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Ijoma Mangold: Generation Golf auf Posten

 
       
     
       
   
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    Ijoma Mangold in seiner eigenen Schreibe

     
       

    MANGOLD, Ijoma (2003): Die Kurpfalz.
    Deutsche Landschaften (26): Angeschmiegt an die Hügel des Odenwalds,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 20.09.

    Für MANGOLD ist die Romantik der Ausgangspunkt des Erfolgs von Heidelberg:

    "Der, wenn man so will, ideologisch-weltanschauliche Erfolg Heidelbergs setzte zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein, als die Romantiker die Stadt für sich entdeckten. Für sie war Heidelberg eine Idealkulisse, in der sich der Geist einer alten Universitätsstadt mit der Lieblichkeit einer mittleren Landschaft verband, aus deren fruchtbarem Grün sich das herrliche Schlosses als ein Stück Spätmittelalter im Ruinenzustand erhob."

    Blick auf das Heidelberger Schloß

    Er schwärmt von Heidelberg als Inbegriff des geheimen Deutschland:

    "Während wir Deutschen sonst eher die herben Brüche unserer Geschichte akzentuieren, repräsentiert Heidelberg von Eichendorff über Stefan George, Friedrich Gundolf und Max Weber bis hin zu Hans-Georg Gadamer eher einen kontinuierlichen Überlieferungszusammenhang, in dem die Großzügigkeit des Denkens sympathetisch auf die Generosität einer milden Natur antwortet. Wo, wenn nicht hier, könnte das Zentrum des geheimen Deutschland sein?"

    MANGOLD, Ijoma (2003): Generation auf Posten.
    Mit den Dreißigjährigen - mäkeln ihre Kritiker und so sehen sie es selbst - geht es bergab. Die landläufige Diagnose: fortschreitende Entpolitisierung. Der "Generation Golf" gebricht es an der revolutionären Selbstgewissheit der 68er, Gut-böse-Schemata sind ihr abhanden gekommen. Kennzeichen eines Verfalls oder doch eines intellektuellen Fortschritts? (gekürzter Vorabdruck eines Textes aus dem Kursbuch 154 - Die Dreißigjährigen)
    in: TAZ v. 29.11.2003

    MANGOLD, Ijoma (2003): Graue Mäuse und abenteuerliche Herzen,
    in: Kursbuch H.154 Die 30jährigen, Dezember

    MANGOLD, Ijoma (2004): Märchenprinz und Nebelfürst.
    Zweifel an der Autorschaft des Bestsellers "Manieren",
    in: Süddeutsche Zeitung v. 02.02.

    " Der Fall Asserate schien da ein weiterer Beleg für höchst undurchsichtige Autor-Mystifikationen der Reihe zu sein. Doch das ist ein Kurzschluss, denn die Fälle liegen sehr verschieden: »Manieren« lesen wir, anders als die Anonyma, nicht als erschütterndes historisches Dokument – bei diesem Buch ist die Frage nach der Authentizität tatsächlich entscheidend. Die Frage der Autorschaft der »Manieren« mag dagegen unterhaltsam sein, erheblich ist sie nicht",

    meint MANGOLD. Wäre es dann nicht ehrlicher z.B. ganz auf Autorennamen zu verzichten? Marketingkonzepte, die auf Identifizierung beruhen, wären dann nutzlos und solche Debatten würden sich erübrigen.

    MANGOLD, Ijoma (2004): Nie wieder Wendland!
    Mit Hass-Schrittmacher: Sophie Dannenbergs Romanpamphlet "Das bleiche Herz der Revolution",
    in: Süddeutsche Zeitung v. 03.09.

    MANGOLD, Ijoma (2004): Sehnsucht nach Nestwärme.
    Angst vor dem kalten Wind der Globalisierung: Die Deutschen reden über Leitkultur und Patriotismus,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 31.12.

    MANGOLD, Ijoma (2005): Das neue Subproletariat.
    Inwieweit profitiert die NPD vom "White Trash"?
    in: Süddeutsche Zeitung v. 09.02.

    Ijoma MANGOLD erteilt dem Bild von Deutschland als nivellierter Mittelstandsgesellschaft (SCHELSKY) eine klare Absage:

    "Diese Zeit ist vorbei. Deutschland ist eine Klassengesellschaft - wenn auch eine ohne Bewusstheit für die sowohl feineren wie auch deutlich gröberen Unterschiede."

