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Claudius Seidl: Der dreißigste Geburtstag als Abschied von der Jugend?

 
       
     
       
   
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    Claudius Seidl in seiner eigenen Schreibe

     
       

    SEIDL, Claudius (1995): Die bösen Onkels von '68,
    Generationen: Die Veteranen der Studentenrevolte haben wieder eine Debatte angezettelt: Im Kampf um Macht und Meinungsführerschaft fühlen sie sich irritiert durch die Kinder von Mauerfall und Vereinigung, von Techno und globaler Computervernetzung. Jetzt kommt das erste Buch zum Thema: Claus Leggewies Porträt "Die 89er",
    in:
    Spiegel Nr.11 v. 13.03.

    SEIDL, Claudius (1994): Versager beissen zurück.
    Sie sind jung, wirr und geschwätzig, sie kleiden sich wie Hippies, und sie feiern das Scheitern: Die "Slacker" sind die neuen Helden der Unterhaltungsindustrie. Ein kleiner Untergrundfilm hat den Namen geprägt; nun macht Hollywood aus der Lebenshaltung ein großes Geschäft,
    in: Spiegel Nr.30 v. 25.07.

    SEIDL, Claudius (2000): Der große Jugendschwindel.
    Erwachsene an die Macht: Ein Gegensatz wird verwischt,
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 11.03.

    SEIDL, Claudius (2000): Die Tür des P1,
    Teil 4 der Serie "Das war die BRD",
    in: Süddeutsche Zeitung v. 21.12.

    SEIDL, Claudius (2001): Ich sag Bobo, was sagst du?
    Ein amerikanischer Bestseller und seine deutschen Deuter,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 10.05.

    SEIDL denkt über Bobos in Deutschland nach

    SEIDL, Claudius (2001): Als der Regen kam.
    Der Anschlag hat auch das Reich der Fiktion verwüstet,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.09.

    SEIDL, Claudius (2001): Ein Fußtritt - und doch war es, als habe er mich geküsst.
    Bye Bye Baby - Wie ein kleines Mädchen aus der amerikanischen Provinz alles für die Bay City Rollers aufgab,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 22.12.

    SEIDL, Claudius (2002): Die Härte der späten Geburt.
    Widerspruch zu Günter Grass: Die Kinder und Enkel der Vertriebenen sind ganz anders,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.02.

    Claudius SEIDEL, ein Angehöriger der "Single-Generation", verteidigt die nichtorganisierten Vertriebenenkinder gegen Günter GRASS: "als Vertriebenenkind möchte man ihm nur noch zurufen: Nein, alter Mann, das ist nicht wahr! Man soll nicht auf die Enkel projizieren, womit man selber nicht fertig wird."

    SEIDL, Claudius (2005): Die Revolution der Lebensläufe.
    Der blinde Glaube, die Jugend sei im Alter von dreißig Jahren beendet, ist gebrochen: Zur Geschichte eines lautlosen Umsturzes,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung  v. 17.02.

    Joachim LOTTMANN hat mit Die Jugend von heute die Vorlage gegeben. Mit Schöne junge Welt schreibt Claudius SEIDL die Geschichte der Jugendelite fort.

    SEIDL, Claudius (2005): Hitlers Hippies.
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung  v. 13.03.

    Bernward Vesper - Die Reise

    SEIDL, Claudius (2005): Als keine Zukunft noch Zukunft hatte.
    Eine CD-DVD-Edition erinnert an den West-Berliner Underground, der bis in die achtziger Jahre überlebte,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 17.04.

    Es "war, ums Jahr 1980 herum, eigentlich immer Winter und minus fünfzehn Grad in Berlin, was nicht nur an Berlin lag, sondern auch daran, daß es in München im Sommer eigentlich immer zu lustig war, als daß irgendwer auf den Gedanken gekommen wäre, sich nach Berlin zu sehen",

    erklärt uns Claudius SEIDL aus der Generation 40+. Aber wollen wir uns von jemanden, der in einer Münchner Nische das Erwachsensein träumte. Punk und Berlin erklären lassen?

