 v. 01.09.

    Iris RADISCH rechnet mit Michel HOUELLEBECQs Roman Die Möglichkeit einer Insel ab:

    "Der neue Roman (...) lässt keine Missverständnisse aufkommen. Er fügt dem bekannten provokativen Themenbausatz der bisherigen – Einsamkeit, Sexbesessenheit, vergebliche Suche nach Liebe, Kinderhass, Altenhass, Menschenpark-Fantasien – nichts mehr hinzu. Er perpetuiert auch den bekannten, extrem entspannten, anspruchslosen, irgendwie abwaschbaren Berichtsstil, der hier allerdings in den so genannten obszönen Passagen merkwürdig onkelhafte Töne anschlägt (»geile Miezen« haben »tolle Kurven«). Er mäht die schönen Frauen, wie gehabt, beizeiten nieder und quatscht traurig weiter – Elisabeth Bronfen würde sagen: »nur über ihre Leiche«. Er heischt wieder dezent nach Mitleid für seinen Helden und verteidigt desperadohaft dessen pornografisch inspiriertes Weltbild (»Es ließ sich nur noch schwer verheimlichen, dass das eigentliche Ziel der Menschen ausschließlich sexueller Natur war«). Mit anderen Worten: Ihn schmerzt wie üblich die Verödung der Welt, die zu nicht geringen Teilen ein Ergebnis seiner eigenen öden biologistischen Ansichten ist. Weit und breit nichts als Koketterie mit intellektueller Pornografie und dem Leid an ihr. Alles beim Alten. Der neue Roman ist ein Klon seiner Vorgänger."

    RADISCH, Iris (2006): Der Preis des Glücks.
    Junge Frauen bekommen überall zu hören: Kriegt Kinder, und zwar schnell! Über die Folgen werden sie getäuscht. Ein paar unbequeme Wahrheiten,
    in: Die ZEIT Nr.12 v. 16.03.

    Die reaktionäre GASCHKE-ZEIT hat für diese Ausgabe Sendepause. Der Artikel von Christine BRINCK über die Freuden des Frühgebärens hat wütende LeserInnenbriefe hervorgerufen. Der Artikel war erst gar nicht ins Netz gestellt worden. Nun hat man Iris RADISCH an die Gebär-Front geschickt, um die aufgebrachten Leserinnen zu besänftigen. Das ist alles jedoch  recht bieder. Die entscheidende Frage wird erst gar nicht gestellt: Gibt es überhaupt zu wenig Kinder?

    Die Wirtschaft verlangt nach billigen Arbeitskräften und kaufkräftigen Konsumenten, möchte aber die Reproduktionskosten für den Nachwuchs nicht mehr bezahlen (sprich Lohnnebenkosten). Den sollen nun die Eltern zahlen, die,  wenn die eigenen Kinder aus dem Haus sind, als Kinderlose an den Pranger gestellt werden. Der Staat verlangt nach zahlungskräftigen Steuerzahlern und Beitragszahlern. Statt jedoch das Kinderkriegen zu fördern, sollen die potenziellen Eltern - also junge Kinderlose - bestraft werden. Es gibt eine Tendenz, diese Fragen auszublenden oder an angebliche natürliche Sachzwänge zu delegieren. Zeigt uns diese Gesellschaft - jenseits der Sonntagsreden und Reproduktions-Enzykliken - nicht tagtäglich, dass wir alle nur überflüssig sind?

    RADISCH, Iris (2007): Männer!
    Von den Vätern war im Streit um die Kinderkrippen bisher nicht die Rede - da liegt das Problem,
    in: Die ZEIT Nr.10 v. 01.03.

