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Richard Kämmerlings: Das kurze Glück der Gegenwart

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1969 in Krefeld geboren
    • Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie
    • Literaturkritiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
    • 2011 Buch "Das kurze Glück der Gegenwart"
 
       
   
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    Richard Kämmerlings in seiner eigenen Schreibe

     
       

    KÄMMERLINGS, Richard (1998): Die gesellige Masse,
    in:
    Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.10.

    Jutta Kern - Singles

    KÄMMERLINGS, Richard (2000): Lustverlustanzeige.
    Bloß keine Experimente!,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 6.11.

    Gunter Schmidt - Kinder der sexuellen Revolution

    KÄMMERLINGS, Richard (2001): Die Geister des Feedback.
    Tiefstsinn in Höchstform: Die Band "Blumfeld" stellt live ihr neues Album vor,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.05.

    Blumfeld - Testament der Angst

    KÄMMERLINGS, Richard (2002): Im Schrebergarten der Lüste.
    Ein Camus für unsere Zeit? Michel Houellebecqs neuer Roman "Plattform",
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.02.

    Michel Houellebecq - Plattform

    KÄMMERLINGS, Richard (2003): Deutsche Meister: "Kettcar".
    Traumtore mit letzter Kraft,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.01.

    Richard KÄMMERLINGS hat sich dem Popjahr 2002 gewidmet. U. a. feiert er das gelungene Comeback von Peter HEINs Fehlfarben:

    "Ihnen gebührt die Palme für den markantesten Plattentitel der Saison: »Knietief im Dispo« ist in unseren depressiven Zeiten schon zum geflügelten Wort geworden. Wenn auch ihre deutschrockende Musik das Irritationsniveau der Texte nicht halten kann, ist es Hein durch eine List der Vernunft noch einmal gelungen, seine persönliche Befindlichkeit mit der geistigen Situation einer Zeit zu synchronisieren, die sich im »Club der schönen Mütter« vergnügt, während die sozialen Sicherungssysteme einstürzenden Altbauten gleichen".

    Wessen Geistes Kind die Gruppe Kettcar ist, das kann sich nun jeder selbst denken...

    KÄMMERLINGS, Richard (2003): Der Diskurs tanzt.
    Volle Speicher: Moritz Baßlers Pop-Literaturwissenschaft,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.01.

    KÄMMERLINGS versucht STUCKRAD-BARREs hymnische Rezension der neuen CD von Herbert GRÖNEMEYER im Spiegel mit dem popkulturellen Avantgarde-Selbstverständnis in Tristesse Royale anhand von Moritz BAßLERs Theorie über den deutschen Pop-Roman zu erklären und ist damit mitten in einer Rezension zu BAßLERs Buch Der deutsche Pop-Roman.

    KÄMMERLINGS, Richard (2003): Halbe Hemden, frisch gestärkt.
    Mit offener Brust dem Stier entgegen: Maxim Billers neuer Roman "Esra" packt die Liebe bei den Hörnern,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.03.

    "Billers düsteres, schmerzhaftes, doch radikal aufrichtiges Buch Esra zeigt unsere Gegenwart mit ihren Viertelbeziehungen und Halbfamilien als erlösungsbedürftige Welt, in der die Liebe manchmal aus dem jenseits kommt und allzuoft dahin zurückkehrt", lobt KÄMMERLINGS.

    KÄMMERLINGS, Richard (2003): Vom Ruhr- ins Bleistiftgebiet.
    Mahlzeit: Henrik Hieronimus erzählt Stories aus der Produktion,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.10.

    "Wenn man will, ist das Arbeiterliteratur, alte Schule, old economy sozusagen, doch ohne jede ideelle Überformung", erklärt Richard KÄMMERLINGS.

    Henrik Hieronimus - Morgens an irgendeinem Tag

    KÄMMERLINGS, Richard (2003): Das leichte Spiel ist immer das schwerste.
    Lehrjahre des Gefühls sind keine Herrenjahre: Wie Marcus Braun und Garrison Keillor in der Provinz das Erzählen entdecken,
    in: Literaturbeilage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung v. 04.11.

