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Michael Nast: Generation Beziehungsunfähig

 
       
   
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    Michael Nast in seiner eigenen Schreibe

     
           
       

    NAST, Michael (2015): Generation Beziehungsunfähig.
    Über Liebe und Beruf der Generation Y,
    in: Berliner Zeitung Online
    v. 26.06.

     
           
       

    Michael Nast: Gespräche und Porträts

     
           
       
    WELT AM SONNTAG-Titelgeschichte: Reparatur am gebrochenen Herzen.
    Wir wünschen uns lange Beziehungen - und scheitern doch oft. Dabei ist es gar nicht so schwer durchzuhalten

    ERDMANN, Nicole (2016): Der ratlose Ratgeber.
    Der Autor Michael Nast feierte mit einem Text über die beziehungsunfähigen, selbstbezogenen jungen Erwachsenen große Erfolge. Jetzt folgt das Buch. Über Menschen wie ihn. Eine Begegnung,
    in:
    Welt am Sonntag v. 14.02.

    PAUER, Nina (2016): Zu viel Sex?
    Was treibt Tausende junger Frauen zu diesem Mann? Eine Begegnung mit Michael Nast, dem Autor von "Generation Beziehungsunfähig",
    in: Die ZEIT Nr.9 v. 18.02.

    REINHARD, Claudia (2016): "Ich habe das ja nicht studiert oder so".
    Der Autor Michael Nast zeichnet das Porträt von Egozentrikern, die alles, was sie tun, zum Statement machen. Ratschläge will er der "Generation Beziehungsunfähig" aber nicht geben,
    in: Frankfurter Rundschau v. 18.03.

     
           
       

    Generation Beziehungsunfähig (2015)
    Edel Verlag

     
       
         
     

    Klappentext

    "Michael Nast steht schon jetzt für ein Lebensgefühl. Der gebürtige Berliner berührt und bewegt mit seinen Kolumnen im Internet bereits Millionen von Lesern. Seine Texte werden geteilt und geliked, seine Lesungen sind regelmäßig ausverkauft. In seinem neuen Buch »Generation Beziehungsunfähig« bringt Nast die Dinge auf den Punkt und beschreibt unvergleichlich charmant die Stimmung seiner Generation: Weshalb wir uns gegenseitig als beziehungsunfähig bezeichnen, wie tinder unsere Partnersuche verändert und warum wir uns immer wieder selbst in den Mittelpunkt stellen, ohne Rücksicht auf Verluste. »Generation Beziehungsunfähig« hält uns einen Spiegel vor. Ganz ohne Bewertung ermutigt das Buch uns chronische Selbstoptimierer und Perfektionisten dazu, unseren eigenen Lebensentwurf zu hinterfragen. Ein augenöffnendes wie anregendes Buch, das sich liest wie ein Gespräch mit dem besten Freund."

     
         
     
           
       

    Das Buch in der Debatte

    GERSTLAUER, Anne-Kathrin (2016): Oh mein Gott, ich krieg keinen ab.
    Beziehungen: Wir sind alle so beziehungsunfähig, weint ihr. Entspannt euch. In welchem Jahrhundert lebe ich, dass ich mich dafür rechtfertigen muss, wenn ich gerade alleine bin?
    in: ZEIT Online v. 15.02.

    WELT AM SONNTAG - Titelgeschichte: Warum Perfektion die Beziehung ruiniert.
    Alle sehnen sich nach einer stabilen Partnerschaft. Doch immer weniger Menschen gelingt das. Schuld ist der fatale Trend zur Selbstoptimierung

    JIMENÉZ, Fanny (2016): Bedingt beziehungsfähig.
    Eine ganze Generation sehnt sich heute nach einer engen, stabilen Bindung. Aber den meisten fällt es schwer sich auf einen Partner einzulassen. Denn der muss das eigene Ich beflügeln, zunehmend perfekt sein und ins Lebenskonzept passen. Ist die Liebe noch zu retten?
    in:
    Welt am Sonntag v. 03.04.