    Für MANGOLD hat sich ein Subproletariat herausgebildet

    "eine regelrechte Unterschicht, die nicht einfach arm ist, weil sie wenig verdient, sondern die insgesamt an der Dynamik, der Lebensweise und den Chancen der Mehrheitsgesellschaft nicht partizipiert."

    MANGOLD bezeichnet dieses neue Subproletariat als "White Trash". Ihr Kennzeichen:

    "sie verwahrlosen physisch, ihre Sozialformen sind überaus instabil, sie sind unproduktiver Ballast".

    MANGOLD geht jedoch noch weiter. Er unterstellt eine Homogenität, die angeblich durch die empirische Sozialforschung abgedeckt sei:

    "Liest man die entsprechenden Untersuchungen der empirischen Sozialforschung, stellt sich ein eindeutiges Bild dar: Die neuen Unterschichten sind kinderreich, aber sie kennen kaum mehr stabile Familienverhältnisse. Sie schauen eklatant mehr Fernsehen als der Bundesdurchschnitt und sie rauchen mehr (was durch die Tabaksteuer zu einer absurden Umverteilung von unten nach oben führt). Sie ernähren sich ungesund und das bevorzugt durch teures Fast Food"

    usw. usw. usw. Was MANGOLD hier aufgezählt hat, das kann man haargenau so bei dem neokonservativen Historiker Paul NOLTE nachlesen. Und geht man ins Jahr 1961, dann liest man bei dem Bevölkerungswissenschaftler Hans W. JÜRGENS, dass es sich bei der hier beschriebenen Lebensweise um Asozialität handelt. MANGOLD beschreibt das Subproletariat als Klasse der asozialen Großfamilien. Diese Beschreibung dürfte eher Ausdruck einer sozialpopulistischen Instrumentalisierung des "White Trashs" durch die neue Mitte sein, als dass hier die neuen Unterschichtangehörigen wissenschaftlich ausreichend beschrieben sind. MANGOLDs Ausführungen sind Teil der neuen bevölkerungspolitischen Ausrichtung. Die Wiedereinführung der Asozialität ist notwendig, weil nur dadurch Fördermaßnahmen für die Eliten - wie das geplante Elterngeld - rechtfertigbar sind.

    MANGOLD, Ijoma (2005): Der kaltherzige Ernährer, die liebende Verlassene.
    Frauen und Männer: Neueste Ermittlungen im Krisengebiet (5). Vater, Mutter, Kind - herrlich als Familie. Aber wehe den Männern, wenn es zur Trennung kommt,
    in: Süddeutsche Zeitung  v. 19.02.

    Vom abenteuerlichen Herzen eines Ernst JÜNGER zum Abenteurertum des neuen Vaters ist es bei MANGOLD nicht weit. Unter Rückgriff auf Charles PÉGUY, einem französischen Vertreter des neuen Katholizismus, stilisiert MANGOLD den Familienvater zum wahren Abenteurer. Single-generation.de hat auf diesen Argumentationsstrang bereits im Jahr 2002 im Zusammenhang mit einer Rezension von Jean-Claude GUILLEBAUDs Buch Tyrannei der Lust hingewiesen. GUILLEBAUD ist ein später Nachfahre von PÉGUY. Was single-generation.de damals als die Stilisierung von Familienmenschen zu Widerstandskämpfern bezeichnet hat, das kehrt bei MANGOLD als Abenteurertum wieder. Wie GUILLEBAUD beklagt MANGOLD die vaterlose Gesellschaft. Die Heroisierung der allein erziehenden Mutter sieht er deshalb als eine Fehlentwicklung:

    "Fast wie eine Pieta wird die Mutter (...) imaginiert. Sie beweist Stärke und Beständigkeit im Verlassensein. Es ist die ins moderne Kostüm gekleidete Kriegerwitwe, die noch einmal aufscheint.
    (...).
    Dass Frauen möglicherweise alleinerziehende Mütter sind, weil sie es so und nicht anders wollen, kommt in diesem Denkhorizont nicht vor. Noch viel weniger, dass sie es möglicherweise sind, weil sie sich im Kampf ums Sorgerecht gerichtlich durchgesetzt haben. Ganz zu schweigen von der zugegeben zünftig-konservativen Überlegung, dass der Verbleib in der Institution Familie vielleicht die heroischere Leistung wäre".

    "SZ-Serie "Frauen und Männer: Neueste Ermittlungen im Krisengebiet"

    MANGOLD, Ijoma (2005): Gemischte Besetzung.
    Ein humorfreies Urteil zu Texten aus den schrecklichen Siebzigern,
    in: Süddeutsche Zeitung  v. 04.03.