    Richard KÄMMERLINGS sieht in der Wiederentdeckung der Provinz ein neu erwachtes Interesse an der Herkunft wirken:

    "Daß wir aus alle aus der Provinz kommen, ist die These eines Sachbuchs von Kolja Mensing, mit dem Titel »Wie komme ich hier raus?«, das im vergangenen Jahr erschien. Wobei die Frage natürlich falsch gestellt war: Eigentlich will man wissen, warum man immer wieder zurückkehrt (...). Und natürlich auch, warum man immer wieder davon lesen will. Erfahrungen und Wissen kann man überall und in allen Lebensaltern anhäufen. Im Leben und in der Literatur aber bleibt die Provinz stets die Erziehungsanstalt des Herzens."

    Der Sichtweise vom Ende der Spaßgesellschaft erteilt KÄMMERLINGS eine Absage:

    "Wer nach dem 11. September oder dem Zusammenbruch der New Economy oder einer längeren Schlechtwetterperiode bereits postwendend statt Pop eine neue Ernsthaftigkeit in die Gegenwartsliteratur einziehen sah, der überschätzte nicht nur die Reaktionsschnelligkeit des Mediums, sondern erlag auch einem Kategorienfehler. Der Erfahrungsraum der Literatur reicht viel tiefer in die Herkunft zurück, zu der die neue Provinzliteratur der letzten Jahre auch ein ambivalenteres Verhältnis hat als die klassische (Anti-)Heimatliteratur aus Österreich oder der Schweiz. »Stadt Land Fluß« von Christoph Peters war ein frühes Beispiel, es folgten Autoren wie David Wagner, Tobias Hüwitt oder Andreas Maier - kaum zufällig ausschließlich Westdeutsche. Autoren aus dem Osten, der als Ganzes Inbegriff verödeter Provinz war und wieder zu werden droht, richten den Blick auf Berlin oder gleich auf New York.
    Wer wie der Germanist
    Moritz Baßler Pop-Literatur als Archiv einer generationenspezifischen Erfahrungswelt definiert (...), wird sich vor ihrer Verabschiedung aus rein spaßkonjunkturellen Gründen hüten. Eher dürfte der Hang zum Außergewöhnlichen, Aristokratischen, Weltläufig-Urbanen vorbei sein".

    KÄMMERLINGS, Richard (2003): Bin ich das Sozialamt?
    Beim Berliner "Open Mike" triumphiert eine Literatur der Kälte,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.11.

    KÄMMERLINGS ist begeistert von Kirsten FUCHS' Vortrag beim "Open Mike"-Wettlesen:

    "Kirsten Fuchs (...) las einen kleinen (...) Ausschnitt aus dem Leben ihrer beiden Hauptfiguren, eines Sachbearbeiters des Sozialamts und einer von ihm betreuten Antragsstellerin. Hausbesuche, hastiger Sex, Einsamkeit allein und dann Einsamkeit zu zweit. Mehr geschieht hier nicht".

    Einsamkeit - Single-Haushalte und die Fröste der Freiheit

    KÄMMERLINGS, Richard (2004): Mensch!
    Extreme Schreibakte: Michael Lentz vereint die Gegensätze,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.01.

    Richard KÄMMERLINGS lobt Michael LENTZ, der wiederum Herbert GRÖNEMEYER lobt. In seinem Roman Liebeserklärung hat z.B. der Erzähler ständig die CD "Mensch" auf dem Walkman.  GRÖNEMEYER ist für LENTZ eine Art Andreas GRYPHIUS der Popmusik. Bei ihm zeige sich eine

    "Wiederkehr der Aura im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit des Kunstwerks".

