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Ute Scheub: Lebensentwürfe

 
       
     
       
   
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    Ute Scheub in ihrer eigenen Schreibe

     
       

    Neu:
    SCHEUB, Ute (2006): Schuld & Scham.
    Günter Grass und sein spätes Geständnis: Warum die aktuelle Debatte das Wichtigste ausblendet
    ,
    in: Tagesspiegel v. 27.08.

    Ute SCHEUB nimmt nun selber Stellung zum Fall GRASS. Burkhard SPINNEN hatte bereits zu Beginn der Debatte um GRASS auf die historische Verquickungen zwischen SCHEUB und GRASS hingewiesen. Kannten sich GRASS und ihr Vater also bereits seit Kriegstagen und nicht erst seit dem denkwürdigen Ereignis auf dem Stuttgarter Kirchentag im Jahr 1969?

    "Grass, 14 Jahre jünger als mein Vater, kämpfte an ganz anderen Fronten. (...). Mein Vater schimpfte später auf »den roten Hund« (..). Seine Schmähungen galten dem Dichter, dem politischen Mahner, da war nichts zu spüren von einer persönlichen Bekanntschaft.
    Bei Grass ebenfalls nicht.
    "

    SCHEUB beurteilt das Verhalten von GRASS wohlwollend:

    "Ihm sei der Tod meines Vaters »sehr nahegegangen«, sagte Grass neulich seinem Fernseh-Interviewer Ulrich Wickert, und ich hatte nie Anlass, daran zu zweifeln. Günter Grass wollte von uns mehr erfahren, er wollte diesen Mann verstehen; er riskierte mit seinem Besuch, in eine unbequeme Situation zu geraten, mit unangenehmen Gefühlen konfrontiert zu werden, und ich rechne ihm das heute noch hoch an. Denn das unterschied ihn von der großen Mehrheit unserer Mitmenschen in Tübingen und anderswo, die hinter unserem Rücken über uns redeten, aber nicht mit uns, die auf uns zeigten, aber unseren Blicken auswichen.
              
     Ob ihn darüber hinaus noch etwas antrieb? Scham- und Schuldgefühle? Eine Art Resonanz, die die letzten Worte meines Vaters, »ich grüße meine Kameraden von der SS«, in ihm wachgerufen hatte? Das ist möglich. Vielleicht hat er, der reuige Ex-Nazi, den uneinsichtigen Nationalsozialisten und verstockt schweigenden Geheimnisbewahrer Manfred Augst im Grunde seiner Seele besser verstanden, als wir es damals für möglich gehalten hatten. Mein Vater, der Totalschweiger, Grass, der Abschnittsgeläuterte."

    SCHEUB hebt die gegensätzlichen Reaktionsweisen von GRASS und ihrem Vater hervor. Sie versucht sich das Verhalten von GRASS aus der Dynamik der Scham zu erklären, die ihr als Erklärung wesentlicher erscheint als Schuldgefühle:

    "Im Unterbewusstsein grob und heftig und unbehauen belassen, entfaltet sie enorme Destruktionsmacht: Weil sie körperlich und seelisch so unerträglich ist, dass sie abgewehrt werden muss. Wer sich beschämt und abgewertet fühlt und dieses Gefühl nicht durch die Abkühlkammer seiner Vernunft jagt, neigt dazu, andere zu beschämen und abzuwerten: durch Arroganz, Gefühlsstarre, Verachtung, Zynismus, Männlichkeitswahn, Verhöhnung, Spott.
              
     Ist Grass’ Spottlust vielleicht auch durch abgewehrte Scham erklärbar?
              
     (...).
    Beim Gespräch mit Ulrich Wickert erblickte man einen Grass, wie man ihn kaum je sah: hilflos und kleingeschrumpelt in seinem Sessel. Was er sagte, war das eine, was sein Körper ausdrückte, das andere. Es war die unverhüllte Körpersprache der Scham. (...). War die patriarchalische Selbstgerechtigkeit, die ihn früher des Öfteren heimgesucht hat, auch nur Schamabwehr gewesen? Grass allein weiß die Antwort.