    SEIDL, Claudius (2008): Wer, zur Hölle, hat denn mehr Sex?
    All die jungen Leute werden plötzlich fünfzig: Wie 1958 zum herrschenden Jahrgang wurde,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 08.06.

    Neu:
    SEIDL, Claudius (2010): Die Katastrophe hat längst begonnen.
    Wer sagt denn, dass unser Aufstieg immer weitergehen wird? Und wer glaubt, Sarrazins Ächtung helfe?
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung  v. 05.09.

    Noch vor 5 Jahren sollte das individualisierte Milieu Deutschland retten:

    "Die apokalyptische Vision von der vergreisenden Gesellschaft setzt, mehr oder weniger selbstverständlich, voraus, daß (...) unsere Biographie-Baupläne diesselben wie in den vergangenen Jahrhunderten sind, kurz: daß es die Revolution der Lebensläufe nicht gegeben hat." (2005, S.155)

    Und jetzt hat die Katastrophe längst begonnen:

    "Man kann sich doch nicht vor der Erkenntnis drücken, dass die meisten der Babys, die heute geboren werden, einen sogenannten Migrationshintergrund haben oder in der deutschen Unterschicht aufwachsen werden. Und Ursula von der Leyens Elterngeld, schreibt Heinsohn, verstärkt noch diesen Trend.
                Wem diese Verhältnisse eine Angst einjagen, wer solche Geburtenraten für die eigentliche Katastrophe der deutschen Gegenwart hält: der ist weder Deutschtümler noch Rassist (...).
                Im Gegenteil, es ist die Sorge um die Kinder, die den Alarm auslöst; es ist der Umstand, dass, wenn die Mittelschicht zu wenige werden, als dass sie die Standards setzen und die Aufstiegsziele anschaulich machen könnten, die Mehrheit der Kinder so gut wie keine Chance mehr hat, überhaupt nur zu sehen, wo oben ist".

    Damit hat sich SEIDL in 15 Jahren einmal um die eigene Meinungsachse gedreht. Für SEIDL ist da plötzlich der Eisberg Unterschicht aufgetaucht, als ob es diese - bevor Thilo SARRAZIN oder Gunnar HEINSOHN die Bühne der Demografiedebatte betraten, nicht gegeben hätte. Offensichtlich ist SEIDL auf zu vielen Partys der Bobos gewesen und verwechselt den dortigen Klatsch mit der gesellschaftlichen Realität.
                Bereits vor 5 Jahren wurde auf single-generation.de die jetzige Wandlung von SEIDL vorausgesehen und ihm der blinde Fleck seiner schönen neuen individualisierten Welt aufgezeigt:

    "Tanz der Vampire nennt SEIDL jenes Kapitel, in dem die vergreisende Gesellschaft erörtert wird. SCHIRRMACHERs Horrorszenario dient dabei als Negativfolie. Wenige Kinder, viele Rentner, so lässt sich das Schreckensbild dieser prognostizierten Gesellschaft zusammenfassen. SEIDL hat diesem Szenario nichts als die schöne junge welt entgegen zu setzen. SEIDLs Pioniergeneration könnte durchaus eine Rettung sein: eine produktivere, innovativere Gesellschaft aufgrund einer veränderten Lebenserwartung und einer Einstellung, die der Ökonomie entgegen kommt. Der Schönheitsfehler ist jedoch, dass SEIDLs schöne junge welt nur auf einem zahlenmäßig kleinen Milieu - nämlich dem individualisierten Milieu - basiert. Es ist kaum anzunehmen, dass dieses Milieu sich innerhalb der nächsten Generation als stilprägend erweisen wird und sich deshalb rasant ausbreitet. In SEIDLs Welt existiert weder die Hartz-Gesellschaft, noch gibt es das Problem der sozialen Ungleichheit und Alt sind nur die anderen (...).
            