    Richard KÄMMERLINGS stellt LENTZ als Ausnahmeerscheinung im deutschen Literaturbetrieb dar:

    "Der zeitgenössische deutsche Autor hat sich (...) gemeinhin in zwei Teile gespalten, in den Kopf und den Bauch, das Über- und das Unter-Ich: Da sind dann einerseits gelehrte Poeten wie Handke, Strauß, unter den Jüngeren Georg Klein, Hettche oder Grünbein. Und auf der anderen Seite die theoriefeindliche, bodenständige Gegenbewegung, verkörpert von neuen Realisten der »78er« der Popfraktion (Ausnahme Rainald Goetz!) oder der stets volks- und tresennahen Lesebühnenszene. Lentz paßt da nicht hinein."

    KÄMMERLINGS, Richard (2004): Was zählt, ist auf dem Blatt.
    Unter Wert verkauft: Der 28. Klagenfurter Bachmann-Preis,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.06.

    Richard KÄMMERLINGS vermisste zwar eine Grundsatzdebatte über das, was Literatur heute sein sollte, kritisierte also vorwiegend die Jury, war aber ansonsten ganz zufrieden.

    "Die Jury ließ sich begeistern. Etwa gleich am ersten Morgen, bei der short story von Wolfgang Herrndorf, die kühl von einer höchst unwahrscheinlichen Annäherung eines bindungsunfähigen, depressiven Mannes und eines pubertierenden Jungen erzählte, in dessen Träumen vom Kosmonautenleben der Ältere die eigenen, im täglichen Daseinskampf längst versickerten Sehnsüchte erkennt. Mit kunstvoll verknappten Dialogen wurde hier eine Romantik im Endstadium heraufbeschworen, Caspar David Friedrichs Mond als trübes Restleuchten im trostlos-schwarzen Hinterhof der Gegenwart",

    beschreibt KÄMMERLINGS ausführlich die Story von HERRNDORF.

    KÄMMERLINGS, Richard (2005): Sag beim Abschied leise Servolenkung.
    Der Verrat des Fußballers Calle Del'Haye: Die Hamburger Band "Kettcar" hat der Sonnenseite des Lebens die längste Zeit nachgetrauert,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.03.

    Kettcar - "Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen"

    KÄMMERLINGS, Richard (2005): Sei du selbst, ganz wie Vati.
    Rainer Merkel legt die achtziger Jahre auf die Couch,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.03.

    Richard KÄMMERLINGS sieht in Rainer MERKELs Erzählung Das Gefühl am Morgen eine neue Zugangsweise zu den Achtziger Jahren:

    "Die beiden größten Bucherfolge über jene Jahre - Florian Illies' »Generation Golf« und Sven Regeners »Herr Lehmann«-Romane - waren in ihrer ironisch-anekdotischen Kirchturmperspektive nur eine intelligentere Art der Arbeit am Mythos.
            
    In Rainer Merkels neuer Erzählung, die irgendwann in den endlosen späten Achtzigern in West-Berlin spielt, kommt kein Popsong vor, kein Werbeslogan und keine Fernsehserie. Datieren kann man die Geschichte einzig an den Katastrophen. »Wußtest du das? Tschernobyl heißt übersetzt Schwarzes Gras«. Als Lukas dies zu seiner Freundin Laura sagt, hat sich der private Super-Gau bereits ereignet: Laura erwartet ein Kind (...). Das Paar, das sich gerade erst im Studentenwohnheim kennengelernt hat, ist mit dem Entscheidungszwang überfordert. Die verdrängte Unbestimmtheit ihrer Beziehung tritt zutage".

    KÄMMERLINGS macht darauf aufmerksam, dass in MERKELs Büchern eine liberale Herrschaftstechnik entlarvt wird, die sich als "tabubrechende Offenheit drapiert". Daraus ergibt sich dann eine subtile Komik, die ihn an Wilhelm GENAZINO erinnert.

    KÄMMERLINGS, Richard (2005): Eisvögel der Revolution.
    Die Zeichen stehen auf Sturm: Über die neue Lust am Aufstand,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.05.

