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Claus Leggewie: Die 89er

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1950 geboren
    • Studium der Politikwissenschaft und Sozialwissenschaften
    • 1995 Buch "die 89er"
    • 2002 Buch "Die Globalisierung und ihre Gegner"
    • 2003 Buch "Das Wunschkind"
 
       
     
       
   

Claus Leggewie in seiner eigenen Schreibe

 
   

LEGGEWIE, Claus (2000): Bruch mit dem Staat der Eltern.
Die Bonner Republik findet mit der Spendenaffäre nachträglich ein unrühmliches Ende. Anlass, der weidlich zerredeten "Berliner Republik" eine neue Chance einzuräumen,
in: TAZ v. 28.01

LEGGEWIE, Claus (2000): Generation Berlin? Oder: Zeitgenossen von 1989.
In:
CZADA, Roland & Hellmut WOLLMANN (HG.) Von der Bonner zur Berliner Republik. 10 Jahre Deutsche Einheit, Sonderheft 19 der Zeitschrift Leviathan, Wiesbaden: Westdeutscher Verlag, S.349-362

LEGGEWIE, Claus (2001): Texanisches Mantra.
George W. Bush flirtet mit dem Kommunitarismus,
in: Frankfurter Rundschau v. 07.03.

Claus LEGGEWIE nennt die Kommunitaristen Amitai ETZIONI und Robert D. PUTNAM als Stichwortgeber für BUSHs "mitfühlenden Konservatismus". Den Isolationstendenzen soll mit der Gemeinschaft als Mantra des Dritten Weges entgegengewirkt werden. LEGGEWIE ist der Meinung, dass dadurch der Kommunitarismus auch in Europa Aufwind bekommen könnte.

LEGGEWIE, Claus (2001): Hochmobile Kohorten.
Schachzüge und Rotationen: Mit dem Ende der Zaghaftigkeit kommt die Einwanderungsdebatte in der globalisierten Wirklichkeit an,
in: Frankfurter Rundschau v. 05.07.

LEGGEWIE, Claus (2002): Statt ins Abseits in die Mitte,
in: TAZ v. 28.08.

LEGGEWIE plädiert für eine Arbeitsteilung zwischen der Regierungslinke und der Bewegungslinken, um französische Verhältnisse in Deutschland zu vermeiden:

"Ein stärker arbeitsteiliges Verhältnis ist (...) geboten: Der Beitrag der Bewegungen besteht vor allem im Agenda-Setting, in Mobilisierung und Bereitstellung fachlicher Expertise, während Parteien in der Demokratie ihre klassischen Funktionen der Aggregation und Legitimation von Interessen ausspielen können. Die schlechtere Alternative ist, dass sich Regierungs- und Bewegungslinke in eine verschärfte Konfrontation begeben - um am Ende beide im politischen Abseits zu stehen."

LEGGEWIE, Claus (2003): Der verblassende Mythos der Meritokratie.
FR-Serie Alte und neue soziale Ungleichheiten: Dynastische Schließungen: Superreichtum als Gefahr für die Demokratie,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.06.

LEGGEWIE, Claus (2006): Eltern - Kinderlose.
In:
Stephan Lessenich & Frank Nullmeier (Hg.) Deutschland - eine gespaltene Gesellschaft, Frankfurt a/M: Campus

LEGGEWIE, Claus (2011): Die Ohnmacht der Getriebenen.
Beängstigend viele Menschen fühlen sich in ihrem Job überlastet und verschlissen. Burnout, Depression und andere Stresserkrankungen nehmen epidemische Ausmaße an. Irgendetwas läuft grundlegend schief, nicht nur in der Arbeitswelt. Welche Therapie braucht unsere Gesellschaft,
in: Psychologie Heute,
September

Claus LEGGEWIE, der mit der 89er-Generation floppte, rührt zuerst einen Gesellschaftscocktail aus Alain EHRENBERG ("Das erschöpfte Selbst"), Ulrich BRÖCKLING ("unternehmerisches Selbst") und Frank HERTEL ("Knochenarbeit") an, dessen Diagnose lautet: Arbeit macht krank.

"Das Problem für viele ist nicht persönliches Versagen, sondern dass vorhandene Fähigkeiten und Talente nicht mehr angemessen bewertet werden. Scheinbar individuelle Konflikte sind vielfach in externen Zwangslagen begründet."