    Fanny JIMENÉZ versucht den Erfolg des Buches Generation beziehungsunfähig von Michael NAST zu erklären, das insbesondere die Sicht der Frauen widerspiegelt. Ausgehend von der küchenpsychologischen Sicht des Autors und der Projektionen der Leserschaft:

    "Extrem viele Leute halten sich oder ihr Umfeld für beziehungsunfähig"

    vertritt der Artikel die zeitgeistige These vom Optimierungswahn, die inzwischen in den Medien die Individualisierungsthese als Hauptperspektive verdrängt hat.

    JIMENÉZ stellt die Sicht des Persönlichkeitspsychologen Franz NEYER dar, der das Etikett "Single-Gesellschaft" ablehnt und stattdessen das Single-Dasein lediglich als Lebensphase, aber nicht als dauerhaften Lebensstil betrachtet. Die Bindungstheorie, die auf den Kinderpsychiater John BOWLBY zurückgeht, wird anhand einer simplen Vierfelder-Typologie der Bindungsstile von Kim BARTHOLOMEW & Leonard M. HOROWITZ vorgestellt. Dieser Ansatz geht von der grundsätzlichen Bindungsfähigkeit aus, weshalb die Schlagzeile des Artikels Bedingt beziehungsfähig statt beziehungsunfähig lautet. Erst schlechte Erfahrungen in der Kindheit (z.B. durch einen falschen Erziehungstil) führen zu Abweichungen vom ideal angesehenen sicheren Bindungsstil. Küchenpsychologisch wird der Begriff beziehungsunfähig gerne als Synonym für Narzissmus oder Angst vor Nähe gebraucht. Im Schaubild der Vierfelder-Typologie würde das dem abweisenden bzw. ängstlichen Bindungsstil entsprechen.

    Mit Hinweis auf die Psychoanalytikerin Benigna GERISCH wird ein gesellschaftlicher Wandel beschrieben, wonach das trostlose Geliebtendasein in unserer Scheidungsgesellschaft vom depressiven Mann abgelöst wurde, den man sich als typische HOUELLEBECQsche  Romanfigur vorstellen kann: ausgetauscht durch einen reicheren und schöneren Mann in der Winner-takes-it-all-Gesellschaft.

    Zuletzt kommt die soziologische Dimension hinzu. Mit Vera KING, die zusammen mit GERISCH und Hartmut ROSA das dieses Jahr auslaufende Forschungsprojekt Aporien der Perfektionierung in der beschleunigten Moderne. Gegenwärtiger kultureller Wandel von Selbstentwürfen, Beziehungsgestaltungen und Körperpraktiken leitet, stellt JIMENÉZ den Zusammenhang zwischen Biografie und gesellschaftlicher Umwelt her:

    "Anpassungsbereit bis zu Erschöpfung sind (...) jene, die schon immer mit angelnder Anerkennung zu kämpfen hatten oder die schon als Kind die Erfahrung gemacht haben, immer gut funktionieren zu müssen."

    wird die Soziologin zitiert. Die Soziologin Cornelia KOPPETSCH differenziert dagegen in ihrem Buch Die Wiederkehr der Konformität diese allzu simple Sichtweise, die lediglich entwicklungspsychologische und modernitätstheoretische Aspekte abbildet. Optimierungswahn bzw. besser: der Optimierungszwang betrifft nicht die gesamte Gesellschaft im gleichen Ausmaß, sondern insbesondere das moderne Kleinbürgertum ("digitale Boheme", Kreative usw.), das sich im Gegensatz zur oberen Mittelschicht nicht auf ein Erbe verlassen kann, sich aber im Gegensatz zur abstiegsgefährdeten, unteren Mittelschicht noch Aufstiegschancen verspricht.

    Auch das böse Internet darf bei einem Print-Medium nicht fehlen. Das Internet, dem schon Sven HILLENKAMP unterstellt hat, das Ende der Liebe zu befördern, kommt auch im psychologischen Investment-Modell von Caryl RUSBULT schlecht weg, weil es die Verbindlichkeit von Partnerschaften untergräbt. Diese Sichtweise vernachlässigt jedoch z.B. gesellschaftliche Mobilitätszwänge, die bereits die Gründung eines gemeinsamen Haushalts (Investition!) erschweren. Dieses Problem besteht insbesondere in strukturschwachen Gebieten bzw. bei Beschäftigten in - modernitätstheoretisch gesprochen - rückständigen Branchen oder im modernen Dienstleistungsproletariat.

