[ Autoren-Index ] [ News ] [ Homepage ]

 
       
   

Günter Grass: Die vaterlose Gesellschaft

 
       
     
       
     
       
   

Günter Grass in seiner eigenen Schreibe

 
   
  • fehlt noch
 
       
   

Günter Grass im Gespräch

 
   

GRASS, Günter & Pierre BOURDIEU (1999): Alles seitenverkehrt.
Zivilisiert endlich den Kapitalismus! - Der Literaturnobelpreisträger Günter Grass und der Soziologe Pierre Bourdieu im Gespräch,
in: Die ZEIT
Nr.49

SCHWEIZERHOF, Barbara & Jörn KABISCH (2001): Wer hat sich denn.
Günter Grass über die 68er, das Kippen von links nach rechts und eine Rhetorik, die Menschen keine Veränderungen zugesteht,
in: Freitag
Nr.6 v. 02.02.

ENSIKAT, David & Marius MELLER (2003): "Helden? Ach was, die brauchen wir nicht".
Als die Plebejer den Aufstand probten: Thomas Brussig im Gespräch mit Günter Grass. Ein literarisches Gipfeltreffen zwischen Ost und West,
in: Tagesspiegel v. 15.06.

Thomas Brussig - Aufwachsen im Ostberlin der 70er Jahre

SCHIRRMACHER, Frank & Hubert SPIEGEL (2006): "Warum ich nach sechzig Jahren mein Schweigen breche".
Günter Grass im Interview,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.08.

 
       
   

Günter Grass in der Debatte

 
   

DOTZAUER, Gregor (2006): Örtlich betäubt.
Eine Beichte, ein Schock: Günter Grass, das Gewissen der Nation, war Rekrut bei der Waffen-SS. In seinem Erinnerungsbuch „Beim Häuten der Zwiebel“ schreibt er erstmals darüber,
in: Tagesspiegel v. 12.08.

SPINNEN, Burkhard (2006): Bitte, seid behutsam. In jeder Beziehung.
Über Günter Grass, meinen Vater und eine Generation, die Lehren aus ihrer Jugend zog,
in: Welt v. 14.08.

Burkhard SPINNEN verteidigt Günter GRASS, indem er einen Vergleich mit der eigenen Vatersuche und derjenigen von Ute SCHEUB ("Das falsche Leben") zieht:

"Mein Vater, vor sieben Jahren gestorben, zählt zu jener Mehrheit der Deutschen seiner Generation, die aus der gewaltigen und gewaltsamen Enttäuschung ihrer Jugend die Lehre gezogen haben, sich zu verhalten, wie Albert Speer es in seiner letzten Rundfunkansprache von den Überlebenden forderte (...): »Fleißig unserer Arbeit nach- gehen«!
          
 (...). Man - in diesem Falle: ich - konnte solche Väter nach allerhand kleinem Streit ohne den letzten großen Bruch verlassen und Ausschau halten nach den wenigen, die sagten, was jenseits der Abstinenz von großen Ideen und Bewegungen wartete. Wenn man ihnen nicht persönlich begegnen konnte, las man ihre Bücher.
Etwa Grass' Roman »Örtlich betäubt«, wo ein junger Mann, um zum Protest gegen den Vietnam-Krieg zu provozieren, seinen Dackel anzünden will. Grass liest am 19. Juli 1969 auf dem Kirchentag in Stuttgart aus dem Manuskript. Danach geht einer der 2000 Zuhörer ans Saalmikrophon, hält eine wirre Rede und sagt: »Ich provoziere jetzt und grüße meine Kameraden von der SS.« Unmittelbar anschließend nimmt er Zyankali. (...).

