[ Autoren der 68er-Generation ] [ News ] [ Homepage ]

 
       
   

Christoph Hein: Eine Distanzbeziehung in der DDR

 
       
     
       
     
       
   

Christoph Hein in seiner eigenen Schreibe

 
   

HEIN, Christoph (2008): Ein schöner Gedanke.
Motor: Warum Deutschland wieder die prägende Kraft eines Bildungsbürgertums braucht,
in:
Freitag Nr.47 v. 20.11.

Neu:
HEIN, Christoph (2010): Senior Hippie.
Vor mehr als vierzig Jahren brachen sie aus Deutschland nach Goa auf. Inzwischen sind aus den Blumenkindern Rentner geworden. In ihrem Paradies stranden heute die Pauschaltouristen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.12.

 
       
   

Christoph Hein: Porträts und Gespräche

 
   

WITTSTOCK, Uwe (2001): Ein Herz für die Herzlosen.
Der Romancier Christoph Hein erzählt vom reichen Leben ohne Utopie,
in: Welt v. 27.01.

KRUMBHOLZ, Martin (2002): "Ich zähle mich zu den deutschen Humoristen".
Im Gespräch mit dem Schriftsteller Christoph Hein,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 01.06.

Christoph HEIN spricht u.a. über die Novelle Drachenblut: "«Drachenblut» ist keine Geschichte über die DDR, obwohl sie in ihr spielt; das hat zu ihrem grossen Erfolg auch in vielen westlichen Ländern beigetragen. Es ist ein Buch über ein modernes Lebensgefühl: Fremdheit, Kälte, Isolation. Lediglich in der Tatsache, dass es in einem sozialistischen Land eben nicht anders, humaner zugeht, mag man eine spezifische Provokation gesehen haben. Zwei intelligente, aufgeklärte Menschen suchen einander, wollen sich vor verletzenden Gefühlen schützen, aber gerade deswegen verfehlen sie einander auch, mit tödlichen Folgen."

PODAK, Klaus (2004): Heiterkeit,
in: Süddeutsche Zeitung v. 20.03.

Christoph HEIN beschreibt u.a. am Beispiel der Novelle Drachenblut, was er unter Humor jenseits der Spaßgesellschaft versteht: "In einem Roman von mir, »Der fremde Freund/Drachenblut«, geht es um eine Ärztin, die am Schluss ihr Leben resümiert. Sie spricht da unter anderem darüber, dass es ihr gut gehe, und dass sie, falls sie einmal wegen Demenz in eine Anstalt für Geisteskranke eingeliefert werden müsse, dann gewiss in die beste aller möglichen Heilanstalten käme, weil sie dann noch Ärztin sei, also eine, wenn auch schwachsinnige, Kollegin. Von der besten aller möglichen Welten, über die noch ein Leibniz und ein Voltaire nachdachten, ist für uns, sobald wir an der Reihe sind, die beste aller möglichen Heilanstalten als einigermaßen realistische Zukunftserwartung übrig geblieben. So etwas entspricht meinem Humor und meiner Weltsicht. Diese Art von Witz trifft man eher bei den Engländern oder den Finnen an als bei den Deutschen. Er prägte den jüdischen Humor und stimmt mich sehr heiter."

BÖHMER, Daniel-Dylan (2004): "Es wird eine Armut geben, die Empörung auslöst".
Interview mit Christoph HEIN,
in: Spiegel Online v. 09.04.

Christoph HEIN über die Angst vor dem Absturz: "Es ist nicht die Armut selbst, sondern die Angst davor zu verarmen. Wir haben heute eine hohe Arbeitslosigkeit. 8 bis 9 Prozent im Westen, 20 bis 50 Prozent im Osten. Ein Großteil der Bevölkerung hat Arbeit, aber die Bedrohung der Arbeitslosigkeit macht diesen 80 Prozent Angst. Angst dazuzugehören, zu denen, die weniger haben. Solange man noch nicht dazugehört, will man mit 'denen' nichts zu tun haben. Man ahnt, man kann ganz schnell dazugehören. Und jede Art der Nähe, mental oder räumlich, physisch oder geistig scheint den Weg in die Armut zu begünstigen. Es ist ein Hass auf eine Bedrohung, eine Bedrohung des Individuums."