    MANGOLD, Ijoma (2005): Nie wieder Kaltakquise!
    Wie man die Bundesrepublik auf eine heiße Herdplatte setzt: Uwe Tellkampfs großartiger Roman "Der Eisvogel",
    in: Süddeutsche Zeitung v. 17.03.

    Unterschied Thomas ASSHEUER vor kurzem die bundesrepublikanischen Weltsichten in jene der Melancholiker und der Tragiker, so scheiden sich bei Ijoma MANGOLD die Geister daran, ob es gegenwärtig bei den Reformen ein Erkenntnis- oder ein Umsetzungsproblem gibt. Die Akteure der Organisation "Wiedergeburt" in TELLKAMPs Roman Der Eisvogel neigen jedenfalls zu letzterer Sicht. MANGOLD ist der Ansicht, dass - falls parlamentarische Reformen keinen Erfolg bringen - Radikalkuren irrsinniger ausfallen könnten. In TELLKAMPs Gesellschaftspanorama sieht MANGOLD deshalb ein realistisches Szenario:

    "Es hat das alles etwas von einem auf den Hund gekommenen Geheimen Deutschland, klingt ein bisschen nach Stefan George, ein bisschen nach Carl Schmitt. Ein Kasten- und Ständestaat schwebt den Mitgliedern der Organisation vor. Aber sie sind weder Alt- noch Neonazis. Ihre historische Orientierungsgröße scheinen viel eher die Männer und Frauen des 20. Juli zu sein, bei denen sich auch Vaterlandsliebe, ein hoher Moralkodex, deutsche Kunstreligion und eine Neigung zu autoritären Staatsentwürfen verbunden hatten.
          
      Mit diesem so großartig halluzinierten wie glaubwürdig gezeichneten Gesellschaftspanorama hat (...) Uwe Tellkampf (...) eine geistige Topographie entworfen, die nicht mehr die der alten Bundesrepublik ist."

    MANGOLD, Ijoma (2005): Mein Mitmensch ist kein Trottel.
    Eine Einladung zur Aussöhnung mit der BRD: Hans Pleschinskis "Leichtes Licht",
    in: Süddeutsche Zeitung v. 01.04.

    Ijoma MANGOLD sieht im Massentourismus das Paradigma moderner Gesellschaften schlechthin. Es gefällt ihm, dass PLESCHINSKI in dem Roman Leichtes Licht nicht "im Bild des Pauschalreisenden den hässlichen Deutschen zu entlarven" versucht. Die Protagonistin, eine allein lebende Karrierefrau im mittleren Lebensalter, entdeckt stattdessen die Anmut und Demut. MANGOLD sieht in der Demut eine hilfreiche Haltung für massentouristische Normal-Situationen.

    MANGOLD, Ijoma (2005): Körper der Bundesrepublik.
    Urbane Weltläufigkeit und Anmut der Neuen Mitte: Abschied vom regierenden rot-grünen Phänotyp,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 04.06.

    Für Ijoma MANGOLD ist die Neue Mitte in erster Linie eine ästhetische Kategorie:

    "1998 nahm die Neue Mitte Gestalt an. Und es war klar, dass diese und weniger ein sozial-ökologisches Reformmilieu das moderne Deutschland ausmachte."

    Für den Herbst prognostiziert MANGOLD, dass die Neue Mitte sich für die Besitzstandswahrung entscheidet:

    "Die neue Mitte wird sich eine neue Heimat suchen. Und dabei werden möglicherweise nicht wenige lernen, dass ihre materiellen Interessen durch den, in dem sie sich ästhetisch nicht wiedererkennen, sogar wirkungsvoller wahrgenommen werden."

    MANGOLD, Ijoma (2005): Ohne Pulverdampf kein Abenteuer.
    Ran an die Jugend: Birgit Vanderbekes oberspießiger Rebellionsroman,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 20.07.

    "Es gibt ein weitverbreitetes Unbehagen an dem, was man Entpolitisierung nennt. Und es gibt eine neue Faszination für den Straßenkampf und den Aktionismus. Die Romane von Christoph Hein, Uwe Tellkamp und Andreas Maier aus diesem Frühjahr sind - auf je sehr verschiedene Art -  Ausdruck dieses Unbehagens. Jetzt hat die Erfolgsschriftstellerin Birgit Vanderbeke dieses Thema aufgegriffen."