          
 Es ist ein merkwürdiger Zufall. Über diesen Mann, den man seit Grass' Wahlkampfbuch »Tagebuch einer Schnecke« als Figur daraus mit dem Namen Manfred Augst kennt, hat seine Tochter Ute Scheub, so alt wie ich und Mitbegründerin der »TAZ«, im Februar dieses Jahres ein Buch veröffentlicht: »Das falsche Leben - Eine Vatersuche«. Die Szene des Selbstmords steht darin begreiflicherweise im Mittelpunkt, und damit auch die Anwesenheit des Schriftstellers Grass beim Tod eines ehemals überzeugten Nazis, der an seiner wahrlich unbewältigten Vergangenheit verzweifelte. Seine Tochter schreibt jetzt über ihren Vater: »Er ist - buchstäblich - an seinem Schweigen erstickt.«
Von da bis jetzt sind es 37 Jahre, die Grass noch schwieg bis zum Eingeständnis der Verirrung eines Halbwüchsigen. Man denke sich noch einmal die Szene: "Ich provoziere jetzt und grüße meine Kameraden von der SS." Grass, 42, intellektuelle Leitfigur der 68er Provos (...) muss sich, (...) vom Selbstmörder gegrüßt fühlen! Gegrüßt, betroffen auch, (...) aber, und zu Recht, nicht gemeint!

          
 Deshalb meine dringende Bitte nach Behutsamkeit. Ute Scheubs Vatersuche vollzieht sich nicht behutsam. Ihr Vater, bei Kriegsende 32, war Täter aus Überzeugung, vielleicht bewahrte ihn nur seine Kurzsichtigkeit davor, ein Massenmörder zu werden. Grass und mein Vater waren Jungs, denen man die Köpfe verdreht hatte, bevor sie auch nur die Chance gehabt hatten, sich ein Rückgrat wachsen zu lassen. Sie wurden in einer vernagelten, braunen Kiste groß. Wir, ihre Kinder, Kinder der Freiheit und des Informationszeitalters und dennoch nicht vollkommen gefeit gegen den Opportunismus, tun gut daran, ihnen nicht vorzuwerfen, dass sie im Sturm umgefallen sind, solange noch nicht feststeht, ob wir auch nur dem Wind standhalten können."

BALZER, Vladimir (2006): Das Ende moralischer Instanzen.
Schriftstellerin Juli Zeh nennt Grass-Diskussion einen "sekundären Medienstreit",
in: DeutschlandRadio v. 15.08.

Für Juli ZEH, eine Angehörige der Generation Golf,  ist Günter GRASS schon längst keine moralische Instanz mehr, die man nun demontieren könnte. [mehr]

KASSEL, Dieter (2006): "Für mich war er eine unglaubliche Nervensäge".
Autor Florian Illies über Günter Grass,
in: DeutschlandRadio v. 16.08.

Der neue "Heimatdichter" Florian ILLIES stimmt Juli ZEHs Einschätzung bezüglich Günter GRASS zu. ILLIES meint gar, dass Tanten und Onkels den großen Intellektuellen als moralische Instanz ersetzen. [mehr]

BUDE, Heinz (2006): Die Überlegenheit des Schülersoldaten.
Warum uns Günter Grass zeigt, wo wir herkommen - und deshalb ein würdiger Nobelpreisträger aus Deutschland ist,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.08.

Der Soziologe Heinz BUDE, Klassensprecher der Generation Berlin, der bereits im Jahr 1987 der Flakhelfer-Generation das Buch Deutsche Karrieren gewidmet hat, stellt die Einzigartigkeit der Generation Günter GRASS heraus, gegenüber der die Erfahrungs- und Erlebnisdefizite der nachfolgenden Generationen 68er ff. sichtbar werden:

"Welche biografische Information hätten denn ein Peter Schneider oder ein Wolf Wondratscheck, ein Rainald Goetz oder ein Matthias Politycki zu bieten? Die einen könnten vielleicht über ihr Spiel mit dem Terrorismus berichten, die anderen müssen schon auf Spezialitäten ihrer sexuellen Vorlieben zurückgreifen. Aber wen interessiert das, und was sagt das über uns und die Verfassung unserer Gesellschaft?
          