     
    Alles deutet darauf hin, dass die Mittelschicht in den kommenden Jahren abschmilzt. Dies wird u. a. auch eine Folge der neuen Langlebigkeit sein, denn im Alter verstärkt sich die soziale Ungleichheit noch. SEIDLs schöne junge welt ist die sprichwörtliche Insel der Seligen. Jenseits dieser Welt beginnt die gesellschaftliche Realität. Dort werden sich die Dramen der neuen Klassengesellschaft abspielen. SCHIRRMACHERs Methusalem-Komplott wird dabei so wenig hilfreich sein wie SEIDLs schöne neue welt."

    Offenbar hat SEIDL nun die Realität eingeholt, nur dass er jetzt HEINSOHN und Co. auf den Leim geht. Der Soziologe Berthold VOGEL hat in seinem Buch Wohlstandskonflikte zu Recht geschrieben, dass die nervöse Mittelschicht unser Schicksal ist.

     
       

    Claudius Seidl: Porträts und Gespräche

     
       

    SCHULER, Thomas (2005): Rasender Stillstand.
    Nach Frank Schirrmacher hat nun auch FAS-Feuilletonchef Claudius Seidl über das Altern geschrieben,
    in: Berliner Zeitung  v. 24.02.

    "Wer denken könnte, Seidl laufe mit dem neuen Buch den FAZ-Kollegen hinterher, dem fällt er gleich mit dem Hinweis ins Wort, er habe dazu schon lange vor Schirrmacher einen Artikel veröffentlicht. Nicht nur das. Immerhin hat er schon vor zehn Jahren als Co-Autor ein Buch mit dem Titel »Gnadenlos glücklich« verfasst, in dem er das »süße Leben um die 30« beschreibt. Eine Website über »Single-Autoren« verstand ihn so, als behaupte er, der 30. Geburtstag sei der »Abschied von der Jugend«. Dabei schrieb er schon damals, das Erwachsenwerden bekomme man nicht mehr geschenkt »und es kommt auch nicht schicksalhaft über jeden, der die Dreißig überschreitet und für seinen Lebensunterhalt selber sorgt«", schreibt SCHULER.

    SCHULER beschuldigt uns, dass wir SEIDL falsch verstanden hätten. Wir können unsererseits keinerlei Missverständnis erkennen, denn offenbar geht es hier um zwei verschiedene Sachverhalte, die SCHULER durcheinander bringt.
          
      Zum einen geht es um die Frage, ob man ab dem 30. Lebensjahr automatisch als erwachsen gilt, was single-generation.de auf dieser Website NIRGENDS vertreten hat. Viel Spaß beim Recherchieren!
            
    Oder ob man mit 30 (1995) oder 40 (2005) erwachsen sein soll. Und allein um diesen normativen Aspekt (dies hat single-generation.de ausführlich anhand der Kontroverse zwischen dem Lebenszyklus- und dem Lebensspirale-Modell dargestellt) geht es in beiden Büchern in unterschiedlicher Weise, denn 1995 sah SEIDL seine Generation wesentlich skeptischer als heutzutage. Aus einer Not wird jetzt sozusagen eine Tugend.
            
    1995 hat SEIDL auf Seite 99 geschrieben:

    "Wenn (...) die »Thirtysomethings« der 90er Jahre es mittlerweile für nötig halten, sich selbst als Generation zu beschreiben, eine Altersgruppe, die eigentlich erwachsen handeln und nicht im Namen der Jugend die Zukunft für sich fordern sollte - dann ist nicht nur die Altersstruktur dieser Gesellschaft völlig durcheinander geraten."

    2005 soll uns dagegen die "Revolution der Lebensläufe" retten.