    Mit dieser Feststellung hat Ijoma MANGOLD seine lange Einleitung beendet - inklusive einem Exkurs über das Jugendbewegungsgefühl der 1970er, die wutlose Jugend der 00er und einer Kurzzusammenfassung des Films Die fetten Jahre sind vorbei. Der Erläuterung des Plots von VANDERBEKEs Roman Sweet Sixteen widmet sich MANGOLD nur missmutig, denn ihm fehlt hier das Ernst-JÜNGER-mäßige. "So jedenfalls kriegen wir die Kids nicht auf die Barrikaden", bemängelt MANGOLD.

    MANGOLD, Ijoma (2005): Alles verdampft.
    Union, Frau Merkel, und die Unmöglichkeit, konservativ zu sein,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 30.07.

    Anlässlich des Tagesspiegel-Artikels von Moritz RINKE, beschäftigt sich Ijoma MANGOLD damit, was heutzutage noch konservativ sein könnte. Für MANGOLD kann Konservatismus heute nicht mehr Orientierung in Fragen der privaten Lebensführung sein, da selbst die Familie nicht mehr das letzte Bollwerk gegen den Kapitalismus ist:

    "Konservativismus, das war einmal das Versprechen von verlässlicher Orientierung gerade in Fragen der Lebensführung – und zwar unter der impliziten Prämisse, dass es dabei ein Richtig und ein Falsch gibt. Es war Sinnstiftung gegen das anything goes und ein Verbindlichkeitsangebot im Kleinen, um mit diesem Rückhalt die nicht bestrittene Wandlungsdynamik im Großen zu bestehen.
              
    Vielleicht vor allem dieser Spagat gehört der Vergangenheit an: Dass man als moderne Wirtschaftsnation an der Dynamik des technologischen und ökonomischen Fortschritts aus voller Kraft partizipieren und zugleich auf der Ebene der privaten Lebensführung, der Häuslichkeit und der familiären Reproduktion bestimmte Werte, Normen und Gepflogenheiten stabil halten könne. Denn dieses eben macht den expansiven Charakter des Kapitalismus aus: Dass er nicht nur ein wirtschaftliches Prinzip ist, sondern alle Bereiche des sozialen wie des kulturellen Lebens sich anverwandelt und umgestaltet. Seine Dynamik ist nicht auf den Arbeitsplatz einzuhegen."

    Nicht mehr der Kommunismus/Sozialismus mit seinen Visionen vom neuen Menschen ist gemäß MANGOLD das konservative Feindbild, sondern der expansive Kapitalismus. Konservatismus gerät unter den Bedingungen der Globalisierung in die Defensive:

    "Konservativismus (...) bezieht seinen Schwung deshalb gerade nicht aus seiner Verbindlichkeit, sondern umgekehrt aus dem Bewusstsein der Bedrohtheit – und hat stets etwas Angestrengtes und Verschwitztes. Es ist ein Konservativismus der Defensive, der Abwehr und der Verunsicherung, keiner der Stärke und des Selbstbewusstseins."

    Prototypisch für einen solchen defensiven Konservatismus ist für MANGOLD der Theologe Peter HAHNE:

    "Die kongeniale Galionsfigur dieser düsteren Tendenzwende ist der Fernsehmoderator Peter Hahne mit seinem Nummer-eins-Bestseller »Schluss mit lustig!« Da ist der Konservativismus plötzlich mit dem Spießbürgerlichen identisch geworden."

    Daneben existiert der Konservatismus als Formbewusstsein, wie er in der neuen Lust am Ritual oder bei den neuen Dandys zum Ausdruck kommt. Die RATZINGER-Variante beschreibt MANGOLD dagegen als "Weg in die Katakomben". Sein Fazit:

    "Das Konservative wird deshalb eher überleben als ästhetische Attitüde und kulturelles Bewusstsein der Wenigen, als ein exzentrisches Dandytum vielleicht auch, aber nicht als politische Sammlungsbewegung. Namentlich für die Deutschland AG gilt: Was ihr fehlt, ist wieder Mut und Lust an der produktiven Zerstörung, damit sie den Wandel nicht nur als Verlust von Lebensglück, sondern auch als dessen Steigerung wahrnimmt."

    MANGOLD, Ijoma (2005): Die müde Haut Alteuropas.
    Matthias Polityckis Sehnsucht nach barbarischer Vitalität,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 03.09.

