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Volker Weidermann: Lichtjahre

 
       
     
       
   
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    Volker Weidermann in seiner eigenen Schreibe

     
       

    WEIDERMANN, Volker (1999): Die Generation Z und das Ende dieser Welt,
    in:
    TAZ v. 13.10.

    Rezension des Buches Elementarteilchen von Michel HOUELLEBECQ.

    WEIDERMANN, Volker (2000): Die Starre vor dem Tod.
    Philippe Harel hat Michel Houellebecqs "Ausweitung der Kampfzone" (Panorama) als Deprimierungsmanifest verfilmt,
    in: TAZ Berlin v. 11.02.

    Besprechung der Houellebecq-Verfilmung Ausweitung der Kampfzone von Philippe HAREL.

    WEIDERMANN, Volker (2000): Ferien mit Michel,
    in:
    TAZ v. 20.12.

    Rezension des Gedichtbands Suche nach Glück und des Text- & Bildbandes Lanzarote von Michel HOUELLEBECQ.

    WEIDERMANN, Volker (2000): Der Moralist im schwarzen Golf,
    in:
    TAZ v. 26.08.

    Georg M. Oswald - Alles was zählt

    WEIDERMANN, Volker (2002): Jahrgang Riefenstahl.
    1902 wurden sie geboren, 1918 enttäuscht, 1933 in Versuchung geführt: Eine Generation ohne Halt und Haltung,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 18.08.

    Volker WEIDERMANN zeichnet anlässlich des 100. Geburtstages von Leni RIEFENSTAHL - wie bereits Jan BRANDT in der taz (03.08.) - den Jahrgang 1902 anhand von Ernst GLAESER (Bestsellerroman "Jahrgang 1902") und Ernst von SALOMON ("Die Geächteten") nach:

    "Ein bis an den Rand gefülltes, leeres Leben. Das eint all die orientierungslosen Beschwerdeführer, die aus ihrem Geburtsjahr ein Schicksal formten, ein Leben lang.
    Eine von ihnen sieht man heute noch. Sie lächelt. Sie zuckt die Schultern und sagt: 'Eigentlich bin ich unpolitisch.' Und hat damit vollkommen recht."

    WEIDERMANN, Volker (2002): Der Chef.
    Ernst-Weilhelm Händler ist Unternehmer - und hat den interessantesten Roman dieses Herbstes geschrieben: "Wenn wir sterben",
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.10.

    WEIDERMANN ist begeistert von dem Roman des Regensburger Autors, in dem es um die Geschichte von vier fünfundvierzigjährigen Frauen geht,

    "denen in den Übernahmekämpfen der freien Wirtschaft zunächst ihre Persönlichkeit, ihre persönlichen Beziehungen, ihr freies, nicht rein zielgerichtetes Denken und schließlich auch noch die Macht abhanden kommen und die zu ökonomisch gesteuerten, kalten, deformierten Monstern werden. Einsam, zu keiner persönlichen Bindung mehr fähig, das Ende erwartend, zerstört."

    WEIDERMANN, Volker (2003): die neue deutsche Romantik.
    Die deutschsprachige Gegenwartsliteratur zieht sich ins Private zurück und feiert das Glück der Liebe,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.09.

    Romantik ist demografiepolitische Pflicht! Die katholisch-konservative Familienpolitik  sieht einen direkten Zusammenhang zwischen romantischer Liebe und massenhaft Kinderkriegen. Selbst die taz beklagt inzwischen, dass dieser Automatismus nicht auf freiwilliger Basis funktioniert. Die Kulturindustrie soll nun Abhilfe schaffen. Volker WEIDERMANN kündigt einen Herbst der großen Liebe an. Das Spektrum reicht von "peinlicher Altmänner-Potenz-Pose" eines Günter GRASS ("Letzte Tänze") über den Untertagblues eines Peter HANDKE und Die große Liebe von Hanns-Josef ORTHEIL bis zum verzweifelten "Frauen-Sehnsuchtsroman" von Benjamin LEBERT ("Der Vogel ist ein Rabe"). Und nach der Rentenreform - bei der sich die Jüngeren von Flakhelfern und 68ern ohne Widerstand über den Tisch ziehen ließen - dürfen die Statistiker dann den Babyboom verkünden.

    WEIDERMANN, Volker (2003): Keiner kann sie stoppen.
    Lauter letzte Bücher - doch die Generation Grass räumt ihren Schreibtisch nur zum Schein,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 30.11.