Aber was ist für LEGGEWIE die Lösung dieses Problems? Die Wende zum Weniger! Ein Schlagwort der großen Koalition von  Kurt BIEDENKOPF über Meinhard MIEGEL bis Ulrich BECK. Und die Verantwortung für die künftigen Generationen ist dann auch nicht weit weg. Man fragt sich höchstens: Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Und welche Interessen verbergen sich tatsächlich hinter diesen nebulösen Begriffen? Die Produktion von Lebensqualität in einer Gesellschaft der Langlebigen ist eine große Zukunftsaufgabe und viel zu wichtig, um sie Ideologen wie LEGGEWIE & Co. zu überlassen.  

Neu:
LEGGEWIE, Claus (2011): "Ihr kommt nicht mit bei unseren Änderungen!" Die 89er - Generation ohne Eigenschaften? In: Christoph Bieber, Benjamin Drechsel, Anne-Katrin Lang (Hg.) Kultur im Konflikt. Claus Leggewie revisited, Bielefeld: Transcript Verlag

Wiederabdruck eines Aufsatzes aus Heft 11 der Zeitschrift Transit, der 1996 erschienen ist.

Im Kapitel Post-Adoleszente und Früh-Pensionäre: Ein neuer "Vertrag der Generationen" versucht sich Claus LEGGEWIE mit Prognosen zur weiteren demografischen Entwicklung und ihrer Auswirkung:

"Die Senkung der durchschnittlichen Wochen-, Jahres- und Lebensarbeitszeit, seit 1945 durch ständige Produktivitätsfortschritte ermöglicht, kaschiert eine zunehmend ungleichere und ungerechtere Verteilung zwischen Beschäftigten und Beschäftigungslosen; den geschützten und ungeschützten Segmenten des Arbeitsmarktes und folglich zwischen Armen und Reichen.
Für das Verhältnis zwischen den Generationen und die Situation der unter 30-Jährigen auf den Arbeitsmärkten hat das Umkippen der Alterspyramide einschneidende, vielleicht dramatische Folgen. Es ist, trotz Immigration und aller möglichen Anreize, die Geburtenrate wieder zu steigern, irreversibel, daß nach der Jahrtausendwende in fast allen OECD-Staaten eine schrumpfende Zahl »erwerbsfähiger« Personen, d.h. die heutigen Twentysomethings und ihre Nachfolger, eine rasant steigende Zahl von »Ruheständlern« zu versorgen haben wird. Der »Vertrag zwischen den Generationen« mag eine ideologische Konstruktion sein, die die nüchterne sozialpolitische Realität verschleiert, und es erscheint übertrieben, den »Krieg der Alten gegen die Jungen«, d.h. einen dramatischen Verteilungskonflikt an die Wand zu malen. Aber die Fundamente des westlichen Wohlfahrtsstaates sind nachhaltig in Frage gestellt.
Es sei hier nur hingewiesen auf die Perspektive der Jüngeren in einem radikal umgewälzten Arbeitsmarkt. Die Glücklicheren, die materiell gesichert sind und die notwendigen Bildungspatente erworben haben, können sich gewissermaßen ein Arbeitsleben à la carte ausmalen, das dem Marxschen Reich der Freiheit nahekommt, in dem Arbeit, geistige Anstrengung und Muße harmonisiert sind. Doch die vielen weniger glücklichen haben bereits jetzt das Problem, dass sie erstens frühzeitig (und oft trotz hoher Qualifikation) aus dem Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind, dass sie zweitens wegen der für Altersvorsorge und -fürsorge benötigten Mittel um knapper werdende sozialpolitische Ressourcen kämpfen müssen und dass sie drittens selbst einem unsicheren »dritten Alter« entgegensehen. Demographische und gesundheitliche Trends (namentlich niedrige Fertilität und längere Lebenserwartung), die daraus folgende Finanzkrise der Wohlfahrtsstaaten, die Entwicklung der Produktivität und der Arbeitsmärkte im Rahmen der Globalisierung und das wachsende Gewicht der älteren Bevölkerung als Wähler und pressure groups im politischen System schaffen ungünstige Voraussetzungen für die Jüngeren. (...).
Diese Perspektiven müssen nicht in ein Horrorszenario münden, wie es allenthalben entworfen wird, wenn soziale Gruppen ihre Forderungen anmelden. Längst haben clevere Vertreter der jungen Generation »Nischen« im Arbeitsmarkt aufgetan, die, jenseits der untergehenden Lohnarbeiter- und Angestelltenexistenz und einer oftmals prekären »neuen Selbständigkeit« schon bald im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen können."
(2011, S.352f.)

