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Arno Widmann: Die Bonner Republik zum Verschwinden bringen

 
       
   
  • Kurzbiographie

 
       
     
       
   

Arno Widmann in seiner eigenen Schreibe

 
   

WIDMANN, Arno (1999): Die depressive Muffelei des Pavians,
in:
Berliner Zeitung v. 20.02.

WIDMANN, Arno (2001): Erfindet das Leben neu!
Selbstverliebte, kritische und chronistische Annäherungen an die 68er-Bewegung,
in: Berliner Zeitung v. 22.10.

WIDMANN empfiehlt Ulrike HEIDERs Buch Keine Ruhe nach dem Sturm.

WIDMANN, Arno (2001): Eine Gesellschaft von Singles,
in:
Berliner Zeitung v.20.04.

Leserbrief von single-dasein.de an die Berliner Zeitung (21.04.2001):
"Die Einpersonenwirtschaft ist heute der häufigste Haushaltstyp in der Bundesrepublik. Man wird - das macht diese Entwicklung deutlich - die Familie nicht wieder zum zentralen Ort, zum Kern der Gesellschaft machen können" schreibt Arno Widmann. Das hört sich auf den ersten Blick beängstigend an. Aber wenn in Deutschland über 82 Millionen Menschen leben und nur 13,7 Millionen in Single-Haushalten, dann heißt dies, dass ca. 85 % der Bevölkerung NICHT in Single-Haushalten lebt. Wenn es weiter heißt: "In Westdeutschland nahm die Zahl der Single-Haushalte bei den 25- bis 40-Jährigen seit 1961 um mehr als das Fünffache zu." Auch dies hört sich nur auf den ersten Blick dramatisch an. Das Statistische Bundesamt spricht von den 25-45Jährigen und diese Personengruppe macht nicht einmal 7 % der Bevölkerung aus. Die Ledigen in Single-Haushalten (ca. 3 % der Bevölkerung) sind vor allem Studenten und Auszubildende oder Berufseinsteiger. Die Verbesserung der Wohnverhältnisse hat den Effekt, dass sie nicht mehr in Anstaltshaushalten (Wohnheimen) untergebracht sind, sondern in Apartments. Über solche Verschiebungen wird leider nichts ausgesagt. Menschen in Einpersonenhaushalten sind also vor allem jene, die auch früher keine Familie gegründet haben. Im mittleren Lebensalter handelt es sich vor allem um geschiedene Männer (meist Zahlväter). Die Zahl der über 75Jährigen ist seit 1961 um mehr als das Vierfache gestiegen. Dies verdeutlicht, dass die erhöhte Lebenserwartung und nicht die niedrige Geburtenzahl (die Zahl der Lebendgeboren ist 1978 in den alten Bundesländern sogar um über 100.000 niedriger gewesen als 20 Jahre später) das eigentliche Problem ist. Wer die Schuld für die demografische Entwicklung bei den jungen Singles sucht, der hat sich offensichtlich im Dschungel der Haushaltsstatistik verirrt.
Eine detaillierte Erläuterung der Kritik: In der gegenwärtigen Kontroverse "Familien versus Singles" wird der Single-Begriff meist als Synonym für Haushalte ohne Kinder verwendet, z.B. in der Spiegel-Titelgeschichte Zurück zur Familie. WIDMANN weicht jedoch davon ab, wenn er von Single-Haushalten spricht. Diese sind nur eine kleine Untergruppe der Haushalte ohne Kinder. Die gut verdienenden Haushalte ohne Kinder sind in erster Linie unter den Mehrpersonenhaushalte ohne Kinder zu suchen.

Indem WIDMANN die 25-45jährigen und deren enormen Zuwachs in den Mittelpunkt stellt, möchte er anscheinend den Eindruck erwecken, dass es vor allem die Yuppies sind, die sich hinter dieser Gruppe verbergen. Eine Fehleinschätzung, die er mit vielen seiner Kollegen teilt. Die Yuppies, die sich unter den Einpersonenhaushalten befinden, sind vor allem ein Kategorienproblem des Statistischen Bundesamt. Nicht das Zusammenwohnen von Mann und Frau, sondern nur das Zusammenwirtschaften bildet für das Statistische Bundesamt die Grundlage zur Einordnung in einen Mehrpersonenhaushalt.

Die Zahl der Single-Haushalte ist gerade im "Familienlebens-Alter" besonders niedrig. Es überwiegen jüngere und ältere "Singles". Dies deutet bereits darauf hin, dass das lebenslange Alleinwirtschaften die Ausnahme von der Regel ist.