    Volker WEIDERMANN über die Schriftsteller der Flakhelfer-Generation: "Das war schon immer so, doch kaum eine Generation hat sich so früh so massiven Putsch- und Ablösungsversuchen ausgesetzt gesehen wie die Generation Grass, die Generation der Gruppe 47. Ob in Princeton, Tutzing, Schloß Elmau. Seit beinahe vierzig Jahren gehören die Schweigeforderungen der Nachfolgegenerationen praktisch als konstituierendes Element zur Generation der heute Alten mit dazu. Doch gleichzeitig - und vielleicht ist ja das eine nur eine natürliche Folge des anderen - hat sich kaum eine Generation zuvor als so zäh, standhaft, produktiv und schreibfreudig erwiesen wie diese."

    WEIDERMANN, Volker (2005): Neues Deutschland.
    Die Sehnsucht nach Pathos und heiligem Ernst: Der Schriftsteller Uwe Tellkamp will keinen Spaß verstehen,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.04.

    Besprechung des Buchs Der Eisvogel von Uwe TELLKAMP.

    WEIDERMANN, Volker (2005): Das letzte Tabu.
    Michel Houellebecqs neuer Roman erzählt von Sex, Autos und Klonen - vor allem aber vom Unglück des Älterwerdens,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.08.

    Ist Volker WEIDERMANN inzwischen Angestellter bei Daimler-Chrysler? Oder was soll die penetrante Mercedes-Werbung in dieser Rezension? WEIDERMANN bedient neben der Autoindustrie noch die Antifemmisten, die sich über willige Frauen bei HOUELLEBECQ freuen dürfen (Feministinnen werden sich entsprechend mokieren). Das Fazit von WEIDERMANN zum öden Zweitaufguss der Elementarteilchen lautet:

    "Roman über das Unglück des Alterns. Neben allen Thesen vom Ende der Religionen und dem Traum vom neuen Menschen, von Nietzsche und vom Ende der Liebe ist es vor allem anderen dies: ein Buch der Angst. In seinen Visionen wird in naher Zukunft eine Selbstmordwelle durch die Welt gehen, der die meisten Frauen über vierzig und die Männer über fünfzig zum Opfer fallen. Die Lücke zwischen dem totalen Körperkult der Gesellschaft und der Unmöglichkeit der Liebe ist für keinen mehr zu schließen."

    WEIDERMANN, Volker (2006): Das war Zyankali, mein Fräulein!
    Er grüßte seine SS-Kameraden und tötete sich vor Tausenden. Grass hat über ihn geschrieben. Und jetzt auch seine Tochter,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.02.

    Besprechung des Buchs Das falsche Leben von Ute SCHEUB.

    WEIDERMANN, Volker (2006): Das Lesen ist schön.
    Ja, Leidenschaft: Warum Literatur und Kritik lebendig sind,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.04.

    WEIDERMANN, Volker (2010): Wir Leute aus Hardrockhausen.
    Moritz von Uslar hat ein Buch über Zehdenick und seine Bewohner geschrieben. Wie sie das finden, hat er bei seiner Lesung erfahren,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.11.

    WEIDERMANN, Volker (2013): Schreibt schneller!
    Literaturkritik muss sich vor dem Internet nicht fürchten. Sie muss nur wieder so modern werden, wie sie mal war,
    in:
    Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.05.

    Volker WEIDERMANN setzt sich mit dem Zustand der Literaturkritik auseinander, die Roman BUCHELI in der NZZ beklagt hat. Die Qualitätszeitungen nimmt er aus, denn Selbstkritik ist seine Sache nicht. Dafür kriegen die Lokalzeitungen ("oft genug kommen die (...) direkt aus der Werbe- beziehungsweise Verlagsbranche, das kostet die Zeitung dann nicht mal was") und das Internet ("Wo (...) jeder Hanswurst seine Meinung über Bücher hinaustrompetet") ihr Fett weg. Die Qualitätszeitungen dagegen trumpfen mit Qualitätsmeinung. Vorbild ist ihm Egon FRIEDELL:

    "Der Kritiker hat den Bestand an Talenten direkt zu vermehren, indem er sie entdeckt, dazu stempelt, meinetwegen sogar erfindet."

    Neu:
    WEIDERMANN, Volker (2014): Explosion der Einsamkeit.
    Von einem, der auszog, seine Kindheit wiederzufinden: Haruki Murakamis Roman "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki",
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.01.

