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Sabine Magerl: Liebe und Kinderkriegen in Akademikerkreisen

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1968 geboren
      2010 gestorben
 
       
   
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    Sabine Magerl in ihrer eigenen Schreibe

     
       

    MAGERL, Sabine (2001): Keine falsche Bewegung.
    Die Ära der Luftfahrt geht zu Ende: Aus Vielfliegern werden wieder Seßhafte - oder Bahnfahrer,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.10.

    Ein vorschneller Abgesang auf den globalen Nomaden und ein Plädoyer für den Umstieg auf die Yuppie-Bahn und virtuelle Reisen.

    MAGERL, Sabine (2003): Zeig her, das Kind!
    Wieso ist die Babydichte am Prenzlauer Berg so hoch wie nirgendwo anders in Berlin?
    in: Neon, Heft 1, Januar

    MAGERL, Sabine (2004): Der Pop der späten Jahre.
    Jugendkultur am Ende? Das Durchschnittsalter des Plattenkäufers hat die Vierzig überschritten,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 28.03.

    Spiegel Online druckt neuerdings FAS-Stories ab! Wahrscheinlich nur wegen dem MADONNA-Foto. Unsere Mitte-Elite liest den britischen Guardian, weshalb jetzt alle den Pop der 40jährigen entdecken (Der Spiegel - in letzter Zeit immer etwas vergeblich hinter dem Trend herhechelnd - entdeckt die 40jährigen erst am Montag) entdeckt. Tobias KNIEBE hat das in der SZ getan und MAGERL will es nun genau wissen:

    "Die Vierzigjährigen haben mehr Geld als die Teenager und zugleich wissen sie oft einfach nicht, wie man kostenfrei eine MP3-Datei aus dem Internet herunterlädt."

    Aha, die 40jährigen sollen also zu blöd sein! Ein Blick in das neue Machwerk von FAZ-Herausgeber SCHIRRMACHER hätte eigentlich genügt. Kapitel Cyber-Jugend:

    "Mit uns beginnt nun die Phase des technologisch hoch alphabetisierten Alterns, und wie durch Zauberhand stoßen ausgerechnet wir, in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts, auf Technologien, die das Alter selbst revolutionieren werden. Computer, Internet und Handy sind die Analogien zu Schallplatten, Massenverkehr und Fernsehen der 60er Jahre. Mit ihrer Hilfe wird es den alternden Babyboomern der Jahre 2010 bis 2050 gelingen, sich ein zweites Mal massiv in die Gesellschaft einzumischen." (S.117).

    SCHIRRMACHER hat viel Unsinn verzapft in dem Buch, aber hier (hat er sich natürlich nicht selbst einfallen lassen, sondern abgeschrieben) hat er ausnahmsweise mal recht. Florian RÖTZER hat in Telepolis (01.03.2004) über eine amerikanische Studie berichtet, in der das Internetnutzerprofil untersucht wurde. Er schreibt dazu:

    "Die Autoren des Berichts heben neben der aktiven Gruppe der Älteren (Durchschnittsalter 58 Jahre, höheres Einkommen, höhere Ausbildung), die gerne eigene Websites betreibt, noch die »Content Omnivores« hervor. Diese Gruppe der »Allesfresser« (Durchschnittsalter 40 Jahre) hat mehr als alle anderen alles Mögliche durchprobiert und benutzt das Internet auch häufiger als die übrigen Internetbenutzer. Aber die Mitglieder dieser Gruppe, die gut verdienen und überwiegend ganztags arbeiten, seien gegenüber dem Neuen zurückhaltend. Sie benutzen wenig Webcams, betreiben kaum Blogs, aber sind die »Arbeitspferde« in der Gruppe der Internetbenutzer, die Inhalte schaffen."

    Diese Aussage trifft den Punkt genau: die 40jährigen machen nicht JEDEN Trend mit - ganz bewusst übrigens! Sie wissen aber ganz genau Bescheid und nutzen die Chancen der neuen Medien dort, wo es ihnen sinnvoll erscheint. Der TV-Glotzer oder der übliche Zeitungsleser ist längst nicht mehr stilbildend.Jenseits des Internetkommerz hat die Zukunft längst begonnen, nur große Teile der Mitte-Elite wollen das noch nicht wahrhaben...
    PS.: Noch etwas zum Guardian, denn wir sind eben aktueller als MAGERL es je sein könnte! Dort hat am Freitag der britische Romanautor Tim LOTT beschrieben wie er zum "Plattenjunkie" wurde. Aber es gibt eben auch ein Leben nach der Plattensammlung.

    MAGERL, Sabine (2006): Mit 37 hat man (kaum) noch Träume.
    Mädels, wie die Zeit vergeht! Für Kinder ist es bald zu spät. Über das entscheidende Jahr im Leben einer Frau,
    in: SZ-Magazin Nr.16 v. 24.03.

    Die 37jährige Sabine MAGERL erschrickt angesichts einer von Frank SCHIRRMACHER mit seinem Pamphlet Minimum ausgelösten Debatte über eine Statistik, die zu diesem Zeitpunkt bereits umstritten war:

    "Meine Krise begann mit einer Statistik, mit ein paar blanken Zahlen. Mehr als vierzig Prozent der Akademikerinnen hierzulande, las ich in der Statistik, sind kinderlos. Das wissen wir doch, dachte ich. Darüber wird im Moment viel geschrieben, viel gesprochen – der »demografische GAU« wird das immer genannt. An jenem Tag aber, an dem ich in die Statistik blickte, stach mir diese Zahl mitten ins Herz. Es war mein 37. Geburtstag. Mir wurde klar: In dieser Statistik, da ging es um mich, um so viele in meinem Freundeskreis: Ich, wir, waren Teil eines ziemlich deprimierenden Zahlenwerks – Teil dessen, was in Deutschland als Grundübel unserer überalternden Gesellschaft erkannt wird. Plötzlich war klar: Ich war schuld. Aber warum?"