    Die alte Lust am Aufstand ist offensichtlich verflogen. Man kann ja kaum noch glauben, dass die FAZ einmal so etwas wie das Revolutionsorgan des Neuen Deutschland sein wollte. Bürger auf die Barrikaden! schrie uns der Beamte auf Lebenszeit Arnulf BARING zu. Geblieben ist uns jedoch eine Medien-APO. Davon will Richard KÄMMERLINGS nun nichts mehr wissen. Dabei könnte man eine Linie von BARING zu Uwe TELLKAMPs Roman Der Eisvogel ziehen. KÄMMERLINGS beginnt dagegen beim Göttinger Politikwissenschaftler Franz WALTER, der in den blockierten Gegeneliten, also den arbeitslosen Akademikern, ein Revolutionspotential erblickt hat. Diese sitzen offenbar in überfüllten Frankfurter Hörsälen und hören Robert MENASSE und seinem Plädoyer für die Gewalt zu. Der Terror des 11. September wird in dieser Sicht zur Notbremse im rasenden Globalisierungszug. Die Revolutionsmusik dazu spielen dann Wir sind Helden und kettcar, also die Protagonisten einer neuen Niedlichkeit. Neben Uwe TELLKAMPs Der Eisvogel und MENASSEs Plädoyer der Gewalt präsentiert uns KÄMMERLINGS einen dritten Propheten des Aufstands: den französischen Globalisierungsgegner Camille de TOLEDO, dessen Buch Archimondain Superpunk im Sommer unter dem Titel Goodbye Tristesse erscheint:

    "Das Buch (...) zeichnet das Porträt einer Generation, die nach dem Fall der Mauer in eine alternativlose und antiutopische Welt hineinwuchs".

    Gemäß KÄMMERLINGS leben wir aber nicht in vorrevolutionären Zeiten, wie diese Propheten des Aufstands glauben, sondern in nachrevolutionären Zeiten. KÄMMERLINGS bietet uns dazu auch eine These an: Die gegenwärtige, inhaltsleere Revolutionssehnsucht ist die Konsequenz des Zusammenbruchs der New Economy mitsamt den dazugehörigen Heilserwartungen, die "Technikpropheten wie Norbert Bolz, Friedrich Kittler, Florian Rötzer" geliefert haben. Rebellen ohne Markt, was kann schlimmer sein? KÄMMERLINGS sieht allein im Zweifel die angemessene revolutionäre Haltung unserer Zeit.

    KÄMMERLINGS, Richard (2005): Popweltlich.
    Deutsche Szene: Diederichsen liest in Köln,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.12.

    Richard KÄMMERLINGS war bei einer Lesung von Diedrich DIEDERICHSEN. Wenn sein Bericht aus erster Hand ist, dann hat er sich nach seiner eigenen Ordnung des Cool völlig uncool verhalten, aber da Spießer mittlerweile cool sind (zitty), liegt er damit voll im Trend. KÄMMERLINGS erzählt nochmals dass Sexbeat den Ruhm von DIEDERICHSEN begründet hat und dass Ulf POSCHARDT eine Debatte um den Neokonservatismus angezettelt hat. Er weist darauf hin, dass POSCHARDTs Kritik auf ideologischen Prämissen beruht. Zudem zeigt er auf, dass DIEDERICHSEN gar nicht mehr dort ist, wo POSCHARDT ihn treffen möchte:

    POSCHARDTs "Argumentation beruht auf der selbst ideologischen Prämisse, Pop sei irgendwie Widerstand - und sei es gegen linke Lufthoheit.

    Diederichsen selbst jedoch glaubt längst nicht mehr an die alten Lesbarkeit der Pop-Welt:

    "Zur Markierung einer politischen Position reicht es nicht aus, sich zu einer bestimmten Musikrichtung zu bekennen."

    KÄMMERLINGS vermutet, dass DIEDERICHSEN nun ins Lager der Sophisten übergelaufen ist:

    "Bezeichnenderweise las Diederichsen nicht über die Mainstream-Musik (...), sondern fast nur über kaum goutierbare Grenzformen: (...). Im undefinierten Krach eines Werks namens »Anode I« drängte sich der Verdacht auf: Diederichsen ist längst ins Lager der Ironiker übergelaufen, der Sophisten, die alles zur Offenbarung erheben - oder der Lächerlichkeit preisgeben können."

