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Ines Possemeyer: Der demografische Wandel und seine Auswirkungen

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1968 geboren
 
       
   
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    Ines Possemeyer in ihrer eigenen Schreibe

     
       
    GEO-Titelgeschichte: Einsamkeit.
    Was ist wichtig am Alleinsein? Was ist zerstörend am Alleinsein?

    POSSEMEYER, Ines (2002): Einsamkeit.
    Ein Gefühl der Verlassenheit, ein heilsamer Zustand des Massenwesens Mensch, eine Geißel der individualisierten Gesellschaft? Noch nie wurde von Wissenschaftlern so viel Aufwand getrieben, sich dem Menschheitsthema Einsamkeit zu nähern: Sie analysieren Verhalten und Immunfunktionen, sie messen Empfindungen und soziale Kontakte - und sie lassen in raffinierten Experimenten sogar Tiere einsam sein,
    in: Geo Nr.10, Oktober

    Singularisierung: Einsamkeit als Konsequenz frühkindlicher Bindungen?

    POSSEMEYER, Ines (2008): Demografie - Wie sich Europa erneuert.
    Die meisten Grenzen sind gefallen, Billigflieger verbinden alle Winkel des Kontinents - und Millionen Europäer haben sich auf den Weg gemacht, neue Chancen, ein besseres Leben zu suchen. Ein GEO-Team hat fünf Orte des demografischen Wandels bereist,
    in: Geo Nr.9,
    September

    Studie "Die demografische Zukunft von Europa"

    GEO-Titelgeschichte: Enkel + Großeltern.
    Einander nah wie nie zuvor

    POSSEMEYER, Ines (2009): Enkel + Großeltern.
    Familienkrise? Generationengraben? Mitnichten! Das Verhältnis zwischen Alt und Jung war noch nie so innig wie im 21. Jahrhundert. Weshalb das so ist, wir seit Kurzem näher untersucht. Ebenso die Frage wie Großeltern ihre Kindeskinder prägen - und umgekehrt, was die Enkel für das Leben der Alten bedeuten. Genauer gesagt, der "neuen" Alten,
    in: Geo Nr.2,
    Februar

    Neu:
    POSSEMEYER, Ines (2014): Die Rettung Japans ist weiblich.
    Falls es nicht schon zu spät ist. Die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Erde kämpft gegen den Bevölkerungsschwund. Mit teils merkwürdigen Methoden,
    in:
    Geo Nr.12, Dezember

    "Ich bin nach Japan gefahren, weil uns dieses Land ein Stück voraus ist. Schon seit zwei Jahrzehnten lebt es vor, was Europa gerade kennenlernt: Nullwachstum, Deflation, die mit Abstand höchste Staatsschuldenquote der Welt. Die Krise wird befeuert durch die Bevölkerungsentwicklung: Japan ist der »Ground Zero der Demografie«, so der Demografie-Experte Richard Jackson: Nirgendwo ist die Bevölkerung älter und schrumpft sie schneller. Setzt sich dieses »demografische Endspiel« ungebremst fort, wird Japan in den nächsten 50 Jahren fast ein Drittel seiner Einwohnerschaft verlieren. Auf jedes Baby kommt dann ein Hundertjähriger - die schon heute am schnellsten wachsende Altersgruppe",

    beschreibt Ines POSSEMEYER ihre Motivation. Man könnte das auch als ekelhaften Katastrophentourismus bezeichnen. Richard JACKSONs markige Rhetorik entspricht derjenigen von Herwig BIRG. Die zitierten Begriffe stammen aus dem Newsletter Japan’s Demographic End Game des Center for Strategic & International Studies (CSIS) vom 21. November 2013. Dort heißt es:

    "Thanks to its chronically low fertility rate, world-record life expectancy, and aversion to migrants, Japan is ground zero for global aging. The youngest of the developed countries as recently as the mid-1970s, Japan is now the oldest—and its age wave will continue to roll in for decades to come. By 2050, the proportion of Japanese who are 65 or older is on track to reach 39 percent, up from 23 percent in 2010 and only 9 percent in 1980, when Japan Inc. seemed poised to conquer the global economy. Meanwhile, Japan’s population, which is already contracting, will enter a precipitous decline, shrinking by over a half by the end of the century."

    Demografen überschätzen gewöhnlich den Einfluss von Bevölkerungsentwicklungen, während sie den gesellschaftlichen Wandel, der damit einhergeht unterschätzen. Im Jahr 2003 erschien der Report The Demographic Dilemma: Japan’s Aging Society. Darin spielte Paul S. HEWITT den JACKSON-Part, während, während John C. CAMPBELL und Chikako USUI den Einfluss der Politik und des sozialen Wandels hervorhoben.

    Für Deutschland hat Christian RADEMACHER gezeigt, dass es durchaus sinnvoll ist, nicht irgendwelchen weithergeholten Vorbildern nachzueifern, sondern jene Ressourcen zu nutzen, die von Gemeinde zu Gemeinde, von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich sind. Stattdessen werden Strategien verfolgt, die solche Unterschiede leugnen. Können wir von Japan lernen? Wenn überhaupt, dann nur, indem wir die Verschiedenheit von Deutschland und Japan berücksichtigen. POSSEMEYER entführt uns jedoch nicht in ein Land, das wir kennenlernen könnten, sondern man fühlt sich eher wie in einem zweiten Deutschland, das sich lediglich durch ein paar fremde Begriffe unterscheidet.