 Es gibt eine besondere Disposition bei den Angehörigen der Flakhelfer-Generation, die ihnen bis auf den heutigen Tag einen ungeheuren Deutungsvorteil vor den nachgeborenen Generationen sichert. Er verdankt sich ihrer Erfahrung des Systemwechsels."

BAHNERS, Patrick (2006): Die Flucht nach vorne.
Aus dem Wahrheitsbegriff von Günter Grass spricht die Erfahrung der Flakhelfer-Generation,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.08.

BAHNERS befragt u.a. die Studie Deutsche Karrieren des Soziologen Heinz BUDE, um dem Fall GRASS auf die Spur zu kommen.

ADAM, Konrad (2006): Erbarmungslose Moralisten.
Der Fall Grass hat Methode: Die 68er unterschieden Täter und Opfer stets nach politischem Standpunkt. Es ging um Macht über die geschlagenen Väter,
in: Welt v. 17.08.

"Die skeptische Generation der Flakhelfer hatte der kritischen Generation Platz gemacht, und damit änderten sich die Spielregeln",

schreibt Konrad ADAM. Der Satz zeigt das ganze Dilemma der schwammigen Generationendebatte. Die skeptische Generation nannte der Soziologe Helmut SCHELSKY die 1945 - 1955 Geborenen, also die späteren 68er bzw. 78er. Die skeptische wurde im Laufe der Nachkriegszeit zur kritischen Generation. Die Gegensätze, die ADAM konstruiert, sind retrospektiv Gewordene, die wenig mit der Vergangenheit, aber viel mit der Gegenwart zu tun haben.

KISTER, Kurt (2006): Generation Ich.
Nach dem Grass-Geständnis streiten Alte, Junge und 68er,
in: Süddeutsche Zeitung v. 18.08.

Da die gebräuchlichen Generationen-Etiketten nicht passen, macht KISTER sie kurzerhand für die Grass-Debatte passend, was groteske Ergebnisse zeitigt:

"Nach den heftigen Aufwallungen um die Person Grass und dessen individuelles Verhalten ist die Debatte nun allerdings in die nächste Phase eingetreten - den Konflikt der Generationen. Kriegsteilnehmer hierbei sind:
          
 1) die Generation Grass. Das sind die, die vor 1930 geboren wurden und als Flakhelfer, Arbeitsmaiden, Ausgebombte oder Jungsoldaten das Ende des Krieges erlebten;
          
 2) die Generation Fischer, Joschka. Sie wurden Mitte bis Ende der sechziger Jahre volljährig, wenn auch nicht in jedem Fall vernünftig. Sie sind die 68er und standen entweder auf der Seite derer, die gegen das Establishment rebellierten (Fischer) oder definierten sich im Widerstreit zu diesen Rebellen (Stoiber);
          
 3) die so genannten Jungen. Als jung, zumindest im intellektuellen Sinne, betrachten sich all jene, die es für ein politisches, im schlimmeren Fall gar für ein künstlerisches Statement halten, wenn sie sagen: »Mir gehen die 68er auf die Nerven.« So gesehen können auch Leute, die, wie zum Beispiel Konrad Adam, ex-FAZ, jetzt Welt, 1942 geboren sind, genauso jung sein wie der 1971 geborene Florian Illies, ex-FAZ, jetzt Weiß-nicht-so-genau."

Das Fazit ist dann geradezu banal:

"Während die Alten, die 68er und auch die alten Jungen heftig übereinander herfallen und untereinander keifen, haben die Jungen keinen Bock darauf"

MANGOLD, Ijoma (2006): Seht, wie meine Augen tränen.
Günter Grass häutet seine Zwiebel, findet darin aber nur Metaphern: Eine Rezension seines Erinnerungsbuchs,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.08.