 
       
   

Drachenblut oder Der fremde Freund (2002)
Frankfurt a/M: Suhrkamp
(Original: Aufbau-Verlag 1982)

 
   
     
 

Klappentext

"»Ich bin auf alles eingerichtet, ich bin gegen alles gewappnet, mich wird nichts mehr verletzen. Ich bin unverletzlich geworden. Ich habe in Drachenblut gebadet, und kein Lindenblatt ließ mich irgendwo schutzlos. Aus dieser Haut komme ich nicht mehr heraus. In meiner unverletzbaren Hülle werde ich krepieren...«, konstatiert die Ich-Erzählerin, Ärztin an einem Ost-Berliner Krankenhaus, kinderlos, geschieden, am Ende dieser Novelle. Ein scheinbar ganz normales Frauenleben wird in Rückblicken beschrieben. Doch niemand wird dieses Buch ohne Betroffenheit aus der Hand legen. Es hat einen Sog, der einen nicht freiläßt. Wer es gelesen hat, muß fragen und wird wissen, in welchem Drachenblut uns allen etwas von jenem dicken Fell der Ängste, des Mißtrauens und der Frustrationen wächst, das die Ich-Erzählerin gnadenlos von der Welt, von sich selbst, von ihrem Freund, von ihrer Kindheit trennt."

Stimmen zum Buch

"»Drachenblut« thematisiert ganz unmittelbar eine Distanzbeziehung, schildert ein solches Leben aus der Perspektive einer Frau - in der Absicht, vor der Kälte und der Abkapselung der Individuen zu warnen."
(aus: Dorothee Schmitz-Köster: Liebe auf Distanz. Getrennt zusammen leben, 1990)

"So, wie in der Literatur des neunzehnten Jahrhunderts das Drama der bürgerlichen Ehe zwischen Treue und Emotion in den Mittelpunkt rückte, so beginnt sich heute in der Gegenwartsliteratur der Zerfall der Familie herauszubilden, wie etwa in Christoph Heins Roman »Drachenblut«:

»Viertel nach acht erschien Karla, die Schwester. Wie immer stürzte sie in mein Zimmer und sagte, daß sie sich ein kleines bißchen verspätet habe, ich wüßte ja, die Kinder. Karla verspätet sich jeden Tag ein kleines bißchen und immer mit einem Hinweis auf ihre Kinder. Vermutlich erwähnt sie ihre Kinder in der Annahme, bei mir ein schlechtes Gewissen zu wecken. Sie ist dieser Typ Frau, der unbeirrt an der Mutterrolle festhält. Das kuhäugige, warme Glück, das lassen wir uns nicht nehmen, da weiß man doch, wozu man lebt. Für die Kinder, die für die Kinder leben, die für die Kinder. Offenbar ist die Menschheit einem Zirkelschluß aufgesessen. Die Generationsfolge - ein Ergebnis falscher Prämissen. Der Teufel als Meister der Syllogistik. Das könnte ein hübsches Erwachen geben. Vorerst aber haben wir einen Lebenssinn. Jedenfalls Karla. Sie weiß auch genau, warum meine Ehe geschieden wurde. Sie ist überzeugt, daß mein Mann mich verließ, weil ich ihm keine dicken Kinder in die Welt setzte oder weil ich keinen dicken Busen habe oder weil ich mich nicht schminke.«

Eine Rückkehr zur Familie wird es nicht geben."
(aus: Reimer Gronemeyer "Die Entfernung vom Wolfsrudel", 1989, S.172).

 
     
 
       
   

Das Buch in der Debatte

GRONEMEYER, Reimer - Die Entfernung vom Wolfsrudel

SCHMITZ-KÖSTER, Dorothee - Liebe auf Distanz

 
   

weiterführende Links

 
     
   
 
   

Bitte beachten Sie:
single-generation.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

 
   
 
     
   
 
   
© 2002 - 2015
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 17. Dezember 2000
Update: 27. Juni 2015