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Alexandra Borchardt: Das Internet zwischen Diktatur und Anarchie

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1966 geboren
 
       
   
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    Alexandra Borchardt in ihrer eigenen Schreibe

     
       

    BORCHARDT, Alexandra (2013): Aber die Macht verändert auch Sie.
    Warum die neue Mittelschicht Fähigkeiten und Qualitäten erwerben muss, die heute vor allem Frauen zugeschrieben werden,

    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 17.07.

    "Die Mittelschicht wird sich (...) weiterhin optimieren müssen, um nicht nur ihre eigenen Bedürfnisse, sondern auch die einer wachsenden Zahl von Nicht-Mehr-Leistungsträgern und einer Gruppe von Abgehängten befriedigen zu können, die dem Tempo nicht gewachsen sind",

    stilisiert Alexandra BORCHARDT die Mittelschicht zum Opfer einer alternden und überforderten Gesellschaft. Gegenüber dieser angeblich homogenen verängstigten Mittelschicht der Optimierer konstatiert Cornelia KOPPETSCH in ihrem Buch Die Wiederkehr der Konformität wenigstens noch drei unterschiedliche Strategien einer heterogenen Mittelschicht, die sich in Gewinner, Mitläufer und Verlierer gliedert:

    "Die Logik des Erbes, die Strategie der Selbstoptimierung und die Reaktion der Beharrung stellen jeweils lagespezifische Antworten auf Gefährdungsgefühle in der Mittelschicht. Die Privilegierten reagieren mit räumlicher und sozialer Selbstabschließung, was sie nicht daran hindert, sich tolerant und liberal zu geben und ein Image der moralischen Überlegenheit zu pflegen. Das können sie sich leisten, weil sie in den teuren Wohnvierteln und den privaten Bildungseinrichtungen meist unter sich bleiben und ihre Toleranzgrenzen nur selten herausgefordert werden. Die modernen Kleinbürger versuchen hingegen, sich an die neuen Ordnungen bedingungslos anzupassen. Sie sehen sich als Speerspitze des flexiblen Kapitalismus, dessen unerbittliche Forderung nach Flexibilität und Mobilität sie bis an die Grenze der Selbstzerstörung verinnerlicht haben. Mit offensiver Ausgrenzung reagieren dagegen die Facharbeiter, die männliche Privilegien notfalls auch mit Gewalt verteidigen (...). Da sie befürchten, morgen nutzlos zu sein, werden Schwächere abgewertet, um sich zu beweisen, dass noch jemand unter ihnen auf der Leiter steht."

    BORCHARDT, Alexandra (2013): Alle für alle.
    SZ-Thema Die Familien AG: Gute Familienpolitik ist, wenn alle untergebracht sind - das glauben viele. Schritt für Schritt bewegen wir uns so in eine Betreuungsgesellschaft. Denn sind die Kleinen und die maladen Großeltern gut versorgt, können die Eltern bei der Arbeit bestens funktionieren. Die Unternehmen freut das, es ist das Mantra der Leistungsgesellschaft. Doch ist es auch das Mantra einer guten Gesellschaft? Schon jetzt ist der Staat überfordert , ausreichend Kitaplätze und Altenheime zur Verfügung zu stellen. Und was ist, wenn das Kind Hilfe braucht und der Vater echte Fürsorge? Was geschieht in einer Gesellschaft, in der sich immer die anderen kümmern sollen? Ein Plädoyer für eine andere Idee der Gemeinschaft,
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 26.10.

    "Im Sinne der Wirtschaft sind Krippenplätze und Pflegeplätze willkommen. Und natürlich werden sie zwingend gebraucht: mindestens von Alleinerziehenden ohne Angehörige, von Familien, in denen das Leben alle Mitglieder weit übers Land oder die Welt verstreut hat, von allen, die an der Last der häuslichen Aufgaben zu zerbrechen drohen. Betrachtet man es volkswirtschaftlich, ist die Rechnung komplizierter",

    behauptet Alexandra BORCHERT. Angeblich ist unser Staat überlastet aufgrund des demografischen Wandels und dem Wandel der Lebensverhältnisse. Dies ist falsch, wie der Statistiker Gerd BOSBACH aufgezeigt hat. Das wusste man auch noch in den 1970er Jahren.

    Erst im Zeitalter des Neoliberalismus und der Verabschiedung der Unternehmer vom Sozialstaat unter dem Deckmantel des Subsidiaritätsprinzips, d.h. der Mehrbelastung der Arbeitnehmer im Zeichen der Beitragssatzstabilität, erscheint die Demografie als unser Schicksal.

    "Das Ziel muss eine Gesellschaft sein, in der sich Männer und Frauen, der Staat, die Unternehmen und die Gesellschaft die Verantwortung teilen",

    predigt BORCHARDT. Konkret wird BORCHARDT eher nicht. Es bleibt bei floskelhaften Beschwörungen:

    "Unternehmen, die Verantwortung für den gesellschaftlichen Wandel übernehmen, brauchen eine Kultur, in der das Ergebnis der Arbeit zählt, nicht die Anwesenheit im Büro."

