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Matthias Horx: Das Ende der Alternativen

 
       
   

Matthias Horx bei single-generation.de

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    Das Ende der Alternativen (1985).
    Was aus den Kommunen, den Aussteigern und Spontis geworden ist
    München: Heyne (vergriffen)

     
       
         
     

    Klappentext

    "Viele wahre Geschichten werden in diesem Buch erzählt. Von Gerd, dem Proletensohn, der mit dem Autor nachts Farbbeutel an die Wände schmiß und der heute Shows im Fernsehen moderiert. Von Lydia, der Lehrerin, die nach Jamaica ging und, mit einem Rastafari verheiratet, zurückkam. Von Thomas, der in einem Wohngemeinschaftshaus eine Autowerkstatt betrieb - heute dient er dem wohlhabenden Teil der linken Szene in seinem Ledersesselbüro als Vermögensberater. Von Johannes, der Gisela in einer jener vertrackten »Beziehungskisten« fast das Herz brach und der heute eine so konsequente Ehe betreibt, wie das seine Eltern niemals fertiggebracht haben. Von Sigi, der fast ein Jahrzehnt im Kinderladen Bezugsperson war, bevor er zum Bhagwan eilte.
    Es sind lustige, traurige, skurrile Geschichten von Katastrophen, Brüchen und Zusammenbrüchen, aber auch Geschichten voller Glück über entdecktes Neuland. Geschichten, die noch nicht zu Ende sind."

    Inhaltsverzeichnis

    Entree: Wirklich vorbei?

    Revolutionäre (Alp)Träume

    Wohngemeinschaften - Knatsch ohne Ende?

    Krisenkarussell
    Die Phänomene: Vermischungswahn und Menschenkonsumismus
    Die Wiedergutmachtung der Familie
    Versuche der Reform
    Die Kunst der Balance

    Exkurs: Der Bauch der Gesellschaft

    Alternativprojekte: Die Gruppe als Chef

    Das kollektive Museum
    Die Sehnsucht nach den Chefs
    Jenseits der "identischen Gruppe"?

    Exkurs: Kleine Geschichten von Geld und Genuß

    Liebe, ach!

    Junges Glück
    (Sehn)Sucht nach Bindung
    Heim und Herd: Ein alternatives Tabu
    Eine neue Doppelmoral?

    Exkurs: Die Angst vor der Normalität und die Sehnsucht nach Leid

    Basis? Demokratie? Systemüberwindung?

    Apokalypse als Revolutionsersatz
    Die Etablierung der Alternativen: Anpassung oder Emanzipation?
    Vom Opfer zum Täter: Das emanzipatorische Paradox
    Zwischen Basis und Demokratie

    Was bleibt? Was beginnt?

    Die polyvalente Gesellschaft
    Der Traum von der Qualität

    Zitate:

    Paare und Singles als Zerfallsprodukte der Alternativbewegung & ihr Beitrag zur großstädtischen Gentrification 

    "Böse Zungen behaupten, daß die Wohnungsnot in einer Metropole wie Frankfurt inzwischen nicht mehr auf das Konto von geldgierigen Spekulanten oder bauwütigen Abreißern geht, sondern von einer Explosion derjenigen Bedürfnisse verursacht ist, die in der Hoch-Zeit der Wohngemeinschaftsbewegung unwichtig schienen: Die in den WGs angestauten Gelüste auf Platz und Privatheit führen zu einem geradezu ausufernden Raumbedarf; geräumige Altbauwohnungen, in denen früher sechsköpfige Wohngemeinschaften eine gemeinsame Küche teilten, werden heute von überschuldeten, flüchtenden Paaren mit unstillbarer Sehnsucht nach Idylle okkupiert. (Wer mit offenen Augen durch die traditionellen »alternativen« Stadtviertel Frankfurts geht, kann diese Wohnungen am makellosen weißen Stuck, den vielen wohlarrangierten Zimmerpflanzen und den Oma-Vitrinen erkennen.) Den Rest der Wohnungsnot, so die Lästerer, besorgen die »Post-WG-Singles« mit ihrem Trend zur Zwei- oder Dreizimmerwohnung (»Jahrelang habe ich in einem Zimmer mit 'nem versifften Bad gehaust, jetzt ist Schluß!«).
    Vieles, aber nicht alles an dieser Entwicklung hat mit Geld zu tun. Aus der relativen Armut der Studentenjahre, die die Lebensform Wohngemeinschaft nicht nur aus kulturrevolutionären, sondern auch aus ökonomischen Gründen zwingend machte, sind viele in den »alternativen Mittelstand« aufgestiegen." (S.26f.)