     
           
       

    schöne junge welt (2005).
    Warum wir nicht mehr älter werden

    München:
    Goldmann

     
       
         
     

    Klappentext

    "Die heute tonangebende Generation bewegt sich auf die Vierzig zu oder hat sie vor kurzem überschritten. Aber anders als zu Zeiten ihrer Eltern, als es klare Vorstellungen vom Weg ins Erwachsensein gab, wissen die wenigsten heute so recht: Ist man schon alt, oder fühlt man sich noch jung? Die meisten ahnen: beides zugleich. Denn innerhalb von nur einer Generation hat sich die Gesellschaft revolutioniert. Wir werden immer später erwachsen, aber wir wissen bis heute nicht, was das bedeutet: Schieben diejenigen, die heute zwischen 30 und 50 sind, den Moment, da sie die Dinge endlich in die Hand nehmen, immer noch vor sich her? Was sind ihre Vorstellungen vom Glück, von der Liebe, von einer Karriere? Und sind all jene, die ihre Jugend so weit verlängert haben, überhaupt in der Lage, in Würde zu altern? Werden sie nicht, weil sie Jugend für einen Charakterzug und nicht einen Lebensabschnitt halten, verzweifeln an den ersten echten Alterserscheinungen?
    Claudius Seidl zeigt, wo die Ursachen dieser Entwicklung liegen und was ihre Folgen sind. Und er beschreibt voller Esprit, was es für uns bedeutet, immer jünger zu werden.

    Innerhalb von nur einer Generation hat sich die Gesellschaft revolutioniert: Wir werden immer jünger, werden immer später erwachsen. Claudius Seidl zeigt, warum das eine gute Nachricht ist."

    Pressestimmen

    "Seidl erzählt (...) vom Ende der »Herrschaft der alten Lebensblaupausen« (...).
    Dafür hat er jede Menge Anschauungsmaterial gesammelt: aus dem eigenen Leben(...). Und bei Freunden, seiner Schwester und Leuten aus dem Kulturbetrieb jenseits der 40, die er extra für das Buch interviewt hat (...).
    In diesen Passagen liest sich das Buch tatsächlich wie ein Trostbuch für eine Generation von Übervierzigjährigen, die (...) noch immer an ihrem Lebensplan herumbastelt; und die sich eben fragt, ob all das auch seine Richtigkeit hat?
    Es hat, es hat, meint Seidl. Nur ließe sich auch einwenden, dass er da womöglich einer professionellen Deformation aufsitzt, dass das Ganze nicht repräsentativ ist und lediglich eine Milieuschilderung (...).
    Seidl ficht das nicht an, auch nicht, dass es Bohemiens schon zu allen Zeiten gegeben hat. Er weiß für seine These der Dauerjugendlichkeit breiter Gesellschaftsschichten den Pop und das Kino auf seiner Seite".
    (Gerrit Bartels in der TAZ vom 02.03.2005)

     
         
     
           
       
    • Das Buch in der Debatte

    Claudius Seidl - schöne junge welt. Oder: Wie sich das individualisierte Milieu als Deutschlands Rettung ausgibt
     
       
    • Rezensionen

    FUHR, Eckhard (2005): Methusalem-Kompott,
    in: Welt  v. 19.02.

    Eckhard FUHR sieht in SEIDLs Buch schöne junge welt eine ideale Ergänzung zu SCHIRRMACHERs Buch Das Methusalem-Komplott.

    BARTELS, Gerrit (2005): Hinter den Gittern der Gegenwart.
    Wenn auch Sie zwischen 30 und 60 Jahre alt sind, dann sollten Sie das Buch "Schöne junge Welt" lesen. Freundlich, melancholisch und nur selten fatalistisch erklärt uns darin Claudius Seidl (46), warum diese Generation zumindest "im Kopf" nicht älter wird: Sie ist verdammt zur ewigen Jugend,
    in: TAZ v. 02.03.

    Für BARTELS beginnt die Geschichte von SEIDLs schöne junge welt mit einem FAS-Artikel aus dem Jahre 2002. Das ist falsch! Single-generation.de belegt dagegen, dass SEIDLs Story bereits im Jahr 1995 beginnt. In Gnadenlos glücklich ist das Thema bereits ausgebreitet. Innerhalb von 10 Jahren wurde bei SEIDL aus der Not eine Tugend...