 
       
   

Claus Leggewie im Gespräch

 
   

PONGS, Armin (1999): Claus Leggewie - Die multikulturelle Gesellschaft. In: In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich? Gesellschaftskonzepte im Vergleich, Band 1, München: Dilemma Verlag

 
       
   

Claus Leggewie in der Debatte

 
   

MEYER, Erik (2010): Die Söhne Mannheims. In: Christoph Bieber, Benjamin Drechsel, Anne-Katrin Lang (Hg.) Kultur im Konflikt. Claus Leggewie revisited, Bielefeld: Transcript Verlag

Erik MEYER verortet die 89er-Generation im universitären Umfeld von LEGGEWIE:

"Transit, die Europäische Revue, wird seit 1990 am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien herausgegeben; ein kosmopolitischer think tank an der Schnittstelle von Mittel- und Osteuropa. (Das) Publikationsorgan und sein regelmäßiger Autor (sind) nachhaltiger von 1989 geprägt als etwa die mittelhessische Justus-Liebig-Universität in Gießen, an der Leggewie damals als Professor antritt.
In dieser Zeit beginnen dort auch einige Postadoleszente ihr Studium der Politikwissenschaft, die sich später als AG für »Symbolische Politik, Kultur & Kommunikation« (SPoKK) konstituieren. (...) Leggewie selbst stellt im Rückblick fest, dass sein Portrait der 89er »eindeutig spokkistische Tendenzen aufweist« (Leggewie 2003: 9). Dies betrifft weniger das framing als die empirischen Phänomene der Jugend- und Popkultur, an der sich SPoKK akribisch abarbeitet. Denn die mittlerweile zu Doktorvater und Doktoranden mutierten Sozialforscher konkurrieren in sportlichem Sinne um das korrekte Generationsprofil".

MEYER geht außerdem der Frage nach, warum die 89er-Generation kein erfolgreiches Deutungsmuster wurden:

"Der Vorschlag »die Generationschance von 1989 auszuloten«, kam zumindest im Feuilleton nicht so gut an, was wiederum an der prekären Kombination von Affirmation und Antagonismus liegt: Denn gerade den Zeitgenossen, die als potenzielle Gegner der 89er in Frage kamen, war die neue Situation, die Leggewie benevolent umarmte, wenn nicht ein Graus, dann zumindest suspekt. Auch wollten sie weiter die Spielregeln der Generationsbildung diktieren und ihre eigene Generationsgestalt dabei zum Maßstab erheben. Andere riefen gerade das Ende der Jugendkultur im »Mainstream der Minderheiten« (Holert/Terkessidis 1996) aus, und auch aus dieser Perspektive schien die Genese einer Generation unplausibel.
            Trotzdem erlebt der Generationsbegriff in der Folge eine Renaissance: Nach einer inflationären Prägung der Generationsetiketten (...) reüssiert er inzwischen wieder im akademischen Kontext".

Eine der angesprochen Kontroversen um die Generationsbildung konzentriert sich auf die Frage, ob Differenzen in der Mediennutzung einen Unterschied ausmachen

DIEDERICHSEN, Diedrich (2010): Das war vor Jahren. Nach dem Nicht-mehr-Mitkommen. In: Christoph Bieber, Benjamin Drechsel, Anne-Katrin Lang (Hg.) Kultur im Konflikt. Claus Leggewie revisited, Bielefeld: Transcript Verlag

Diedrich DIEDERICHSEN deutet den 1980 veröffentlichten Song Ihr kommt nicht mit bei unseren Änderungen! der Band Fehlfarben, der dem Aufsatz von Claus LEGGEWIE den Namen gegeben hat:

"Was Peter Hein hier zum Ausdruck bringt, ist nicht so sehr die Ahnung der viel beschworenen Vereinnahmungen, von denen Alternativ-Kulturen so viel quengeln, sondern das Gefühl, dass das ganz eigene Terrain von Punks als besonders hingebungsvollen Generationskämpfern gerade durch seine formvollendete Beherrschung durch die Punk-Generation als Schablone und Werkzeugkasten der Coolness-Beschämung bald, in sagen wir einem Jahrzehnt, jeder Debatte, jedem Konflikt, den kulturellen Überbau-Gefechten wie den fiesesten existenziellen Nuancen ganz primärer Konkurrenzkämpfe zur Verfügung stehen könnte.
            Insofern spricht hier schon nicht mehr eine Generation, sondern der Generationenkonflikt selbst spricht von seiner Verabschiedung, davon, dass niemand mehr bei ihm mitkommen wird".

Wenn der Popsong das zentrale Medium der Generationenkriege ist, wie DIEDERICHSEN meint, dann ist die Debatte um Generationengerechtigkeit noch nicht im Pop angekommen oder aber sie ist irrelevant geworden:

"Bildungspolitik, Überziehungskredite, Wohnungsnot, Gentrifizierung, Bundesbahnprivatisierung und Kommerzialisierung des Breitensports - sie alle sind in irgendeiner Form besungen worden. Pop-Musik ist auch im Internet-Zeitalter eine lebendige Zeitung, nur von Generationengerechtigkeit hat sie noch nie geredet.
            So hat also ein Aspekt und nicht irgendeiner, sondern der am engsten mit Generationenschicksalen verbundene Aspekt heutiger Generationenpolitik es nicht in das zentrale Medium der Generationenkriege geschafft, den Popsong. Das könnte daran liegen, dass die Generationendifferenzen und die dazu gehörige Selbstwahrnehmung an anderen Frontlinien verlaufen. Es könnte aber auch damit zu tun haben, dass Pop-Songs und vergleichbare Formate, ganz wie von Illies und anderen Nostalgikern befürchtet, gar nicht mehr mit den Vätern reden wollen".

FALK, Svenja (2010): Multipolare Welt. Generationenbildung in einer Welt ohne Zentrum. In: Christoph Bieber, Benjamin Drechsel, Anne-Katrin Lang (Hg.) Kultur im Konflikt. Claus Leggewie revisited, Bielefeld: Transcript Verlag

Svenja FALK sieht das Ende der großen nationalen Erzählungen gekommen, zu denen auch der politische Generationenkonflikt gehört:

"Identitätsbildung, Beziehungen und auch Konfliktlinien haben sich globalisiert, der Bezugsrahmen hat sich dabei kulturalisiert und ökonomisiert. Das Monopol des »Westens« als Motor der Globalisierung, kultureller Impulsgeber und Definitionsmacht von Modernisierung ist zunehmend erodiert. Die Folge ist eine politische und ökonomische Entgrenzung, die für viele Individuen in prekären Lebenslagen resultierte und zunächst keinen »Stoff« für politische Vergemeinschaftung mehr bot."

FALK konstatiert im Anschluss an Ulrich BECK eine Transnationalisierung des Generationenkonfliktes. In Zukunft haben wir es mit einer "Generation Global" zu tun.

BUDE, Heinz (2010): Was ist aus der Generation der 89er geworden? In: Christoph Bieber, Benjamin Drechsel, Anne-Katrin Lang (Hg.) Kultur im Konflikt. Claus Leggewie revisited, Bielefeld: Transcript Verlag

Der Soziologe Heinz BUDE, Erfinder der bis heute erfolglosen Begriffsschöpfung "Generation Berlin", hält es mit Jacques DERRIDA:

"In dieser Sichtweise bezeichnet »1989« einen Raum voller Phänomene, für die ein Ursprung nicht namhaft gemacht werden kann."

 
       
   

Kultur im Konflikt (2011).
Claus Leggewie revisited
(herausgegeben von Christoph Bieber, Benjamin Drechsel und Anne-Katrin Lang)
Bielefeld:
Transcript Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Der Sozialwissenschaftler Claus Leggewie hat zahlreiche politische und wissenschaftliche Debatten in der Bundesrepublik und Europa angestoßen oder maßgeblich beeinflusst. Nicht selten bewies er dabei ein hervorragendes Gespür für zentrale Themen unserer Zeit, etwa mit seinen Überlegungen zur multikulturellen Gesellschaft, dem Blick auf Generations- und Medienumbrüche sowie den Klimawandel. Leggewies Texte haben regelmäßig die Grenzen zwischen den Disziplinen überschritten und oft für ein breites Echo auch jenseits akademischer Fachgrenzen gesorgt.