    RADISCH, Iris (2007): Verträumte Blicke.
    Die Hausfrauenehe wird in aktuellen Debatten gerade wieder leidenschaftlich als Hort des wahren Familienglücks gepriesen. Dabei galt sie in Ostdeutschland längst als Phantombegriff, im Westen als fragwürdig gewordenes Modell. Zeit, diese Kampfformel der Familienpolitik noch mal genauer zu betrachten,
    in: Das Magazin, April

    RADISCH, Iris (2011): Die elementare Struktur der Verwandtschaft.
    Seine Majestät, das Ich, hatte viele Jahre die Alleinherrschaft über den deutschen Roman. Nicht nur zu seinem Vorteil. Jetzt kehrt mit aller Macht die Familie zurück. Und der Abschied vom Ich muss niemanden leidtun,
    in: Die ZEIT Nr.41 Literaturbeilage v. 06.10.

    Iris RADISCH sieht in der deutschen Literatur einen Paradigmenwechsel von der "Single-Gesellschaft" und ihrer Abrechnung mit den Eltern zur Familienchronik mit ihrer Betonung der Herkunft:

    "Der Selbstentwurf der ersten Nachkriegsgeneration als eine abstammungslose Ansammlung von Monaden ist einer der erfolgreichsten Gründungsmythen der Bundesrepublik. Der nomadisierende Einzelgänger war der literarische Lieblingsheld der aufstrebenden bundesdeutschen Angestelltengesellschaft",

    behauptet RADISCH und zieht eine Linie von Peter WEISS' Abschied von den Eltern über den jungen Peter HANDKE und Botho STRAUß zu Fritz ZORNs Mars und Bernward (und nicht Guntram wie RADISCH schreibt) VESPERs Die Reise.

    Am 20. Oktober 1978 titelte das ZEIT-Feuilleton Kontaktsperre. Es folgte eine Charakterisierung der modernen Literatur als Bestandsaufnahme der Beziehungslosigkeit von Fritz J. RADDATZ. Zu dieser Zeit geriet in Deutschland die Single-Gesellschaft als Bedrohung in den Focus der deutschen Medien. Es war kein Zufall, dass damals die zweite Generation Kinderlos in 100 Jahren und das Aussterben der Bundesdeutschen entdeckt wurde.

    Den Paradigmenwechsel macht RADISCH an 3 Autoren der Single-Generation fest: Oskar ROEHLERs Herkunft, Josef BIERBICHLERs Mittelreich und Eugen RUGEs In Zeiten des abnehmenden Lichts:

    "Jetzt sind die Enkel am Zug. Und machen einen Salto rückwärts. Drei der aufregendsten Romane dieses Literaturherbstes sind Generationenromane alter Schule. Sie sind geschrieben von drei männlichen Romandebütanten jenseits der 50 (...) (Sie) haben autobiografische Familienromane geschrieben, in denen sie ihre Vorfahren nicht zur Rechenschaft ziehen, sondern sich einreihen in die patrilineare Dreieinigkeit aus Großvater, Vater und Sohn. Die stolze Vaterlosigkeit, aus der die Autoren der alten Bundesrepublik ihr Kapital machten, ist einer Sehnsucht nach genealogischer Kontinuität gewichen. Das einsame Ich (...) ist seiner überlegenen Einsamkeit müde geworden und sucht nach seinem verlorenen Schatten: seiner Herkunft."

    Der Paradigmenwechsel in der Literatur begann 1999 mit Michel HOUELLEBECQs Doppelschlag Elementarteilchen und Ausweitung der Kampfzone, mit denen er zur Leitfigur einer Debatte um die sexuelle Revolution wurde. Seitdem sucht man in Deutschland den deutschen HOUELLEBECQ.

    "Wenn in diesen Büchern vom Familienleben erzählt wird, so geschieht dies kaum zu Propagandazwecken, sondern nur, um uns daran zu erinnern, dass man den elementaren Strukturen der Verwandtschaft genauso wenig entkommt wie dem Atemholen",

    schreibt RADISCH. Die Sehnsucht nach Genealogie bei unseren individualisierten Eliten ist eng verknüpft mit dem Ende der Aufstiegsgesellschaft und der erhofften (jene, die sich als Gewinner sehen) bzw. befürchteten (jene, die sich als Verlierer sehen) Polarisierung, die durch den Umbau des Sozialstaats beschleunigt wurde. Angesichts der diversen Szenarien vom Wegbrechen der breiten Mittelschicht gerät der Single als Pionier der Aufstiegsgesellschaft ins Abseits. In einer Gesellschaft, in der Doppel-Karriere-Familien das neue Leitbild sind, wird es für alle anderen Lebensformen enger.