    Sind diese Ausblendungen vielleicht der Tatsache geschuldet, dass die WamS-Leserschaft bzw. Zielgruppe das moderne Kleinbürgertum ist?

    HERTREITER, Laura (2016): Der Singlechecker.
    Michael Nast wird für sein Buch "Generation Beziehungsunfähig" gefeiert. Aber steht es bei den Thirtysomethings wirklich so schlecht um die Liebe?
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 23.04.

    Laura HERTREITER war auf einer Lesung von Michael NAST und will uns  - wie schon Fanny JIMENÉZ - den Erfolg des Buches und der Diagnose "beziehungsunfähig" erklären.

    Im Gegensatz zu JIMENÉZ hält sich HERTREITER erst gar nicht mit den unterschiedlichen Bindungsstilen auf, sondern zitiert eine Expertin, die den Anteil des unsicheren Bindungsstils mit 30 - 40 Prozent angibt. Dieser Anteil sei sogar konstant. Da es diese psychologische Bindungstheorie aber noch gar nicht so lange gibt, lässt sich das weder empirisch nachweisen noch widerlegen.

    Kürzlich muss man bei HERTREITER mit "vor einem dreiviertel Jahr" übersetzen, denn damals schrieb im konservativen FAZ-Blog eine 29-Jährige über ihre Liebesblödigkeit und weil das einsam machen würde, projiziert sie dies auf die - gerade zeitgeistmäßig angesagte - Generation Y. 20 Millionen Egoisten seien sie und natürlich Single:

    "Sagen wir mal, jeder Dritte ist Single. Singles in Deutschland sind schwer zu zählen, auch wenn es da immer mal wieder Versuche gibt. Aber wie wollen wir auch etwas zählen, das sich permanent verändert? Wie wollen wir »Beziehungen« zählen, wenn das Wort bei Millionen Menschen Brechreiz auslöst? Aber ein Drittel kann gut sein, weil etwa jeder dritte Haushalt ein Singlehaushalt ist. Darin leben dann die Menschen in Pendlerbeziehungen, ihnen gegenüber stehen die Wohngemeinschaften; sagen wir also: ein Drittel der Deutschen ist Single. Im Zensus-Atlas können Sie sich das anschauen: Unsere Großstädte sind das Ödland der Einsamkeit."

    Abgesehen davon, dass deutsche Journalisten beim Lesen von Statistiken oftmals zum funktionalen Analphabeten werden, hätte ein kurzer Blick in die verlinkte Pressemeldung des Statistischen Bundesamtes genügt, um dort zu lesen, dass lediglich 17,1 % der Bevölkerung allein leben. Und warum stehen sich Pendlerbeziehungen und Wohngemeinschaften in Singlehaushalten gegenüber? Eine WG mit 7 Personen wird meistens als 7 Singlehaushalte gezählt - im Gegensatz zur Kommune der 68er, bei der alle zusammen wirtschaften. Mit Pendlerbeziehungen sind offenbar Paare ohne gemeinsamen Haushalt gemeint. Die Autorin zählt also offenbar Überschätzung (Pendlerbeziehung) und Unterschätzung (WGs) von Partnerlosigkeit zusammen, um ein Drittel (17 % der Bevölkerung) als glaubwürdig zu halten. Diese Schätzung ist jedoch in doppelter Hinsicht falsch, denn erstens werden WGs mit 7 Personen eben nicht wie von der Autorin angenommen als ein Singlehaushalt gezählt) und zweitens sind WGs wesentlich seltener als Paare ohne gemeinsamen Haushalt. Vergessen wird dagegen von der Autorin, dass z.B. alleinerziehende Partnerlose NICHT als Singlehaushalte gezählt werden.