In dem Bericht des Statistischen Bundesamtes fehlen ausgerecht jene Zahlen, die besonders aussagekräftig wären. Es gibt nur eine Tabelle mit der Altersstruktur der Einpersonenhaushalte. Notwendig wäre jedoch eine Tabelle aus der sowohl das Lebensalter als auch der Familienstand hervorgeht. Stattdessen wird auf die Zunahme im Vergleich zu früheren Mikrozensusuntersuchungen ausgewichen.

Daraus lässt sich schließen, dass es nur eine getrennte Tabelle von Alter und Familienstand gibt. Letztere fehlt im Bericht. Man wird auf das Erscheinen der Fachserie warten müssen, um genaueres darüber zu erfahren.

Die Nichterwähnung der erstaunlichen Zunahme der über 75jährigen lässt dagegen darauf schließen, dass die Aufmerksamkeit auf das Thema "Kinderlosigkeit" und nicht auf das Thema "höhere Lebenserwartung" gelenkt werden soll. Dies passt wiederum zur gegenwärtigen Debatte über das angebliche "Aussterben der Deutschen".

Der Alleinlebende - Das unbekannte Wesen

WIDMANN, Arno (2004): Ein Gegner des gesellschaftlichen Fortschritts.
Zur Erinnerung an Rudi Dutschke anlässlich seines 25. Todestags,
in: Berliner Zeitung v. 24.12.

WIDMANN, Arno (2005): Die Berliner Republik.
Versuch eines alten Bundesrepublikaners, sich über das Land klar zu werden, in dem er jetzt lebt,
in: Magazin der Berliner Zeitung v. 28.05.

Arno WIDMANN, einer der führenden Köpfe der Alt-68er-Generation, schreibt über die Konvertiten der 68er-Generation so als ob er nicht dazugehört hätte:

"Als sie 1968 rebellierten, versuchten Habermas und Dahrendorf, Hamm-Brücher und Rudolf Augstein, ihnen klarzumachen, dass die Bundesrepublik vielleicht nicht die beste aller möglichen Welten, aber doch die beste deutsche Republik war, die es jemals gegeben hatte.
Es dauerte bis in die achtziger Jahre, bis diese Einsicht unter den 68ern zu einem Umdenken über die Bundesrepublik und die eigene Rolle in ihr führte.
"

Am Ende legt der vom Alt-68er zum Neu-68er Bekehrte sein Bekenntnis zur sozialen Ungleichheit ab:

"Mit der Berliner Republik ist unser Land in der Normalität angekommen: die Reichen werden reicher und die Armen ärmer. Das ist der Test für unsere Demokratie, der Ernstfall."

BERLINER ZEITUNG-Serie: Volk mit Falten

WIDMANN, Arno (2006): Autorität und Familie.
Die 68er nahmen Familie und Kinder ernster als die meisten Generationen vor und nach ihnen,
in:  Berliner Zeitung v. 27.03.

"Wer glaubt, er müsse dem Werteverfall durch die Restauration einer Familie, in der Papa fürs Geld, Mama für Küche, Kinder und Kirche und die Kinder für den Gehorsam zuständig sind, entgegentreten, wird scheitern. Nicht an der Ideologie der 68er, sondern an den elementaren ökonomischen Tatsachen unserer Gesellschaft. Längst, das übersehen gut verdienende Manager gerne, reicht ein Gehalt - vorausgesetzt, es gibt eins - nicht mehr aus, um eine Familie zu ernähren.
Natürlich würde es unserer Arbeitslosenstatistik helfen, wenn arbeitslose Frauen aus ihr verschwänden, weil sie sich an den Herd zurückzögen. Aber das wäre nur ein Plus für die Regierung. Für die Gesellschaft wäre es ein nicht wieder gut zu machender Verlust.

          
(...).
Wer heute glaubt, er könnte einen Babyboom bewirken, in dem er denen, die keine Kinder haben, ein schlechtes Gewissen macht, der hat nicht nur nicht begriffen, wie Kinder gemacht, sondern auch nicht, wie Menschen motiviert werden. Kaum etwas steht dem Kinderwunsch so entgegen wie seine Dekretierung
", meint Arno WIDMANN.

WIDMANN, Arno (2006): Doppelte Lottchen,
in: Berliner Zeitung v. 27.04.

Der 68er Single-Rhetoriker Arno WIDMANN nimmt eine Kritik der katholischen Familienfundamentalisten zum Anlass, um sich über die Berechnung der Familienförderung zu erregen. Familienfundamentalistische Lobbygruppen haben ein berechtigtes Interesse, die Familienförderung klein zu rechnen. Dass Haushaltsposten in Debatten Doppelfunktionen haben können, ist ja keineswegs sensationell. Dass aber der Umfang der Familienförderung davon abhängt, was dazu und was nicht dazu gezählt wird, darüber wissen Singles spätestens Bescheid, seit mit dem familienfundamentalistischen Institut von Hans-Werner SINN und dem Kieler Institut für Weltwirtschaftsforschung zwei konkurrierende Berechnungsansätze existieren. Man darf sicher sein, dass ein anderes Institut wiederum andere Rechnungen aufstellen würde.