              
     SCHEUB kritisiert, dass dem Aspekt der Schamabwehr in der bisherigen Debatte zu wenig Beachtung geschenkt wurde:
              
     Lange schon wird der Casus Grass nun herauf- und herunterdekliniert, so lange und ausführlich, dass er einem zum Maule heraushängt. Und doch, und das ist das Verrückte, sind viele Fragen bisher nicht oder kaum gestellt worden. Zum Beispiel die nach der Scham und wie sehr sie Gedächtnis und Erinnerung verfälscht, auch die des Autobiografen Grass".

     
           
       

    Ute Scheub: Porträts und Gespräche

     
       
    • MÜLLER, Felix (2006): Mein Vater, der Fremde.
      Im Sommer 1969 vergiftete sich ein ehemaliger SS-Mann mit Zyankali - öffentlich, auf dem Evangelischen Kirchentag in Stuttgart. Seine Tochter hat jetzt ein Buch über ihn geschrieben,
      in: Welt v. 20.02.

    • HILDEBRANDT, Antje (2006): Mein Vater, der Nazi.
      1969 schockierte er die Öffentlichkeit mit seinem Freitod. Seine Tochter war 13. Jetzt hat sich Ute Scheub auf Spurensuche begeben,
      in: Tagesspiegel v. 26.06.

     
           
       

    Das falsche Leben (2006).
    Eine Vatersuche
    München: Piper

     
       
         
     

    Klappentext

    "Ein Mann steht vor zweitausend Menschen auf, ruft »Ich grüße meine Kameraden von der SS!«, setzt eine Flasche Zyankali an die Lippen und trinkt – Stuttgart, Evangelischer Kirchentag 1969. »Der Tod trat auf dem Weg ins Robert-Bosch-Krankenhaus ein«, notiert Günter Grass, der diesen Manfred Augst in »Aus dem Tagebuch einer Schnecke« porträtiert hat. 35 Jahre später stößt Manfred Augsts Tochter auf die Abschiedsbriefe, die Manuskripte und die Feldpostbriefe ihres Vaters. Eine erschütternde Spurensuche beginnt, bei der Ute Scheub mehr findet als nur ein einzelnes Schicksal. Wie viele jener Männergeneration, die Nachkriegsdeutschland geprägt hat, konnte Manfred Augst nicht über seine Erlebnisse im Krieg reden, schon gar nicht mit seinen Kindern, denen er nur ein ferner, liebloser Vater sein konnte. »Er ist – buchstäblich – an seinem Schweigen erstickt.«"

    Stimmen zum Buch

    "Die große Kunst von Scheubs Buch ist, daß sei beides erzählt. Die persönliche Geschichte, den lebenslangen Kampf gegen den Vaterschatten, das Verdrängen zunächst, das unbedingte Andersseinwollen dann. Das Leben als eine Negativfolie des Vaters. Alles exakt und unbedingt gegenteilig machen zu wollen und damit in eine neue fatale Abhängigkeit zu geraten. Und dann sich langsam freizureden, freizuschreiben, freizuarbeiten. Mit der Gründung einer radikal anderen Zeitung. Mit ihrer täglichen Arbeit. Und damit erzählt Scheub auch die Geschichte ihrer Generation, der Täterkinder."
    (Volker Weidermann in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung v. 19.02.2006)

     
         
     
           
       

    Vorabdruck

    SCHEUB, Ute (2006): Am Schweigen erstickt.
    Ein Mann bringt sich öffentlich um. Auf dem Kirchentag 1969. Sein letzter Gruß gilt "den Kameraden der SS". Es sollte ein Fanal sein. Nur wofür? Ein Vorabdruck aus Ute Scheubs Buch "Das falsche Leben",
    in: TAZ v. 18.02.

     
       

    Rezensionen

    WEIDERMANN, Volker (2006): Das war Zyankali, mein Fräulein!
    Er grüßte seine SS-Kameraden und tötete sich vor Tausenden. Grass hat über ihn geschrieben. Und jetzt auch seine Tochter,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.02.

    BUHR, Elke (2006): Der Abgang.
    Ute Scheubs Suche nach dem faschistischen Vater,
    in: Frankfurter Rundschau v. 16.03.

    "Scheub (balanciert) gefährlich nah am Selbsterfahrungskitsch. Doch wenn Scheub exemplarisch am Umfeld des Vaters die Kontinuität der braunen Seilschaften auch in der Bundesrepublik herausarbeitet, wenn sie die zerstörerische Wirkung des reuelos falschen Lebens in der Familie beschreibt, die die heutigen Generationen immer noch beeinflusst, dann bekommt ihre ganz persönliche Vatersuche dennoch jene öffentliche Relevanz, die Manfred Augst mit seinem theatralischen Abgang vergeblich ersehnt hatte", meint Elke BUHR.

