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Alexander von Schönburg: Die Kunst des stilvollen Verarmens

 
       
     
       
   
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    Alexander von Schönburg in seiner eigenen Schreibe

     
       
    Der triste Royalist VON schönburg schwadroniert über seine nicht minder eitle Konkurrenz: die nicht-adlige Prominenz. In der Überflüssigkeit der "Masse an Prominenzmaterial" reicht bereits das VON als Distinktionsvorteil, wie es DELIUS in Der Königsmacher beschrieben hat. Jede Gesellschaft hat die Prominenten, die sie verdient: eine mobile Gesellschaft benötigt Prominenz, die Aufstieg suggeriert. Verona FELDBUSCH wird als Prototyp einer solch "geglückten Fabrikation von Prominenz" genannt. Im unerwähnt bleibenden Umkehrschluss gilt dann aber auch: wenn der Adel wieder sichtbar wird, dann bedeutet dies die Rückkehr zur ständischen Klassengesellschaft...
    Adel verpflichtet! Bei der SZ nimmt man sich an der Bunte ein Vorbild. Statt Frauentag ist heute Adelstag! Der Artikel hätte natürlich nicht in der Bunte erscheinen können, weil es hier um eine Kritik am Kündigungsschutz in Deutschland geht:

    "Auch wenn ich es in meinem persönlichen Fall natürlich bedauere, muss ich dennoch einsehen, dass mein ehemaliger Arbeitgeber richtig gehandelt hat. Es ist nicht ganz von der Hand zu weisen, dass sich ein Unternehmen in Zeiten wie diesen keine neuen Mitarbeiter leisten kann, wenn es ihm durch das Gesetz praktisch unmöglich gemacht wird, sie je wieder loszuwerden".

    Ansonsten droht die SZ an, dass nun Alexander von SCHÖNBURG wöchentlich das stilvolle Verarmen predigen darf, denn:

    "Der Vorteil von Familien wie meiner ist nun, dass wir jahrhundertelang Erfahrung mit dem stetigen sozialen Abstieg machen konnten und daher eine gewisse Übung darin haben".

    Durch das "Ein Herz für den Adel"-Engagement der SZ gibt es wenigstens einen Generation Golf-Arbeitslosen in Deutschland weniger. Für den Rest seiner Sozialstaats-Generation hat SCHÖNBURG nur Verachtung übrig:

    "Angeblich laufen alleine in Berlin zehntausend arbeitslose Journalisten herum. Wenn man jene hinzuzählt, die es bereits beim Platzen der New-Economy-Blase erwischt hat (...), hat Berlin endlich wieder die Chance, eine Art Bohème zu entwickeln. Allerdings sieht man in dieser Stadt keine fröhlichen, sondern nur abgerissene Gestalten, die in Kaffeehäusern Ideen entwickeln.
    Oder mies gelaunte, bestenfalls melancholische ehemalige Kollegen. Sie beklagen ihren Zustand und sind so damit beschäftigt, von der Künstlersozialkasse in kunstvoll formulierten Briefen Geld zu fordern sowie Formulare für Ich-AGs auszufüllen, dass sie keine Zeit haben, ins Kaffeehaus zu gehen. Für die 600 Euro monatlich, die man als Gründer einer Ich-AG vom Staat erhält, hätte Nabokov im viel beschworenen Berlin der zwanziger Jahre hunderte Stunden Nachhilfeunterricht (in Englisch, Französisch, Versmaß, Tennis und Boxen) geben müssen. Das Verarmen wird einem heute durch den Staat einerseits schwerer gemacht. Andererseits muss es wohl früher sehr viel leichter gewesen sein, würdevoll arm zu sein – es gab noch keinen Konsumterror".

    Diedrich DIEDERICHSEN hat in Freiheit macht arm (1993) beschrieben, dass es auch einmal ganz anders ging. Dort beschreibt er, wie im Paris um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Umwertung der Subversion begann, damals als sich

    "zum ersten Mal herabgesunkene Adlige, die in der bürgerlichen Aufklärung nur den Ruin schon erlebter oder besessener Feinheiten ausmachen konnten, und von unten nicht zur bürgerlichen Kommunikationswelt zugelassene Schonnichtmehrproletarier in den gleichen Lokalen trafen (...). In diesen Lokalen fiel nämlich der ästhetische und der politische Abstand zur sich institutierenden Kommunikationsidee zusammen. Die ästhetische Differenz zum bürgerlichen Geschmack, seiner Warenförmigkeit, empfand sich als politisch und, umgekehrt, die politische als ästhetisch."

    Die Machtstrategien des Adels hat eine französische Adelige und BOURDIEU-Schülerin erforscht:

    Monique de Saint Martin - Der Adel

    Wenn Alexander von SCHÖNBURG nicht über das stilvolle Verarmen schreibt, dann arbeitet er an der Verschwörungstheorie und verteidigt deshalb den Adel gegen die bösen Neureichen...

    • SCHÖNBURG, Alexander von (2005): Weniger ist mehr.
      Arm zu sein, ist eleganter als reich zu sein. Das scheint sich nur noch nicht herumgesprochen zu haben,
      in: Welt am Sonntag v. 13.03.

