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Henning Sußebach: Das Bionade-Biedermeier

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1972 in Bochum geboren
    • 2009 Herausgeber von "Meine Strasse"
      Redakteur der Wochenzeitung Die Zeit
 
       
   
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    Henning Sußebach in seiner eigenen Schreibe

     
       

    SUSSEBACH, Henning (2001): Ein Dorf geht in Rente.
    Affler in der Eifel: Sieht so Deutschlands Zukunft aus?
    in: Badische Zeitung v. 05.04.

    In einer strukturschwachen Region wie der Eifel hat man ein Dorf mit 39 Einwohnern ausfindig gemacht. Dort wurde vor 20 Jahren das letzte Kind geboren. Christian ist der einsame Cowboy, der das zukünftige Modell Deutschland repräsentieren soll.

    In den 1960ern hätte man so nach dem letzten Familienlosen in der Familiengesellschaft fahnden können. Wer damals als Kind das Pech gehabt hat, keine biologische Eltern vorweisen zu können, der hätte sich in der gleichen Lage wie Christian befunden. Als einziger nur mit sozialen, statt mit richtigen biologischen Eltern.

    SUßEBACH, Henning (2001): Ich kann nicht mehr gut sein.
    Die Generation Golf spürt in den Zeiten von Terror und Krieg, dass sie Stellung nehmen muss - im Zweifel gegen die Werte ihrer Jugend. Ein Bekenntnis,
    in: Die ZEIT v. 18.10.

    SUßEBACH, Henning (2002): Anfang am Ende.
    Kaum hat die Karriere begonnen, da ist sie für viele von uns schon wieder vorbei. Die Krise erreicht die Wohlstandskinder. Ein Anflug von Panik,
    in: Die ZEIT Nr.49 v. 28.11.

    Henning SUßEBACH entwirft zuerst eine der von FAZ über Spiegel bis Stern bereits vielfach publizierten, typischen Abstürze jener Mitglieder der Leistungsgeneration Golf, für die Arbeitslosigkeit bisher ein Fremdwort war. Im Gegensatz zu diesen Singles spricht hier ein Familienvater-ICH, das bislang von der Entlassung verschont geblieben ist:

    "was tun? Man sitzt und redet. (...) »Halbe Rente für Kinderlose«, sage ich dann immer, »zumindest für diese Double-income-no-kids-Schnösel, die später üppig vom Staat versorgt werden. Die haben ja eigentlich genug Geld, um privat vorzusorgen.« Wenn ich dann aber lese, dass durch die höheren Rentenbeiträge im nächsten Jahr die Lohnnebenkosten so sehr steigen, dass nur deshalb noch mal 60000 Menschen ihre Arbeit verlieren werden (darunter bestimmt auch viele Double-income-no-kids-Schnösel), dann weiß ich nicht mehr, ob die Konfliktlinie zwischen Familien und Kinderlosen verläuft oder doch eher zwischen Jung und Alt. Am Ende haben sich zahllose Gräben aufgetan, mal stehe ich auf der einen Seite, mal auf der anderen, nur eine Lösung finde ich nicht, findet niemand von uns. Vielleicht verzetteln wir uns in Details. Menschen, die bisher mit dem System konform gingen, fällt es schwer, plötzlich aufzubegehren."

    SUSSEBACH, Henning (2003): Wie man in Deutschland wohnt und sich einrichtet.
    Leben in Deutschland (9). Die Nasszelle wird Wellnesszone, das Einfamilienhaus wird Kleinfamilienhaus: Immer weniger Menschen wohnen auf immer mehr Quadratmetern - jede Menge Platz für Inszenierung und Isolation,
    in: Die ZEIT Nr.49 v. 27.11.

    Henning SUßEBACH beginnt politisch korrekt:

    "So stieg die Eigentümerquote in der alten Bundesrepublik von 33,8 Prozent 1961 auf aktuell 44,6 Prozent. Ganz im Sinne von Paul Lücke, dem Wohnungsbauminister in den Nachkriegsjahren. Er hatte einst postuliert, nur das frei stehende Haus sei familiengerecht, die Mietwohnung in der Stadt hingegen töte »den Willen zum Kind« und führe den »biologischen Volkstod« herbei."