WIDMANN, Arno (2007): Die Gründerväter.
Wolfgang Matz über die Gleichzeitigkeit von Flaubert, Beaudelaire, Stifter,
in: Frankfurter Rundschau v. 21.06.

WIDMANN, Arno (2007): Nie den Klassenkampf vergessen!
Politik schafft den Feind: Chantal Mouffe geht mit Ulrich Becks Welt-Pazifismus ins Gericht,
in: Frankfurter Rundschau v. 26.09.

Neu:
WIDMANN, Arno (2015): Liebling, wir schrumpfen.
Die demographische Entwicklung in Deutschland ist dramatisch. Aber was bedeutet das für Stadt und Land?
in:
Frankfurter Rundschau v. 24.03.

Der vergreisende 68er Arno WIDMANN hat zu viel Spiegel gelesen. Es steht zu befürchten, dass nun alle anderen Greisenblätter dieser Republik wieder ihre Leser mit demografischen Horrorszenarien drangsalieren, die sich aus Szenarien speisen, die bereits bei der Erstellung von veralteten Entwicklungen ausgehen. Welche Kampagne erwartet uns also? Üblicherweise flankieren die Medien nur das Agenda-Setting der Politik. Das war in den Jahren vor 2005 so als die Agenda 2010 durchgesetzt werden sollte und das war vor 2007 so als das Elterngeld auf der Agenda stand.

Weil die gegenwärtige Wachstumsphase keinen Ansatzpunkt für die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme bietet, muss das Jahr 2050 als Projektionsfläche für Horrorszenarien dienen. Der Statistiker Gerd BOSBACH bezeichnet dies zu Recht als Kaffeesatzleserei, zumal die Bevölkerungsvorausberechnungen seit der Wiedervereinigung durchschnittlich alle 6 Jahre korrigiert werden mussten. Die Vorausberechnung, mit der die Agenda 2010 gerechtfertigt wurde, hatte sogar nur 3 Jahre Bestand!

 
       
   

Sprenger (2002)
Wien: Folio Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Die Welt des Gerhard Sprenger, Philosophieprofessor aus Westberlin, ist geprägt wie begrenzt durch das Faktum, das sich zwischen ihn und das Leben gedrängt hat: seine Leibesfülle. Über ein befreundetes Forscherehepaar wird er zu einem mehrmonatigen Ferienaufenthalt in Mexiko eingeladen. Man trifft sich im Pool in einer Männerrunde, doch weder die Diskussionen mit einem Finanzhai oder einem Wirtschaftsanwalt über Weltmarkt, Gott, Islam und Frauen noch die Gespräche mit heimischen linksintellektuellen Großgrundabkömmlingen beschäftigen ihn annähernd so wie die Veränderungen an ihm selbst: Er nimmt ab, sein Skeptizismus tritt zurück, menschliche Regungen stellen sich wieder ein. Man schreibt das Jahr 1989 – und während Sprenger über Veränderungen der Welt nachdenkt in einem Land, in dem sich nichts verändert, verändert sich Deutschland. Und er ist nicht dabei ..."

Pressestimmen

"Der Roman spielt im Herbst 1989. Sprenger hat sich also genau zu dem Zeitpunkt vom Weltgeschehen verabschiedet, als die Theorien der Posthistoire durch politische Fakten widerlegt wurden. Die DDR, diese »preußisch-sächsische Variante des späten Realsozialismus« hat ihn noch nie interessiert. Das tut sie auch im Augenblick ihres Zusammenbruchs nicht. Wohl aber etwas anderes: »Nicht die DDR verschwand, sondern Westdeutschland«. Das ist der Schock, dem sich Sprenger ausgesetzt sieht".
(Meike Fessmann in der SZ vom 15.10.2002)

 
     
 
       
   

Rezensionen

FESSMANN, Meike (2002): Am Ende siegen die Mikroben.
Arno Widmanns Roman "Sprenger" erzählt die Geschichte vom Verschwinden des Politischen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 15.10.

DOMSCH, Sebastian (2002): Die Mauerfall-Diät.
Wenn die Hose nicht mehr an den Beinen spannt: "Sprenger" ist das Romandebüt des ehemaligen taz-Chefredakteurs Arno Widmann,
in: TAZ v. 19.11.

 
   

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© 2002-2016
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 17. Oktober 2002
Update: 14. Juni 2016