    Neu:
    RADISCH, Iris (2014): Ab in die Ehe-Ruine.
    Ein willkommener Ausweg aus der Liebesunordnung der sexuell befreiten Gesellschaft: Die Zwangsheirat im Privatfernsehen,
    in:
    Die ZEIT Nr.28 v. 03.07.

    Iris RADISCH versucht zu erklären, warum die Idee der Zwangsverheiratung ausgerechnet in der Mitte der Gesellschaft neuerdings als attraktiv erscheint. Ausgangspunkt ist eine neue aus Dänemark importierte TV-Realityshowidee:

    "Die Idee, Fremde miteinander zu verheiraten kommt aus Dänemark. Sat.1 findet sie prima und spielt sie nach. Drehbeginn ist jetzt, gesendet wird im Herbst. Hunderte haben sich bereits darum beworben, eine Zwangs-Ehe einzugehen."

    RADISCH beschreibt die postmoderne Partnerwahl als Überforderung, was anhand der zusammengefassten Scheidungsziffer und Beispielen aus der Welt der politischen Elite illustriert wird. Ihre Diagnose: Der "Generation der Patchwork- und Scheidungskinder" fehlen die Vorbilder.

    Nichtsdestotrotz ist das bürgerliche Familienideal immer noch die Folie, vor dem das "Menschenversuchsfernsehen" (RADISCH) zu sehen ist. Aber die Erosion dieser traditionellen Familie sei nicht mehr aufzuhalten, wie RADISCH im Hinblick auf eine Auftragsstudie der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung erklärt:

    "Gerade hat eine aktuelle Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung den Christdemokraten wieder bescheinigt, wie weit ihr Familienbild von der Wirklichkeit in Deutschland entfernt ist. Familie, heißt es inzwischen, ist überall da, wo Kinder sind. Und das sind dann eben die zwei, die Ralf eigentlich mit Jutta hat, und das eine, das Eva und Ralf bekommen haben, bevor Eva und Barbara dann das Kind adoptiert haben".

    Familie ist nicht da wo Kinder sind, sondern nur noch dort wo erwünschte Geburten sind, denn in Deutschland wandelt sich die Familienpolitik, die auf einen "Lastenausgleich" abstellte, zu einer Bevölkerungspolitik, die auf einen "Leistungsausgleich" abzielt. Gerechtfertigt wird dieser Paradigmenwechsel, z.B. in dem Buch Demografie und Demokratie von Jens KERSTEN, Claudia NEU und Berthold VOGEL, mit dem Bevölkerungsrückgang.

    Verfechter einer solchen Politisierung des Wohlfahrtsstaates streben die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme an, obwohl durchaus umstritten ist, inwiefern ein zeitweiser und moderat verlaufender Bevölkerungsrückgang überhaupt ein Problem ist. Verfechter einer Politisierung argumentieren mit Extremfällen und stilisieren diese zum Normalfall. In der Stadtentwicklungsdebatte wurde und wird z.B. die "schrumpfende Stadt" zum neuen Prototyp der Stadtentwicklung erhoben, und avanciert damit zum neuen Leitbild der Stadtplanung. In der Realität existieren jedoch wachsende und schrumpfende Städte nebeneinander. Ausschlaggebend dafür ist jedoch weniger der Bevölkerungsrückgang an sich, sondern städtebauliche Fehlanreize beim Aufbau Ost bzw. Stadtumbau Ost, der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungs- bzw. Wissensgesellschaft (und damit der Niedergang altindustrieller Städte, die den Strukturwandel noch nicht geschafft haben) sowie die Entwicklung der Beschäftigungssituation, die das innerdeutsche Wanderungsgeschehen dominiert. Im Jahr 2003 haben GATZWEILER/MEYER/MILBERT in dem Beitrag Schrumpfende Städte in Deutschland? Fakten und Trends den Unterschied zwischen gesamtdeutschem Bevölkerungswachstum und die Auseinanderentwicklung der Kreise folgendermaßen beziffert:

    "Hinter dem Gesamtbild einer um 3 % wachsenden Bevölkerung in Deutschland verbergen sich (...) ein um gut 7 % wachsender Teil und ein um knapp 5 % schrumpfender Teil." (2003, S.568)

    Nicht die Ursachen dieser Polarisierung in wachsende und schrumpfende Kreise steht jedoch im Fokus der Debatte, sondern die einfache Fortschreibung dieses Momentanbildes in die fernere Zukunft.

    Es ist gerade diese Demografisierung der gesellschaftlichen Probleme, die die Zukunftsfähigkeit in Deutschland bedrohen könnte, weil starkes Schrumpfen als Ausgangspunkt politischen Handelns die positiven Entwicklungen aus dem Blick verliert, die als Ansatzpunkt geeigneter wären.

     
           
       

    Iris Radisch: Porträts und Gespräche

     
       

    DOBRATZ, Renate (2006): Quer durch die Republik.
    Leben in der Fernbeziehung,
    in: Eckpunkt. Sendung des SWR 2 v. 31.01.

    Bericht über die Fernbeziehung von Iris RADISCH und Eberhard RATHGEB:

    "In der Soziologie nennt man das Spagatfamilie. Der Soziologe Ulrich Beck hat diesen Begriff in den 80er Jahren geprägt. In diesem Spagat, ein Leben auf zwei Städte aufzuteilen, sieht er die Gefahr, dass die Ehe in die Brüche geht. Er hält die Fernbeziehung für den ersten Schritt zur Scheidung. Doch heute wird das meistens unfreiwillige Lebensmodell fast zur Normalität. Es ist immer unwahrscheinlicher, den passenden Arbeitsplatz in der Nähe zu finden."

    HEIM, Susanna (2007): "Wir müssen das Ethos der Elternschaft dringend wieder ernster nehmen",
    in: Neue Zürcher Zeitung am Sonntag v. 25.02.

    HERPELL, Gabriela (2007): "Ich finde nicht, dass alles easy ist".
    Statt der Modellfamilie gibt es viele Familienmodelle. Nicht alle sind bunt und lustig, meint Iris Radisch, Buchautorin und Literaturkritikerin,
    in: Süddeutsche online v. 28.03.

     
           
       

    Die Schule der Frauen (2007).
    Wie wir die Familie neu erfinden
    Deutsche Verlagsanstalt

     
       
         
     

    Klappentext

    "Klartext zu Frauen, Kindern und Karriere

    Männchen, Weibchen, Nest und Nachwuchs, das ist der Gang der Welt seit Anbeginn. An den evolutionären Grundgesetzen kommt man ohne Folgen nicht vorbei. Die Natur rächt sich an der Moderne, den hemmungslosen Einsatz der Pille bestraft sie mit Engpässen in der Rentenfinanzierung. In den panischen Gebärkampagnen der letzten Monate werden Frauen einem enormen Druck ausgesetzt. Die emanzipierte, arbeitende Frau gerät in Misskredit. Dabei ist die Gleichberechtigung von Mann und Frau eine wunderbare Sache, die nicht mehr zurückgenommen werden kann. Wir müssen sie verteidigen, auch wenn sie oft nicht funktioniert, wie insbesondere bei der Familiengründung. Mit Kindern kommt die Moderne ins Stottern und ohne Kinder auch. In diesem Paradox leben wir, in diesem Paradox müssen wir uns einrichten. Wie wir das schaffen können, davon erzählt dieses Buch. Dass Kinder glücklich machen, steht dabei nicht zur Debatte. Wir sollten dem Glück nur offen in die Augen sehen."

