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Thomas E. Schmidt: Das Ende des Sommers der Selbstbestimmung

 
       
   
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    Thomas E. Schmidt in seiner eigenen Schreibe

     
       

    SCHMIDT, Thomas E. (2001): Ist nun Schluss mit lustig?
    Es mehren sich die Stimmen, die ein Ende der heiteren Beliebigkeit fordern. Die Wertevielfalt wird zum Feind erklärt. Doch Pluralismus ist keine Schwäche, sondern Stärke

    in: Die ZEIT Nr.45 v. 31.10.

    Thomas E. SCHMIDT verteidigt die "Spaßgesellschaft" ("Republik ohne Mitte" im Sinne von Richard HERZINGER) gegen die "Kulturexistenzialisten", d.h. den "Existenzialismus des einsam in der Globalisierung stehenden historischen Subjekts".

    SCHMIDT, Thomas E. (2002): Die neue Bürgerlichkeit.
    Mehr Lebensstil als Besitz, mehr Ehrgeiz als Herkunft: Die Deutschen suchen das Bourgeoise,
    in: Die ZEIT Nr.16 v. 11.04.

    SCHMIDT skizziert das Wiederaufleben der bürgerlichen Attitüde nach dem Ende des Bürgertums. Dabei streift SCHMIDT so gut wie jedes modische Thema von der Angst vor dem Aussterben bis zum übermächtigen Wunsch der Eliten nach Führung (SCHMIDT nennt das als Angehöriger eben dieser Elite im Wartestand natürlich Wunsch nach Orientierung!). Eigentlich geht es SCHMIDT auch nur um die Verbürgerlichung der linken Milieus. Dazu holt er zu einer oberflächlichen Typisierung der einzelnen Milieus in den alten Bundesländern aus, um am Schluss bei der Erbengeneration zu landen. Die Krux dieser Generation ist, das sie zum einen die "eiserne bundesrepublikanische Klammer zwischen Wohlstand und Meriten" - also das Leistungsprinzip - auflöst und anderseits dadurch auf den Sozialstaat nicht angewiesen ist bzw. ihn als Klotz am Bein empfindet. SCHMIDT malt die schöne Erbenwelt, in der die Erben der Angestelltenwelt entfliehen, sich Freiberufler trotz Familie über Wasser halten können und der Gegensatz zwischen Individualismus und Gemeinwohlorientierung verdampft, in rosafarbenen Tönen.

    Die schöne Erbenwelt hat nur einen KLEINEN Haken! Die Erbengeneration ist gespalten in viele Nicht bzw. Gering-Erbende und wenige Viel-Erbende. Die Konsequenzen skizziert SCHMIDT folgendermaßen:

    "Die Jüngeren werden sich nicht an den Alten reiben, weil die ihre Aufstiegs- und Versorgungschancen zunichte machen. Die Bruchlinie wird vielmehr zwischen jenen verlaufen, die ihr Leben in Selbstbestimmung und Selbstverantwortung organisieren können, und jenen, die mehr denn je auf staatliche Politik und staatliche Förderung angewiesen sind."

    SCHMIDT ist jedoch unverbesserlicher Optimist, denn die Spaßgesellschaft ist nicht der Untergang der solidarischen Gesellschaft, sondern ihre Fortsetzung mit anderen Mitteln. Das Zauberwort heiß individuelle Moral:

    "Entgegen der Vermutung droht Moralität keineswegs zu verdampfen. Nur muss sich die Person das normative Gerüst selbst zimmern, in dessen Rahmen sie leben will. Darin steckt auch Rebellion".

    Der Soziologe hat sich mit der Spaltung der Erbengenerationen beschäftigt:

    Marc Szydlik - familiale, ökonomische und politische Generationenbeziehungen

    SCHMIDT, Thomas E. (2002): Die Zeit der Gummibärchen.
    In den USA wird die Kultserie "Ally McBeal" eingestellt,
    in: Die ZEIT Nr.18 v. 25.04.

    Für Thomas E. SCHMIDT steht Ally McBeal für die "Märchenwelt der Clinton-Ära" mit ihrer Weltsicht der Bobos und den "fernen Glücksverheißungen des Softpop abends in der Bar". Was kommt, fragt SCHMIDT zum Abschluss:

    "Welcher Sozialcharakter der Bush-Ära wird nun nach Ally Soap-fähig? Ist es Ling, das marktliberale Luder ohne Herz auf dem rechten Fleck, dafür mit einem soft spot in der Kniekehle? Oder Ozzy Osbourne, der wegen Drogen bei Black Sabbath rausflog und sich heute dabei filmen lässt, wie er ein anständiges Familienleben organisiert?"