    Eine andere Erklärung liefern Joseph HEATH & Andrew POTTER in ihrem Buch "Konsumrebellen":

    "Der Rebell hat (...) zwei Möglichkeiten: Er kann sich in das Unvermeidliche fügen und in der Masse aufgehen, oder er kann einen neuen, noch ausgefalleneren Stil finden, einen Stil, der noch nicht so viele Nachahmer gefunden hat, so dass er weiterhin zur Unterscheidung taugt. Was er letztendlich sucht, ist die unvereinnahmbare Subkultur."

    Demnach hätte DIEDERICHSEN gar nicht das Lager gewechselt, sondern nur neu definiert, was dernier cri ist in seinem Lager.

    KÄMMERLINGS, Richard (2006): Was ist aus dem Deutsch-Pop geworden?
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.04.

    Richard KÄMMERLINGS kann - im Gegensatz zu Dirk PEITZ - dem neuen Sterne-Album Räuber und Gedärm nichts abgewinnen und auch das neue Album Verbotene Früchte von Blumfeld findet er nur biedermeierlich. Seine ganze Hoffnung setzt er dagegen auf den Sänger Peter LICHT:

    "Der Sänger Peter Licht, der 2000 mit seinem Elektro-Pop-Hit »Sonnendeck« schon ein prägnantes Stichwort zur geistigen Situation unserer Zeit lieferte, hat gerade das Büchlein »Wir werden siegen« veröffentlicht; seine ebenfalls in Kürze erscheinende neue Platte versammelt »Lieder vom Ende des Kapitalismus«. Wenn er dort nostalgisch an die Zeiten erinnert, als wir »unsere Dinge übers Geld regelten«, und dem Kapitalismus, »dem alten Schlawiner«, ein fröhliches Grablied singt (»Vorbei, vorhorbei, jetzt isser endlich vorbei«), kann man das ironisch finden oder schlicht albern - es wirkt jedenfalls verblüffender und frischer als vieles andere. Vielleicht kommt sie doch wieder langsam in Gang, die große Wir-Maschine namens Pop."

    KÄMMERLINGS, Richard (2007): Der Rechtsstreit um Billers "Esra".
    Kann Dichtung dem Leben schaden?
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.01.

    Maxim Biller - Esra

    KÄMMERLINGS, Richard (2007): Blut ist schicker als Wasser.
    Die Zukunft der Familie: Warum die Schriftstellergeneration "U 30" der Verwandtschaft nicht entkommt,
    in: Literaturbeilage der Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.03.

    KÄMMERLINGS, Richard (2008): Am Tellerrand gescheitert,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 30.01.

    KÄMMERLINGS, Richard (2009): Der Schleier über den letzten Dingen.
    Krankheit als Metapher? Auch die neue Saison bringt Bücher über Krebs und Tod. Aber vom Sterben will nicht jeder in allen intimen Einzelheiten hören: Warum wir keine Krebsliteratur mehr lesen wollen,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
    v. 13.08.

    Richard KÄMMERLINGS über "Krebsliteratur" von Susan SONTAG ("Krankheit als Metapher") über Fritz ZORN ("Mars") bis zu den Neuerscheinungen dieser Saison, wie z.B. das Buch Der Tod meiner Mutter von Georg DIEZ.

    KÄMMERLINGS, Richard (2010): Blühe, deutsches Faserland.
    Wo bleibt die Great German Novel? Oder: Wie ich einem Amerikaner unser Land durch seine Literatur erklären würde,
    in: Welt v. 01.10.

    KÄMMERLINGS, Richard (2011): Was der Erfolg von Kinderhasser-Büchern verrät.
    In den 90er-Jahren war Elternschaft exotisch. In der Von-der-Leyen-Ära entkommen ihr nicht mal Kinderlose. Es herrscht Elternzeit für alle,
    in: Welt Online v. 21.06.

