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Sven Hillenkamp: Das Ende der Liebe

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1971 geboren
    • Studium der Politik, Soziologie, Geschichte, Philosophie und Islamwissenschaft
    • 2009 Buch "Das Ende der Liebe"
    • lebt als freier Autor in Berlin und Stockholm
 
       
   
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    Sven Hillenkamp in seiner eigenen Schreibe

     
       

    HILLENKAMP, Sven (2001): Ein Prophet sucht nach Worten,
    in: Die ZEIT Nr.52 v. 20.12.

    Ein Loblied auf den Soziologen Ulrich BECK. Der Kosmopolit aus der 68er-Generation durfte seine Individualisierungsthese vor der russischen Duma vortragen.
                HILLENKAMP hält BECK für jemanden, der die Chancen der Individualisierung hervorhebt. Das scheint eher ein typisches Missverständnis zu sein. Die Individualisierungsthese ist so dehnbar, dass sie jedem Zeitgeist gerecht wird, denn nach BECK kann immer auch das Gegenteil wahr sein. Je nach Situation lassen sich die Nachteile oder die Vorteile der Individualisierung betonen. Die These ist also genauso flexibel wie die Gesellschaft, für die sie gedacht ist!

    HILLENKAMP, Sven (2002): Ich will auch.
    Haben wollen, was man nicht hat. Sein wollen, was man nicht ist. Neid bestimmt unser Leben. Ein persönlicher Bericht über ein Gefühl, das antreibt und zerstört,
    in: Die ZEIT Nr.44 v. 24.10.

    Die einen gehen zum Psychotherapeuten, die anderen schreiben ihre Neidbiografie. Dadurch erfährt der Leser, warum die New Economy und Nerds eine schlechte Presse hatten, warum bei "Klassenkämpfern" die Neue Mitte mit der Gesamtgesellschaft zusammenfällt und warum das Zusammentreffen mit Ulrich BECK aus einem Journalisten ("Neidberuf schlechthin") keinen besseren Menschen macht.

    Zeit-Thema: Allein oder einsam?
    Viele Menschen fühlen sich verlassen. Andere empfinden das Alleinsein als Befreiung. Tücken und Chancen der modernen Einsamkeit.

    HILLENKAMP, Sven (2005): Einsamer nie?
    Viele Menschen klagen darüber, allein zu sein. Dabei ist die Einsamkeit der Moderne ein Mythos. Unser Unglück ist nicht größer als früher. Wir haben nur gelernt, darüber zu reden,
    in: Die ZEIT Nr.51 v. 15.12.

    Lange wurde  in der Zeit nicht mehr so sachlich über das Thema "Single-Gesellschaft" geschrieben. Sven HILLENKAMP entmythologisiert die "Single-Gesellschaft", die eng verbunden ist mit einigen Mythen der Einsamkeit. Es gilt aber auch:

    "Wenn Hunger und Obdachlosigkeit die schlimmsten materiellen Übel sind, so ist die Einsamkeit wohl das schlimmste der nicht- und postmateriellen - seelische Unterernährung, soziale Obdachlosigkeit".

    Abgesehen davon, ist unsere Gesellschaft jedoch keineswegs einsamer als frühere Gemeinschaften. HILLENKAMP räumt mit 3 Mythen auf:
              
    1) Die Großfamilie
    Die Großfamilie war - wenn überhaupt - nur ein Ideal, denn ihre Verbreitung scheitere an der geringen Lebenserwartung der Menschen:

    "Noch um 1900 lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei 45 Jahren. (...). Erst 1950 stieg die mittlere Lebenserwartung auf über 65 Jahre."