    Das neue Ideal jenseits von überfordernder Kommune und oberflächlicher Zweck-WG: Die Hausgemeinschaft

    Man stelle sich zum Beispiel eine alte Mühle vor, am Stadtrand gelegen. Drei Paare und drei Singles haben sie gekauft. Die Renovierung wird wahrscheinlich niemals abgeschlossen sein - sie ist verbindendes Projekt, kollektiver Sinn. Aber nur zum Teil: neben den Utopien eines Solargewächshauses, der Nutzung des alten Mühlrades für die Heizung, eines kleinen Cafés steht die (akzeptierte) Realität des täglichen Geldverdienens. Die meisten arbeiten außerhalb, aber in der Mühle gibt es Werkstätten, deren Möglichkeiten vom Vollgelderwerb bis zum puren Hobby reichen. Die Paare leben in getrennten Etagen mit getrennten Küchen, die drei Singles bilden eine kleine WG. Es gibt drei Kinder.
    (...).
    Trotz des gemeinsamen Hauses wird nicht versucht, alles »unter einen Hut«  zu bekommen. Es gibt verschiedene Sphären: eine verbindende (das Haus), eine »geborgene« (die Ehe oder Beziehung), eine individuelle (den Beruf), es gibt »Verschiebungsmöglichkeiten« innerhalb des Projektes, die eine Flexibilität zwischen den verschiedenen Sektoren des Lebens ermöglichen."

    Der Bobo als Erbe der Alternativbewegung

    "Die »Generation der qualitativen Unternehmer« wird so oder so entstehen, sie ist im Grund das soziale Nachfolge-Produkt der alternativen, der rebellischen Ära, eine Synthese zwischen Wohlstandstraum und »neuer Lebens-Qualitätslust«. (Wir erleben ihre Entstehung in der amerikanischen »Yuppie«-Schicht ebenso wie bei den französischen »nouveau entrepreneurs«) Die Frage ist nur, ob diese »Verschmelzung der Mythen«, der kommende Modernismus, sämtliche Ansprüche an politische Moral und gesamtgesellschaftliches Denken verlorengehen läßt (...) oder ob die politischen, die gesellschaftsverändernden Impulse in diesem (Neu)Formierungsprozeß weiter Bestand haben." (S.73)

    Svende Merians "Der Tod des Märchenprinzen" - Zwischen dem Bedürfnis nach  Autonomie und dem Wunsch nach Geborgenheit

    "Svendes so larmoyant und ungefiltert »aus dem Bauch« geschriebenes Tagebuchwerk trifft einen Kern: Hinter der Fassade der aufgeklärten Beziehungsrationalismen, der Verherrlichung der Autonomie ist unaufhörlich ein geradezu monströses Wunschbild von der Superfrau und dem Idealmann gewachsen. Der »Märchenprinz« schildert, wie sich die Anspruchsschraube unaufhörlich ins Infinitesimale dreht. Er zeigt die paradoxen Aspekte der »Beziehungskisten«: Der »autonome Mensch« darf keine Schwächen, keine regressiven Bedürfnisse (etwa die nach Treue oder Sicherheit) mehr haben, er wäre dann ja nicht mehr autonom. Gleichzeitig sehnt man sich aber unaufhörlich nach seinen Fittichen, was man nicht zugeben darf. Svende Merian bombardiert ihren Prinzen mit emanzipatorischen Ansprüchen, die sich aber auf eine seltsame Art und Weise als Vorwände entlarven, hinter denen massiv der Wunsch nach Geborgenheit lauert." (S.86f.)

    Der Differenzfeminismus rechtfertigt die Vollzeitmutterrolle als Wahlfreiheit

    "Bettinas Anspruch ist seit einem Jahr (seit der Kinderwunsch in ihr »reifte«) anders geworden (...). »Ich sehe gar nicht ein«, sagt sie fast böse, »warum meine wesentliche Produktivkraft als Frau - nämlich Kinderkriegen - brachliegen sollte. Ich habe das Gefühl, daß die Männer uns allmählich auch noch diese Domäne klauen wollen, gerade das, was Männer und Frauen unterscheidet. Wenn ich ehrlich bin: Ich will eigentlich gar nicht meine Erfüllung im Beruf. Ich will Mutter sein (...). Da gibt es immer die komischten Anmachen, wenn ich so etwas sage, auch und gerade von Frauen. Plötzlich muß man sogar Rollen, die man freiwillig übernehmen will, verteidigen - weil es sie früher nur zwangsweise gab!«" (S.94)

    Pressestimmen

    "Weder Alte noch Kinder verdienen in der Springprozession dieser Szene eine Überlegung. Alt ist in ihr noch keiner geworden. Und die Kinder sind Huckepack kreuz und quer übers gesellschaftliche Experimentierfeld mitgeschleift worden. Sie werden das Ergebnis später selber melden.
          
      Aktueller erscheint die Frage, ob und wann eine Szene-Frau Kinder bekommen solle (...).
          
      (...).
    Hausfrau und Mutter will sie sein. (...). Also totaler Rückfall? Die Schwangere sagt nein. Es liege Fortschritt darin, eine Rolle freiwillig zu übernehmen, die einem früher einmal aufgezwungen worden wäre.

          
      Damit stoßen wir auf die heute wohl wichtigste Formel für den alternativen Kompromiß: Hauptsache, der Kopf bleibt frei; so frei, sich seine Freiheit einzubilden."
    (Peter Brügge im Spiegel v. 02.12.1985)

     
         
     
           
       

    Rezensionen

    Neu:
    BRÜGGE, Peter (1985): "Demutsvolle Demo zum Standesamt".
    Über das Ende der Alternativkultur,
    in: Spiegel Nr.49 v. 02.12.

     
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 31. Juli 2005
    Update: 02. Juli 2011