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Dieter Bartetzko: Die vaterlose Gesellschaft und ihr Star

 
       
     
       
     
       
   

Dieter Bartetzko in seiner eigenen Schreibe

 
   

Neu:
BARTETZKO, Dieter (2002): Nacht fiel auch über die Debatte.
Vor vierzig Jahren wurde das Thema Vertreibung zum ersten Mal populär - und wieder vergessen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.02.

Dieter BARTETZKO stimmt mit Günter GRASS' Tabu-These überein und klagt die 68er-Generation an: "Zum ersten Mal nach dem alle Erinnerung verwischenden Wirtschaftswunder und dem Tabu, mit dem Schuldkomplexe die Greuel der Vertreibung und des gnadenlosen Endkampfs belegt hatten, schaute die Republik zurück. (...). Weil man die ganze Wahrheit wollte, wurde 1959 Günter Grass' »Blechtrommel« sofort zum populären Roman: (...) Gelesen wurde Realismus, Danziger Wahrheit, und so wuchs dem allgemeinen Bewußtsein eine Stadt wieder auf, die ihm eben noch ein von den Deutschen verspieltes Vineta gewesen war.
Zu mehr (...) war die Majorität aber nicht in der Lage. Als 1961 mit dem Prozeß gegen Eichmann und 1963 in Frankfurt am Main mit dem Auschwitz-Prozeß das Leben statt der Kunst täglich mit den Naziverbrechen konfrontierte, wurde aus der Mehrheit wieder die sprichwörtlich schweigende. Die »Schwabinger Krawalle« von 1962, Vorbeben der Jugendrevolte, verhärteten Seelen und Gehirne. Die Jungen der Elterngeneration stopften jene ersten zagen Worte der Reue wieder in den Mund zurück. Für die wahrheitsfanatischen Rebellen gehörte es, wie Antje Vollmer kürzlich sagte, zum guten Ton, keinen Ton über die deutschen Opfer der letzten Kriegsmonate zu verlieren."

BARTEZKO, Dieter (2005): Unsere grüne Hölle.
In dieser Woche wird der Bundestag die Eigenheimzulage abschaffen. Ein Anlaß, nach den Wurzeln der nicht nur deutschen Liebe zum eigenen Heim zu fragen. Wie hat sie Land und Leute zugerichtet? Welches Glück oder Unglück haben die Menschen in den eigenen vier Wänden gefunden?
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.12.

Dieter BARTEZKO führt uns noch einmal das Ideal der "alten Mitte" vor Augen, wobei er wie üblich die 1950er Jahre in den Vordergrund stellt, obwohl doch eher die späten 1980er und frühen 1990er Jahren die Blütezeit der Suburbanisierung mit ihren endlosen Reihenhaussiedlungen waren. Dafür stehen auch neumittige Stadtteile wie Vauban in Freiburg.

Wenn BARTZEKO die Renaissance des innenstädtischen Wohnens als Reaktion auf die Schrumpfung der Städte beschreibt, dann zeigt dies höchstens eine gravierende Verkennung der Lage. Längst haben junge Familien die Innenstädte erobert. Eine Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik zeigt z.B. dass bereits im Jahr 2003 bei der "neuen Mitte" der Trend zum Innenstadtwohnen vorhanden war.

Ursache dafür ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, d.h. die neue Aufwertung der Innenstädte hängt mit dem postfeministischen Ideal der Generation Ally zusammen. Monika ALISCH hat diesen Zusammenhang von Frauen und Gentrification bereits vor über 10 Jahren beschrieben. 

 
       
   

Wo meine Sonne scheint (1998)
Caterina Valente. Ein Wirtschaftswunder
München:
Deutscher Taschenbuch Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Wollte man die Geschichte des deutschen Wirtschaftswunders nachzeichnen, Caterina Valente gehörte unbedingt dazu: Mit ihrem strahlenden Lächeln, ihrer zwischen Exotik und Biederkeit changierenden Erscheinung personifizierte sie nicht nur die Wünsche und Ideale der Nachkriegsgeneration, sondern auch die »deutschen Tugenden«: Pflichtbewußtsein und Anständigkeit. Sie ist Femme fatale, freche Göre, Paradiesvogel und androgynes Wesen zugleich. Dieter Bartetzko schildert die Laufbahn der Valente als Spiegelbild der jungen Bundesrepublik. Wie ihr Image und ihre Erscheinung, so reflektieren auch ihre Hits die Erfolge und Mißerfolge dieser Zeit, die Träume und die Komplexe der Deutschen. Als ihre Karriere dann zunehmend international wurde, erlitt sie als »undankbare Deutsche« das gleiche Schicksal wie die Knef oder die Dietrich. Ende der 60er Jahre feierte sie dann ein Comeback in Deutschland. Das Buch erzählt die Geschichte dieses »weiblichen Wirtschaftwunders«. Zahlreiche Fotos illustrieren das chamäleonhafte Wesen der Valente eindrucksvoll. Caterina Valente - Das Lächeln der Republik zwischen Nierentisch und Mauerfall."