    HOPPE, Bert (2006): Das Schweigen des Selbstmörders.
    Ein SS-Mann tötet sich auf dem Kirchentag. Seine Tochter Ute Scheub findet seine Notizen - Aufschluss findet sie nicht,
    in:
    Berliner Zeitung
    v. 17.03.

    WINKLER, Willi (2006): Zyankali auf die Kameraden.
    Nach dem Krieg sitzt er am Küchentisch und schweigt: Ute Scheub rapportiert den inneren Todeskampf ihres Vaters, eines SS-Offiziers,
    in: Weltwoche Nr.12 v. 23.03.

    JEISMANN, Michael (2006): Ute Scheub: Das falsche Leben,
    in: Literaturen, Nr.4, April

    ARNIM, Gabriele von (2006): Kein Gefühl, nirgends.
    Ute Scheub hat sich auf die schwierige Suche nach ihrem Nazi-Vater begeben, der sich 1969 auf spektakuläre Weise das Leben nahm,
    in: Die ZEIT Nr.18 v. 27.04.

     
           
       

    Verrückt nach Leben (2000).
    Berliner Szenen in den zwanziger Jahren
    Reinbek: Rowohlt

     
       
         
     

    Klappentext

    "Das aktuellste Buch zu Frauen in der Weimarer Republik. Gerade für junge Künstlerinnen und Kulturschaffende war Berlin ein Eldorado, das vor Kreativität strotzte. Ute Scheub zeigt das Porträt einer Frauengeneration, die wild entschlossen war, ihre neuen Rechte und Freiheiten auszuleben, und die Berlin zu einer »Stadt der Frauen« machte."

    Stimmen zum Buch

    "Ganz nebenbei und dabei äußerst geschickt transportiert sie mit den berühmten Frauen der Weimarer Jahre das moderne Frauenideal der Zeit - das Bild von der beruflich erfolgreichen, unabhängigen Frau, der »Neuen Frau«, wie der damalige Begriff für die emanzipiert auftretenden Frauen der zwanziger Jahre lautete. Gerade prominente Frauen wie Anita Berber, Marlene Dietrich oder Rosa Valetti prägten das Bild der »Neuen Frau«: rauchend, mit modischem Bubikopf und kniekurzem Rock oder auch mal mit Monokel und Smoking saßen sie in den angesagten Tanzcafés und Frauenbars der Stadt, ließen sich beim Boxen oder Autofahren - den neuen modischen Volkssportarten der Berlinerinnen - ablichten, kurz: genossen die neuen Freiheiten. Ute Scheub interessiert sich jedoch nicht nur für die Glanzseiten der »Neuen Frauen«, sie fragt nicht nur nach dem aufregenden, sondern auch nach dem alltäglichen Leben in den muffigen Redaktionsstuben und ärmlichen Kellerkabaretts. Wie schaffte die alleinerziehende und allein erwerbende Journalistin und Schriftstellerin Dinah Nelken den Balanceakt zwischen Kind und Beruf? Wo waren Ehemann und Geliebter Helen Hessels, als sie zum wiederholten Mal ungewollt schwanger wurde und sich wieder einmal zu einem Abbruch entschließen musste? Ute Scheubs Studie zeigt: ob prominente Ausnahmefrau oder kleine Angestellte, die angeblich rundum befreiten und selbstbestimmten »Neuen Frauen« mühten sich meist allein, die Folgen der »freien Liebe« zu tragen bzw. Kind und Karriere zu vereinbaren."
    (Anke Heimberg in Literaturkritik.de, Januar 2001)

     
         
     
           
       

    Rezensionen

  • HELWERTH, Ulrike (2000): Die Rebellinnen von 1905ff.
    Autorinneninteresse. Das Berlin der zwanziger Jahre und seine "Neuen Frauen",
    in: Freitag Nr.24

  • HEIMBERG, Anke (2001): Stadt der Frauen.
    Ute Scheubs Kulturgeschichte der Frauen im Berlin der zwanziger Jahre,
    in: Literaturkritik, Nr.1, Januar

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    © 2002-2015
    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 19. Februar 2006
    Update: 22. April 2015