    Wie wir Beziehungen zählen könnten? Dazu wären lediglich Längsschnitt- statt Querschnittsdaten erforderlich. Aber selbst dann werden meist nur Lebensformen statt die Dauer von Beziehungen erforscht, denn eine Person kann eine Beziehung mit ein und derselben Person haben, obwohl sie erst bei den Eltern wohnt (Nesthocker), dann im Singlehaushalt lebt (Paar ohne gemeinsamen Haushalt), dann eine zeitlang zusammen lebt und danach wieder im Singlehaushalt, weil der Beruf keinen gemeinsamen Haushalt zulässt usw. usf.

    Fazit: Unsere Statistiken unterschätzen aufgrund der zugenommenen Mobilität die Dauer von Beziehungen.

    Zum Schluss führt HERTREITER die Diagnose "beziehungsunfähig" auf die Bequemlichkeit der Generation Y zurück, denn:

    "Der Einzelne ist nicht verantwortlich, Beziehungsunfähigkeit ist ein Fehler im System, schuld sind die Datingportale, das Internet, der Kapitalismus. Oder die Politik."

    Diese Diagnose steht jedoch im Widerspruch zur weiter oben vorgestellten psychologischen Theorie der Bindungsstile als Persönlichkeitsmerkmal. Ist also nun Beziehungsunfähigkeit ein neuer soziologischer Begriff? Dann wissen die Soziologen bislang noch nichts davon!

    Neu:
    CLAUß, Anna/NEZIK, Anne-Kathrin/OLBRISCH, Miriam (2016): Die Sehnsuchenden.
    Liebe: Die Partnerlosigkeit in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht. Viele Singles fühlen sich beziehungsunfähig, doch ihr Problem ist die übergroße Auswahl - und ihr Selbstmitleid. Echten Grund zur Sorge hat nur eine Gruppe: Frauen ab Mitte Dreißig,
    in:
    Spiegel Nr.43 v. 22.10.

    Einen stümperhaften Artikel haben CLAUß/NEZIK/OLBRISCH da zusammengebastelt. Fakten ist nicht das Ding dieser Autorinnen:

    "Die neuesten Zahlen zur Partnerlosigkeit in Deutschland zeigen (...): In der Gruppe der 25- bis 35-Jährigen hat sie einen neuen Höchststand erreicht. (...)
    Nach Auswertungen des Heidelberger Soziologen Jan Eckhard ist die Zahl der Singles in den vergangenen 20 Jahren um 50 Prozent gestiegen. Waren 1993 noch 23 Prozent der Deutschen ohne festen Partner, gaben 2014 35 Prozent der Befragten an, in keiner festen Beziehung zu leben."

    Wollen die Autorinnen hier die Gruppe der 25- bis 35-Jährigen beschreiben oder Deutsche? Welche Deutschen wurden überhaupt befragt? Und wie ist Partnerlosigkeit definiert? Nichts davon lesen wir, stattdessen ein Schaubild, das fälschlicherweise mit "Solo" betitelt ist. In Wahrheit stellt es jedoch lediglich den Anstieg der Alleinstehenden (Einpersonenhaushalt als Hauptwohnsitz) dar - was mit Partnerlosigkeit wenig, mit Paaren ohne gemeinsamem Haushalt jedoch viel zu tun hat.

    Dass ein Titel wie Generation Beziehungsunfähig von Michael NAST 11 Wochen lang auf der Spiegel-Bestseller-Liste stand, soll von uns als Qualitätsmerkmal gelesen werden. Es bedeutet jedoch eher, dass es gut geeignet für Small Talk ist - mit der Realität in Deutschland hat das eher wenig zu tun.

    "Es klingt wie ein Satz aus Michael Nasts Kolumnensammlung".

    Möglicherweise deshalb, weil die Kolumnensammlung das Auswahlkriterium für die vorgestellten Singles war?

    Fazit: Fakten? Außer den zitierten, die keinen Aufschluss über Partnerlosigkeit in Deutschland geben: Keine! Stattdessen werden uns Singles präsentiert, die den Klischees entsprechen, die seit Ende der 1990er Jahre über Singles in den Mainstreammedien gepflegt werden.

     
           
       

    Michael Nast im WWW

    www.michaelnast.com

     
           
       

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    © 2002-2017
    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 06. März 2016
    Update: 01. Januar 2017