    Wenn jetzt also Ursula von der LEYEN und andere Romantiker  Mehrgenerationenhäuser als Fortsetzung der Großfamilie mit anderen Mitteln propagieren, dann können sie sich auf keine vergangenen Realitäten berufen, sondern sie konstruieren eine Vergangenheit, die es so nie gab.
              2) Die Anonymität der Großstadt
    Großstadtfeindlichkeit ist spätestens seit Beginn der Industrialisierung ein Topos konservativer Romantiker.
    Wilhelm Heinrich RIEHL steht für diese Richtung.
    HILLENKAMP entgegnet dem, dass nicht die Großstadt, sondern Umzüge "einsam machen", solange keine neuen, befriedigenden Netzwerke geknüpft sind. Wer einsam ist, der erlebt seine Einsamkeit in der Großstadt noch stärker. HILLENKAMP nennt mit RILKEs Malte Laurids Brigge eine Romanfigur, die diesen Typus verkörpert.
              
    3) Wir leben in einer "Single-Gesellschaft"
    HILLENKAMP zeigt auf, was auf single-generation.de immer wieder gezeigt wurde, dass nämlich die Betrachtung der Haushaltszahlen in die Irre führt.
    Die Anzahl der Einpersonenhaushalte ist kein ausreichender Anhaltspunkt für das Alleinsein.  Weder Partnerschaften, noch familiäre Bindungen lassen sich damit erfassen. Paare ohne gemeinsamen Haushalt, Hausgemeinschaften und die multilokale Mehrgenerationenfamilie sind heutzutage weit verbreitetet. Die amtliche Statistik trübt den Blick, weil sie nur Momentaufnahmen liefert. Es wird Dauerhaftigkeit vorgetäuscht, wo Mobilität ist.
              
    Das Single-Dasein ist bei unter 65Jährigen meist eine kurze Lebensphase, die sich mit Paar- und Familienphasen abwechselt. Dies liegt an einem neuen Liebesideal und an der neuen Sicherheit der Lebenszeit. Die Kehrseite ist aber, dass zumindest bei den jetzigen Alten das Single-Dasein aufgrund der längeren Lebenserwartung und früheren Normen der Partnerwahl ausgedehnter denn je ist. Dies ist aber nicht identisch mit Einsamkeit, sondern "Intimität auf Distanz" kennzeichnet diese Lebensphase.
              
    Am Ende verfällt HILLENKAMP jedoch dem Individualisierungsoptimismus, der diejenigen kennzeichnet, die das nötige soziale und kulturelle Kapital in erster Linie ihrer sozialen Herkunft zu verdanken haben:

    "Es sind nicht mehr Menschen einsam, aber mehr sind selbst schuld, wenn sie es werden".

    HILLENKAMP, Sven (2007): Zurück auf Los.
    Ein Mann entkam der Armut und machte Karriere. Dann wurde er arbeitslos und stieg wieder ab. Eine persönliche Geschichte, die auch ein Entwicklungsroman des Landes ist,
    in: Magazin der Berliner Zeitung v. 21.04.

    HILLENKAMP, Sven (2009): Wir sind so frei.
    Die Liebe stirbt: Sex ist kein Tabu mehr, Partner gibt’s im Internet, und die Suche nach dem Glück findet kein Ende... Ein Essay,
    in: Tagesspiegel v. 06.09.

    HILLENKAMP, Sven (2010): Müde geworden vor der Zeit.
    Die unendlichen Sex-, Drogen- und Erfolgsmöglichkeiten machen den freien Menschen unfrei,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 22.02.

    In seinem Porträt von Helene HEGEMANN, schreibt Georg DIEZ über ihr Buch "Axolotl Roadkill", dass es sich dabei um einen Nachruf auf die Berliner Bohème handele und HEGEMANN "eine Stimme des wahrhaft rebellierenden Teils ihrer Generation" sei. Der Untertitel des Artikels bringt das auf den Punkt: "Es erzählt von einer Generation, für die das Wort Freiheit bedrohlich klingt".
                Bedrohlich klingt das Wort Freiheit jedoch insbesondere für die Anhänger der Individualisierungsprosa à la Ulrich BECK, jene Prediger der Wende zum Weniger, die wie Sven HILLENKAMP der Wahlfreiheit das Wort reden, als ob wir nicht längst in einer neuen Klassengesellschaft leben würden, in der Wahlfreiheit für viele Menschen eher nicht das Problem ist. HILLENKAMP spricht für die Elite der Erbengeneration, für die die Ehe keine Sache der Romantik, sondern der Vernunft - sprich der Verteidigung des Besitzstandes - ist.
                Da für die Individualisierungsprediger die Freiheit als grenzenlose Möglichkeit erscheint - soziale Strukturen quasi außen vor lässt - wird der Freiheitsbegriff ins Absurde geführt, denn: "Alle Zusammenhänge, in die der Mensch sich begeben kann, drohen permanent mit Kündigung". Abhängigkeiten werden sozusagen durch die Hintertür wieder eingeführt. Freiheit ist letztlich keine Freiheit, sondern eine Fata Morgana. Schön, dass wir darüber geschrieben haben!

