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Antonia Baum: Vollkommen leblos, bestenfalls tot

 
       
     
       
   
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    Antonia Baum in ihrer eigenen Schreibe

     
       

    BAUM, Antonia (2011): Wie ich einmal vorlas.
    Bachmannpreis in Klagenfurt: Entbeinte Texte, Literaturvollzugsbeamte und ein schöner See - das ist Klagenfurt beim alljährlichen Bachmannpreis-Wettbewerb. Ein Selbsterfahrungsbericht vom Wettlesen am Wörthersee,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.07.

    BAUM, Antonia (2012): Jeder, wie er will - aber so nun nicht.
    Familienministerin Kristina Schröder hat ein weitgehend unverständliches Buch über den Feminismus geschrieben,
    in:
    Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.04.

    "Dieser Weltanschauungsliberalismus ist so elitär, so lebensfern und aus »guten Verhältnissen« stammend, dass man geradezu radikal werden könnte",

    meint die Schriftstellerin Antonia BAUM zu Kristina SCHRÖDER und ihrem Buch Danke, emanzipiert sind wir selber!.

    BAUM, Antonia (2012): Töchter einer Revolution.
    Warum der Feminismus noch lange nicht erledigt ist,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 23.12.

    lm Einklang mit der BIB-Broschüre, die westdeutschen Frauen ein veraltetes Mutterbild bescheinigt, erklärt die Schriftstellerin Antonia BAUM:

    "Wie viel leichtsinniger, lebensgefährlicher, ja kopfverdrehter ist es, den eigenen Kopf an eine fremde Firma zu verkaufen, die ihn, über kurz oder lang, zu einem passenden Firmenwürfel deformiert, als einfach zu Hause zu bleiben. Es wäre so schön, würden die feministischen Schwestern und die über ihre Würfel-Förmigkeit erbitterten einem diesen Wunsch nicht zum Vorwurf machen. Zu Hause könnte ich (Akademikerin, gebärfähig, kinderlos) mir auch vorstellen, Kinder zu bekommen, die ich mit viel Liebe zu Akademikern erziehen würde. Denn wie viel leichtsinniger, lebensgefährlicher, ja kopfverdrehter wäre es, würde ich, wie es weithin für richtig gehalten wird, meinen Kopf an eine Firma verkaufen UND ein Kind bekommen? Das arme Kind! Von einer gestressten Würfel-Mutter und dem dazugehörigen Würfel-Vater unausgesetzt wegrationalisiert zu werden, möchte ich ihm nicht zumuten."

    Damit outet sich Antonia BAUM als wahre Enkelin von Norbert BLÜM.

    BAUM, Antonia (2013): So einfach ist es nicht.
    Das Patriarchat schadet auch den Männern, sagt Ralf Bönt. Das ist, für sich genommen, eine phantastische Erkenntnis. Er sagt, der Feminismus irrt. Stimmt. Leider irrt auch Bönt. Eine Replik,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 28.07.

    BAUM, Antonia (2013): Er ist immer so wishywashy.
    Im Internet gibt es eine Seite auf welcher man zwei Freunden dabei zusehen kann, wie sie versuchen, ein Paar zu werden,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 15.09.

    Die Schriftstellerin Antonia BAUM berichtet über die Website zweier New Yorker Kreative (sie 26, er 32) der Generation Me (eine Generationen-Etikette, die seit den 1970er Jahren - dem Zeitalter des Narzissmus - regelmäßig Verwendung findet).

    Wenn es um Partnersuche aus Frauensicht geht, dann ist Eva ILLOUZ ("Warum Liebe weh tut") nicht weit. Die biologische Uhr, die bei Frauen schneller tickt als bei Männern, muss dann für das "Ungleichgewicht an Bindungswillen" herhalten.

    Sozialforscher, die die Partnerwahl dagegen empirisch erforschen, gehen dagegen von Restriktionen des Partnermarktes und individuellen Präferenzen aus, die das Bindungsverhalten bestimmen.

    BAUM, Antonia (2014): Man muss wahnsinnig sein, heute ein Kind zu kriegen.
    Wie die tollste Sache der Welt in unserer Gesellschaft für viele zu einem Albtraum geworden ist und wie man das wieder ändern könnte,
    in:
    Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.01.

