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Uli Hannemann: Sozialer Wandel im Berliner Stadtviertel Neukölln

 
       
     
       
   
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    Uli Hannemann in seiner eigenen Schreibe

     
       

    HANNEMANN, Uli (2009): Zurück aus dem Urlaub.
    Berliner Szenen,
    in: TAZ v. 04.04.

    TIP BERLIN-Titelgeschichte: Berlin ist tot, es lebe Berlin!
    Der Tip klärt die Coolness-Debatte

    HANNEMANN, Uli (2014): "Da, schau an! Noch ein Club-Mate-Deckel".
    Neukölln ist leer, aber nicht lange: Uli Hannemann horcht zehntausend Rollkoffern hinterher,
    in: tip Berlin Nr.7
    v. 27.03.

    HANNEMANN, Uli (2014): Die Generation Minigolf.
    Der Golf, gerade vierzig geworden, ist nichts gegen Minigolf. Des einen Erfolg ist des anderen Vergeblichkeit,
    in:
    TAZ v. 29.03.

    "Wo der Mercedes die Spießigkeit des Gutsituierten und der Opel die der unteren Mittelschicht versinnbildlicht, symbolisiert der Golf die frühvergreiste Biederkeit rechtsgescheitelter Popper und FDP-Jungwähler.
    Die in den frühen Siebzigern geborene »Generation Golf«, wie Florian Ilies sie in seinem gleichnamigen Buch beschreibt, ließ sich zunächst von den Eltern im Golf herumkutschieren, um sich mit achtzehn dann selber hinters Lenkrad des zumindest gebraucht bezahlbaren Erstlings zu setzen. Der Golf als Auto einer Generation, die als erste nach dem Krieg geborene einen weitgehenden Rückzug vom Politischen in den Konsum und ins Private vollzog.
    Und doch war dieser Weg durch die wiederum etwas Älteren bereits vorgezeichnet: Denn vor der Generation Golf gab es, die »Generation Minigolf«. Die »Generation Minigolf«, wie der Autor in den 60ern geboren und in Teilen mit der »Generation X« deckungsgleich, war, wie schon der Name nahelegt, im Grunde eine abgeschwächte Frühform der »Generation Golf«", meint Uli HANNEMANN.

     
           
       

    Uli Hannemann im Gespräch

     
       
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    Hipster wird's nicht (2014).
    Der Neuköllnroman
    Berlin Verlag

     
       
         
     

    Klappentext

    "Neulich wieder in Neukölln ...
    Schlauchschals, Stofftaschen, merkwürdige Mützen und dummes, unpolitisches Geschwätz: So nimmt der 44jährige Thomas seine jungen Mitbewohner wahr, als der Eigenbrötler umständehalber in eine Berliner Hipster-WG einziehen muss - ein Scheitern an allen Fronten schon bei der Vorstellungsrunde. Wo ist nur sein altvertrauter Kiez abgeblieben? Statt der Bäckerei um die Ecke gibt es Cafés, die Chai Latte anbieten, ein Neuseeländer entwickelt Dönervariationen und das »Zille-Eck« ist neuer Szenetreff. Ein rasend komischer Clash der Kulturen und Generationen!"

     
         
     
           
       

    Vorabdruck

    HANNEMANN, Uli (2014): Wie hässlich Bernd aussieht, wenn er lacht.
    Vormals Freunde: Sie haben sich auseinanderentwickelt, die alten Freunde, einer wird alt und der andere seit Neuestem täglich jünger. Dank seiner WG in der Neuköllner Weserstraße. Vorabruck aus Uli Hannemanns Roman "Hipster wird's nicht",
    in:
    TAZ Berlin v. 10.03.

     
           
       

    Neukölln, mon amour (2011).
    Anekdoten vom Boden der Tatsachen
    Ullstein Verlag

     
       
         
     

    Klappentext

    "In seinem neuesten Buch unternimmt »Lesebühnenstar« (taz) Uli Hannemann einen humoristischen Streifzug durch seinen »Problemkiez« und widmet sich erneut Neuköllner Absurditäten und Absonderlichkeiten. Seine Geschichten spielen in Eckkneipen, in der berühmt-berüchtigten Hasenheide oder einfach auf der Straße. Sie erzählen von Hundehaltern, Kleinkriminellen und zugezogenen Yuppies, die unentwegt von »Kreuzkölln« schwärmen. 40 neue ironischgroteske Alltagsgeschichten mit hohem Unterhaltungswert."

