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Ernst Glaeser: Jugend zwischen Tradition und Revolution

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1902 in Butzbach (Hessen) geboren
    • 1928 Roman "Jahrgang 1902"
    • 1930 Roman "Frieden"
    • 1963 in Mainz gestorben
 
       
   

Ernst Glaeser: Porträts

 
   
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Jahrgang 1902 (1928)
Potsdam: G. Kiepenheuer

 
   
     
 

Klappentext der Goldmann-Taschenbuchausgabe (1958)

"Der Roman Jahrgang 1902 gehört zu jenen Büchern, die dem Namen eines Schriftstellers internationales Ansehen eintragen. Er ist mehr als die geglückte Schilderung einer Zeit, ihrer Strömungen und Widersprüche - das Buch wurde im Laufe der Jahre zum Schicksalsroman einer Generation, die wohl den stärksten Wirbeln und den schwersten Versuchungen unseres Jahrhunderts ausgesetzt war, zu einem Dokument, das alle Stürme und Verfolgungen überdauerte.
Das Buch ist in 24 Sprachen erschienen und wird seit Jahrzehnten immer wieder neu aufgelegt. In Frankreich, in den USA, in Skandinavien, in England, in der Sowjetunion, in Japan und China haben es Studenten zum Gegenstand ihrer Promotion gemacht. Ernst Glaeser hat in diesem Roman die Kettenreaktion, die der erste Weltkrieg auslöste, sehr früh vorausgeahnt. In seinen späteren Werken, z.B. in dem Roman »Der letzte Zivilist« fühlt er sich ganz in dem bestätigt, was er im »Jahrgang 1902« bereits niedergeschrieben hat. Er sah die große Veränderung der gesellschaftlichen und moralischen Struktur voraus, die 1914 begann, und er täuschte sich nicht in den Konsequenzen, die sich aus ihr ergaben. Es ist nicht zuviel gesagt, daß dieses Buch wahrhaft historische Bedeutung hat, denn es legt Wurzeln frei, die heute allzuleicht übersehen werden."

Stimmen zum Buch

"»(...). Alfred Weber hat vor dem Ersten Weltkrieg bereits im Zusammenhang mit der Jugendbewegung von einer »verlorenen Generation« gesprochen, einer Altersgruppe, die sich nicht an den Vätern orientieren konnte und für die deshalb die »Selbsterziehung« in altershomogenen Gruppen, die »Sozialisierung in eigener Regie« an Bedeutung gewann«.
Dieser, die bürgerliche Jugend in Deutschland nach der Jahrhundertwende verbindende Generationenzusammenhang verschmolz im gemeinsamen Kriegserlebnis des Ersten Weltkrieges für viele zu einem für diese Generation einheitlichen Erlebnis des gesellschaftlichen Aufbruchs: Die nationale Niederlage wurde als Zeitenwende erlebt, als Zusammenbruch der alten familialen und gesellschaftlichen Autoritätsstruktur. »La guerre - ce sont nos parents«, diesen Ausruf eines französischen Soldaten stellte Ernst Glaeser seinem Schlüsselroman »Jahrgang 1902« voran, den er 1928 veröffentlichte. Er deutet damit an, daß der Krieg, der von den Vätern angezettelt wurde, bei der Jugend, die diesen Krieg mitmachen mußte, in das Erlebnis des Kampfes gegen die Väter umschlug und daß dieser Kriegsjugendmythos nicht nur auf Deutschland beschränkt war."
(aus: Lothar Böhnisch & Klaus Blanc "Die Generationenfalle. Von der Relativierung der Lebensalter", 1989, S.64f.)

     
 
       
   

Das Buch in der Debatte

BRANDT, Jan (2002): Abschied vom Aufstieg.
Die "Generation Golf" ist in der Krise. Schon einmal hatte eine ganze Altersgruppe in Deutschland das Gefühl, überflüssig
zu sein: der "Jahrgang 1902", zu dem auch die Schriftsteller Ernst Glaeser und Ernst von Salomon gehörten. Ein Rückblick
in: TAZ v. 03.08.

Jan BRANDT zieht Parallelen zwischen dem "Jahrgang 1902", dem ersten Jahrgang, der nicht als Soldat in den 1. Weltkrieg ziehen musste, und der Generation Golf:

"Wer für die Misere verantwortlich war, darüber bestand bei den Jungen kein Zweifel. 'Der Krieg', sagt jemand im 'Jahrgang 1902', 'das sind unsere Eltern', und bringt damit zum Ausdruck, was viele seiner Altersgenossen dachten, die davon überzeugt waren, als erste Generation gegenüber vorangegangenen 'als ganze, große Schicht enterbt und ausgesetzt' worden zu sein. Die nach dem Krieg einsetzende Rezession, die Inflation und die bürgerkriegsähnlichen Zustände schienen die Erwartungen, dass es mit einer demokratisch gewählten Regierung auch nicht besser werden würde, zu bestätigen. Zudem sahen sich Arbeiter, Angestellte und Akademiker - wie heute auch - mit einer außergewöhnlich hohen strukturellen und konjunkturellen Erwerbslosigkeit konfrontiert.
In diesem Klima allgemeiner Sinnsuche und Verwirrung begannen sich vor allem in konservativen Kreisen revolutionäre Ideen zu entfalten. Viele junge Männer waren nicht länger gewillt, die gesellschaftlichen Verhältnisse hinzunehmen, sondern wollten aktiv an ihrer Gestaltung mitwirken und die 'Republik der Greise' (Joseph Goebbels) durch die Herrschaft einer 'jungen Generation' ablösen.
Das einzige, was junge Linke und Rechte einte und die 'Kriegsjugendgeneration' des Jahrgangs 1902 mit den Frontsoldaten zu verbinden schien, war der 'Kampf gegen die Alten', die den Krieg verschuldet hatten und danach wieder wichtige Positionen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft mit einer Selbstverständlichkeit besetzten, als ob nichts gewesen wäre."

WEIDERMANN, Volker (2002): Jahrgang Riefenstahl.
1902 wurden sie geboren, 1918 enttäuscht, 1933 in Versuchung geführt: EIne Generation ohne Halt und Haltung,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 18.08.

Volker WEIDERMANN zeichnet anlässlich des 100. Geburtstages von Leni RIEFENSTAHL - wie bereits Jan BRANDT in der taz (03.08.) - den Jahrgang 1902 anhand von Ernst GLAESER (Bestsellerroman "Jahrgang 1902") und Ernst von SALOMON ("Die Geächteten") nach:

"Ein bis an den Rand gefülltes, leeres Leben. Das eint all die orientierungslosen Beschwerdeführer, die aus ihrem Geburtsjahr ein Schicksal formten, ein Leben lang.
Eine von ihnen sieht man heute noch. Sie lächelt. Sie zuck die Schultern und sagt: 'Eigentlich bin ich unpolitisch.' Und hat damit vollkommen recht."

SCHLAK, Stephan (2003): Die Bedingten und die Unbedingten.
Die Politik der Dreißigjährigen,
in: Kursbuch Nr.154 Die 30jährigen, Dezember

 
   

Der Jahrgang 1902 in der Debatte

SEEßLEN, Georg (2002): Eine deutsche Unschuld.
Heinz Rühmann und unsere Kultur der Selbst-Rühmannisierung. Zum 100. Geburtstag des Schauspielers, der sich erlaubte, Kind zu bleiben,
in: Die ZEIT Nr.11 v. 07.03.

 
   

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Update: 24. Juli 2015