    Danach kommt wieder der unausrottbare Single-Mythos:

    "In Deutschlands größten Städten lebt mittlerweile jeder zweite Mensch allein."

    Das ist FALSCH! FALSCH! FALSCH! Wenn 50 % der Menschen im Einpersonenhaushalt leben, dann lebt nicht zwingend jeder zweite Mensch allein. Das geht jedoch nicht in den Kopf unserer Journalistenelite. Deutschland muss AUSSTERBEN! Damit Susanne GASCHKE recht behält! Danach kommt eine Prognose:

    "Republikweit wohnt in 36,2 Prozent der Haushalte nur noch eine Person. Gewiss sind das meist alte Menschen, oft Kriegswitwen. Doch junge Männer und Frauen werden ihnen bald den Rang ablaufen: Die Zahl der allein lebenden 25- bis 45-Jährigen stieg zwischen 1991 und 2002 bundesweit von 3,3 auf 4,4 Millionen, ihnen stehen 5,2 Millionen Alleinlebende gegenüber, die 65 oder älter sind."

    Die Suggestion mittels Zahlen, nach denen Trends der Vergangenheit, auch in Zukunft weiter wirken, ist ein beliebter Trick bei Demagogen. Herr SUßEBACH hätte sich jedoch mit Stefan HRADIL beschäftigen sollen. Selbst dieser Lifestyle-Soziologe, der noch vor kurzem den Single als Pionier gefeiert hat, muss nun den "Wandel des Wertewandels" verkünden.
    DIE ZAHL DER SINGLES IST IN DEN LETZTEN JAHREN WENIGER STARK GESTIEGEN ALS DIES HÄTTE - bei Fortschreibung der Trends - SEIN MÜSSEN!!!! In einer
    Gesellschaft der Langlebigen wird jedoch - aus strukturellen Gründen - der Anteil der Singles steigen.

    SUßEBACH, Henning (2004): Das Tollste und seine Tücken.
    Wir sind sieben Väter aus einem Geburtsvorbereitungskurs. Wir schwanken zwischen beruflichem Ehrgeiz und väterlichen Ambitionen. Mit viel Stolz – und schlechtem Gewissen,
    in: Die ZEIT Nr.21 v. 13.05.

    Männer werden von einem Tag auf den anderen zu Vätern. Das Problem dieses Vaterschocks: danach sind sie unausstehlich für jeden kinderlosen Mann. Wie ein Kettenraucher, der zum Nichtraucher wird, müssen diese neuen Elternfundamentalisten die Nicht-Eltern missionieren. Obwohl sie gestern noch selber kinderlos waren - oder gerade deshalb! - müssen sie jetzt gegen jeden vorgehen, der nicht so ist wie sie nun gerade sind. Die demografische Debatte liefert ihnen das passende Feindbild, das sie dazu auffordert, gegen Kinderlose aggressiv zu werden. Henning SUßEBACHs Artikel ist ein Dokument dieses neuen Familienfundamentalismus, der in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird...

    Feindbild Single als Identitätsstabilisator für unzufriedene Eltern

    SUßEBACH, Henning (2004): Sieben Mütterkarrieren.
    Sie lernten sich vor vier Jahren in einem Geburtsvorbereitungskurs kennen und gingen gemeinsam den Weg in die Mutterrolle. Die Geschichte von emanzipierten Frauen, die erst mal zu Hause blieben ,
    in: Die ZEIT Nr.20 v. 06.05.

    Henning SUßEBACH schreibt über die Frauen aus seinem Geburtsvorbereitungskurs im Bezirk Prenzlauer Berg in Berlin und betreibt dabei Propaganda in Sachen Bevölkerungspolitik, ganz im Sinne des nationalkonservativen Bevölkerungspolitikers Herwig BIRG:

    "Sieben Frauen mit ursprünglich sieben Kindern werden bald sieben Frauen mit zwölf Kindern sein. Zwei von ihnen haben bereits ihr zweites Baby bekommen, und drei sind wieder schwanger. Erstaunlich ist schon, dass diese Gruppe immer noch existiert, noch erstaunlicher ist aber, dass gleich fünf der sieben Mütter zu jenen Frauen zählen, die die Statistiker fast aufgegeben haben, wenn es um Nachwuchs geht: die Akademikerinnen. 42 Prozent der studierten Frauen des Jahrgangs 1965 werden nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes kinderlos blieben, das ist weltweit ein einsamer Wert. Insbesondere für Akademikerinnen also ist die einst natürlichste Sache der Welt, biologisch-hässlich »Fortpflanzung« genannt, zu einem viel diskutierten Problem geworden. Doch bei uns, in unserem Freundeskreis in Berlin? Da hören die Akademikerinnen gar nicht mehr auf mit dem Kinderkriegen, und ebendies ist wiederum erstaunlich: Im Sommer wird die Zahl der Kinder pro Frau in unserem Geburtsvor- und -nachbereitungskurs auf 1,7 angewachsen sein. Das ist weit über dem deutschen Durchschnitt von rund 1,3 und nah an der französischen Quote von 1,9, die die Demografen derzeit oft als letzte Hoffnung für die Rentenkassen beschreiben und an der wir uns manchmal spaßeshalber messen. Das Private ist wieder politisch; verglichen mit 1968 allerdings geht die Politisierung in die entgegengesetzte Richtung: »Mein Bauch gehört mir?« Recht rabiat hat sich die Gesellschaft der Bäuche der Frauen bemächtigt – als Debattenthema."

    SUSSEBACH, Henning (2005): Nur Mut!
    ZEITleben-Spezial: Jugendwart im Sportverein? Zu spießig. Umweltschutz? Zu gutmenschlich. Kinder? Später mal, vielleicht. Ein Aufruf zum Erwachsenwerden,
    in: Die ZEIT Nr.20 v. 12.05.

    Zivilgesellschaft und der Umbau des Sozialstaats in der "Single-Gesellschaft"

    SUßEBACH, Henning (2007): Bionade-Biedermeier.
    Der Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg ist das Experimentierfeld des neuen Deutschlands. Doch wer nicht ins Raster passt, hat es schwer im Biotop der Schönen und Kreativen,
    in: ZEITmagazin Nr.46 v. 08.11.

    Henning SUßEBACH porträtiert den Berliner Akademiker-Bezirk Prenzlauer Berg:

    "Ein nur elf Quadratkilometer umfassendes Häusergeschachtel, in dem 143000 Menschen leben. Mehr als die Hälfte von ihnen ist zwischen 25 und 45 Jahre alt. Viele im alten deutschen Westen haben eine Tochter, einen Sohn, einen Neffen, eine Nichte, einen Freund, eine Freundin, die in dieses ehemalige Stück Osten gezogen ist. Der Stadtteil verändert sich so schnell, dass die Statistiker kaum noch mitkommen: Allein zwischen 1995 und 2000 hat sich die Hälfte der Bevölkerung ausgetauscht, Schätzungen für die gesamte Zeit seit dem Mauerfall gehen von über 80 Prozent aus. Der Anteil der Akademiker hat sich mehr als verdoppelt, in manchen Straßen verfünffacht."

    SUßEBACH, der noch 3 Jahre zuvor enthusiastisch über den sagenhaften Babyboom der Prenzlauer Berg-Frauen in seinem Freundeskreis berichtet hatte, ist jetzt sichtlich ernüchtert über Zahlen, die alles andere als taufrisch und unproblematisch sind:

    "Der Prenzlauer Berg ist offenbar nicht so, wie er zu sein glaubt, auch nicht beim immer wieder gefeierten Kinderreichtum. Pro 1000 Frauen im Alter zwischen 15 und 45 Jahren kommen hier je Jahr nur 35 Kinder zur Welt – das sind weniger als im vermeintlichen Witwenbezirk Wilmersdorf. In Cloppenburg liegt die Zahl bei 56. Dass der Anschein auf den Straßen und Spielplätzen ein anderer ist, liegt allein daran, dass hier fast ausschließlich junge Menschen leben, die zwar verhältnismäßig wenige Kinder kriegen, aber in ihrer Masse immer noch genug, um das Viertel zu verändern."