     
         
     
           
       

    Beitrag von single-generation.de zum Thema

    Gentrifizierung: Von Yuppies, Yetties, Bobos, digitaler Bohème, Nerds, Hipstern und Latte macchiato-Müttern - Eine Bibliografie der neueren Gentrifizierungsdebatte

     
       

    Rezensionen

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    Neulich in Neukölln (2007).
    Notizen von der Talsohle des Lebens
    Ullstein Verlag

     
       
         
     

    Klappentext

    "Uli Hannemann hat es gewagt. Er ist nach Neukölln gezogen. Ja genau, Berlin-Neukölln - jener berüchtigte Bezirk, der seit Monaten durch die Medien geistert: als Beispiel für den Niedergang deutscher Innenstädte, als Hartz-IV-Kapitale, als sozialer Brennpunkt. Wie es ist, hier zu leben, davon berichtet Hannemann in seinen kleinen, aber feinen Schnappschüssen vom täglichen Wahnsinn - mit viel Biss und einer guten Portion anarchischem Humor."

     
         
     
           
       

    Rezensionen

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    Neukölln: Der Wandel in der Debatte

    WAHBA, Annabel (2004): Neuköllner Oper.
    Als unsere Autorin in den Bezirk zog, wollte sie sofort einen Liebesbrief an ihre neue Heimat schreiben. Nun ist sie weggezogen. Ist die Jogginghose ihrer Nachbarin schuld? Oder der Laden von gegenüber, das "Mon amour"?
    in: Tagesspiegel v. 08.02.

    WAHBA beschreibt den Imagewandel von Neukölln aufgrund des Problembezirks Reuterkiez, der die Besserverdienenden vertreibt:

    "Als ich zwei Jahre zuvor in die Nähe des Reuterplatzes gezogen war, hatte ich mir eigentlich vorgenommen, eine Art Liebeserklärung an diesen Stadtteil zu schreiben. Ich war neu in Berlin und fand es schön, in der Nähe des Maybachufers zu wohnen. Mir gefiel das Mediterrane hier, der Markt am Ufer. Es gibt keine Coffeeshops, in denen Bagels und Muffins verkauft werden und keine Ladenbüros, in denen 20-jährige Webdesigner auf ihre Computer starren – authentisch ist das Wort, das Menschen mit Arbeit verwenden, wenn sie erklären, warum sie hier hergezogen sind. Aus irgendeinem Grund habe ich den Text aber nie geschrieben, und so wird es nun eine Art Abschiedsbrief. Kein Abschied im Zorn, aber auch ganz ohne Tränen. Neukölln macht es einem nicht leicht, sich wie zu Hause zu fühlen. Und das liegt nicht nur an den Hunden. In Polizeiberichten taucht der Bezirk ziemlich oft auf (...). In der Zeitung liest man, dass der Arbeiterbezirk verwahrlost, dass Jugendbanden und Drogendealer durch die Straßen ziehen und manchmal sogar auf Polizisten schießen, und daran denken alle Nicht-Neuköllner, wenn man ihnen erzählt, dass man in Neukölln wohnt.
    (...).
    Im Reuterkiez sind zwar 14 Prozent der Bewohner Sozialhilfeempfänger und um die 35 Prozent sind arbeitslos, aber sie eröffnen Cafés, die den Namen »Kinski« oder »Olive« tragen, gründen Vereine und Filmproduktionsfirmen. Schließlich ist das hier auch fast noch Kreuzberg. Auf der anderen Seite des Kanals ist schon das Paul-Lincke-Ufer. Und doch ist es so, als trete man in eine andere Welt, wenn man die Brücke überquert. Man geht vom Schatten ins Licht."

    SELCHOW, Stephanie von (2004): Im falschen Film.
    Gregor Tessnow erzählt aus dem Neuköllner Alltag,
    in: Tagesspiegel v. 22.02.

    FEDDERSEN, Jan (2005) Juten Morgen, Sausocke!
    Parallelwelten: Mein Stadtteil ist proll. Na und? Dafür herrschen klare Verhältnisse: "Westerwelle, dit jeht jar nich!",
    in: TAZ v. 22.09.