    WIELAND, Rayk (2005): "Schöne junge Welt",
    in: Stilbruch, Sendung des Rundfunk Berlin-Brandenburg v. 03.03.

    FLORIN, Christiane (2005): Je oller, je doller.
    Klammheimlich wurde die Midlife-Crisis abgeschaft. Der alternde Mensch von heute geht nahtlos von von der Dauerjugend in die Rente,
    in: Rheinischer Merkur Nr.10 v. 10.03.

    "Je weniger Kinder zur Welt kommen, desto infantiler werden die schon Geborenen. Medizinsendungen, in denen einst Frühinvalide über ihr Rheuma klagen durften, bitten nur noch paarungswillige Endsiebziger ins Studio, die vor der Kamera ihr Erektionsverhalten offen legen", schreibt Christiane FLORIN anlässlich des neuen Buches schöne junge Welt von Claudius SEIDL.

    MÄRZ, Ursula (2005): Wie man mit Anstand 50 wird.
    Vom Stapel: Claudius Seidl "schöne junge welt",
    in: Die ZEIT Nr.11 v. 10.03.

    "Seidl hat eigentlich keine genaue Vorstellung von Erwachsenheit, zumindest keine, die über das Etabliertsein im wunschlosen Nichtraucher- und Bausparertum hinausginge (Kommentar: siehe hierzu näher Stefan BOLLMANN im aktuellen Merkur). So lebt das Gros der Gesellschaft. Was ist daran erwachsen? Um wirklich brillant zu sein, fehlt dem Buch jenes Temperament, jener rücksichtslose Erkenntnisbiss, der nun aber auch so gar nicht die Sache des Münchner Lässigkeitsjournalismus ist, zu dem Claudius Seidl, seit er in Berlin als Kulturchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung arbeitet, wehmütig hinunterschielt", merkt Ursula MÄRZ an.

    WERNER, Hendrik (2005): Kurz und knapp,
    in: Welt v. 12.03.

    SCHLAGENWERTH, Michaela (2005): Das Peter-Pan-Komplott.
    Claudius Seidl sieht um sich herum ewige Jugend. Warum macht ihn das traurig? Das sagt er uns nicht,
    in: Berliner Zeitung v. 17.03.

    DORN, Thea (2005): Nie wieder Nutella.
    Leicht polemische Betrachtungen anläßlich zweier neuer Bücher von Claudius Seidl und Desirée Nick über das Leben jenseits der 40,
    in: Welt v. 26.03.

    Thea DORN erzählt noch einmal die Story von der Generation Golf nach. Claudius SEIDL zählt sie zur "erweiterten Generation Golf" und seinem Buch schöne junge welt kann sie deshalb wenig abgewinnen:

    "Es ist aufschlußreich, daß Seidl immer wieder auf die fünfziger und frühen sechziger Jahre, die Blütezeit des Spießbürgertums, zurückgreift, wenn er die »Angemessenheit« des heutigen Verhaltens beurteilen will. Seine eigene These, daß die früheren »Biographie-Baupläne« so völlig obsolet geworden seien, widerlegt er damit selbst. Denn der erzspießbürgerliche Biographie-Bauplan »Bis Ende 20 darfst du hirnlos Party machen, dann suchst du dir einen anständigen Beruf, dann gründest du Familie samt Eigenheim« wird vom Autor - und, ich fürchte, von meiner gesamten Generation - nie in Frage gestellt."