    Droht irgendwo der Untergang des Abendlandes, dann ist Ijoma MANGOLD nicht weit. Matthias POLITYCKI wird von MANGOLD ausgiebig gewürdigt:

    "Mit »Weißer Mann - was nun?« hat Matthias Politycki einen ultimativen Abgesang auf das Abendland geschrieben, auf die schleichende Apokalypse des Westens in Dekadenz und Kraftlosigkeit",

    lobt MANGOLD, dem sonst zumeist der Rauch und Pulverdampf fehlt. MANGOLD war in der ersten Reihe gesessen als der sympathische POLITYCKI seinen neuen Roman im schicken Münchner Glockenbachviertel vorstellte. Da der ernst-jüngernde MANGOLD auf seinem Felde keinerlei Konkurrenz duldet, wird POLITYCKI am Ende hart attackiert:

    "So hat man in Europa schon einmal gesprochen - in jener Dekadenzperiode um die vorletzte Jahrhundertwende, als man im Namen Nietzsches die Rückkehr des Barbarischen beschwor, um sich von seinem Ennui abzulenken. Thomas Mann hat diesem Milieu mit dem »Kridwiß'schen Kreis« im »Doktor Faustus« ein Denkmal gesetzt, wo Herren, denen die »Schwindsucht au fen Wangen glüht«, einem Immoralismus der Stärke frönen und für »schöne Ruchlosigkeit und italienische Giftmorde« schwärmen."

    MANGOLD empfiehlt jedenfalls Viagra, statt  sinnstiftender, ersatzreligiöser Politikentwürfe.

    MANGOLD, Ijoma (2005): Stadt gegen Land.
    Der große Graben (7). Parasiten im Speckgürtel: Warum wir die City brauchen
    Gigantische Pendlerströme fallen Tag für Tag in die Großstädte ein. Doch bislang wollten immer weniger Menschen in den Metropolen wohnen. Jetzt feiert die Stadt Renaissance,

    in: Süddeutsche Zeitung v. 08.09.

    Man muss sich fragen, warum die Suburbanisierung lange Zeit KEIN Thema der Stadtforschung war. Warum befassten sich die selbstgefälligen Stadtforscher mit den innenstadtnahen Wohngebieten, während zur gleichen Zeit die Vorstädte explodierten und das Reihenhaus zur Norm der Mittelschichten wurde? Der Einzige und sein Eigenheim war bis um die Jahrtausendwende der blinde Fleck einer Stadtforschung, die yuppiefixiert war. Nun, da Yuppies sich Kinder als Statussymbol bzw. zur Selbstverwirklichung angeschafft haben und als Family Gentrifier (Monika ALISCH) die Städte entdecken, richtet sich der Blick auf die Suburbanisierung. Ijoma MANGOLD befasst sich nicht mit dieser Geschichte der Stadtforschung und ihren Fehldeutungen, sondern gänzlich unhistorisch wird dem Optionalismus gefrönt:

    "In der Wirklichkeit ist der Stadt/Land-Gegensatz heute gerade keiner hermetisch getrennter Welten mehr. Durch vielfache mobile Ausnutzungs- und Parasitärbeziehungen sind beide eng miteinander verflochten. Und ob einer in der Stadt oder auf dem Land wohnt, ist kein lebenslanges Schicksal mehr, sondern eine Frage der Optionen. Urbanität und Provinzialität sind bewegliche Lebensformen geworden, die man von einer biografischen Etappe zur nächsten wechseln kann."

    Die Renaissance der Städte wird seit einiger Zeit ausgerufen. Ob sich die Entwicklungen aber an Manifeste oder politische Gutachten wie jene über den demografischen Wandel halten, das wird die Zukunft zeigen müssen...

    MANGOLD, Ijoma (2006): Der Gott auf Reisen.
    Stadtwanderungen: Für das Geheime Deutschland war Heidelberg die Hauptstadt - und Stefan George der einzige legitime Herrscher. Er regierte seinen Dichterstaat vor einer ehrwürdigen Theaterkulisse,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 07.01.

    Ijoma MANGOLD hat sich in Heidelberg auf die Spurensuche nach Stefan GEORGE gemacht und dazu den Schriftsteller Michael BUSELMEIER und Jakob KÖLLHOFER, den Direktor des Deutsch-Amerikanischen Instituts, befragt. Während für ersteren der elitäre Zirkel um GEORGE eine reaktionärer Kult war, weist letzterer auf die Ergänzung des Aristokratischen durch das Bäuerliche hin. MANGOLD fasziniert am elitären GEORGE-Zirkel dagegen die Ironiefreiheit:

    "Sie lebten ihre Kunstreligion ohne jede ironische Brechung. In diesem Ernst liegt die ungebrochene Faszination des George-Kreises bis in die Gegenwart".