    "Was könnte man gegen den Berliner Bezirk Neukölln haben? Außer, dass er einerseits genauso türkisch grundiert ist wie Kreuzberg, andererseits aber ohne diesen Appeal von fröhlichem Multikultimix auskommen muss? Seit ich dort wohne, heißt es: »Super, da wohnst du? Klasse. Neukölln soll ja echt kommen.« Das ist neun Jahre her - aber so sicher, wie die in meinem Viertel besonders dampfende Hundekacke auf den Bürgersteigen zertreten wird, so gewiss kommt Neukölln nicht", meint Jan FEDDERSEN.

    WENSIERSKI, Peter u. a. (2006): Die verlorene Welt.
    Es sind Brandbriefe, Bankrotterklärungen und Hilferufe: Die Lehrer mehrerer Berliner Hauptschulen klagen über die Unmöglichkeit ihrer Aufgabe. In einer Gesellschaft, in der Oben und Unten auseinanderdriften und Eltern ihre Kinder nicht mehr erziehen, eskaliert die Gewalt,
    in: Spiegel Nr. 14 v. 03.04.

    SUNDERMEIER, Jörg (2006): Auch hier gibt es Latte Macchiato.
    Neukölln ist weniger Ghetto denn je. Das Viertel wird bürgerlicher und kreativer,
    in: Berliner Zeitung v. 03.04.

    Als der Begriff Gentrification in den 1980er Jahren in New York für städtische Aufwertungsprozesse erfunden wurde, da hat ihn der 68er Hartmut HÄUßERMANN auf Deutschland übertragen. Demnach sollten nach den Pionieren (Studenten, Künstler, Kreative usw.) die Gentrifier kommen. Jörg SUNDERMEIER ist in diesem Sinne ein Pionier, dem nun die Gentrifier nachfolgen. Da Gentrification inzwischen nicht mehr "naturwüchsig" abläuft, sondern längst professionell geplant wird, sind Medienkampagnen das A und O dieses Prozesses geworden. Aus der Sicht des Pioniers liest sich das dann folgendermaßen:

    "was professionelle Niedergangsbeobachter für einen untrüglichen Nachweis des Verfalls nehmen, kann man auch anders beurteilen. Nordneukölln nämlich wird seit einigen Jahren von einer neuen Bevölkerungsschicht entdeckt, die peu a peu die alte verdrängt. In Rixdorf und um den Körnerpark herum muss man inzwischen schon lange suchen, bis man eine von jenen herumlungernden, pöbelnden Jugendbanden findet, die das Viertel angeblich zur Gänze beherrschen. Die Studienräte und städtischen Angestellten, die sommertags im Körnerparkcafé plauschen oder auf die Bäuche der nach Tempelhof einfliegenden Charterjets schauen, können sich darüber freuen, dass immer mehr gut gekleidete, besser gebildete junge Leute dort sitzen, wo sich gerade noch Großfamilien breitmachten."

    SPEICHER, Stephan (2006): Mit Aufwertung arbeiten.
    Ein Gespräch mit Dieter Hoffmann-Axthelm über Neukölln und die Möglichkeiten der Stadtplanung,
    in: Berliner Zeitung v. 03.04.

    Dieter HOFFMANN-AXTHELM beschreibt die Entwicklung von Nord-Neukölln zum ethnischen Viertel in den 1980er Jahren. Er sieht in der Gentrifizierung des Viertels zu einem Wohnviertel für Besserverdienende die Lösung.

    ALEXANDER, Robin (2006): Bei uns daheim im Ghetto.
    Schüsse peitschen, auf dem Spielplatz gibt es Drogen und die Rütli-Schule ist um die Ecke. Wir leben in Neukölln,
    in: TAZ v. 07.04.

    MENZEL, Rebecca (2006): Willkommen im Rütli-Kiez.
    Nord-Neukölln gilt seit dem Rütli-Skandal als die Berliner Bronx. Das ist Unsinn, denn die robuste Berliner Mischung aus Bürgerlichen und Freaks, Kreativen und Migranten verhält sich gegen alle Einheitsprinzipien extrem resistent, auch gegen das Ghetto-Label. tip-Autorin Rebecca Menzel über ihr Viertel, das eigentlich Reuter- und nicht Rütli-Kiez heißt,
    in:
    Tip Berlin Nr.9 v. 20.04.