     
         
     
           
       

    Vorabdruck

    RADISCH, Iris (2007): Schluss mit dem Streit!
    Vollzeitmütter und berufstätige Mütter führen einen Kampf um das beste Lebensmodell. Damit werden sie die Familie nicht retten,
    in: Die ZEIT Nr.8 v. 15.02.

    Iris RADISCH hat noch einmal den aktuellen Kampf der Familienlebensstile rekapituliert, der auch innerhalb der ZEIT tobte (z.B. Ulrich GREINER oder Susanne MAYER). Im Gegensatz zum Politikwissenschaftler Claus LEGGEWIE, der die Frontlinie zwischen Eltern und Kinderlosen sieht, kommt RADISCH zu dem Schluss, dass die Fronten im Kampf der Familienlebenstile immer noch verhärtet sind:

    "Der Barrikadenkampf zwischen den Anhängern des Glaubens an eine rückstandsfreie Vereinbarung von Kindern und Karriere einerseits und den Verfechtern der mütterlichen Prädestinationslehre andererseits ist unwürdig und fruchtlos. (...): Eine neutrale Position zwischen den Fronten, die dafür plädiert, dass jeder nach seiner Fasson glücklich werden sollte, drückt sich um die Antwort (...).
    Außer Polemik ist in dieser Debatte noch nicht viel hervorgebracht worden",

    kritisiert RADISCH und schiebt den schwarzen Peter den Männern zu:

    "Wir sollten uns eine Pause gönnen. Jetzt ist es an den Männern, uns einzuholen. Die Männer müssen sich bewegen, sie müssen die männliche Hälfte der Welt mit uns teilen und die weibliche endlich erobern. (...). Nicht wir sind es, die sich verweiblichen müssen, die Männer müssen es tun. Und nicht wir sind es, die Kinder und Karriere weiterhin immer nur fleißig addieren sollten, die Männer müssen es uns gleichtun. Dann wird der Krieg ein Ende haben",

    glaubt RADISCH.

     
       

    Rezensionen

    TEUWSEN, Peer (2007): Einsichten vor dem Wäschetrockner.
    Warum bekommen wir immer weniger Kinder? Die Literaturkritikerin Iris Radisch, selbst dreifache Mutter, hat ein beeindruckend ehrliches Buch geschrieben,
    in: Weltwoche Nr.7 v. 15.02.

    KAHLWEIT, Cathrin (2007): Das Schütteln an der Krippe,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 22.02.

    LANGE, Alexa Hennig von (2007): Das große und kleine Glück der Mutterschaft.
    In ihrem Buch "Die Schule der Frauen" wirbt Literaturkritikerin Iris Radisch fürs Kinderkriegen,
    in: Welt am Sonntag v. 25.02.

    WEIDENFELD, Ursula (2007): Land ohne Väter.
    Um die Familie neu zu erfinden, meint Iris Radisch, brauchen wir neue Männer,
    in: Tagesspiegel v. 05.03.

    "Iris Radisch ist eine der wenigen im gegenwärtigen Familien-Debattenclub, die ehrlich genug ist, nur für sich, ihre Frauengeneration und nur für ihr Milieu, die gutgestellten intellektuellen Frauen zwischen 40 und 60 zu sprechen. Sie verzichtet darauf, die Kinderfrage mit dem Armutsproblem zu vermengen, die Erziehungsaufgabe der Eltern gegen mehr Weiterbildungsgeld für Kindergärtnerinnen auszuspielen, berufstätige und Hausfrauenmütter zu bewerten.
                 Stattdessen widmet sie sich einer guten altlinken Frage: Wo sind die neuen Väter, die die neue Familie braucht?" meint Ursula WEIDENFELD.