    Haruki Murakami - Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

     
           
       

    Volker Weidermann im Gespräch

     
       
    fehlt noch
     
           
       

    Lichtjahre (2006).
    Eine kurze Geschichte der Literatur von 1945 bis heute
    Köln:
    Kiepenheuer & Witsch

     
       
         
     

    Klappentext

    "60 Jahre, 135 Autorinnen und Autoren: Was für eine Zeit, was für eine Vielfalt! Mit frischem Blick, Leselust und Meinungsfreude wird hier die jüngste Epoche der deutschen Literatur gemustert, erzählt und sortiert.

    Volker Weidermann, Literaturredakteur der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, hat dort angefangen, wo erstmal alles zu Ende war. Wie ging es los nach dem Krieg, wer war schon da, wer kam dazu, wer wollte zurück und was ist daraus geworden? Exilanten und innere Emigranten, alte Eminenzen und junge Wilde werden vorgestellt, mächtige Herren und kämpferische Frauen – ein Panorama der deutschen Literatur von der Stunde Null bis heute. Und ein Bild von der ungeheuren Dynamik, mit der sich die Literatur der Zeit entwickelt und verändert. Im Westen wird die Gruppe 47 gegründet und wieder zerlegt, im Osten der Sozialismus gefeiert und bekämpft, im Westen verkünden sie Innerlichkeit und Revolte, im Osten geht man den Bitterfelder Weg oder verlässt das Land. Es geht um vergessene Könner und vermessene Bekenner, große Erfolge und stille Triumphe – und um viele, viele einzelne Schicksale.
    Mit Leidenschaft, Humor und großem Wissen nimmt Volker Weidermann den Leser mit auf einen schnellen Streifzug durch die goldenen Jahre der deutschen Literatur, schlägt große und kleine Bögen, skizziert Einflüsse, Abhängigkeiten und Gegensätze und landet mit Christian Kracht, Judith Hermann, Feridun Zaimoglu, Daniel Kehlmann, Ingo Schulze u. v. a. m. in unserer Gegenwart. Vor allem und immer wieder zeigt er den einzelnen Autoren, der unbeirrt seinen Weg weitergeht. Und plötzlich will man unbedingt Gert Ledig lesen, oder Hubert Fichte, oder Max Frisch mal wieder – ein Buch der Überraschungen!"

     
         
     
           
       

    Rezensionen

    BARTMANN, Christoph (2006): Wilde Männer mitten im Leben.
    Volker Weidermann hat eine sehr "Kurze Geschichte der deutschen Literatur von 1945 bis heute" geschrieben,
    in:  Süddeutsche Zeitung v. 28.03.

    GREINER, Ulrich (2006): Abglanz des Gelebten.
    Volker Weidermann betreibt Biografismus als Literaturgeschichte,
    in: Die ZEIT Nr.14 v. 30.03.

    Der 68er Ulrich GREINER, von WINKELS als Gnostiker bezeichnet, wird ganz Empathiker, wenn er WEIDERMANNs Buch als "anregend - und ausgesprochen ärgerlich" bezeichnet.

    MORITZ, Rainer (2006): Leuchtschwertschläge.
    Volker Weidermanns kühne Literaturgeschichte,
    in: Tagesspiegel v. 02.04.

    Rainer MORITZ bescheinigt Volker WEIDERMANN Mut zur Meinung. Während ihm die Popliteratur zu viel Raum einnimmt, fehlen ihm wichtige Klassiker. Die Einseitigkeiten der Literaturgeschichte führt MORITZ auf die Tatsache der Zweitverwertung zurück.

    HARTWIG, Ina (2006): Ich und der Dichter.
    Achtung, Achtung: Die Ganzkörperliteraturkritik übernimmt,
    in: Frankfurter Rundschau v. 04.04.

    Ina HARTWIG macht unmissverständlich klar: "Ulrich Greiner hat Weidermann in der Zeit »Biographismus« vorgeworfen. Ist, was Weidermann über Celan schreibt, nicht vielmehr biographische Suggestion? Oder wenn Ingeborg Bachmanns Lebensende bedichtet wird mit den Worten: »Der Tod kam nachts. Sie hatte Beruhigungsmittel genommen. Legte sich ins Bett. Allein. Mit einer brennnenden Zigarette. Das Bett fing Feuer. Das Nachthemd fing Feuer. Ingeborg Bachmann ist verbrannt.« Nein, das ist nicht biographisch, auch nicht biographistisch, sondern schlicht Tratsch. Man könnte auch sagen: Schriftstellerlebensgeschichtskitsch, und zwar auf Kosten von Lebenden, Toten und auf Kosten der seriösen Literaturkritik."