    "Wenn ich aus meinem Wohnzimmerfenster schaue, sehe ich auf den Hof der Rütli-Schule. Seit die ersten Meldungen vom Hilferuf der Rütli-Lehrer kamen und sich die Presse-Meute vor dem Schultor sammelte, lebe ich laut »Spiegel« in der deutschen Bronx. Manche sprechen gar von Slum. Doch wenn ich vor die Haustür trete, stolpere ich über die Auslagen eines Bio-Ladens, der Trödler an der Ecke winkt, und die Glocken der St. Christophorus-Kirche läuten. Der Kiez hat es schwer, seinem Ghetto-Image gerecht zu werden, denn seine neuen Seiten werden immer sichtbarer.
    Die Veränderung kommt mit den leuchtenden Schaufenstern nach Nord-Neukölln, das manchmal ganz schön dunkel ist, weil so viele Geschäfte leer stehen",

    beschreibt MENZEL das Image und ihre gegenteilige Sicht. Die erfolgreiche Arbeit einer Zwischennutzungsagentur trägt zum Wandel in Nord-Neukölln bei:

    "Für den Einzelhandel sind die großen Einkaufszentren in der Karl-Marx-Straße und am Hermannsplatz eine übermächtige Konkurrenz. Das weiß auch Maria Richarz von der Zwischennutzungsagentur. Seit anderthalb Jahren versucht sie mit zwei Kolleginnen, leer stehende Gewerberäume an Kreative und soziale Projekte zu vermitteln. (...). Inzwischen hat die Zwischennutzungsagentur (...) gute Kontakte zu einigen Eigentümern hergestellt. Trotzdem gibt es viel mehr Interessenten als mietbare Läden, zahlreiche Anfragen kommen aus Mitte und Prenzlauer Berg. Den Gentrifizierungseffekt, die Verdrängung traditioneller Bevölkerungsschichten, weil den Künstlern die finanzstarken Investoren nachfolgen, befürchtet Maria Richarz nicht: »Schickimickisierung mit Staatsgeldern läuft hier einfach nicht.«"

    WAHBA, Annabel (2006): "Bei mir lachen die Leute auch ohne Pointe".
    Die Neuköllner kommen groß raus: Detlev Buck dreht dort "Knallhart", Kathrin Passig gewinnt den Bachmann-Preis und Kurt Krömer erobert die ARD?
    in: Tagesspiegel v. 03.09.

    HOLM, Andrej (2007): "Endstation Neukölln" oder "neuer Trendkiez"?
    Zwischen Rütlischule und Landwehrkanal wird darüber diskutiert, ob in Nord-Neukölln Gentrifizierung stattfindet,
    in: MieterEcho Nr. 324, Oktober

    zitty-Titelgeschichte: Neukölln rockt.
    Mit zitty unterwegs in Berlins derzeit spannendstem Bezirk

    BOESE, Daniel (2008): Neukölln rockt.
    Eine Welle von Bars und Galerien eröffnet zwischen Landwehrkanal und Herrmannplatz. Aber reicht das, um Neukölln mit Leben zu füllen?
    in:
    zitty Nr.6 v. 08.03.

    "Kreuzkölln. Noch eines dieser Worte, die niemand ernsthaft benutzt und  die trotzdem nicht totzukriegen sind. Castingallee war so ein Wort. Und jetzt Kreuzkölln. Neukölln ist hip wie Kreuzberg, will es wohl sagen. Dort wo die beiden Viertel am Landwehrkanal zusammenstoßen, machen jede Woche neue Kneipen auf, es gibt Kulturvereine für junge Berliner und Cafds, die mehr als Kännchenkaffee und Plunderstücke servieren. »Kreuzköllner Nächte sind lang« schreibt die Morgenpost, Makler werben für »provisionsfreie Wohnungen hier in Kreuzkölln«, und »Arte« filmt die Travestie-Galerie im Viertel - keine Frage, der Hype ist da. Aber was steckt dahinter? Kann man rund um die Rütlischule wirklich angenehm ausgehen, arbeiten oder leben?"

    fragt BOESE und beschreibt den Einstellungswandel zum "ehemaligen" Problembezirk Nord-Neukölln:

    "Essen gehen, Reden, Trinken, Flirten - das sind die simplen Zutaten, die den Hype um Neukölln anfeuern. Denn die neuen Bars. Kneipen und Restaurants schaffen genau den Austausch, die Netzwerke, den Herdentrieb, die so lange fehlten. Wer vor zwei Jahren sagte, er wohne auf der Weserstraße, erntete mitleidige Blicke. Heute heißt es, oh, das ist ja aufregend."