    SEIBEL, Andreas (2007): Liebe, Arbeit, Kinder.
    Iris Radisch gründet eine "Schule der Frauen" und fordert mehr Familienzeit,
    in: Welt v. 17.03.

    DECKER, Kerstin (2007): DDR-Frauen kommen nicht vor,
    in: Neues Deutschland v. 17.03.

    "»Die Schule der Frauen« ist zuerst eine Bestandsaufnahme, eine Situationsbestimmung, kein Lehrbuch. Das ist seine Stärke. Manche Dinge weiß man, und weiß doch nicht um ihre Einmaligkeit. Radisch sagt, ihre Generation sei die erste, für deren Frauenleben es in der Geschichte nirgends ein Vorbild gab. Sie meint die heute Vierzig- bis Fünfzigjährigen",

    schreibt Kerstin DECKER über die Karrierefrauen der Single-Generation.

    "Vieles deutet darauf hin, dass der »Trend zur allein lebenden Karrierefrau« keineswegs mit der Generation Golf begann, sondern bereits die Frauen der Single-Generation lebten dieses neue Muster vor. Dafür spricht, dass der Anstieg nicht erst 1995 begann, sondern sich bereits in den 70er Jahren entwickelt hat. Im Zuge der Bildungsexpansion haben sich neue Chancen für allein lebende Frauen ergeben",

    heißt es in einer Analyse von single-generation.de im Beitrag Allein lebende Frauen und Männer in den alten Bundesländern.

    KRAMM, Jutta (2007): Geschichten aus dem Hamsterrad.
    Iris Radisch sucht neue Männer und neue Familien,
    in: Berliner Zeitung v. 20.03.

    "Den Preis des Vereinbarkeitsdiktats zahlen alle, Mütter, Väter, Kinder.
                
    Es ist ja gut, diese Wahrheiten so klar auszusprechen. Nur: Radisch findet auf 187 keine Antwort auf ihre Fragen. (...). Was nicht mehr funktioniert, das beschreibt sie genau. Aber es ist doch ein bisschen wenig, den Zustand der Verunsicherung zu beklagen, um am Ende nur wieder generell das Umdenken der Männer, Verlässlichkeit in der Liebe, Freiheit in den Geschlechterrollen und Zeitschutzzonen für Familien zu verlangen", meint Jutta KRAMM zum Buch.

    MEISTER, Martina (2007): Geschenkte Zeit.
    Mutig und schonungslos: Iris Radisch hat sich Gedanken über die Zukunft der Familie gemacht,
    in:
    Literaturbeilage der Frankfurter Rundschau v. 21.03.

    Mit viel Pathos preist Martina MEISTER das Buch Die Schule der Frauen von Iris RADISCH an.

    "Es geht um die Kinderfrage, auf welche der Feminismus keine, das Patriarchat die falsche Antwort hinterlassen hat",

    fasst MEISTER das Problem zusammen. Sie attestiert der Autorin eine schonungslose Analyse, die sich mit allen anlegt:

    "Radisch ist in ihrer Analyse so schonungslos, dass sie sich im Grunde mit allen anlegt: mit den Powerfrauen, die sich selbst belügen; mit den Männern, die sich den Problemen entziehen, indem sie sich für das bewährte Doris-Modell, also für den Neuanfang mit einer deutlich jüngeren Frau entscheiden, oder für das Pilati-Modell optieren, bei der die neue Partnerin aus der Gefahrenzone der Gebärfähigkeit bereits heraus ist; vor allem aber legt sie sich mit den Hausfrauen an, die in ihren Augen eine beneidenswerte und aus Steuergeldern finanzierte Kaffeehausexistenz führen."