Dieser Band versammelt nun erstmals Schlüsseltexte von Claus Leggewie aus fünf Themenkreisen: Demokratiekulturen, Multikultur, Erinnerungskulturen, Generationenkonflikte und Wissenschaftskulturen.

In diesem Buch werden Originaltexte Leggewies von namhaften Autorinnen und Autoren unterschiedlicher Disziplinen kommentiert und in aktuelle Zusammenhänge eingeordnet."

 
     
 
       
   

Rezensionen

  • fehlen noch
 
       
   

die 89er - Porträt einer Generation (1995)
Hamburg:
Hoffmann und Campe

 
   
     
 

Klappentext

"Wer sind sie, die 13- bis 30jährigen, die Generation der 89er, Kinder des Mauerfalls, Erben der alten Bundesrepublik und der untergegangenen DDR, die jungen Bürger der vereinigten Republik und Zeitgenossen der Einen Welt? Wie leben, denken, fühlen sie in diesen ereignisreichen Zeiten nach dem Ende der Ost-West-Konfrontation, inmitten gefährdeter Umwelt und sinkenden Wohlstands, als Mitglieder einer multikulturell gewandelten Gesellschaft, die Datenautobahn der weltweiten Vernetzung im Blick?
Ist das nun eine verratene, verunsicherte, verführte, verlassene oder völlig coole und desillusionierte Generation? Claus Leggewie, ein profilierter Beobachter der gegenwärtigen Lage, liefert in seinem pointiert geschriebenen Porträt der Generation X Diskussionsstoff zum alten und immer wieder neuen Thema Generationenkonflikt. Leggewie setzt auf die »Jugend von heute«, die er keineswegs für genußsüchtig-unpolitisch hält. Er bezieht die 89er auf andere wichtige »Generationsgestalten« der jüngsten deutschen Vergangenheit, vor allem die »skeptische« Generation der Flakhelfer und die 68er, und stellt kritische Fragen nach deren Verantwortlichkeiten für die Zukunft der Nachgeborenen.
In exemplarischen Portraits fängt der Autor die Stimmungen unter den 89ern ein: vom politisch engagierten Schüler über den Skinhead bis zur jungen Erbin und dem erfolgreichen Öko-Unternehmer geben sie Auskunft über ihre Erfahrungen und Erwartungen. Diese plastischen »Schlaglichter« aus der Welt der neuen Generation verbindet der Autor stets mit grundsätzlichen Überlegungen zu Fragen der Ethik, des politischen Engagements, der Verantwortung der Elterngeneration, der demokratischen Zukunft unseres Landes. Denn eins steht fest: Diese Generation wird in zehn Jahren das politische Klima in Deutschland bestimmen."

Das Buch in der Debatte

"Der damalige Zeitredakteur Ulrich Greiner prägte 1994 einen (...) Begriff, welcher der Jugend seither anhaftet: die 89er. In seiner Antwort auf Botho Strauß' »Anschwellenden Bocksgesang« rechnete der 68er so nebenher mit der Wendegeneration ab, die bei der Öffnung der Blöcke gerade volljährig wurde und im selben Jahr die erste Love Parade inszenierte.
»Was haben die Neunundachtziger? Heraus damit, laßt sehn!«: Auf diese Anmache reagierte, wie immer blitzschnell, der Trendscout unter den Pädagogen, Claus Leggewie. In seinem Buch »Die 89er. Porträt einer Generation« mogelte er vielen klugen Beobachtungen auch manchen Erlösungsglauben unter. Mit den 89ern sah er das Ende der politikverdrossenen Zeit nahen - und wartet darauf bis heute.
Zu dumm, daß ausgerechnet der ultrarechte Roland Bubik, Redakteur der »Jungen Freiheit«, auf den Zug aufsprang, um ihm eine ganz eigene Richtung zu geben: »Wir 89er. Was wir sind und was wir wollen. Manifestation einer Generation, mit der man in Zukunft zu rechnen haben wird« - eine Sammlung kurzatmiger, bestenfalls neokonservativer Bekenntnisse, die keineswegs, wie beabsichtigt, den »linksliberalen Konsens« dieser Gesellschaft störten. Schlagworten wie Generation X und 89er konnte die Jugend sich zunächst kaum entziehen. Doch längst hat sich gezeigt, daß die Jugend mit diesen Begriffen und Bildern kaum zu fassen ist. Denn in ihnen spiegeln sich eher ihre Erfinder als jene, die sie beschreiben."
(Angelika Ohland im Sonntagsblatt vom 28.02.1997)