    Zu den Lokalitäten, die ab 2006 in Kreuzkölln eröffnet haben, gehört auch das Freies Neukölln:

    "Freies Neukölln
    Was: Kneipe,/Imbiss im Alt-Berliner Stil mit mediterraner Küche und eigenem Internetsender (www.sender-fn.de). Wer: Antje Borchardt und Matthias Merkle vermissten in ihrem Bezirk eine Kneipe, die weder wie das Kinski noch wie das Ringo aussah. Antje ist nebenbei Filmproduzentin, Matthias Regisseur. Seit: November 2006 Pannierstr. 54, tägl. ab 19 Uhr"

    GÖLLNER, Lutz (2008): Neukölln State of Mind.
    Eine Hommage an einen ehrlichen Stadtteil,
    in:
    zitty Nr.6 v. 08.03.

    FEDDERSEN, Jan (2008) Achtung Wollmützenalarm!
    Parallelwelten: Bis vor kurzem war Neukölln noch der soziale Brennpunkt. Jetzt heißt es, der Kiez komme. Oh weia,
    in: TAZ v. 17.03.

    "Mein Kumpel Klaus versteht sich auf die kleinen Unterschiede. Schlau ist er auch, also würde er nie zugeben, unbedingt aufsteigen zu wollen. Weg aus der Gosse, aus Verhältnissen, die nach Verlierertum riechen. Er würde gerne zu jenen jungen Menschen gehören, die am Rosenthaler Platz in Berlins Mitte leben, aber er würde das nie laut sagen. (...). Klaus (...) lebte bis vor kurzem spätstudentisch in Kreuzberg, wie er meinte. Glatt geflunkert. Näher insistiert, erwies sich, dass da nix ist mit Kreuzberg, denn (...) Klaus konnte es vom Wohnschlafarbeitszimmer immer nur sehen. Zwischen dem Dorado und ihm lag der Kanal. Eine natürliche Grenze, und er auf der falschen Seite. Nun ist er umgezogen, beteuernd, »jetzt lebe ich wirklich in Neukölln«. (...). Klaus hat Quartier bezogen, aber wiederum nur als Falschmünzer. Der Teil, in dem er in Ufernähe zu Kreuzberg lebte, ist insgesamt einer, der links der Sonnenallee liegt - diese Straße jedoch ist die Scheidelinie. Klaus' Kiez heißt szeneastisch betrachtet Kreuzkölln - steht schon auf T-Shirts, widerlich. Kreuzkölln soll signalisieren: Ich bin zwar in Neukölln gemeldet, aber eigentlich ist es wie Kreuzberg", schildert Jan FEDDERSEN am Beispiel von Klaus wie es zum Hype um Nord-Neukölln gekommen ist.

    FRIEBE, Holm (2008): Currywurst mit Blattgold,
    in: Magazin der Berliner Zeitung v. 13.09.

    Holm FRIEBE schreibt über Gentrifizierung und Currywurst am Beispiel Berlin:

    "»Heißt Gentrifizierung auch, dass ihr endlich aufhört, vor meinen Laden zu pissen?«, fragte unlängst in seinem Schaufenster ein irritierter Galerist im von Gentrifizierung arg betroffenen Kreuzkölln, dem an Kreuzberg grenzenden Zipfel von Neukölln. Den Menschen können wir beruhigen. Bis dahin wird es wohl noch so zwei, drei Jahre dauern.
    Das voll entfaltete Spätstadium der Gentrifizierung ist dagegen in Prenzlauer Berg und Mitte zu besichtigen, inklusive aller unschönen Auswüchse und Dekadenzphänomene. Zu letzteren zählt eindeutig die »Currywurst Gold« mit »22 Karat Blattgold«
    ".