    SEIDLs Buch stellt sie das Buch Gibt es ein Leben nach vierzig? von Désirée NICK, Jahrgang 1960, Entertainerin, Kabarettistin, allein erziehende Mutter, gegenüber. Dieser Überlebensratgeber für die Single-Frau in der zweiten Lebenshälfte zeigt für DORN, dass es für die Frau über 40 mittlerweile ein "Leben" gibt:

    "Fürchtet Seidl, auf dem »Meer der Möglichkeiten«, wie er es frei nach Kierkegaard nennt, irgendwann unterzugehen, sagt die Nick: Großartig, daß ich endlich auch auf dieses Meer hinaus darf. Und: Mit 40 weiß ich so viel mehr vom Leben, daß ich auf diesem Meer ein besserer Kapitän bin als je zuvor. Diese Dimension fehlt bei Seidl auf gespenstische Weise."

    Thea DORN endet mit mit einem Aufruf an ihre Geschlechtsgenossinnen:

    "Kurz vor Schluß seines Essays formuliert Seidl den Verdacht, »daß der Preis dafür, daß die Zeit bei uns kaum Spuren hinterläßt, damit bezahlt wird, daß wir kaum Spuren in der Zeit hinterlassen«, und variiert damit die alte antiliberale Ideologie, daß der (Spieß-)Bürger von Zeit zu Zeit durch große Katastrophen, besser noch: Kriege, wachgerüttelt werden muß.
          
      Ich dagegen sage: Wir leben in einer Zeit, in der meine Generation endlich den Weg aus dem Kinderzimmer herausfinden muß, ohne darauf zu warten, daß sie einer durchs Stahlgewitter schickt. Alfred North Whitehead, britischer Philosoph und Mathematiker im vergangenen Jahrhundert, definierte Jugend als »das Leben, das noch von keiner Tragödie betroffen wurde«. Wir hatten nine/eleven, sind konfrontiert mit einen wachsenden, aggressiv-tödlichen Haß auf die westlichen Lebensformen, haben über fünf Millionen Arbeitslose im eigenen Land und eine offensichtlich überforderte Regierung - ist das nicht Tragödie genug (...)? Hören wir endlich auf, das Meer der Möglichkeiten als Planschbecken mißzuverstehen, laßt uns seine Herausforderung, lebenslang rudern, steuern und den Horizont suchen zu müssen, endlich annehmen. Und wenn die Jungs weiter auf das große Feuer warten wollen, das sie aus ihren Party-Nußschalen herausglüht, dann müssen eben die Frauen ran, die keine Angst haben und wissen, was sie diesem Meer verdanken. Es ist nicht nur die Auswahl zwischen Prada oder Gucci."

    AGUIGAH, René (2005): Alterssorgen,
    in: Literaturen Nr.4, April

    Für René AGUIGAH segelt Claudius SEIDL mit seinem Buch im Windschatten von Florian ILLIES' Generation Golf und Frank SCHIRRMACHERs Methusalem-Komplott. Sein Resümee:

    "geschmeidige Lektüre, von der man ein, zwei unterhaltsame Abende, aber keinen Erkenntnisgewinn oder auch nur Neuigkeiten erwarten sollte."

    SPERR, Franziska (2005): Der Jugend Rosenbahn zurückzueilen.
    Süffig, kulinarisch, locker erzählt Claudius Seidl von den ewig jung Gebliebenen und ihrem Generationenkampf,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 07.05.

    Was macht man eigentlich, wenn ein Buch schlecht ist und man es dennoch loben muss? Das Ergebnis liest sich dann so wie die Rezension von SPERR:

     "Zur Klärung der eigenen Position ist das Buch nicht geeignet" heißt das Fazit, nachdem zuerst hervorgehoben wurde, dass SEIDL für die werberelevante Zielgruppe der Dreißig- und Vierzigjährigen schreibt (in der SZ wird fälschlicherweise 30-40jährige geschrieben). Genauer: für "Kindsköpfe (...), speziell die Männer aus dem Medienbereich, der Musik- oder Werbebranche, die ewig Fünfunddreißigjährigen".