     
           
       

    Sven Hillenkamp im Gespräch

     
       

    HEISE, Katrin (2009): Das Übel einer unendlich gewordenen Freiheit.
    Autor Hillenkamp über sein Buch "Das Ende der Liebe",
    in: DeutschlandRadio v. 28.10.

    Neu:
    FINGER, Evelyn & Ijoma MANGOLD (2010): Hat die Liebe noch eine Chance?
    Nein, sagen die Realisten. Doch, sagen die Romantiker. Ein Sommer-Gespräch über Treue, Sex und Seitensprung in der modernen Optionsgesellschaft,
    in: Die ZEIT Nr.34 v. 19.08.

     
           
       

    Das Ende der Liebe (2009).
    Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit
    Klett-Cotta

     
       
         
     

    Klappentext

    "Alles ist möglich - nur die Liebe nicht mehr!

    Was geschieht, wenn Menschen unbegrenzte Möglichkeiten haben? Eine unendliche Auswahl an Partnern, Wohnorten, Berufen, Sex, Liebe ... Was geschieht mit den Gefühlen, wenn Menschen einer unendlichen Freiheit ausgesetzt sind? Was geschieht mit der Liebe? In seinem einfühlsamen und unsentimentalen Essay beobachtet Sven Hillenkamp die ritualisierte Sprache der Nicht-Liebe. Die Liebe ist bald nur noch Geschichte. Das Zeitalter der Nicht-Liebe hat begonnen.

    Sven Hillenkamp erzählt von den Möglichkeiten der Liebe, des Sex, der Partnerwahl, der Ausbildung, der beruflichen und seelischen Selbstentwicklung, der Körpermanipulation, des Erfolgs, der Berühmtheit. Er erzählt von einer Welt, in der die Menschen sich permanent sehnen müssen, weil sie meinen, dass sie immer noch etwas Besseres erreichen könnten.

    Dies ist kein Sachbuch, denn es bleibt nicht sachlich. Es ist ein Buch, das maßlos übertreibt - über eine Wirklichkeit, die maßlos übertreibt. Es ist das expressionistische Gemälde einer Welt, die aus den Fugen geraten ist, die keine Grenzen mehr kennt, in der unendliche Freiheit umkippt in Zwang, unbegrenzte Möglichkeiten in die große Unmöglichkeit der Liebe. Am Ende steht, so der überraschende Befund, die Rückkehr zur Vernunftehe."

     
         
     
           
       
    • Beitrag von single-generation.de zum Thema

    Der Code des Herzens - Die Renaissance der Romantik durch die Pragmatiker der Liebe
     
       
    • Rezensionen

    FRICKER, Christophe (2009): Höllenkreis der Suchmaschine.
    Sven Hillenkamp schreibt über die Verwüstungen auf dem Schlachtfeld der elektronischen Liebesversuche,
    in: Welt v. 22.08.

    JANTSCHEK, Thorsten (2009): Internetdirnen und Speeddater.
    Sven Hillenkamp erkundet Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit,
    in: Berliner Zeitung v. 03.09.

    KLAUE, Magnus (2009): Das Kapital in uns.
    Emotionen sind wieder groß im Kommen. Ein Überblick über das neue Gefühlssortiment der Sachbuchverlage,
    in: Literatur konkret Nr.34. Heft im Heft, konkret, Oktober

    KIEFER, Sebastian (2009): Vom limbischen System zum Ende der Liebe.
    Gefühle: beliebt bei Populärliteratur und Forschung. Ein essayistischer Streifzug durch die Neuerscheinungen,
    in: Falter Nr.42 v. 14.10.