    MANGOLD, Ijoma (2006): Heute schon geweint?
    Die Sehnsucht nach dem Leben in der Literaturkritik,
    in:  Süddeutsche Zeitung v. 31.03.

    Ijoma MANGOLD liefert eine weitere Nacherzählung der Ereignisse um die Buchvorstellung von Volker WEIDERMANN. Man darf MANGOLD wohl eher den Empathikern zuordnen, wenn er schreibt:

    "Was meint der Literaturkritiker eigentlich wirklich, wenn er das eine Werk gut und das andere schlecht nennt? Ist am Grunde des Urteils nicht stets ein Wille zur Macht erkennbar, die eben darin besteht, über die Wahrheit des Lebens Aussagen treffen zu dürfen? Woher sonst die Erregungspotentiale?"

    Für MANGOLD ist die Überführung von Wahrheits- in Coolnessfragen die logische Konsequenz der Unentscheidbarkeit letzter Fragen. Wer hat den besseren Sex, feiert die besseren Partys oder erzeugt den größten Pulverdampf, das ist dann der Sinn des Literaturwettkampfs. Die Gnostiker spielen darin lediglich die Rolle der Spielverderber:

    "Die Empathiker neigen dazu, so zu schreiben, als hätten sie den besseren Sex. Die Gnostiker werden ihnen das nicht durchgehen lassen."

    MANGOLD, Ijoma (2006): Seht, wie meine Augen tränen.
    Günter Grass häutet seine Zwiebel, findet darin aber nur Metaphern: Eine Rezension seines Erinnerungsbuchs,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 19.08.

    Ijoma MANGOLD, ein junger Junger (Kurt KISTER), hat sich selten von einer Zwiebel so genervt gefühlt. Er findet Eitles und Selbstbezogenes in dem "moralischen Drama". Dennoch macht sich MANGOLD die Mühe, die autobiografische Literatur ins Werk von Grass einzuordnen. Die Zwiebel steht dann in einer Reihe von prägnanten Dingsymbolen von der Schnecke bis zum Krebs. Sein Fazit zum Buch und zur Debatte ist ernüchternd:

    "Die Lektüre dieser poetischen Essenz ist nur dem Lutschen von Brühwürfeln vergleichbar.
              
     Günter Grass vorzuwerfen, dass er als Jüngling an das Dritte Reich geglaubt hat, ist absurd. Über sein langes Schweigen aufschreien mag, wer ihn zuvor zur moralischen Ikone erhöht hat - es hat aber etwas Tantenhaftes. Die Rückgabe des Nobelpreises zu verlangen ist lächerlich. Und wer jetzt auch das bisherige literarische Werk demoliert sieht, der möge bitte über seinen Literaturbegriff Auskunft geben. Eines aber kann man sagen: Die literarische Form, die Grass für sein Eingeständnis bemüht hat, enthält entschieden zu viele Metaphern. Und solche erhellen die Abgründe des Lebens meistens nicht."

    MANGOLD, Ijoma (2007): Auf den Mund gefallen.
    Die Deutschen im Spiegel ihrer Redewendungen - ein Glossar,
    in: Süddeutsche
    Zeitung v. 18.08.

    MANGOLD, Ijoma (2008): Das Leise und das Laute.
    Vom Bürgerschreck zum Kulturkonservativen: Schriftsteller Feridun Zaimoglu spaziert über den türkischen Pavillon der Buchmesse - und beklagt die Überpräsenz der aufgeklärt-säkularen Türkei,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 20.10.

    MANGOLD, Ijoma (2010): Die Wirklichkeit ist krumm.
    Und damit sollte man jederzeit rechnen: Aus dem Gefühlshaushalt eines Konservativen,
    in: Die ZEIT Nr.26 v. 24.06.

    MANGOLD, Ijoma (2016): Der Verlust der Mitte.
    Deutschland geht es wirtschaftlich bestens, aber das Land ist zerrissen wie selten zuvor: Hypermoral von links, blanke Gewalt von rechts. Was ist da passiert?
    in:
    Die ZEIT Nr.4 v. 21.01.

    Ijoma MANGOLD beklagt, dass zwischen der kulturalistischen Linken und Rechten, die mit ihrer Identitätspolitik die Gesellschaft polarisieren, eine schweigende bürgerliche Mitte existiert, die dem Staat nicht die Aufgabe zuweist, die "Auflösung überkommener Normativitäten gesetzgeberisch zu begleiten", sondern lediglich einen liberalen Ordnungsrahmen schaffen möchte, innerhalb dessen plurale Lebensformen "ohne normativen Druck" miteinander leben können.