Ijoma MANGOLD, ein junger Junger (Kurt KISTER), hat sich selten von einer Zwiebel so genervt gefühlt. Er findet Eitles und Selbstbzogenes in dem "moralischen Drama". [mehr]

CORSTEN, Volker (2006): "Es hätte Anlässe gegeben".
Der Schriftsteller Uwe Timm hat die Geschichte seines Bruders aufgeschrieben. Karl Heinz Timm meldete sich freiwillig zur SS, starb im Krieg - aber sein Schicksal lastete über Jahrzehnte wie ein Schatten auf der Familie. Ein Gespräch über Scham, Verdrängung und den Versuch, Günter Grass' Schweigen zu verstehen
in: Welt am Sonntag v. 20.08.

Infos zu: Uwe Timm - Autor der 68er-Generation

POSENER, Alan (2006): Als die Studenten mit Brecht den Aufstand probten, trat ihnen der Plebejer entgegen.
In der Diskussion um den politischen Polemiker Günter Grass wird der Schriftsteller oft den 68ern zugeschlagen. Zu Unrecht,
in: Welt am Sonntag v. 20.08.

Infos zu: Alan Posener - Autor der Single-Generation

Neu:
SCHEUB, Ute (2006): Schuld & Scham.
Günter Grass und sein spätes Geständnis: Warum die aktuelle Debatte das Wichtigste ausblendet
,
in: Tagesspiegel v. 27.08.

Ute SCHEUB nimmt nun selber Stellung zum Fall GRASS. Burkhard SPINNEN hatte bereits zu Beginn der Debatte um GRASS auf die historische Verquickungen zwischen SCHEUB und GRASS hingewiesen.
          
 Kannten sich GRASS und ihr Vater also bereits seit Kriegstagen und nicht erst seit dem denkwürdigen Ereignis auf dem Stuttgarter Kirchentag im Jahr 1969? [mehr]
 
       
   

Im Krebsgang (2002)
Göttingen:
Steidl Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Der Journalist, der hier in fremdem Auftrag schreibt, hat wenig Lust, die alte, fast vergessene Geschichte von der Schiffskatastrophe auszugraben, die sich 1945 in einer eisigen Januarnacht in der Ostsee abspielte. Er hat die Story, die unabweisbar Teil seiner Lebensgeschichte ist, hundertmal aus dem Mund seiner Mutter gehört. Jetzt, fünfzig Jahre später, beim Recherchieren im Internet, macht er die erschreckende Entdeckung, daß sie eine ihn unmittelbar betreffende Fortsetzung hat.

Angefangen hat alles lange vor seiner Zeit, als am 4. Februar 1936 vier gezielte Schüsse den in der Schweiz für die NSDAP werbenden Wilhelm Gustloff töten. David Frankfurter, ein jüdischer Medizinstudent, will mit seiner Tat zum Widerstand aufrufen. Die Partei stilisiert den Ermordeten zum »Blutzeugen der Bewegung«. Ein Jahr später wird in Hamburg ein Schiff auf den Namen Wilhelm Gustloff getauft, ein weißes »Kraft durch Freude«-Schiff, auf dem »Volksgenossen« Ferienreisen in die norwegischen Fjorde machen. Im Zweiten Weltkrieg, zum Lazarettschiff umgerüstet, später zum Kasernenschiff, liegt die Gustloff in der Danziger Bucht, bis sie am 30. Januar 1945, mit Verwundeten, Marinehelferinnen und Tausenden von Flüchtlingen überladen, von Gotenhafen ausläuft und in derselben Nacht von dem sowjetischen U-Boot-Kommandanten Alexander Marinesko versenkt wird.
Im Krebsgang, im beharrlichen Hin und Her zwischen Einst und Jetzt zeichnet der Erzähler die historischen Ereignisse nach, die mit unheimlicher Folgerichtigkeit zum größten Schiffsunglück aller Zeiten führten und nun, verdreht, verzerrt, einen irrsinnigen Mord auslösend, in der Gegenwart und im Leben seines verstaubten Mythen anhängenden Sohnes fortwirken.
"

 
     
 
       
   

Rezensionen

HAGE, Volker (2002): "Das tausendmalige Sterben".
In seiner neuen Novelle "Im Krebsgang" erzählt Günter Grass von der Tragödie der Versenkung des Flüchtlingsschiffs "Wilhelm Gustloff" 1945 - und schildert packend einen von der deutschen Literatur lange gemiedenen Stoff: die blutige Geschichte der Flucht aus dem Osten,
in: Spiegel Nr.6 v. 04.02.