    Wenn man der FAZ glauben darf, dann ist nach Ally vor Ally!

    SCHMIDT, Thomas E. (2002): In die Prada-Tasche gemurmelt.
    Cool und neu und das Ohr am Herzen der ravenden Klasse - für einen Augenblick sah es so aus, als entwickelten die Jüngeren ihre eigene Sprache. Aber leider: Popliteratur und Popjournalismus welken dahin,
    in: Die ZEIT Nr.38 v. 12.09.

    Die Debatte um das Ende der Popliteratur

    SCHMIDT, Thomas E. (2002): Widerstand durch Mitarbeit.
    Gesellschaftskritik erreicht die Politik kaum noch. Warum der Intellektuelle sich heute die Verachtung der Gegenwart nicht leisten kann,
    in: Die ZEIT Nr.43 v. 17.10.

    SCHMIDT, Thomas E. (2002): In der Wagenburg der Liebe.
    Die Familie wird in der Wirtschaftsflaute wieder zur Notgemeinschaft. Wir werden ärmer und spießiger. Kinder machen in Zukunft das Leben schwer oder sie sind neue Statussymbole,
    in: Die ZEIT Nr.49 v. 28.11.

    "Der Sommer der Selbstbestimmung und der Eigenverantwortung ist vorüber, der soziale Konformismus der Fünfziger kehrt zurück",

    ruft uns Thomas E. SCHMIDT zu. Das hat der Spiegel jedoch bereits im letzten Sommer verkündet! Nicht nur die Familie soll wieder zur Notgemeinschaft werden:

    "Auch in den Single-Apartments wird die Temperaturveränderung im Leben spürbar sein",

    prophezeit uns SCHMIDT. Aber möchte man solchen Deprimismus aus der Feder eines Bobokraten lesen? Jetzt sind Visionen gefragt und kein Genörgel von Miesepetern...

    SCHMIDT, Thomas E. (2003): Mit Pace aus der Patsche.
    Friedensdemos, Gewerkschaftsproteste: Die Regierung Schröder und das Plebiszitäre,
    in: Die ZEIT Nr.21 v. 15.05.

    SCHMIDT, Thomas (2003): Jugend ohne Raum.
    Die Alten haben die Zukunft schon besetzt. Nur ein Generationenwechsel könnte in Deutschland Reformen möglich machen,
    in: Die ZEIT Nr.32 v. 31.07.

    Barbara STAMBOLIS beschäftigt sich u.a. im Kapitel 7 des Buchs "Mythos Jugend" mit der Lebenssituation der Nachkriegsjugend in der Weimarer Republik, die als eine "Jugend ohne Raum" bezeichnet wurde.

    Barbara Stambolis - Mythos Jugend

    SCHMIDT, Thomas E. (2003): Eigensucht und Selbstverneinung.
    Der Haß auf den Bürger,
    in: Merkur. Sonderheft Kapitalismus oder Barbarei, H.9-10, September/Oktober

    SCHMIDT, Thomas E. (2003): Das kleine, runde Loch im Himmel.
    Iris Hanika zeigt den Weg aus der Misere der Fourty-Somethings,
    in: Die ZEIT Nr.39 v. 18.09.

    SCHMIDT, Thomas E. (2003): Leiser Abschied vom Staat.
    Die Reformdebatte schürt soziale Ängste. In Wahrheit führen die Deutschen aber längst ein Leben jenseits der staatlichen Totalfürsorge,
    in: Die ZEIT Nr.50 v. 04.12.

    SCHMIDT, Thomas E. (2004): Dialektik der Aufklärung.
    Zu einer Grundschrift des kulturkritischen Ressentiments,
    in: Merkur. Sonderheft Ressentiment, H.9-10, September/Oktober

    SCHMIDT, Thomas E. (2004): Die beruhigte Republik.
    Burkhard Spinnes Erzählungen über den ganz normalen deutschen Hamlet und seinen durchschnittlichen Wahnsinn,
    in: Die ZEIT Nr.42 v. 07.10.

    Rezension des Buches Der Reservetorwart von Burkhard SPINNEN.

    SCHMIDT, Thomas E. (2004): Wohlfühlland ist abgebrannt.
    Fünfzehn Jahre nach dem Mauerfall wird das Land von Zukunftsängsten geplagt, in Ost wie in West. Mit der inneren Einheit ist es nicht weit her, aber langsam lernen die Deutschen, mit Unterschieden und Konflikten zu leben,
    in: Die ZEIT Nr.45 v. 28.10.