    KIONTKE, Jürgen (2008): Gebiete knacken.
    Reihe über Gentrifizierung in der Hauptstadt. Nicht der Zuzug der Studenten ist das Problem, sondern die Aufwertung der Wohnungen. So weit die Theorie. Bericht aus der Nord-Neuköllner Praxis,
    in: Jungle World Nr.44 v. 30.10.

    TIP BERLIN-Titelgeschichte: Nord Neukölln.
    Berlins Lower Eastside

    SLASKI, Jacek (2010): Spielplatz der Avantgarde.
    Alle paar Tage eröffnet eine Bar, ein Atelier oder ein Kunstraum, wo bisher nur Matratzendiscounter, türkische Bäcker und Handy-Shops residierten. Im nördlichen Teil von Neukölln entsteht aufregende und mutige Kultur jenseits von Cocktail-Lounge und White-Cube-Gallery. Der Enthusiasmus, mit dem die Künstler und Musiker zwischen Wildenbruch-, Weser- und Boddinstraße zu Werke gehen, aber auch die Voraussetzungen, unter denen diese Entwicklung vonstatten geht, rufen ein berühmtes historisches Vorbild in Erinnerung. Was heute in Nord-Neukölln passier, gab es ähnlich schon einmal: vor 30 Jahren in der New Yorker Lower East Side,
    in:
    Tip Berlin Nr.6 v. 03.04.

    "Was derzeit im Norden von Neukölln passiert, lässt sich durchaus mit der Entwicklung von New Yorks Lower East Side in den 1970er und 1980er Jahren vergleichen. Damals zogen Künstler und Musiker in den heruntergekommenen Stadtteil im Südosten Manhattans, weil das Greenwich Village, traditionell die bevorzugte Wohngegend der Boheme, zu teuer wurde und für neuartige musikalische und künstlerische Ideen keine Plattform bot (...). In der multiethnischen Arbeitergegend erfanden die Pioniere der New Yorker Downtownszene eine Mischung aus apokalyptischem Großstadtgefühl, Do-it-yourself-Strategie und Bildersturm. Sie gaben uns No Wave und das Cinema of Transgression, 30 Jahre lang stand hier der sagenumwobene Punkclub CBGB's (...) und der Saxofonist und Labelbetreiber John Zorn revolutionierte aus der Lower East Side heraus den Jazz (...). Betritt man heute das NK, bekommt man eine Vorstellung, wie die experimentellen Loftkonzerte der New Yorker damals ausgesehen haben mochten",

    schwärmt SLASKI. Die Voraussetzungen für diese Entwicklung schildert er folgendermaßen:

    "Die Bedingungen in Neukölln ähneln der Situation, in der sich Lower East Side in den 80er Jahren befand: Der Bezirk liegt zentral und hat neben den günstigen Mieten und dem Leerstand eine ungestüme Energie und einen spannenden schlechten Ruf zu bieten."

    Doch vom Szeneviertel zum gentrifizierten Wohnviertel ("Reichengetto") à la Prenzlauer Berg ist es nicht weit:

    "Die ersten Anzeichen der Veränderung sind bereits da: Es wird in Neukölln zunehmend schwerer, eine bezahlbare Wohnung zu finden, und zwischen den kommerziell wenig erfolgreichen Erwachsenenspielplätzen und Klanglaboren haben sich ungezählte Bars und Caf6s eines anderen Typs angesiedelt, darunter das Super Sonic und die Kachellounge in der Weichselstraße oder das Erik & Hilde in der Elbestraße. Die Weserstraße wiederum ist bereits auf dem besten Wege, zur Kastanienallee Neuköllns zu werden. Es gibt jedoch einen grundsätzlichen Unterschied zwischen den Orten des künst- Ierischen und sozialen Experiments und den schicken Bars, die über eine Cocktailkarte verfügen und in denen Hot Chip oder Vampire Weekend gespielt wird. Letztere bringen zwar eine vermeintliche Verbesserung der Lebensqualität mit sich, befriedigen aber bloß die Bedürfnisse derer, die bald alle schönen Wohnungen anmieten, Kinder kriegen und daraufhin private Kindertagesstätten, Modegeschäfte und Bio-Eisdielen eröffnen. Wohin das führt, kann man am Prenzlauer Berg sehen. Die Lower East Side ist ebenso ein Paradebeispiel für eine solche Entwicklung. Heute gehört der Bezirk zu den beliebtesten Wohngegenden Manhattans und zu den teuersten." 