    Dem Arbeiter in der Produktion (die gibt es zwar immer noch, aber offenbar nicht in der Welt des Journalismus) nützen solche Dienstleistungsvisionen nichts. Auch jene, die vor Ort ihren Dienst ableisten müssen (Techniker, Dienstleister im Hotel- und Gaststättengewerbe oder im Krankenhaus), können über solche Vorschläge eher nur lachen.

    Zielgruppe der Vorschläge von BORCHARDT sind eher die Modernisierungsgewinner unter den Symbolanalytikern bzw. die obere Mittelsicht.

    Rettung erhofft sich BORCHARDT auch von den produktiven Alten bzw. den "Überflüssigen":

    "Würde jeder, der nicht (mehr) voll ins Berufs- oder Familienleben eingebunden ist, nur ein, zwei Stunden seiner Woche jemand anderem schenken, der von Begleitung oder Aufsicht profitiert, wäre viel geholfen."

    Die Zivilgesellschaft soll es also richten (notfalls mit Zwang!).

    In der Alternativbewegung der frühen 1980er Jahre träumte man noch den Traum der Einheit von Arbeit und Leben, der inzwischen eher einem Albtraum gleicht. Das hindert BORCHARDT nicht daran, die Agrargesellschaft und das "Bauernhof-Prinzip" zu glorifizieren. Ökologie mag in weltfremden Milieus, die niemals auf einem Bauernhof gearbeitet haben, chic sein. Aber das "ganze Haus", in dem Leben und Arbeit noch identisch war, bevor die böse Industrie mit ihrer Arbeitsteilung kam, das war nichts als ein schöner Mythos eines konservativen "Heimatschriftsteller".

    BORCHARDT, Alexandra (2014): Die Ökonomie der Liebe.
    Warum wir einen neuen Generationenvertrag brauchen, unterstützt vom Staat und Unternehmen,
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 07.10.

    BORCHARDT, Alexandra (2014): Im Tal der auf Eis gelegten Gefühle.
    SZ-Tagesthema: Apple und Facebook wollen sich in die Lebensplanung ihrer Mitarbeiterinnen einmischen. Die Folgen sind riskant,
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 16.10.

    Alexandra BORCHARDT sieht in den für die High-Tech-Konzerne unvorteilhaften Diversity-Berichten einen Auslöser für das jetzige Angebot von Apple und Facebook, wobei sie in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gar nicht das Diversity-Problem sieht, denn es beträfe nicht nur Frauen, sondern auch männliche Asiaten oder Schwarze. Ihr Fazit:

    "Das Anforderungsprofil der Zukunfts-Macher ist klar: jung, getrieben, kinderlos. Dem Profil der Gesellschaft entspricht das nicht."

    BORCHARDT weist aber auch auf Unterschiede zwischen den USA und Deutschland hin. Während in den USA das Egg Freezing-Verfahren teuer ist und deshalb ein solches Firmen-Angebot lukrativ ist, besteht in Deutschland weniger die Gefahr, dass Social Freezing zum Teil der Unternehmenskultur werden könne, weil es kostengünstiger ist und deshalb nicht nur von Spitzenkräften selber finanziert werden könnte.

    Neu:
    BORCHARDT, Alexandra (2015): Feminismus für alle.
    Anne-Marie Slaughter hebt die Geschlechterdebatte auf eine neue Stufe: Kann der berufliche Aufstieg von Frauen auf Kosten unterbezahlter Pflegerinnen Fortschritt sein?
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 11.11.

    "In Ländern, in denen Arbeitskraft billig ist, haben Mittelschicht-Frauen mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie (...) weniger Probleme als in egalitären Gesellschaften. Fachbegriffe gibt es dafür auch schon - da geht es um den »plutocrat feminism« der Eliten gegen den »intersectional feminism«, der alle Gesellschaftsbereiche umfasst",

    erklärt Alexandra BORCHARDT, die das Buch Unfinished Business von Anne-Marie SLAUGHTER als Antibuch zu Sheril SANDBERGs Buch Lean In vorstellt.

    Nachdem der neoliberale Elitenfeminismus (auch: "Postfeminismus") vermehrt in die Kritik gerät, wird neuerdings die "globale Fürsorgekette" thematisiert. Auf dieser Website wurde bereits Anfang des Jahrtausends Gøsta ESPING-ANDERSEN als Vordenker eines solchen Elitenfeminismus vorgestellt und die damit verbundene Ökonomisierung des Sozialen kritisiert.

     
           
           
       

    Das Internet zwischen Diktatur und Anarchie (2015).
    Zehn Thesen zur Demokratisierung der digitalen Welt
    Süddeutsche Zeitung Edition

     
       
         
     

    Klappentext

    "Das Internet macht die Welt demokratischer - diese Annahme aus den frühen Tagen gilt so nicht mehr. Auf die Begeisterung für die neuen Beteiligungsmöglichkeiten ist Ernüchterung gefolgt - Bürger fühlen sich gläsern, von Staaten und Konzernen gleichermaßen durchleuchtet. Die digitalten Möglichkeiten hebeln Geschäftsmodelle aus, die gesellschaftliche Mitte sieht sich in Gefahr. Man muss diese Entwicklungen sehen und verstehen. Denn Demokratie entsteht niemals von selbst, man muss um sie ringen."

     
         
     
           
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 03. Oktober 2015
    Update: 02. Mai 2016