    Im Rückblick erscheinen die 1990er Jahre als das Jahrzehnt, in dem die Medien das Kinderthema entdeckten. In den 1990er Jahren dagegen klang das alles ganz anders, da schwadronierten Lifestyle-Soziologen über die Single-Gesellschaft. Es gab jedoch nie eine Single-Gesellschaft, aber diese Beschreibungsfolie entsprach dem Selbststilisierungswunsch einer - insbesondere - weiblichen Medienelite. Generation Ally brachte das 2002 auf den Punkt. Ein Jahrzehnt später ist dieser Traum ausgeträumt, wovon Echtleben handelt.

    2005 stilisierte sich Susanne GASCHKE bereits zur Avantgarde der frühen Elternschaft. In Kurzform tut das nun auch Richard KÄMMERLINGS.

    In den Kinderhasserbüchern will KÄMMERLINGS den Selbsthass des neuen Bürgertums entdeckt haben. Das liegt erstens daran, dass er eigentlich nur ein einziges Buch betrachtet hat und zweitens, dass es eher ein Vater-"hasst"-Kinder-Buch ist. Bei Corinne MAIERs Buch No Kid müsste diese These schon relativiert werden. Gilt doch Frankreich als das Kinderparadies, starrt man nur auf die Geburtenraten, wie das in Deutschland typisch ist.

    Aber warum sollten Kinderlose ein solches Kinderhasserbuch kaufen/lesen? Spricht daraus nicht eher die maßlose Eitelkeit von Eltern, die sich nicht vorstellen können, dass Kinderlosigkeit nicht identisch ist mit Kinderhass?

    Angeblich belauern und beneiden sich Kinderlose und Eltern gegenseitig, weswegen die Kinderfrage emotional so aufgeladen sei, meint KÄMMERLINGS. Wird da aber nicht ein in erster Linie politisch erzeugter Konflikt privatistisch verniedlicht? Es gibt auch keinen Graben, der in erster Linie zwischen Eltern und Kinderlosen verläuft. Dieser verläuft zwischen Eltern mit unterschiedlichen Familienvorstellungen. Die Medienelite verwechselt ganz offensichtlich ihre ganz ureigenen Erfahrungen mit den Erfahrungen der Mehrheit der Gesellschaft...

    Neu:
    KÄMMERLINGS, Richard (2012): Vergeltung – Der grausige Tod eines Großjournalisten.
    Rufmord: In einem neuen Schweden-Krimi stirbt eine Person, die dem "FAZ"-Herausgeber Frank Schirrmacher sehr ähnelt. Den Autor, Per Johansson, gibt es nicht. Die Spurensuche führt zur "Süddeutschen Zeitung",
    in: Welt v. 14.08.

    Der ehemalige FAZ-Journalist Richard KÄMMERLINGS spekuliert, dass sich hinter dem Pseudonym Per Johansson, der ehemalige Kollege Thomas STEINFELD verbirgt. Der Krimi Der Sturm ist noch nicht erschienen. Eine Figur, die ermordet wird, soll dem FAZ-Herausgeber Frank SCHIRRMACHER ähneln.

    Literaturskandal? Oder grandioser Marketingtrick? Auf alle Fälle ein Aufreger für den dahinsiechenden Feuilletonbetrieb. Erst kürzlich erklang passend dazu der Ruf nach seiner Abschaffung.     

     
           
       

    Richard Kämmerlings im Gespräch

     
       

    HEISE, Katrin (2011): "Man muss nicht über die jetzige Wirtschaftsproblematik schreiben".
    Zwei Kritiker streiten über die Frage, wieviel Gegenwart in der Gegenwartsliteratur stecken sollte. Ein Gespräch mit Richard Kämmerlings und Helmut Böttiger,
    in: DeutschlandRadio v. 16.03.

    MEYER, Frank (2012): Subtile Vergeltung.
    Frank Schirrmacher soll ermordet worden sein - und die "Welt" kennt angeblich den Täter. Richard Kämmerlings im Gespräch,
    in: DeutschlandRadio v. 14.08.