    KRAUSE, Tilman (2006): Der Literaturhistoriker als Flaneur.
    Volker Weidermanns weniger gelehrte als anregend gesellige Geschichte der deutschen Literatur seit 1945,
    in: Welt v. 08.04.

    KRUMBHOLZ, Martin (2006): Kleine Erregung.
    Ein Streit um Volker Weidermanns «Geschichte der deutschen Literatur»,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 11.04.

    "Weidermanns Begeisterungsbuch wendet sich spürbar an ein jüngeres, eher ahnungsloses Publikum, das die Nachkriegsliteratur um mehr als zwei Wochen verpasst hat und nun von einem Gleichgesinnten erfahren will: Welche Lektüre sollte ich nachholen? Das ginge an, käme es dabei nicht zu grotesken Klitterungen. Über Genazino befindet der Verfasser allen Ernstes, er habe «die gute Laune in das Schreiben zurückgebracht». Nicht dass bestimmte (wichtige) Autoren fehlen, ist das Problem - sondern eher, dass Weidermann sich nicht rigoros zu seinem beklemmenden Gute-Laune-Ansatz bekennt und sich von der Idee der Geschichtsschreibung nicht konsequent verabschiedet", meint KRUMBHOLZ.

     
       

    Das Buch in der Debatte

    WINKELS, Hubert (2006): Emphatiker und Gnostiker.
    Über eine Spaltung im deutschen Literaturbetrieb – und wozu sie gut ist,
    in:  Die ZEIT Nr.14 v. 30.03.

    Hubert WINKELS, Mitbegründer der KiWi-Kultur, arbeitet an der literaturbetriebshistorischen Legendenbildung. Anlass ist die Buchvorstellung Lichtjahre von Volker WEIDERMANN, bei der sich eine Kluft offenbarte:

    "Die einen suchen das wahre Leben, die anderen die wahre Literatur
               Die Emphatiker des Literaturbetriebs, die Leidenschaftssimulanten und Lebensbeschwörer ertragen es nicht länger, dass immer noch einige darauf bestehen, dass Literatur zuallererst das sprachliche Kunstwerk meint

    (...).

               Wenn man die literarische Landschaft zurzeit verstehen will, ist eine Zweiteilung hilfreich: die Unterscheidung zwischen Emphatikern und Gnostikern. Die Emphatiker sind die mit dem unbedingten Hunger nach Leben und Liebe; Gnostiker sind die, denen ohne Begreifen dessen, was sie ergreift, auch keine Lust kommt
    ".

    Diese Kluft ist keineswegs besonders neu. Single-generation.de hat sich damit bereits im November 2000 befasst. Es stellte sich damals die Frage nach dem deutschen HOUELLEBECQ. Diese Frage hat sich noch nicht erledigt, denn sonst gäbe es den Artikel von WINKELS gar nicht.  Was WINKELS als Empathiker beschreibt, das wurde hier bereits vor langer Zeit als Imagedesigner beschrieben. Popliteraten sind inzwischen selbst von der Soziologie zu "Seismografen" geadelt worden, die sozialstrukturelle Verschiebungen vorwegnehmen. Gerade deswegen ist eine literaturwissenschaftliche Herangehensweise - wie sie WINKELS hier explizit fordert - dem Phänomen längst nicht mehr angemessen. WINKELS Argumentation führt deshalb auch konsequent ins Gesellschaftspolitische:

    "Schirrmacher, als pseudowissenschaftlicher Alarmist selbst Emphatiker, hat für die wachsende Emphatikerwelle die Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung geschaffen, die sich um Stadionberichte aus dem literarischen Leben bemüht. Hier ist auch eine der Mündungen eines Stroms aus den achtziger Jahren, der über Wiener und Tempo die subjektive Schreibweise propagierte, mit Tom Wolfe und Hunter S. Thompson als amerikanischen Paten. Maxim Biller, Moritz von Uslar, Christian Kracht kommen daher. Der Tempo-Macher Markus Peichl ist heute Redaktionsleiter bei Beckmann und lässt gelegentlich Pop-Autoren passieren, wenn sie Drogenprobleme haben oder Nummer-eins-Bestseller sind. Auftritte in Talkshows wiederum gehören zu den wichtigsten Zielen jener Buchverlage, die mit Auflagen ab 50000 rechnen. Dagegen sind Rezensionen in den fünf klassischen überregionalen Zeitungen ökonomisch relativ unbedeutend. Schon diese ganz einfache Ableitung macht klar, wie gut sich der einstmals subversiv gedachte affirmative Charme der Anti-Hippies und Anti-Achtundsechziger mit der dynamisierten Warenwelt verträgt."