    SCHMIDT, Thomas E. (2005): Vor Capri gescheitert.
    Peter Schneider schickt sein Personal in die Grotte der Bedeutungslosigkeit,
    in: Die ZEIT Nr.15 v. 06.04.

    Rezension des Buches Skylla von Peter SCHNEIDER.

    SCHMIDT, Thomas E. (2006): Das große Kuddelmuddel.
    Was kann, will, soll, darf Familienpolitik? Umverteilen? Arbeit für Supernannys schaffen? Oder doch die Vergreisung der Gesellschaft verhindern?
    in: Die ZEIT Nr.6 v. 02.02.

    Für Thomas E. SCHMIDT ist alles eindeutig! Warum ist Familienpolitik dann so mehrdeutig? SCHMIDT will nicht von Familienbildern, sondern von der Familienwirklichkeit ausgehen, aber es zeigt sich immer wieder, dass das Familienbild auch die Interpretation der so genannten Familienwirklichkeit bestimmt. Statistik ist immer schon Interpretation:

    "Die Geburtenrate verharrt hartnäckig bei 1,3 Kids pro Paar, und auch wenn die viel beklagte Kinderlosigkeit von Akademikerinnen eine Mär sein sollte, bleibt der Mangel an größeren Familien eklatant",

    hat nun SCHMIDT ganz nebenbei bemerkt. Offenbar ist nun auch bei der ZEIT eine neue statistische Linie angesagt: nicht mehr die hohe Kinderlosigkeit, sondern der Mangel an kinderreichen Familien der Mittelschicht steht nun auf der Medien-Agenda. Was interessieren mich meine Lügen von gestern? Neue Lügen braucht das Land!

    "Es ist recht eindeutig: Die Deutschen leben nach wie vor überwiegend in Familienverbänden, auch wenn die heute anders aussehen als zu Wuermelings Zeiten",

    schreibt SCHMIDT. Möglichweise ist das eher mit einem nostalgischen Trugbild der 50er Jahre verbunden. Die Beschwörung der Familie in den 50er Jahren entspricht haargenau den heutigen Beschwörungen, mit einem einzigen Unterschied: Sollten damals die Frauen aus dem Arbeitsmarkt gedrängt werden, sollen sie nun in den Arbeitsmarkt integriert werden. Damals wie heute ist das Stichwort die vergreisende Gesellschaft:

    "Der Kanzler führte aus, Westdeutschland habe eine rasch alternde Bevölkerung. Dies stelle eine Bedrohung für das künftige Wirtschaftswachstum und die Stabilität der Sozialversicherung dar",

    schreibt Robert G. MOELLER über die Rede ADENAUERs im Jahr 1953 ("Geschützte Mütter", 1997, S.201) Es ist offenbar gerade die Nähe zur ADENAUER-& WUERMELING-Rhetorik, die unsere neuen Reaktionäre dazu treibt, ADENAUER das Zitat unterzujubeln, dass Leute immer Kinder bekämen.

    SCHMIDT, Thomas E. (2006): Legitimitätsprobleme im deutschen Modell.
    Über den Linkskonservatismus,
    in:
    Merkur Sonderheft Das neue Deutschland, Nr.689/690, September/Oktober

    NEUE GESELLSCHAFT/FRANKFURTER HEFTE-Thema: Neue Bürgerlichkeit

    SCHMIDT, Thomas E. (2010): Flucht aus der Politik oder politische Neuorientierung,
    in:
    Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, April

    Neu:
    SCHMIDT, Thomas E. (2013): Als ich mal dazugehörte.
    Szenenbildung Anfang der Achtziger,
    in: Merkur,
    Oktober

    Thomas E. SCHMIDT schildert seine persönliche Sicht der Berliner Szenenbildung:

    "Ich überlasse es den Historikern der Lebenskultur, genauer zwischen der Kreuzberger Punk- und der Wave-Szene in Schöneberg zu unterscheiden. Meiner Erinnerung nach mischte sich das am Anfang, und das blieb auch noch eine gute Weile so. Wir gingen ins SO36, aber auch ins Superfly am Adenauerplatz, am häufigsten aber in den Dschungel an der Nürnberger Straße. Ich persönlich verspürte wenig Lust mich zu verunstalten. Die Berliner Punks sahen für meinen Geschmack etwas zu selbstzerstörerisch aus".