    Eine Antwort auf die Kinderfrage sei nötig, weil nur noch die Wahl zwischen Lebensentwürfen bleibe, die allesamt nicht aufgehen würden, fährt MEISTER fort, um zuletzt auf die politischen Forderungen einzugehen:

    "Es geht um (...) die Einsicht, dass es mit Elterngeld und mehr Krippenplätzen allein immer noch nicht getan ist. Radisch fordert »geschenkte Zeit«, Kinderzeit für Mütter und Väter bei vollem Rentenausgleich und voller Anerkennung in den Sozialversicherungen. Es ist ein kühner Traum. Aber wir haben gar keine andere Wahl: Er muss jetzt ganz schnell Schule machen."

    BREITENFELLNER, Kirstin (2007): Leben ohne Vorbilder.
    Frauen zurück an den Herd! Lohnt es überhaupt, Eva Hermans krause Forderung zu diskutieren? Ja: über die Frage, wie wir leben sollen, muss gestritten werden,
    in: Falter Nr.12 v. 21.03.

    GEISEL, Sieglinde (2007): Eltern als Aussteiger.
    Iris Radischs Buch "Schule der Frauen",
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 23.05.

    "Iris Radisch formuliert Dinge, die in der Luft liegen – darin liegt die Stärke ihres Buchs. So vermisst sie etwa eine «Ästhetik des Familiären». (...). Bücher zu aktuellen Debatten wollen schnell geschrieben sein – diesem Effizienzprinzip des Marktes hat Iris Radisch leider nicht widerstanden. (...). Die grösste Schwäche des Buchs jedoch liegt in seiner aufgeregten Dauerempörung, hinter der man die weibliche Pose der Aufmüpfigkeit spürt. Was beim Lesen amüsant sein mag, zeugt letztlich von mangelnder Souveränität und hemmt bedauerlicherweise die Schlagkraft der Attacke", meint Sieglinde GEISEL.

     
       

    Das Buch in der Debatte

    GÜNTNER, Joachim (2007): Hüpfen im Takt der Moderne.
    Die alte bürgerliche Familie ist tot, die neue soll flexibler sein - eine deutsche Debatte,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 09.03.

    Am Ende kommt GÜNTNER noch auf das neue Buch Die Schule der Frauen der Kollegin Iris RADISCH zu sprechen:

    "Hoffnung setzt Radisch nicht in eine Revision der Moderne - sie will kein Zurück -, sondern sie verlangt, die Allgemeinheit möge den Eltern Zeit für ihre Kinder schenken, «alles selbstverständlich mit vollem Rentenausgleich und voller Anerkennung in der Sozialversicherung». In den so gewonnenen «Zeitschutzzonen» soll die Familie zu sich selbst kommen. Als «Gegenmodell zur Allgewalt der Ökonomie und der Beschleunigung» figuriert die Familie bei Radisch wie bei Horkheimer. «Utopisches Träumen» aber wird man ihre Mach-mal-länger- Pause-Philosophie kaum nennen können."

    ZIPS, Martin (2007): Vorsicht, Besserwisser!
    SZ-Serie Projekt Familie (Teil 3): Eva Herman, Iris Radisch, Christian Nürnberger: Warum die neuen Helden der Elternratgeber-Prosa einfach nur nerven,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 20.03.

    Martin ZIPS hat die Bücher zur politischen Debatte um die Familie von Eva HERMAN ("Das Eva-Prinzip"), Iris RADISCH ("Die Schule der Frauen") und Christian NÜRNBERGER & Petra GERSTER ("Der Erziehungsnotstand") als Beispiele für Elternratgeber gelesen. Sein Fazit:

    "Was Eltern wirklich interessiert, nämlich wo es ordentlich bezahlte Teilzeitstellen gibt und welche Krippe günstig, unbürokratisch und auch mal nur für ein paar Stunden Kinder aufnimmt (...) steht leider nicht in Elternratgebern. Insofern war die Lektüre pure Zeitverschwendung."

     
       

    Weiterführende Links

     
         
       
     
       

    Bitte beachten Sie:
    single-generation.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

     
       
     
         
       
     
       
    © 2002-2016
    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 19. Februar 2007
    Update: 20. März 2016