    "Für eigenständige Frauen wie die Praktikumsvermittlerin Atsuko Horie gibt es zu wenige potenzielle ikumen; anderen fehlt schlicht die Zeit fürs Dating. So geschieht das, was wir aus Europa kennen: Männer und Frauen heiraten immer später oder gar nicht mehr. Mit einem fundamentalen Unterschied: Bei uns funktionieren Familien längst auch ohne Trauschein, in Nordeuropa wird jedes zweite Kind »unehelich« geboren. Aber nicht in Japan. Keine Heirat heißt: keine Kinder.
    »In Europa sind veränderte Heiratszahlen Ausdruck einer veränderten Intimität, in Japan Zeichen eines kompletten Mangels«, so die Soziologin Emiko Ochiai. Die Hälfte aller Unverheirateten bis Mitte 30 sind Singles.
    Und ein Viertel hatte noch nie Sex",

    erklärt uns POSSEMEYER. Man wundert sich höchstens über die Naivität solcher Beschreibungen. Kennen wir nicht aus Deutschland die Debatte über die Akademikerin, die keinen Mann abbekommt? Hatte man nicht noch Anfang des Jahrtausends hierzulande die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen überschätzt, weil die Statistik aufgrund der Eheorientierung und dem Trend zur späten Elternschaft einem Fehlschluss unterlag?

    In der Debatte zum Aussterben der Deutschen gab es in den 1970er Jahren das Argument, dass es an zuviel Sex lag, während inzwischen zu wenig Sex schuld sein soll.

    In der Reportage werden zudem unterschiedliche Single-Begriffe verwendet. Singles sind demnach entweder Ledige oder Alleinlebende.

    "Japan hat heute eine der höchsten Single-Raten weltweit. In jedem dritten Haushalt lebt nur noch eine Person, in Tokio sogar in jedem zweiten. Die Zahl der allein lebenden Senioren hat sich hier in den letzten 30 Jahren versechsfacht, nirgendwo altert derzeit die Bevölkerung schneller als in der Metropole.
    In der Provinz ist dieser Prozess schon fast abgeschlossen",

    erläutert POSSEMEYER. Diese Single-Raten entsprechen den deutschen, während die von POSSEMEYER hochgelobten skandinavischen Staaten noch höhere Raten zu verzeichnen haben. Aufgrund der sog. Kriegerwitwen war die Zahl der alleinlebenden Frauen in Deutschland schon immer hoch und die deutschen Metropolen verjüngen sich derzeit eher als dass sie altern.

    Der Soziologe Akira OHNO hat gemäß POSSEMEYER für Japan den Begriff der "marginalen Dörfer" geprägt, die er folgendermaßen definiert:

    "Mehr als die Hälfte der Einwohner sind mindestens 65 Jahre alt, das Gemeinschaftsleben ist fast erloschen."

    2010 sollen 10.000 Orte in Japan dieser Definition entsprechen, wobei der Begriff des erloschenen Gemeinschaftsleben äußerst schwammig ist. Außerdem wird zwischen "alter" und "ultra-alter Gesellschaft" unterschieden:

    "Ein Viertel der Bevölkerung Japans ist heute schon älter als 65 Jahre.
    Damit ist diese Gesellschaft keine
    »alte« mehr, sondern weltweit die erste »ultra-alte«. Deutschland wird - an zweiter Stelle - im Jahr 2025 folgen, das kinderreichere Frankreich erst 2053."

    Warum gerade bei 25 % der Übergang stattfinden soll, das wird nicht erläutert. Solche Unterscheidungen haben wohl eher aufmerksamkeitsökonomische Bedeutung als dass sie etwas Substantielles über eine Gesellschaft aussagen. Geht man z.B. wie der Demograf Sergei SCHERBOV von einem dynamischen, statt von einem statischen Altersbegriff aus, dann sind solche  Unterscheidungen noch fragwürdiger.

    "Die Pflege der Alten, das war für die Regierung eine Aufgabe der »professionellen Hausfrau«. Jetzt bleibt dem Land kaum mehr als ein Jahrzehnt, sich auf das »2025-Problem« vorzubereiten: Dann werden die Babyboomer der Nachkriegsjahre 75 Jahre alt sein, jeder Vierte pflegebedürftig.
    Eine Lösung ist auch hier nicht in Sicht. Eine Million Pflegekräfte werden 2025 fehlen, mehr als in jedem anderen Industrieland."

    In Japan fand der Babyboom früher statt als in Deutschland und er war im Gegensatz zu Deutschland weit umfangreicher. Allein von daher ist ein einfacher Vergleich der Länder nicht sehr weiter führend.

    Während Deutschland zumindest in den alten Bundesländern von der Zuwanderung profitiert, entspricht der Ausländeranteil im Osten eher demjenigen von Japan.

    "Knapp die Hälfte aller Männer arbeitet bereits heute über das 65. Lebensjahr hinaus, Bauern sind im Schnitt 70. Und im Dorf Tokonabe packen in einem alten Lagerhaus Frauen an großen tischen frische Paprika ab, die jüngst ist 80, die älteste 89",

    beschreibt POSSEMEYER die Situation in Japan, die die Forderungen nach "lebenslanger Arbeit" schmackhaft machen sollen. Zum Schluss wird es dann noch nostalgisch: In den "ländlichen Ruinen" soll das neue Japan entstehen:

    "»Immer mehr Japaner sorgen sich um den Verlust ihrer Kultur«, beobachtet der britische Japanologe Peter Matanle. Er hofft, dass gerade die Rückbesinnung auf Traditionen und Natur möglich wird, ein besseres Leben jenseits von Leistungs- und Karrieredenken. Dafür hat er ein neues Wort erfunden: die Entvölkerungsdividende."

    Man wird sehen wie sich Japan tatsächlich weiterentwickelt.

     
       

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    © 2002-2016
    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 31. Mai 2016
    Update: 31. Mai 2016