 
     
 
       
   
  • Rezensionen

SEIDL, Claudius (1995): Die bösen Onkels von '68,
Generationen: Die Veteranen der Studentenrevolte haben wieder eine Debatte angezettelt: Im Kampf um Macht und Meinungsführerschaft fühlen sie sich irritiert durch die Kinder von Mauerfall und Vereinigung, von Techno und globaler Computervernetzung. Jetzt kommt das erste Buch zum Thema: Claus Leggewies Porträt "Die 89er",
in:
Spiegel Nr.11 v. 13.03.

Claudius Seidl identifiziert die 89er als die Jahrgänge 1965 - 1975. Das Buch fasst sie dagegen weiter als die 13 - 30Jährigen. Die von SEIDL benannten Jahrgänge werden 5 Jahre später zur Generation Golf, dem erfolgreichsten Generationenlabel für diese Kohorte. Den Verlauf der Debatte um die 89er, die zum Buch führte, schildert SEIDL folgendermaßen:

"Greiner, nach eigener Aussage ein »Achtundsechziger«, hatte die »Neunundachtziger« enttarnt, und er, der Ältere, sagte den Jungen, wider alle Regeln, den Kampf an: »Was haben die Neunundachtziger? Heraus damit, laßt sehen.«
            Es gab ein paar Streber, die der Aufforderung folgten - im wesentlichen aber lief die Debatte aufs Selbstgespräch der 68er hinaus; die üblichen Verdächtigen blieben unter sich: Peter Glotz und Jürgen Busche, Mathias Greffrath, Robert Leicht. Nun kommt das erste Buch zum Thema, und natürlich hat es kein Junger geschrieben: Der Politikwissenschaftler Claus Leggewie, 44, versucht sich am »Portrait einer Generation».
            Hatte Greiner den Part des bösen Onkels gespielt, so übernimmt jetzt Leggewie die Rolle des Vertrauenslehrers".

NUTT, Harry (1995): Das Buch zum Streit,
in: TAZ v. 28.04.

 
   

GREINER, Ulrich (1994): Die Neunundachtziger.
Der Streit über Botho Strauß und die Verrisse seines jüngsten Buches sind Ausdruck eines Machtkampfs. Eine neue Generation tritt gegen die Achtundsechziger an,
in: Die ZEIT Nr.38 v. 16.09.

Infos zu: Ulrich Greiner - Autor der 68er-Generation

LAU, Jörg (1994): Generationskonflikt?
Ulrich Greiners Abgang mit Aplomb als Feuilletonchef der "Zeit",
in:
TAZ v. 21.09.

Infos zu: Jörg Lau - Autor der Single-Generation

MISIK, Robert (1994): Der letzte Versuch,
in:
Die ZEIT Nr.48 v. 25.11.

Infos zu: Robert Misik - Autor der Generation Golf

BUSCHE, Jürgen (1995): Von einem Traum blieb Papier,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 28.01.

Infos zu: Jürgen Busche - Autor der 68er-Generation

GREFFRATH, Mathias (1995): Warten auf die 99er,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.02.

Infos zu: Mathias Greffrath - Autor der 68er-Generation

WIMMER, Stefan (1995): Die 89er - eine umkämpfte Generation,
in:
Focus Nr.28 v. 10.07.

GÜRTLER, Detlef (1995): Die neue Generation,
in:
Wochenpost v. 19.10.

Infos zu: Detlef Gürtler - Autor der Single-Generation

FRÖHLICH, Anke (1996): EXTRA: Die 89er,
Acht 89er stellen sich vor
,
in: Wochenpost
v. 18.01.