Der Literaturnobelpreisträger Günter GRASS - wie Martin WALSER ein Angehöriger der Flakhelfer-Generation - übt angeblich Selbstkritik. In Wirklichkeit rechnet er mit der 68er-Generation und der Generation @ ab. Das Buch ist der letzte verzweifelte Versuch, die Deutungshoheit über gesellschaftliche Themen zurückzugewinnen. Die Protagonisten des Romans sind Tulla Prokriefke, deren Sohn Paul - ein 68er - das Flüchtlingsschicksal der Muttergeneration aufschreiben soll, aber lieber sein eigenes Leben lebt. Pauls vaterloser Sohn wiederum - ein Angehöriger der Netzgeneration - gerät in Neonazikreise. Am Anfang steht also die Verdrängung und am Ende die Misere der vaterlosen Gesellschaft (Alexander MITSCHERLICH) mit der dazugehörigen Erziehungskatastrophe (Susanne GASCHKE). Was an dieser Sicht neu sein soll, das weiss nur das GRASS-freundliche Feuilleton! Ursula MÄRZ hat deswegen GRASS bereits vorsorglich in der Frankfurter Rundschau vom 02.02.2002 ("Abschied vom Phantom") gegen die Kritiker aus den Nachfolgegenerationen in Schutz genommen. Ihre Befürchtung, dass dieser "Anti-Grass-Verein" das neue Werk ablehnen könnte, sind nur zu berechtigt.

HALTER, Martin (2002): Rückwärts krebsen, um voran zu kommen.
Günter Grass hebt in seiner heute erscheinenden Novelle "Im Krebsgang" ein Stück versunkener deutscher Geschichte,
in: Saarbrücker Zeitung v. 05.02.

JÄHNER, Harald (2002): Tulla, unerlöst und heimatvertrieben.
Im neuen Buch von Günter Grass kämpft seine Heldin von einst um Gehör und findet es bei Neonazis,
in: Berliner Zeitung v. 05.02.

KARASEK, Hellmuth (2002): Der Taucher.
Günter Grass hat sein bestes Buch seit langem geschrieben: "Im Krebsgang" erinnert an den Untergang der "Wilhelm Gustloff" im Jahr 1945,
in: Tagesspiegel v. 05.02.

RAULFF, Ulrich (2002): Untergang mit Maus und Muse.
Günter Grass will den Leidschatz der Vertreibung aus der Ostsee heben: Heute erscheint seine Novelle "Im Krebsgang",
in: Süddeutsche Zeitung v. 05.02.

SCHNEIDER, Rolf (2002): Der beste Grass seit Jahren.
Die Novelle "Im Krebsgang": Eine notwendige Erinnerung an das Schicksal der Vertriebenen,
in: Welt v. 05.02.

FRANZEN, Günter (2002): Der alte Mann und sein Meer.
Günter Grass verarbeitet ein Kapitel deutscher Vertreibung: den Untergang der "Wilhelm Gustloff",
in: Die ZEIT Nr.7 v. 07.02.

Infos zu: Günter Franzen - Autor der 68er-Generation

AREND, Ingo (2002): Kraft durch Wahrheit.
Das Böse, das Raus muss,
in: Freitag Nr.7 v. 08.02.

BUCHELI, Roman (2002): Die verspätete Erinnerung.
Günter Grass' Novelle "Im Krebsgang",
in: Neue Zürcher Zeitung v. 09.02.

FRANZEN, Günter (2002): Der alte Mann und sein Meer.
Das Ende der intellektuellen Einfalt: Günter Grass und die Vertriebenen,
in: Welt v. 09.02.