    Es sind jene, die in der Geschichte keine Spuren hinterlassen, wie es bei SEIDL selbstmitleidig heißt. Dagegen die alten Jungen:

    "Die Superjobs (...) gehen regelmäßig an die viel zu Jungen, Unreifen, die vitelloni der Mediengesellschaft. Sie wollen die Vierzigersäcke und Lesebrillenträger samt ihrer öden Berufs- und Lebenserfahrung nicht mehr zu Wort kommen lassen".

    SPERR stilisiert das Buch sozusagen zum Stichwortgeber für die young neocon-Kontroverse der SZ:

    "Schlachtengemälde vom Kampf der Generationen". Das ist ziemlich weit hergeholt für ein Buch, das - wie SPERR richtig angemerkt hat - für die Lifestyle-Schickeria geschrieben wurde, und deshalb der Beliebigkeit frönt:
          
      "Und weil er offenbar selbst gespürt hat, dass da was nicht stimmt, endet das Buch versöhnlich mit einem klaren Plädoyer gegen den Jugendwahn und der Hoffnung, dass - mögen die Götter helfen - es mit der Vergreisung dann doch nicht gar so drastisch kommen muss."

    Schonungsloser hat dagegen single-generation.de die Schwächen des Buches schöne junge welt von Claudius SEIDL herausgearbeitet, denn nur durch extreme Zuspitzung gewinnt das laue Buch überhaupt erst jene Konturen, die SPERR hier beschrieben hat.

    SDUN, Nora (2005): Was ist eigentlich Jugend?
    Claudius Seidl: Schöne junge Welt,
    in: fluter.de v. 08.05.

    Nora SDUN findet, dass das Gehabe von SEIDL & Co. absolut nichts mit Jugendlichkeit zu tun hat:

    "Seidl (...) macht Inventur bei den Lässigen seiner Generation. Das Ergebnis ist bitter für alle, die so eine Lebensart nicht pflegen können. Sie müssen eben altern. Alternativen nennt Seidl nicht.
    Erfolgreiche 40- bis 50-Jährige sind sich, meint Seidl, sicher - obwohl sie sich nicht festlegen. (...).
    Seltsam ist, dass Seidl findet, dass ihr Verhalten etwas mit Jugendlichkeit zu tun hätte. Kein Jugendlicher benimmt sich so. Jung zu sein, hat noch nie bedeutet, dass man sich sicher ist.
    »Schöne junge Welt« lässt sich aber auch ironisch lesen. Denn wenn es möglich wird, so überlegen zu schreiben wie Claudius Seidl, über Filme, Verhaltensbiologie und Anthropologie, dann hätte man keine Probleme mehr mit den eigenen Drüsen.
    "

     
           
       

    Gnadenlos glücklich (1995).
    Das süße Leben um die 30
    (zusammen mit Andrea Parr)

    München:
    Deutscher Taschenbuch Verlag

     
       
         
     

    Klappentext

    "Das Leben geht weiter nach dem großen Spaß der 80er Jahre. Wie lieben und leben sie heute, die Late-Bloomers, die, nun doch erwachsen geworden, den Ernst des Lebens nicht nur im Spiegel begegnen?
    Zwei von ihnen, Andrea Parr und Claudius Seidl, ziehen Bilanz, ganz persönlich und doch für uns alle. Da ist vom Heiraten die Rede, aber auch von Singles, von denen, die es geschafft haben, aber auch von denen, die ihre Träume im metallenen Küchengrab versenken oder am Steuer ihres mittlerweile eigenen Taxis abgeben mußten. Ob Politik, Kultur oder ganz einfach die Liebe: Sie sprechen über sich und über das, was sie erlebt haben, und was sie kennen wie keiner - das süße Leben diesseits und jenseits der Dreißig."

     
         
     
           
       
    • Claudius Seidl in der Debatte

    BARTELS, Gerrit (2001): "Kill Your Idols" und so.
    Wie Joachim Bessing und Claudius Seidl einmal fast das Abendland retteten. Eine Art Lesung aus Bessings neuem Roman in den Sophiensälen,
    in: TAZ Berlin
    v.10.09.

     
       

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    Update: 25. Mai 2015