    GROSCHUPF, Johannes (2010): Salam Aleikum heißt Juten Tach.
    Lebensadern (25): In der Neuköllner Sonnenallee begegnen sich prekäre Milieus,
    in:
    Tagesspiegel v. 22.03.

    BRÜNS, Elke (2010): Tief im Herzen ist jeder ein Integrationsverweigerer.
    Unterwegs im Symboluniversum Berlin-Neukölln. Eine Standortbestimmung für Integrationsverwirrte am Büchertisch bei Karstadt am Hermannplatz, wo die Bücher ebenso schwarz gehalten sind wie ihre Geschichten,
    in: Frankfurter Rundschau v. 14.10.

    RAISER, Christoph (2010): Neukölln und das internationale Pack.
    Wie die Debatte um Gentrifizierung zusehends einen xenophoben Beigeschmack bekommt,
    in: Berliner Zeitung v. 16.11.

    Christoph RAISER berichtet über eine spießige Neuköllner Gentrifizierungsdebatte, während die trendige Zeitschrift Monocle im Novemberheft das gentrifizierte Neukölln als Attraktion für die globale kreative Klasse anpreist und "local colour, generous space and cultural diversity" verspricht.

    JANOVSKY, Silke (2011): Gründerzeit.
    Neukölln stand lange für Armut und Gewalt. Doch der Reuterkiez im Norden des Berliner Bezirks hat sich zu einem Ausgehviertel gewandelt, in dem viel Hoffnung steckt. Auch Orhan Demirel, ein 47-jähriger Türke, versucht sich dort als Barbesitzer - und hat andere Probleme als seine deutschen Kollegen,
    in: Berliner Zeitung v. 01.03.

    HASEL, Friederike (2011): Das Wohngetüm.
    Berliner Häuser (12): Im Block Falkstraße 24 im Rollbergkiez lebt endlich eine WG. 30 Jahre nach dem Bau wird das Neuköllner Viertel nun so, wie sein Architekt es plante,
    in: Tagesspiegel v. 18.09.

    "»Lass mal Köpfe gehen«, sagten die Jungen und dann prügelten, stahlen und vergewaltigten sie. 2003 wurde ein Polizist im Viertel erschossen. Einige Jahre später schrieb die Ex-Bewohnerin Güner Balci das Buch »Arabboy«, das die Siedlung über Berlin hinaus bekannt machte",

    skizziert HASEL die Ethnisierung des ehemaligen Arbeiterquartiers Rollbergkiez in Neukölln, die mit der Stadterneuerung in den 1980er Jahren ihren Anfang nahm. Dieter HOFFMANN-AXTHELM beschreibt das 2006 folgendermaßen:

    "Erst ab den achtziger Jahren ist Neukölln Nord zu einem ethnischen Viertel geworden, bewohnt von Türken, Afrikanern und zuletzt auch Arabern. Es gibt da ganz verschiedene Quartiere. Erstens die gut gehenden wie Richardplatz oder rund um den Körnerplatz, andererseits die uralten Problemkieze. Auch da gibt es unterschiedliche Problemlagen: Die Schillerpromenade hat noch die alte Bausubstanz, das Rollbergviertel ist abgerissen und neu bebaut worden. Beides sind Brennpunkte. Das Rollbergviertel war das älteste Viertel überhaupt. Trotzdem musste es nicht abgerissen werden, das war ein Racheakt der SPD an einem alten Kommunistenviertel. Die Probleme entstanden dann schnell, einmal durch die Belegung mit sozial schwachen Mietern und Ausländern, dann durch die neuen Wohnanlagen: Nicht mehr parzellär gebaute Einzelhäuser, sondern große Apparate, jeder einzelne so groß wie vorher ein ganzer Block. Das war ein Verlust an Differenzierung und Zuordnung: zu welchem Haus gehöre ich? Es reißt ein, was man Verantwortungslosigkeit nennt."