    Politik und Wissenschaft haben nach Geld und Infrastrukturpolitik nun die Zeitpolitik als letzten Punkt einer nachhaltigen Familienpolitik (neudeutscher Ausdruck für Bevölkerungspolitik) ganz oben auf die Agenda gesetzt. Jetzt werden wir also bis zu den beabsichtigten Gesetzesänderungen die Vereinbarkeitslüge in der Burn-out-Variante erzählt bekommen. BAUM bezieht sich genauso wie HERACK auf einen Spiegel-Artikel von Claudia VOIGT.

    "Mit dieser Überlegung wird einmal mehr offenkundig, wer es eigentlich ist, der sich öffentlich zu dem Kinder-Thema äußert: das soziale Milieu der Akademiker, der Ichs und Optimierer. Was Lastwagenfahrer und Supermarktkassierer dazu denken, ließt man überhaupt nicht und weiß folglich auch nicht, was die sich wünschen würden. Nicht jeder Mensch empfindet seinen Beruf als sinnstiftend. Und so ist auch dieser Text die Selbstaussage eines bestimmten Milieus.

    Und leider völlig folgenlos, denn schließlich lesen diesen Text sowieso nur Akademiker/innen.

    BAUM, Antonia (2014): Big Sister weiß, was gut für dich ist.
    Ein sehr gutes Buch - mit einem sehr bescheuerten Titel. Der Essay "Tussikratie" zeigt, wie wenig damit gewonnen ist, wenn die Frauen für alles, was nicht klappt, nur die Männer verantwortlich machen. Das Problem liegt ganz woanders,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.04.

    Antonia BAUM liest das Buch Tussikratie nicht als antifeministisches, sondern als kapitalismuskritisches Buch.

    BAUM, Antonia (2014): Gib alles!
    Man müsste schon die Märkte leerfegen, um an der Logik etwas zu ändern, die Frauen dazu bringt, ihre Eizellen einzufrieren,
    in:
    Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.10.

    BAUM, Antonia (2014): Der Chef von allen.
    Woran liegt es, dass ein deutscher Rapper namens Haftbefehl der Held aller anständigen und sinnsuchenden Mittelschichtskinder wurde: Ist diese Musik einfach nur krass - oder ist sie schön, wahr und poetisch?
    in:
    Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 23.11.

    BAUM, Antonia (2015): Die Mutterschaft ist heilig.
    Darf eine Frau bereuen, dass sie Mutter geworden ist? Der Hashtag #regrettingmotherhood bringt viele völlig aus der Fassung. Besonders in Deutschland heißt es: Kriegt Kinder und seid gefälligst glücklich damit! Das funktioniert aber nicht,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.04.

    Neu:
    BAUM, Antonia (2015): Die deutsche Mutter ist heilig.
    Es hilft einer verzweifelten Mutter, die aus dem Fenster springen würde, wenn sie nicht gerade ihrem Kind einen Muffin backen müsste, wenig, wenn man sie an die kenternden Flüchtlinge erinnert,
    in: Emma, Juli/August

     
           
       

    Antonia Baum und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Debatte

     
       

    SCHULZ, Stefan (2014): Ihr wollt Kinder? Dann kriegt sie doch!
    Ist, wenn keine Kinder mehr geboren werden, der Kapitalismus oder die Optimierungsgesellschaft schuld? Das ist eine Ausrede. Eine Antwort auf meine Kollegin Antonia Baum aus männlicher Sicht,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.01.

    Stefan SCHULZ fordert im Einklang mit der Bevölkerungspolitik, dass Akademikerinnen Kinder frühzeitig bekommen sollen:

    "Statt dass sich junge Menschen für Kinder entscheiden und sie bekommen, wenn sie Zeit für sie haben - als Studenten und Auszubildende -, warten sie, weil sie die Bedeutung des Geldes höher einschätzen",

    kritisiert er deshalb. Gegen diese Kritik hat schon im Dezember Kathrin ZINKANT eingewandt:

    "Kinder von älteren Müttern (bis 45 Jahre) (...) haben (...) durchschnittlich eine höhere Lebenserwartung. Und als Erwachsene sind diese Nachkommen gesünder als jene, die von Frauen im vermeintlich besten reproduktiven Alter, also jünger als 35 Jahre, geboren werden."

    Gegen das Leistungsdenken in Sachen Kind setzt SCHULZ die beliebte Formel vom "Abenteuer Kind", die Anfang des Jahrtausends Zeitschriften wie Max oder zitty populär machten.