    "Den Drang nach Prestige, nach Anerkennung wird es solange geben, wie es Menschen gibt. Nur befinden sich die Dinge, die diese Anerkennung verschaffen, interessanterweise im Wandel.
    Denn - ja, ist ja gut -
    die fetten Jahre sind vorbei. Aber was bedeutet das eigentlich? Für uns? Es bedeutet zum Beispiel (Sozialkundelehrer bitte mitschreiben!), daß nach dem Sozialismus noch eine zweite große Utopie gescheitert ist: Ludwig Erhards »Wohlstand für alle«-Ideologie.
    Die Gründungsväter der Bundesrepublik bauten dieses Land auf dem Mythos auf, daß wir alle gleichzeitig reich werden können. Der damaligen Staatsräson entsprach es, das ganze Land mit einer dickflüssigen Vanillesauce aus staatlichen Transferleistungen zu überziehen, das sämtliche soziale Unebenheiten unter sich bedecken sollte. Es darf, so träumten unsere Alten, kein Reich und kein Arm in diesem Land geben.
    Dieser Traum ist nun ausgeträumt
    ", doziert SCHÖNBURG.
     
           
       

    Alexander von Schönburg in der Debatte

     
       
    Michael JÜRGS droht ein neues Magazin von Gruner + Jahr an, dessen Chefredakteur sich bislang im stilvollen Verarmen geübt hat.  Auf diese neue Bescheidenheit haben wir gerade nicht gewartet (siehe hierzu auch KORTMANN und ENCKE in der SZ). Ansonsten lobt JÜRGS das Zeitgeistige von Neon bis Monopol:

    "Außer Brand Eins und Neon hat sich in den vergangenen Jahren kein Magazin auf dem Markt durchgesetzt, das die Interessen seiner Zielgruppe leidenschaftlich, selbstbewusst, überzeugend, überzeugt thematisiert, Strategien des Überlebens im Dschungel des Lebens aufzeigt.
          
      In diesem Dachgeschoss der Leselust und Entdeckungen hat auch Monopol seinen Platz gefunden, das leichtfüßige und gleichzeitig wesentliche, undeutsch heitere Magazin für Kunst und Leben"

     
           
       

    Die Kunst des stilvollen Verarmens (2005).
    Wie man ohne Geld reich wird
    Berlin Rowohlt

     
       
         
     

    Pressestimmen

    "Schönburg (hat) ein für die meisten Leser irrelevantes Buch geschrieben. Denn es zeigt nicht, wie man durch Kürzertreten reich wird, sondern wie man, wenn ein materielles Vermögen dahinschmilzt, dank eines ererbten Kultur- und Sozialkapitals auch ohne viel Geld reich bleiben kann."
    (Gert G. Wagner in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 18.04.2005)

     
         
     
           
       

    Rezensionen

    WAGNER, Gert G. (2005): Dekadente Armut.
    Eine bildungsbürgerliche Betrachtung ohne soziales Verständnis,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.04.

    Michael Hartmann - Der Mythos von den Leistungseliten

    MÄRZ, Ursula (2005): Reich und glücklich?
    Ich bin nicht, was ich habe.
    Welche Kritik verdient der Kapitalismus? Drei neue Bücher von Carl Amery, Richard Layard und Alexander von Schönburg stellen die Frage, ob Geld allein den Wohlstand ausmacht,
    in: Die ZEIT Nr.18 v. 28.04.

    KINDERMANN, Kim (2005): Über den Luxus des Verzichts,
    in: DeutschlandRadio v. 11.05.

     
       

    Das Buch in der Debatte

    LANG, Susanne (2005): Herr von Schönburg, wir müssen reden!
    Der soziale Abstieg ist kein Beinbruch, wenn er stilvoll über die Bühne geht - erklärt uns ein Held der Armut,
    in: TAZ v. 11.04.

    ENCKE, Julia (2005): Es herrenmenschelt.
    Junge deutsche Autoren flirten mit einem abgestandenen Konservatismus, der vor allem eines will: die Distanz zum Pöbel und den Nutzern des öffentlichen Nahverkehrs. Also zu uns,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 19.04.

    Julia ENCKE stellt Alexander von SCHÖNBURGs Stilvolles Verarmen, Asfa-Wossen ASSERATEs Manieren, Christian KRACHTs Magazin Der Freund, Ulf POSCHARDTs Leidartikel in der WamS und den Roman Der Eisvogel von Uwe TELLKAMP in den Zusammenhangs einer Wiedergeburt des Dandys aus dem Geiste der ökonomischen Krise. Ihr Fazit:

    "Der Schnösel ist also zurück. Sein Rettungsanker: die Krawatte. Zum Lachen ist das schon, dass in Krisenzeiten der deutschen Halbjugend der Sinn recht grundsätzlich nach Stehkragen und Reaktion steht. Aber die Bübchen, die vom großen Aufräumen träumen und die verlotterte Mittelmaßrepublik von rechts aufrollen wollen, werden sicher keine neokonservative Revolution anzetteln. Macht euch lieber mal wieder locker, Jungs!"

    KORTMANN, Christian (2005): Der schicke Flirt mit dem Existenzminimum.
    Auch ein verblasster Mythos: Die Armut. Während vor hundert Jahren Menschen im tiefsten Elend verhungerten, frönt man heute einer Luxus-Bedürftigkeit nach dem Motto: Halb soviel shoppen, doppelte Freude. Da macht die Rolex wieder Spaß,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 27.04.

    TEWINKEL, Christiane (2005): Spar dich glücklich.
    Konsumverzicht als Kulturkritik: Vom stilvollen Verarmen und anderen erfolgreichen Rezessionsclownerien,
    in: TAZ v. 04.05.

    Neu:
    STUHR, Mathias (2005): Wasserträger.
    Linksbündig. Die Debatte um Armut trägt nur bis zum nächsten Lidl,
    in: Freitag Nr.18 v. 06.05.

     
       

    Weiterführende Links

     
         
       
     
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 11. Mai 2005
    Update: 18. Juni 2015