    Hat jedoch wirklich die "kulturalistische" (auch wertneutral als kulturelle Linke bezeichnet) über die soziale Linke gesiegt? Bereits Anfang des Jahrtausends wurde diese Spaltung auf dieser Website thematisiert. Mitte der Nuller Jahre griff Robert MISIK diese Spaltung der Linken in der taz auf und erteilte der kulturellen Linken eine Absage. Identitätspolitik ist jedoch keine Angelegenheit von Links oder Rechts, sondern auch der Neuen Mitte. Hier wird dann von Leitkultur gesprochen. Eine solche Leitkultur drückt sich z.B. in der "bevölkerungsorientierten Familienpolitik" (HÜTHER) bzw. "bevölkerungsbewussten Familienpolitik" (WINGEN) als moderne Umschreibungen der Bevölkerungspolitik aus.

    Wenn MANGOLD vom Verlust der Mitte spricht, dann vom Standpunkt einer Leitkultur. Wer wie MANGOLD gegen Links und Rechts polemisiert, der braucht diese Leitkultur nicht zu konkretisieren, sondern kann sie situationsspezifisch an die jeweiligen Diskurse anpassen. Mitte ist immer dort wo MANGOLD ist! 

     
           
       

    Ijoma Mangold im Gespräch

     
           
       

    SCHRÖDER, Christoph (2007): "Jede Dummheit bleibt archiviert".
    Bachmann-Preis-Juror Ijoma Mangold im Gespräch über den Klagenfurter Wettbewerb als Trendlabor, die Verletzungsgefahr für arrivierte Autoren und die Funktion der Kritik,
    in: Volltext Nr.3, Juni/Juli

    Ijoma MANGOLD, der erstmals Juror in Klagenfurt ist, u.a. über die Brauchbarkeit des Generationenbegriffs: "Volltext: Wir sprechen immer von Generationen von Autoren. Betrachten Sie Literatur als Ausdruck der Mentalität einer Generation? Oder wird der Generationenbegriff überbewertet? Geht es vielmehr um Themen, die gerade virulent sind?
                 Mangold: Der Generationenbegriff ist weder über- noch unterbewertet. Er dient der Komplexitätsreduktion, und als solcher ist er brauchbar, um sich rasch zu verständigen. Wenn man wirklich etwas begreifen will, kann man ihn sich meistens schenken. Am spannendsten ist ja ohnehin immer das, was für seine Generation gerade nicht typisch ist, was mit seiner Zeit nicht identisch ist - aber auch das ist ein Gemeinplatz."

    GEORGAKIS, Nikolaos (2009): Interview mit einem Vorkoster der Literatur,
    in: Westdeutsche Allgemeine Zeitung v. 10.07.

     
           
       

    Die ZDF-Sendung "Die Vorleser" in den Medien

     
           
       

    SCHELLHAMMER, Simone (2009): Das literarische Duett.
    Mit Spannung erwartet: Amelie Fried und Ijoma Mangold starten am Freitag als die neuen "Vorleser" der Nation,
    in: Tagesspiegel v. 08.07.

    KNIPPHALS, Dirk (2009): Buchkaufhaus trifft Feuilleton.
    Literaturvermittlungshow: "Die Vorleser" Amelie Fried und Ijoma Mangold zeigen in ihrer ersten Sendung nur zaghafte Ansätze eines hübschen Duetts zwischen U- und E-Kultur,
    in: TAZ v. 13.07.

    MÜHLBAUER, Peter (2009): Vorhersagbare Posen.
    Die neue ZDF-Literatursendung zwischen Postkonservativismus und Gutmenschentum,
    in: Telepolis v. 13.07.

     
           
       

    Das deutsche Krokodil (2017).
    Meine Geschichte
    Rowohlt Verlag

     
       
         
     

