Singles sind wieder dort angelangt, wo sie seit ihrer journalistischen Entdeckung in den 1970er Jahren bis in die 1990er Jahre üblicherweise platziert wurden: Im Sommerloch.

Annabel DILLIG, Autorin des Buches Diesen Partner in den Warenkorb legen, preist den überzeugten Single wie einen Ladenhüter an, der unbedingt an den Mann bzw. die Frau gebracht werden muss. Mit Christiane RÖSINGER ("Liebe wird oft überbewertet") und Eric KLINENBERG ("Going Solo") hat DILLIG zwei Gewährsleute für ihre Sicht gefunden. Letzterer ist jedoch ein typisches Beispiel dafür, dass der Single in erster Linie eine Projektionsfläche ist. Wer wie KLINENBERG Ehefrau und Kinder hat, der sehnt sich nach ein paar Stunden für sich allein bzw. der Freiheit tun und lassen zu können, was man will. Da erscheint das Single-Dasein schon einmal nostalgisch verklärt.

Dabei ist bereits die Frage, wer ein überzeugter Single ist und wie viele es davon gibt, unbeantwortbar. Lediglich über Alleinlebende gibt es Zahlen, die jedoch weder etwas über Partnerschaften noch über Motive aussagen.

Die Alleinlebenden der Zielgruppe Neon nehmen zu:

"Laut dem Soziologen Stefan Hradil wächst der Anteil der Singles unter den Zwanzig- bis 35-Jährigen, derzeit liegt er bei rund 25 Prozent."

Liegt das aber am "Trend zum unverbindlichen Sex", der zur "neuen urbanen Kultur" stilisiert wird, wie Neon unter Berufung auf den Sexualwissenschaftler Ulrich CLEMENT berichtet, oder an den Mobilitätszwängen und den prekären Jobsituationen des flexiblen Kapitalismus, der die Vereinbarkeit von Partnerschaft und Beruf erschwert?

Typischer für die Alleinlebenden im jungen und mittleren Erwachsenenalter ist eher das ambivalente Single-Dasein, d.h. heute bin ich überzeugter Single, morgen leide ich an meinem unfreiwilligen Single-Dasein und übermorgen bin ich bereits wieder Teil der Pärchenwelt.

Die Möglichkeit des Abenteuers, das DILLIG als Anreiz des Single-Daseins beschreibt, ist eher der Neon-Zielgruppe (junge, gebildete Mittelschichtler) geschuldet, als der gesellschaftlichen Wirklichkeit der Partnerlosigkeit in Deutschland. Das andere Extrem wäre Walter HOLLSTEINs männlicher Partnerloser als Emanzipationsopfer. Die Heterogenität des Alleinlebens erfassen beide Sichtweisen nicht.