    KLEIN, Georg (2009): Nackt im Kreuzfeuer der Möglichkeiten.
    Sven Hillenkamp zeigt, warum die besten Bedingungen, die Liebe je hatte, ihr zum Verhängnis werden,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 15.10.

    MICHEL, Gabriele (2009): Wie viel Vernunft braucht die Ehe?
    Arnold Retzer und Sven Hillenkamp fordern mehr Realismus in der Liebe,
    in: Psychologie Heute, Dezember

    NEUHAUS, Stefan (2010): Die Liebe ist tot, es lebe der Sex.
    Sven Hillenkamp reitet auf der Zeitgeistwelle, auch wenn er durchaus etwas zu sagen hat,
    in: Literaturkritik, Januar

    SCHIRACH, Ariadne von (2010): Tyrannei der Freiheit,
    in: Deutschland Radio v. 07.01.

    FRIESEN, Astrid von (2010): Unendliche Partnersuche,
    in: Deutschland Radio v. 17.01.

    REICK, Robert (2010): Love sucks - Die Liebe in der Krise.
    Wie geht es in Zukunft mit der Liebe weiter? Sven Hillenkamp hat ein Buch darüber geschrieben, das ein wenig Angst macht,
    in: Fluter v. 30.03.

     
       
    • Das Buch in der Debatte

    POSENER, Alan (2009): Deutschland im Herbst: Kein Thema, nirgends.
    Die Langeweile der Verlagsprospekte verweist auf ein alterndes Land. Wenn aufgebrochen wird, dann in den Tod,
    in: Welt am Sonntag v. 12.07.

    Alan POSENER u.a. über das Buch Das Ende der Liebe von Sven HILLENKAMP:

    "Unendliche Freiheit? Anschnallpflicht und Rauchverbot, mehr arbeiten für weniger Geld, Steuern und Sozialabgeben bis zum Abwinken, Aids-Gefahr, Handy-Ortungsgeräte und schreibende Mönche: Wo bitte schön findet man unendliche Freiheit? Aber Hillekamp meint es gar nicht so. Das ganze Gemälde dient ihm nur, um eine verkaufsträchtige Botschaft an die Kohorte der erschlaffenden ehemaligen Helden der sexuellen Revolution zu richten: »Am Ende steht, so der überraschende Befund, die Rückkehr zur Vernunftehe.« Na, dann gute Nacht."

    SACHSE, Katrin (2009): So bleibt es Liebe!
    Eine glückliche Partnerschaft erfordert keine Wunder. Realistische Erwartungen, etwas Vernunft und ein gutes Konfliktmanagement genügen als Basis,
    in: Focus Nr.33 v. 10.08.

    SCHMID, Birgit (2009): Zieh mich aus!
    Schluss mit der Vernunft. Wir brauchen alle mehr Sex, Drama, Leidenschaft,
    in: Das Magazin des Tages-Anzeiger Nr.36 v. 05.09.

    BESSING, Joachim (2010): Die ewige Suche nach dem Seitensprung.
    Hinter dem Kult um Iris Robinson, untreue Ehefrau des nordirischen Ministerpräsidenten, steckt mehr als nur Schadenfreude. Die pikante Affäre erinnert viele an ihre eigene Rastlosigkeit in der Liebe. Zu groß ist vor allem heute die Vielfalt der Möglichkeiten, sich ein Leben mit diesem oder jenem auszumalen,
    in: Welt Online v. 19.01.

    HARK, Ulrike (2010): Der Seitensprung, die neue olympische Disziplin.
    Alle gehen fremd – ist Treue heute überhaupt noch ein Wert? Oh ja,
    in: Basler Zeitung Online v. 11.05.

     
       

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    © 2002-2015
    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 11. August 2009
    Update: 19. Januar 2015