    Klappentext

    "Ijoma Alexander Mangold lautet sein vollständiger Name; er hat dunkle Haut, dunkle Locken. In den siebziger Jahren wächst er in Heidelberg auf. Seine Mutter stammt aus Schlesien, sein Vater ist aus Nigeria nach Deutschland gekommen, um sich zum Facharzt für Kinderchirurgie ausbilden zu lassen. Weil es so verabredet war, geht er nach kurzer Zeit nach Afrika zurück und gründet dort eine neue Familie. Erst zweiundzwanzig Jahre später meldet er sich wieder und bringt Unruhe in die Verhältnisse.
    Ijoma Mangold, heute einer unserer besten Literaturkritiker, erinnert sich an seine Kindheits- und Jugendjahre. Wie wuchs man als «Mischlingskind» und «Mulatte» in der Bundesrepublik auf? Wie geht man um mit einem abwesenden Vater? Wie verhalten sich Rasse und Klasse zueinander? Und womit fällt man in Deutschland mehr aus dem Rahmen, mit einer dunklen Haut oder mit einer Leidenschaft für Thomas Mann und Richard Wagner? Erzählend beantwortet Mangold diese Lebensfragen, hält er seine Geschichte und deren dramatische Wendungen fest, die Erlebnisse mit seiner deutschen und mit seiner afrikanischen Familie. Und nicht zuletzt seine überraschenden Erfahrungen mit sich selbst."

     
         
     
           
       

    Rezensionen

    Neu:
    GUTMAIR, Ulrich (2017): Zwei zu eins für Deutschland.
    Autobiografie: Keine Opfergeschichte: In seinem Buch "Das deutsche Krokodil" erzählt der Journalist Ijoma Mangold seinen Lebensroman über Fremdheit bei totaler Assimilation,
    in:
    TAZ v. 19.08.

    Geschichten von erfolgreichen sozialen Aufsteigern sind derzeit en Vogue. Nun reiht sich der Literaturchef des Wohlfühlblatts Die ZEIT scheinbar in diese Reihe ein:

    "In Deutschland spricht man ungern über Klassenfragen. Dass die Privilegierten es nicht tun, liegt in der Natur der Sache. Dass die weniger Privilegierten es nicht tun, mag damit zusammenhängen, dass die Idee der Volksgemeinschaft (...) erfunden wurde, um dem Sprechen über Klassen und Schichten das Vokabular zu entziehen",

    schwadroniert Ulrich GUTMAIR, nur um sich als braver Stichwortgeber hervorzutun. Denn in Deutschland - genauso wie in Frankreich - ist nicht Volksgemeinschaft, sondern Individualisierung der Gegenbegriff zur Klasse. Ein Begriff, der nicht zufällig mit dem Aufstieg des Neoliberalismus als Denkkonzept einher ging.

    "Es schärft den Blick, wenn man begreift, dass man über die Klasse die Rasse neutralisieren kann",

    darf Ijoma MANGOLD auf die Vorlage von GUTMAIER antworten. Hätte er Didier ERIBON vor sich gehabt, hätte die Antwort nach diesem Schema gelautet:

    "Es schärft den Blick, wenn man begreift, dass man über die Homosexualität die Klasse neutralisieren kann."

    Im Gegensatz zu ERIBON hat MANGOLD jedoch mit Klasse nichts am Hut: MANGOLD will kein "Opfer" sein, sondern wird deutscher als ein "Biodeutscher" wurde ("totale Assimilation"). Und das heißt in seinem Fall: Er verkörpert den Kulturkanon.

    Aber MANGOLD ist kein sozialer Aufsteiger: Seine Mutter war eine Psychotherapeutin, sein Vater ein Arzt, der nach seinem Medizinstudium in Deutschland nach Nigeria zurückgekehrt ist. MANGOLD ist ein Privilegierter, weswegen ihn Klassenfragen genauso wenig interessieren wie seine Mitschüler im humanistischen Gymnasium.

    "Ijoma ist bald selbst ganz oben angelangt (Bildung ist tatsächlich Macht)",

    behauptet GUTMAIR. Ist jemand, nur weil er eine andere Hautfarbe hat, unten? Oder ist er nicht vielmehr durch seine Herkunft privilegiert?

    "Wer aber hat im Dossenheim der Siebziger eine alleinerziehende Mutter",

    fragt GUTMAIR. Das wäre vielleicht in den 1950er oder 1960er Jahren noch etwas Außergewöhnliches gewesen, aber sicherlich nicht in den 1970er Jahren. So beschreibt die Studie Fräulein Mutter und ihr Bastard die Situation bis 1970, weil in den 1960ern sich das Bild von Alleinerziehenden durch den Wandel der Gesellschaft ändert. MANGOLD gehört zur Generation der Scheidungskinder und im Gymnasium waren die Verhältnisse in den 1980er Jahren andere als 20 Jahre zuvor. Anderssein oder wie es einmal hieß "Nonkonformismus" war Trend und nicht irgend ein Stigma - schon gar nicht im Akademikermilieu, dem MANGOLD entstammt. 

     
           
       

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    webmaster@single-generation.de Erstellt: 11. April 2005
    Update: 20. August 2017