    Paradoxerweise erklärt SCHMIDT die angebliche Nicht-Diskurvität der Szene mittels diskursiver Abgrenzung, wenn er schreibt:

    "Wir litten nicht mehr an Erfahrungshunger. Die berühmten »Inhalte« spielten keine Rolle. Wave war das Gegenteil von diskursiv, es war von heute aus betrachtet auf eine ziemlich kindliche Weise körperlich, eine Feier des Dilettantismus, der Bildungslosigkeit und des Unvermögens."

    Inwiefern war New Wave/Punk eine Verwechslung von Freiheit mit Bindungslosigkeit? Pose oder authentisches Lebensgefühl?

    "Weil Freiheit wie Bindungslosigkeit aussah, mussten selbst glücklichere Pärchen als I. und ich gegen ihre Zweisamkeit angehen, kaum dass sie sie entdeckten",

    beschreibt SCHMIDT den Selbstzwang der Szene. Szenenbildung wird in dieser Sicht zum  Ausweg aus der Diskurshölle beschrieben:

    "Sich Ende der Siebziger in die Szene zu begeben, entsprang dem Wunsch, einem anscheinend unabwendbaren Sozialisationsschicksal zu entkommen, zumindest wie es sich damals darbot mit seinen Diskurshöllen, der unfassbaren Selbstbezogenheit und Rechthaberei unserer Altvorderen, der Weinerlichkeit der Literatur, der Entropie der Theorien, auch dem rasterfahndenden Staat und der zukunftslosen, ölpreisgeschockten Wirtschaft. Den Punkt anzusteuern, an dem es schlechterdings nicht weiterging, übte Reiz aus. So sehr aber diese vorgefundene Lebenskultur abstieß, so wenig gelangte man ohne Umschweife aus ihr hinaus."

    Die Szene wird bei SCHMIDT letztlich zur individualisierten Form der K-Gruppe stilisiert. Der ein Jahrzehnt ältere Jochen SCHIMMANG hat in Der schöne Vogel Phönix seinen Ausgang aus den 1970er Jahren beschrieben. Es wäre also interessant Vergleiche zu ziehen.  

     
           
       

    Thomas E. Schmidt in der Debatte

     
       

    FUHR, Eckhard (2003): Senile Jugend,
    in: Welt v. 01.08.

    Eckhard FUHR hält nichts von Thomas E. SCHMIDTs Ruf nach einem Generationswechsel (ZEIT vom 31.07.2003), denn die Zukunft heißt für FUHR Generationsmix:

    "Unter dreißig zu sein bedeutet eigentlich nur noch, wenig Ahnung vom Leben zu haben. Aber das ändert sich, so oder so. Eine besondere Kompetenz in Zukunftsgestaltung und Innovation, das bedeutet Jugend nicht. Jung sein heißt, abwarten müssen, denn die Zukunft ist von den Älteren besetzt. Das ist normal. Allerdings bleiben die Alten länger am Leben, dafür die Jüngeren länger »jung«, inzwischen ohne weiteres über die bisherigen Generationenschwellen hinweg.
    Deswegen soll man sich auch nicht kirre machen lassen wegen der Umkehrung der Alterspyramide. Die Jugend ist nicht mehr dasselbe, was sie früher war, das Alter auch nicht. Zukunft heißt nicht Generationswechsel, sondern Generationsmix. Das ist übrigens auch das beste, was der Generation Golf passieren kann, die nun lange genug herumgenölt hat. Die schlechten Zähne hat sie von der vielen Nutella und die blasiert schlechte Laune von ihren 68er-Lehrern, denen sie ewig dafür dankbar sein muss, dass sie überhaupt etwas hatte, woran sie sich reiben konnte. Es ist gut, wenn sie sich auflöst."

     
           
       

    Heimat (1999).
    Leichtigkeit und Last des Herkommens
    Aufbau Verlag (vergriffen)

     
       
         
     

    Martin Hecht über die heimatlose Generation:

    "Das Verschwinden der Heimat ist das Erlebnis einer Generation, die ihre Jugend in den siebziger und achtziger Jahren hatte. Dies ist die Generation der Jahrgänge zwischen 1955 und 1970, nicht mehr die Adenauer-Generation vor ihr, aber auch noch nicht die Techno-Generation danach".
    (aus: Martin Hecht "Das Verschwinden der Heimat", 2000, S.209)

     
         
     
           
       

    Die Heimat in der Debatte

    Martin Hecht - Das Verschwinden der Heimat
     
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 27. September 2003
    Update: 07. Juli 2015