Der FAZ ist erst zur Donnerstagausgabe vom 14.02. aufgefallen, dass FRANZEN seine Rezension in zwei überregionalen Zeitungen platzieren konnte und fand das sogar einen Kommentar wert.

MELLER, Marius (2002): "Das musste aufschraibn, biste ons schuldig".
Über die Aktualität moralischer Literatur, Günter Grass und seine neue Novelle "Im Krebsgang",
in: Frankfurter Rundschau v. 09.02.

SPIEGEL, Hubert (2002): Das mußte aufschraiben!
Die verspätete Erinnerung: Günter Grass beschreibt in seiner Novelle "Im Krebsgang" den Untergang der "Wilhelm Gustloff" und das Leid deutscher Kriegsflüchtlinge,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.02.

KNIPPHALS, Dirk (2002): Schiffskatastrophen und andere Untergänge.
Ziemlich viel von dem, was Sie immer schon von der Versenkung der "Wilhelm Gustloff" wissen wollten: märchenhafte Verkaufszahlen, Jubel und Trubel rund um den neuen Günter Grass. Literarische Einwände scheinen bei der Novelle "Im Krebsgang" nicht zu zählen - dabei sind sie gewichtig,
in: TAZ v. 20.02.

SUNDERMEIER, Jörg (2002): Es hört nicht auf.
Großes Leid, deutsches Leid. Ein Passionsweg in zehn Stationen durch Günter Grass' neues Buch "Im Krebsgang",
in: Jungle World Nr.9 v. 20.02.

Jörg SUNDERMEIER kritisiert u.a. GRASS' medienkritische Atomisierungsthese:

"Eine tragende Rolle im »Krebsgang« spielt das Internet, es ist das Kommunikationsmittel der ganz Jungen.
Die Generation der Großeltern, verkörpert in der Mutter des Ich-Erzählers, pflegt vor allem den persönlichen Kontakt. Sie redet - für Grass immer ein Zeichen von Zuhause - gern im Dialekt. Der Erzähler ist Journalist. Er und Seinesgleichen verständigen sich mittels Büchern und Zeitungen, direkter Kontakt liegt ihnen fern. Die Vertreter dieser Generation sind geschieden, sie arbeiten zu lange und sie wissen wenig voneinander. Ihre Kinder schließlich haben kaum noch persönlichen Kontakt. Der kleine Pokriefke, seine Freundin, der vermeintliche »Judenjunge« - sie alle sind Einzelgänger, trinken nicht, haben nicht einmal Sex. Sie sind Gefangene ihrer Bildschirme. Das Internet ist ihnen ein Kommunikations- und Liebesersatz. Im Internet findet der Nazi wie sein Gegenspieler den einzigen Freund."

Die medienkritische Atomisierungsthese hatte bereits in den 50er Jahren Hochkonjunktur. Damals wurde der Fernseher für den Zerfall der Familie verantwortlich gemacht und heutzutage ist es das Internet.

Nerds: Die kommunikationsunfähigen, unfreiwilligen Singles der Informationsgesellschaft
 
   

Das Buch in der Debatte

MÄRZ, Ursula (2002): Abschied vom Phantom.
Vor der Novelle: Grass und der Anti-Grass-Verein,
in: Frankfurter Rundschau v. 02.02.

Infos zu: Ursula März - Autorin der Single-Generation

SACK, Adriano (2002): "Nie hört das auf".
Günter Grass jagt Täter und Opfer durchs Internet,
in: Welt am Sonntag v. 03.02.

Infos zu Adriano Sack - Autor der Generation Golf

WEIDERMANN, Volker (2002): Aus dem Tagebuch eines Schreckens.
"Daß ich über die deutsche Vertreibung geschwiegen habe, das ist meine große Schuld": Günter Grass blickt in seiner neuen Novelle zurück,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 03.02.

