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Hans Frick: Der Verlust des Sohnes als kritisches Lebensereignis

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1930 in Frankfurt geboren
    • 1968 Tod des 10jährigen Sohnes Henri
    • 1970 Buch "Henri"
    • 1973 Buch "Tagebuch einer Entziehung"
    • 1975 Roman "Dannys Traum"
    • 1980 Roman "Die Flucht nach Casablanca"
    • 2003 in Spanien gestorben
 
       
   

Hans Frick: Nachrufe

 
   
  • DOBLER, Franz (2003): Kind of blue.
    Er schrieb böse Romane über das Nachkriegsdeutschland, dann stieg er aus: Der Schriftsteller Hans Frick ist tot,
    in: TAZ v. 08.02.
  • DOBLER, Franz (2003): Um sein Leben schreiben.
    In der deutschen Nachkriegsliteratur war er einer der besten. Zum Tod von Hans Frick,
    in: Junge Welt v. 08.02.
    • Inhalt:
      "Nachdem sein kleiner Sohn von einem Auto totgefahren wurde, schrieb er »Henri« (1970), dann das »Tagebuch einer Entziehung« (1973), und in »Die Blaue Stunde« erzählte er von seiner Jugend im Frankfurt der Nazi- und Nachkriegsjahre und vom elend armen Leben seiner Mutter. Sie wohnten in der Ginnheimer Straße, dann in der Lahnstraße, und überall wurde die Mutter als »dreckige Judenhure« beschimpft, weil sie ein uneheliches Kind von einem jüdischen Kunsthändler hatte. (...). Man muß es erwähnen: Diese autobiographischen Berichte sind nicht nur Dokumente, sondern gehören zum Besten der Nachkriegsliteratur."
 
       
   

Tagebuch einer Entziehung (1973)
Darmstadt & Neuwied : Luchterhand (vergriffen)

 
   
 
 

Klappentext

"Hans Frick »einer von vielen, einer von 1,5 Millionen Trinkern«, notiert 181 Tage lang, von Mai bis November 1970, wie es sich ohne Alkohol lebt. Plötzlich, nach einem der unvermeidlichen Zusammenbrüche, verbietet er sich den nächsten Schluck und bleibt nüchtern. Die Folgen sind anfangs entsetzlich, sein »Zustand ist schlimmer, als es die Nachwirkungen widerlichster Saufereien sind«. Der Organismus, an Alkohol gewöhnt, wehrt sich gegen die Entziehung mit Anfällen von Panik, Angstträumen, Halluzinationen, Schmerzen von Kopf bis Fuß; das Bedürfnis, zu trinken, ist wie Gift im Blut. Nur langsam begreift der Autor, daß er krank ist und im Begriff war, alle sozialen Beziehungen zu zerstören. Die Frage, warum trinkst du, wartet auf Antwort. Auch in diesem Fall ist sie in der Vergangenheit versteckt: »Ich habe getrunken, weil ich meiner Angst entfliehen wollte und weil diese Fluchtversuche im Zustand beginnender Trunkenheit manchmal möglich schienen.« Die Angst: das ist hier der Vater, der gelbe Stern, die Kindheit im Krieg, der erbärmliche Tod der Mutter; das ist Henri, zehn Jahre alt, der 1968 von einem Auto zu Tode gefahren wurde. Fricks Tagebuch einer Entziehung ist mehr als ein Stück Autobiographie. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, mit einem ungewöhnlichen Lebenslauf wird mit Härte und Erbitterung geführt, wie sie kaum je ein Tagebuchschreiber gegen sich selbst aufgebracht hat. Obwohl Frick über Frick schreibt, hält er sich die Person, die er beobachtet und prüft, vom Leib, als fürchte er eine Nähe, die blind macht; die Besessenheit, mit der er sich ausfragt, schließt jedes Selbstmitleid aus. gerade weil er seinen Lebenslauf als Teil einer Leidensgeschichte begreift, die nicht allein seine Geschichte ist, sind seine Aufzeichnungen beispielhaft."

Zitate

"Dachte an Karins Vorwürfe, ich lebte nur noch in der Vergangenheit. Ich ahnte, daß ich eines Tages zustimmen, die Berechtigung des Vorwurfs anerkennen würde. Wer schon kann sich vorstellen, daß allein das Weiterleben des Jungen mich fähiger gemacht hätte, zu leben. Ich wäre übertragbar gewesen. Die Fragwürdigkeit eines solchen Egoismus liegt auf der Hand."

"Gespräch mit einem alten Mann, der auf seinen Tod wartet. Er haust seit zwanzig Jahren, seit dem Tod seiner Frau, allein in einer Mansarde. Er sagte: Ich will sterben, ich weiß schon lange nicht mehr, warum ich lebe. Ich esse, trinke und schlafe wie ein Tier. Ich liege fast nur noch im Bett. Ich brache eine halbe Stunde, um die Treppen hochzusteigen. Ich habe nur den einen Wunsch, daß unser Herrgott mich bald holt."

 
 
       
   

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Update: 13. Februar 2003
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