     
           
       

    Das kurze Glück der Gegenwart (2011).
    Deutschsprachige Literatur seit '89
    Klett-Cotta

     
       
         
     

    Klappentext

    "Wofür brauchen wir überhaupt Gegenwartsliteratur?

    Wer heute den Roman eines deutschsprachigen Autors in die Hand nimmt, darf die Erwartung haben, darin etwas über die Zeit zu erfahren, in der er lebt. Der Literaturkritiker Richard Kämmerlings erzählt sehr persönlich von literarischen Glanzlichtern der letzten 20 Jahre und der Zeit, die sie spiegeln. Von den Kriegen und Sex, von Wirtschaftkrise und Berlin-Boom, von Terror und Migration."

    Inhaltsverzeichnis

    Einleitung

    Yes, we can: Große Bücher vom Hier und Heute

    Gegenwartsliteratur will Waffe sein und weh tun

    1. Jeschichte wird jemacht: Berlin als Topos des Terrors

    2. Erfolgreich verweigert: Warum Krieg in der deutschen Literatur kein Thema ist

    3. Über Sex kann man nur auf Englisch singen: Erzählen in der Porno-Ära

    4. Die deutsche Wiederentzweiung: Eine Erinnerung an Ost und West

    5. The future is now: Müssen die Schriftsteller jetzt alle BWL studieren ?

    6. Literaturbetriebsbedingte Kündigung: Wie Romane auf die soziale Frage antworten

    7. Ich heirate eine Familie: Ein Lob der Vater-Mutter-Kind-Literatur

    8. Herkunftsangaben: Vom Provinz- zum Migrationsroman

    9. Was war das ? Was kommt jetzt ? Über die Gegenwärtigkeit von Tod und Sterben

    Gekommen, um zu bleiben: Zehn Bücher

     
         
     
           
       

    Vorabdruck

    KÄMMERLINGS, Richard  (2011): Das kurze Glück der Gegenwart.
    Warum sollen wir eigentlich lesen, was unsere Schriftsteller heute schreiben? Ein Plädoyer für Zeitgenossenschaft,
    in:
    Welt am Sonntag v. 13.02.

    Die WamS bringt einen Vorabdruck des Literaturkritikers Richard KÄMMERLINGS aus der Einleitung zum Buch Das kurze Glück der Gegenwart. KÄMMERLINGS ist ein Generationsgenosse von Volker WEIDERMANN, der mit Lichtjahre vorgemacht hat, wie man eine erfolgreiche Literaturgeschichte als Emphatiker (Hubert WINKELS) schreibt. Wenn Popliteratur die Identität von Person und Werk fordert, dann versteht sich der Empathiker nicht als analytischer Literaturkritiker, sondern als überwältigter Leser. Das liest sich dann folgendermaßen:

    "Michel Houellebecqs erster Roman »Ausweitung der Kampfzone«, das halbe Buch meiner kurzen Aufzählung, war ein Schock, ein Schlag vor den Kopf. Als ich das las, war ich fasziniert und konsterniert zugleich: Wie konnte man so brutal, so wissenschaftlich kalt und illusionslos über die Jagd nach Sex, den Konkurrenzkampf in den Nachtklubs, die Gesetze von Angebot und Nachfrage schreiben? Das ganze sogenannte Liebesleben als darwinistischer Überlebenskampf, als Fortsetzung der neoliberalen Ellenbogengesellschaft mit anderen Mitteln? Das Private erschien plötzlich nicht mehr als Gegensatz zum Karrierismus und zum Leistungsdenken, sondern als deren krasseste Form; wer das weiter steigern wollte, der landete bei dem Yuppie als Serienkiller, wie ihn Bret Easton Ellis in »American Psycho« (1995) dargestellt hatte. Houellebecqs verzweifelte und einsame Angestellte waren natürlich sehr Neunziger, und so konnte nur ein heimlicher Romantiker und verkappter Utopist schreiben, der das in Wahrheit furchtbar hasst und eigentlich gern in den Siebzigern gelebt hätte, wenn die Hippies nicht solche Loser gewesen wären."