    BARTELS, Gerrit (2006): Abreibungskunst.
    Das Haltbarkeitsfeuilleton schlägt zurück: Ein Kultur- und Richtungsstreit in der Literaturkritik, ausgelöst durch Volker Weidermanns Buch "Lichtjahre",
    in:  TAZ v. 31.03.

    Gerrit BARTELS, Fan des FAS-Lässigkeitsjournalismus, verteidigt den Ex-tazler Volker WEIDERMANN gegen das Haltbarkeitsfeuilleton:

    "Offensichtlich war bei dieser »Buchvorstellung«, dass hier drei ältere Literaturkritiker, zwei Fünfzigerjahrgänge, ein Vierzigerjahrgang, dem 1969 geborenen Weidermann eine Abreibung verpassen wollten
    (...).

              
    Dieser Kulturstreit ist einer zwischen dem Haltbarkeitsfeuilleton, also dem von Greiner/Bartmann, und dem Feuilleton neueren Typs, einem Pop- oder Unterhaltungsfeuilleton, wenn man böse sein will auch: Trommelfeuilleton, für das Weidermann, die FAS und neuerdings auch der Kulturteil des Spiegels unter Matthias Matussek und Joachim Lottmann stehen. Dazu erkennt man immer noch Spuren des Unbehagens an der eigentlich für tot erklärten Popliteratur, einen Kampf der Verfechter und Verehrer von Literatur, die noch in 30 Jahren was hermacht, gegen die Popschnelldreher, die nur für den Augenblick geschrieben sind".

    MANGOLD, Ijoma (2006): Heute schon geweint?
    Die Sehnsucht nach dem Leben in der Literaturkritik,
    in:  Süddeutsche Zeitung v. 31.03.

    Ijoma MANGOLD liefert eine weitere Nacherzählung der Ereignisse um die Buchvorstellung von Volker WEIDERMANN. Man darf MANGOLD wohl eher den Empathikern zuordnen, wenn er schreibt:

    "Was meint der Literaturkritiker eigentlich wirklich, wenn er das eine Werk gut und das andere schlecht nennt? Ist am Grunde des Urteils nicht stets ein Wille zur Macht erkennbar, die eben darin besteht, über die Wahrheit des Lebens Aussagen treffen zu dürfen? Woher sonst die Erregungspotentiale?"

    Für MANGOLD ist die Überführung von Wahrheits- in Coolnessfragen die logische Konsequenz der Unentscheidbarkeit letzter Fragen. Wer hat den besseren Sex, feiert die besseren Partys oder erzeugt den größten Pulverdampf, das ist dann der Sinn des Literaturwettkampfs. Die Gnostiker spielen darin lediglich die Rolle der Spielverderber:

    "Die Empathiker neigen dazu, so zu schreiben, als hätten sie den besseren Sex. Die Gnostiker werden ihnen das nicht durchgehen lassen."

    HAMMELEHLE, Sebastian (2006): Tod einiger Kritiker.
    "Die Zeit" ist erzürnt, Wolf Biermann verläßt seinen Verlag: Wie eine kleine Literaturgeschichte eine große Debatte entfacht,
    in: Welt am Sonntag v. 02.04.

    HAMMELEHLE sieht die Gnostiker bereits von den Empathikern geschlagen. Da es sich hier nach Meinung des Autors um einen Generationenkonflikt handelt, ist diese Aussage letztlich überflüssig. Die Alten müssen immer abtreten...

    FAS (2006): Aus gegebenem Anlaß: Soll die Gnosis in Zukunft eine größere Rolle spielen?

    KÖRTE und SEIDL machen die Gnostiker für das Aussterben der Deutschen verantwortlich. Sie beziehen sich dabei auf Hubert WINKELS, der seinerseits die alarmistischen Empathiker gescholten hat. Außerdem wird vermeldet, dass Wolf BIERMANN (siehe WamS) den KiWi-Verlag wegen WEIDERMANN verlässt. Er sollte WEIDERMANN danken, das hätte sonst sowieso niemand interessiert...

    KÖRTE, Peter (2006): Pro - Um Gottes willen,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 02.04.

    SEIDL, Claudius (2006): Contra - Mehr Gnocci wagen,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 02.04.

    FEDDERSEN, Jan (2006): Die Debatte ist schön!
    Feuilletonstreit um ein Literaturlexikon: Der FAS-Redakteur Volker Weidermann antwortet öffentlich,
    in: TAZ v. 04.04.