    "Mit Unglück, Erschöpfung und finanziellem Ruin ist tatsächlich nur dann sicher zu rechnen, wenn man glaubt, die Entscheidung für ein Kind allein treffen zu können. Hat man die Entscheidung jedoch gemeinsam getroffen, bekommt man es plötzlich mit einem neuen »wir« zu tun, womit erst einmal nur die Eltern gemeint sind: Zur Liebe gesellt sich ein Sinn des Zusammenseins",

    findet SCHULZ, der vom Papi-Mami-Ideal der 1950er Jahre ausgeht. Weder Alleinerziehende noch Singles dürfte mit diesem Heile-Welt-Ratschlag etwas anzufangen wissen.

    FRITZEN, Florentine & Tobias RÖSMANN (2014): Ruhe, ihr Jammerfrauen!
    Eure Ausreden zum Kinderkriegen sind narzisstisch und absurd,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 12.01.

    Die FAZ/FAS inszeniert ihre eigene Kinderlosendebatte. Die Kritik an "Selbstoptimierern" zielt zum einen auf das moderne Kleinbürgertum, dem die Soziologin Cornelia KOPPETSCH in ihrem Buch Die Wiederkehr der Konformität diese Strategie als Ausweg aus der wahrgenommenen Polarisierung der Mittelschicht in eine nach oben orientierte obere Mittelschicht (neues Bürgertum) und eine im Kampf gegen den Abstieg befindende mittlere und untere Mittelschicht zuschreibt. Der Soziologe Heinz BUDE sieht dagegen den Zwang zur "Selbstoptimierung" als Strategie von Kinderarmen in der "mittleren Komfortzone", während die kinderreiche Oberschicht bzw. obere Mittelschicht sich einen Lebensstil jenseits von Optimierungszwängen leisten können. KOPPETSCH spricht in diesem Zusammenhang von der Logik des Erbes.

    "Wer Kinder hat, wird spätestens jetzt nicken. Wir sind in der Mehrheit, aber der Eindruck ist ein anderer."

    Warum also diese Debatte? FRITZEN/RÖSMANN kritisieren insbesondere die Orientierung von kinderarmen Eltern am Lebensstil der Kinderlosen:

    "Richtig ist, dass in diesem Land beide Teile eines Bildungselite-Paars Vollzeit arbeiten müssen, um exakt dasselbe Leben mit Kindern führen zu können wie ohne. Wer das wirklich möchte, hat nichts verstanden. (...). Wer viel Zeit mit seinen Kindern verbringen will, wird weniger Karriere machen. Nehmt es endlich hin."

    BROST, Marc & Heinrich WEFING (2014): Geht alles gar nicht.
    Dass sich Kinder und Karriere vereinbaren lassen, ist eine Lüge. Zeit für mehr Ehrlichkeit,
    in: ZEIT Nr.6 v. 30.01.

    BOEHNING, Larissa (2014): Wir brauchen einen Familismus!.
    Man muss wahnsinnig sein, heute ein Kind zu kriegen? Nein, aber zahlreiche Ängste halten Frauen davon ab. Wir brauchen einen neuen Feminismus. Besser noch: einen Familismus,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.02.

    Infos zu: Larissa Boehning - Autorin der Generation Golf

    FUNK, Mirna (2014): Ich will so bleiben, wie ich bin.
    Debatte: Barbie-Feministinnen sind junge westdeutsche Frauen, die außen Feministin, innen leider Barbie sind,
    in: Freitag Nr.7 v. 13.02.

    Ostfrau Mirna FUNK, Jahrgang 1983, wirft Westfrauen wie Antonia BAUM und Silke BURMESTER, die behaupten, dass Beruf und Familie nicht vereinbar seien, "Denkfehler der westdeutschen Sozialisation" vor. Ihr Vorbild ist die neue Familienministerin Manuela SCHWESIG, ebenfalls Ostfrau:

    "Schwesig ist eine von vielen Frauen, die ohne müde Haut Beruf und Familie vereinbaren können: die nicht arbeiten gehen, um sich teure Sache zu kaufen, sondern weil sie lieben, was sie tun. Sie sind Mutter, Business-Frau und Partnerin. Und dieses Zusammenspiel macht sie überhaupt erst glücklich und vollkommen."

     
           
       

    Vollkommen leblos, bestenfalls tot (2011)
    Hamburg: Hoffmann und Campe Verlag

     
       
         
     

    Klappentext

    "Wie findet man im Labyrinth der Möglichkeiten den Weg ins eigene Leben? Antonia Baums junge Heldin erzählt in furiosem Stakkato von der Enge der Freiheit und der Bedrohlichkeit des Glücks.