    Sabine MAGERL, gehört zu jenem Frauenjahrgang der 1968Geborenen, die den Wendepunkt in Sachen Kinderlosigkeit in Deutschland bedeutet - was man bereits Anfang des Jahrtausends hätte wissen können. Für Baden-Württemberg liegen sogar genauere Daten vor. Man darf deshalb bezweifeln, dass SCHIRRMACHERs Buch hilfreich war, eher das Gegenteil, weil es den Stress und die Verzweifelung ungewollt kinderloser Paare zusätzlich erhöht hat.

    "Wie viele Paare sich wohl wegen der Kinderfrage trennen? Auf jeden Fall scheint es eines der größten Tabus unserer Generation zu sein, die Frage, warum man kein Kind hat. Darüber spricht niemand gern, und wenn, dann bitte ohne Namen",

    meint MAGERL zu ihrer Generation Golf, d.h. jenem Teil des privilegierten Akademikermilieus, der zwischen 1965 und 1975 in Westdeutschland geboren wurde und Anfang des Jahrtausends zur verlorenen Generation stilisiert wurde. Eine Antwort auf die grassierende ungewollte Kinderlosigkeit in Akademikerkreisen sieht MAGERL in der Kinderwunschklinik:

    "Da geht hin, wer sein Leben in letzter Sekunde retten will – als könnte man sich den Nachwuchs noch termingerecht bestellen, so wie wir es mit unseren Steuervergünstigungen immer gemacht haben, gerade noch rechtzeitig vor Ablauf der Frist. Allein im Jahr 2003 stieg die Zahl der Kinderwunschbehandlungen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel an",

    merkt MAGERL an, ohne jedoch darauf hinzuweisen, dass dieser außergewöhnliche Anstieg lediglich Ausdruck von Mitnahmeeffekten angesichts der damals bevorstehenden Leistungskürzungen im Gesundheitsbereich war. Das Kennzeichen der Klientel von Kinderwunschpraxen wird als "kollektive Verzweifelung" beschrieben. Antworten auf die Frage nach dem Warum sucht MAGERL bei dem Schweizer Familiensoziologen François HÖPFLINGER und dem Soziologen Thomas KLEIN, der die Instabilität von Partnerbeziehungen für die hohe Kinderlosigkeit verantwortlich macht.

    MAGERL beschreibt das Leben der 1968Geboren als Lebensspirale im Sinne des US-amerikanischen Single-Forschers Peter J. STEIN. Dagegen erscheint das Lebenszyklus-Modell von Erik H. ERIKSON als Ideal derjenigen, die den Terror der Möglichkeiten als Problem erachten.

    Angesichts des Tickens der biologischen Uhr wird zum einen die Ökonomisierung der Partnersuche und zum anderen das Kinderkriegen ohne Partner als Ausweg gesehen.

    Eine bewusste Entscheidung gegen Kinder sieht MAGERL nicht für ihre Generation als typisch an:

    "Dass sich Akademikerinnen bewusst gegen ein Kind entscheiden, angeblich ein Drittel – so behaupten es die Statistiken –, habe ich in den Interviews nie gehört. Ich hörte nur von Tränen, schlaflosen Nächten, Depressionen, Psychotherapie, der Angst, die Zeit für ein Kind endgültig zu verpassen."

    Am Schluss sieht MAGERL ihre Generation einer kollektiven Torschlusspanik verfallen:

    "Und nun gibt es das bittere Erwachen, Reset, in einer wirtschaftlichen Krise, wenn der Job kein Halt mehr ist. Aber eine Familie könnte Halt geben. Das ahnen wir langsam und verfallen in eine kollektive Torschlusspanik."

    Bei der nachfolgenden Generation erkennt MAGERL dagegen ein Umdenken. 

    SZ-MAGAZIN-Thema: Ladies First.

    GREINER, Kerstin & Sabine MAGERL (2007): Der neue Generationenvertrag.
    Junger Mann, reife Frau – früher galten solche Beziehungen als merkwürdig, heute sind sie selbstverständlich. Warum? Selbstverständlich, weil sie jede Menge Vorteile haben. Sie werden es gleich merken,
    in: SZ-Magazin Nr.41 v. 19.10.

    "Vor allem für berufstätige Frauen um die 35 ist die Liebe zu einem drei, vier, manchmal sieben Jahre jüngeren Mann inzwischen ganz normal. Auch die Statistik spricht gegen ein Randphänomen: Mehr als 20 Prozent der Ehen werden in Deutschland mit einem jüngeren Mann geschlossen, in Japan ist es schon jede dritte. Zahlen, die vor 15 Jahren unvorstellbar gewesen wären", berichten Kerstin GREINER & Sabine MAGERL.

    MAGERL, Sabine (2008): Die Welt als Pille und Vorstellung.
    So war das eigentlich nicht gedacht: Immer mehr Menschen nehmen Psychopharmaka, obwohl sie völlig gesund sind. Und Medizin wird auf einmal zum Lifestyle-Doping,
    in: SZ-Magazin Nr.7

    SZ-Magazin-Thema:
    Warum behandeln wir die Liebe wie ein Wirtschaftsgut?

    Neu:
    MAGERL, Sabine (2008): Liebe muss sich rechnen.
    Von wegen Romantik: Wenn es um Zwischenmenschliches geht, regiert das reine Ökonomiedenken. So machen wir das schönste aller Gefühle zur Verhandlungssache,
    in: SZ-Magazin Nr.33 v. 14.08.

     
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 04. September 2014
    Update: 16. August 2015