MICHEL, Karl Markus & Tilman SPENGLER (HG)(1995): Der Generationenbruch, Kursbuch 121, September, Rowohlt: Berlin

FLAMM, Stefanie (1995): Lifestyle ist alles, was uns bleibt. In: MICHEL, Karl Markus & Tilman SPENGLER (HG)(1995): Der Generationenbruch, Kursbuch 121, September, Rowohlt: Berlin

Stefanie FLAMM, eine Angehörige der Generation Golf, wehrt sich gegen die Etikettierung ihrer Generation als 89er und gegen die damit verbundenen Vorwürfe der 68er:

"Als Ulrich Greiner die gesammelten Kritiken zu Botho Strauß' Wohnen Dämmern Lügen durchsah, dachte er sich, so selbstgefällig, so unengagiert, das sind die Meinen nicht, das müssen die 89er sein. Damit wurden wir ex negativo geschaffen, als identitätsstiftender Kontrapunkt zu den ja bekanntlich sehr engagierten, gegen Macht, Staat und Rechts sich einsetzenden 68ern. Folglich sind wir selbstherrlich, unpolitisch und karriereorientiert: postmodern eben. Der Herbst '89 , der den 68er-Ideen den Todesstoß versetzte, soll nun unser prägendes Erlebnis gewesen sein. Aber ihr meßt uns an euren Idealen, nicht an euer linksliberalen Weicheierei, denn dann würdet ihr merken, daß unsere Praxis die eure ist."

ZIEGLER, Helmut (1995): Der Generationensurfer. In: MICHEL, Karl Markus & Tilman SPENGLER (HG)(1995): Der Generationenbruch, Kursbuch 121, September, Rowohlt: Berlin

Helmut ZIEGLER, Angehöriger der Single-Generation, setzt dem "89er"-Etikett den Generationensurfer entgegen:

"Wenn sein Leben mit dem Geist der Zeit verzahnt sei, dann nur zufällig und widerwillig. (...)
          
So hat er von dem »Generationengerede« die Nase voll und ist allenfalls bereit, sich als »Generationensurfer« zu bezeichnen, der sich neuen Phänomenen wie Wellen annähert, durch sei hindurchtaucht und ihnen dann hinterherblickt: »Es gab eine historisch geprägte Generation in der Nachkriegszeit, eine politisch motivierte Ende der sechziger Jahre und eine eher ästhetisch und nihilistisch definierte in der Punk- und Radical-Chic-Ära. Das war es aber dann auch in meinen Augen.«
          
Alle weiteren Zuschreibungen hält er für Konzeptionen der Medien- und Marketing-Industrie (...).» (...) Die Subkultur, die heute als Basis aller Definitionen - wie etwa im Fall der Generation X - fungiert, wird eh immer schneller sein und ist nicht zu fassen. Ärgerlicher ist da ein Politologe wie Leggewie, der mit dem blauen Müllbeutel vom Untergang der DDR über den Selbstmord von Kurt Cobain bis zum Golf-Krieg ohne Achtung vor der Differenz alles einsammelt und dann sein Label 'Die 89er' draufpappt. Aber wenn man ihn daraufhin kritisiert, kommt auch nicht mehr als ein 'Genau!'. Diese Coolness macht ihn dann schon wieder sympathisch«."

OHLAND, Angelika (1997): Ein Leben auf der Flucht.
in:
Das Sonntagsblatt Nr.9 v. 28.02.

KRALINSKI, Thomas (2000): Junge Pioniere.
Den jungen Ostdeutschen gehört die Zukunft,
in: Die ZEIT
Nr.41 v. 05.10.

Generationengerechtigkeit-Thema: Gesellschaftliche Generationen am Beispiel der 89er Generation

BÜRGEL, Tanja (2007): Die 89er Generation - gibt es sie wirklich?
Zur Historisierung eines Generationen-Labels,
in: Generationengerechtigkeit, Heft 2

GLOGER, Martin (2007): Die soziologische Generationenforschung als Mythenjagd - Überlegungen zum Thema 89er-Generation als Forschungsgegenstand,
in: Generationengerechtigkeit, Heft 2

KEMNITZER, Tobias (2007): Von den Zonenkindern und der Generation Golf - ein literarischer Streifzug zu den 89ern,
in: Generationengerechtigkeit, Heft 2

GLOGER, Martin (2008): "A Generation to end all generations".
Zur Entmythologisierung des Generationenlabels "89er",
in:
Vorgänge, Heft 2
, S.139-147

 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 21. November 2000
Stand: 27. August 2015