    HEIDENREICH, Elke (2006): Lesen.
    Volker Weidermann - Lichtjahre,
    in: ZDF v. 04.04.

    WITTSTOCK, Uwe (2006): Neuer Deutscher Skandalismus.
    Die jüngste Literaturdebatte offenbart den Konflikt zwischen zwei Kritikergenerationen,
    in: Welt v. 04.04.

    DIEZ, Georg (2006): Wir Empathiker.
    Gibt es eine Spaltung im deutschen Literaturbetrieb? Eine Antwort auf Hubert Winkels,
    in: Die ZEIT Nr.15 v. 06.04.

    LOVENBERG,Felicitas von (2006): In der Zauberhöhle.
    Drei erfüllte Wünsche: Das Glück der Kritikerin,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.04.

    HAGE, Volker (2006): Lichtjahre auseinander.
    Eine originelle Sammlung von Dichterporträts löst in der Zunft einen heftigen Positionsstreit über die Vermittlung von Literatur aus,
    in: Spiegel Nr.15 v. 10.04.

    DOTZAUER, Gregor (2006): Angriff der Gegenwart.
    Literaturkritik als Kulturkampf: Warum über Volker Weidermanns Buch „Lichtjahre“ so heftig gestritten wird,
    in: Tagesspiegel v. 12.04.

    "Zerstreuungswut, Populismus, die ewige Schlacht zwischen Geist und Geld – all das mag es geben. Doch es rüttelt, mitten im deutschen Subventions- und Bücherparadies, noch etwas Grundsätzlicheres am humanistischen Selbstverständnis: eine Unfähigkeit, der eigenen Tradition über das Zitieren hinaus Sinn zu verleihen", meint Gregor DOTZAUER zum Streit zwischen Empathikern und Gnostikern.

    KALLE, Matthias (2006): Die Arschloch-Debatte.
    Die deutsche Literaturkritik teilt sich. Das wurde aber auch Zeit,
    in: zitty v. 13.04.

  • Infos zu: Matthias Kalle - Autor der Generation Golf

  • SEILER, Sascha (2006): One Nation under a Groove.
    Volker Weidermann: Lichtjahre,
    in: Intro Nr.140, Juli

    SEILER beschreibt das Buch als "Literaturgeschichte für die Spaß- und Konsumgesellschaft" mit "einem recht aufdringlichen Kumpelfaktor" das jedoch spannend zu lesen ist. Besonders angetan hat es SEILER der österreichische Schriftsteller Thomas BERNHARD, dessen Bedeutung für Dirk von LOWTZOW (Tocotronic) in einer Marginalie explizit gewürdigt wird. Eine andere Marginalie über Elfriede JELINIK ist der Differenz zwischen Leben und Roman gewidmet, die das Problem der Empathiker verdeutlicht.

    MELLER, Marius (2006): Gnosis und Emphase,
    in: Merkur Nr.688, August

    MELLER rekapituliert noch einmal die ganze Debatte, um dann 3 Konfliktpunkte zu benennen.
              
    Zum einen sieht MELLER die Kritik an WEIDERMANN

    "von der Sorge getragen, daß die Nachkriegsliteraturkritik - zumindest im Rückblick gesehen - als Monotheismus um Marcel Reich-Ranicki erscheint und daß dieser Monotheismus irgendwie auf den Jungkritiker Weidermann transformiert werden könnte".

    Dem hält er entgegen, dass die Zeit des kritischen Monotheismus endgültig vorbei sei. Zweitens sieht MELLER in der Diagnose eines Generationenkonfliktes einen hilflosen Versuch, die Tatsache zu ignorieren, dass

    "Postachtundsechziger in der Literaturkritik allmählich die Redakteursposten besetzen. Weidermann hat die Aufgabe übernommen, der erste dieser Generation zu sein, der mit einer prägnanten Buchveröffentlichung an die Öffentlichkeit tritt. Und zudem schreibt er für ein Medium, in dem die zentrale Gattung naturgemäß nicht die Rezension, sondern die Reportage und das Porträt ist."

    Drittens sieht MELLER hinter der Dichotomie Gnostiker-Emphatiker das Ressentiment des Bürgertums gegen die Unterhaltungskultur wirken (was angesichts der Punk-Vergangenheit von Hubert WINKELS doch etwas verwegen erscheint).

     
       

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    webmaster@single-generation.de Erstellt: 16. März 2006
    Update: 28. September 2015