Infos zu: Volker Weidermann - Autor der Generation Golf

SPIEGEL-Coverstory "Die deutsche Titanic".
Der neue Grass: Die verdrängte Tragödie des Flüchtlingschiffes "Wilhlem Gustloff",
in: Spiegel Nr.6 v. 04.02.

AUGSTEIN, Rudolf (2002): Rückwärts krebsen, um voranzukommen,
in:
Spiegel Nr.6 v. 04.02.

SEIDL, Claudius (2002): Die Härte der späten Geburt.
Widerspruch zu Günter Grass: Die Kinder und Enkel der Vertriebenen sind ganz anders,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.02.

Claudius SEIDL, ein Angehöriger der "Single-Generation", verteidigt die nicht-organisierten Vertriebenenkinder gegen GRASS:

"als Vertriebenenkind möchte man ihm nur noch zurufen: Nein, alter Mann, das ist nicht wahr! Man soll nicht auf die Enkel projizieren, womit man selber nicht fertig wird."

BARTETZKO, Dieter (2002): Nacht fiel auch über die Debatte.
Vor vierzig Jahren wurde das Thema Vertreibung zum ersten Mal populär - und wieder vergessen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.02.

Dieter BARTETZKO stimmt mit GRASS' Tabu-These überein und klagt die 68er-Generation an:

"Zum ersten Mal nach dem alle Erinnerung verwischenden Wirtschaftswunder und dem Tabu, mit dem Schuldkomplexe die Greuel der Vertreibung und des gnadenlosen Endkampfs belegt hatten, schaute die Republik zurück. (...). Weil man die ganze Wahrheit wollte, wurde 1959 Günter Grass' »Blechtrommel« sofort zum populären Roman: (...) Gelesen wurde Realismus, Danziger Wahrheit, und so wuchs dem allgemeinen Bewußtsein eine Stadt wieder auf, die ihm eben noch ein von den Deutschen verspieltes Vineta gewesen war.
Zu mehr (...) war die Majorität aber nicht in der Lage. Als 1961 mit dem Prozeß gegen Eichmann und 1963 in Frankfurt am Main mit dem Auschwitz-Prozeß das Leben statt der Kunst täglich mit den Naziverbrechen konfrontierte, wurde aus der Mehrheit wieder die sprichwörtlich schweigende. Die »Schwabinger Krawalle« von 1962, Vorbeben der Jugendrevolte, verhärteten Seelen und Gehirne. Die Jungen der Elterngeneration stopften jene ersten zagen Worte der Reue wieder in den Mund zurück. Für die wahrheitsfanatischen Rebellen gehörte es, wie Antje Vollmer kürzlich sagte, zum guten Ton, keinen Ton über die deutschen Opfer der letzten Kriegsmonate zu verlieren."

SCHMIDT, Thomas E. (2002): Ostpreußischer Totentanz.
In seinem neuen Buch erzählt Günter Grass vom Untergang der "Wilhelm Gustloff" im Januar 1945 - Tausende Flüchtlinge ertranken. Wem dient heute die Erinnerung an das Kriegsleid der deutschen Zivilbevölkerung? Grass führt ein Lehrstück zur Politik der Geschichte auf,
in: Die ZEIT Nr.8 v. 14.02.

Thomas E. SCHMIDT, ein Angehöriger der "Single-Generation", sieht in GRASS' Selbstbezichtigung und Anklage, die 68er-Generation hätte vor der Geschichte versagt, eine Selbstüberschätzung des Linksintellektuellen:

"Wie mächtig muss er sich gefühlt haben, wenn er meint, das rechte Denken verhindert haben zu können, wie mächtig fühlt er sich noch immer, wenn er hofft, durch Umerzählen potenzieller rechter Mythen das öffentliche Klima noch einmal abzukühlen."

 
   

weiterführende Links

 
     
   
 
   

Bitte beachten Sie:
single-generation.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

 
   
 
     
   
 
   
© 2002-2015
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 03. Februar 2001
Stand: 13. April 2015