Pressestimmen zu "Wo meine Sonne scheint"

"Angesprochen sind hier schon die etwas reiferen Semester, also die Mittfünfziger. Sie haben den Vorteil, sich noch lebhaft an die Anfangsjahre von Caterina Valente im bundesdeutschen Schlagergetümmel erinnern zu können.
(...).
Die Valente! Ja, das war eine! Begriffsbestimmungen wie mega, absolut und geil, suuuper und coool gehörten noch nicht zum gymnasialen Wortschatz. Dafür kannten wir Posipal und Morlock, sahen im Kintopp Ziemann und Zorro und schwärmten im Fernsehen schwarz-weiß für Fräulein Pinella. Wer weiß es noch? Ja, das war das kesse Wesen mit Pferdeschwanz, das im mittelständischen Druckereibetrieb der Firma Hesselbach sein Unwesen trieb.
Kein Zufall, daß die kleine Pinella einen Pferdeschwanz wehen und wippen ließ. Einer ganzen Generation von Backfischen konnte nichts anderes in den Sinn kommen, als die schulterlange Mähne mit einem Schießgummi zu bändigen. Just so wie die Valente."
(Peter Auer in der Berliner Morgenpost vom 31.05.1998)

"Für Bartetzko stehen Last und Pein für Genügsamkeit und Disziplin der Deutschen, für die Schuld, die sie abarbeiten, für ihre stillschweigende Buße. Die Interpretation gipfelt in der Behauptung, Valentes Schreie hätten die deutsche Seele entlastet und das Nachkriegs-Schweigen durchbrochen."
(Berliner Zeitung vom 11.07.1998)

"Der Sich-nach-oben-Singen der Valente spiegelt sich im Den-Staub-von-den-Klamotten-Klopfen-und-wieder-von-vorne-Anfangen der Deutschen, und so ist das Buch beides: Porträt einer Frau und eines Landes (...). Die Parallelitäten, die er aufzählt, sind tatsächlich frappierend. Auch Valente war ein Flüchtlingskind, fast alles hatte sie im Krieg verloren, und den Aufstieg in der Adenauerära schaffte sie vor allem dank ihrer Wandlungsfähigkeit (...). Nicht nur der Stolz über das Erreichte, glaubt Bartetzko, steckt in diesen Zeilen, sondern auch das Schweigen über die Verbrechen der Nazizeit. Über den Dreisprung Hannah Arendt, Margarete Mitscherlich und Alexander Mitscherlich kommt er dann ganz schnell - na klar doch - zur nachkriegsdeutschen »Unfähigkeit zu trauern«. Im Hauptberuf ist Bartetzko Kulturredakteur, als solcher neigt er dazu, noch im simpelsten Schlager eine »apokryphe Botschaft« zu entdecken. Den Abstieg Valentes in den Sechzigern erklärt er mit der Kulturvergessenheit der 68er Generation, ihr Comeback in den Achtzigern feiert er als überfällige Rehabilitierung. Denn eines ist der FAZ-Feuilletonist vor allem: Fan."
(Tagesspiegel vom 08.08.1998)

 
     
 
       
   

Rezensionen

AUER, Peter (1998): "Wo meine Sonne scheint",
in:
Berliner Illustrierte Zeitung. Beilage der Berliner Morgenpost v. 31.05.

BERLINER ZEITUNG (1998): Schreie im Wirtschaftswunderland.
Dieter Bartetzko richtet eine Liebeserklärung an Caterina Valente und ihre Bundesrepublik,
in: Berliner Zeitung
v. 11.07.

TAGESSPIEGEL (1998): Botin besseren Seins.
Eine Homage an Caterina V.,
in: Tagesspiegel
v. 08.08.

 
   

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Update: 06. Mai 2015