    Aus der Perspektive eines türkischen Gemüsehändlers, eines Wohnungsmaklers, eines Schulleiters, des Stadtsoziologen und Schwaben Hartmut HÄUßERMANN, einer Allgemeinärztin und eines Yogatrainers betrachtet SUßEBACH die Bewohner im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg, um sie dann als Bionade-Biedermeier abzustempeln:

    "Der Prenzlauer Berg wirkt vielerorts, als habe es nie so etwas wie eine Unterschichtendebatte gegeben, ein Demografieproblem, Migration. Hier herrscht der Bionade-Biedermeier. Die 100000 Zugezogenen haben eine neue Stadt geschaffen, doch wem kommt diese zivilisatorische Leistung zugute, außer ihnen selbst? Ihr Prenzlauer Berg ist ein Ghetto, das ohne Zaun auskommt – weil es auch ohne zunehmend hermetisch wirkt. Die Zuwanderung wird über den Preis pro Quadratmeter gesteuert und über den enormen Anpassungsaufwand, dem man sich hier leicht aussetzt. Wer nicht das Richtige isst, trinkt, trägt, hat schnell das Gefühl, der Falsche für diesen Ort zu sein.
    Man glaubt so offen zu sein und hat sich eingeschlossen. Zwar ist Milieubildung ein normales soziales Phänomen, weltweit sortieren sich die Menschen nach Lebensstil, Bildung, Vermögen – das Besondere am Prenzlauer Berg aber ist, dass er nicht wahrhaben will, dass er ganz anders ist, als er zu sein glaubt."

    SUßEBACH, Henning (2008): "mannöti-lautindana".
    Platte meines Lebens (28): Unser Autor kennt jede verschluckte Silbe auf Herbert Grönemeyers Album "4630 Bochum". Denn das war seine Adresse, sein Leben, seine Musik!
    in: Die ZEIT Nr.45 v. 30.10.

    Neu:
    SUßEBACH, Henning (2010): "Ich will wissen, wer er ist".
    DOSSIER: Sonja ist 18, als sie erfährt, dass sie mithilfe einer anonymen Samenspende gezeugt wurde. Seitdem quält sie eine einzige Frage: Wer ist der Fremde mit der Nummer 277, ihr leiblicher Vater?
    in: Die ZEIT Nr.42 v. 14.10.

     
           
       

    Meine Straße (2009).
    Erinnerungen aus unserer Kindheit
    Frankfurt a/M: Fischer Verlag

     
       
         
     

    Klappentext

    "Zwanzig renommierte »Zeit«-Autoren sind an die Orte ihrer Kindheit zurückgereist, wobei ein einzigartiges Deutschlandbild entstand. Henri-Nannen-Preisträger und »Zeit«-Journalist Henning Sußebach hat diese Gesellschaftsgeschichten, die bereits als »Zeit«-Serie ein gewaltiges Echo bei der Leserschaft ausgelöst haben, in diesem Buch zusammengefasst. Mit Beiträgen unter anderem von Michael Naumann, Christoph Dieckmann, Susanne Gaschke, Josef Joffe, Stephan Lebert und Iris Radisch."

     
         
     
           
       

    Beiträge der Zeit-Serie

    SUßEBACH, Henning (2005): In Utopie.
    Serie Meine Strasse (2):  Vor 30 Jahren entstand in Bochum eine Trabantensiedlung für alle Schichten. Überall zogen junge Familien ein. Deren Kinder sind inzwischen fort, der einst moderne Stadtteil wird in aller Stille älter,
    in: Die ZEIT Nr.17 v. 21.04.

    RADISCH, Iris (2005): Mitten im Irrsinn.
    Meine Straße: Oranienstrasse 67, Berlin. West-Berlin in den sechziger Jahren. Eine Siedlung direkt an der Grenze zweier Staaten, die Mauer verlief gleich hinterm Haus. Wir Kinder fühlten uns trotzdem wohl,
    in: Die ZEIT Nr.32 v. 04.08.

    Infos zu: Iris Radisch - Autorin der Single-Generation

     
       

    Weiterführende Links

     
         
       
     
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 12. Februar 2012
    Update: 25. August 2015