    Eine junge Frau bricht auf, aus der Provinz in die Stadt, die Hoffnung auf Veränderung ist groß. Aber schnell stellt sie fest, dass sie nicht frei ist: nicht frei vom Unglück ihrer Eltern, nicht frei von der Angst, die sie in Ketten legt, nicht einmal frei in der Liebe, die sich als Farce entpuppt. Wer nur die Geborgenheit eines Gefängnisses kennt, dem erscheint jede Bewegung als Gefahr. Antonia Baums Heldin gibt jener Generation eine Stimme, die in den unendlichen Möglichkeiten des Glücks und der Selbstverwirklichung verloren ist. Ein erstaunliches Debüt, eine tragikomische Suada und ein ebenso emotionaler wie kühl sezierender Blick auf eine kaputte Gesellschaft."

     
         
     
           
       

    Rezensionen

    WEHN, Jan (2011): Aggro-Stakkato.
    Weltunverständnis: Bis zum Rand der Verzweiflung - und darüber hinaus: Antonia Baums Debütroman "Vollkommen leblos, bestenfalls tot" haut rein,
    in: Literaturbeilage der TAZ v. 12.10.

    JUNGEN, Oliver (2011): Banale Phase oder Die Dilettanten des Wunders.
    Ein Fanal: Antonia Baums vollkommen lebloses Debüt, in dem eine junge Frau in Berlin nach der Liebe sucht, wird als neue deutsche Literatur verkauft. Was für ein Irrtum!
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 25.10.

    FIEDLER, Cornelia (2011): Der Kopf ist ein stickiges Frauenwohnzimmer.
    In den Fußstapfen der Wut-Literatur: Antonia Baums Romandebüt "vollkommen leblos, bestenfalls tot",
    in: Süddeutsche Zeitung v. 10.11.

    MANGOLD, Ijoma (2011): "Eine Welt voll Scheiße".
    Antonia Baum gibt in ihrem Debüt "Vollkommen leblos, bestenfalls tot" dem wütenden Affen Zucker,
    in: Die ZEIT  Nr.47 v. 17.11.

    Ijoma MANGOLD zieht Parallelen zum Buch Mars von Fritz ZORN:

    "Ein bisschen fühlt man sich an Mars erinnert, wenn man das Debüt von Antonia Baum Vollkommen leblos, bestenfalls tot liest. Auch hier vergisst die Ich-Erzählerin nie, zu betonen, aus welch gutem Haus sie stammt und wie ihren Eltern der Wohlstand zu den Ohren rauskommt und wie verlogen und krank die Denkweisen hinter der lässig-teuren Fassade sind. Allerdings haben sich die Inhalte der Verlogenheit seit Mars zeitgemäß verschoben. Bei Fritz Zorn ging es gegen die sexuelle Prüderie, den protestantischen Puritanismus und den Muff des Unausgesprochenen. Der Horror des Justemilieu bei Antonia Baum sieht anders aus: Es ist die Gleichgültigkeit der permissiven Gesellschaft, die Lieblosigkeit der Patchworkfamilie, die Abgebrühtheit der Kulturschickeria, die selbstgefällige Angeberei der Highperformer, ihr heuchlerisches Engagement bei allen sozialen Fragen, kurzum: insgesamt eher eine linkshedonistische Hypokrisie, an der sich Antonia Baums Icherzählerin abarbeitet."

    Im Jahr 2000 verglich single-generation.de das Buch Elementarteilchen von Michel HOUELLBECQ mit Mars von Fritz ZORN. Während man HOUELLEBECQ seinen Furor allzu bereitwillig glauben wollte, wirft MANGOLD der Autorin Posertum vor. Die Maßstäbe erscheinen willkürlich und das Beispiel Helene HEGEMANN zeigte vor nicht allzu langer Zeit, wie daneben der Kulturbetrieb mit seinem Authentizitätszertifizierungswahn liegen kann.

    Auffällig ist dagegen, dass in der Generation @ die Patchworkfamilie jenes Familienmodell ist, an dem sich die Kontroversen entzünden.

     
       

    Antonia Baum in der Debatte

    LOTTMANN, Joachim (2011): Flaschen und Luschen.
    Am Ende gibt’s den Speisekartenständer: Der Hamburger Schriftsteller Joachim Lottmann besuchte für profil den Bachmann-Preis 2011 in Klagenfurt,
    in: Profil v. 12.07.

     
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 20. November 2011
    Update: 06. August 2015