    TIP BERLIN-Titelgeschichte: Wohin geht Neukölln?
    Zwischen Problemkiez und Künstlerspielplatz: Wie der junge Szenebezirk seine Gegensätze versöhnt

    MÖSKEN, Anne Lena (2011): Aufbruch am Hermannplatz.
    Nordneukölln ist nicht nur ein Kiez, sondern auch ein Lebensgefühl. lm Wochentakt eröffnen neue Bars und Läden. Noch finden Kreative die Freiräume für ihre Projekte, aber schon werden die Mieten erhöht. Spekulanten, Alteingesessene und neu Zugezogene handeln gerade die Zukunft des Bezirks aus,
    in:
    Tip Berlin Nr.11 v. 12.05.

    TIP BERLIN (2011): Neukölln im Aufbruch.
    Nord-Neukölln ist nicht nur ein Kiez, sondern auch ein Lebensgefühl. Im Wochentakt eröffnen neue Bars und Läden. Noch finden Kreative die Freiräume für ihre Projekte, aber schon werden die Mieten erhöht,
    in:
    Tip Berlin Online v. 27.05.

    KURIANOWICZ, Tomasz (2011): Vom Problembezirk zur A-Lage.
    Extravagante Kneipen und multikulturelles Flair: Junge Kreative machen aus dem Berliner Problembezirk Neukölln einen Trend-Kiez - der entfernt an das New York der Achtziger erinnert,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.10.

    BÜCH, Max & Karolin KORTHASE (2013): Von der Fixer- zur Gentristube.
    Wiedereröffnung: Der Club Fuchs & Elster in Neukölln ist nach einem halben Jahr Pause zurück. Ein Porträt der drei BetreiberInnen, die vom früheren Hype um ihre Location berichten,
    in:
    TAZ Berlin v. 26.01.

    MESSMER, Susanne (2013): Trödelmöbel und Tütenlampen.
    Trend: Bis vor Kurzem galt Neukölln als aufregend, inzwischen steht der Stadtteil in den meisten Reiseführern. Wird er nun von Touristen zertrampelt? Ein Realitycheck,
    in:
    TAZ Berlin v. 16.02.

    "Ja, immer mehr Freunde aus Prenzlauer Berg und Kreuzberg sind in den letzten Jahren nach Neukölln gezogen. Die zitty teilte mit: »Neukölln rockt« - und machte dort die neuen Hipster aus. Dass aber Neukölln inzwischen in den meisten Reiseführern auftaucht? Dass der »Lonely Planet« meint, Neukölln sei das »Lower Eastside aus dem New York der Achtziger«? Und der neue »Berlin-Merian« behauptet, Neukölln sei das wichtigste »Laboratorium« Berlins, dieser »Kreativhauptstadt« des »Alles ist möglich«?"

    berichtet Susanne MESSMER, um dann ein Gegenbild von Neukölln zu entwerfen, das der taz-Linie entspricht, in deren Mittelpunkt der Schillerkiez steht. 

    GÜRGEN, Malene (2013): Geheimtipp für alle.
    Stress: Plötzlich steht der eigene Laden im Reiseführer und wird von den Billigfliegern überrannt. Was tun? Gibt es ein Leben nach dem "Lonely Planet"?
    in:
    TAZ Berlin v. 16.02.

    TIP BERLIN-Titelgeschichte: Berlin ist tot, es lebe Berlin!
    Der Tip klärt die Coolness-Debatte

    NANDI, Jacinta (2014): "Fuck, das waren Zeiten!"
    Als Jacinta Nandi nach Neukölln zog, war Berlin noch cooler als eine Edeka-Werbung. Bis die Penner aus ihrer Heimat kamen: Ost-London,
    in: tip Berlin Nr.7
    v. 27.03.

    PALLARZ, Susann (2014): Wir sind Neukölln!
    Der einstige Problembezirk wird zum internationalen Hipster-Hotspot. Mittendrin: Ladenbetreiber, die ums Überleben kämpfen. Fünf Einblicke rund um die Karl-Marx-Straße,
    in: zitty Berlin Nr.8 v. 03.04.

    Neu:
    ROßBACH, Henriette & Birgit Ochs (2014): Problemkiez im Wandel.
    Berlin-Neukölln hatte lange einen schlechten Ruf. Nun kommen vor allem die an Kreuzberg grenzenden Straßenzüge in Mode. Das treibt die Immobilienpreise,
    in:
    Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.05.

     
       

    Uli Hannemann im WWW

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 12. Februar 2012
    Update: 23. September 2015