     
       

    Rezensionen

    RADISCH, Iris (2011): Kinder, wie die Zeit vergeht!
    Der Literaturkritiker Richard Kämmerlings legt schon eine Geschichte der Nachwendeliteratur vor,
    in:
    Die ZEIT Nr.9 v. 24.02.2011

    KNIPPHALS, Dirk (2011): Die Vermessung des Augenblicks.
    Überblick: Der Literaturkritiker Richard Kämmerlings sortiert in seiner Studie "Das kurze Glück der Gegenwart" die deutschsprachigen Romane der vergangenen zwei Jahrzehnte. Kehlmann ist ihm nicht gegenwärtig genug,
    in: TAZ v. 16.03.

    BARTELS, Gerrit (2011): Das kurze Glück der Gegenwart.
    Richard Kämmerlings sucht in seinem Buch über die deutschsprachige Literatur seit 1989 "Das kurze Glück der Gegenwart" und stellt uns seine Liste mit den zehn besten Werken der letzten 20 Jahre vor,
    in: Tagesspiegel v. 17.03.

    BUCHELI, Roman (2011): Mehr Umwege, mehr Parallelwelten!
    Warum die Literatur zuerst an das andere Ende der Welt gehen muss, ehe sie die Wirklichkeit darzustellen vermag,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 31.03.

    ZINGG, Martin (2011): Panorama neuerer deutscher Literatur.
    Richard Kämmerlings' Studie «Das kurze Glück der Gegenwart»,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 21.04

    HARTWIG, Ina (2011): Diese verdammte enttäuschte Sehnsucht nach Leben.
    Der Kritiker Richard Kämmerlings beschwört "Das kurze Glück der Gegenwart" in der deutschsprachigen Literatur seit 1989,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 08.04

     
       

    Das Buch in der Debatte

    DIEZ, Georg (2011): Der Kritiker.
    Sie nennen es Literatur,
    in: Spiegel Online v. 11.03.

    STEINFELD, Thomas (2011): Die Legende vom großen Draußen.
    Was tut die Kritik, wenn sie keine Kritik mehr sein will? Sie erzählt vom wilden, echten, wahren Leben,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 23.03.

    Image-Designer Thomas STEINFELD ist schwer beleidigt. Ganze  zwei Zeitungsspalten müllt er mit seinem Gesülze über das wahre Leben - sozusagen sein Vorgarten - voll. Georg DIEZ hatte zuvor  am Beispiel von Richard KÄMMERLINGS Literaturgeschichte Das kurze Glück der Gegenwart den akademischen, also weltfremden, Literaturbetrieb verspottet. Nun echauffiert sich der Feuilletonchef über Krebsliteratur und meint eigentlich das Buch Der Tod meiner Mutter von Georg DIEZ, zieht über den Hipster und Empathiker her: Ironie dieser Geschichte ist, dass KÄMMERLINGS, den er gegen DIEZ verteidigen muss, zu den Empathikern zählt. Aber als Wutfeuilletonist kennt STEINFELD weder Freund noch Feind, sondern verheddert sich in seinem Rundumschlag, der mit dem Satz endet:

    "Das Leben ist ein Glaube für Spießer".

    Das war zum Schluss dann noch ein  Eigentor, denn das SZ-Feuilleton hat an vorderster Front den Spießer salonfähig gemacht. Was Thomas STEINFELD für das wahre Leben hält, das lässt sich an seinen Lobeshymnen auf Michel HOUELLEBECQ ablesen.

    Angesichts der Normalität der Katastrophe in Japan, fragt man sich allerdings, ob unsere Edelfedern keine anderen Probleme haben.

     
       

    Weiterführende Links

     
         
       
     
       

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    webmaster@single-generation.de Erstellt: 10. Dezember 2003
    Update: 18. April 2015